(sscite rs. Avev^-Liusgave, 1» rvtatr.
Tann kommt die übliche Darlegung des Programms, daß man national, liberal und auch sozial jein will. Es erregt Freude, daß die Heeresverstärkung so glänzend gerade am 10. Mai, dem Tage des Frankfurter Friedens, angenommen worden ist. Tas tröstet etwas hinweg über die Schlappe in der Marokkopolitik. Über die Teckungssrage äußert sich der Redner höchst diplomatisch. Tie Erbschaftssteuer muß einmal kommen! Aber wann? Jedenfalls in dieser Session noch n i ch t. Ta verfällt man wieder , in die alte Schuldenpolitik. Vielleicht nächsten Winter! Aber nichts Gewisses weiß man nicht.
Tann wird die Fraktion als M i t t e l p a r t e i abgegrenzt gegen Ultramontanismus und Sozialdemokratie. Auch die Konservativen bekommen eins ab, namentlich der Bund der Landwirte, der in Hannover den Nationalliberalen Fehde angesagt und mit dem man neuerdings auch in Ostelbien den Kainpf ausgenommen hat. Ten Freisinnigen werden einige freund- liche Worte gesagt, weil sie in nationalen Fragen viel zuverlässiger geworden sind. Aber die Parole von Bebel bis Bassermann wird ausdrücklich abgelehnt. Also man will lavieren. Man will keine großzügige Politik einer großen deutschen Linken, um Konservatismus und Ultramontanismus zu bekämpfen. Man hofft vielmehr, daß die Kluft zwischen den bürgerlichen Parteien noch einmal überbrückt und ein Zu s a m m e n a r b e i t e n mit den K o n s e r v a - tiven ermöglicht wird. Wozu? Um Sozialisten- töterei zu treiben? Tas wird allerdings nicht gesagt. Vorläufig schließt Bassermann noch mit dem Bekenntnis zu einem maßvollen Tempo in der Sozialpolitik.
Gewaltiger Beifall durchbrauste natürlich den Saal, und ein großer Teil der Delegierten hätte am liebsten gleich Schluß gemacht. Es kam aber dann doch noch eine zweistündige Diskussion zustande, in der die verschiedenen Richtungen sich äußersten. Am Weitesten nach links sprach Rebmann-Karlsruhe. Er ist Verfechter des badischen Großblocks, den er einmal auf das Reich zu übertragen hofft. Etwas gemäßigter schon drückte sich der Vorsitzende des jungliberalen Reichs- verbandes Ihr. Kaufmann aus «Stuttgart aus, und der Redakteur Junck von. der „Köln. Ztg." sprach zwar mitrecht jugendlichem Feuer, aber er dämpfte die Ziele der Jungliberalen ganz im Sinne der „Kölnischen Zeitung". Von rechts sprachen der Abgeordnete Lohmann und Geh. Rat Zriedberg, der keine weitere Demokratisierung Deutschlands will und einen scharfen Kampf gegen die Sozialdemokratie anstrebt. Herr Leidig- Wilmersdorf begegnete bereits starkem Zischen. Dr. Stresemann vertrat die mittlere Linie und freute sich, daß die Partei groß genug ist, gewisse Gegensätze zu vertragen.
Tie Gegensätze sind auch nicht ausgeglichen, Man hat auch nicht bemerkt, wohin die Partei will. Man hörte vom Willen zur Macht, aber wie und mit wem zusammen die Partei zur ausschlaggebenden parlamentarischen Macht gelangen und Deutschlands Geschicke lenken will, blieb unklar. Nur das ergab sich, daß Bassermanns Führung wieder gesichert ist.
Der Rampf der Geistlichen im Reichstag.
L. Berlin, 11. Mai.
Auf bm Fall Kraatz wollte der Kriegsminister heute im :steichstag nicht näher eingehen, da die Sache dein Reichs- nrllitärgericht vorliegt. Wie er aber zu den befremdlichen Vorgängen in der Charlottenburger Luisenkirche steht, da? weiß man zur Genüge, wenn man von ihm erfährt, daß et die betreffende Predigt des liberalen Geistlichen als einen „k i r ch e n p o l i t i sch e n Vortrag" angesehen wissen möchte. Solchen Versuchen gegenüber, die betrübende Angelegenheit von dem Boden w e g z u s ch i e b e n, auf den allein sie gehört, ist es doppelte Pflicht, kräftig zu betonen, daß der
Nus Kunst und Leben.
* 250jähr!gcs Jubiläum der größten deutschen Bibliothek. In diesem Jahre jährt sich, wie uns aus Gelehrtenkreisen geschrieben wird, die Gründung der Königlichen Bibliothek in Berlin zum 250. Male. Zwar fallen ihre ersten Anfänge schon in das Jahr 1659, aber im Jahre 1662 wurde die Königliche Sammlung _ zum ersten Male öffentlich zugänglich gemacht, darum gilt' dieses Jahr als Gründungsjahr. Der Neubau des Bibliotheksgebäudes verhindert leider eine würdige Gedächtnisfeier, die gleichzeitig eine Gelegenheit böte, zu einem bestimmten Termin auf dieses Jubiläum hinzuweisen. Deshalb seien in folgendem aus den Anfängen der größten deutschen Büchersammlung einige interessante Daten erzählt. Der erste in Berlin residierende Fürst, der den Plan der Gründung einer öffentlichen Bibliothek faßte, war der Große Kurfürst, der sich von Anfang an der Sache mit bewunderns- wertem Eifer annahm. Die Zeit der ersten Vorbereitungen fiel in eine bewegte Zeit, in das Jahr 1659, in dem der Kurfürst den Dänen gegen die Schweden tätige Kriegshilfe lieh. Nach dem Ende dieses Krieges durch den Frieden von Oliva im Jahre 1660 ging Friedrich Wilhelm von neuem ans Werk, und die angestrengte Arbeit half dazu, daß man die Bibliothek schon nach zwei Jahren der öffentlichen Benutzung übergeben konnte. Die Sammlung war damals im ersten Stock des Seitenflügels des Berliner Kurfürstlichen Schlosses untergebrachi, der im Lustgarten liegt, und bestand in einem Saale von 150 Fuß Länge und 40 Fuß Breite, der oberhalb der Hofapotheke lag. Dieser Raum war vollständig für den Bibliothekzweck hergerichtet und mit kostbaren Gemälden geschmückt. Ein Nebenraum diente als Lesezimmer, ein zweiter als Aufbewahrungsraum für Handschriften und Seltenheiten. Unter diesen befand sich die Luftpumpe Ottos von Guericke mit den beiden Halbkugeln, ferner Naturalien, aus- gestopfte Tiere, Modelle, Kunstgegenstände usw. Nachdem so die kurfürstliche Privatbibliothek in eine öffentliche Bücherei umgewandelt worden war, flössen ihr bald bedeutende Vermehrungen durch Ankauf ganzer Büchersammlungen und neu erscheinender Werke zu. Für diesen Zweck standen ganz ansehnliche Mittel, d. h. für die damaliaen Verhältnisse, bereit.
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Pfarrer Kraatz h u n d e r t m a l r e ch t hat, wenn er sich darüber beschwert, daß es ihm nicht soll gelingen können, gegen die schuldigen Offiziere den Strafgesetzparagraphen in Bewegung zu bringen, der von der Störung eines Gottesdienstes handelt. Was Pfarrer Kraal; kürzlich in der Berliner Stadi- synode über die ihm von der Vorgesetzten Kirchenbehürde widerfahrene Behandlung zu erzählen mußte, das ging über alles hinaus, was man nur irgend für möglich halten konnte, wenn man von der Orthodoxie und ihren beamteten Hütern sogar starke Dinge erwartet. Soll cs nun wirklich ohne Sühne bleiben, daß zwei junge Offiziere, weil ihnen eine Predigt nicht gefiel, eine gröbliche Störung des Gottesdienstes verursachten, indem sie ihre Soldaten strammen Schrittes und mit klirrend schleppenden Säbeln aus der Kirche führten? Dieser Meinung scheint der Kriegsminister zu fein, diese Ansicht wurde heute auch von dem antisemitischen Pastor Mumm, dem Stiefschwiegersohn Stöckers, und befremdlicher Weise von einem freikonservativen Redner vertreten, aber cs fand sich ein Geistlicher im Hause, der den Mut zu einem wundervoll kräftigen Wort hatte. Und das sollte ihm den allen gedankt iavrden, die, gleichgültig, -wo sie parteipolitisch stehen, ihre Seele noch offen gehalten haben für die Stimme des Gewissens und der mannhaften Überzeugung. Der freisinnige Abg. H e h n, Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächt- niskirche, nannte die Dinge beim rechten Namen, als er, gegenüber der Behauptung des Lizentiaten Mumm, Pfarrer Kraatz habe auf der Kanzel nicht „in dieser Weise" seine Obrigkeit, seine Vorgesetzte Behörde angreisen dürfen, die heikle Frage stellte, wie der P r o t e st a n t i s m u s wohl hätte entstehen und aufblühen können, wenn einer seiner ersten Begründer, Mariin Luther, sich an die Norm gehalten hätte, daß man eine Vorgesetzte Behörde nicht angreisen dürfe. In der Tat, das ist das entscheidende Wort, und nian kann es dem Redner glauben, daß er und seine Freunde dir Angelegenheit nicht im Sande verlaufen lassen werden. Alle, die es angeht/ sollten aber aufmerken, wenn der Abg. Heyn hinzufügte, daß nach solchen Proben der Beschränkung der Gewissensfreiheit der Zudrang zum Beruf des Geistlichen immer geringer werden müsse; denn junge, strebsame, weitblickende Leute fürchten, daß sie durch das kaudinische Joch hindurchgehen müßten. Die Rede des Abg. Hehn wurde von den Konservativen mit auffallender Nervosität mitangehört. Selbst zu Pfuirufen verstiegen sich die edcln Herren von rechts, und als er gar erklärte, die freisinnigen Geistlichen würden sich nicht „wie stumme Hunde" behandeln lassen, schienen die Konservativen entsetzt darüber, daß ein Pfarrer an der Kirche, die den Namen des alten Kaisers trägt, solche Keckheit aufzubringen vermag. Es ist doppelt erfreulich, daß eine Rede, wie die des Abg. Hehn, gerade im Reichstag, unter dem Schutz der Immunität gehalten werden konnte. So wird wenigstens dieser aufrechte Mann vor der'Schnüfflertätigkeit orthodoxer Ke Herrichter bewahrt bleiben.
DsutscheZ Mich.
* Hof- und Personal-Nachrichten. Der König und die Königin von Dänemark sind gestern abend 5 40 Uhr von Nizza über Lvon nach Frankfurt er. M. abgereist, wo sie sich vor ihrer Rückkehr nach Kopenhagen eine Woche aufhalten.
* Die Nationalflugspende. Die Sammlung für dir Nationalflugspendc hat in Hamburg bereits über 161000 Mark ergeben.
* Die deutschen Teilnehmer an dem internationalen Schiftahrtskongreß, darunter Vertreter der preußischen, württembergischen und sächsischen Regierung, der Technischen Hochschulen in Berlin, Danzig und Dresden, zusammen etwa 70 Vertreter, traten mit dem Dampfer „Friedrich der Große" vom Norddeutschen Lloyd die Reise nach New Dort an.
* Kirschner Ehrenbürger von Berlin. Der Magistrat nahm das Rücktrittsgesuch des Oberbürgermeisters mit Bedauern zur Kenntnis und beschloß das Gesuch zu genehmigen, sowie dem Oberbürgermeister das Recht eines Ehrenbürgers zu verleihen und als Pension das volle Gehalt zu gewähren.
* Der Senior der deutschen Bischöfe gestorben. Weih- bischof I)r. Gockel zu Paderborn, der Senior der deutschen Bischöfe, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
3£«MU<% Io. Isrt&i
* Dr. Solfs Afrikareise. An einer demnächst zu unter
nehmenden Afrikareise des Staatssekretärs Dir. Sols wird auch der bayerische Bundesratsbevollmachtigte Ministerialrat Dr. Wolf teilnehmen. Er ist Referent für koloniale Angelegenheiten im Bundesrat und wurde vom Staatssekretär persönlich eingeladen. Es ist auch geplant, wenn es die Ze'.k irgend erlaubt, die Fahrt auf Deutsch-Ostafrika auszudehnen.
* Für Frauenwahlrecht. Bon den von den Sozialdemokraten in Groß-Berlin einberufencn 40 Versammlungen zugunsten des Frauenwahlrechts tagten gestern in Berlin selbst 24. Zu erheblichen Zusammenstößen kam es nicht.
* „Die gottlosen Zeppelinluftschiffe." Zu der in der gestrigen Morgen-Ausgabe unter dieser Spitzmarke wredeLge- gebenen Meldung aus der Frankfurter Monatsschrift „Glaubund Tat" von einer Beschwerde beim Grafen Zeppelin über die Ausfahrten der Zeppelinkreuzer während der Gottes- dienstzeit am Sonntagvormitiag sei richtig gestellt, daß bie Spitzmarke des Frankfurter frommen Blattes natürlich rncyt die von uns gewählte obige ironische war, sondern eine andere. Sie hieß: „Graf Zeppelin und die Sonntagsheiligung/ Die Beschwerde scheint übrigens doch nichts geholfen zu haben: denn gestern Sonntag überflog die „Schwaben" wieder gerade die Ortschaften des blauen Ländchens, als die Kirchenglocken zum Gottesdienst riefen, ohne daß man die stolze Fahrt des Luftkreuzers als eine Beeinträchtigung der Sonntags- Heiligung empfunden hätte. Sich durch solche engherzigen Bedenken die Freude an den Schöpfungen Zeppelins verderben zu lassen, bleibt eben den Muckern überlassen.
Parlamentarisches.
Ein Kompromiß in der VranntweinkontrngentSfrage In der achten R e i ch s t a g s k o m m i s f i o n wurde folgender Kompromißantrag zu § 2 des Gesetzes zur Besel- tigung des Branntweinkontingents angenommen: /Die Verbrauchsabgabe erinätzigt sich für die in Bayern, Württemberg und Baden innerhalb des Kontingents hergestellten Alkoholmengen für die gewerblichen Brennereien um 0,05 M., dm andereii Brennereien um 0,075 für den Liter. Die Vorschrift, daß in den genannten Staaten die Vcrbrauchsabgabe für ge. werbliche Brennereien um 0,06, für andere um 0,075 unter! der allgemeinen Verbrauchsabgabe bleibt, kann ohne Zustimmung dieser Staaten nicht geändert werden. § 3 wird nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen. 8 4 in der Fassung des Kompromißantragcs: Vor dem 1. April 1913
betriebsfähig hergerichtete landwirtschaftliche Brennereien und Obstbrennereien, die in dem Bctriebsjahrc nicht mehr als zehn Hektoliter Alkohol erzeugen, dürfe tt ihr ganzes Er- zengniS zu dem Abgabensatze voii 1,14 M. für den L'ter her- stellen — angenommen.
Zur Vertagung des Landtags. Eine Besprechung des Präsidenten deS Abgeordnetenhauses mit den Parteiführern hat das Resultat ergeben, daß maii die wichtigsten kleineren Vorlagen vor Pfingsten erledigen will, vielleicht mich das Gesetz über die Sparkassen, jedenfalls auch den fortschritt» lichen Wahtrechtsantrag, so daß dann ungefähr am 2 4. M a i die Session bis zum Herbst vertagt werden könnte, vorausgesetzt, daß das Herrenhaus nicht an den noch zu erledigenden .Gesetzentwürfen Änderungen vornimmt. Die Steuergesetze und das Wassergesetz werden natürlich erst im Herbst erledigt.
v. Tirpitz über den defensiven Charakter der deutschcii Flotte. In der Budget! o m m ission des Reichstags erklärte der Staatssekretär de§ ReichSmarineamts v. Tirpitz bei der Beratung der Novelle zum Flottengesetz, was di« Kriegsgefahr im Sommer 1911 anbetreffc, so habe Premierminister Asquith erklärt, daß eine Absicht des Überfalls nicht bestanden habe. Von einer solchen Erklärung müsse Akt genommen werden, daS sei auch durch ihn mit besonderer Genugtuung geschehen. Die Tatsache, daß durch die militärischen Befehlshaber vielleicht auf beiden Seiten gewisse Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden seien, sei wohl unbestreitbar, beweise aber keine bestimmten Absichten der politischen Leitung. Der defensive Charakter der deutschen Flottenrü st u ngen trete in der ganzen Flottcngesetzgebung so deutlich hervor, daß eS überflüssig sei, ihn weiter zu betonen. Nur eine starke, überlegene Flotte komme für die Aggressive in Betracht. Er denke zu hoch von der englischen Admiralität, als daß er ihr zutrauc, daß sie einen deutschen Angriff auf die englische Flotte oder Küste überhaupt in den. Kreis ihrer Betrachtungen hineinbeziehe.
Die Gesamtsumme, die dem damaligen Bedürfnis völlig ge- I mißte, betrug ungefähr 325 Taler. Dieser Betrag reichte sogar nicht nur aus, sondern er ermöglichte sogar noch die Anlegung eines Fonds für außergewöhnliche Zwecke. Besonders freigebig war der Kurfürst selber, der schon 1688 2000 Bände geschenkt hatte, darunter Seltenheiten und wertvolle Prachtausgaben. Bei einer damals vorgenommenen Zählung hatte die Berliner Kurfürstliche Bibliothek einen Bestand von 20 000 gedruckten Büchern und 1618 Handschriften. Welch eine gewaltige Sammlung seit diesen Anfängen aus der Bibliothek wurde, beweist die letzte Statistik, nach der im Dezember 1910 1400 000 Bände gezählt wurden. Der An- schaffungsbetrag in diesem Jahre erreichte 124 000 Mark.
Kleins Chronik.
Theater und Literatur. Der Zustand August S t r i n.d- b e r g s hat sich weiter verschlechtert. Der Kranke hat in den letzten 24 Stunden keine Nahrung mehr zu sich genommen und kann nicht einmal mehr sprechen. Die Ärzte fürchten jeden Augenblick den Eintritt des Todes. — Josephine Strakosch, die Tochter von Alexander Strakosch, und Fräulein Hedwig Matheus (früher Lehrerin der Rezitation in Reinhardts Thcatcrschule) haben in Berlin eine Theaicrakademie ins Leben gerufen, an der als Lehrkräfte lt. a. Oberregisseur Emil Lessing vom Lessingtheater und Kapellmeister Edmund v. Strauß von der Berliner Hofoper wirken werden. — Die W agnerfestsp i cIe in Brüssel, die dort im Thsatre de la Monnaie in deutscher Sprache stattfinden, endeten mit einem glänzenden künstlerischen Erfolge. Es fanden unter Lohses Leitung zwei Aufführungen von „Tristan und Isolde" und dann vier Abende des „Rings des Nibelungen" statt. — Die Verhandlungen zur Sanierung der Berliner Kurfürstenoper nehmen einen so günstigen Verlauf, daß das Unternehmen in der alten Weise wird fortgeführt werden können. Cmmy Destinn wird in der kommenden Spielzeit bei Direktor Moris 20 bis 25 Gastspiele geben. — Das Weimarer Wildenbruch- denkmal wird kein Standbild, sondern eine monumentale Drnnnenanlage werden, die wahrscheinlich auf dem Sophien- ftiftplatz Aufstellung finden wird.
Bildende Kunst und Musik. Professor Walter Schott, der Berliner Bildhauer, und seine Gattin, eine Tochter von Professor de Ahna, begingen das Fest der silbernen Hochzeit. — Bei einer Versteigerung in London wurde für das von R a e b u r n gemalte Portrait des Frls. Hay von der Firma Dupeon Brothers der Preis von 450 000 M. bezahlt. Ein Bildnis des Generats Hay brachte 105 600 M.
Wissenschaft und Technik. Geh. Negierungsrat Pros. De. Nernst konnte am Freitag das 25jährige Doktorjubiläum feiern. Der Jubilar ist den weitesten Kreisen durch die von ihm erfundene Nernstlampe bekannt. — Das Königreich Siam wird demnächst eine Landesuniversität erhalten. Sie soll in der Hauptstadt des Landes, in Bangkok, errichtet werden und vier Fakultäten umfassen: eine medizinische, eine für Rechts- und Staatswisscnschaft, eine philosophische, in der hauptsächlich die Pädagogik berücksichtigt werden soll, und eine Fakultät für Technik, Handel und Landwirtschaft. — Die russische Regierung hat bei der B e r. liner Universität ein juristisches Seminar zur Einführung von russischen Studenten in das deutsche Recht eingerichtet. Die privatrechtlichen Übungen leitet her Privat- dozenk Prof. Dr. Neubecker, die strafrechtlichen der Privatdozent Dr- Ernst Deläqnis. — In seiner Wohnung in M ü n ch e n ist der bekannte Forschungsreisende und ehemalige'kaufmännische Beirat Wißmanns, Eugen Wolf, im Alter von 62 Jahren nach zehntägiger Krankbcit am TyvhuS gestorben. Der Verstorbene war am 24. Januar 1850 in Kirchheimbolanden als Sohn eines Arztes geboren und ging im Jahre 1889 nach längeren Forschungsreisen in Südamerika, Zentralafrika und Madagaskar als Quartiermacher der Wihmannschen Schutztruppe nach Sansibar. 1890 nahm er an der Strafexpcdition nach dem Kilimandscharo teil und machte auch 1894 im Hauptquartier des Generals Duchesne den französischen Feldzug gegen die Hovas mit. Die Erfahrungen seiner weitausgedehnten Reisen, die ihn später auch nach Ostasien führten, legte er in einer Reihe wissenschaftlich bedeutender Schriften nieder, auf Grund deren er zum Mitglied der Münchener Akademie der Wissenschaf, ten ernannt wurde.
