wir unermüdlich beschäftigt, die schleunigste Verwirklichung der uns gewährten Forderungen bei der Regierung zu vermitteln.
Unser Wahlspruch ist: „Freiheit, Ordnung und Recht." Wiesbaden, den 10- März 18-18.
Das Sichkrhelts - ComitS.
Der Vorsitzer:
Hergenhahn.
Vom Rhein, den 8. März. Unter den Wünschen, welche in diesen ewig denkwürdigen, in diesen für Deutschland ruhmvollen Tagen zur Sprache gekommen, vermissen wir einen, den die Sittlichkeit durchaus bedingt, der, wenn er nicht erhoben wird, die Sprecher der Nation mit Schande brandmarkt: Abschaffung der privilegirten Spielhöllen und Lotterien! Wir Deutsche, oder besser unsere früheren Vertreter waren Maulhelden der Tugend, rühmten unsere höhere Sittlichkeit gegenüber jener der anderen benachbarten Nationen, weil die Censur die Laster unserer Großen mit einem chri- stclndcn Liebesmantel bedeckte. Ist etwa die Görlitz'sche Geschichte minder scheußlich als die Praslin'sche? die gesühnt durch das offene Verfahren dasteht, wo wir über erstere bisher nur dunkle Winke hatten? Hat Frankreich einen Prozeß dem Hatzfeldischen entgegen ;u setzen? Und wie stehen wir fittenreinc Deutsche da mit unseren Spielhöllen von Pyrmont und Aachen bis Baden hinauf, mit unseren Lotterien? Frankreich hat längst diese Schande von sich abgewälzt, Rußland, dem wir stets einen so niedern sittlichen Standpunkt geben mochten, hat 'längst diesen Schandfleck abgewälzt, aber wir finden es noch immer mit unserer Sitt. lichkeit, mit unserem Maulchristenthum vereinbar, den Fremden zu verleiten, durch die Leidenschaft zu plündern, die gräßlichste, die gottloseste der Leidenschaften in unserer Mitte aufzuhängen, tausend Familien dadurch hinzuwürgen. Sei dem nicht länger also! Falle der Tempel des Moloch zugleich mit den Zwinguris der Jesuitenherrschaft zusammen. Auf, ihr Volksvertreter, auch gegen diesen Unfug! auf, für das Vaterland !
Wiesbaden, 1Ö. März. Wir können nicht umhin, den Bewohnern von Bleidenstadt hiermit die dankbare Anerkennung auszusprechen für die Bereitwilligkeit, mit der die- felbcn dem hiesigen Sicherheitscomitv ihre persönlichen Dienste zur Erleichterung des Wachdienstes der Wiesbadener Bürgergarde auf mehrere Tage angebotcn haben, indem sie zu diesem Behufe sofort ein Commaudo von 50 Mann auf eigene Kosten zur Verfügung stellen.
Eine gleiche Adresse soll auch von den Einwohnern von Hahn eingereicht worden sein. D. R.
Aus Haiger, 8. März. (Corresp.) Ein Beamter äußerte noch heute, „daß er einem Polizeidiener, also einem Menschen, der von Denunziation lebt, welcher einen Bürger anklage, unbedingt glauben müsse. Wir fordern einen Nassauer Bürgergardisten auf, diesen unzeitgemäßen, abscheulichen Pülizcistaatsausspruch zu erwiedern. (Wird wohl überflüssig sein. D. Sied.)
□ Frankfurt, 8. März. Eine der ersten Aufgaben der freien Presse wird es sein, die höchststehenden Helden an dcu Pranger der öffentlichen Meinung zu stellen, welche in Beschickung auswärtiger Conferenzen zur Befestigung das Mandat ihrer Auftraggeber
verriethen und dafür mit Orden geschmückt heimkehrten, Personen, welche nicht spruchreife Gerichts-Akten an auswärtige Diplomaten zur „vertraulichen" Kenntnißnahme mittheilten, und mit einem vornehmen Polizeischergen, Beschlüsse fassen, dessen teufliches Verfahren gegen die politischen Gefangenen der dreißiger Jahre ihn dem Abscheu aller Bürger preißgegeben hat. Hoffen wir, daß die Regierung die Unhaltbarkeit dieses und anderer Individuen einsehen und sie dem öffentlichen Aergerniß entfernen werde.
In Sachsen haben die sechs Städte Zwickau, Werdau, Crimmitzschau, Meerane, Glauchau und Waldenburg Deputationen an den König geschickt. Bürgermeister Linke hielt eine eindringliche an das edle Herz des Königs appelirende Anrede, darauf wurden die 6 Petitionen mit den Verhältnissen entsprechenden Bitten übergeben. Nach nichtssagender Antwort des Königs bat Bürgermeister Schwedler sehr ergriffen: „Majestät, entlassen Sie uns nicht ohne alle Zusagen;" erhielt aber die Antwort: „Ich habe Ihnen nichts weiter zu sagen, als : Leben Sie wohl." Wahrscheinlich wird das Volk jetzt nächstens etwas anderes zu sagen haben, vielleicht nimmt sich's auch ein Beispiel, und sagt dasselbe.
Die Rhein Provinz ist lebendig, in allen Städten fordert man die Rechte des Volkes, die deutschen Rechte; auch Berlin, die Metropole der Intelligenz, wie es selbst sich so gerne nennen hört, rührt sich endlich.
Hanau, 10. März. Die Stadt ist im förmlichen Belagerungszustand. Deputationen aus der Nachbarschaft laufen ein, um die Mitwirkung des Landvolkes anzubieten. Zur Aufrcchthaltung der Ordnung hat die Volkskommifsion einen Aufruf erlassen, der auffordert, sich bis zur Antwort des Kurfürsten auf ihr Ultimatum (letzte Eingabe in dieser Sache) ruhig zu Hause zu verhalten. Gott besser's bei der ; kurhessischen Regierung und —. Der Kurfürst hat als Abschlagszahlung Aufhebung der Censur für innere Angelegenheiten, sowie Duldung des deutschkatholischen Gottesdienstes (nicht staatliche Anerkennung) gegeben. Welche Großmuth !!
Auswärtige Kunde.
Vom Main 9. März. Der Bundestag (wir hielten ihn seit acht Tagen für todt) soll sich mit dem Benehmen der Stadt Frankfurt, während der letzten-^acht Tage sehr zufrieden erklärt haben. Das Gerücht, der Schatten des Hoch- seligen wolle von Frankfurt nach Prag hinüberschweben, bedarf wohl noch der Bestätigung. Vielleicht hat er selbst diesen Schreckschuß »abgefeuert, damit wir ihn mit Adressen bestürmen, dazubleibcn! Doch dem fliehenden Feinde soll man eine goldene Brücke bauen, sagt das Sprüchwort.
Die preußischen Thalerscheine fallen unter dem Drange der Tagesereignisse mehr und mehr, und werden hier nicht mehr in Zahlung genommen. Die Inhaber derselben find ge- zwungen" sie an die nächsten Preuß. Regier. Kassen cinzusen- den. ' Ein Gleiches verlautet aus Leipzig, Dresden, Bremen und Hamburg, so daß, wenn die Zustande länger dauern, wohl an die 50 Millionen Papier nach Berlin wandern, und dem preuß. Staat bedeutende Verlegenheit bereiten können.
Wien, vom 1. März. Den Fürsten Metternich, sollen die Pariser Nachrichten in die äußerste Bestürzung ver-
