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Vkr. 555* WKMvocy, 2V. November 1912.

vom westlichen Uriegsschauplatz.

Dtv Beschlagnahme des deutschen DampfersEnos". Konst an tinopel, 28. November. Die griechische Rsgie- vung erkannte an, daß die Beschlagnahnw des deutschen Dampfers ,/E n o s" znnnirecht erfdlgt- sei und übernahm die Verpflichtung, die LevanteKnie schadlos zu halten. Der Generaldirektor der Levautelime, welcher die Interessen der Gesellschaft im Piräus und in KoNstantino-pel erfolgreich ver­trat, tüitt heute die Heimreise an. Die hiesige deutsche Kolonie ist ihm zu besonderem Danke dafür verbunden, daß auf seine Veranlassung hin die LevcmtMnie ständig einen ihrer Dampfer während der fetzigen unruhigen Zeiten in Ko.nttanti- Nllpek zur Verfügung der deutschen Kalonic beiläßt.

Ku§ der Türkei.

In besonderer Mission nach Athen. KonstaNtinopel, 26. NoverNber. Der frühere Deputierte von Saloniki, Honecs, der nach einer Unterredung mit dem Großwesir in besonderer Mission nach Athen geschickt worden war und eine Unter­redung mit Venizolos gehabt hat, ist heute zurückgekehrt.

Englische Hilfe. Aus London cingetroffene Delegierte, welche 6000 Pfund Wetzling zur Linderung der durch den Krieg hervorgerusenen Notlage gebracht haben, haben be­schlossen, dem Wunsche der Königin entsprechend, diese Summe der Bevölkerung AdrmnopelS nach der Eroberung der Stadt zuzuweifen.

Die Cholera. K o nsta n tin ope l, 26. November.

Zwei deutsche Kriegsberichterstatter, die ebenso wie der ver­storbene LogationZvat Dr. Bumiller in San Stefano au Cholera eck>ankten, befinden sich bereits auf dem Wege der Besserung.

Das italienische Parlament zum FriedenZvertrag-

Rom, 26. November. Die Kammer nahm heute ihre Arbeiten wieder auf. Saal und Tribünen sind stark besetzt. Der Ministerpräsident und sämtliche Minister erschienen i-m Saal, von 'den Deputierten durch Erheben von den Plätzen, vom Publikum auf den Galerien durch lebhaftes Hände­klatschen und Zurufe begrüßt. Giolitti brachte ein Gesetz, betreffend die Ratifizierung des Ver­trags von Lausanne, ein und verlas einen bisher ge- heimgehaltenen Modus procodendi, der in Lausanne am 15. Oktober unterzeichnet worden ist. Dieser Modus procedeivdi beginnt mit der folgenden Wendung: Der König !von Italien und 'der Kaiser der Ottomanen, geleitet von dem ! gleichen Wunsch, den Kriegszustand zwischen beiden Ländern aufhören zu lassen, und angesichts der Schwierigkeiten, zu dic- ^sem Ziel zu gelangen, wegen der Unmöglichkeit für Italien, 'das Gesetz vom 23. Februar 1912, wodurch die Souveränität über Tripolitanien und die Eyrenika ausgesprochen wird, auf- zuhebon, und die Unmöglichkeit für, das Ottomanischc Reich,

; formell diese Souveränität anzuerkennen. Nun folgen Artikel 'über den Erlaß eines großherrlichen FirmcmS an die Bewoh- !ner Libyens und eines Dekrets des italienischen Königs und die großherrlichen Firmans an die Bewvhncr der Inseln im sÄgäischen Meer, deren Wortlaut in der Anlage beigefügt ist. Eine weitere Anlage enthält den Vertrag von Lausanne, so wie er abgeschlossen und veröffentlicht ist, mit der Verpflich­tung der Bevollmächtigten, ihn auch zu unterzeichnen nach dem 'Erlaß der drei obengenannten Akte. Ferner ist in dem Modus procedetvdi vorgesehen, daß von beiden Regierungen die gemachten Aufwendungen für die Unterhaltung der Kriegs­gefangenen und Geiseln als gegenseitig ausgeglichen angesehen 'werden sollten. Nach beendeter Verlosung des Modus iprocsdendi entbot Giolitti den tapferen Angehörigen des Heeres und der Marine, die für ihr Vaterland gefallen find, iund den Diplomaten, die inmitten großer Schwierigkeiten das ihohe Prestige Italiens ein Jahr lang aufrecht erhalten hätten, Herzliche Anerkennung. (Begeisterter, l a n g a n h a l - 'tendcr Beifall.) Er bat den Kammerpräsidenten, eine 'Kommission zur Prüfung des Vertrags von Lausanne zu cr- mennen. Der Kammerpräsident hob die große Bedeutung der Kundgebung hervor, mit der die Kaurmer die Worte des iMnrsterpräsidenten entgegengenommen habe. Den edlen Worten Giolittis habe er nichts hinzuzufügcn. (Lang an­haltender, lebhafter Beifall.)

In dem Begleitbericht zu dem der Kammer vorgelegtcn Gesetzentwurf wird schließlich ein Kredit von 50 Millio­nen Lire für das Ministerium der Kolonien zu öffentlichen Arbeiten und für die Verwaltung Libyens gefordert.

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Rom, 26. November. Auch im Senat verlas Giolitti Len Modus proceden-di zum Vertrag von Lausanne und gab Ähnliche Erklärungen wie in der Kammer ab. Dem Minister­präsidenten wurden vom Senat lebhafte Huldigungen darge- bracht. Der nenernarrnte Senator, General Caneva, legte darauf, von der Versammlung herzlich begrüßt, den Sena­toreneid ab.

Deutsches Reich.

'* Der Kaiser und die Jesuiten. Von bestunterrichte- 1er Seite wird demHann. Cour.", dem wir die Ver- antwortunc, dafür überlassen müssen, geschrieben:Vor kurzer Zeit hat der Kaiser mit großem Interesse die beiden jüngst erschienenen Schriften des Grafen Hoens- lbroech:Offener Brief an die bayerischen Erzbischöfe und Bischöfe" undTie deutschen Jesuiten der Gegen- >wart und der konfessionelle Friede" gelesen. In be­sondere Erregung hat ihn der dort geführte Nachweis versetzt, daß der deutsche Jesuit Lehmkuhl, der Berater des Zentrums, in seiner für die Unterweisung der katholischen Weltgeistlichkeit und zum Gebrauche im Beichtstuhl bestimmtenMoraltheologie" die Lehre auf­stellt, der Beamteneid auf Staatsgesetze und Staats- Verfassungen und der militärische Treu- und Fahneneid feien nur insofern bindend, als Staatsgesetze und Staatsverfassung kirchlichen Rechten und Gesetzen nicht widersprächen und als das denn Soldaten durch seine Vorgesetzten Befohlene ihn nicht Gefahren für sein Seelenheil aussetze. Cr hat sich darüber in nicht mißzu- verstehender Weise geäußert. Nicht als Kaiser natür­lich, aber als Privatmann."

Wiösbs-vner Tagblatr.

* Der neue Bürgermeister von Emden. An Stelle des vom Amte zurückgetretenen Geh. Regierungsrats Oberbürgermeister Fürbringer wurde Bürgermeister vr. Mützeiburg in Uelzen zum Bürgermeister von Emden gewählt.

Für dir bevorstehende Landtagswahl hat die nat i o n a II itzeral e Partei in Nassau folgende Kandidaten ausgestellt: Im Wahlkreis Oberlahn- Usingen Amtsgerichtsrat vr. Lohmann-Weilbnrg. feit» her im Wahlkreis Dill-Oberwesterwald, für diesen im genannten Kreise Landrat Büchting-Limburg; im Unter- lahnkreis den seitherigen Vertreter. Amtsgerichtsrat Lieber-Wiesbaden.

* Eine neue Reichstagsersatzwahl ist durch den in der Morgen-Ausgabe bereits mitgeteilten Tod des reußischen sozialdemokratischen Abgeordneten Förster nötig geworden. Bei den letzten Reichstagswahlen siegte Förster mit 8542 Stimmen gegen 3804 national- liberale und 3319 fortschrittliche Stimmen im ersten Wahlgange. Er eroberte damit den Wahlkreis zurück, den 1907 bei den Blockwahlen der wildkonservative Amtsgerichtsrat Arnold gelvann. Ter Wahlkreis ist bei geschlossenem Vorgehen offenbar für die bürger­lichen Parteien zurückzuerobern.

* Die christlichen Gewerkschaften über die Enzyklika.

'Nach längeren Verhandlungen würde auf dem gestern in Essen tagenden außerordentlichen Kongreß der christ­lichen Gewerkschaften Deutschlands eine Resolution ein­stimmig angenommen, in welcher u. a. erklärt wird: Ter Beschluß des Dresdener Kongresses bleibt bestehen. Tie christlichen Gewerkschaften halten unerschütterlich fest an den Grundsätzen, die von jeher für die Leitung maßgebend gewesen sind. Tie grundsätzlichen Teile des päpstlichen Rundschreibens zu erörtern, ist nicht Sache der Gewerkschaften. Die Zugehörigkeit zu den christ­lichen Verbänden wird in dem Rundschreiben den katho­lischen Arbeitern nicht verwehrt, sondern ausdrücklich gestattet: damit ist ihre Hauptwaffe gegen ihre gewerk­schaftliche Betätigung in der Organisation unbrauchbar geworden. Der Kongreß begnüge sich ferner mit der Feststellung, daß zu Befürchtungen, wie solche in der Enzyklika des Papstes zum Ausdruck kamen, nach den Grundsätzen und Beschlüssen unserer Bewegung kein Anlaß vorliege und daß derartiges in Deutschland un­durchführbar sei. Tie Resolution schließt: Wir ar­

beiten wie bisher weiter. Alsdann wurde der Kongreß geschlossen.

* Ter sozialdemokratische Friedcnsrummel. Im Vorwärts" wird setzt das sehr schwülstig gehaltene Manifest, das auf dem internationalen Kongreß in Basel beschlossen worden ist, veröffentlicht. Der Schrift­satz bedeckt die ganze erste Seite.

Heer und §lotte.

General v. Fallois f. General der Infanterie Joseph v. Fallois, der frühere Kommandeur des 13. Armeekorps, ist im Alter von 63 Jahren in Charlottenburg gestorben.

Ausland.

Belgien.

Zum Tobe der Gräfin von Flandern. Brüssel, 28. November. Die Gräfin von Flandern ist, wie die Ärzte feststellten, am Gehirn sch lag gestorben. Der belgische Hof sagte auf sechs Monate Trauer an. Prinz und Prin­zessin Karl von Hohenzollern sind hier eingetroffen. Die Beisetzung ist auf Samstagvormittag festgesetzt.

Frankreich».

Abschaffnug der Uuterpeäfekten. Paris, 26. November. Die Kammer nahm bei 'Beratung des Budgets des Ministeriums die Ausführungen des Berichterstatters und die des Ministers entgegen. Sie nahm sodann mit 296 gegen 266 Stimmen einen Antrag an, durch welchen die Untcrpräsckturcn beseitigt werden.

Spanien.

Eine Ehrung für bas Andenken Sanalejas. Madrid, 26. November. Die Kammer nahm einstimmig den Gesetz­entwurf an, durch den der Witwe und den Kindern CemialejaS der Hergogtitel verliehen wind. Auch der Führer der Sozialisten, P-ablo Jglesiias, stimmte für die Vorlage.

Rus Stabt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Ungeteilte Unterrichtszeit.

Anläßlich seiner letzten Tagung am Montag, den 25. d. M.. in derWartburg" hatte sich derBolksschullehrervercin Wiesbaden und Umgebung" das Problem der unge­teilt c n U n t e. r r i ch t s z c i t zur Behandlung gestellt. Die sehr rege, fast unerschöpfliche Diskussion wurde cingoleitct durch die Herren Killian, H. Pabst und Stoll, welche nachein­ander in kurzen, geschlossenen Referaten die pädagogische, die hygienische und die sozialwirtschaftliche Bedeutung der ge­nannten schulvcformatorischen Maßnahmen darstellten und sich dabei über folgende und aridere Leitgedanken verbreiteten: Unterungeteilter Unterrichtszeit" versteht man die Verlegung möglichst aller Unterrichtsstunden auf den Vormittags e§ han. beit sich dabei also nicht um eine Verminderung, sondern nur um eine günstigere Zusammenlegung der schon vorhandenen Unterrichtsstunden. . Ihr gegenüber steht die sogenanntege­teilte" Unterrichtszeit, welche die Schüler vor- und nachmittags an die Schulbank fesselt. . Mit dem Sieg der sogenannten volnntaristischen Psychologie, dem Aufschwung der dilettantisch betriebenen Erziehung zur wissenschaftlich fundierten Theorie urtd Erzichungspraxis und endlich mit der Begründung der modernen Schulhygiene mußten notwendig der geteilten Un­terrichtszeit ernste Gegner erstehen.

Vor allein hat der unterrichtende Lehr e r an ihr strenge Kritik zu üben. Der moderne Lehrer muß von seinen Schülern eine intensive, hingebende Mitarbeit erwarten; weiß er doch, daß der SÄüler bei jeder klaren Erkenntnis, .ja, selW

Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 3.

bei dem einfachsten Sinneseindruck sich grundsätzlich selbst­tätig, produktiv erweist. Und erst, wenn es gilt, phantcrfte- .naßig das lebendige Bild ganzer Länder in sich zu gestalten, die fremde Kultur längst vergangener Epochen innerlich noch­mals durchzuleben, da nmß von unseren Schülern die Entfal­tung von Darstellungskräften und ein Maß von Konzentration verlangt werden, die dem erschöpften oder doch stark ermüdeten Kind nie und nimmer zur Verfügung stehen. Der Nachmittags­unterricht in Denkfächern kommt daher einer unsinnigen Zeit- Verschwendung gleich.

Noch schärfer als der nur unterrichtende Lehrer muß der Erzieher sich gegen den geteilten Unterricht wenden, da der Nachmittagsunterricht direkt erziehungsfeindlich wirrt. Erwünscht ist es auch, ° wenn die durch Einführung der - ungeteilten Unterrichtszeit vervielfältigten freien Nachmittage eS dem Kind gestatten, recht aus­giebig dis Vorteile des Familienlebens zu ge­nießen (für familienlose Kinder kommen hier die Horte in Betracht), oder gelöst von dem ewigen Gängelband der Schule auf eigene Faust einmal zu leben und zu handeln, und so durch freie Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit ^ranzu- reisen.

Die Wünsche des Lehrers und Erziehers , wegen Einfüh­rung der ungeteilten Unterrichtszeit werden noch weiter unter­stützt durch den Schnlhygieniker. Auch hier sei aus der Masse der gebotenen Gründe nur ein einziger Hauptpunkt er­wähnt. Bekanntlich wird nach dem Mittagsmahl das Blut nach den sich in lebhafter Tätigkeit befindlichen Bevdauungs- apparaton hingeleitet. Wird nun über gleichzeitig auch das Gchirn durch schwere Denkarbeit in Anspruch genommen, so wird ein Teil des Bluts dem Kopfe zugeleitet, der Verdau­ungsprozeß also gehemmt. Ungesund im höchsten Grad ist auch das anhaltende Sitzen mit gefülltem, znfammengepreßtem Magen und das Baden oder Turnen kurz nach Einnahme des Mittagsmahls.

Und nun seien noch kurz einige sozial-wirtschaftliche Werte genannt, die von der Einführung der ungeteilten Un­terrichtszeit an der Volksschule zu erwarten sein dürften: Der ungeteilte Unterricht läßt eine günstigere Regelung des Mittagstischs zu; ermöglicht dem Arbeiter ein Wohnen an der Peripherie der Stadt in gesunder Lage; gestattet den Kindern, ihre Eltern durch Übernahme kleiner häuslicher Arbeiten zu unterstützen, schenkt dem Kind freie Abendstunden im trauten Familienkreis, da er ihm die Fertigstellung der Hausaufgaben nock> bei Tageslicht möglich macht; er erspart ihm den doppel­ten Schulweg und der Schulgemeinde im Winterhalbjahr eine ansehnliche Menge an Heizungs- und Beleuchtungsmaterial.

Nach solchen Feststellungen kann es nicht mehr wunder- nchmen, wenn fortschrittlich gesinnte Gemeinden auch cm der Volksschule allgemein die ungeteilte Unterrichtszeit einführtcn (in letzter Zeit u. «. Hamburg und Lübeck), und es darf wohl auch erwartet werden, daß die Wiesbadener Schuldcputation in eine gründliche Prüfung des ihr vomVolksschullehrer- verein" überreichten Materials eintritt. Dies muß um so mehr gewünscht werden, da der einzige Einwurf gegen die freien Nachmittage:die Zucht unserer Volksschuljugend würde durch die freien Nachmittage not leiden", längst als nichtig erkannt wurde, sagt doch sogar ein Königsberger Magistrats­gutachten, daßdie Zucht der Kinder bester geworden,'jeden­falls von der Polizei weniger Strafanträge gestellt worden sind als in früheren Jahren." C. B.

Heste-Wartegg über den Panamakanal. Das Riesen­werk, das einen ganzen Erdteil in zwei Hälften teilen wird und seinem gigantischen Umfang nach ein Gegenstück nur in der chinesischen Mauer findet, geht der Vollendung ent­gegen und soll im nächsten Jahre bereits fcrtiggestellt sein. Die Geschichte des Panamakanals ist eine Kette von Mißerfolgen und der aufgeworfene Boden ist mit dem Blut der in der tropischen Temperatur in Massen dahingestorüenen Arbeiter gekittet. 1300 Millionen Franken waren verloren, als die erste französische Gesellschaft zur Erbauung des Panamakanals verkrachte; 70 Millionen waren nötig zur Aufrcchterhaltung der Konzession, welche die Vereinigten Staaten für 200 Millionen erwarben, um, als sich Columbia einer Verlänge­rung abgeneigt zeigte, vermöge der rollenden Dollars in der Provinz Panama Selbständigkeitsgelüste zu erwecken, die be­kanntlich zur Ablösung vom Stammland führten. Nun hatte Uncle Sam freie Hand, und er arbeitete praktischer als die Franzosen. 36 Millionen gab er zunächst für sanitäre und hygienische Einrichtungen längs der Kanalstrecke ans, um dann in knapp 6 Jahren das Werk mit koloffalen maschinellen An­lagen gewaltig zu fördern. Geheimrat Generalkonsul von Heste-Wartegg schloß seinen Vortrag (im kleinen Saal des Kur­hauses), der mehr belehrend als unterhaltend war, das Thema aber interessant zu Ende führte, mit einigen Betrachtungen über die Bedeutung des Durchstichs für Handel und Verkehr, die er ans mancherlei Gründen in Zweifel zog. Allein Amerika hätte einen Vorteil von dem Kanal, und seine strate­gische Bedeutung für die Vereinigten Staaten war in letzter Linie die Ursache der Beschleunigung seiner Fertigstellung. Eine Reihe von Lichtbildern aus der Kanalzone beschloß den beifällig aufgcnommenen Vortrag des bekannten und vielge­reisten Redners. §.

Bezirksausschuß. Die Firma D y ck e r h o f f u. W i d - mann in Biebrich teilt ihren Betrieb in zwei Teile, in eine Abteilung fiir die Herstellung von Zementwaren und eine solche für Betonbau. Trotz deS großen UmfangS haben Ent­scheidungen des Regierungspräsidenten sowie des Oberpräsi- dcnten diesen letzteren Betrieb für einen handwerksmäßigen erklärt und daher der Handwerkskammer das Recht der Heranziehung zu ihren Kosten zugesprochen. Dieses Recht ist auch von der Kammer ausgeübi worden, nichtsdestoweniger aber zieht auch die Handelskammer die Firma voll bei ihrer Umlage heran, weil sie der Ansicht ist, daß es sich bei dem Be­trieb der Firma um ein geschlossenes Ganzes und bei dem Betonbau, in welchem 1260 Arbeiter, darunter 200 eigentliche Betoneure beschäftigt würden und für Gehälter resp. Löhne 11 Millionen verausgabt würden, um einen Fabrikbetricb im eigentlichen Sinne handle. Um die Rechtsfrage auszutrogen, hat die Firma den Klagcweg im Verwaltungsstreitversahren beschritten. Die Beklagte ist formell die Handelskammer, tat­sächlich aber steht di- Klägerin auf dun Standpunkt, daß ihre Anforderung eine berechtigte, dem Geist des Gesetzes ent­sprechende sei, daß aber die Handwerkskammer zu Unrecht Bei­träge von ihr erhebe. Heute stand vor dem Bezirksausschuß