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Viksbs-kner TaaWt.

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Montag» 24. Iunr 1912 ,

klbend'klusgabe.

Nr. 289 . 60 . Jahrgang.

Tafts Wahl

und die Noosevelt-partei.

wb. Chicago, 23. Juni. Die Nominierung Tafts zum republikanischer^ _ Präsidentschafts­kandidaten erfolgte mit 561 Stimmen, Rooseftelt erhielt 107, Lafollette 41, Cummins 17. Hughes 2 Stimmen. 344 Anhänger Roosevelts enthielten sich der Abstimmung. Zum Vizepräsidentschrfts- kandidaten wurde der bisherige Vizepräsident Sh ermann nominiert.

Ties Ergebnis des in Chicago abgehaltenen re­publikanischen National-Konvents, also die Nominie­rung des derzeitigen Präsidenten Taft als Kandidaten für die neue Präsidentschaft, konnte nach dem. was sich auf dieser auch für amerikanische Berhältnisse ganz un­gewöhnlich grotesk und stürmisch verlaufenen Partei- Versammlung abgespielt hatte, nicht mehr überraschen. Wenn der in dem Rennen unterlegene Rooseoelt. der, wie es der Fuchs mit den sauren Trauben gemacht hatte, noch vor der Abstimmung seine Kandidatur zurückzog. bittere Klage darüber erhoben hat. daß ihm der gute Wille der Nation durch die Parteimischine gestohlen werde, so hat er dabei übersehen, daß er selbst von dieser Maschine den gleichen Gebrauch ge­wacht hatte, sowohl als er seine zweite Kandidatur durchsetzte, wie auch nachher, als er die Wahl Tafts durchdrückte, der sein Platzhalter sein sollte. Nun hat der Schüler vom Meister denn Roosevelt war ein Meister der Wahlbeeinflussung so gelernt, daß er seinen Lehrer mit den eigenen Waffen schlagen konnie.

Allein der frühere Oberst der Rauhen Reiter denkt offenbar, daß der Verlust einer Schlacht noch nicht den Verlust des Krieges bedeutet. Als er, um der sicheren Niederstimmung im Partei-Konvent zu entgehen, seine Kandidatur zurückzog, gab er zugleich die feierliche Er­klärung ab, daß sein Rückzug für ihn nichts das Aus­geben des Kampfes bedeute, sondern daß, er vereits die einleitenden Schritte zur Gründung einer, neuen Partei getan habe, und daß er im August in Denver einen Konvent dieser aus den Namen progressive Party (Fortschrittspartei) getauften Parier embe- rufen werde, der ihn als Präsidentschaftskandidaten nominieren solle. Damit ist also tatsächlich die « p a I- tung der republikanischen Partei vollzogen worden, und es fragt sich nur, wie groß die Abiplrtte- rung sein und ob sie hinreichen wird, den Bestand der Mtltterparter ernstlich zu erschüttern.

Tie Wahrscheinlichkeit spricht durchaus gegen diese letztere Annahme. Es hat sich sa gerade jetzt gezeigt, wie wirksam die Dampfwalze der Parteimaichine m dem Lande ist, in welchem es auch sür die <^ahibeern- flussung und Wahlbestechung unbegrenzte Möglichkeiten gibt. Diese Unbegrenztheit bezieht sich aber lediglich auf die Taftpartei, die nicht nur im Besitze der Machr, d. h des gesamten Regierungsapparates, sondern auch im Besitze der Mittel ist, da ihre Kassen gefüllt

F euilleto n.

Königliche Schauspiele.

Die Flucht aus dem Hoftheater" ist verschiedenerseits tttit einem kleinen Seitenhieb ans die Intendanz kommentiert worden, die dasEnsemble" (es soll hier nnr von der Oper gesprochen werden) so leichtherzig anseinandersprenge. Offen- gestanden: von einem solchen festgefügten, fein und streng ab­getönten Ensemble, aus dem kein Glied ohne Nachteil für das Ganze entfernt werden dürfte, von einem solchen Ensemble war bei uns wenig zu spüren. Und bei der Vielgestaltigteit des modernen Opernrepertoires, dem Wirrwarr der rnustia- üschen Stilarten, der mehrfachen Besetzung des Direktions- Postens - (drei Kapellmeister, wo früher ein Alleinherrscher regierte), dem Alternieren und dem übergreifen der Darsteuer in die verschiedensten Fächer: bei diesem ganzen wertver-

Nveigten Opernbetrieb, wie ihn das glanzvolle Theater oer Neuzeit mit sich bringt, wird das an großen Buhnen Wohl kaum anderswo anders sein. Warum sollen also picht neue und frische regsame Kräfte herangezogen werden! Frei­lich wird es in nächster Saison brav Proben kosten; aber um ft besser für gewisse Opern, die von der Schablone der Aus­führung schon fast mumifiziert waren. ...

In der Wahl der Ersatzpflichtigen scheint die Intendanz überdies eine sehr glückliche Hand gehabt zu haben. Bor allem wird der argen Tenor-Not an unserer Oper ein Ende gemacht: in Herrn Forchhammer erhalten wir einen Heldea- tenor, der wenn er irgend bei Stimme ist sehr Glänzen­des zu leisten vermag; in Herrn Scherer ist ein lyrischer Denor gewonnen, wie wir ihn seit bald zehn Jahren (eit den Tagen des Herrn Klarmüller hier nicht wieder gmort haben. Das hat gestern wieder sein sehr hübsch durchgeführter

sind, während Roosevelts neue Parteigründung schon am Mangel an den erforderlichen Geldmitteln scheitern dürste. Auch hat sich die amerikanische Parteidisziplin bisher noch stets als zu straff erwiesen, um einem Wilden, einem Outsider den Gewinn des Rennens mög­lich zu machen. Freilich ist nicht zu verkennen, daß der smarte Roosevelt, der es verstanden har. seinen Yankees mit ein wenig Antitrustpolitik und ein wenig Weltpolitik und ein wenig Chauvinismus den Mund wässerig zu machen, über ein gewisses Kapit.st von Volkstümlichkeit verfügt, das übrigens im .Laufe des Wahlkampfes sehr zusammengeschmolzen ist, aber mit solchem Kapital kann man keine Stimmen kaufen! Nun will er es freilich mit einem populären Programm versuchen, indem er gegenüber dem republikanischen National-Konvent, der das Festhalten am Schutzzoll bis auf die Ermäßigung einiger Sätze und den werteren Ausbau des Antitrustgesetzes proklamiert hat, ein fort- schriftliches Programm ankündigt, dessen Clou ein ernstliches Vorgehen gegen die Trusts sein. soll. Aber wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und die Amerikaner wissen zu genau, daß der frühere Kampf Roosevelts gegen die Trusts ebenso Schaumschlägerei gewesen ist, wie das Vorgehen Tafts, und wie es wahr­scheinlich auch das der Demokraten sein wird, wenn diese aus dem Rennen zwischen Taft und Roose­velt als der sich freuende Tritte hervorgehen sollten.

Mit dieser Möglichkeit muß aber gerechnet werden, wenn die einigermaßen aussichtslose Kandidatur Roose­velts eine starke Absplitterung der republikanischen Stimmen zur Folge haben sollte. Im Jahre 1306 siegten die Republikaner mit 7679000 Stimmen über die Demokraten, die 6 409 000 erhielten. Das war gegenüber der Wahl im ^ahre 1904 ein R ü ck - gang der republikanischen Stimmen um 114 Millio­nen, und seitdem haben die Demokraten, die im Re­präsentantenhause bereits über eine M e h r- h e i t von 237 gegen 163 verfügen, bei den Wahlen zu den einzelstaatlichen Parlamenten weitere Fortschritte gemacht. Wenn es also dem in dieser Woche in Balti­more zusammentretenden N a t i o n a l - Kj oi n v e n t der Demokraten gelingt, die Stimmen der Radi­kalen, deren Kandidaten Bryan und Wilson sind, und der Konservativen, die für den Gouverneur -tzarmon eintreten, aus eine Kandidatur zu vereinigen, wobei vielleicht Mavor Ga y n o r von New York die meisten Aussichten hätte, dann kann sehr wohl mit der Mög­lichkeit eines Sieges der Demokraten gerechnet werden. Diese sind zwar längst nicht mehr eine Partei des Freihandels, aber sie treten doch immerhin noch für eine etwas gemäßigtere Schutzzollpolitik ein und sind auch in ihren Anschauungen über die Gestaltung der auswärtigen Politik nicht so stark vom Chauvinismus angekränkelt wie die Republikaner, oder wre es gar die noch in den Geburtswehen befindliche Rooseveltpartei sein dürfte. Durch diesen, wenn auch in der Praxis nur sehr gedämpften Unterschied in den Programmen der bisher zwei und nunmehr drei Parteien ist der

Tamino" in MozartsZauberflöte" bewiesen. Und in Herrn Lichtenstein bekommen wir einen Tenorbuffo von jedenfalls mehr als alltäglicher Begabung. Nein; die Flucht aus dem Hoftheater braucht wirklich nicht allzu tragisch genommen zu werden.

Natürlich wird man so manche vertraut gewordenen Ein­zelkräfte ungern scheiden sehen. Unersetzlich oder wenigstens unersetzt ist zurzeit noch Frau Birgitt E n g e l l, die in der vergangenen Woche in denKönigskindern" nach einem längeren erfolgreichen Urlaub wieder auftrat, um mtn vom hiesigen Schauplatz ebenfalls abzntreten. Ihre von der feinsten Virtuosität vergoldete Gesangsknnst war immer des Erfolges sicher; die Stimme, wenn auch neulich etwas zart erklingend, bleibt immer rein und wohllautend; und die von holdester Poesie verklärte Auffassung und Durchführung derGänse- magd"-Partie gewann der liebreizenden Künstlerin noch ein­mal aller Herzen. Freilich waren nicht allzuviel Herzen er­schienen: wie denn die Stimmung für das Humperdinksche Werk überhaupt stark im Abflauen begriffen ist: die unver­ständliche, zum Teil recht schiefe Symbolik berührt doch gar zu undramatisch.

Und wie steht's mit dem hochgepriesenenRosenkavalier"? Jur ersten Hälfte mächtig anziehend, zur zweiten Hälfte abmattend und possenhaft: auch der dann mehr versöhnende poetisterende Schluß vermag an diesem allgemeinen Urteil wenig zu ändern. Der Erfolg des ersten Aktes ist neben Frau Nellh BrodmannsOktavian", nach wie vor, in erster Reihe Frau Müller-Weiß zu verdanken: dieMar­schallin", mit welcher Partie sie sich von hier verabschiedet, gibt uns so recht ein freundlich-getroffenes Bild ihrer von warmer, fraulicher Würde, von Dezenz und Vornehmheit ge­tragenen Darstellungsweise und ihrer sorgfältig geschulten gesangdramatischen Begabtheit. »Alles zergeht wie Dunst und

Gesichtswinkel bedingt, unter dem das Ausland den jetzt auf seinem Höhepunkt angelangten Kamps um die Präsidentschaft in der Union zu betrachten hat.

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vor der Entscheidung.

Roosevelts Aufforderung zur Stimmenthaltung.

vb. Chicago, 22. Juni. Das Wahlkomitee entschied alle strittigen Fälle zugunsten der Delegierten Tafts und der Natwnalkonvent n-ahm den Bericht des Komitees rmt Hoch- rufen an. Die Rooseveltschen Delegierten riesen fortwäh­rend dazwischen und ahmten das Getöse der Dampfwalze nach, mit welcher sie die Tätigkeit des Konvents verglichen. Die Anhänger Roosevelts beschlossen, sofort nach der Ver­tagung des Konvents eine neue Partei zu gründen. Roose­velt forderte seine Delegierten auf, nicht mehr im Natwnal- konvent zu stimmen, und führte aus: Ich entbinde keinen Delegierten von der Ehrenpflicht, für.mich zu stimmen, wenn er überhaupt abstimmt. Aber unter den gegenwärtigen Um­ständen hoffe ich, daß er überhaupt nicht stimmt. Der Kon­vent, wie er sich jetzt zusammensetzt, hat keinen An­spruch darauf, die Wähler der 1 republikanischen Partei zu vertreten, er vertritt nichts weiter als den erfolgreichen Betrug, in dem Überreichen des Willens beschlossener Glieder der Partei. Jeder, der durch den Konvent, wie er sich jetzt zusammensetzt, nominiert wird, wird lediglich der Nutznießer dieses erfolgreichen Betruges sein, und es wäre sehr d>i skr editierend für jedermann, unter diesen Um­ständen die Nomination dieses Konvents anzunehmen. Ein Mann, der sie annehmen würde, hätte keinen Anspruch aüs die Unterstützung eines Republikaners aus Parteigründen und hätte das Recht verwirkt, irgend einen Ehrenmann irgendeiner Partei um seine Unterstützung zu bitten.

Eine Schlägerei.

w b. Chicago, 22. Juni. Gouverneur Johnson von Kali­fornien hat den Konvent bereits verlassen. Root wurde unter minutenlangem Beifall und Gezische und Gejohle zum permanenten Vorsitzenden des Konvents gewählt. _ Diese lärmende Demonstration dauerte 20. Minuten. Die An­hänger Roosevelts zogen in der Halle umher. Es kam zu einer Schlägerei, die. Polizei legte sich jedoch sofort ins Mittel.

Die Entscheidung.

Chicago, 23. Juni. Aus den Verhandlungen des Natio- nalkonvents vor der Entscheidung sind verschiedene Einzel­heiten bemerkenswert. Harding (Ohio) erklärte in einer Rede, die Fundamente der Nation seien vorher nur ei n -- mal so angegriffen worden, wie jetzt, nämlich zur Zeit des Bürgerkrieges. Die Republikaner seien die wahren Fort­schrittler, und Taft sei der fortschrittlichste Staats­mann seiner Zeit. Diese Bemerkung rief eine abermalige Schlägerei zwischen den feindlichen Delegierten hervor, der erst nach mehreren Minuten durch Schutzleute Einhalt geboten werden konnte. Der Nationalkonvent nahm ein längeres Parteiprogramm an. Das Programm hält am Schutzzolltarif fest, empfiehlt jedoch die Herabsetzung einiger bestehender Einfuhrzölle und eine gelegentliche Tarif durchsicht, wenn die Verhältnisse sich ändern, jedoch ohne Schädigung der amerikanischen Industrien. Es tritt ferner sür eine von den Vereinigten Staaten im Ausland über die Ursachen bei hohen Lebensmittelpreise zu veran­staltende Untersuchung ein, regt den Abschluß eines neuen Vertrages mit Rußland znm Schutze der amerikanischen

Traum" schließt die Marschallin. Aber ein dankbares Er­innern bleibt unserer Sängerin in den Herzen derer, die ihr« Kunst verstanden haben.

Für eine ihrer zartestgefügten Partien, für diePamina' in derZauberflöte" war gestern bereits die künftige Ver­treterin zur Hand: Frl. Frieda Schmidt (aus Danzig). Eine talentvolle Sängerin. Sie besitzt alle Eigenschaften, di« für das jugendlich-dramatische Fach erwünscht sind: ange­

nehme, schlanke Erscheinung; belebtes Mienenspiel; eine ge­schmeidige, helle Söpranstimme von guter technischer Durch­bildung und geschmackvollen, innig beseelten Vortrag. Gewiß wird sich Frl. Schmidt bald die vollen Sympathien unseres Publikums gewinnen.

In Herrn Erwin stand ihr (als Papageno) ein Sänger von echtem Künstler-Adel zur Seite. Gewiß, auch er wird künftig ersetzt, als Mozartsänger aber schwerlich erreicht werden.

Und nach fast 20jähriger Wirksamkeit an unserer Hof­bühne verabschiedete sich gestern auch Herr Schwegler als Sarastro und ließ noch einmal sein oft gerühmtes zugleich so kraftvolles und doch weichquellendes Stimm-Material be­wundern, dem zu Liebe man denn gern oder ungern gewisse Mängel in der gesanglichen Anlage seines Vortrags mit in Kauf nahm. So konnte gestern Herr Schwegler, als wahrer Schwelger im Ton, noch einmal sein breitströmendes tiefes Doch"hinlegen" zur Freude seiner Anhänger, die es an Beifall, Hervorrufen und reichem gärtnerischen Schmuck nicht fehlen ließen. Die Ovationen für den Scheiden­den fanden vollen Widerhall, trotzdem auch in dieser Vor­stellung das Haus nicht sehr voll besetzt war. Schade, daß aerade dieZauberflöte", als die populärste deutsche Oper, nicht in den Ring der die Saison nunmehr abschließenden Volksvorstellnngen" ausgenommen wurdel 0- D>-