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Beklag Langgaffe 21 12 HUSQdBCtUT«Matt-H-«s" Nr. 6650-53.

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Donnerstsg. 12. Dezember 1912.

morden«fliisaa&e,

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sozialpolitische Umschau.

^ Anfang Dezember.

Reichstag wird nach seinen W'eihnachtsjferien . rge besonders schwierige Ausgaben zu lösen haben, in seiner kurzen, aber inhaltsreichen Tagung . Welhibachten in Angriff genommen hat. Aus diesem großen Arbeitsprogramm ist vor allem das ^erroleummonopolgesetz zu erwähnen, das in seiner ,,'Ubttenden Bestimmung kurz festsetzt: Die Einfuhr o,7ß o Herstellung von Mineralölen, die zum, Brennen «s ^.ompen geeignet sind, sowie der Großhandel damit ur Zollinlande stehen ausschließlich dem Reiche zu. ^r^rnteressisrt nur die sozialpolitische Seite Zu weiten Ausblicken in die zukünftige Wirt- M.l'EHolitik des Reiches berechtigenden Gesepes. Es ^ j}f\ noch nicht übersehen, wie das Gesetz aus Kleinverkauf des Leuchtöls Wirker: wird; ob hier Zahlreiche Angestellte ohne ausreichende Ent- ^tzadlgung brotlos werden, ob der Kleinkaufmann bei er neuen Regelung der Dinge keinen Schade,: leidet ob., der Verbraucher in Zukunft den: Reich nicht - wa höhere Preise zu zahlen hat als dem amerikani- Men Petroleumtrust. Diese Fragen hat man im Reichs- f 7 f+- e . erörtert und man ist hoffentlich auch so vor- Ncht:g, efnen gesetzlichen Schutz dagegen zu schaffen, daß Neue und wichtige Reichsmonopol in der Praxis Mva zu einer empfindlichen neuen Derb r a u ch s- neuer für die -breiten und weniger bemittelten Klassen Nch^ aus-wachst. Tie sozialpolitische Verbrämung des Gesetzentwurfs wird ihm der Reichstag Wohl auch a b- n reifen; und das ist gut. Aus den Überschüssen ^.es Monopols, die aus 12 bis 23 Millionen Mark jähr- üch angenommen werden, will man sa den Veteranen Beihilfen zahlen und den Rest für die Arbeiterversiche- ^ung verwenden. Dvs klingt sehr schön, ist im Grunde Mer ein schlechter Gedanke. Man soll den Dank für die Een Veteranen nicht auf die wechselnden, auf Jahre hinaus wahrscheinlich ganz unbestimmbare!: und sehr Zweifelhaften Überschüsse aus einem Handelsmonopol gründen und ebensowenig die Herabsetzung der Alters- örenze für d:e Invalidenversicherung von ihr abhängig wachen. Für diese ernsten sozialpolitischen Aufgaben müssen Mittel von größerer Sicherheit flüssig gemacht werden. Man hat auch bei der heutigen Reichs­tagsmehrheit die schlechteil Erfahrungen mit jener Be- wnrmung des Zolltarifgesetzes noch nicht vergessen, nach »er gewisse Überschüsse der erhöhter: Lebensmittelzölle kur eine Witwen- und Waisenversicherirng verwendet werden sollten. Der klägliche Ausgang ist bekannt. gLenn die Veteranen auf die Überschüsse aus dem Leucht- wmonopol ivartei: sollen, so kam: man ihnen viel Ge­duld wünschen und wenn die Herabsetzung der Invalidi­

täts-Altersgrenze von ihnen abhängig gemacht werden soll, so ist sie aus unabsehbare Zeit vertagt.

Durch derartige Rechnungen wird der Reichstag voraussichtlich einer: dicken Strich machem Das ist schor: heute klarer als seine 'Stellung zu dem Regierungs­entwurf einer Be sitz st euer, der bis zum nächsten Frühjahr vorgelegt werden muß. Im übrigen wird er sich auf sozialpolitischem Gebiet noch mit der Neu­regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe be­schäftigen ur:d wahrscheinlich den ungenügenden Regrc- rungsentwurs noch erheblich verbessern; auch das einer Kommission überwiesene Saugflaschen-Gesetz und die Bekämpfung der schlechten Kinos und des Leseschundes wird ebensowenig nennenswerte gesetzgeberische Schwie­rigkeiten rnachen, wie die Regelung des Betriebes von Gastwirtschaften mit weiblicher Bedienung. Wenn man hierbei den Animierkneipen vollends den Garaus machen wollte, so würde das ein besonderer Vorteil des Gesetzes sein. Aber -wahrscheinlich wird nur, bei der großen Verschiedenheit der Verhältnisse zwischen Süd- und Nord- dentschland, den Einzelstaaten durch eine Ergänzung der Gewerbeordnung zu besonderen Maßregeln gegen derartige Gastwirtschaften die Berechtigung erteilt wer­den. Eine schwierige Aufgabe ist dagegen die gleich­falls bevorstehende Neuordnung der Konkurrenzklausel, bei der sich die Interessen vor: Unternehmern und Ange­stellter: in einem fast unvereinbaren Widerspruch gegen­überstehen, der zu ebenso schroffer:, wenn auch nicht so bedeutungsvollen Gegensätzen in: Reichstag führen wird, wie sie schon in den ersten Tagen seines Zusannnen- seins wieder bei der Erörterung über -die Fleisch­teuerung hervortraten. Hier gibt es augenscheinlich keinen Ausgleich. Tie Regierung will ihren bekarmten Standpunkt r:icht verlassen und es war in dieser Be­ziehung kennzeichnend, daß der Reichskanzler betonte: Ich kann es mir gar nicht anders vorstellen als daß, wenn wir Gefrierfleisch in großen Massen hereinlassen, die deutsche Viek^ucht geschädigt werden muß." Erst hat man den: deutschen Familienvater das Gefrier­fleisch zu verekeln gesucht, jetzt ist man für die kleinen Landwirte, die angeblich die vornehmlichsten Viehzüchter sind, besorgt. Aber die kleinen Landwirte würden den Mitbewerb des Gefrierfleisches sicher ganz gut auS- halten, wenn man ihnen die Futtermittelzölle und so manches andere, was steuer- und zollfiskalisch auf ihrer Wirtschaftsführung lastet, beseitige::' und mildern wollte.

Daß die deutsche Landwirtschaft fähig wäre, in normalen Zeitläuften den Fleischbedarf in: Reich zu decken, wird wohl noch immer stark bezweifelt Werder: Müssen, obgleich das auch in den letzten Tagen von her­vorragender Stelle wieder behauptet ist und trotzdem die Landwirtschaft auf den: Gebiet der Schlachtviehzucht seit Jahren große Anstrengungen macht, die nicht ver­

schwiegen werden sollen. Auch die preußische Regierung scheint nicht so recht an die ausreichend zu stergernde Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu glauben, sie will daher größere Mittel für d:e Kult:- Vierung von Mooren und Odländereien verwenden, um namentlich Weideland zu gewinnen. Lediglich zu dre- sein Zwecke will der preußische Staat eine Anleihe von 20 Millionen aufnehrnen. Eine derartige Kulturarben ist bisher viel zu lässig betrieben. In Preußen gibt es noch 655420 Hektar Ödflächen, die zu erschließen sind, unter ihnen allein 466 800 Hektar Hochmoore. Hier rst Platz für unzählbare Viehherden; wenn erst diese Flächen Weideland oder sonst irr lar:dwirtschaftl:cher Kultur sind, dann läßt sich vielleicht mit größerem Reast über die Fleischversorgung aus eigener Kraft reden.

Ein Kapitel, das ebenso ständig wie die Fleflch- teucrung die Öffentlichkeit beschäftigt, ist die Woh­nungsfrage. über sie beriet kürzlich in Frankfurt an: Main die zweite deutsche Wohnungskonserenz, zu der sich auf Einladung desDeutschen Vereins für Wohnungsreform" zahlreiche Vertreter von Gemeinde- und Landesbehörden, Versicherungsanstalten, führenden sozialpolitischer: Körperschaften und Vereinigungen für Wohnungsfürsorge eingsfunden hatten. Es lvurde be­schlossen, an die Reichs- oder Landesbehörden eine Re:h« vor: Forderungen zu richten, von denen wir erwähnen: Wohnungsaufsicht. Regelung des Realkredits und de- Schätzungswesens, Bauordnungen, Bebauungspläne, Regelung der 'Bodenfrage, des Erbbcru- und Ente:g> Nungsrechts: ein Reichswohnungsamt, Landeslvohnungs- und Gemeindewohnungsämter sollen geschaffen lverden usw. Auf einen: ganz anderen Gebiet -der öffentlichen Gemeinnützigkeit bewegen sich die seit einiger Zeit in Preußen gepflogenen Erwägungen über die Schaffung einer großzügiger: Organisation für Rechtsauskunft

auf dem platten Lande. Man beabsichtigt, ein Netz von -gemeinnützig tätigen Rechtsauskunftsstellen zu schaffen, womit Len Landbewohnern, die in der Verfol­gung von Rechtsangelegenheiten viel hilfloser als die Städter sind, sicher ein großer Dienst geleistet würde. Es wird dabei erwöge::, das sich immer mehr ausbreitende Netz der ländlichen Arbeits-Wchweisstellen in den Dienst dieser Rechtsauskunft zu stellen; ein Gedanke, dessen praktische Durchführung nicht ganz klar ist und wohl, wie überhaupt das ganze Vorhaben, einige Schwierig­keiten machen wird.

Erwähnenswert ist noch, daß die Gladbachec Woll­industrie-Aktiengesellschaft die G ewinnbeteili- g u n g ihrer Arbeiter einführte. Die Auszahlimgen an die Arbeiter -steigen mit der Höhe der Dividende. Dem unerschrockenen Vorkämpfer der Alkoholabstinenz Pfarrer Burk in Auerbach wollen die sächsischer^ S«aal- ' besitzer nach einer Aufforderung ihrer Organisation

Kriegstagebuch.

^>rr unserem Kriegsberickterstatter E. Baron Binder-Krieglstei«.

Kntschuk-Tschckmedsche, 22. November.

Auf allen Linien habe ich den Durchbruch versucht ge- badt, um wieder zur Front zu kommen überall an den Toren Stambuls stehen seit vorgestern starke Polizeiposten und halten alle Fremden auf herausgclajsen wird jetzt uiemand das Hauptquartier hat übergenug an den Bericht­erstattern und setzt sie entweder irgendwo sehr höflich fest, dw ste nichts sehen können, oder schickt sie brevi manu nach Pera zurück. Nach mehrstündigem Suchen habe ich endlich auf weiten Umwegen einen Durchschlupf gefurwen und heute sogar zwei Herren der österreichischen Botschaft in: Auto urügenommen. Ein geistreicher Kampf zwischen Haupt­quartier und Berichterstattern hat begonnen, und ich für ' Mein Teil habe vorläufig noch Oberwasser, bis sie mich irgendwo erwischen und endgültig kaltstellen.

Vorgestern war ich bei B u j u k - T s ch e k m e d s ch e und sich folgendes: Die Damnsitratze, ivclche von Kutschuk-

Tsihekmedsche über die Nehrung nach den Höhen zwischen beiden Seen führt, war fast ganz verlassen das beste Zeichen dafür, daß cs den Türken oben glänzend ging, denn sonst wären Marodeure und Verwundete zurückgekommen Nur einige Karren mit Mehlsäcken und eine schwache Kolonne von Tragtieren, die nach den Forts gehen, überhole ich, dann liegt die Straße wieder öde und verlassen da halloh! .. . Was ist das? |. . . Rum rum rum ganze Baiteriewagen von dieser Seite aber noch nichts zu sehen dann hauch artig herübergewcht, ein leises Rattern, wie Kinderklappern auf einer Hasenjagd die reine Trei- Lerkette also weiter noch vorne. Dort oben vier Kilo­meter weiter sieht man die Kette der kleinen Forts ein- zwei drei vier sie sind recht verständig hinter dem diesseitigen Hange angelegt und gegerr Westen zu gut ümSkiert. Hinter den Forts quirrcln Pferde, Bespannungen Und Mannschaften durcheinander gewöhnliche Feld- batterien haben sich zwischen den Forts eingcgraben es ist wirklich ein eiserner Gürtel auf je 50 Schritte Breite

kann man eine Kanone rechnen Infanterie ist aber noch keine zu entdecken die Kerle, selbst wenn sie in Bataillons­karrees formiert sind, kann man mit dem besten Glase erst auf 2600 Meter im schmutziggrauen Gelände sichten. Das ist eben der moderne Krieg, in dem rein nichts zu sehen, aber alles zu hören ist.

Endlich komme ich in die Nähe niemand ruft mich ai: niemand hält mich aus einen Soldatcnfez habe ich am Kopfe man hält mich wohl für einen, der beim Tanze irgend etwas zu tun hat.^ Nachdem aber die Unfallversiche­rungen in corpore für diesen Krieg sich geweigert haben, meine Police zu erneuern, so bummle ich doch erst vorher nach dem Forts, rechter Hand hinauf, um dort zu erfragen, wo die Herren Bulgaren stehen.

Dort oben kommandiert ein Major reizender Mensch, der mir gar keine Zeit läßt, ihn irgendwie anzu- lügcn, und gleich sagt:Sie sind gazetas muchbir, weiter laß ich Sie nicht, irnd wenn Sie schlau sind, so gehen Sie lieber einige tausend Meter zurück, denn wir erwarten hier von Minute zu Minute einen verzweifelten Sturm­angriff . . .

Wo sind die Bulgaren?

Aber dort unten in den Wasserrissen und toten Winkeln . .", brrumm pschumm pjuhl . . .

Die türkischen Kriegsschiffe, die zu mnsern Füßen in der Bucht von Bujuk-Tschekmedsche liegen, schießen eben ganze Breitseiten herüber wohlverstanden ,.her"über.... Was ist denn das schon wieder hinüber sollen sie schießen, dort sind die bulgarischen ^ Batterien und Erdwerke aber sie. schießen in einemfort in die Hügellehnen vor der türki­schen Stellung.

Sehen Sie denn die Bulgaren nicht? . . ."

Wo denn? . . . Ich sehe nichts wo stecken sie denn? . .

Aber dort vorne:. .

Ach richtig Gewürm, das dort etwa 3000 Meter weit im gelben Lehme wühlt^ zeitweise taucht da und dort ein Kopf aus oder ein «spaten blinkt oder man bildet sich vielleicht nur ein, etwas gesehen zu haben keinesfalls würde ich darauf Gift nehmen, daß cs wirklich Bulgaren

sind eventuell sind es Kartoffeln grabende Bauern. Aber auf solche verschw-errdct man keine 18-Zentimetec-Grrrnaten, also müssen es doch Bulgaren sein.

Sie sind über die Nehrung zwischen Kcckikratia und Bujuk-Tschekmedsche herübergekommen angeblich eine Brigade, und haben sich nach einem erfolgten Sturmangriff aus die Forts und Batterien von Tschakmali in die zahl­losen Radius geflüchet und dort eingegraben. Die türkische Flotte beschießt sie von Südwesten aus und das türkische Landheer hat sie nach Osten hin abgcschnitteu. Nachts ver­suchen sie über die Nehrung zu entkommen und tagsüper wehren sie sich gegen die türkischen Gegenangriffe. Wie ich zu verstehen glaube, haben sie sogar schon mehrmals die weiße Flagge gezeigt, doch scheint in diesern Kriege beider­seits das Prinzip vorzuherrschen, möglichst wenig Gefangene zu machen. U>:d es ist gut so, denn zum Verhungern und für die Cholera ist in beiden Lagern genügend eigenes Ma< terial vorhanden.

Heute kam ich nur. aus die Höhen von Kutschuk-Tschek- medsche und konnte konstatieren, daß die Bulgaren diesseits des Sees von Bujuk-Tschekmedsche entweder gänzlich ver­nichtet sind, oder cs einem Teil gelungen ist, das jenseitige User bei Kalikratia wieder zu erreichen. Frühmorgens er­folgte unter der Mitwirkung der die Höhen von Arnautköt und Plaja heftig bombardierenden Flotte ein Gegenangrift der Türken, der sie in den Besitz der vorgeschobenen bulgarr- scher: Jnfanteriestellungen brachte. Da der Kampf in seinen großer: Zügen schon um sechs Uhr morgens beendet war und hier bis cts Uhr vormittags weder Verwundete noch Ver­sprengte eing-etroffen ftnb, so muß der Erfolg der Türken jedenfalls außerordentlich günstig gewesen sein.

So! . . . DaS ist die Wahrheit über das, was der Kriegsberichterstatter von der modernen Felds ch lacht sieht, selbst wenn er in erster Linie steht. Wer mehr ge« sehen hat, phantasiert. . _ ,

Aber waS hinten vorgcht, ist auch

Auf allen Linien in jeder Hinsicht >cho"s-" türkische Indolenz. Anlegen von Brückenköpfen, vor und hinter dem Desilee von K-utschuk-Tschekmedsche ih wo! Das machen wir erst alles, wenn der Bulgare die ersten Stellungen ge-