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Seitc 8. _ Morgen-Ausgabe, 1. SBlcfiU

baä öffentliche Auftreten durch Verweigerrmg der Sale für jede Versammlurrg, in der Burk spricht, unmöglich machen. Die Mäßigkeitssache wird durch dieses Ver­fahren nur gefördert, denn der Boykott des alkohol- feindlichen Redners durch die Saalwirte lenkt zwingend die Aufmerksamkeit auf die Gefährlichkeit des Alkohold. Aus diesem Grund kann man es auch begrüßen, daß die Reichsregierung das Urteil der Bundesregierungen über das Gotenburger System einholte, auch tvenn an dessen Einführung in absehbarer Zeit bei uns Wohl kaum zu denken ist. Alles, was die Aufmerksamkeit einer aufgeklärten Bevölkerung auf den Alkohol richtet, muß diesem schließlich gefährlich werden.

Veraltete Verordnungen.

Das Abgeordnetenhaus verhandelte am Montag dieser Woche über einen Antrag des nationallibevalen Abg. Schiffer, die Staatsregiernng möge unverzüglich eine Sammlung und Sichtung des vorhandenen Nechtöstoffs veranlassen,um Lurch Ausscheidung veralteter, durch Klarstellung zweifelhafter, durch Zusammenfassung verstreuter und durch Vereinheitlichung gleichartiger Vorschriften einen möglichst zeitgemäßen, sicheren, übersichtlichen und einfachen Rechtszustand herbeizuführen." Ter Antrag, der einer Kommission überwiesen ist, ist der ein­stimmigen Annahme sicher; die dein Justizministerium ge­stellte Aufgabe aber, die selbstverständlich trotzdem übenrom- men werden muß, wird schwierig genug sein. Denn es handelt sich naturgemäß nicht nur um Gesetze, sondern wesentlich auch um Po l i z e i ve ro r d n un g e n, die in bändereichen Sammlungen zerstreut sind. Aber die Arbeit muß geschehen, nwd wie notwendig sie ist, davon wissen vor allem die Rich­ter zu erzählen, die «oft genug in die Lage kommen, unend­liche Mühe und Zeit an die Prüfung veralteter Gesetze und Verordnungen zu verschwenden. In der jüngsten Nummer der Deutschen Juristenzeitung" unterzieht der Senatspräsident am Kammergericht, Geh. Oberjustizrat I>r. Hoffka, diese ibcrctlieten Verordnungen" einer kritischen Prüfung, aus der anan halb mit Heiterkeit und halb mit aufrichtigem Bedauern Darüber, daß sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit isorterben können, die wunderlichsten Dinge erfährt. Der Verfasser bemerkt, daß, wer nicht speziell mit diesem ^iechtsgebict zu tun habe, gar nicht ahne, wie viele derartige 'veraltete Bestimmungen noch bestehen und dem Publikum ^gegenüber noch an gewendet werden. Er gibt aus der Praxis der Kammergerichts einige Beispiele, die vielleicht noch nicht einmal die krassesten sind. So müßte geprüft werden, üb die für das vormalige Fürstentum Göttingen erlassene Landesherrliche Verfügung vom 9. Oktober 1681, wie es mit der Katechismuslehre in Kirche und Schule gehalten werden solle, mach in Kraft sei, ferner ob dasselbe von der Verordnung von '1734 gelte, die das Ende der Schulpflicht auf den Schluß des L4. Jahres festsetzt. Beide Verordnungen sind fiir noch g ü l - !tig -erklärt"worden. Für Pommern ist der LandtagSäbschied vom Mai 1888, für Lauenburg dir landesherrliche Verordnung jfüt die Landschulen von 1787 für noch gültig erklärt worden, 'sodann auch eine Polizeiverordnung für Emden vom 18. April -1780, betreffend die Reinhaltung der Straßen, ferner eine Ver­ordnung der Generalgouvernements vom Nieder- und Mittel­ühein über die Ausübung der Jagden und Fischereien vom 18. August 1814. Dagegen wurde die Verordnung der Regie- rnngskommission des Bromberger Departements, betreffend -die Aufficht auf Hunde, vom 1. Dezember 1818 für ungültig erklärt, weil die erforderliche Genehmigung der höheren Polizeibehörde aus kr Verordnung nicht hervorgehe. Eine gleiche Verordnung der Regierung zu Frankfurt an der Oder .vom 22. August 1837, deren Prüfung umfangreich- Ermitte­lungen erforderlich machte, ist für gültig erklärt worden, nach­dem sich herauSgeflellt hatte, daß sie nachträglich im Jahre 1839 die erforderliche höhere Genehmigung der Minister erhalten hatte. Di- Verordnung der Regierung zu Breslau vom

nommen hat, natürlich wenn cs längst zu spät isü Telegraph - ist nur ein dummer armseliger Draht zwischen einer Stellung von 15 Kilometer Länge und dem Hauptquartier-,

- die Wege, die sogenannte Chaussee, an manchen Stellen Hunderte von Schritten weit derart zerfallen daß man nebenher über freies Feld fahren muß wenn cs zwei Stunden regnet, so stockt jeder Wagenverkehr. Etappen fehlen d. h., man nannte dieses oder jenes Dorf eine Etappe, aber zu finden ist dort nichts.

Und mit der Verpflegung ist es teilweise noch recht elend bestellt.Ja", sagen die Türken,unser anatolischer Dauer hat ja auch daheim nichts anderes als Brot zu essen . . Ganz richtig aber dafür kriegt er es täglich, schläft unter einem Dache in seinem Bette und braucht nicht zu mar­schieren und den Tornister zu schleppen. Daheim arbeitet er kaum hier ist er überanstrengt und müßte, um frisch Zu bleiben, kräftige Fleischsuppen haben.

In San Stefano sieht es auch erbarmungswürdig aus. Die Versprengten sind dort in Choleralagern ver­sammelt und ein Deserteur, den ich sprach, sagte rund heraus:Weil wir davongelaufen sind, wollen uns jetzt die Türken verhungern lassen. Sir geben uns kein Brot mehr, lassen uns nicht mehr nach der Front, aber auch nicht nach Hause zurück, und wir sollen dafür büßen, daß die Offi­ziere uns schlecht geführt haben . . . ."

Bor San Stefano rechts und links der Bahn verlassene Lager Unterwäsche in grauenhaftem Zustande pflastert die Felder Tierradaver liegen zu Dutzenden in den Wafferrissen und beiderseits des Weges. Längs des Bahn­damms liegen Leichen herausgeworfen aus den Kranken­zügen. Man steht deutlich, daß auch hier wieder Sterbende herausgeworfen wurden, denn Leichen kollern die steile Böschung herab aber viele klammern sich noch mit zer- krampften Fingern an dem Abhange an. Dann kommen 'unklr Flecken zum Vorschein Hungertyphus cmpor- geftreckte Arme ins Genick geworfene Köpfe angstver­zerrte Züge Cholera. Hundert Schritte weiter das Barackenlager des roten Halbmondes, von einer dichten Kette von Schildwachen umgebend. Man baut über den Kranken und Sterbenden aus leichten Brettern Schutzdächer, und während über ihren Köpfen gemeißelt, gezimmert und ge­klopft wird, holen Totengräber Landsturmsoldaten, alle fünf Minuten einen nach dem andern der noch warmen Kadaver heraus, legen ihn auf die Bahre und laden ihn mit noch schlenkernden Beinen und Armen auf einem anderen Lciebeuhaufen ab. Um das Zeltlager herum

WisSdaKerrsV T-aghlarr»

5. Juli 1821, die gebietet, Hunden Halsbänder anzulegen, ist für ungültig erklärt worden, weil zu dieser die ministerielle Genehmigung nicht erteilt ist. Mit einer sehr alten Verord­nung, nämlich derMühlverordnung Kurfürst Augusts zu Sachsen vor die an den Saalen-, Luppen-, Elster- und Pleißen- strömen liegenden Mühlen den 23. November Anno 1868", hat sich das Kammergericht beschäftigen müssen und sie, so weit wenigstens .damals in Frage, für ungültig erklärt, weil die Strafbestimmung durch das Vorflutsgesetz vom 15. November 1811 aufgehoben und weil überdies die Strafandrohung 4 Nau-Schock" nicht mehr verständlich sei. Wir brechen hier ab. Das Mitgeteilte kann genügen, um ein Bild von dem verstaubten, mit Gerümpel angefüllten Winkel un­serer Rechtszustände zu geben, in den: die Gerichte Ordnung schaffen sollen. Auf alle Fälle muß die beklagenswerte Un­sicherheit betreffs der Gültigkeit der alten Gesetze und Verordnungen beseitigt werden. Es wird sich, so meint Senatspräsident Hoffka, zur Erlangung von Sicherheit wohl empfehlen, die bis zu einem gewissen Jahr erlassenen Verord. nungen ganz zu beseitigen und neue zu erlassen, in die die noch anzuwendenden älteren Bestimmungen mit ausgenom­men werden. So schwierig die Aufgabe, so lohnend die Mühe und der Erfolg. Der Anregung kann deshalb nur zuge­stimmt werden.

politische Übersicht.

DieLtaLtbahnprojekteinRheinland-westfalen.

Wir erhalten vom Riederrhein folgende Mitteilung: Die Städtebahnprojekte Köln-Düsseldorf und Düsscldorf-Essen- Dortmund scheinen beide an der U n e i n i g k e i t der Betei­ligten zu scheitern. Köln und Düsseldorf finden keinen Weg der Einigung, und so lange dies nicht der Fall ist, bleibt die schon erteilte staatliche Genehmigung unansgc- nützt. Dagegen ist dem Projekt der Bahn Düsseldorf-Dort­mund allerdings die Genehmigung vom Eiscnbahnminister versagt worden, aber für die Versagung war mitbestimmend die unaufhörliche Veränderung des Projekts, dessen Urheber ganz verschiedene Interessen verfolgten. Einmal sollte es sich um die schnellste Verbindung der Großstädte miteinander han­deln, dann wieder um rasche Beförderung der Arbeiter nach und von ihren Arbeitsstätten. Aus den jetzt wieder aufgenom- menen Erörterungen des Plans in der Presse geht hervor, daß die Meinungen und Interessen jetzt noch mehr als früher aus- ein anderklaffen.

Ein Wort zur Jugendpflege.

Unter dieser Überschrift bemerkt H. Schröcr (Berlin), der langjährige Vorsitzende des Deutschen Turnlehrervereins, in der Monatsschrift für das Turnwesen u. a.: So aner­kennenswert die Absicht des Jungdeutschlandbundes ist, die Offiziere aktive und beurlaubte in den Dienst der Jugendpflege Zu stellen, so liegt 'doch gerade darin ein Keim, dessen Entwicklung die größte Sorgfalt des Gärtners erfor­dern wird. Denn so sehr einerseits Offiziere, die sich dem Volks- und Jugendempfmden anzupassen wissen, ganz her­vorragend tüchtige Jugendpfleger sein können, so sicher ist cS andererseits, 'daß viele Offiziere nicht den Ton finden werden, der die Bewegung volkstümlich machen kann, insbesondere dann, wenn sie von oben her zur Jugendpflegeveranlaßt" werden. Man hört gerade darüber bereits ein heimlich Raunen, das bedenklich stimmt. Auch die staatlich oder von den. Gemeinden geförderte Jugendpflege ist vor ähnlicher Ge­fahr nicht sicher. Seit das Wort in aller Munde ist und die höchsten Behörden der Sache nahestehen, bieten tausend neue Kräfte sich zur Mitwirkung an. Das ist fürs erste natürlich, und es ist an und für sich gut. Aber dabei greifen dann auch Hände ein, die für solche Arbeit nicht hinreichend geschult oder überhaupt nicht geeignet sind, und es machen sich Beweg­gründe geltend, die Las Gegenteil von Selbstlosigkeit sind.

hocken die Kranken und legen sich mählich kraftlos nieder. Die meisten der Deserteure und Kranken sind vom Hunger so geschwächt, daß man sie nicht zu fürchten braucht. Sie sind zu heruntergekommen, um noch mit Gewalttaten sich Lebensmittel zu verschaffen -ü sie wandern schleichend um­her und haben jede? Interesse an ihrer Umgebung ver­loren.

Ich schätze, was ich dort in einem kleinen Lager sah, auf 20M Kranke und wohl 160 bis 120 Leichen, die erst an diesem Morgen starben, bis abends werden es wohl 400 bis 500 sein.

Nun glaube ich wohl nicht an die ungeheuerliche An­schuldigung, daß die Türken aus Strafe die Durchbrenner verhungern lassen, aber immerhin gebietet die Kricgsraison in erster Linie die geschlossenen und frischen Truppen zu er­nähren, ehe man sich um den Auswurf der Heere kümmert. So mag es wohl kommen, daß bei den unzureichenden Trans­portmitteln die Versprengten und Kranken erst in letzter Linie bedacht werden können.

Der größte Teil der Militärärzte tut außerdem seine Pflicht nicht. Sie sagen, daß die Sache ohnedies ver­loren sei und sie nicht ihr kostbares Leben für Cholera und Typhus riskieren wollten.

Der einzige, der hier noch seine Pflicht tut in diesem materiellen und moralischen Zusammenbruche, ist der Türke, geduldsam, passiv, aber zäh, seitdem man von ihm nicht mehr eine unmögliche Offensive verlangt, sondern ihn in der Defensive verwendet. Kein Mensch kümmert sich mehr ernst­haft um ihn ich meine um das Heer, und wer von Europäern hier noch im Dienste steht, strebt ausnahmslos persönliche Vorteile an.

Was würde aber geschehen, wenn der Türke gegen ^ alle Voraussicht dennoch siegen sollte. Er hat seine europäischen Freunde im Unglück trefflich kennen gelernt.

Nus KunK und Leben.

* Frank Wedckind als Reklameheld?! Frank Wedekind hat vor kurzem die deutsche Übersetzung eines Briefes aus Dublin veröffentlicht, nach der ihn die Universität Dublin oder die Philosophische Fakultät Dublin zur Eröffnungsfeier als Repräsentant der modernen deutschen Literatur cinge- laden hatte. Auch sein Antwortschreiben an den Präsidenten der Philosophischen Gesellschaft an der Universität Dublin hat er abdruckcn lassen. Dazu schreibt ein Dubliner Univer­sitätsprofessor und Akademiker denSüddeutschen Monats-

Donnerstag, 12. Dezember I91lr. Pit. 580. ^ !

Es wird aller Wachsamkeit der obersten Leitung und ihrer

Organe bedürfen, um derartige Hände fernzühalten, geschäf- tige Eitelkeit und schnöde Selbstsucht in - ^ Schranken zu verweisen.

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Die «Liberale Korrespondenz" konnte der Be­wegung mehr Sympathie schenken, wenn diese parteipoli­tisch vollständig tcndenzfrei und unbeeinflußt bliebe. Die Korrespondenz äußert aber in dieser Hinsicht folgende Bf- . denken: Die Jungdeutschland-Bewegung ist st

lange zu begrüßen, als sie nicht dazu dient, die Militärspielcrei zu begünstigen und die jungen Leute parteipolitisch vorzubc- reiten. Als Pflege der körperlichen Kraft und Entwicklung ohne jede Tendenz, wäre sie ebenso nützlich wie beispielsweise die Wandervogel-Bewegung und ähnliche Bestrebungen. Es scheint aber, als wenn die Jungdeutschland-Sache doch von parteipolitischer Seite sehr gepflegt werden sollte. Es ist jedenfalls sehr auffällig, daß die rein politische Wochenschrift Mitteilungen aus der konservativen Partei" in der letzten - Nummer einen drei Spalten langen Artikel über den letzten Führerknrsus des Bundes bringen. ES wäre sehr zu bedauern, ' wenn auch diese Bewegung zu parteipolitischen ; Zwecken degradiert werden sollte.

Reich ä. £.

Aus Thüringen wird uns geschrieben: Als sozialdemo­kratischer Kandidat für die Reichstagsersatzwähl, die in Reust , ü. L. für kn verstorbenen Abg. Förster stattzufinden hat, ist der unterlegene Gegner Kaempfs, Wilhelm Düwell (cs betont den Namen, Wohl weil er plattdeutsch Teufel heißen würde, sinnlos auf der zweiten Silbe), ausersehen. Der ; Wahlkreis war von 1907 bis 1012 im bürgerlichen Besitz, und wir halten die Kandidatur Düwell für recht glücklich, nämlich i vom Standpunkt der Gegenparteien. Run gehen vielfache Wünsche und Bemühungen im Wahlkreis und auch von außer- halb dahin, diese Gegenparteien für die Dauer der Wahlbc- wcgung zu einer einzigen Gegenpartei zufammenzu- schweißen. Wie die Fortschrittspartei schon zugunsten des Nationalliberalen Stresemann auf einen eigenen Kan­didaten verzichtet hat, so empfiehlt man den Deutsch- und ; Christlich-Sozialen die Zurückziehung der Kandidatur Latt- j mann. Hierzu scheint aber bei den Parteien der Rechten keine ; Neigung zu bestehen. Sie glauben, daß die doppelte bürger- j liche Kandidatur eine Erhöhung der bürgerlichen ; Stimmenzahl bewirken und damit die Aussicht auf eine Stich- ' wähl vergrößern werde. Ob diese Ansicht die Probe auf ihre ; Richtigkeit besteht, muß der Wahltag zeigen.

Deutsches Reich-

* Heydcbrand über die Lage. Der Führer der preutzi- j scheu Konservativen, Wg. v. Heydebrand, hat auf der Tagung j ibc§ sächsischen konservativen Lanidesvereins in Dresden j einen Vortrag über die politische Lage gehallten, in dem er den Zuhörern erzählte, daß sich in der konservativen Partei > längst die Überzeugung durchgerungen habe, Man dürfe nicht z nur einen einzelnen «sstartb des deutschen Erwerbslebens fördern. Die Industrie (Sachsen ist ja hauptsächlich ein In- I dustrielanid) werde von den Konservativen nicht bekämpft, ! Dann sprach er sich gegen eine Änderung des preußi« ' scheu Wahlrechts aus, nicht etwa, weil dadurch die Konservativen an Stimmen verlieren würden, denn das sähe ; doch gar zu 'egoistisch aus, sondern nur wegen derVerant- j Wortung, die man nach außen hin übernehmen" müsse; denn j die Folgen seien, so führte Herr v. Hehdobranld nach den j Leipz. N. N." aus, nicht abzuschen, wenn der größte deutsche j Bundesstaat das Wahlrecht zugunsten linksstehender Parteien j ändern würde. Diese nicht abzusehenden Folgen würden > eben darin bestehen, daß die beiden konservativen Parteien fiir sich allein nicht mähr fast die Mehrheit haben. Von der deutschen auswärtigen Politik hält Herr v. Heydebrand im allgemeinen sticht viel. Er sei kein ausgesprochener An- , Hänger unserer auswärtigen Politik, aber sie sei jetzt besser

heften":Was Wedekind betrifft, so ist die Übersetzung des : Briefes ganz verfehlt. Der Brief kommt von keiner philo- ; sophischen Fakultät (die hier gar nicht existiert), sondern von einem Stndentenverein (TIndergraduate Philosophical Society), die solche öffentlichen Sitzungen einmal des Tages halten. Die, Universität hat damit gar nichts zu tun, außer daß sie die Sitzung verbieten könnte. Wedekind hat auch an den Präsidenten einen Entschuldigungsbrief geschrieben, das; die Sache in den öffentlichen Blättern erschien. Er soll sagt haben, er brauche sie alsAvertissement".

Kleins Chronik.

Bildende Kunst und Musik. Die Galerie Heine- mann in München hat das Verdienst, durch eine große Ausstellung aus einen Künstler aufmerksam zu machen, der eine neue und eigenartige Erscheinung in unserer Kunstwelt bedeutet. Es ist der Starnberger Maler Paul T h i e tu, dessen Ausstellung Überraschungen bringt. Nach diesen Bil­dern gehört er als ein neuer Aiann in die Reihe der Schwind, Richter, Böcklin, Thoma. Seine zahlreichen Vhan- tasiestücke, Märchen, Legenden, Humoresken und Grotesken gehören zum Schönsten, was deutsche Kunst in dieser Art ge­schaffen hat. Besonders reich auch ist die Ausstellung au Landschaften, deren Auffassung eine Vertiefung dichterisch geschauter deutscher Landschaft darstellt.. Paul Thiem hat sich auch als Dichter hervorgetan. Am bekanntesten wurde sein humoristischer RomanDer Prinz und sein Onkel", den die Kritik alsden humoristischen Roman unserer Zeit" feierte.

Nach den Aufführungen, die. Professor Dalcrozc in verschiedenen englisch eit Städten zumeist auf Ein­ladung englischer Universitäten veranstaltet hat, bekundet sich dort ein außerordentlich lebhaftes Interesse für die Methode. INan plant die Bildung eines besonderen Komitees von Musikern und Pädagogen, welches im Einvernehmen mit dem Zentralinstitut in Hcllerau die Einführung der Methode in den englischen Schulunterricht in die Wege leiten soll.

Wissenschaft und Technik. In Filotrano bei Ancona hat man ein gallisches Grab mit reichem Inhalte ent­deckt, das aus dem Ende des vierten Jahrhunderts v. Ehr. stammt. Der Hauptschmuck des Grabes besteht, wie der Cicerone" berichtet, aus einer Kette, zwei kleinen Amphoren und zwei Ringen, die alle aus Gold gearbeitet sind. Ferner wurde ein reicher Schatz an Bronze- und Terracotta- gefätzen gefunden. Die Gegenstände, die wegen ihres Alters und der künstlerischen Arbeit sehr wichtig such werden in? Museum von Ancona ihre Aufstellung finden

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