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Verlag Langgaff« 21

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Ut. 358. 60. Jahrgang.

Scharfmacher und Uebersozialisten.

Die Vorträge des evangelisch-sozialen Konqxessech >er Pfingsten in Essen getagt hat, machen noch immer

wn sich reden? Das rheinisch-westfälische Unternehmer- cum empfindet es fast als eine Art Beleidigung, wenn rine einflußreiche Körperschaft ste m ihrer Häuslichkeit llufsucht und bei ihnen nicht alles schon findet. Pro­fessor Adolf Wagner hat ja in seinem Leben schon häufig die Scharfmacher geärgert. Selbst setzt m sEM hohen Alter, wo er doch ziemlich maßvoll geworden ist, er­regte er mit harmlosen Äußerungen ihren Zorn. Ter Generalsekretär des Vereins der Industriellen da. Re- oierunasbezirks Cöln, Paul 'Steller, hat ihm und den Kathedersozialisten, die er als Übersozialisten bezeich­net im neuesten Heft derPreußischen ^ahrbnchn voll Äotz den Fehdehandschuh hingeworsen. und es ist sehr dankenswert, daß ihm der Herausgeber diese Fahrbücher, selbst ein Parteigänger der Ubersozialrsien, Än Gang erlaubt bat. Allerdings.ist der Angrif ssa «nemt Steller nicht gerade sehr rühmlich. -une Waffkn sind nicht eben blank. Er greift Äußerungen Wagners an, die zwar in den Zeitungsberichten g standen haben mögen, die sich aber in den stenographi schen Aufnahmen nicht finden. ^

Adolf Wagner felbst hat Herrn 'Steller .Nicht geantwortet, sondern er hat das durch Professor Heinrich Herkner besorgen lassen, der das auch gut kann, ^eden- fMs ist -dieses schriftliche Rededuell sehr interessaiit.

Wenn man den Angriffen Stellers auf den Grund geht, so bleibt eigentlich nur noch der Vorwurf nbrrg, daß Adolf Wagner die Ara der Verstaatlichungen noch nicht für'abgeschlossen hält. Namentlich halt Wagner den Kohlenbergbau für reif zur Ver­staatlichung, nachdem durch die Syndika^bildung eine Art privaten Monopols entstanden ist. Ta» aber aebt natürlich den Bergherren an die Nieren. Ogne Ä sS d-fiir b°i,ubrms°n w°- d°m ? Ä erschienen ist, glaubt Steller be

der staatliche Bergbau dem

privaten unterlegen a Bergbau am besten

u.I'Lt würde m«° »am 1-« « --atsch-ldem

^rstaatlicht wurde, mw e^^tie ^^n einer Mer Nicht einmal ^ ^ ^ sachverständigsten Arbeiter^

nung. wenn such einer d I w sich ssir die Ver führer m diesem punne, ^ «,, r f n p r Betont im

d" b, starker ». MMk-if d°m S»iI-»It-,!di--t « besindeii. der »lei«-» Ansicht sind.

Sodann bekämpft Herr Steller die V er stad t- I ich u n g von Straßenbahnen. Und womit?

Damit daß in Cöln die Arbeiter und Angestellten der Straßenbahn seit Jahren ganz unvernüisttige For- derungen gestellt und damit zum größten Teil auch durchgedrungen wären, weil die Stadtverordneten bei den Wahlen von der Arbeiterschaft völlig abhängig »Ln «Mit s° S°w-It,»-n Smslutz b-ISb-n beute Si, Arbeiter! In Cöln sind anscheinend mit dem TreMassenwahlrecht die stärksten Mauern zu werfen Besteht man die Sache bei Licht, so findet inan, daß Steller z B. eine SMÜndige Arbeitszeit fchon für etwas ^Unerhörtes erklärt. Professor Herkner weist dem­gegenüber, ohne den Finger weiter zu rühren, darauf bin daß die Cölner Straßenbahnen einen 11,28prozen- tiaen Uberschuß auf das Anlagekapital erzielen. Eil, solcher Betrieb hat natürlich auch die Pflicht, seine Ar-

^^Alle^ was^ sonst Herr Steller vorbringt, steht auf äbnlichm Höhe. Gründe haben eben die Herren wenig Ws Feld zu stellen. Ihr Widerwille gegen eine weitere

Ä« d°- Ii«t hS«-ns m

Abneigung, ihre Lelbstherrlichkeit aufgeben zu Mollen Früher hatte mau die Redensart vom Herr- stn-Haüse-sein. Dieses zieht heute nicht mehr. Eine neue Phrase aber hat man noch Nicht gefunden.

jedenfalls hat man nach dem Pröbchen des Herrn Steller das Gefühl, daß es mit. den Beweisgründen der Herren Scharfmacher gegen die Ubersozialisten recht armselig bestellt ist. _

Deutsches Reich.

10. Die Gründung des MyatimaMberalen Rüchsver banbes erschüttert die nationalUberale ParteitntsaGichi m ifiren Tiefen. Kein Wunder, daß natwnalliberale Partm- die Mitteil und Wege untersuchen, wie man di- «unk wL aus der sfelt schaffen kann. Jn der neuesten Nummer desMarz kommt Or. R. »_ 1

aller Nationalliberaler", zu folgendem SchAhexgeSrns.Was soll und was wird nun werden? Was werden mutzte ist ohne weiteres klar. Die Gründer müssen einzchen, was ste an- richten, dah sie das Parteigefüge lockern und die Kraft wie das Ansehen der Partei schwächen; und die ihnen gut- aläubia gefolgt sind, müssen erkennen, daß dre Farben unech. sind, Re in der Flagge des Reichs-Verbandes leuchten. Freilich wird es schwer halten,das Fähnlein herunterzuholen, da auck, wohl hier, wie in allem Menschlichen und so leider auch im Politischen, das Sachliche vom Persönlichen geschoben wurde- insbesondere auch, da der Verband über b-cn Nervus reruru verfügt und sich in feiner Leitung etliche Hartkopsr befinden die Westfälinger bilden den Kern. Trotz alle­dem mutz der Reichsvevband wieder aus der Partei ver­schwinden so oder so. Man könnte ihn ja noch ein Werl-

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iiÄf bS® k?2rf,a,;b nicht "Hs, Mmft.in-" «Ä die obersten Partei Instanzen, chm rn aller miberbatb der Partei anwersen muffen. Es wäre ,ogar. tonte«! tlnfai;. ben Mwettento« braite

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Sr naftonalliberalen Parteigeschichte; aber ste darf auch nur eine Episode bleiben.'

* Das Gesetz zur Entlastung des Reichsgerichts ha. kräftig gewirkt. Durch d-e im Jahre 1910 erfolgte Herauf setzung der Revisionssumme zur Entlastung des. Rmchsge NI mit dem Gesetz erstrebte Ziel tatsächlich erreicht wmde? Im Jahre?909 stnd b!im Reichsgericht 4595 Sachen

L« E S Äff Ä

die damals vorhandenen Reste aufzuarbeiten, .lluch weie Maßregel hat die erwartete Wirkung gehabt. Beim Reichs Sricht sind im Juhre 1909 2600 Mteile, 1910 2800 und 1911 8140 Urteile abgefatzt. Während noch am 1. ^amuar 1909 ü"r 3000 Sachen anhängig waren, die der Erledigung dorrten hat das Jahr 1911 mit nur 1800 Sachen begonnen. Man kann also wohl mit Sicherheit annehmen, daß da- Reicbsaericht bis zur Beendigung der Tätigkeit der richstr^mit Ablauf 1913 vollkommen auf dem Laufenden

Das Reichsversicherungsamt und Eoholgenuß de«: ysi-fierter Wie uns rnitgeterlt wird, Hut das Nerchsverircy^ L ins- tu hrr I-efeten 'Reit durch geeignete Anregungen an dm °B«ung L AlkLlismus ii? Arbeiterstande leb- hall mitgewirkt. Das Reichsversicherungsamt hat vor allem dw Anregung gegeben, die Versicherten über die Gefahren des Alkoholmitzbrauches eindringlich zu belehren, zweckmatzise Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen und deren wirksame Durchführung ^zu überwachen. Den Versicherungstrageim wurde auch die Heilbehandlung Alkoholkranker rn.Trinkerhsil- itätten emvfohlen. Diese Anregungen haben günstigen Er-i stlg SLt, b! anders wurden sie von den Bernfsgenossen- schasten befolgt. Auch die LanLesverstcheruugsanstalten di. auf die verschiedenste Weise den Kampf gegen die Trunk­sucht führen, haben eine ausgedehnte und von gutem Ersolge gekrönte Tätigkeit entfaltet. Die Mahnahmen der Landes­versicherungsanstalten, deren Erfahrungen bewiesen habem b,afe sich gegen die Trunksucht greifbare Erfolge erzielen lassen, bestehen vor allem in geeigneter Aufklärung, in d-

Machbruck verboie».

Dieandern" auf der Reise.

Von Joseph« Metz.

b-d st--«ta-jtSÄW'

dornige Hecke, dre ..andern. anz 1 ^n, die-

sie uns auf der ^etfe:J etfetteUnd doch,

selben Bewegungsmoglichke-ten sind Zugewiesene. Wie

wie verschieden verwenden w,r da^un.^^g ^

sehr gleichen Wir lvre sehr i no ^ ^ bie

ist eine sonderbare Wel, «Mien uns fremd und spüren sie sonderbar machen. demselben Treiben werden wir

doch Zusammenhänge. geführt, die im Grunde wieder

an die verschiedensten Ziele g f h A^men und Gehen im

»'»«»»« b°r-»'«t- A-st. i-

coups mit nur einer Dame, wa»Wenn

Da es aber Nacht w-rd-r ?u un§/ er war bis

Sie gestatten, kommt g e 1 ^- er . wo es so schön leer

jetzt im Rauchcoups, mochte sch ^ ° ^ genieren, er ist ist, schlafen legen. Sie bra chen 1 ^ wer Sie sind

rasend kurzsichtig,^ daß er nachher ga

und wer ich bin-" .. m ^ gab sie mir im schönen Gleicht Dreien Trost anf.dre Nach ga.^. ^on sich, vonihm gewicht der Seele. Sie erzah ..Mi", von sich mit dem

von einem "^bern ihm. ^ Umsehen über die

andern ihm" und ori« sozusagen mit einer Gene-

Psyche all ihrer Lieben, gmg ^ die Hand. Also der

ralstabskarte ihrer Empftnvu Naturburschen geschildert, Mann, den sie mir als vno, ; ^ gum Schlafen. Das war kam, und legte sich brav n e da wir an jeder

kam, und legte sich brav t ?ür uns, da wir an jed

für ihn sehr angenehm, vp hinaussetzen zu sehen.

Station gewärtig sH"Äv Wer alle Stationen weg-

Wir also wachten, wah düster, wenn auch hauptsächlich

schnarchte. Wir schieden in o-n

jenseitiger Freundschal - den' München mir in einen

Schlimmer war -er Hem de ^ versank in den

leeren Nichtraucher lieferte. ^ gcao

Eckplatz und holte ein beruhigendes Kursbuch aus der Tasche. Aber, o weh! Er hatte noch etwas anderes aus der Ta>qe aeholt... einen Zahnstocher. Und während er sich quer durch das Deutsche Reich las, begann er eine fröhliche Nebenoe- schäftiaung. Ich wandte den Blick.

O, diese herrliche Landschaft, kraftvoll und anmutig zu­gleich! Man spürt den herben Duft der Matten, die belebende irische der Seen, empfindet . . . Er stochert. , .

' Auch der Ausschnitt des' anderen Fensters bietet reizvolle

Btiäe.

Wie prächtig diese ziehenden weißen Wolken mit den fem abgetönten violettgrauen Rändern auf dem tiefen Blau! Das Gewebe der vielfarbigen Blumen über dem Wiesengrund, die hastigen Bäche, die so jugendlich sich ihrem fernen Ziel ene- geqenwerfcn, man meint . . .

Er stochert noch immer! .

Dort stehen Tannen, sie schneiden scharf in den Iich-en Hintergrund, haben etwas Finsteres. Der kleine Hügel wird hart von ihnen bedroht, aber seine grüne Stirn hebt sich lackend über sie hinaus, es ist wie ein Kappenschwenken über ihm:Ich Hab euch überholt, überholt strenge Wächter!"

Er stochert.

Womit soll ich mich nun ablenken? ,

Die Landschaft hält nicht stand, aber die Bahnverkchrs- vorschriften, wenn man sich nur auf sie zu konzentrieren ver­steht, sind auch recht anziehend. Sogar die Notbremsantei- tuna, mit Verstand gelesen, bereitet eine Fülle freudiger Über­raschungen. Außerdem habe ich ein noch ganz ungelesenes Buch bei mir!

Ich lese . . . lese . . . lese ... ' ' ' -

Was ich lese, weiß ich nicht. Schließlich starre ich ihn nur noch an, denn er hat seine Beschäftigung aufgegeben und überläßt mich der Pein abzuwarten, ob und wann er sie wieder ausnimmt. Ich kann die Pause nicht ertragen, da» Schreckliche mit Unterbrechungen ist noch schrecklicher..

Gott sei Dank, er gibt sich seiner lieben Tätigkeit wierer hin. Es mutz ein genügsamer Mensch sein. Gewiß führt er ein nettes Familienleben, Frau und Kinder holen ihn von der Bahn ab, das eine bekommt das Kursbuch zu tragen, das andere den Zahnstocher . . , Nein, den lieber nicht, man kann nicht wißen

.Hübsches Ländchenl" . . .

Ich fahre zusammen. Es gilt mir.

Sehr hübsch!" sage ich mit Bezug.

Er freut sich meines Ernstes und überhort den Untertan. Aber anderswo ist's auch schön, z. B. er reist mit dem Finger nach Königsberg und Umgegendich sage

Ihnen..." r -JC.L

Er sagt nichts, seine Zunge ist auf eine noch nicht UM

-segelte Klippe gestoßen: er zückt den Zahnstocher!

Mir ins Gesicht zückt er ihn! ^

Bevor er auf Königsberg zurückkam, versank ich m einen todesgleichen Schlaf.

Er stocherte von München bis Kufstein.

Ich verschwor für die nächsten zehn Jahre alleNicht-.V-> Züge".

Aber auch der v-Zug birgt Gefahren.

Diese schönen alten Rheinlandstädte! Sie liegen'da so selbstverständlich, als ob sie seit dem Mittelalter. immer die Bahn hätten vorbeilaufen sehen. Aber damals lief nur der Rhein vorbei, vorbei, um dennoch zu bleiben,, treu und nach­haltig. Und von den Burgen stiegen die Ritter mit Mutze hinab und in schöner Beschaulichkeit. Und die Burgfrauen winkten mit den seidenen Tüchern oder den linnenen oder dem Fächerfäbnchen. Die Berge waren nicht sehr hoch und das Leben nicht sehr stürmisch wenigstens zuzeiten nicht. ~ Die Kirchen erhoben die Häupter, die sie heute noch erheben und sahen spähend übers Land, ihre offenen Türen sogen gleich offenem Mund die Ströme der Andächtigen em. Uno

alles ging im Gleichmaß der Tage.-,

Der DbZug zittert dahin. Die Stewards laufen hm uno her.Kaffee, bitte!"

- Die Dame am Fenster schält Apfelsinen.

Der Schaffner mit der Platzkarte stellt die Nummer fest. So, nun sitzt man, eingeschwaren aus Platz 28. .

Sagen Sie mal, Schaffner, da im Gang steht n sensi« auf, können Sie das nicht schließen?" Der slhafsn schließt. Der Herr, der im Gang jpazreren geht, offner

bitte, kann das Fenster dort nicht aeschlofleo hleiöeN.?!^ ..

Schließen Si- doch Ihre, Coupstür.