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Mittwoch, I«. klugust 1912.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 376. - 60. Jahrgang.
Die politischen Kämpfe der Deutschen im Vanat.
ii.
Da erwachte der alte Kainpfesmut der Deutschen. Nicht Geduldete wollten sie in der neuen Heimat sein, sondern Gleichberechtigte. Voll Begeisterung sang der aus dem Süden Ungarns stammende deutsche Dichter Müller-Gutenbrunn:
„Von deutscher Erde sind wir abgeglitten
Auf diese Insel weit im Völkermeer,
Doch wo des Schwaben Pflug das Land durchschnitten.
Wird deutsch die Erde, und er weicht nicht mehr.
Wer mag den Schwaben fremd in Ungarn schelten?
Hier säst von ihm der Türke, der Tatar.
Er will als Herr auf seiner Scholle gelten.
Ist Bürger hier und nicht dein Gast, Magyar!"
Was Müller-Gutenbrunn sang, zündete in Tausenden von Herzen. Überall ini Lande wurden Protest- Versammlungen abgehalteu. In diesen ging es oft Heist und leidenschaftlich zu. Obwohl viele derselben behördlich, mit Polizei- und Militärgewalt unterdrückt wurden, erwachte doch der Abwehrgeist. Zunächst bildete sich eine deutsch-ungarländische Volksparte,. Diese erweckte natürlich den Hatz der Chauvinisten. Sie gebrauchten jedes Mittel, um die Ausbreitung der- selben zu verhindern. Aber vergeblich. Tie deutsche Bevölkerung hatte aufgehört, ein Anhängsel der magyarischen Unabhängigkeit zu sein. In Wien und Berlin scharten sich die deutschnationalen Studenten aus Ungarn zusammen und stellten sich in den Dienst der deutschen Sache. Turnvereine und Volksbildungsvsr- eine entstanden, um durch Pflege deutschen Geistes das zu schaffen, was durch Verdrängung deutscher Bildungswerte aus der Schule gefährdet war. Lesevereine, Volksbibliotheken sorgten sür Erhaltung der Kulturgüter. In Wien bildete sich ein Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn, der Mittel schaffte, deutsche Kinder in die höheren Lehranstalten der sieben- bürgener Sachsen zu bringen, um so einen intelligenten deutschen Mittelstand zu erhalten. Auch brachte er in deutschen Gegenden Lehrlinge aus Südungarn unter. Die Tätigkeit, dieses Vereins wurde für Landesverrat erklärt und für sämtliche von ihm oder ihm angehören- den bekannten Persönlichkeiten ausgehende. . Postsendungen die Postsperre verhängt, so daß die ungarische Post weder Sendungen von diesen, noch an diese beförderte. Die Redakteure der deutschen Blätter wan- derten für bewußt deutsche Aufsätze hinter Schloß und Riegel So erblickte ein Gericht in einem angeführten Zitat von Theodor Körner „Deutsches Volk! Tu Herr- lichstes von allen!" eine schwere Aufreizung gegen die ungarische Nation und verurteilte den Redakteur zu 6 Monaten Staatsgefängnis. Glücklicherweise begnadigte ihn der Kaiser. Als die Regierung sah, daß der alte deutsche Geist erwacht war, versuchte sie andere Mrftel Unter dem Deckmantel der Volksbildung Wurden den Bibliotheken magyarische Bücher ange- boten Es wurde eine Überwachungskommission für Volksbibliotheken geschaffen, welche die Ausgabe haben
Dir Spirlwaren auf der bayerischen Grivrrbrschau.
Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel. Ein ge- lügeltes Wort, das vielleicht zu keimer anderen Zeit so be-. »eutungsvoll geworden ist, als gerade gegenwärtig im Zeitalter das Kindes. Die kindliche Phantasie schafft selbsttätig, vo die sich langsamer entwickelnde Geisteskraft noch nicht zu erfassen vermag Wir haben keine Ahnung, was sich der kleine Knirps wohl vorstellt, wenn er einen umgekehrten Sche.mmel -n einem Bindfaden hinter sich herzieht. Sucht er dahinter ün Lastfuhrwerk, eine elegante Equipage, einen Eisenvahn- iug oder gar ein ratterndes Automobil? Wir wissen es nicht. )n seinem kleinen Gehirn arbeitet die Vorstellung, die licht zum Ausdruck gelangen kann. In diesem allmählichen Übergang von Phantasie zur Wirklichkeit weift nun fördernd das Spielzeug ein. Die erste Stufe >es Anschauungsunterrichts! Je vollkommener ein Spielzeug ich dem noch unklaren Vorstellungsvermogen des Kindes rahert, um so rascher wird sich die Auffassung entwickeln, llnfere.moderne Spiclwarenindulstrie har sich diese Erkenntnis casch zu eigen gemacht und die Avtckel, die sie heute auf den Markt bringt, bedeuten nicht mehr die Welt der Kleinen, sondern .die Welt im Kleinen. Und eine solche Welt im Kleinen führt uns die Spielwarenaus'stellung in Halle I der bayerischen Gewerbefchau vor Augen, eine Welt, an der nicht nur Ke Kleinen ftir die sie bestimmt ist, sondern auch die Erwachsenen ihre helle Freude haben. Für die Heranwachsenden Kinder soll das Beste gerade gut genug sein. Diese Anschauung hat wohl auch unsere Künstler veranlaßt, .ihr Können in den
sollte, „Schundliteratur" aus diesem zu entfernen. Recht bald, entfernte sie erstklassige deutsche Werke. Büchersendungen aus deutschen Ländern, selbst aus Österreich, wurden. angehalten, Muller-Gutenbrunns Schriften verboten und der Besitz derselben als Hockpoerr u bestraft. So erst kürzlich ein Landmann mit Gefängnis, weil, er,-ein Werk dieses Verfassers verliehen hatte. Tie Volksbildungsvereine deutscher Zunge wurden durch das Ministerium im Entstehen unterdrückt. Während die frühere Regierung sich nur auf Eingriffe in die Erziehung beschränkte, greift die jetzige auch in die internsten Verhältnisse ein. Hausuntersuchungen nach Einhardts deutscher Geschichte, nach Müller-Guten- brunns Schriften werden. gehalten. Postpakete und Doppelbriefe aus^ Österreich (!) erbrochen! Frachtsendungen nach Schriften durchsucht. Ausweisung erfolgt über Ausweisung, das alles nur wegen Deutschen- furcht. Tie Krone von allem bildet aber die Abschaffung des deutschen Gottesdienstes in bewußt und rein deutschen Gemeinden. Ist Paks im Tolnaer Komitat ist in dieser Hinsicht kürzlich ein Fall geschehen, wie er seinesgleichen in der Weltgeschichte sucht. Hier leben 8000 deutsche Katholiken. Diese wollten nach alter Väter Sitte deutsch beten und deutsche Predigten hören. Dabei waren sie duldsam genug, auch den magyarischen Glaubensgenossen zu gestatten, in ihrer Kirche Gottesdienst zu halten. Die letzteren zählen nur gegen 100 Staatsbeamte. Kaum hatten diese aber in der Kirche Fust gefaßt, als sie schon mit der magyarischen Agitation einsetzten und in Jahresfrist es dahin brachten, daß der deutsche Gottesdienst abgeschafft und nur noch magyarischer Gottesdienst gehalten werden sollte. Das war in aller Heimlichkeit geschehen. Als vor einigen Sonntagen die guten Deutschen die Kirche betraten, war diese mit Polizei und Gendarmerie besetzt und zur Stätte der Brachialgewalt gemacht. Denn heute solle die Umwandlung verkündet werden. Tie deutschen Katholiken hörten schweigend die Bekanntmachung an, wonach ihnen von nun an verboten sei, in ihrer Muttersprache zu beten, erhoben sich von ihren Sitzen und verließen die Kirche. Für 9000 Bürger gibt es keinen Gottesdienst in Paks mehr. Ähnlich ging es in einer Diasporagemeinde der protestantischen Kirche, wo der Pfarrer von der Kanzel weg verhaftet winde, weil er ohne besondere Genehmigung deutsch gepredigt hatte. Der Verein für Verbreitung unter deutscher Literatur in Ungarn ist aufgehoben/ Wiesbadener Volksbücher wurden verschiedentlich ange- halten. Der „Jugend" wurde das Postdebit entzogen und anderes mehr. Die reichsdeutsche Schule in Budapest darf Kinder Nichtreichsdeutscher nicht aufnehmen. Die Deutschen dürfen keine höheren oder mittleren Priöatschulen schaffen. Während in Belgrad zwei deutsche Mittelschulen und ein deutsches Privatgymna- sium bestehen, gibt es deren sür die 2 Millionen zählenden Deutschen Südungarns, keine. Das hat die Deutschen zusammengeschweißt. Ter konfessionsile und partikulare Hader füllt. Sie stehen da wie ein Mann, streiten für deutsche Sitte und Art. Unr dos Banner der Volkspartei geschart suchen sie das allgemeine Wahl-
Aienn oer L-pieiwaren zu stellen. Ein Beginnen, der no vor zwei Jahrzehnten als eines Künstlers unwürdig gegoltc hätte. Heute stehen die KÜNstlerspielwaren in erster Reil und die Künstler selbst haben die grüßte Freude daran. - Sehen wir uns nur einmal die Künstlerpnppen von Albe Schlo-psnies an. Im Mittelpunkte steht hier die Fenerweh die stets von einem Kreis Schaulustiger dicht umringt ist. S ist aber auch zu köstljch bei ihrer lustigen Arbeit, denn, lust ist die Arbeit, weil es der Künstler so gewollt hat/ Zwar kem zeichnen die aus den Häusern schlagenden Flammen den Ern der Situation, aber die Katastrophe wird durch eine Ilc.il humoristischer Gruppen unter den löschenden Mannhaften ? einem eigentlich heiteren Bilde gestaltet. Schon der Doppc sinn des Löschens wird durch die um ein Bierfaß vcrsammöltc Feuerwehrleute^ deren einer einen Löscheimcr als Trinkgeft benutzt, fidel charakterisiert. In Mitte der Szene steht i» Feuerwchchauptmann, der den Kopf nach allen Seiten wende als richtiger Greis, der sich nicht zu helfen weiß Dort Wied sehen wir einen Feuerwehrmann, der sich angelegentlich b muyt, die widerjpcnsti.gen Schwei ulcin aus dem Stall i Sicherheit zu bringen, hier einen Dienstmann der bei Retten won Hausrat über Bellen in einen großen Wan spietzel fallt. Dann wieder eine Gruppe am RcttungZWauc die eigentümlich ich,elende Blicke noch den herunterglcitcndc Frauenspersonen richtet. Ebemo belvstig-nd ist der Feu" wehrmann, der sich, die gerettete.Bauersfrau am Rücke an einem.'Seel vom zweiten Stockwerk herunterläßt oder g: der Blick durch.ein Fensterchen, wo eine nur mit dem Herr bekleidete Dorfichöne durch einen herumkletternden Feu-c wehrmann überrascht wird. Unten sichen di- Mannschäft- und pumpen m gleichmäßigem Takt an der Feuerspritze/Gar köstlich geschaute Figuren, 'besonders 'der dicke Flügelmann
recht zu erkämpfen, ba nur durch das heutige Wahlsystem die Magyaren die Übermacht Über die Nationen -haben. Um ihr Banner geschart sehen sie die Stunde kommen, wo Herrweghs prophetisches Wort: „Tu
deutsches Volk, du Hoffnungsvolk der Erde" in Geibels Jubelgesang, daß „dereinst am deutschen Wesen die ganze Welt genese", enfsillt wird. Daß ihre Art und Sitte den " Magyaren M e n s ch e n r ca t c n n d Menschenwürde lehre. Vom , deutschen Reiche aus regen sich hunderte von Händen, ihnen Unterstützung angedeihen zu lassen. So durch den Verein zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland. Durch Bestrebungen zur Einführung deutscher Literatur. Wer z. B. alte deutsche Werke zwecklos liegen hat, kann helfen. Der Verfasser vermittelt solche gern nach. Ungarn. Sympathiekundgebungen deutscher Studenten und Vereine und ähnliches tragen bei, den erwachten Lebensmut, das deutsche Bewußtsein zu stärken und den Kampf zum Sieg zu sichren. Der Deutsche Ungarns ist uns kein Fremder mehr. Er braucht nicht Mehr wie einst Müller-Gutenbrunn zu klagen:
Cs brennt ein Weh, wie Kindertränen brennen.
Wenn E!t«rnH-rzcn hart und stiefgesinn:.
O, daß vom Mutterland uns Welten trennen Und wir vom Vaterland nur Fremde sind!.
sondern können selbstbewußt und frohlockend die. letzten Strophen ihres „Banaler Schwabenliedes" singen:
Aus einer Wüste ward ein blühend Eden,
Aus Sümpfen hob sich eine neue Welt.
Von diesem Land laßt deutsch und treu uns reden, Verachten den, der's nicht in Ehren hält.
O Heimat, deutschen Schweißes stolze Blüte,
Du Zeygin mancher herben Bäternot.
Wir segnen dich, auf daß dich Gott behüte.
Wir steh'n getreu zu dir in Not und Tod. : F. W. B,
Deutsches Reich.
* Bethmann-Hollwcg und Herkling. Die bündlerifchs „Deutsche Tageszeitung" nimmt mit Vergnügen von folgender Mitteilung der „Osnabrücker Volkszcitung", die dieser angeblich von einer „ausgezeichnet unterrichteten Persönlichkeit" zugegangen ist, Kenntnis: „Bei der letzten Anwesenheit
Hertlings in Berlin wurde dieser nicht nur vom Reichskanzler in herzlichster Weise empfangen, sondern , beim Diner in geradezu auffallender Weise ausgezeichnet. Von einer Verstimmung unter den beiden Ministern ist gar keine Rede. Alz Freiherr v. Hertling sich beim Diner verabschiedete, da meinte er humorvoll zum Reichskanzler: „Also, diese „Verstimmung" ist zu ertragen", worauf der Reichskanzler lachend zu den anderen geladenen Herren sagte, er wünschte nur, daß stets ein solch herzliches Verhältnis zwischen dem Reichskanzler und den einzelstaatlichen Ministern bestehen möchte, wie zwischen ihm und Herrn v. Hertling. So war es in den Jünitagen dieses Jahres und so ist es noch heute." Wir sind, bemerkt die „Freist Ztg." dazu, aus eigenem Wissen über den Verkehr von Ministern untereinander nicht unter, richtet, können aber kaum annehmen, daß dieser Verkehr sich in so naiver Form vollzieht, wie die „Osnabrücker Volkszei- tung" und mit ihr die „Deutsche Tageszeitung" glauben machen möchten. . Insbesondere vermögen wir nicht anzn- nehmen, daß Freiherr v. Hertling nach dem Diner sich vom Reichskanzler mit den Worten verabschiedet habe: „Also dies«
den man ordentlich schwitzen zu sehen vermeint. Und oben an einer Mauer steht grinsend die Dorfjugend, die ihre Freude an dem „schönen Brand" hat. In dem Bild, das auf elektrischem Weg getrieben wird, liegt so viel sonniger Humor, daß man sich nur schwer von ihm trennen kann. In der Charakterisierung liegt der Hauptreiz dieser SchlopsnieZ- Puppcn. Ein paar mitunter karikierender Striche unter den Augen, eine Längsfalte der Nasenwurzel entlang gibt jedem Gesicht wieder einen anderen Ausdruck. Da marschiert in grau-grünen Joppen — ein BM> ländlicher Wichtigkeit — ein ganzer Zug fröhlicher Schützen auf, und kein Gesicht gleicht dom anderen. Wie entzückend sind nur die Typen aus der Gesellschaft, die dem „Simplizisstmus" entnommen. zu sein scheinen. All die Leutnants in ihrer spindeldürren Länge, die Tennisspieler mit ihren sanft - geröteten Gesichtern, die Mö-dedämchcn mit ihrer herausfordernden Eleganz, die drei Korpsbrüder, die in selitzör Bierlaunft einen etwas wacklig gewordenen Komnitianen auf seine Bude schleifen, oder das „militärische. Mädchen für alles" —, ein Öffiziersburschc, daS Töchterchen an der Hand,-den Hund an der Leine, und sonst bis. an den Hals hinauf bepackt -mit Markteinküufen und Paketen. Eine Szene aus den Zeiten der seligen Postkutsche führt uns das alte, gelbe Vehikel mit vier Pferden bespannt vor. Am Bock der Postillon mit einem blitz-dummen Gesicht, auf dem Verdeck, der ihm würdige Hausknecht mit dem Ver» laden der Koffer beschäftigt, und unten vor dem Kutschcr- Eftstag, dem eben eine Dame in reizendem Bi-edermcierkostüm selbst die brS auf die Knöchel reichenden S-pitzenhüschcn fohlen nicht — entsteigt, das ganze männliche und lv-cibliche . Gasthofspersonal, .der Wirt an der Spitze, denen sich die maul- aufspcrrende Einwoh-nevschast anschließt. Trotz des. ziemlich hohen Preises von 150 M., konnte die reizende Gruppe schon
