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bic Belege dazu liegen unS zu nahe und sind zu oft hervor gehoben worden, als daß es nöthig wäre, dieselben hier noch­mals anzuführen. Wir haben zwar volles Vertrauen in den guten Willen des Herzogs selber, wir wollen aber nicht ver­gessen, daß die Reaction nicht immer von dem Staatsober- । baupt, sondern meistens von dessen Rathgebern ausgeht. Schon deßhalb haben wir keine Ursache anzunehmen, daß die Reaction gegen die neuesten Vorgänge ganz ausbleiben werde. j Wir müssen auf Alles aufmerksam sein, und zwar um so mehr, als doch schwerlich Jemand annehmen wird, daß alle Diener des bisherigen Systems, deren viele sich unter dem­selben wohlbefanden und bei dessen Aenderung nach ihrer An­sicht nur zu verlieren haben, selbst wenn sie noch so stark in die Trompete der Freiheit blasen, plötzlich ihre Gesinnungen so von Grund aus geändert und Eigennutz und Herrsucht so ganz abgelegt haben, daß sie sich nicht mehr nach dem ancien regime zurücksehnen.

Die Reaction ist zu verschiedenen Zeiten und unter ver­schiedenen Umständen immer unter verschiedener Form ausge­treten: theils mit roher Gewalt, theils mit Censur und Po- lizeimaßregeln ohne den Schein des Rechts, theils mit Unter­suchungen unter dem Scheine des Rechts, theils auch unter der Maske des Liberalismus.

Wer in den bewegten Zeiten, in welchen wir setzt leben und bei der jetzt herrschenden (Stimmung den raschen Fort­schritt hemmen will, darf nicht in brutaler Gewalt, nicht in Polizeimaßregeln und Untersuchungen rc. sein Heil suchen, sondern der muß laut mit cinstimmen in den Ruf nach gründ­licher Reform, er muß sich den Anschein geben, als sei er Mann des entschiedenen Fortschritts. Nur auf diese Weise ist es ihm vielleicht möglich, den gesunden Sinn zu täuschen und den Schwung des brausenden Rades der Zeit zu brechen.

Die Reaction ist um so gefährlicher, je verdeckter sie spielt, wir müssen deshalb auf die leisesten Anfänge auf­merksam sein. Schon be: Anstellung unserer Forderungen haben verschiedene Liberale es sich angelegen sein lassen, theils die Entschiedenheit, theils die Vervollständigung derselben durch allerhand Gründe und auf allerlei Weise zu verhindern; zum Theil ist es leider gelungen. Dieselbe Parthei sahen wir jetzt schon verstärkt thäthig bei den vorberathcnden Versamm­lungen über das neue Wahlgesetz, also schon bei dem An­fang der Ausführung der erlangten Zusicherungen. Wir sahen diesesbc in die Schranken treten für Zweikammer­system, für Zulassung der Standeshcrm als solche, für Be­schränkung der activen Wahlfähigkeit durch Festsetzung eines Census, als Bedingung derselben, und der passiven, durch Firirung eines politischen Schwabenalters rc., wir sahen sie sogar in die Schranken treten gegen Erörterung der schweben­den Fragen im Sinne drs entschiedenen Fortschritts, kurz für Einrichtungen und Maßregeln, welche geradezu geeignet sind, unsere Errungenschaften wie Seifenblasen vergehen zu machen. Wir müssen auf solche Vorgänge aufmerksam sein unb uns offen darüber aussprechen, damit man nicht unser Schweigen als Zustimmung nimmt.

Täusche man sich nicht! Das Volk hat durch die Be­wegung vom 2., 3. und 4. März über das alte System den Stab gebrochen, dasselbe gestürzt, und die Grundlage des neuen in seinen Forderungen angegeben, wenn auch diese Forderungen nicht |o vollständig sind, als sie unter anderen Umständen geworden waren. Wahne man ja nicht das Volk zufrieden zu stellen mit schönen Worten und halben Maß­regeln. Es will vollständige Beseitigung des alten Systems, vollständig vernünftige Einrichtungen auf Grundlage der

Principien, aus denen die Forderungen gestossen sind, un. wird nicht rasten, bis es dieselben erlangt hat.

O Vom Taunus, 15. März. Eine Correspondenz aus Wiesbaden in Nr. 74 der Frankfurter „Didaskalia" will es sich durchaus nicht nehmen lassen, den glorreichen Tag des 4. März, mit welchem Nassau dem ganzen übrigen Deutschland vorangeleuchtet hat, in ein ungünstiges Licht zu setzen und unsere Revolution zu einer „schändlichen" zu stem­peln, wie jener in diesen Blättern bereits nach Gebühr ge­züchtigte Geistliche. Der Herr Correspondent führt zum Be­weise der „Schändlichkeit" die Thatsache an, daß einige Bürger von der Gründung einer „Republik" gesprochen haben. Sonderbare Logik! Also Arago, Louis Blanc, Ledru Rollin, diese Männer von europäischer Berühmtheit, es sind „Schändliche", weil — sie die Republik wollen, weil sie in Tagen der Februarrevolution den Franzosen sagten : „Gründet die Republik!" — Man mag von der republikanischen Staat-s Verfassung denken, wie man wolle, man mag dieselbe für zeitgemäß oder unzeitgemäß halten, aber so viel politische und humane Bildung sollte doch Jeder, der in dieser Zeit der der Presse sich bedient, besitzen, daß er einsähe, eine mächtige politische Partei müsse durch andere Mittel, als durch Schimpfworte widerlegt werden! Aber gerade solche, deren Horizont am beschränktesten ist, glauben sich vorzugsweise zu Lehrmeistern ihrer Mitbürger berufen. So macht der ge­nannte Correspondent denjenigen Volksklassen, welche er als so tief unter ihm selbst stehend betrachtet und deren Ansichten ihm so „ergötzlich" erscheinen, den Vorwurf, sie „wüßten nicht, um was cs sich handle". — Ja, sie wissen wohl, um was es sich handelt und handeln muß! Sie fordern vor Allem materielle Hülfe, sie verlangen vor Allem Brod. In der „Brodsrage" ist denselben alles Andere enthalten, und wenn wir voraussetzen könnten, von dem sich darüber so hoch erhaben dünkenden Herrn Politiker verstanden zu wer­den, so würden wir ihn darauf Hinweisen, daß diese ihm so „ergötzlich" vorkommcndcn Leute, von einem richtigen Instinkt geleitet, gerade hierin mit ten höchsten Resultaten und For­derungen der socialen Wissenschaft übereinstimmen. Sapienti sat!

An die Schultheiß-sturmenden Bauern,

von einem ihrer besten Freunde.

O V om Taunus, Mitte März. Liebe Bauern, theure Mitbürger! Wie sehr habe ich mich mit allen Volksfreunden gefreut," daß Ihr euch auch nach langem politischen Schlafe für die heilige Sache der Freiheit erhoben habt. Aber wie seid ihr so bald aus den Holzweg gerathen! Da kommt ihr zusammen, wenn Ihr was gegen Euern Schultheißen, Rechner oder Förster habt, erhitzt Euch durch Branntwein und leidenschaftliche Reden und stürmt dann in die Häuser Eurer vermeintlichen Feinde und tragt, wie Ihr Euch aus- drückt, einem Andern den Schultheißen- oder Rechnerschrank ins Haus, oder jagt Euern Förster fort. Nie, meint Ihr, wäret Ihr frei! O, ich bitte Euch, gebt Euern Feinden nicht einen so bequemen Vorwand, Euch wieder zu unter­drücken. „Seht da, werden sie rufen, wenn sie diese Unord­nungen vernehmen, seht da, was unsere Bauern unter der Freiheit verstehen! Man muß sie wieder ins Joch spannen; sie sind der Freiheit nicht würdig!" — Wohl weiß ich, liebe Mitbürger, es gibt arge Spitzbuben unter den Schultheißen; aber was ist schuld daran, daß sie Euch so lange ungehin­dert drücken und schinden dürften? Ist nicht die bisherige schlechte Verfassung schuld daran, nach welcher die Schult­heißen von der Regierung gesetzt wurden, ohne daß man