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Verlag Lattggaffs 21

„Tagbl»tt-Haus".

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12 Ausgaben.

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„Tagdlatt-Haus" Nr. LK5V-53.

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Montag. 25. Marz 1912.

Wehrvorlagen und Oeckungs- srage.

Wenn auch eine genaue Würdigung der Heeres- und Vlottenforderungen selbstverständlich erst, möglich sein wird, so bald an Stelle der sehr lückenhaften Mittellun­gen der „Nordd. Allg. Zig." genaue Angaben über dir Einzelheiten der von der Armee? und Marine- Verwaltung gemachten Vorschläge vorliegen, so.läßt sich doch schon setzt aus der Aufnahme des offiziösen Ex­poses der Schluß ziehen, daß der eigentliche Kamps im Reichtstag sich nicht um diese Vorlaaen. sondern vielmehr um die D e ck u n g s f r a g e absvielen wird. Es ist lediglich dem Zentralorgan der S o z r ai­de m o k r a t i e Vorbehalten geblieben, die Forderun­gen der Regierung als „uferlos" zu bezeichnen, wäh­rend auf der anderen Seite sich selbstverständlich. wte zum Beispiel in der sreironservativen „Post" Stimmen erheben, denen die Wehrvorlagen noch lange nicht Welt genug gehen. Im übrigen ist unschwer zu erkennen, daß sich auch bei dieser Beurteilung ein gewisser Ressortpartikularisrnrls geltend macht, in§= besondere nach der Richtung hin, daß über die Zurück­setzung der Flotte zugunsten des Heeres Klage erhoben Wird. . r rl

Was nun diesen Punkt betrifft, so ist zu beachten, daß dem Reichstag bisher noch niemals gleich­zeitig eine Heeres- und eine Flottenvorlage zllge- gangen ist, und daß eben deshalb ein besonderer Grund vorlag, das Notwendige und das Wünschens- werte gegeneinander abzugrenzen. Wenn diesmal der Löwenanteil auf öen Ausbau des Heeres en<- fallen ist, so beruht dies auf der Überzeugung der lei­tenden Kreise, daß die schleunige Durchführung 0 er durch das letzte F r i e d e n s p r ä s e n z g e s e tz erst für spätere Jahre in Aussicht genommenen Ergänzun­gen und Vermehrungen unserer Landarmee dte dringlichere, eine unaufschiebbare Aufgabe let. Und zwar eine Aufgabe, die — man wird das mst aller Offenheit aussprechen dürfen -7 sich m erster Reche auf unser Verhältnis m i t S rankrerch be­zieht. Es mag paradox klingen, wenn^wrr sagen Datz dies mit den Bestrebungen der Herstellung besserer Beziehungen zu Frankreich zusammenhängt. Aber der Standpunkt der leitenden Kreise, daß dieses Ziel erst dann mit Sicherheit erreicht werden wird, wenn den Franzosen die Überzeugung von der Undurchs uyr- b a r k e i t ihrer R e v a n ch e p l ä n e betgebrachi wor­den ist, hat vieles für sich. ,

Und wir nähern uns diesem Ziel. Wenn oie fran­zösisch» Presse in. der Besprechung der deutschen Wehr- Vorlagen betont, daß nunmehr zu erwägen sei. mw:e- weit unter so veränderten Üniständen eure Verstärkung der französischen Wehrkräfte erforderlich seu. so ber­sch l i e ß t nran sich jenseits der Vogesen absichtlich der Tatsache, daß wenigstens die Vermehrung der Land- armee in der Bevölkerunosziffer, die rn Deutschland um drei V i e r t e l M i l l i 0 n e n jährlich, in

Kbend-Kusgabe.

Frankreich um etwa 30- bis 40000 anwächst, eine kaum noch zu überschreitende Grenze findet, ^re beiden Punkte, in denen die Franzosen uns bisher überlegen zu sein glaubten, bezw. waren, sind die Artillerie, für die das übrigens bestritten wird, und.die Mili­tär l ust sch if f ah r t, für die es, wenigstens hin­sichtlich des Militärflugzeugwesens, unbestreitbar ist.

Die Heeresvorlagen bringen deshalb neben den vier­zehn Infanterie-Bataillonen für Preußen und dem H'st fanterie-Regiment für Sachsen Neuforderungen für die Feld- und Fußartillcrie und vor allem die Aus­stellung einer Fliegertruppe die als eme ganz besonders dringliche und wichtige Aufgabe allgemein anerkannt wird

Angesichts der Mehrforderungen der Heeresverwal­tung sind die der M a r i n e v e r w a l tu na auf ein verhältnismäßig geringer e s Maß Mruckgeschrauot worden, wobei ganz unverkennbar oer standpu. tt f ' gehalten wird, daß nicht etwa ein Wettrüsten mit England, zu dem uns w auch der Atem mch. laiigeii würde, geplant ist, sondern daß es sich hieroer INN 0 f 0 n f '1 p m ^ n 0 i) Vtt C Tt v)ßTtbß*~. Wie bei der Landarmee das Fliegerkorps, so stellt bei der Flotte die beabsichtigte Besch eumguna des Aus­haus unserer U n t e r s e e b 0 0 t d f I o^t t i l l e die dringlichste Forderung dar. Aus «variamkeüs

rücksichten hat hier die Marineverwaltung zuruckgehal teil, solange das Unterseeboot sich nn «tudunn^des Er perimentierens befand: fetzt aber gilt e». das Ver

säumte mit verdoppelter Kraft nachzuholen.

Nach allem, was man über die Stimmung bei den Parteien hört, wird, abgesehen von der im Prm t\ü negierenden Sozialdemokratie, den Wehrvorlagen von keiner Seite grundsätzlich Opposition gemacht wer­den wenn auch selbstverständlich die Forderungen rm

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Ter Schwerpunkt wird aber, wie schon betont, m der Deckungsfrage liegen, da die von dex Regierung vor- aeschlaqene Aufhebung der B r a n n t w e 1 n «S J. e b e »- q a b e' angesichts der damit verknüpften EnMadigung für die s ü d d eut s ch eM. Brenner für dte Reichskasse

Nr. 143. 60° Jahrgang.

nur höchstens etwa 30 Millionen Mark bringen wird, fo daß also M Durchschnitt 83, im Jahre 1914 sogar 97 Millionen Mark auf die Überschüsse des Jahres 1911 und die laufenden Einnahmen verwiesen werden. « 0 - mit dürfte sich die Wehrvorlagendebatte vor allem zu einer finanzpolitischen gestalten, bei der.von libe- r a l e r Seite die C r b s ch a f t s st e u e r in den Vor- derqrund gestellt werden wird mit Berufung darauf, daß, wie aus den Kundgebungen ^er letzten Tage. he - vorgeht, bei den Regierungen Sachsens. Würt­tembergs Badens, Hefsens und sogar, trotz­dem Freiherr v. Hertling dort Ministerpräsident ist, aiich Bayerns eine starke Stimmung dafür vorhanden war, seht, nach dem durch die Wahlen vom 12 wnuar herbeigeführten Unischwung, diese — Erbschaft lws Fürsten Bülow mit der Rechtswohltat des Inventar- anzutreten.

Die bayerischen Truppenverstärkungen.

wb. München, 23. März. Die bayerische Heeres- Verwaltung beabsichtigt anläßlich der Heeresverstarkung die nachstehenden Maßnahmen auszufuhren. Bei der Infanterie soll eine Anzahl Bataillone auf höhere Etats gebracht iverdeii. Zivei Batailloue werden von dem diesseitigen Bayern nach der . Pfalz verlegt, der Grenze benachbarte dritte Division Wird dadurc) schon im Frieden ans die volle Anzahl von Bataillonen gebrachst Bei sämtlichen Infanterie-Regimentern

denen noch keine Maschinengewehrkompaguren Mgeteitt sind, sollen Maschinengewehrkompagnien errrcktet wer- deii Die Zahl der Stellen der Maiore und Haiipt- leute beim Stab und den Jnfanterie-Rearmeniern soll vermehrt werden, um über die bei Besetzung der «baos- offizierstellen der Mobilmachuiigsformatron benötigten Offiziere zu verfügen. Beim fünften d^aulegers- Reqimeiit in Saargemünd wird eme fünfte Eskadron errichtet Fünf Artillerie-Regimenter sollen die noch fehlenden sechsten Batterien erhalten, -vre Batterien niederen Etats sollen auf mittleren Eta gebracht werden. Mit Rücksicht auf den Bedarf an Offizieren im Mobilmachungsfall ist beabsichtigst bei der Feldartillerie Stellen für. s^chS Oberst eutnanst­und sechs weitere Hauptleute beun ^taoe zu etatisteren. Die Fußartillerie-Brigade wird in drei Reaunenter je zwei Bataillonen gegliedert. Als Standorte sollen zugewiesen werden: dem ersten Regiment München und Neuulm, dem zweiten Metz, dem dritten Jngolitadst Jedes Regiment erhält eine Bespannunasabteilung. Die in ' den Etats schon bestchenden Bespan.nungZ- abteilungen werden erhöht. Bei den Pionieren wird ein viertes Bataillon gebildet: zwei Kvmpagiuen werden neu errichtet. Bei den Verkehrstruvven wer­den die Etats erhöht. Das Telegraphen-Batarllon er- hält eine dritte Kompagnie und eine etaene Bespan­nungsabteilung. Eine F l i e g e r - K 0 mö a g nt c wird neu errichtet. Bei den Pionier-Bataillonen 1 ollen vier Kompagnien attfgestellt werd en. . Endlich ^werden vier Landwehrinspektionen errichtet mit dem 'Litz m München, Nürnberg, Würzburg und Landau, ^te Durchführung der beabsichtigten organisatorischen Maß­nahmen ist verteilt auf die..Jahre 1912 bis 1914.

Rückwirkungen und Komntentarr im Ausland.

M Paris, 25. März, über die deutsche Heeres- Vorlage äußert sich im „Paris Journal" der Abgeord- nete Painlevch Mitglied der Militär-Kommisiwn,. sehr be s 0 r g t. Er sagt, man kann sich die Wichtigkett dieser Gesetzes-Vorlage tticht verhehlen. Dieser Schrrst Deutschlands scheint zu beweisen, daß unser Nachbar bte Absicht hat, eine Heeresmenge anzusammeln, bte Frank­reich von Norde tr und O st e n überschwemmen kann. Die „Tribüne" fordert angesichts der deutschen Wehr­vorlagen die sofortige Wiederherstellung der fratt- z ö s isch en S e eh er rs.ch a ft im M rt t elm e er, die durch die ö st e r r e i ch i s ch e n und rtaltenr- ^ scheu Dreadnoughts bedroht sei. _

(RacWruö serbotnt)

Berliner Theater- und Kunstbrirfr.

Von Felix Poppenberg.

NeinharötZ „Schöne Helena".

^heatc des Westens wurde die Neuinszenierung der „Schönen"Helena" durch Max Reinhardt unter der tempe- ramentssiarken tnusrkalischen Leitung Oskar Frieds stürmt'ch beiubelt/ Und führend beteiligten sich an dem Applaus dte beiden fürstlichen Husaren in der Hofloge, der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich, die mit ihren Dauten der Vorstellung höchlich amüsiert b.s zum späten Ende beiwohnten. Vor allem der Kronprinz war dankbar für dich Fmte der neu en>- gespickten guten und schlechten Witze Er schüttete sich aus vor Lachen, und als Menelaus heimkehrend beim Anblick der in Paris Arnt nach getaner Arbeit gut ruhenden wueren Gattin das große Wort gelassen aussprtcht- aha, die H-rau ,n Haus und Beruf, schlug er immer wieder auf die Logen­brüstung, eine Parallelebewegung zu dem bekannten Schenkel­klatschen seines Herrn VaterS.

Die Vorstellung bot auch denett, die r'.e ..^.nche-- ner Uraufführung kennen, manches Neue. Bezau­bernd waren die Bühnenbilder und Kostumphantasten Erng Sterns, besonders das erotische Caprweto de^ Helena- Boudoirs, eine Sinfonie in Blau und Weiß. Alle ^««82 und Draperien in der Raffung von Jupons- und -°o^chen- Volanis: und im Kopfbrett des vom Lamptgnon uber>chtene- neu Bettlagers die Ahnenbild-Jdylle der Leda (mtt entzücken­der Rückenkurveß den Schwan im Schatz.

Voll espritvoller Einfälle war die Faroengaukelet der

Kostüme in ihrer pikanten Mischung aus travestierter Antike j und Nuancen der Eugeniezrit.

Die schwirrenden Tänzerinnen, englische Girls mit Puppenköpfen und Barrisonbcincn, trugen um die Hüften wippende wufchlige Plisseeräudcr, letzte Andeutungen von Ballettreifröckctt. Darunter ein verwirrendes krisseligeS Seidcngewagc in Blau, Grün und Flamingorosa, und di- Beinchen mit ihren Bändertufss und Volantkrünzen wirkten, wie phantastische Knallbonbons. Und zu diesem märchenhaf­ten, verheißungsvollen Unterland — xnrisrrs promise unt die Schultern die Schaldrapierung des zweiten Kaiser­reichs und den Kapottehut.

Und sehr witzig im letzten Akt am Strand des giechischen Familienbadcs, in Nauplia, wie sie in schwarzen, .mit Gold- ste''nen gestickten Hemden über dem Trikot herumhüpfcn und dazu die zierlich hohen Stockschirmchen der Eugeniemode schwingen.

Luftige und dekorative Raumwirkungen kamen aus der Einführung des über das Parkett führenden bekränzten Lauf- steaes, auf dem wie auf dem „Blumenpfad.. des japanischen Theaters die Hauptfiguren hoch über den Häuptern der Zu­schauer auf die Bühne schreiten, in die farbig geballte Maste deS an die Rampe gedrängten Chors hinein. Und die Be­wegung der Massen und der einzelnen tvar auf einen burlcs.- bacchantischen Tauzrhythmus gestimmt.

Die stärksten Wirkungen kämen dabei — da die Helena der Ilona Haydu mehr grell als blühend tvar von den Darstellern, von der satten Drastik des Großaugur.Polo» Deutsch, der erschütternden, zitterigen Zipperleinskomik des • Menelaus Pallenberg, einer Charakteristik höchsten Range» der drallen Laune des „wohlgebauten" Paris-Kutzrter.

' So hielt die schöne Helena ihren strahlenden Emzug.

Kesrdenz-Tlreater.

Samstag, den 23. März: „Die Brüder von St.

Bernhard". Schauspiel in fünf Auszügen von A. O h 0 r n.

Auf den „Probekandidaten" eine pteprise der „Bruder von St. Bernhard", die am Samstag, von D-r. Rauch mit sichtlicher Liebe vorbereitet, in schöner dekorattver Aus­stattung und in einer guten Darstellung erneut über die Bühne gingen. Merkwürdig, wie diese Art Stucke, in denen eine Opposition lebendig tst und die oft förmlich wte eme Satire in ihrer scharfen Wahrhaftigkeit wirken, beim Publi­kum „ziehen". Der Geist der Opposition durchdringt heutzu­tage eben alle Verhältnisse. Er ist überall, je nachdem mehr oder weniger, vorhanden; er dokumentiert sich auch, und wenn cs nur auf die ungefährliche Weise geschieht, daß man derartige Stücke besucht und ihnen starken Beifall zoll.. Bekanntlich war der Verfasser dieses Stückes, Anton Ohorn, selbst einmal Mönch. Er weiß genau, daß der Mensch mit seinen guten und schlechten Eigenschaften auch yrnter^dew Mauern eines Klosters nicht aufhort, Mensch zu stm nbioluB Leiliakeit aller der Bruder wäre vielleicht auch gar zu langwellig— und so wurde das ergreifend- Mönchsschick a des Stückes zu einem Menschenschick,atz das wä^ ans H z faßte Das tat es aber fast noch mehr, als Herr Hetevrugge seligen Andenkens mit seiner temperamentvollen Art bcn »ru. bcr Paulus spielte. Herrn N e e l it a - 0 I Charaktere,

meutsrollen, wenige ^ Wärme, und in dem Be-

Seinem Spiel mangelt dm innere m

streben einfach und natürlich zu em, wirrt er 0|t itoacn. Dem ist er auch in dieser Rolle nicht immer entgangen wenn « 7nanchen Moment voll dramatischer Wucht und cr- areifenden Akkorden hatte. Die übrige Besetzung..ist wohl b-- Lnr.<- doch mag noch einmal Herr Rücker erwähnt werden, der ^en Pater Fridolin, diesen milden Greis, mit emer rührenden Innerlichkeit und Wahrheit verkörperte, ferner