— 23 —
Wiesbaden, 7. März. Am gestrigen Tage erhielten wir aus geachteter Feder einen Artikel, der die Auflösung des Sicherheitscomito's beantragt. Diese Forderung können wir nicht gutheißen, im Gegentheil halten wir das Comite noch für unumgänglich nothwendig. Wir könnten diesen Artikel nur mit vollständiger Entgegnung von unserer Seite aufneh- men und dazu ist der Raum noch nicht vorhanden. Die Hauptgründe für die Auflösung, welche der Verfasser angibt, sind folgende:
1) „Es sei ein Widerspruch, wenn das Comit« in einem Erlaß an die Bürger sein volles Vertrauen auf das Wort des Herzogs aussprcche und doch bestehen bleiben wolle, bis dieses Wort erfüllt sei. Es könne dieses dauern, bis ein deutsches Parlament einberufen sei, was der Herzog ja nicht einmal allein thun könne."
2) „Es sei unser ganzer jetziger Zustand ein unklarer; man wisse nicht, wer die zu Recht bestehende Regierung in Nassau sei, ob die vom Herzog eingesetzten Behörden oder das Comite. Durch Bildung der Bürgergarde sei die Funktion des Comites erloschen, da diese fürjAusrcchthaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit bürge."
3) Diese Bürgergarde mußte sich jetzt provisorisch orga- nifiren zum Schutz und Sicherheit des Eigenthums und auf Requisition der Polizei einschreiten, sobald die gewöhnlichen Polizeikräfte nicht ausreichten!!!
Die definitive Organisation der Volksbewaffnung solle erst von den künftigen Ständen im Verein mit der Regierung vorgenommen und dabei natürlich der Grundsatz der Forderung gewahrt werden, daß die Wahl des Offiziere von der Garde selbst ausgehe.
Der Artikel schließt: einen Feind fürchte ich allerdings — ich meine den Zustand der Gesetzlosigkeit und Anarchie!
— Nur das strengste Nechtsgefühl ist das Kennzeichen des wahrhaft Freien. Wer aber Wind säet, wird Stunn mitten.
Ein Bürger Wiesbadens.
Diesem müssen wir entgegnen: I
Ad 1) Es ist durchaus kein Widerspru ch, das voll- ! kommenste Vertrauen und die feste Ueberzeugung zu hegen, daß die Zusicherungen des Herzogs gehalten werden, und dennoch nach Kräften zur Verwirklichung derselben beizutragen. Das Comite besteht nicht fort aus Mißtrauen, sondern in der Absicht, bei den neuen Einrichtungen, welche namentlich auch die Bürger unter sich vornehmen müssen, die nöthige Ordnung und Einheit zn erhalten. Hierzu erscheint uns seine Existenz nicht überflüssig, sondern nothwendig.
Ad 2) Unser Zustand in dieser Beziehung ist durch
aus nicht unklar, wir leben nicht in Anarchie. Alle vom Herzog eingesetzten Behörden haben volle unangetastete Geltung. Daß sie aber keine der Vergangenheit ent- ' sprechenden Beschlüsse mehr fassen, dazu kann und muß das Comite immer noch mitwirken, indem es sie mit der öffentlichen Meinung, deren Vertreter es ist, bekanntmacht.
Ad 3) Die provisorische Organisation ist schon vorgenommen. Was aber den weiteren Theil dieses Satzes betrifft, das Einschreiten auf Requisition der Polizei und nur wenn deren Kräfte nicht ausreichten, so ist doch unsere Volksbewaffnung ein zu edles Institut, als daß cs sich der Regierungspolizei unterordnen sollte, wieder Pedell und der Polizeidiener dem Amtmann oder Re, gierungsrath. Unser bewaffnetes Volk wir^ selbstständig die Aufrechthaltung der Ordnung in ruhigeren Tagen beibehalten; den Beweis, daß es dieser Aufgabe gewachsen ist, haben schon die letzten stürmischen Lage geliefert.
Die wirkliche Organisation der Nationalgarde muß wohl allerdings den Bestimmungen der Regierung und den neuen Landständen unterliegen, weil sie gleichmäßig im ganzen Lande sein muß und Sache des ganzen Landes ist. Ob aber die Vorschläge zur Organisation nicht besser von der Bürgergarde selbst ausgehen und nur von den Landständen bestätigt werden, dieß ist ein Gegenvorschlag, der mir zweckmäßiger und Volksthümlicher erscheint, als der, des verehrten Herrn Einsenders.
(Correspvndenz.) Wiesbaden, den 7. März. Wir können uns nicht verhehlen, daß der Kampf noch nicht vorbei ist; daß cs noch gewaltig gährt in den Gemüthern; und vieles Unreine ausgeschieden werden muß, ehe wir uns in friedlicher Ruhe dessen erfreuen können, was wir in schöner Eintracht errungen.
Es gibt noch Manche, in deren Seele unseliges Mißtrauen, leicht erklärbar nach so vielen herben Täuschungen,— so tiefe Wurzeln geschlagen hat, daß auch die offene Hingebung unsers hochherzigen Fürsten sein feierlich gegebenes Wort cs nicht heraus zu reißen vermag. —
Wohl sind aber auch noch Andere, die den allmächtigen Geist, der Europa erfaßt hat, verkennen; die da wähnen, daß das freudige Erwachen der Völker, die fieberhafte Aufregung, die Alle erfaßt hat, vorübergehen, und der Schlummer die überreizten Augen nur dann um so eher schließen werde; — ein Schlummer, der zur Herstellung des in wenigen Tagen gestürzten System's die erwünschte Gelegenheit bieten soll.—
Hier gilt es nun für alle Männer, die eS mit den Interessen ihres Landes wohl meinen die rechte Mitte zu halten;—
