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Sonntag, 24. März 1912.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 142 . ♦ 60 . Zahrgang.

Die Politik der Woche.

Ms erne Woche der Krisengerüchte imtö» der Dementis tonä» Ser Chronist die letzten sieben Tage verzeichnen innssen Auch heute noch wollen die dllarmmeldungen, wo­nach Ser Rücktritt des Smatssetreiärs Wermuth nicht das Ertde, sondern nur den AUfang einer Krisis bedeute, nicht verstumme!:, und die Gübävdenfpäher und Zeichen- Lenter stMm bald dem Reichskanzler v. Bethmann-Holl- wea. Valid dem StaatGetretär v. lttderlen-Wächter das Horoskop, wobei Wese in scharfen, angeblich auf Meinungs­verschiedenheiten Wer die Flottenfrage begrüNdetm Gegen­satz zum Staatssekretär v. Tirpitz gebracht werden. Bon offiziöser Seite sind alle diöse Gerüchte uns Kombinationen in das Gebiet der Fabel verwiesen worden, aber die Er­klärung des Finanzministers v. Seydewttz, derzufoWe die sächsische Rogiemng im BuNdesrat für Vre Erüschafts- steuex eingetreten sei, Mithin die von der „Noddd. Allg Zta" bekundete Einmütigkeit der Verbündeten Regie runoon in dieser Frage nicht vorhanden war, hat gezeigt, daß doch nicht alles Gold ist. was die Offiziösen glanzen lassen. Jedenfalls geht Wer daraus, daß der Kaiser, eMvrecheNd den ersten, vorübergehend umgestotzenen Dispositionen, am Freitag seine Mittelmeerreise, die ihn über Wien und Venedig führt, angetreten hat, >emwands- frei hervor, daß zurzeit von einer inneren KrOs ebenso- weniq die Röde sein kann wie von der Wahrscheinlichkeit ernster internationaler Konflikte, da sich der Monarch n einem solchen Falle sicherlich nicht auf eine längere Ab­wesenheit von der Heimat eingerichtet hatte. Von ziöser Seite ist versichert worden, was vielleicht nicht überall gläubig ausgenommen Wurde, daß Are S^ant ge­wesene Verzögerung der Kaiserreise lediglich cmf den Bevg- arbeiterstrcik zurückMführen sei, welches Hindernis M unterdessen durch das Ende des Ausstandes, das eme durch Nichts zu verschleiernde, völlige Niederlage der von ihren Führern sehr schlecht beratenen Arbeiter bedeutete,^ ent­fallen ist. Welche Bedeutung der Kaiser den Vorgängen im Ruhrgebiet beimaß, geht aus den in der ttuterrednnig mit den Reichstagsprüfldenten gefallenen Worten hervor. Iw übrigen ist dieser nachträgliche Empfang des ge- sa n: t e n Präsidiums allgemein als mc erfreulich.

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eines ernsten inneren oder äußeren aktuellen Km: skiktes darstellt. Daraus geht schon hervor, daß kein Anlaß voMegi. die viel erörterte Flot tenredc Churchills

(Nachdruck verboten.)

Das mißlungene Kunststück.

Von FrSdLric Bautet.

Autorisierte Übersetzung von Gutti Alscu.

,0h- war ein kleiner, recht schwächlicher. elend aus- schender Schimpanse und kam aus Westaftika.

... nsbnion oder gar den Gerüchten von einem

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beiW-messen, gegen die schon der Besuch des Kaisers in der

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r«l l rtät betrifft, die zu >den Wlichen „Mißverständnissen Anlaß qe«bm hatte, so hat Herr Ehurchill. möglicherweise auf Zurede« des Premierministers Asgurty, sich veranlaßt Sch n, seiner Rede ein PoMriMm hinzuzusugen, das ickon wesentlich friedlicher klang, und wodurch Wgleich das 'S vrm deuMer Seite dementierte Gerücht von emem angeblichen Abbruch der deutsch-englischen Berstäuldiguugs- veohaNdlnngen widerlegt wurde. Man weiß setzt also, daß Welse ^Besprechungen fortdauern, und daß sie u. a. auch Z L SeTriWd vereinbarten Riachrichten- Austausch Wer die beiderseitigen FlottenauSrüstungen gelten. Was bei dieser Politik des offenen Fensters- wenn wir dies Wort als Analogon zurchAmen- Mr bilden dürfen - herauskontmen wldd, bletbt aiigeiichts des gcheimnisvollen Schweigens der Diplamatiie ^ avzu- warten wird aber am ENde auch von dem Schicksal, de» Kabinetts Asquith abhängm, wMes durch das Scheitern der Eimigungsversuche :m BerMirbertevst«:! und durch den Widerspruch sowohl der Arbeiter wie der, konservativen Auvosttion neuen das MiNdbfllohngefetz einigermaßen un- M «L7ist Ebenso wie im englischen Berg­arbeit erstreit keine der beiden Parteien einen, wenn auch mmcreu Vergleich dem jetzt seinen Fortgang nehmenden fetten Prozeß' vorziehen will, siüd -auch dre Versuche der Mächte, eine VermitÄungsformel für die Beendigung de -itW i ent isch-türkt scheu , W afseug K-nge s zu finden, bisher ergebnislos geblieben uNd scheinen auch fu die nächste Zeit keinen Erfolg -zu versprochen, da strr beide Teile in bezug aus das heißumilrittene Tripolis Aas Wort des Dichters gilt: „Ich lann dich nicht halten und kanndich nicht lassen, ich kann dich nicht missen und laun dich nicht fassen'" So nimmt denn das blutige Kriegsschansv'.el seinen Fortgang, und so ziehen jetzt abermals 25 M0 Ndaun italienischer Truppen zur Höhle des tripolitamichen Löwen, in die viele Spuren hinein, aber wert weniger hinaus-

^^Auch die französisch-spanische Marokko

auseinandersetzung, die schon mehrfach aus dem toten Punkt angelaugt zu sein schien, verlaust rn sehr un- frrundlichen Formen und scheint von einer EMiWng weiter denn je entfernt zu sein. Kein Wunder,,daß demjenigen, dessen Bärenfell geteilt werden soll, nämlich Mnley Hatzd, in seiner Haut allgemach ungemüMch wird. Wenn , dre Franzosen den armen Sultan, jetzt bereits als hochgradigen Neurastheniker ausgebeu, so deutet Aas Aavauif hin, daß das Eüde seiner Scherifenherrlichteit wohl bald bevorsteht Dank vom Hause Frankreich!

politische Übersicht. ^

Fum Empfang fees Neichstagspräsifeiums durch feen Katfer.

Der Empfang des ReichslagÄPräfldiums Mr<h- ben Kaiser ist, wie die „DeuMe J-uruatpost ersrchrt. »Wer Begleitumständen erfolgt, die eines planten Beig schmacks nicht entbehren. Der erste Dizeprafident des Reichstags. Geheimrat Paasche, der m seinem Mtlita Verhältnis Rittmeister d. L ist, hat« wenige Tag- vor dem Empfang seinem zuständigen BezntÄMNMando mitaeteilt. daß er aus das Recht zuul Tragen der Uniform verzichte Diesem Antrag ist aber Nicht entsprochen worden, sondern GeheiMrat Paasche wurde ansgefovdert, wW cn den Kaiser enrzureichen im>d in diesem die Bitte aus sprechen, daß sein Nanie in der Liste der Landwehr- oS iziere denen idas Recht zum Umsormtiiagen zusteht, «e- Ken werde Mer die R-chtAage in diesem Falle, der kittwevluaben an die AMre des ObeOen a. D. Hüger rn

fiÄ Egendes ge­

schrieben: Für den Verzicht der Osftz-rere a. D. ans Aas Reckt die Uniform zu tragM, ist lediglich die von Wr Miti-

SS&ÜSSr3ä «sch« des Kammer-

gerichts im GAAke-Prozetz maßgebend. DerzusvM rann der Offizier a. D. aus das Recht verzichten undi dieser eM- seitiae Verzicht genügt, um ihn crtdgiiMi'g von dem Recht zu befreien? es bedarf dazu nicht der Zustr-nuruug de^ Königs. Hat er also an zuständiger Stelle — im vor- lieaenden Falle dem BezirksloMmaNdenr — den Derzlch. ausgesprochen, so ist er damit von dem Recht, die Uniform «. +na'ften und der hiermit vevbmrdenen Pflickst, dem Ossi-

KALK. Jm*m. •rw«5»JSff«

pes Verzichts untersteht er al,o den Mi.itatbehorden . keiner Weife mehr. Erteilen diese ihm dennoch nach deur Verzicht Besohle, so geschieht das unbefugt, und dieie Be­fehle müssen als Übergriffe angeschen werdm,

Ll e m geben, ist der Reserveoffizier, der auf die Uniform verzichtet hat, nicht verpflichtet. Die Forderung des Be- zirkswmmandeiurs, nach dem Verzicht noch cm besoWeres Gesuch einzureichen, lgeschwh daher unbefugtwar durch­aus nickt torrett. Geradezu unverstaWüch ist es aber, daß üi dem Gesuch die Bitte auf Streichung,aus den Asten Ae in Frage stehenden Kategorie von Offizieren ausgesprochen werden soll Hatte der betrefseüde Reichstagsabgeordnete ans dw Uniform verzichtet, s- war er aus der Kategorie der Offiziere? ivelche das Recht zum Tragen der Unffomr habem LsLZedm und es war eine sEtverMWlW- Pflicht der betreffenden >MMtärbehdrden, .ihn aus der Lrsü

Seine

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iher S der Kunstreiter. Akrobaten, Jongleure, Eqnl-

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bem ct W JUTsJtt Überredung und Geduld an.

SnLftfÄtte er sich^dm Lederpoitsche, als einer empöreu- ^ di v-m so zahlreichen Dresseuren benutzt

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gebrochen. ^ in j aus Algier zurück-

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man knapp die Passagiere zu xM J« ™

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.(eit daraus war der Bantier, dem .n-rns

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daß die meisten seiner Kunden sich dem völligen .rau.:

rrcxTP-iri'ifirr kabsn Der von diesen beiden Unglücksfillen aanz"zerschmetterte Merlis wurde zum Überfluß noch traük. Gräßliche Schmerzen warfen ihn sechs Monate lang aufs Krankenlager: ohne Familie, ohne Heim, allein, stöhnend undverzweiselnd hatte er diese schreckliche Zeit :m Krankcn-

^^Mutlos^Medergeschlagen. gealtert war er Ui seiner Entlassung Er hatte dann nach Kräften den Daseins­kampf aufzunehmen versucht, doch rhm fehlten die Mittel zur Anschaffung einer Truppe interessanter und ec

fühlte auch wobt, daß er Nicht mehr die Begeistemng dec Fugend besaß, und neue Gedanken Kl emer außichen.r- regenden Nummer, die ihm Ruf und Erfolg wiedergcgeben bätte kamen ihm auch nicht mehr. .

Monate gingen dahin, rmd der arnre Mann verbrauchte feine letzten Notgrofchcn:mr zu schnell. Ersah sich bereits dem Elend vreisgegeben, als ein Zirkusdirektor, den:

S ^nen Dienst erwiesen hatte und der sich dessen zu­fälligerweise entsann, ihm den jungen, soeben mit einer Anzahl anderer Tiere gekauften Schimpansen überließ Seit dieser Zeit hatte Vater Merlis ferne Lebenslust wiedergesunden und sich ausschließlich der Erziehung seines 2lfscp, den er „Sam" nannte, gewidmet, elus me aroße Klugheit und den staunenswerLeii Nachahmungstrub

der Schimpansen bauend, wollte er ihn, um da^>, ubUch. Repertoire mit dm altbekannten Kunststücken anziehende ,,, aeftalten, mit farbigen Kugeln und Tellern longlieru lassen Aber der unge „Sam" hatte keiness hervorragenden

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wie! wiederholen und belohnte ihn für ledes Gelingen mit «ncker Doch die Dressur schritt so langsam, so sch.-ppend weiter, daß Merlis mit Grausen den Tag nahen sah, an dem er keinm Pfennig mehr besitzen Wurde. D.reits --- gann er. sich Speise und Trank zu versagen, um nur seinen

meh?z?lernen hatte und sich -uit seinen Künsten öffentlich

mußte Merlis daran denken, ein EnggMment zu finden; d-as aber hielt noch schwerer, als di« Erzzeh.'.ng

Kams"! Der einst so bekannte Name Merlts war jetzt vergessen, und Affen hatte man bis zum ltberdrntz gesehen. Man verlangte etwas nie Gesehenes, ganz Uube^nnt s -r'rotz alledem erreichte Vater Merli» ver mög e ieme^ Ausdauer und Hartnäckigkeit dw Erlaubnrs stch nnt ^Sam dem Direktor eines großen Tingeltangels vorsteuen z

^Niemals hatte er eine so heftige Erregung empffmdm wie jetzt da er sich dem Manne gegenüber wh, von dem fein ferneres Leben abhing. Sern einziges BeschwmMf der Welt war ein 5-Frankenstück - Mid „Sam ! Auf „Sam allein ruhte feine ganze Hoffnung, und so suhlte er sich Lr ihm bisher ganz fremden « g«t - der Angst Vss Mannes der alles auf eme Karte setzen mntzi

Der' Direktor saß gleichgültig, eilig und E wenig ge-

lanaweilt da und Eichte eme Zigarre. „Sam s, iangweiii oa ihn ubem'achendeu

hinter cilnem Tisch, rn oer i essue

Merlis, und hatte den ersten Teil feiner Kunsqmcre oy

Zwifchenfall beendet. murmelte der Direk­

tor achfelzuckm^^,das ist^immer die alte Geschichte, alle

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biette umbiNdm. rauchen — olle, alle, alle tiu. sie D ,

sieht überhaupt nichts anderes; rckreck-

Er wird jonglieren", unterbrach Merle ihn schvect

erfüllt es ist stannenerrcgeud, wenn er longuen

Sam" ergriff gehorsam drei Deller warf den ersten in die Luft, dann den zweiten, darauf dm dritten. Als der erste niederficl, wollte er ihn ergreifen, doch oW« Zweifel eingefchüchtert, verfehlte er ihn underhwlt ck auf die Nase. Er stieß emen schrillen Schrei aus uno

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fcinicn HfEr.n^'wicder auf, warf den ersten nach oben — den zweiten? den dritten . . , und ohne ans ihr Herabfallen