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Stuttgart, 11. April. In der letzten Bürgerversammlung am Samstag, die zu Erwählung eines Centralcomitc's für ganz Würtembcrg gehalten wurde, waren die Gemüther eincstheils sehr erbittert übe? die Verhaftung eines Unter-Offiziers , der den Sprecher bei der Militär-versammlung gemacht hatte, audcru- theils über die Besorgnisse vor einer Republik und den Bestrebungen der Arbeiter. Der Sturm brach namentlich los über die Art, wie abgestimmt werden solle, ob mündlich und öffentlich, oder schriftlich. Der Sturm war so heftig, daß die Redner in dem beschränkten Raum nicht mehr gehört werden konnten und man den Ausweg, ergriff, die Versammlung auf dem Wilhelmsplatz zu halten. Der anwesende neue Stadt- Director, Regierungsrath Seeger, wurde unter Andcrm gebeten, den Versammelten, die so lange hier verweilen wollten, Gewißheit über das Schicksal des gefangenen Unter-Offiziers zu verschaffen. Unglücklicherweise zog ein großer Haufe mit demselben vor die Hauptwache, wo dieselben, auf die Aeußerung, der Unteroffizier sei schon nach dem Hohenasperg gebracht, dies nicht glauben wollten, die Hauptwache vifitirten und immerwährend forttobten. Die ganze Garnison und Bürgerwehr rückte aus, und nur den beruhigenden Worten des beliebten Volksmannes Staatsrath Röâcr gelang cs,, die Ruhe wieder herzustellen, indcin er versprach, der Unter- Offizier solle heute wieder hergebracht und in Freiheit gesetzt werden.
Stuttgart, 13, April. Jetzt, nachdem die Einzelnheiten der Ereignisse der beiden letzten Tage bekannt geworden sind,, wird selbst ein Theil der Sieger in der großen Wahlschlacht,, der bessere Theil, den nur die Gespcnstcrfurcht vor einer nur in der Einbildung bestehenden republikanischen Partei (b. h. einer solchen, welche die Republik mit Gewalt cinführeu- möchte, für was hier Niemand ist) auf die andere Seite getrieben hatte, nüchtern und es müssen ihm die Augen ba- düber aufgegangen sein, in welchen Sumpf sie gerathen, indem sie sich ihren früheren reaktionären Gegnern angeschlossen. Viele haben sich mit Entrüstung abgewandt von dem Banner, um welches sic sich vorgestern noch durch einen schweren Irrthum geschaart hatten. Der Sieg ist daher moralich eine Niederlage zu nennen. (Fr. I.)
Karlsruhe, 11. April. Diesen Morgen hat sich hier ein Verein gebildet zur Unterstützung der aus Frankreich zurück- kehrenden, meistens mit Versprechungen getäuschten Arbeiter; der Verein will nicht blos Unterrstützung mit Geld, foudcrn mit Rath und Beistand; der Abgeordnete Zittel geht heute noch nach Strasburg, um sich mit den Arbeitern in diesem Sinne zu besprechen. Hoffentlich wird bald auch die starke militärische Besetzung ihr Ende nehmen. (Obcrrh. Z.)
Die Mannh. Äbendztg. enthält einen Artikel über Ficklers Verhaftung aus der Feder Breutano's, welcher die Vertheidigung des Angeschuldigten übernommen hat. Aus dem Inhalt heben wir einige Punkte heraus: 1) Nach Ficklers Behauptung hat Mathy die Verhaftung persönlich mit Zuziehung von 6 (wahrscheinlich von der Thorwache herbei- geholtcn) Soldaten vorgenommen, nachdem ein anwesender Polizeikommissär sich dessen weigerte und erst in die Stadt fahren wollte, um einen Verhastbcsehl zu holen. 2) Aus das Stadtamt gebracht, wurde Fickler eröffnet, „daß er beschuldigt sei, durch zwei Artikel der Sccblättcr in Nr. 71 und 80
aus München und beziehungsweise Konstanz einen Versuch zum Hochverrath begangen zu haben — eine Anklage, die mit dem Anträge auf Verhaftnahme und dem Beschlusse, dass die erkannte Untersuchungshaft fortzudauern habe, von dem Hofgerichte zu Bruchsal bestätigt ward. 3) Bei Fickler wurde ein Schreiben des demokratischen Bureaus (Herwegh, Bornstedt u. f. w.) gefunden, welches (soweit cs mitgetheilt wird) die bekannten Pläne der deutschen Freischaaren ausspricht. 4) Ficklcr antwortete hieraus (der Brief selbst ist natürlich nicht vorhanden); seinen Aussagen zufolge riech er in seiner Antwort weder zu, noch ab, warnte vor Beimischung polnischer oder französischer Elemente in die deutsche Sache und erklärte, die Republik nicht proklamircu, sondern nur „einen Ausspruch des Volkes hinsichtlich seiner Gesinnung herbeiführen zu wollen.) 5) Fickler behauptet auf sein Ehrenwort, dies sei die einzige Schrift, die er in dieser Angelegenheit geschrieben habe. 6) So liegt, sagt Brentano, vorderhand nur eine Anklage wegen Prcßvergchen vor und zwar wegen zwei Artikeln, die von Andern verfaßt in seiner Abwesenheit in einem Blatt erschienen sind, für dessen Inhalt freilich der Angeschuldigte als verantwortlicher Redacteur einzustehcn hat.
London. Heinzen, der gefürchtetste Feind der preußischen Bürcaumenfchen, ist auf die erste Nachricht der deutschen Bewegungen aus Amerika zurückgekehrt. Er verweilt gegenwärtig in London und wird in Kürze in Deutschland ein treffen. Heinzen besitzt eine Ausdauer und Energie, die ihn zu einer bedeutenden Stütze für die Parthei, welcher er sich zuwendet, machen wird. Wir erwarten, daß er, gleich allen Verbannten und politischen Märtyrern Deutschlands,, das ihm erzeigte Unrecht vergeben und seine Kräfte der in den Grenzen der Ordnung Hcgenben Entwickelung Deutschlands widmen wird. Daß ihm der Aufenthalt in Nordamerika großen Nutzen in politischer Hinsicht gebracht hat, darf wohl in Zweifel gezogen werden, da er zu kurz war, als daß er die nordamerikanischen Verhältnisse gründlich und praktisch hätte beurtheilen lernen können. Auch Freiligrath und Herwegh kommen in einigen Wochen;. sie finden Vieles verändert und werden sich erst wieder in unsere Verhältnisse hineinleben müssen. Dichter sind ohnedies meist schlechte Politiker.
So eben hört man (Abends 8 Uhr), daß die Nassauischen Truppen marschfertig gemacht und nächsten Donnerstag nach Baden an die französische Gränze geschickt werden sollen.
A «zeige «.
(216) Wegen der zahlreichen Concurrenz in allen Ge- fd)äften in unserem Lande, wäre es längst an der Zeit gewesen, die Läden an unseren Badeorten nicht mehr au Auswärtige, sondern nur an Innländer, wie dieß auch in anderen Ländern, als in Baden, Rheinpreusren rc. seit langer Zeit geschieht, zu vermiethen. — Um auch endlich zn diesem Ziele zn gelangen, laden wir die dabei bethest ligten Gewerbtreibenden ein, Morgen, Montag den 17. d. M., Abends um 8 Uhr, sich zu einer desfallsigen Be« sprechung im Nassauer H of recht zahlreich einzufinde«.
Wiesbaden, den 16. April 1848.
Mehrere Gewerbtreibende.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.
Verla- von H. Fischer S» C. Ritter.. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
