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•5) daß auch die politischen Flüchtlinge, wenn sie nach Deutschland zurückkehren und ihr Staatsbürgerrecht wieder angetreten haben, wahlberechtigt und wählbar sind;
6) endlich, daß dieselbe die höchsten Regierungen ersuche, diese Wahlen so zu beschleunigen, daß, wo möglich, die Sitzungen der National -Versammlung am 1. Mai beginnen können.
Mainz. Die Zahl der hier Jnhaftirten, welche bei der Zerstörung der Eisenbahn betheiligt waren, beläuft sich auf einige über 40. Viele derselben sagten aus, daß sie bezahlt wurden. Sie erboten sich bei Gericht diejenigen zu nennen, von denen sie aufgereizt worden seien. (F. I.)
Stuttgart, 6. April. Heute sind die ersten Polen von Frankreich hier eingetroffen, um ihrem Vaterlande zu Hilfe zu eilen. Es hat sich bei dieser Gelegenheit ein Polencomite gebildet, welches die Flüchtlinge, welche jetzt wieder in ihre Heimath zurückkehren, unterstützen will. (Fr. I.)
Aus Holstein, 3. April. Die Geistlichen sind der deutschen Sache am meisten entgegen. Dieselben haben insgesammt in Kopenhagen studirt, werden von dort au5- unterstützt und sind ganz dänisch gesinnt. Sie benutzen nun ihren ganzen Einfluß, um das Volk für Dänemark zu bestimmen. — Der Kampf der Deutschen wird wegen Mangel an Kanonen sehr erschwert. Die Freischaaren sind voll guten Sinnes und Ausdauer. Das Turner- und Studentencorps in Flensburg erträgt alle Mühseligkeiten mit einer kaum geahnten Geduld. Der in Rendsburg gefesselt Angebrachte frühere Redacteur der „Flensburger Zeitung", Advokat Blauenfeld, ist schon verhört worden. (Cöln. Z.)
Schleswig-Holstein, 5. April. Das preußische Militär 1400 Mann stark, ward heute Mittag von der provisorischen Regierung unter Anwesenheit sämmtlicher Abgeordneten mit einer Anrede des Präsidenten Beseler und einem Hoch, worin die zahlreich versammelte Menge jubelnd einstimmte, empfangen. Der Obrist Bonin erwiederte, daß sie Alle mit vollem freudigem Herzen zu unS kämen und' brachte ein Hoch auf Schleswig-Holstein. (F. 3->
Mailand, 1. April. Abend - Biilletin der provisorischen Regierung. Die Kolonne Vicari und Simonetta, welche sich seit dem 20. in Brescia befand und die brüderlichste Aufnahme erhielt, beabsichtigte gestern, bis nahe Lonato vorzurücken. Vonato, Castenedolo, Montechiaro und Padenghe waren noch immer von den Oesterreichern besetzt, die an der Brücke von San Marco sul Chiese Posto gefaßt hatten. Aus ähnliche Bewegungen ist zu vermuthen, daß es ihre Absicht ist, Zeit zu gewinnen, um sich bei Verona zu- sammenzuzikhen, indem sie Peschicra wie einen befestigten Vorposten halten. Die Unsrigen nahmen sich vor, sie auf der Brücke anzugreifen. An der Bergkette gegen Salo stand ein Corps Schweizer. Inzwischen streben die Piemvnteser Milizen, von den edelsten Gefühlen glühend, von allen Seiten den Feind zu umgehen und wie in einem Netze zu verstricken. Die 8000 Mann, die vor zwei Tagen in Pontevico waren, zogen gestern Abend, vom Generale Wallmoden geführt, in Mantua ein. In der That zeigte ein Kurier an, daß er nicht
weiter, als bis Marcaria.kommen könnte, , indem alle Orte- zwischen San Martino dell' Argine und jener Stadt von recognoscirendm Feinden überschwemmt seien. 200 italienische Freiwillige, geführt von der Fürstin Belgiojvso, verließen zu Genova das Dampfboot Virgilio, um an dem Befreiungskriege Theil zu nehmen, indem sie eine Proclamation einreichten, welche die feurigste Vaterlandsliebe athmet. — Dasselbe Schiff brachte die Nachricht, daß der österreichische Gesandte Neapel verlassen habe. Auch von Genf, sagt man, seien 800 Freiwillige abgegangen, die für die Befreiung Italiens kämpfen wollen.
Wir sahen einen Brief vom gestrigen Datum aus Brescia, der für gewiß sagt, daß der ehemalige Polizei-Director Torresani in Valle Sabbia gefangen genommen wurde, während er nach Tyrol wollte. Amtlich widerrufen wird das Gerücht, daß der englische Minister zu Turin gegen das Einrücken des sardinischen Heeres in die Lombardei protcstirt habe. — Der letzte Kurier bringt die Nachricht, daß die Oesterreicher 4 Miglien über Brescia waren, jenseit S. Eufemia. Eine Abtheilung Piemvnteser stand seit gestern bei Ospcdalctto, wo sie beabsichtigte, mit anderen Truppen ein Centrum zu bilden, um diesen Morgen in jene Stadt cinzu- rücken. Von Brescia selbst ging diesen Morgen die Schaar der italienischen Freiwilligen ab. - Im Auftrag der provisorischen Regierung: Corronti, General-Secretär.
(Fr. I.)
— Aus Pesth bringt die „Berliner Ztgs.-Halle" unterm 31. März folgende hochwichtige Nachricht: „Da Sc. Majestät der Kaiser von Oestreich die am 15. März der ungarischen Nation gemachten Versprechungen bis heute nicht erfüllt und in seinem letzten Erlasse vom 24. d. sich bestimmt und unabänderlich erklärt hat, ein eigenes Finanz- und Kriegs- Ministerium für Ungarn nie und nimmer bewilligen zu wollen, — so wurde gestern 11 Uhr Nachts in einer öffentlichen Sitzung auf dem Freiheitsplatze die Selbstständigkeit Ungarns und Erzherzog Stephan zum Könige proclamirt." Wir müssen es dahin gestellt sein lassen, ob die mittlerweile erfolgte Erledigung deS Standpunktes noch im Stande sein wird, das Geschehene rückgängig zu machen.
Rechtfertigung.
Da sich dahier das Gerücht verbreitet hat, als ob die Oeconomen vom Geisberg vergangene Nachts die Republik hätten proklamiren wollen, so fühlen sich dieselben verpflichtet, auf diese Beschuldigung hin zu entgegnen, daß sie nur die edle Absicht gehabt haben, als Ausdruck ihrer Gesinnung dem Herrn Professor Fr. ein Vivat hoch, und dem Herrn Dr. Sch. ein Pe» reat als Abschiedsgruß darzubringen.
Wiesbaden, den 9. April 1848.
Anmerkung.
Von den Mitgliedern des Wahlcomite's hatte Kaufmann Käsebier 906 Stimmen, statt welcher Zahl in der gestrigen Nummer 609 gesetzt war.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.
Verlag von H. Fischer. Lf C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei..
