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Ke» 563. Gmmtag, 1* Dezember 1S1Ä Wiesbadener TagKltttt. Morgen-Ausgabe, l. Blatt. _ S«t« 5.

Bändel, Industrie, Verkehr.

Wirtschaftliche und soziale Wochenschau.

Die Ungewißheit Über den definitiven Ausgang der rassisch-österreichischen Meinungsverschiedenheiten ln der Rai kamt rage beginnt bereits lähmend auf das Geschäftsleben in diesen beiden Großstaaten einzu wirken. Auch in West­europa zeigt sich eine gewisse Beklemmung. Noch ist zwar die Festigkeit der Eisen- und Kohlen markte nacht gebrochen, die Beschäftigung in der Montanindustrie hat Mi Intensität noch nichts eingebüßt. In verschiedenen weiter- verarbertenden Industriezweigen tritt jedoch wie zu er­warten war bereits eine gewisse Zurückhaltung der Auftrag­geber zutage.' Von der Textilindustrie ausgehend, wirkt diese flaue Stimmung zunächst zurück auf die chemische Industrie und auf das Masohinenigewerbe. Die allgemeine Besorgnis um die weitere Gestaltung der' wirtschaftlichen Konjunktur wird noch verstärkt durch die ganz auffallend rasch fortschreitende Verschlechterung der. Deid> mar, ktVerhält­nisse. In Deutschland streift der Privatdiskont be­reits die Grenze des Reichsbankdiskonts. Am Londoner Geld­markt wird die Knappheit noch durch den ungewöhnlich hohen Bedarf des Auslandes, vor allem der südamerikanischen Repu­bliken, vermehrt. Diese ungünstige Entwicklung des inter­nationalen Geldmarktes wird voraussichtlich die Reichs- bank in allernächster Zeit wieder veranlassen, der-Frage einer Diskonterhöhung näherzutreten. Eine solche Maßregel erscheint um so mehr gerechtfertigt, als das deutsche Zentralnoteninstitut die Pflicht hat, im Interesse einer eventuell plötzlich notwendigen finanziellen Kriegsbereitschaft den Goldabfluß nach dem Auslande zu verhindern. Welche Gefahr dem heimischen Geldmarkt aus der politischen Be­unruhigung erwachsen kann, zeigt die plötzliche Zunahme der Rückforderungen bei den Sparkassen, die den Reichs­kanzler bereits veranlaßie, durch eine Depesche an den Kör.igs- berger Oberpräsidenten die Kriegsfurcht als unbegründet hin- zustellen. Durch die Rückforderung der Spareinlagen werden dem offenen Geldmärkte ganz bedenklich hohe Summen ent­zogen. Die Inanspruchnahme der Reichsbank hat in einer Weise zugenommen, die ernste Bedenken für die Gestaltung der Geldmarktverhältnisse am Jahresschluß erwecken muß. Nach den ersten drei Wochenausweisen im Monat November 1912 belief sich die Inanspruchnahme mit Wechseln und Lom­bards, abzüglich der täglicjj fälligen Verbindlichkeiten, auf durchschnittlich 751.84 Mill. M. gegen 604 Mall. M. im vor­jährigen Vergleichsmonat. Im Korrespondenzjahre 1905 betrug die Inanspruchnahme nur 532.4 Mill. M. Sie stieg im November

1906 auf 678 Mill. M. und erreichte im Hochkonjunkturjahr

1907 die durchschnittliche Summe von 823 Mill. M. Wenn die Reichsbank sich vor weiteren Abzapfungen schützen will, wird ihr schließlich nichts übrig bleiben, als die Diskontschraubc wieder in Bewegung zu setzen. Dies wäre allerdings ein schwerer Schlag für die ohnehin schon sehr lustlose Börsenspekulation. Die Banken haben in letzter Zeit die Spekulationskredite schon sehr stark eingeschränkt und müßten bei weiterer Erhöhung der Geldleihrate einen noch kräftigeren Druck auf ihre Kundschaft ausüben. Die Börse hat zweifellos noch recht schwere Wochen vor sich. Überdies verzögert sich die Regelung der politischen Verhältnisse in unangenehmer Weise. Aber selbst, , wenn es gelingt, die Schwierigkeiten der äußeren Politik noch vor Jahresschiuß zu beseitigen, bleibt für Deutschland noch die Möglichkeit großer sozialer Kämpfe im Jahre 1913 bestehen. Alle an der Bau­tätigkeit interessierten Gewerbezweige, einschließlich des Holz­gewerbes, rechnen damit, daß die Erneuerung der jetzt ab­taufenden Tarifverträge nicht ohne Streiks und Aussperrungen vn -großem Stile abgehen wird.

Banken und Börse.

* Dresdener Bank. Das Institut begeht am 1. Dezember die Feier seines 40jährigen Bestehens und der 40jährigen Tätigkeit des .ferm Geheimrat Gut mann als Direktor der Bank. Das Präsidium des Aufsichtsrates und die Gesaxnt- direktion werden am genannten Tage dem Mitbegründer und erfolgreichen Leiter Geheimrat Gutmann in Berlin die Glück­wünsche Überbringern

* Zwecks Herbeiführung der Konditionsvereinbaningen «wischen den Berliner Banken und Bankiers fand am Freitag eine Sitzung statt, in der die Stempelvereinigung namentlich mit süddeutschen Vertretern verhandelt wurde. Es wurde über sämtliche Provisions-, Zins- und Einschußfragen debattiert und in verschiedenen Punkten ein Einvernehmen, erzielt. In zahlreichen anderen Fragen bestanden natürlich auch weiter Widersprüche. Es scheint einstweilen, als mache das Projekt eines Konditionenkartells raschere Fortschritte, als anfangs geglaubt wurde. Vielleicht liegt darin nur ein Be­weis dafür, wie dringend der Provinzbankier einer Auf­besserung seiner Existensbedingungen bedurft hat; denn die Interessengegensätze sind vielfach sehr groß.

Industrie und HandeL

* Reichspetrolenmmoncpol. Gegenüber den Nachrichten, der Direktor der Deutschen Bank, Herr v. Gwinner, sei der Vater des Petroleummonopolprojekts, verwahrte sich Herr von Gwinner dagegen mit der Bemerkung, er sei mit dem Projekt erst befaßt worden, als dieses im Reichsschatzamt vorlag. Der eigentliche Urheber desselben sei der frühere Reichsschatz­sekretär Wermuth.

* Deutsche Gasglählicht-A.-G. (Anergeseilschalt), Berlin.

Die ordentliche Generalversammlung setzte die Dividende von 5 Proz. auf die 13.2 Mill. M. Stammaktien und von 25 Proz. auf die 6.6 Mill. M. Vorzugsaktien fest. Ferner wurde die Erhöhung des Grundkapitals um 3.3 Mill. M. auf 23 Mill. M. durch Ausgabe von 3300 auf den Inhaber lauten­den Stammaktien beschlossen, in den Aufsichtsrat wurde als fünftes Mitglied Staatssekretär a. D. Dernburg zu­gewählt.

* Aus dem Konzern der A. E.-G. Das zum A. E.-G.- Konzem gehörige Elektrizitätswerk Beihingen-Pleidelshei-m, A.-G., wird zum Aushau des Werks eine Anleihe von 3 Mill. M. emittieren, welche von den Großaktionären übernommen wird.

* Die Berliner Immobilisnlirma Gebr. Abraham sohn, welche in Schwierigkeiten geraten ist, steht zurzeit in Unter­handlung, um eine G. m. b. H. oder Aktien-Gesellschaft vor­zubereiten, in welche die Vermögensobjekte der Firma ein­gebracht werden sollen. Dabei ist in Aussicht genommen, daß die Gläubiger Anteile in Höhe ihrer Forderungen erhalten;

V ersicher un g;s wesen.

* Die Stuttgarter Mit. und Rückversicherunäs-A.-G. hatte im Monat Oktober 1912 in sämtlichen Abteilungen folgende Geschäftsbewegunig zu verzeichnen; die Zahl der Versiche­rungen stieg um 704 auf 46 977, die Versicherungssumme von 738 638 368 M. auf 749 793 577 M die Jahresprämie von 1826 127 M. auf 1 861 924 M.

* Germania, Steffin. 596.6 Mill. M. an Versicherungs­beträgen und Gewinnanteilen sind von der Germania in Stettin seit dem Jahre 1872 ihren Versicherten überwiesen worden. Es ist keine volkswirtschaftliche Einrichtung zu nennen, die gleichbedeutende Leistungen aufzuweisen hätte. Die Germania

betreibt alle Arten der Lebens^, Inva-liditäts-, Aussteuer-, Renten-, Unfall- und Haftpflichtversicherung und hat vor kurzem auch die Todesfall-Versicherung aufgenommen.

Marktberichte.

Marktbericht zu Mainz vom 28.. November. Kartoffeln gelbe 100 kg 45, Zwiebeln 8 -10, Weißkraut 1 St 615, Rotkraut 1025, Butter süße Ms kg 125-140, in Partien 1,15 bis 125, Eier 25 St. 130140, Gelberüben 100 kg 4, Lauch 30, Sellerie 80, Petersilie ,15, Karotten geh. 58, % kg 1012, Tomaten 5060, Champignons 80100, Knoblauch 2030, Schwarzwurzel 2025, Roterüben 810, Weißerüben 1012, Spinat 1014, Römischkohl 1012, Fr iischocken 20, Rosen­brocken 1014, Winterkohl 810, Artischocken 1 St. 5060, Kopfsalat 1015, Endivien 814, Wirsing 610, Blumenkohl 3060, Erdkdhlrabi 68, % kg 1014, Kohlrabi 36, Meerrettich : 1530, Winterkohl 4C, Rettich 1020, geh. 6 bis 8, Radieschen geh. 36, Kartoffelmehl 100 kg 2734, Erbsen 3184, Bohnen 3133, Linsen 3638, Maroni % kg 1820, Kastanien 1618, Eßäpfel 1825, Kochäpfel 1618, Eßbimen 1425, Kochbimen 1014, Trauben 5060, Apfel­sinen 1 St. 410, Zitronen 68, Preiselbeeren %. kg 40, Nüsse 100 St. 3570, Erdnüsse 40, Traubenrosinen 14 kg 100120, Kokosnüsse 1 St. 3050, Paranüsse % kg 70, Ananas 130280, Paprika 2025, Feigen 4080, Johannisbrot 20, Datteln 80100, Bananen .1 St. 7- 10, A4 kg 4050, Hasel­nüsse 4050, Melonen 1 St. 160300, Zichorie 14 kg 60.

- Frachtmarkt zu Mainz vom 29. November. Weizen per 100 Kilo von 20.80 bis 22.40 M., Korn 17.75 bis 18.10 M., Gerste 20.70 bis 21.15 M., Hafer 19.25 bis 21 M., Kornstroh 3 bis 4.20 M., Wiesenheu 7 bis 7.20 M., Kleeheu 8 M 2 Kilo gemischtes Brot 1. Sorte 60 PL, 2 Kilo Schwarzbrot 2. Sorte 56 PL, Wz Kilo Weißbrot, allgemeiner Preis, 75 Pf.

Viehmarkt zu Mainz vom 29. November. Preis pro 50 kg Schlachtgewicht. Bullen 80 bis 86 M., Ochsen 1. Qual. .91 bis 96 M., 2. Qual. 84 bis 90 M., Rinder .1. Qual. 88 bis 92 M., Kühe. 1. Qual. 83 bis 87 M., 2. Qual. 70 bis 76 M., 3. Qual.. 60 bis 65 M Kälber T. Qual. 1 Pfund 100 bis 105 PL, Schweine 1. Qual. 89 Pf., 2. Qual. 87 bis 88 Pf., 3, Qual. 81 bis 84 Pf.

Schiff s-Nach richten.

Abfahrt der Dampfer aus den europäischen Häfen vom 8. Dezember bis 22. Dezember.

Dampfer:

Abfahrt von:

I Bestimm.-Ort: ! Gesellschaft:

President Lincoln EL Woermann .. . E. P. Ferdinand . .

Megantic..

Tinos ..... . ..

Pretoria..

Milos ...

Belgrano.

Philadelphia.

Yorra ..

Natal.

Rio Grande.

Thekla Bohlen. . .

Köln.

Danube .

Laura. ..

Menomineo.

Equateur.

Santa Cafcharina. .

Gap Arcona.

.Dortmund.

(). J. O. Ablers . .

Morea . ..

Lusitauia ......

Mixmeapölis . . .. . .

Bomali .... ..... Rotterdam ......

Seriphos.

Desterro..

Memphis.

Elisabeth Brock. . Georg. W ashington Würzburg ......

Sindoro .

Lombok.

Lapland..

Swakopmund ....

Erepos..

Itte Woermann . .

Bregenz..

König Wilhelm . . Bavaria .... ....

Örotava.

Frisia.

Majastic.

Cordoba .

Winfried.

Geltic.

Schanmburg.

Aragon.

Patricia .......

Neckar.

Potsdam.

Kroonland.

Rembrandt.

Merauke.

Oceania ..

Lulu Bohlen . . . . Hans Woermann .

Asuncion.

Laurentic.

Hamburg ... 8. Dez. Hamburg... 9. » Triest ..... 10. > Liverpool. . .10. > Hamburg. . .. 10. > Hamburg ... 10. > Hamburg .. . 10. > Hamburg ... 11. » Southampton 11. > Marseille . . .11. » Marseiile . . . 11 . » Hamburg ... 12. > Hamburg . . . 12. » Bremen ... * 12. > London .... 12. >

Triest.12. >

Antwerpen. . 12. > Marseiile . . .12. > Hamburg ... 13. > Hamburg ... 13. >

Hamburg ... 13. »

Hamburg .. . 13. > London .... 13. > Liverpool .. .14. » Southampton 14. > London .... 14. > Rotterdam . . 14. » Antwerpen. .14. » Hamburg... 14. »

Marseille ... 14. » Hamburg. . . 14. »

Hamburg ... 14. »

Bremen .... 14. >

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Amsterdam . 14. »

Antwerpen . 14. >

Hamburg ... 15. »

Antwerpen. . 15. > Hamburg ... 16. >

Triest.16. >

Hamburg ... 17. > Hamburg . .. 17. >

Southampton 18. > Amsterdam .18 >

Southampton 18. » Hamburg . . . 18. » Hamburg ... 18. » Liverpool... 19. >

Hamburg .. .19. >

Southampton20. > Hamburg ... 21. > Bremen .... 21. > Rotterdam. .21. »

Antwerpen.. 21. > Amsterdam .21. > Rotterdam . .21. >

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Hamburg . . .21. >

Hamburg ... 21, »

Hamburg . .. 24. »

Liverpool.. .24. »

New York Westk. Afr. Japan New York Konstantin. Boston Alexandrien M.-Brasilien New York Australien Indien N -Brasilien Westk. Afr. Galveston Argentinien Südamerika Philadelphia Beirut S--Brasiüen La Pi ata La Piata Ostasien Australien New York New York J apan New York Haid-Pascha S--Brasilien Odessa Westk. Afr. New York Brasilien Batavia Batavia New York Westk. Afr. Argentinien Westk. Afr. Bombay La Piata Mexiko New York Argentinien New York M.-Brasilien Lüderitzb. New York Westindien Argentinien New York New York New York New York Batavia Batavia New York Westk. Afr. Westk. Afr. M.-Brasilien New York

Hamb. - Am--L. Woermann L. Oesterr.Lloyd. White Star L. D. Levante-L, Hamb.-Am.-L. D. Levante-L. H.-Süda.-D.-G. White Star L. Mess. Mar. Co. Mess- Mar. Go. H.-Süda.-D.-G. Woermann L. Nordd- Lloyd. Roy. Mail Pac. Austro-Amer. Red Star Lin. Mess- Mar. Co- H.-Süda.-D.-G. H.-Süda.-D.-G. Hamb.-Am-L. Hamb.-Am.-L. P. u. 0. L.1 Cunard L. American L. P. u. 0. L- Ho8.-Am.-L. D. Levante-L. H.-Süda.-D.-G. M*ss. Mar. Go. Woermann L- Nordd. Lloyd. Nordd. Lloyd. Rotterd.Lloyd Nederland. Red Stär Lin. Woermann L. D. Levante-L. Woermann L. Oesterr. Lloyd Hamb- Am,-L. Hamb.-Am.-L Roy. Mail Pao. K- Holl.Lloyd. White Star L. H.-Süda.-D.-G. H.-Br.-Afr-L. White Star L. Hamb.-Am.-L. Roy. Mail Pac. Hamb.-Am.-L. Nordd Lloyd. Holl.-Am.-L. Red Star Lin. Nederland. Rotterd.Lloyd Austro-Amr. Woermann L. Woermann L.

H.-Süda.-D.-G. White Star L.

Deutscher Reichstag.

(Fortsetzung des Drahtberichts in der gestrigen Abend-Ausgabe.)

4!- Berlin, 30. November.

In der ersten Beratung zum

rttndersaugflaschengesetz,

in dem Kindersaugstaschen mit Rühren oder Schlauch verboten werden, erklärt

Abg. Rühl (Soz.): Bei den letzten Teuerungs» d-ebatten ist aus die KindersterMchkeit nicht eingegangen worden, obgleich dabei die beste Gelegenheit dazu geboten war. Es ist -ein beschämendes Zeichen für unseren Ku-kturstand, daß ein solches Gesetz überhaupt möglich ist. (Lärm bei der Mehrheit. Präsident DF. Kaempf ruft den Redner zur Ord­nung.) Man mutz sich wirklich schämen, ein Deutscher zu sein. (Abg. Kreth ruft: -Sie sind ja gar kein Deuj-schcr. Sie sind international!) Der Verfasser der Begründuno dieses Gesetzes hat kein Gefühl gehabt für die Eindrücke und das Beschämende, das m diesem Gesetz liegt. Deutschland ist immer in der WÄt^ voran, wenn es sich um Unkultur handelt. (Großer Lärm. Präsident, De. Kaempf ruft den Redner zum zweitenmal zur Ordnung.) In erster Linie sind die Proletarier find er die Opfer der mörderischen SäuglinysstcMrchkei-t. Die Säuglingssterblichkeit ist nichr ausschließlich eine Rahrungssrage; die Wohnungsfrage und sonstige Verhältnisse spielen hierbei eine große Rolle mii. Das Gesetz ist -lediglich eine B o r s p i e ge 1 u n g,. -als ob etwas gemacht wi-rd, bei der man das libel nicht an der rich­tigen Stelle anpackt. Der Export wird der Industrie in voll­kommen unberechtigter Weise unterbunden. Die Jnter- pellationsberatung halten wir für nötig. Ich beantrage die Einsetzung einer Kommission von 14 Mitgliedern.

2RinlsterialdirLktor p. Jonqniercs: Die Vorwürfe des Redners, daß di« Materie nicht genügend erschöpft wird, waren berechtigt gewesen, wenn wir ein Gesetz zur Be­kämpfung der SäuglingsstsrUichkeit vorgelegt hätten. Ein solches ist nicht denkbar. Die Frage der Kind,erste,rblichkeit

kann nicht durch ein -Gesetz gelöst werden, sondern nur durch eine Sunl.miL von Maßnahmen auf dem Wege der Praxis und der christlichen LiLbestati-gMt. Das haben viele Kmmrrumen und Privatvereine -eingefühen, die sich mit Eifer und Hin­gebung - dieser Angelegenheit widmen. Dank dieser ist es gelungen, die Sterblichkeit von 20,7 wirf 16,2 herun-terFw drücken. Diese Tätigkeit hat auch allgemeine Anerkenmiuny gefunden. Ihrer gedachte auch der internätion-ale Kvuyoeß zur Bekämpfung der SäuiglingAsterblichkeÄ in BeMn-uud auch die Deutsche Bereinigung zur Bekämpfung der Saug- li-ngssterblichkeit in Darmstadt. Jetzt haben wir es rmr mit einer einzigen Maßnahme zu tun und Uns nur M fragen, ab sie auch geeignet ist, ihrerseits etwas zur Verminderung der Säuglingsstevblichkeii beiWtvagen. Diesen Nachweis gliauiben wir erbracht zu 'haben. Wir sind Frankreich gefolgt, das für diese Spezialsva-ge ein Speziailgssetz geschaffen hat. Die Einzelheiten des Gesetzes können in der Kamimission geprüft werden. Wir erkennen es mit Genugtuung an, daß die Regierung uns eine -geeignete Maßnahme vorschlägt, um den beklagten MÄständen der SäuglingsstsiLichk-eit entaegen- zuaubeiten. Praktisch durchführbare BorslUäge hat der W- geordnete Rühl trotz sdiner großen Worte nicht gemacht. Wenn er von der Düngung des Friedhofes .ntit Kinderfsichen sprach, so wird das Volk darüber urteilen, okb das eine würdige Sprache ist. Für solche Worte Hai das deirt-sche Mutterherz kein Verständnis, und der Redner verurteilt sich selbst. (Leb­hafter Beifall bei der Mehrheit.)

Abg. Schulenburg (natl.): Die Rade des >SoztzM>emo- kraten zeigt, daß den -Sozia-ldeMokraten jede Sangflafche recht ist, -um sich mit Hatz gegen di« fetzige Gesellschaftsord­nung voll zu saugen. (Sehr gut! Heiterkeit.) Wir halten eine Kommissionsberatung für anyebvMht. HrnsichKich der Religion in den Schulen /sind wir der Ansicht, daß -dieser Unterrichtsgegenstanid nicht ans «den Schulen «ntferrkt wer­den darf.

Abg. D*r. Müller-Meiningen (Wpt.): Di« BÄämpfmig bei Kiüdersterblichkeit ist das wichtigste Kapitel >der GesunLcheits- pflegc. Wenn wir auch nur etwas der KinderstsrMchkert v!b- holfen können, so ist das Gesetz zu ibegrühen. Wir stimmen für die Kommissionsberatung.

Abg. Burkhardt (Wirtsch. Bgg.): Erfreulich ist, daß die Parteien mit dem Grundgedanken des Gesetzes einverstanden sind. Sämtliche Ärzte, welcher Parteirichtung sie auch ange- hören, unterstützen das Gesetz. (Sehr gut!)

Damit schließt die Debatte. Die Vorlage gjcht an eine Kommission von 14 Mitgliedern.

Es folgt die erste Lesung zum

postscheffigLsetz.

DäZ Gesetz will das durch Verordnung eingeführte Post­scheckwesen gesetzlich regeln und Las Berf-ahren mehrfach ändern. Die Stammeinlage soll von 100 ans 50 M. Herabge­setzt und das Tariswesen geändert werden.

Staatssekretär Kraetke: Das PostscheMuesen hat sich

günsiig weiterentwickelt. Österreich-Ungarn, die - Schweiz, Belgien und Luxemburg haben sich dam Scheckverkehr a-nge- schlossen. Weitere Verhandlungen sind im Gange. Die ganze Einrichtung -hat den-Beifall der Beteiligten gefunden. Es Hai sich über herausgestellt, daß di« Grenze Mischen ZahLern und Em-pfängeirn betreffs der Gebühren im Gesetz nicht richtig begrenzt ist. Insbesondere wurde «8 -als eine Last empftin- den, daß bei mehr als 600 Buchungen für einen Kontoinhaber ein« Zu schlagsgebühr von 7 Pf. für sode Buchung in An­rechnung gebracht wurde. Dadurch wuiÄen UnLarheitLn her- vorgeru-fen. Alle dies« Unbequemlichkeiten sollen dadurch be­seitigt werden, daß bei der Einzahlung eine Frankierung ein- tvitt. Ich bitte, den Gesetzentwurf wohlwollend zu behandeln.

Abg. Südeknm (Soz.): Im ganzen sind bisher erst 75 000 Konten errichtet worden. Das ist geradezu ein Mtzevfolg.- Der Zuschlagstari-f war die «unglücklichste Bestimmung im Scheckwesen. Dieser wird beseitigt, aber durch eine erneute Verstenerung belastet. Fiskalische Rücksichten dürfen nicht -ausschlagg-eibend sein. Wir beantragen Beratung im der Budg-etkommisflon.

Abg. Irl (Z-entr.): Wir stimmen dem Antrag auf Kom- missionsb'Watung zu.

Abg. Frommer (Zentr.): Mit Genügtuung ^grüßen

wir,. daß Me weitere ZinslosigVei-t des Guthabens beseitigt bleibt.

Abg. Beck-Heidelbertz (mal.): Die Befürchtungen des

Vorrsdners sind nicht stichhaltig. Wir begrüßen die Herab­setzung für.-das Stammkapital, weil dadurch der Postscheck- verkshr weiteren Kreisen der Bevölkerung zugänglich gemacht wird. Für die weitere Ausgestaltung des Po-stscheckverGhrs wäre die ^Schaffung eines Beirats notwendig. Auch die Verweisungsgebühren müssen beseitigt werden. ®i stimMLn dem Antrag aus Kommissionsberatung zu.

Abg. Dove (Bpt.): Im großen und ganzen find wir mit dem Entwurf einverstünden. Wir find dem -Staatssekretär dafür dankbar, daß der Postscheckverkehr ohne Störungen- sich glatt eingebürgert hat.

Damit schließt die erste Lesung. Die Vorlage geht an die Budgetkon-Mrission.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Nächste Sitzung Montag, 2. Deze-mder: Erste Lesung de» Etats. Schluß 2% Uhr.

*

Eine Interpellation, betreffend Choleragcfahr in Deutschland.

Berlin, 30. November. (Eigener Bericht desWies­badener Tagbllatts".) Uber etwaige Maßnahmon geg-en das Eindringen der Cholera ist eine Interpellation im Reichstag eingebracht worden, welche in der nächsten Woche beantwortet werden soll. Es verlautet aber von unterrichteter Stelle, daß einö - besondere Choleragefa-hr gar nicht vorhanden-fein dürste. Gerade jetzt in der kälteren Jahreszeit -ist ein Verschleppen der Seuche nicht besonders zu befürchten. Außerdem dürften dis gesetzlichen Maßnahmen in ihrem derzeitigen Bestands genügen.

Der Rrieg auf dem Balkan.

*-or dem Zriedensschlutz.

X X Berlin, 30. November. (Eigener Bericht desWies- adener Tagblatts".) Daß der Friede noch heute auf dem iallan geschloffen wird oder wenigstens ein vorläufiger Laffcnstillstand, erscheint sicher. Nicht ganz klar sind brs je t ie Friedensbedingungen. Es scheint aber, daß Ab rranopc ürkisch bleibt, ebenso der wichtige Hase» Dedcagatfch, er noch westlich van der Maritza liegt. Drc Meldung, das? Mazedonien autonom werden soll, erscheint fa i ). -

aren werde» jedenfalls, weil sie auf Adr.anopel verzichten rüfsen, ihre Grenzen weiter nach Westen verlegen, al-? ur-