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Wiesba-emr Ulatt.

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Tagblatr-Haus" Nr. 6650-53.

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Zrertag» 2t. 3imi 1912.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 284. - 66. I^hrgKirg.

Das Problem des Ostens.

Praktische Vorschläge, dre Abwanderung der länd­lichen Bevölkerung in Preußen einzudämmen und die landwirtschaftliche Produktion zu heben, macht Kreis­ausschußsekretär Georg Matuttis in Siegburg in einer auf Grund seiner langjährigen,. m den Provinzen Ostpreußen, Hessen-Nassau und der Rhein- Provinz gemachten Beobachtungen und Erfahrungen don ihm herausgegebenen Schrift,*) aus der Wir inter­essante -Mitteilungen und bedeutsame statistische Noch- weisungen über die heutigen Zustände speziell in den östlichen Provinzen entnehmen. Matuttis führte zu­nächst den A r b e i t e r m a n g e l, über den in den östlichen Provinzen immer und inmier wieder geklagt wird, aus die allzu n i e dr i g e n Löhne und schlechten Unterkunftsverhältnisse zurück. Es erhalten z. B. Männer und starke Burschen, die mähen können, pro Tag 1,50 M. bis 2,20 M., Frauen, Äädchen und Burschen 1 M. bis 1,60 M. Die Arbeitszeit beträgt zwischen 15 bis 18 Stunden. An Naturalien erhält jeder Arbeiter sür die Woche 25 Pfund Kartoffeln, 7 Liter'Magermilch und 1 Pfund Mehl. Davon übrig bleibende Abfälle gehören dem Arbeitgeber. Außerdem erhält jede Person einen Strohsack und eine Decke.

Daß bei solchen kümmerlichen und hoffnungslosen öebensverhältnissen im Osten sich fortgesetzt eine große Abwanderung nach den Städten mit ihrer viel besser entlohnenden Industrie geltend yracht, ist natürlich nicht zu verwundern.

. Seitens der Großgrundbesitzer werden deshalb in steigendem Maße ausländische Arbeiter heran- gezogen, wodurch die einheimischen immer mehr ver­drängt werden. Der Grund, weshalb die Großgrund­besitzer mit Vorliebe die fremden Elemente heran- ziehen, ist der, dyß diese b i l l i g e r uüd änsprüchs- loser sind. Diesen Vorteilen stehen indessen größere Nachteile gegenüber. Tie ausländischen Arbeiter sind weniger zuverlässig und gewandt in landwirtschasrlicheu Arbeiten und insbesondere in der Viehzucht und der Bedienung der Maschinen, sie neigen leicht zu Kontrakt­brüchen und sind infolge ihres niedrigen Bildungs­grades jähzornig und gewalttätig. Hinzu kommt, daß sie dem allgemeinen Stäatswohl zum Nachteil gereichen, als sie den einheimischen Arbeitern den Lohn drücken und dadurch letztere zur Abwanderung zwingen, ferner daß sie vorwiegend ausgesprochene Gegner des Deut sch t u m s sind und im Falle eines Krieges für den Staat gefährlich werden können, sowie schließlich, daß sie Krankheiten, z. B. die Maul- und Klauenseuche, ins Land bringen.

Da diese Wanderarbeiter in der Regel nur in größeren Trupps unter einem Vorarbeiter nach Preu-

*) Sind die Klagen der Landwirte über Arbertermangel ünd sonstige Miststände begründet? Von Georg Maruttis, KreiKausschustsekretär in Siegbürg. 1. Auflage

Nachdruck »erböte«.

Heimisches Naturleben.

Skizzen von Walther Schulte vom Brühl.

XXVII,

Bei den Elchen am Kurischen Haff.

Ich schmeichle mir, ein großer Tierfreund zu sein. Wenn der Anthropologe für den letzten Mohikaner oder den letzten Azteken etwas besonderes übrig hat, so richtet sich mein Interesse eben so sehr auf brave,unvernünftige" Geschöpfe, die der Mensch dem Aussterben nahe gebracht hat, wie etwa Biber und Uhu, Wisent und Elch. Ja, auch diesem, dem schaufelbekröntenScheich", wie er in unseren alten Helden­liedern heißt, ist die Retraite geblasen. Er, der einst in ganz Mitteleuropa herumzog, lebt bei Uns heute nur noch in Ost­preußen in etwa fünfhundert Exemplaren, von denen sich die Mehrzahl in den fiskalischen Waldungen dreier Obcr- sörstereien am Kurischen Haff, in einem Gebiet von etwa achtzigtausend Morgen, vollständig frei umhertreibt, denn eine Tingatterung verträgt dieser wanderlustige König der Erlen- brüche nicht.

Unser größtes Hochwild der freien Wildbahn in seiner ügenartigen Umgebung zu beobachten, fuhr ich , zwölfhundert Kilometer weit mit Großbahnen und Bummelbahnen bis Schudereiten in Ostpreußen, lief dann noch einige Stunden durch die wohlbestellten, fruchtbaren Felder der Kreises »Niederung" und fand. mich endlich, nachdem ich das Dorf Ackmenischken passiert hatte, in der Oberförsterei Jbenhorst lvieder. In größter Einsamkeit erhebt sich das Forsthaus schloßartig an der von Wasserrosen bedeckten Ackminge, sich w den stillen Wassern spiegelnd. Oberförster Struckmann ist gegenwärtig der getreue Heger dieses Gebiets, das im Früh- wbr meilenweit überschwemmt und in der übrigen Zeit von

ßen kommen, ist ihre Verwendbarkeit in kleineren Be­trieben im allgemeinen nicht möglich, sondern vor­wiegend auf den Großgrundbesitz vesehcänkt. Mit Rücksicht darauf, daß die Großgrundbesitzer bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Hauptstützen des Staates und. schärfste Gegner der roten Internatio­nale sich bezeichnen, muß man von ihnen auch ver­langen, daß sie dem Staatb das O p f e r hringsn, von der Heranziehung der ausländischen Arbeiter abzu­sehen und durch Gewährung besserer Lohn-, L e b e n s- und Arbeitsbedingungen dre ein­heimischen Arbeiter der Landwirtschaft zu' erhalten, be­ziehungsweise zuzuführen.

Ta sich der Großgrundbesitz dazu nicht versteht, muß der Staat hier eingreifen und den Großgrund­besitz parzellieren. Denn die 'Nachteile, die dieser dem Staate in seiner Gesamtheit jahraus jehrem zufügt, sind ungeheuerlich groß. Sie bestehep haupt­sächlich darin, daß der Großgrundbesitz die Vermehrung des selbständigen, königstreüen Bauernstandes, det eine der Hauptstützen des Staates bildet und für eine ge­sunde Volkswirtschaft absolut unentbehrlich ist, auf- halt, die e i nh e i m i s ch e n Arbeiter durch u n - zureichende Löhne und Lehensbedingungen un- z u f r ie d e n macht und zur Abwanderung veranlaßt, ausländische, zum Teil staatsgefährlich' Elemente massenhaft ins Land zieht und den Grund und Boden nicht in dem Maße ausnutzt, wie dies seitens des mitt­leren Bauernstandes geschieht bezw. geschehen kann, Matuttis weist nach, daß die Viehhaltung auf den großetz Gütern eine viel zu geringe ist und daß in kleinen und mittleren Betrieben auf gleicher Fläche eine unverhältnismäßig größere Anzahl Vieh gehalten wird. So hat z. B. bei 12 parzellierten Gütern die Viehhaltung betragen:

vor der Aufteilung', n ach der Aufteilung: Pferde . . . 150 Stück 772 Stück

Rindvieh . 1133 .. 3473

Schweine . 1170 4575

Ter Unterschied bei der Geflügelzucht und beim Obst­und Gemüsebau ist ebenso groß. Den kleinen Be­trieben ist hiernach entschieden der Vorzug zu geben.

Es ist klar, daß ohn^ Hilfe des Staates eine durch­greifende Parzellierung des Großgrundbesitzes nicht erfolgen kann, da dem Bauernstand die finanzielle Kraft fehlt, den Großgrundbesitz angreiftzn zu können'.

Durch die Abwanderung der ländliche:! Bevölkerung in die Städte entsteht in letzteren natürlicherweise immer mehr Arbeitsmangel. Auch die Lebeusmittel- preise erfahren dadurch eine weitere Preissteigerung, die ohnehin schon durch die geringere Leistungsfähigkeit des Großgrundbesitzes ganz erheblich verteuert werden. Anstatt daß der Staat seine Domänen zu niedrigen Preisen verpachtet, müßte er sie parzellieren: außerdem zum Verkauf kommende große Güter aufkaufen und diese ebenfalls parzellieren. Mit der V e r m e!: r n n g des mittleren und kleinen Bauernbesitzes

gewaltigen Sümpfen durchsetzt ist, der Brutstätte ganzer Wolken von Moskitos.

Es war gegen Ende April, als ich diese Gegend, deren Charakter in ganz Deutschland nicht seinesgleichen hat. ge­suchte. Zweifellos wäre es im bunten Herbst, wennEr" sich noch im Schmucke seiner stolzen Schaufelkronen befindet, interessanter gewesen als jetzt, wo noch kein Blättchen grünte und der Hirsch erst kurze Stangenschob". So aber blieb ich doch vor dem blutsaugerischen Geschmeiß verschobt und äugte wohlgemut von dem von zwei hohen Ostpreußen gezogenen Pirschwagen aus in diese graue Bruchwaldung aus Noterlrn, hohem, falbem Rohr und Weiden, der Hauptnährpflanze des Elchs. Zwar verbeißt er auch bei Gelegenheit junge Fichten zu den schnurrigsten Farmen; auch hat man ihn öfter, seiner hohen Läufe und des kurzen Halses wegen auf den Knieen rutschend, sich am Rotklee laben sehen, aber die Weide ist doch sein täglich Brot, und wer weiß, ob ihn ihr Salizylgehalt nicht gesund erhält und ihn in seinen feuchten Standorten vor dem bösen Rheuma schützt.

Einstweilen war von ihm, dem Überbleibsel einer urwelt» und -waldlichen Fauna, nichts zu sehen. Nach der eben be­endeten Überschwemmung, während deren er sich auf höher ge­legenen Plätzen aufhält und dann begucmer beobachtet wer- den kann, hatte er sich zerstreut, sich ins Unterholz zurückge­zogen. Als wir einige Stunden vergeblich auf den weichen, feuchten Waldpfaden unchergcfahrcn waren, fürchtete mein freundlicher Begleiter schon, dass ich mir für heute nur am Anblick von neuen und alten Elchfährten, an denen es nicht mangelte, und an dem vom Wild geschälter Wcidenstämmchen genügen lassen müsse. Nun, ich hatte einstweilen genug anderes zu erlauschen und zu erschauen.

In den klaren, moorigen Wassern flitzten, silbern auf­blitzend, die. Elritzen, und glänzende Taumelkäfer fter'ert auf der l blanken Fläche in ihren seltsamen Drehbewegung» Auf dem Grunde spürten dickte Büsche von Tausendblatt ein erstes

würde sich die landwirtschaftliche Produktion und Leistungsfähiglleit ganz bedeutend ste i g e r n. Ter Staat hat die Pflicht, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln nach einer für jeden Staad gleich günstigen Wirtschaftspolitik zu streben, um so die be­stehenden Gegensätze allmählich aüszugleichen und der vorhandene, durchaus berechtigten Uniusriedenheik den Boden zu entziehen. Eine solche Wirtschaftspolitik wird einem, jeden Stande und dem ganzen Staat zum Segen »gereichen.

So weit in kurzen Zügen der Verfasser. So lange im preußischen Treiklassenparlament frei­lich die Großgrundbesitzer die Herren sind, werden wir- mit einer praktischen Änderung dieser unhaltbaren Zu­stande nicht zu rechnen brauchen. Das miserabelste aller Wahlrechte, das wir in Preußen heute noch haben und dessen Verbesserung die Herren Agrarier noch^ im vorigen Monat im Abgeordnetenhaus wiederum aüae- lehnt haben, sorgt schon dafür.

Die GewerLvereine am ReichsVersicherungsamt.

Der Vertreter des Verbandes der deutschen Gewerkver­eine am, Reichsversicherungsamt hat vor kurzem in einer An­zahl von Nummern des Verbandsorganes den üblichen Jahresbericht veröffentlicht, also diesmal für 1911. Es ist Wohl, angebracht, von diesen Mitteilungen. Notiz zu nehmen.

In einer längeren Einleitung wird eine Bilanz gezogen über die Leistungen des Reichsversicherungsamts bei dem Ausbau und der Einrichtung der Arbeiterversicherung. Nach Inkrafttreten der neuen Reichsvcrsicherungsordnung wird besonders auf dem Gebiete der Unfallversicherung die Stellung des Reichsversicherungsamtes eine wesentlich andere als bisher. Wie mit Recht hervorgehoben wird, ist jetzt die Einrichtungszeit der Arbeiterversicherung zu Ende. Neu ist ein Vorschlag, den man im Berichte findet. Um die Arbeiter- Versicherung vor der Gefahr einer Erstarrung in bureau- kratischen Formen möglichst zu bewahren, schlägt der Bericht­erstatter vor, im Zusammenhang mit dem Reichsversiche­rungsamt eine ArtVersicherungsrat" zu bilden. Zu diesem Versicherungsrat sollen herangezogen werden Juristen, Ärzte, Versicherungssachverständige, Arbeitersekretäre, Unter- nehmervertreter, d. h. also Leute, die auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung sachverständiger sind als viele andere, die aber, weil sie der Versicherung selbst nicht unterstehen, in den bisherigen Organen ihre Erfahrungen nicht anbringen, können. Man wird von diesem Vorschlag als einem neuen Beitrag zu einer späteren Reform der Arbeiterversichcrung wohl noch öfter hören.

Im zweiten Teil des Berichts wird die Statistik über die Tätigkeit am Reichsverstcherungsamt im Jahre 1811 be­arbeitet. Dem, Sekretär gingen 318 Fälle zur Vertretung am Reichsversickierungsamt zu. In 15 Fällen wurde die Über­nahme der Vertctung von vornherein abgelehnt. 118 Fälle er­wiesen sich im Laufe des Verfahrens als aussichtslos. Bei den übrigbleibenden Fällen gelang es dem Vertreter, in 53,8 Proz. der Fälle einen Erfolg zu erzielen- Es wurde dadurch Len Arbeitern ein jährlicher Mehrbetrag an Renten von 15 145 M.

Frühlingsahnen; Seerosen sandten ihre Blätter empor, und die Wasseraloe entwickelte sich. Zwischen dem alten, seine Fahnen tragenden Rohr, das. öfter an die drei Meter hoch war, sproßten die Schwerteln auf, und wie freundliche. lichte Geister standen vereinzelt mit goldenen Blüten übersäte Kätzchenwciden zwischen den grauen Erlen. Wildcntenpärchen vollführten ihren Hochzeitsflug; die Stimme des großen Brachvogels ließ sich vernehmen; ein an einer Böschung in der Sonne träumender Fuchs war sobaff" von unserem Er­scheinen, daß er sich kaum davon machte; ein brauner, weiß- getupfclter Tanncnhäher, der auf einer mit einigen Eichen im Walde eingesprengten Fichte saß, ließ sich auch nicht stören, und ein Schreiadler, der sich auf einer Schneise zu tun »ge­macht hatte, hakte auf. Ich vermißte die Elche schon gar nicht mehr bei solch interessanter Fahrt durch diese von einem ganz eigenartigen Stimmungsreiz belebte Landschaft.

Bei einem ein paar tausend Morgen großen Moor hielten wir und bestiegen eine Wildkanzel. Aber so weit das Auge reichte, ließ sich auch hier, auf dieser gelbbraunen Fläche, von unserem Großwilde'nichts erblicken. Wir fuhren bei einer Försterei vor, und der Hegemeister wurde beordert, in einem nahen, litauischen Fischerdorf ein Segelboot zu bestellen. In dem elenden Seelenverkäufer setzten wir bei einem bitter­kalten' 'Lüftchen über die rheinbreite Ruß, wie der Unterlauf der in Preußen zur Memel gewordenen russischen Riemen heißt. Auf einem großen, flachen Werder, der bis vor kurzem noch ganz überschwemmt war, landeten wir. Er mochte sich inzwischen wieder belebt haben. Rehe waren gewiß schon hin­übergewechselt, tapfere Hasen hingepaddelt, und dem Elch, der gar "schon das Haff durchschwommen haben soll, bot der breite Strom erst recht kein Hindernis. Rur das Eis ist ihm ge­fährlich. Leicht bricht das schwere Wild auf dünner Decke ein und ertrinkt, oder es rutscht auf der glatten Fläche aus, seine Läufe spreizen sich auseinander und es kommt so gefährlich zu Fall, daß ihm die Keulen auseinanderreißen und es eines