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welche theilweise aus Juristen bestände, die hierin langjährige äraktische Erfahrung erlangt haben (Juristen aus den Rhem- landen) theilweise aus praktischen älteren und jüngeren nassauischen Beamten und Advokaten. Die Ersteren müßten von der Regierung, die Letzteren von den Bcaintcn (im allgcmn- nen Sinn) und Advokaten aus ihrer Mitte durch ichnftliche Abstimmung gewählt werden, ohne daß eine Vensammlung derselben nöthig wäre. Diese Commission könnte das Gesetz eines andern Staates zum Grund legen, auch ein bestehendes deutsches Strafgesetz, den Verhältnissen unseres Landes angepaßt, adoptiren, indem das Civilgcietz bis zum Erlaß eures allgemeinen deutschen Gesetzes ausgesetzt würde. Aus dieser Commission könnte man dann die Commiipon zum Entwurf eines Gemcindegesctzes bilden, der cs jedoch überlassen bleiben müßte praktische Männer aus dem Volke bcizu- ziebcn. Die Arbeiten der Commission müßten von Zeit zu Zeit bekannt gemacht und dem Vortheil der öffentlichen Meinung überlasten werden. Nur auf solche Art können wahre Volks,gesetzt geschaffen und nur so kann den Landständen vor- gearbeitet werden.
Um so mehr wird cs allgemein beklagt, daß man een Präsidenten Rath zur Ausarbeitung dieser Gesetzentwürfe beauftragt hat. Er ist als strenger Büreaukrat bekannt, wie kann er Gesetze über öffentliches und mündliches Verfahren entwerfen, eine Arbeit, bei der die vollständigste Emancipation vom Büreaukratischen vorausgesetzt wird. , ,
Ein Mann soll freie Gesetze schaffen, der die Justiz in die kleinlichsten Formen und in Tabellen aller Art cinzu;chach« teln und hierdurch zum Werkzeug bürcaukratsichcr Willkuhr- Herrschaft zu machen versucht hat, der bei teil Unterbehörden durch einen scandalösen Rescriptenunfug jede Sp)ir von Selbstständigkeit zu ersticken bemüht war, der dem Scnbenteu die Buchstaben auf der Seite zählte um ihm an seinem lauer verdienten Lohn abzuzichen, der so sehr Feind der Vcrthcidl- gung war, daß er bei Anschuldigungen der Unterbehörden und Advokaten auf Irrthümern betroffen, seinen beleidigten Stolz mit Grobheiten rächte, der die Ansicht hatte, ein gebildeter selbstständiger Advokatenstand sei bei den Untergewichten un- nöthig, da der büreaukratische Richter besser mit Winkeladvokaten (Ferkelstcchcrn, Bauernkönigen) umgehen, und ;.e durch Anwendung der büreaukratischen Schraube gefügig machen könne, der es dahin gebracht hatte, daß selbst in seinem Gc- richtskollcgium fast nur seine Ansicht vertreten war!?
Ein Mann soll zum Volke sprechen, dessen Styl mit seinen großen Perioden, den vielen: „in Erwägung," „indessen," „wenn auch," „wiewohl," „jedoch," „wenigstens,^ „es fei denn" so veepreßt und verschraubt ist, daß man die Worte nach Art eines Polizcistpls auslcgen kann, wie man will ! ?
Man hört fast nur eine stimme über diesen Mißgriff, sehe man ihn schleunigst wieder gut zu machen.
Wiesbaden, 8. April. Jetzt werden die Mitglieder des Comite's, welches die Wahlen der Wahlmänner und der De- putirten in Wiesbaden leiten soll, bekannt. Es ist sehr zu wünschen, daß so schnell wie möglich an allen Orten sich solche Wahlcouüte'ö bilden, damit den Pfaffenbestrebungen cntgegcngcwirkt werde und wir tüchtige Volksvertreter erhalten. Die Namen der Gewählten mit der Stimmenzahl sind folgende: % aufm. Käsebier mit 609 Stimmen; Stadtrath Götz 956; Dr. Möller 895; Hauptm. Werren 993; Me-
chanikuö Braun 772; Assessor Odernhcimer 718; Reinhard Wolf 957; Dr. Großmann 823; Jos. Bertram 975; Möhler 934; Marburg 810; Dr. Fresenius 797; Kupferschmied Werner 939; Sergeant Schmidt 877; Adjutant Börnig 880; E. Lotichius 819; Oberlieutenant Weber 861; Duerfelb 830; Vigelius 948; Chr. Zollmann 992; Beruh. Jonas 874; Dr. Zais 923; Aug. Schellenberg 825; Oberl. Gräser 838; W. Cron 785; Prof. Schmidt 821; D. Düringer 845; H. L. Freitag 761; Stadtrath Christmann 861; Prokurator Hergenhahn 980.
Höchst, 6. April. Dem Verfasser ^cr Anfrage in Nr. 34 der „Freien Zeitung" von unserer Seite folgende Antwort:
Wenn etwa ein tüchtiger Neallehrer an einer sog. gelehrten Schule angestellt wird, so kann dies nur Der mißbilligen, der das Verhältniß der Schule zum Volke ganz außer Auge läßt. Wcr das aber bedauert, der möge gegenwärtig auswandern, aber nur nicht nach Amerika; denn dort würde er auch schleckst ankommen. — Warum aber beklagt der Verfasser jener Anfrage nicht rechtlich mit den Meisten Derer, die es redlich mit der Menschheit meinen wollen, daß Solche, die selbst für die gelehrte Schule aus guten Gründen untauglich gefunden wurden, zu Lehrern, ja zu Rektoren von Realschulen gemacht wurden? Aus Interesse? — Können die sich so nennenden Humanisten noch immer weder ihr eigenes Verhältniß, noch das der tüchtigen Volkslehrer zu unserer Zeit und ihrem Volke begreifen?
Es ist überhaupt sehr auffallend, daß die Philologen, zu tief vielleicht in das Alterthum oder in Gott weiß was versunken, sich noch immer nicht um die Gegenwart bekümmern, oder, wenn sie es thun, mit einer leider großen Anzahl unserer VolkSlehrer nur für ihr materielles Wohl Sorge tragen, das Schönste aber und Nothwendigste darüber ganz vergessen: wir meinen das Wohl der Schule, die Erziehung der Jugend zu kräftigen, gesinnungstüchtigen Bürgern eines großen, freien Staates.
Berlin, 4. April. Eine „obcrschlesische Deputation" war in Berlin erschienen, um gegen die Einberufung des Vereinigten Landtages vor dem Könige zu demonstriren. Da sie vom Minister v. Auerswald beschicden wurde, daß der König persönlich keine Deputationen mehr empfange, so beschwerte sie sich — ziemlich charakteristisch — in einer gedruckten Erklärung. Sie erklärt, den Ministern v. Auerswald und Camphausen durch Einen aus ihrer Mitte mündlich (und unter Anderem) geantwortet zu haben: „Das Gesetz ist ansgelöscht mit dem Blute des Volkes. Die Gewalt ist das Zepter, die Anarchie das Fcldgeschrci. Vernunft und Wahrheit sind die unantastbare Krone; wir anerkennen keine, verantwortlichen Minister, wir kennen nur ein Volk und einen König, — einen König, der dem Volke Rechenschaft schuldig ist, einen König, der dem Volke die Hand zur Versöhnung reichen, der ihm Gesetze anbieten muß, die ihm genehm sind. Wer sind Sie, meine Herren! das Sie sich eindrängen zwischen Volk und König? Rathe der Krone. Das Volk will Thaten, keine Lügen. Der Volkes-Wille ist ein König, aber das Volk will ein Wahlgesetz, das Alle umfaßt durch sich selbst, nicht durch ein Institut, das die Geschickte verdammt hat, - die Wiederherstellung des Ver-
