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Donnerstag. 1. August 1912 .
Morgen-Ausgabe.
Nr. 384. - 60. Zahrgang.
Sozialpolitische Leistungen.
III.
Arbeitslose und Notstandsarbeiten.
Von Dir. jnr. Dr. ooo- publ. E. H- Meyer.
Eins der großen Probleme unseres Wirtschaftslebens ist von jeher das Arüeitslosenhroblem gewesen. Hat es auch nie bei uns einen derartigen Umfang -angenommen, wie z. B. in England, und beweisen die zahlreichen Arbeitslosenzählungen, wre sie alljährlich im Winter in den Städten, so z. B. auch tn Wiesbaden, vorgenommen werden, daß immerhin nur ein verhältnismäßig geringer Prozentsatz unserer arbeitenden Bevölkerung unter der ganzen Wucht der Arbeitslosigkeit zu leiden hat, so zeigen andererseits die zahlreichen Bemühungen, die von allen 'Leiten auf die Lösung dieses Problems verwandt werden, daß es auch noch in seinem jetzigen Umfang einen ungesunden Zustand im Wirtschaftsleben unseres Volkes bedeutet.
Es ist bekannt, in wie weitgehendem Maße die Arbeiterorganisationen ihre Mittel zur Unterstützung in Fällen von Arbeitslosigkeit verwenden. So zahlten z. B. die freien Gewerkschaften über 6 Millionen Mark an arbeitslose Mitglieder aus, ungerechnet die Beträge, die sie in dem besonderen Falle der Arbeitslosigkeit durch Aussperrung oder Streik an ihre arbeitslose!: Mitglieder zur Auszahlung brachten. Andere Verbände sind prozentual nicht hinter diesen größten Arbeiterverbänden zurückgeblieben.
Auch für die ö ff e n t l ich r ech t l ich e n Korporationen, Staat und Gemeinden, bildet Ire Frage der Arbeitslosigkeit ein Problem ganz besonderer Art, für das bis heute noch keine vollgültige Lösuug gefunden worden ist.
In weitgehender Weise wird z. B. durch einen gutgeleiteten Arbeitsnachweis ber _Arbeitslosigkeit, die vielfach nur aus der Unkenntnis von Arbeitsgelegenheiten herrührt, Einhalt getan. Auch in Wiesbaden hat man es verstanden, durch das Arbeitsamt geordnete Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt M schaffen. Mer schließlich kann der Arbeitsnachweis der Arbeitslosigkeit auch nur insoweit abhelfen, als wirklich Arbeitsplätze und Arbeits g e l e g e n h e 1 1 e n
vorhanden sind. „ ^ „ . , . 0 ,
In vielen Städten rst daher der Versuch eurer A r- beitslosenversicherung gemacht worden, ohne daß man bisher behaupten könnte, daß eine auch nur einigermaßen befriedigende Lösung der Arbeits- losenversicherung gefunden worden wäre. Die einzelnen Städte haben die verschiedensten Systeme erner solche-: Versicherung erprobt, teils mit Anlehnung an bestehende Arbeiterorganisationen, teils in Verbindung mit Sparkasseneinrichtungen u. a. m. So wenig vollkommen die einzelnen Versuche auch sind, so ist doch die Zahl der Städte, die auf diese Weise die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen suchen, stetig im Wachsen. Es ist wenigstens ein Mittel, um eine teilweise Linderung dieses
Wirtschastszustandes zu schaffen. Derartige Arberts- losenversicherungen befinden sich z. B. in Cöln, Straßburg Leipzig, Mülhausen u. a. m. Vielfach gewahrten die Städte, anstatt eine besondere Versicherung einzu- richten, bare Unterstützungen ohne verstche- rungstechnische Grundlagen an Arbeitslose. Nach die- sem Grundsatz ist z. B. unsere Nachbarstadt Mainz vor-
^^Jn vielen Städten steht die Frage der Art der Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit noch zur Beratung; so haben sich z. B. in Frankfurt a. M. besondere Ausschüsse gebildet, die diese Frage zu prüfen und die schon bestehenden Einrichtungen auf ihren Wert zu untersuchen haben. Ta der deutsche Städtetag sich schon mit der allgemeinen Einführung der Arbeitslosenversicherung befaßt hat und dieses Problem zuerst innerhalb des Vorstandes erörtert werden soll, so steht zu erwarten, daß man auch in Wiesbaden dieser Frage bald Aufmerksamkeit^ zuwenden wird.
Überall da, wo in Städten eine ausgeb-aute Für- sorge für Arbeitslose noch nicht vorliegt, und selbst in den Städten, wo dieses schon der Fall ist, greift als Ergänzung die „N o t st a n d s a rb e i t" ein. _
Man kann allwinterlich auf dem Arbertsamte rm Rathause, dem in Wiesbaden die Austeilung der Not- standsarb'eit übertragen ist, die Frage hören: _ „Wann geht der Notstand auf?" d. h. wann eröffnet die Stadt Arbeitsgelegenheit für ihre Arbeitslose.
Diese Art, Arbeitslosen dadurch einen Verdienst zu verschaffen, daß die Kommunen Arbeiten, die nicht ge- rade dringlich oder notwendig sind, durch Arbeitslose ausführen lassen, hat sich jetzt in den meisten großen Kommunen eingebürgert und das „Kommunale Jahrbuch" führt nicht weniger als 160 Gemeinden auf, m denen diese Fürsorge gepflegt, wird.
Die Höhe der Auslagen für diese Notstandsarbeiten in den einzelnen Gemeinden ist vollständig abhängig voir der Wirtschaftlage in den einzelnen Jahren und von der Länge und der Strenge des Winters. Als Notstandsarbeiten werden fast durchweg Arbeiten vor genommen, die von Ungelernten verrichtet werden kön nen, wie Erdarbeiten bei Straßen und Kanalbruten, in Parkanlagen, in städtischen Gütern, bei der Straßen rernigurrg usw., ferner beim Steinschlagen. Die Ar beitslosen sind zum größten Teil ungelernte Arbeiter oder stammen aus allen möglichen Berufen, zu denen sie zurückkehren wollen, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet, in denen sie aber mit Notstandsarbeiten -sich! beschäftigt werden können.
Durch diese Notstandsarbeiten ist es möglich, wenig stens die schlimmste soziale Not zu stillen. Man ist bemüht gewesen, die Löhne den durchschnittlichen Tage löhnen anzupassen, ohne allerdings diese ganz zu er reichen.
Da die Notstandsarbeiten stets solche sind, die unter erschwerenden U-nständen vorgenommen werden, so wird bei ihnen meistens mit Verlust gearbeitet. Es , liegen verschiedene Berechnungen vor, die angeben, wie
viel teurer sich Arbeiten stellen, die durch Arbei^lose
ausgesührt worden sind. H>n Berlrn stMe Nch S- -o. ein Kubikmeter Steinschlag durch Arbeitslose geschlagen auf 23 M., während er sonst mrr VW pst et e. Mainz berechnet den Unterschied berm Stern schlag auf 12,92 M. gegen 8,60 M. sonst.
So kommt es, daß dre Kommunen erheblrche Posten in ihre Budgets für Notstondsarberten ein- zustollen haben. Eöln gibt den Rernverlust der No * standsarbeiten auf etwa 200 000 M. an rm ^ahrc 1907/8, ebenso Düsseldorf. In, Wiesbaden .erforderten die Notstandsarbeiten un wahre 1008enre Aufwand von 67 800 M., im Jahre 1909 von 97 500 M. Selbst bei diesen hohen Aufwendungen war es dreifach noch nicht möglich, allen Arbeitslosen Arbert zu geben, namentlich da man, um den Zuzug auswärtiger Arbeitsloser zu verhindern, die Vergebung der Arbeit au, einheimische Arbeiter beschränken mußte.
So konnte man in Wiesbaden ^ B. in der Kr vom 8. Januar 1908 bis 1. März 1908 93 bis 320 Arbeitslose beschäftigen und vom 10. November 1908 vrS 31. März 1909 147 bis 303 Arbeitslose. Ter durchschnittliche Tagelohn, der zur Auszahlung gelangte, stellte sich für 8y 2 - bis 9y>stündrge Arbertszert ans 2 95 M
Eine vollständige Statistik über die Aufwendungen, die seitens der Städte für dies Gebiet der Sozralpolrtrk gemacht wurden, besteht noch nicht, auch laßt ,rch vrel- fach nur schwer sagen, wie viel von den Aufwendungen für die Notstandsarbeiten man als Tribut an dre Sozialpolitik ansprechen darf.
Ta allerdings die Gemeinden gehalten sind, Nicht nur nach finanziellen Gesichtspunkten Wirtschaftspolitik zu treiben, sbndern zu einer sozialen Wirtschaftspolitik verpflichtet sind, so werden in wachsendem Maße alle Gemeinden, die sich bis jetzt noch von dieser Form der Sozialpolitik ferngehalten haben, auf dem von anderen schon beschrrttenen Wege wertergehen müssen. In Verbindung mit einer Arbeitslosenversicherung werden dre Notstandsarberten dem weitaus größten Teil der Arbeitslosen genügende Unterstützung innerhalb. einer Gemeinde gewähren, bis etwa das Reich oder die Ern- zelstaaten die Arbeitslosenversicherung als staafliche Ausgabe, in die Hand nehmen werden, wie es schon von den verschiedensten Seiten verlangt worden ist.
politische Übersicht.
Rassenverbesserung.
Nicht viel Anerkennung hat der internationale Kongreß der Eugeniker, der in London abgehalten wurde, gesunden. Das Wort soll soviel wie körperliche und geistige Veredlung bedeuten, ist a-ber insofern falsch gebildet, als das darin enthaltene griechische Verbum das Eigenschaftswort und nicht das Umstandswort bei sich verlangt. Von den führenden Männern hängen die einen Darwinschen Grundsätzen an, die anderen den Anschauungen Gobineaux und seiner Fortsetzer. Es kam zwischen ihnen nicht zu einer rechten Klärung. Wer
Himmelserschrinrmgrn rm August 1912.
Schon um einen recht erheblichen Betrag nimmt im Laufe des Monats August die nördliche Abweichung der S o n n e vom Äquator ab, während sie am 1. noch 18" 4 16. 0 beträgt, hat sie am 31. nur noch den Wert 8" 42' 20."i>. Die Mittagshöhen der Sonne vermindern sich dementsprechend für den Parallel von 54» (Norddeutschland) von 54» am 1. auf 44240 om 3i v fü r den Parallel von 51° (Mitteldeutschland) von 67° am 1. auf 472/3° am 31. und für den Parallel von 48° (Süddeutschland und Österreich, etwa d,e Breite von Wien) von 60° am 1. auf 602/3° am 31. August.. Daraus ergibt sich eine Abnahme der Tageslänge im nördlichen Deutschland von 1524 auf 133,4 Stunden, im mittleren Deutschland von lBUj auf 1324 und im südlichen Deutschland, in der Schweiz und" in Österreich von 15 auf 13-4 Stunden. Durch die Morgen- und Abenddämmerung, deren Dauer rm August 'ebenfalls schon wesentlich kürzer wird, erfahrt die Tageshelligkeit im Norden zuerst noch eine Verlängerung von beinahe 134, zuletzt nur eine solche von kaum 1% Stunden; ,m Süden beträgt diese Verlängerung anfangs noch 2, am
Schluffe nur 1^4 Stunden.
Mit dem Übertritt der Sonne aus dem Kalenderzeichen des „Löwen" in das der. „Jungfrau am 23. August, um 2 Uhr nachmittags, erreicht die Zeit der y --n d s t a g e, die am 23. Juli begonnen hat, ihr Ende. Der Hundsstern, d. t. fcer Sirius dem sie ihren Namen verdankt, geht nun vor der Sonne (heliakisch) immer früher auf um in den Winter- monaten während des größten ^erle^ der Nacht den südlichen
Himmel zu schmücken. . ■■ .
Der Gestaltwechsel des M 0 ndes vollzieht sich rm August zu folgenden Zeiten: Letztes Viertel am 6., um 6 Uhr 18 Min.
vormittags, Neumond am 12., um 8 Uhr 58 Min. nachmittags,' Erstes Viertel am 19., um 5 Uhr 67 Min. nachmittags, und Vollmond am 27., um 8 Uhr 59 Min. nachmittags. Der Mond befindet sich am 12. August, um 10 Uhr 6 Min. vormittags, in Erdnähe bei einem Abstande von 58.05 Erdhalb- meffern L 6378 Kilometer und am 25. August, um 9 Uhr 6 Min. vormittags, in Erdferne bei einem Abstande von 63.68 Erdhalbmessern. — Sternbedeckungen des Mondes finden im August nicht statt, dagegen nähert sich der Mond dreimal sehr Hellen Fixsternen bis auf einen geringfügigen Abstand, nämlich am 8., um 11 Uhr abends dem Sterne Beta des „Stiers" (der abnehmende Mond ist nur morgens sichtbar), am 17., um 3 Uhr vormittags dem Sterne Alpha der „Jungfrau", Spica (der zunehmende Mond ist nur abends sichtbar), und am 20., um 5 Uhr nachmittags dem Sterne Alpha des „Skorpions", Antares (diese Konjunktion ist gut sichtbar).
Die Beobachtung der großen Planeten gestaltet sich im August noch weiter ziemlich ungünstig, auch Jupiter ist nur noch am frühen Abendhimmel sichtbar, dagegen strahlt Saturn reichlich die ganze zweite Nachthälfte hindurch am östlichen und südlichen Firmament. Merkur, der am 22. August, um 10 Uhr vormittags, seine untere Sonnenkonjunktion durchläuft, bleibt verborgen. Er nähert sich der Erde von 0.77 auf 0.74 Erdbabnhalbmesser ff 149.48 Millionen Kilometer;, sein scheinbarer Durchmesser erreicht zur Zeit der Sonnenkonjunktion den Wert 10."8. — Venus, die erst am 6. Juli in oberer Sonnenkonjunktion stand, bleibt ebenfalls . in der Dämmerung verborgen. Ihre Entfernung von der Erde nimmt von 1.71 auf 1.64 Erdbahnradien ab, woraus eine Vergrößerung ihres scheinbaren Durchmessers von. 9."8 auf 10."2 folgt. Am 11. August, um 8 Uhr vormittags, hat Venus mit Regulus (Alpha des „Löwen"), dem sie sich bis auf 1° 3' nördlich nähert, Konjunktion. — Mars weilt im. Bilde des „Löwen" in der Hellen Abenddämmerung, ist daher unsichtbar. Sein Erdabstand wächst von 2.44 auf 2.54 Ein
heiten (Erdbahnradien), und sein Scheibendurchmeffer besitzt nur den Wert 3."8 und 8."7. — Juprter geht im Bilde des „Skorpions" täglich früher, am Monatsschluffe bereits gegen 10 Uhr abends im Südwesten unter; in der letzten Woche kulminiert er schon gegen 6 Uhr abends, doch wegen seiner stark südlichen Deklination (fast — 21°) in geringer Höhe. Am 30. August, um 1 Uhr nachmittags, befindet er sich in Quadraturstellung zur Sonne. Seine Entfernung von der Erde nimmt von 4.77 auf 5.22 Einheiten zu, sein scheinbarer Durchmesser von 41."8 auf 38."2 ab. Trotz der ungünstigen tiefen Stellung Jupiters während der diesjährigen Opposition ist doch der sogenannte Rote Fleck in seiner südlichen Äquatorialzone mehrfach beobachtet und gemeffen worden. Es ist dabei auch die schon lange bekannte Beschleunigung im Vorrücken des Roten Flecks auf der Oberfläche des Planeten wieder bestätigt worden. Am 20. August, um 2 Uhr nachmittags, hat der Mond mit Jupiter Konjunktion, man erblickt daher am Abende das noch erheblich südlicher stehende Erste Viertel schon südöstlich vom Jupiter. — Saturn, der in den nächsten Monaten am vorteilhaftesten zu beobachtende Planet, erscheint im Bilde des „Stier s" anfänglich gegen Mitternacht, zuletzt bald nach 10 Uhr abends über dem nordöstlichen Horizonte, um gegen Monatsschluß schon um 6 Uhr 'früh zu kulminieren. Infolge seiner stark nördlichen Deklination. am 1.4- 18° 40', am 31. 4- 18° 64', beschreibt er sehr hohe Bogen am nächtlichen Himmel, im mittleren Deutschland kulminiert er in 58° Höhe. Am 27. August, um 11 Uhr vormittags gelangt Saturn in Quadraturstellung zur Sonne. Sein Abstand von der 'Erde vermindert sich von 9.46 auf 8.97 Einheiten, wäbrend sein Scheibendurchmeffer von 17."2 auf 18."1 wächst. Die. große Achse seiner von Süden aus sichtbaren, jetzt schon sehr weit geöffneten Ringellipse migt Mitte des Monats 40."8, die kleine Achse 17."2, die scheinbare Breite des Ringsystems erreicht also fast die des Saturnkörpers. Am 7. August, um 6 Uhr nachmittags, hat der Mond mit Satrrrn
