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„Regierungscommission für die Arbeiter" wird jetzt vielfach in Anspruch genommen für die Schlichtung von Zwistigkeiten zwischen Geschäftsinhabern und Arbeitern. Fast in allen die­sen, dem SchieoSrichterwruche der Coinmission unterbreiteten Fallen wird eine Ausgleichung leicht zu Stande gebracht. Die Arbeiter fügen sich gerne dem Wahlspruchc, der die Commission leitet: „Ordnung in der Freiheit". (F. I.)

Mailand, 26. März. Es scheint, Radetzki habe Vobi und Crema erreicht und ziehe weiter, Alles hinter sich ver­wüstend, verbrennend und mordend. Nicht Krieger sind es, Horden von Barbaren muß man sic nennen. Heute erwar­tet man die piemontesische Avantgarde der Armee. Die öster­reichische Armee muß sich auflösen, wenn sie nicht rasch eine Festung erreicht, denn Alles steht gegen sic auf. In der Stadt werden täglich noch Gefangene gemacht, die sich ver­steckten; eben so arretirt man alle italienischen Spione, deren Ver;eichniß man auf der Polizei fand; nur diese einzig hat man Mühe, vor der Volkswuth zu retten. Sogar Bolza ist gefangen. In Parma ist der Herzog verjagt, Modena in Aufstand. Sollte Oesterreich im Frieden dem Lombardisch- Vcnetianischen entsagen, so gibts schnellste Ordnung, denn Alles strebt darnach. Venedig sei von den Truppen verlassen. Ita­lienisch - Tyrol in vollem Aufstand — so endet die schönste österreichische Armee. — Die Straßen bleiben noch barrikadirt, die Briefe werden mehrere Stunden vor die Stadt getragen, wo dann von Como oder Chiasso aus geregelter Postdienst sie übernimmt. (N. Z. 3 )

— Mailand, 25. März. Die „Gazette Piemontese" vom 24. bringt die Nachricht von der Einberufung der Reserve, der Eröffnung eines National-Anlehens, und mehrere Tages­befehle des Kriegs- und Marineministeriums. Damit ist die bewaffnete Solidarität Oberitaliens zur Abwehr der Fremd- hcrrswaft ausgesprochen und bereits ins Werk gesetzt.

Eine der ersten Handlungen der provisorischen Regierung war, dem Volk durch Abschaffung der Stempelgebühr, Herab­setzung der Salzsteuer :e. Erleichterung zu verschaffen.

Frankfurt, 2. April. Der Gang der heutigen Debat­ten war im Allgemeinen ein sehr stürmischer und schloß lei­der mit dem Austritt des größten Theiles der radikalen Parthri.

Zuerst wurde der Antrag gestellt, die AusschüßwahleN nicht verhä'tmßmäßig nach den Ländern, sondern ganz nach eines fesen Willen frei aus der gegenwärtigen Versammlung jedoch mit mög­lichster Berücksichtigung der Vertretung eines jeden Landes vor­nehmen zu lassen. Die Zustimmung zu diesem Antrag machte die radikale Panhei (Blum, Hecker, Struve, Hoff, Kapp, Wirth, die beiden Dr. Leisler u. a.) davon abhängig, daß vorher diejenig.n Mitglieder des Bundestages, welche an den berüchtigten Karlsbader, Wiener und Frankfurter Ausnahme- beschlüssen Theil genommen hätten, aüstreten und daß alle dirse Beschliesse förmlich widerrufen werden sollten. Basser­mann schlug das Amendement zu diesem Antrag vor: Die Versammiung wolle erklären, daß die Bundesversainmlung, indem sie die Angelegenheit der Begründung einer constitui- renden Versammlung in die Hand nähme, sich von den ver- sassungswidrigen Ausnahmebeschlüssen lossagen und die Män­ner aus ihrem Schooße entfernen mußte, die zur Heryorru- fung und Ausführung derselben mitgewirkt haben.

Hierfür sprachen unter Andern Gagern, Uhland, Eisen« mann, Iordan und mehrere andere Mitglieder der gemäßigten Partei, worauf der erstere verworfen und der Bassermann'fche angenommen wurde. Ein großer Theil der radikalen Partei und der Gallcrie verließ hierauf die Kirche; Andere, worunter Blum, blieben zurück und gaben ihre Namen zu Protokoll.

Die Wahl des Ausschusses wurde auf diese Vorgänge hin verschoben bis Morgen um 8 Uhr, nachdem vorher noch Verhandlungen über verschiedene Gegenstände, ohne zu einer Abstimmung zu führen, gepflogen worden waren. Die Sitzung dauerte von 10 bis 4 Uhr. Es ist diese Spaltung ein sehr trauriges Ereignis, wird sich aber vielleicht noch ausgleichen, obgleich die weggegaugenen Radikalen nicht mehr erscheinen zu wollen erklärt haben. Es kann nicht geläugnet werden, daß ihre Forderung in Bezug auf die vorgängige Reinigung des Bundestags in jeder Beziehung gerechtfertigt dasieht. Dennoch hätten sie der gemäßigten oder unentschiedenen Par­tei nicht das Feld räumen sollen; es ist schon oft vorgekom­men, daß eine tüchtige und energische Minorität durch Aus­halten auf dem Kampfplatze gesiegt hat, nie aber durch das Verlassen desselben.

Heute wurde von der Volksversammlung folgende Adresse an das deutsche Parlament berathen und in folgender Fassung beschlossen:

Deutsche Männer!

Wir sind mit der der Wichtigkeit des hohen Gegensian- , des angemessenen Aufmerksamkeit Euren Ve'rhandliingen^^^ folgt und ■ erklären hiermit um gewissen Bestrebungen den Vorwand, daß sie der Ausdruck der öffentlichen Meinung Deutschlands seien, zu begegnen, was folgt:

Keine Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit! Keine Anmaßung irgend einer physischen Gewalt, oder der Gewalt der Einschüchterung auf dem Gebiete, auf dem nur geistige Waffen gelten dürfen! Welche Verfassung für das ganze Deutschland zu gründen sei, das bleibe der eonstituircn- den Versammlung anheimgesiellt. Ist es in den Sternen ge­schrieben, daß ganz Deutschland überall in seiner Gesammt­heit, wie in seinen einzelnen Theilen die republikanische Ver­fassung darzustelleu habe, so werden sich seine Geschicke erfüllen.

Die Versuche aber, die konstitutionell-monarchischen Ver­fassungen Deutschlands da, wo sie bestehen, jetzt und sofort mit Gewalt aus dem Boden zu reißen, erklären wir hiermit für freventliche Bestrebungen, die nur den äußeren Feinden in die Hände zu ai beiten geeignet sind und den Gang de- Weltgeistes überstürzen wollen!

Wiesbaden, 2. April 1848.

(Folgen einige hundert Unterschriften.)

Zur Ueberbn'ngnng dieser Adresse wurde eine Deputation von 3 Personen bestimmt, welche den folgenden Morgen nach Frankfurt abging.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.

Verlag von H. Fischer Lk C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.