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Geschicke, Fürsten, die unS von ihrer Befähigung zur Führung der Angelegenheiten eines Volkes bis jetzt noch keine Beweise gegeben haben, Fürsten, die sich, zu ihrer Schande sei es gesagt, sammt und sonders von einem einzigen politischen Schurken, dem fluchbeladenen Metternich, dreißig Jahre lang wie unmündige Knaben am Gängelbande herumführcn ließen.
Wollen die Fürsten das deutsche Parlament besuchen, so mögen sic sich, wenn sie das Vertrauen finden, von dem Volke dazu wählen lassen, und dann ihre Sitze unter dem Volke einnehmcu, ohne einen andern Rang als den eines jeden deutschen Bürgers. Dieser Rang bedünkt uns ein so hoher und würdiger, daß kein deutscher Fürstenthron darüber erhaben ist.
Die erleuchteten Männer, welche das deutsche Volk in sein Parlament sendet, werden das Beste des Vaterlandes berathen und der ganzen Nation ihre Beschlüsse kund geben. Von ihnen wollen und werden wir erfahren, welche Bürgschaften das Parlament mit einem aus seiner Mitte gewählten Präfidenten der Gesammtverschmclzung des deutschen Volkes, seiner Eintracht nach Innen und seiner Kraftentwick- lung nach Außen zum Fundament legen wird.
Dieses deutsche Parlament wird auch den Fürsten den Platz anweisen, welchen sie künftig, wie jeder andere deutsche Ehrenmann in der Nation einzunehmen haben.
Es ist wirklich zum Erstaunen, wie ein deutscher Mann von solcher Bravheit, von so Hellem Verstände, wie E. M. Arndt, der gesunden Vernunft so in's Gesicht schlagen kann, in allem Ernste den König von Preußen zum Kaiser von Deutschland auszurufcn. Erhübe sich nicht Ein Schrei des Unwillens, der tiefsten Entrüstung des deutschen Volkes ob solchen Frevels an der Nation, wahrlich, die Geister der ermordeten und verhungerten Schlesier, die Geister der kaum zur Ruhe bestatteten Berliner Freiheitshelden würden aus ihren Gräbern steigen, den Manu zu züchtigen, welcher sich nicht entblödet, einem Henker des Volkes die deutsche Krone aufzu setzen.
Wiesbaden, den 29. März 1848.
D i e p e n b r o ck.
Wiesbaden, 28. März. Wenn man auch anerkennen muß, daß bei der hiesigen Volkswehr, ihrer großen Mehrzahl nach, der beste Wille und der größte Eifer in Erfüllung der ihr obliegenden Dienstpflicht vorhanden ist, so wird man sich doch auf der andern Seite nicht darüber täuschen können, daß diese Volkswchr noch weit davon entfernt ist, irgend welche Sicherheit für Erhaltung des Rechtszustandes im Innern und nach Außen zu gewähren, besonders wenn man die immer drohender werdenden Gefahren von außen erwägt.
Man wird sich dabei nicht verleugnen können, daß ein großer Theil der hiesigen Bürgerbewaffnung aus Leuten besteht, von denen ihrer schwächlichen Körperbeschaffenheit, ihrer Verweichlichung und gänzlicher Unkenntniß in Führung und Gebrauch der Feuer-Waffe wegen nimmermehr zu erwarten ist, daß sie einem auch nur kleinen, aber entschlossenen, wohl organifirten und mit seinen Waffen vollkommen vertrauten Haufen auswärtiger Wähler, wie z. B. einem mit Büchse und Hiebbajonnet ausgerüsteten Freischaarenkorps, wie solche Segenwärtig von verschiedenen Seiten her einzubrechen drohen, 'zend einen ernstlichen Widerstand.entgegensetzen können!
Um diesem bedenklichen Zustande abzuhelfen, wissen wir nur ein Mittel, nämlich eine oder nach Umständen auch einige Eliten-Compagnieen zu bilden aus solchen Leuten, welche eines Theils schon früher sich Uebung in Handhabung der Feuerwaffe und ganz besonders im Scharfschießen verschafft, und andern Theils sich bereit fühlen und erklären, jeder Gefahr, auch der äußersten, dreist ins Auge zu blicken, und nöthi- genfalls ihr Leben für Erhaltung der Freiheit, des Rechtes und der Ordnung einzusetzen!
Diese Leute müßten sofort mit Büchsen, die sie sich wo möglich selbst stellten, bewaffnet,, und täglich im Scharfschießen, Bajonnctfechteu und Tirailliren geübt werden. Zur vorläufigen Bewaffnung würden in gutem Zustande befindliche Pünschbüchsen genügen, jedoch müßten sofort an geeigneten Orten Bestellungen auf Delvigne'schc Büchsen, weil diese den enormen Vortheil "des leichten und schnellen Ladens bei der größten Sicherheit und Tragweite gewähren, mit auf dieselben zu pflanzenden Hirschfängern, natürlich alle von gleicher Beschaffenheit und gleichem Kaliber, gemacht und die Kosten hierfür von den damit zu bewaffnenden Kom- pagniecn selbst aufgebracht werden.
Bei einer solchen Einrichtung, und da man billig erwarten muß, daß ein Jeder sich den Ernst der Verhältnisse vergegenwärtigen, also nicht aus Eitelkeit sich in ein Corps drängen wird, bei dem es sich um ganz andere Dinge als um Parademachen, aristokratische Auszeichnungen rc. handelt, dessen Dienst vielmehr nicht nur mit täglichen nicht geringen Beschwerden sicher verbunden ist, sondern auch jeder Tag die drohendste Lebensgefahr bringen kann; läßt sich auch nicht befürchten, daß dadurch ein Grund zur Mißstimmung für den übrigen Theil der Volkswehr gegeben werde; vielmehr muß dieselbe erkennen, daß sie nur durch schleuniges Einfuhren einer solchen Einrichtung sowohl einen Halt- und Sammelplatz in der Gefahr als and) einen Kern für ihre aümählige Heranbildung gewinnen kann.
Kaum einer Erwähnung wird es bedürfen, daß dieses Scharfschützen-CorpS keine auf eine höhere Stellung hinvcu- tende Auszeichnung in der Bekleidung tragen, vielmehr darin eher dein übrigen Theile der Volkswehr ein Beifpiel von Einfachheit und Anspruchlosigkeit geben, und namentlich kein anderes Oberkleid als eine Blouse (Kittel von Linnen) tragen soll.
Der Commandant der hiesigen Volkswehr fordere zur Bildung solcher Schützen-Kompagnien schleunigst Freiwillige auf, behalte sich und einem zu wählenden Ausschüsse jedoch ausdrücklich die Entscheidung über die Aufnahmefähigkeit jedes einzelnen sich Meldenden vor.
Die geringen Störungen in der bis jetzt bestandenen Compagnie-Abtheilung werden leicht ausgeglichen werden.
Wiesbaden, 29. März. In der gestrigen Versammlung im Kursaalc wurde der Vorschlag gemacht, zur besseren militärischen Ausbildung der Volkswehr — welche allerdings viel zu wünschen übrig läßt — die Regimenter aufzulösen, die Soldaten in ihre Heimath zu beurlauben, dagegen die Offiziere und Unteroffiziere in die verschiedenen Äemter zu vertheilen, damit sic dort als Instruktoren der Landwehr dienen sollen.
Wir erklären hiermit nach reiflicher Ueberlegung, daß wir einen solchen Schritt in gegenwärtiger Zeit, in der uns jeder Lag einen Freischaaren-Zug aus Frankreich oder
