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In Nr. 11 des landwirtMaftlichen Wochenblattes — erschrick nicht, lieber Leser, beim bloßen Namen — ist auf a^t vollen Druckseiten die Frage erörtert, welche Folgen aus dem 4. März für den Landbaü und den Landmann hcrvor- gehen möchten. Der Verfasser gesteht S. 87 selbst, daß er aus einem langen und langweiligen Schlummer fetzt aufgewacht sei. Ja wohl, dieser treffliche gute Landmann, wie er sich selbst mit der Chiffer W. A. einzu- führen beliebt, dieser glückliche Oekonom, den nicht Wind und Wetter beunruhigte, muß lange geschlununert haben. Schon als Jüngling scheint er unter blühenden Kartoffelstauden eingc- schlummcrt zu sein mit glücklichen Träumen der Selbstver- götterung. Die plötzlich cingetretenen Veränderungen — das Wehen der Morgenluft — wie er selbst, mit dem Geist im Hamlet, ausruft, hat ihn augenblicklich aus dem Larvenzustand befreit. Es liegt eine große Achnlichkeit in dieser Erscheinung mit dein träumerischen Schäfer, der unter Kaiser Justinian durch ein eben so großes Wunder ins schöne Leben zurückgerufen worden ist. Sein erster Gang war nach einem nahen Bäckerladen, um mit einer frischen Semmel den Hunger zu stillen. Zur Zahlung reichte er Münzen dar, mit ganz veraltetem Gepräge, die wohl zur Zeit seines Ein- schlummcrns Geltung gehabt haben mochten. Lange und aufmerksam betrachtet sie der freundliche Wirth, aber ihren Werth konnte er nicht errathen. Der Mann wird ein Fremdling sein aus fernem Lande — den Siebenschläfer konnte er nicht in ihm vcrinuthcn — und mitleidig schenkt er ihm zur frischen Semmel, die den Hunger stillt, das alte werthlose Geld. Lieber Leser, wenn dich das Seltsame anspricht, dann besieh dir diese Obolen mit veraltetem Gepräge, mit verwitterten Charakteren, die in Nr. .11 des Wochenblatts zur Beschauung uicdergclegt sind. Ihren Werth wirst du nicht bestimmen können, aber hüte dich, irgend eine gute frische Waare dafür hinzugeben. Dieser neuerwachte Schläfer scheint sein altes Geld nur verschenken zu wollen, und da könnte das Mitleid ihn von deiner Seite verletzen.
Das landwirthschaftliche Wochenblatt hat manchen Artikel über Ochsenmast und Ferkelzucht gebracht, und damit hat es sich auf einem Gebiete bewegt, das mindestens mit Erfolg zu kultiviren war.
Die Madia sativa, der Kumulus lupulus, das Kartoffel- und Nübenbrod sind seiner scharfen Aufmerksamkeit nicht entgangen, wenn auch für die Nähe wenig guter Lohn geerntet wurde. Für die Erleichterungen des Landbaues von drückenden Lasten blieb es taubstumm und wenn es einmal davon stammelte, dann waren es unartikulirte Laute, wie in verabredeter Zeichensprache. Statt der langweiligen Frauba- serci in Nr. 11, hätte es wohlmeinende und verständige Vorschläge bringen können über die zweckmäßigste Art der allgemeinen Befreiung von dem Neste der Neallasten und Anderes was dahin einschlägt, wenn es ehrlich mit der Hebung des Landbaues gemeint war. Aber lieber Himmel, woher soll der Aufwand an Geist und Kraft kommen? Gutes, unschuldiges Wochenblättchen bleib bei deinem Leisten, auf der Scholle, der du angehörst und berühre keine von den öffentlichen Fra- die weit über deinen Horizont gehen. So lange der Nassauische Landmann, der in den meisten dieser Fragen bessere Einsichten hat, als du ihm geben kannst, gutmüthig und nachsichtig genug ist, dich wieder in den langweiligen Schlummer zurücksinken zu lassen, aus dem du-am 18. März so urplötzlich aufgewacht bist, gönnen wir dir gerne auch für
die Zukunft den süßen Schlaf, wenn nur die Gemeinde-Abonnenten nicht die Fliegen wedeln müssen! Sapienti sat!
Erlaß des Sicherheits - Comite s.
Je größeres Gewicht darauf gelegt werden muß, daß die Sache der Freiheit nicht durch Gewaltthätigkeit und Unordnung befleckt und gefährdet werde, desto wichtiger schien cs dem unterzeichneten Comite, die Gerüchte aufzuklären, welche die unruhigen Auftritte des verflossenen Samstags veranlaßt haben.
Durch die sorgfältigste Nachforschung hat sich nun ergeben, daß diese Gerüchte, als habe der Herr Obrist von Hadeln den von dem Militär auf die Verfassung geleisteten Eid für ungültig erklärt; als habe er gegen die Wahrheit versichert, daß ein am 4. März in die Artillerie-Caserne geführter Munitionswagen, keine Munition enthalten; als habe er sich geäußert, er wolle zur Vertreibung der Bürger Kanonen in die Straßen auffahren lassen, der Begründung entbehren. Wer sich persönlich davon überzeugen will, dem steht die Einsicht des darüber angenommenen Protokolls offen.
Das Comite hält es sowohl zur Beruhigung seiner Mitbürger, als auch weil die Freiheit vor Allem Gerechtigkeit fordert, für seine Pflicht, dies öffentlich bekannt zu machen.
Wiesbaden, den 21. März 1848.
Das S i ch e r h e i t s - C o m i t e. Hergenhahn.
Herr Baron von Erath hier hat uns, ohne alle Erinnerung, bereits vor mehreren Tagen ein Geschenk von 200 fl. zum Besten der Armen übersandt. — Möchte dieses schöne Beispiel recht viele Nachfolger sindcn.
Wiesbaden, den 21. März 1848.
Das S ich e rh eits- C om ite.
Wiesbaden. Unter den vielen Ucberblcibseln der Zopfzeit ist das Hutabnehmen beim Gruße nicht die geringste Thorheit. Besonders jetzt, wo wir so oft mit den Waffen in der Hand gehen, könnten wir den Griff an den Hut als ganz passenden Gruß annehmen, wenn ein guter Morgen oder guter Tag nicht ohnehin schon genug wäre. Also laßt die Hüte auf dem Kopf; ist der letztere voll, so muß er bedeckt bleiben; ist er unbedeckt, so sei's ein Zeichen seiner Leerheit!
Biebrich, den 22. März. So eben verbreitet sich die Nachricht, daß Fürst Metternich heute Morgen von Frankfurt a. M. hier angekommen sei und seine Reise sogleich durch das Düsseldorfer Dampfboot rheinabwärts fortgesetzt habe.
Was diesem Gerüchte viel Wahrscheinlichkeit gibt, ist, daß ein Wagen, auf welchem der untere Theil des Familien- Wappcns sichtbarlich mit frischem Lacke bedeckt, so daß nur noch die Krone zu sehen war, von der Eisenbahn auf das Boot gebracht wurde.
Im Hintergründe des Wagens, dessen Fenster geschlossen waren, konnte man einen ältlichen Herrn mit weißen Haaren erblicken, und der ihn begleitende Diener verrieth deutlich durch seinen Accent den österreichischen Ursprung.
Einladung.
Nach Beschluß der Volksversammlung zu Offenburg soll künftigen Sonntag den 26. März, Mittags 12 Uhr, auf dem Schloß zu Heidelberg eine Volksversammlung abgehalten werden, wozu alle Deutsche hiermit eingeladen sind.
Offenburg, den 19. März 1848.
Hecker. Struve. Hoff. Wimter. Junghans II.
