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Jesuiten und SchloUchulmeifläsein zu Moloberg war. Ge­wiß glänzende Eigenschaften! Schon vor dem Eramen zeigte der stolze Candidat die schmeichelhaften Briefe seines Schulherrn, in welchem ihm gesagt wurde, daß das Eramen nur zum Scheine sei. Nachdem nun der Kandidat diesem Briefe Ehre ge­macht und durchgcfallcn, wurde er ein ganzes Jahr zur weiteren Ausbildung nach Karlsruhe geschickt und dann als Sktninarlehrer -an die Dresuranstalt in Idstein dckretirt.

Alle im Eramen bestandenen Lehrer wurden nicht als Reallehrer angestcllt, sondern noch auf alle mögliche Weise verhöhnt, geplagt, als wohlverdiente Strafe für die Sünde der Erkenntniß. Zu Reallehrcrn aber ernannte Seebode unge­prüfte Ausländer, dem Cölibat entlaufene Theologen, kurz Alles, was sich nie mit Schulwesen abgegeben. Die früher von Metzler erhobenen Volkslehrer wurden, obgleich sie ihren Stellen gewachsen, zurückgedrangt. Sie waren allerdings ohne Eramen angcstellt worden, aber die Legion Scebodens auch. Ich habe selbst einen Brief Scebodens gesehen, in welchem einem Theologen zu einem kleinen Tentamen statt Eramen Muth gemacht wurde.

Bis auf Scebodc war immer einige Ordnung in der Beförderung der Lehrer gewesen, mit Sccbode ging diese in eine Umkehrung über. Die älteren Lehrer waren nicht be­liebt bei den Jesuiten beider Eonfesstonen, desto mehr die jüngeren #). Man hatte das Seminar nach und nach in eine geisttödtende Dresuranstalt verwandelt, allgemeine Reli­gion und Geschichte (!) ganz entfernt, die Mathematik bis zur Nulle beschnitten, die Naturwissenschaften zu Salbadereien über Religion w. gemacht — und dabei eine Behandlung der Zöglinge cingeführt, die alles Selbstgefühl zernich­tete. Dessenungeachtet hatten die Zöglinge viel zu ler­nen. Grammatik mit Beispielen, biblische Geschichte und die Dresuren für alle Unterrichtsstunden des ganzen Lebens. Diese Leute gaben volle Garantie ihr'cr Brauchbarkeit, da sie außer dem Handwerk unwissend waren, auch die Funktionen eines geistlichen Spürhundes als Ehrensachen betrachteten. Ganz natürlich also, daß Seebode die jüngeren Lehrer den älteren vorzog. Auch in diesem Punkt bietet das ganze Land die auffallendsten Beispiele.

Den Klagen wußte Herr Scebodc auf eine leichte Weise ein Ende zu machen, er war für Lehrer nicht zu Hause, falls ihn nicht die Lust zu verhöhnen anwandelte. Mir ließ er einst sagen, als ich eintreten wollte, er habe wehe Augen, und deßhalb einen großen Schirm vor. Ich entgegnete, daß ich so kein grelles Licht sei, und — ging fort. Der Russi- fizirung und dem Jesuitismus mußte das ganze Schulwesen als Mittel vienen. Von jeher hatte auch ich die Ehre in sehr bösem Rufe zu stehen, wcßhalb ich aus eigner Erfahrung weiß, wessen sich ein mißliebiger Schulmeister zu versehen hat. Wer nur zu mir ging, wurde verfolgt.

Den Lehrern der Umgegend ist förmlich der Umgang mit mir verboten. Der Pfarrer Vcrflasser von Schwalbach ging so weit, einem Lehrer des Westerwaldes die Reise nach- Oberursel abzurathen. Dieser Lehrer (Kilb von Hinterwei- lingen, Amts Hadamer) hatte einen Anverwandten als Ge­hülfe nach Schwalbach begleitet und im Pfarrhaus gefragt, wie weit nach Oberursel sei. Ich muß Sie bitten, nicht dahin zu gehen, entgegnete sogleich der Herr Pfarrer, wegen des Lehrers Rühl. „Man muß gestehen," fuhr er fort, „der

Lehrer Rühl ist ein Mann von Charakter, untadelhaftem Le- | benswandel, Talente und Kenntnissen, aber er hat einen bö­sen Ruf."

Ich danke hiermit den: Herrn Pfarrer Verflaffer öffent, lich für diesen „bösen Ruf."

Hier noch ein Beispiel, wie Klagen gehört wurden. — Der Lehrer Becker zu Dbcrursel war auf eine schmähliche Weise gesetzlich verleumdet worden. Die Sache verdroß den Stadtvorstand und die ganze Bürgerschaft, denn Becker ist als tüchtiger Lehrer und biederer Mann geachtet. Man gab Zcugniße über Lehrer Becker, dieser wandte sich um Genug, thuung an die Regierung, erhielt aber nichts, als den münd­lichen Bescheid, er hätte sich nicht mit dem Pfarrer überwer­fen sollen.

Man glaube aber nicht, daß wenigstens eine Parthei unter den Lehrern für den Referenten eingenommen sei. Nein« der Widerwillen ist so allgemein, daß auch der Günstling sich schämen würde, auch nur ein Zeichen der Zufriedenheit zu geben. Wie Scebodc dem Lehrerstande die Achtung nahm, durch die verächtliche Weise der Anstellungen und Beförde­rungen, so hat auch er die Achtung verloren.

Männer der Gegenwart, des Fortschritts, soll unser Schulwesen in solchem Zustande bleiben!

Sott die erbärmliche Anstalt, Seminar genannt, ferner sofort bestehen, um Sclaven als Lehrer zu bilden! Soll die Nation von Sclaven zu Sclaven gebildet werden!

Man hat die Frage aufgeworfen, warum die Schule so schlechte Früchte zeige; die Antwort ist einfach, weil sic ge­knechtet ist.

Man hat Preisaufgaben geschrieben, die noch größere Fesseln verlangen. Die ganze Pädagogik ist auf der Reise nach China begriffen! '

Laßt sie segeln und führt die concréte Pädagogik auf den Weg der Natur und des Lebens, dann macht sich's von selbst. Der Staat war bisher bei aller Gewaltthätigkeit so schwach und kurzsichtig, die Erziehung in die Hände verschie­dener Sonderbündner zu geben! — Das muß anders werden,

Die Erziehung ist Sache des Staates, in eben dem Grade, wie jede Verwaltung, nämlich ohne despotische Ein­griffe in die Familienerziehung.

Soll die Erziehung nun Sache des Staates werden, so müssen die Lehrer unabhängig sein, und unter die Controlle pädagogischer Behörden gestellt werden.

Wohl hat die Regierung jetzt keine Zeit, sich mit Schul­organisationen abzugeben. Man lasse sich also die Sache selber machen. Die Lehrer jedes Amtes mögen aus ihrer Mitte einen provisorischen Schulaufseher wählen. Gemein- . same Berathungen werden Alles leicht und schnell ordnen.

Nur spreche man sogleich die Aufhebung des bisherigen Seminars aus, und beauftrage Männer des Fortschritts zur Bildung eines neuen Seminars.

Die dortigen Lehrer sollen nicht verkürzt werden, sind auch bei besserer Organisation als Fachlehrer thcilweisc zu brauchen.

Alle Lehrer mögen sich für oder gegen meine Darstel­lung öffentlich erklären.')

Oberursel, den 21. März 1848.

Joseph Rühl, Lehrer.

*) Diese Behauptung thut gewiß manchem jungem Lehrer Unrecht. Die Red.

*) Allediese Stimmen könnten aber in voller Ausdehnung hier keinen Naum finden, daher ich mir für diese Fälle erlauben werde, den Inhalt im Auszug mitzutheilen. F. M.