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Uitsbsdmkr Tsgblatt

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Für die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen nnd Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Montag» 18. März 1912.

klbend-Ausgabe.

Nr. 131. * 60. Jahrgang.

3

vethmanns Katastrophe.

L. Berlin, 16. März.

Der Rücktritt des SchaMkretärs Wermulh ist -der beste ^radimesser Kr die Greste des poWschen wie momlilschen ^rfslges, den das Zentrum und mit ihm die Rechte erzielt hat. Der Reichskanzler hat seinen Frieden mit dem schw-arz- ^lan'en Mock gemacht, und die Schnelligkeit, mit der Nch diese seine WandLrng vollzog, muß auch dann der- ^lWenid wirken, wenn man chon vornherein schon ans den Um fall gesastt war. Noch am 16. Februar, also genau vor einem Monat, erWrte der KanKler im Reichstag MenWer dem ZentrnmSabgeordnet-en Speck, der die Wiedereinstringung der ErbansaWeuer als BrüMernng der Mehrheit von 1909 bezeichnet hatte: Das ist ein sehr starkes Wort,, hinter dem sich Machtansprüche Verheugen, die ich nicht anerkennen kann. Die Ber- vstndeten Regierungen bringen ihre Vorlagen nach sach­tchen GesichtspunA-en ein; da sollte von BÄskierung nicht gesprochen werden." Nach dieser Kanzlervede vom 16. Febr. durfte man erwarten, daß Herr Wermuth, der sich fit.'.- die ErimlsaLstener eingesetzt hatte, Herrn v. BeOmann-Hollweg hinter sich habe. Man dnr!ste es schon darum erwarten, drei! der Schatzsckretär staatsvechtAch der Untergebene ves Reichskanzlers ist, also eine derartig wichtige und bin­dende Stellunignahnte in einer entscheidenden Steuerfrage stbcrhanpt nicht ohne voranWglängene Zustimmung seines Borgesetzten wagen konnte. Die Wühlarbeit des Zen- ^u>ms hinter den Kulissen hiat, wie sich jetzt heraus stellt, KUm Ziele geKhrt. Das Zentrum dUMe sich ans Frhrn. v. Hertling verlassen und Herr v. HerKiny aus das Zen- ^Arm. So gelang ein Zusammenarbeiten, dessen taktische Gewandtheit man immerhin anerkennen kann, so v>Lnig auch seine Früchte Heßallm können. Herr Wermmh '^atte nicht bloß an die Erbansallstener gedacht, als es sür Gn galt, die volle Deckung der Mehrkosten für Heer uub Flotte zu beschaffen, sondern diese Steuer bedeutete für ihn Mir einen Teil der zu löseibde« Ausgabe. Daueben er- V»vg er auch Len Wegfall der BranntweinliebesgÄbe, Len letzt ja der Bundesrat dem Reichstag Vorschlägen wird, und Werner die Einführung eines Reichspetroleum- vronopols. Schon aus dem Umsang dieses Steuer- Programms geht hervor, daß die Beseitigung der Braumt- ivLinlrehesgahe, die höchstens 40 Millionen Mark im Jahre vringM wird, unmöglich hin reichen kann, um den R e h r b e d a r f Kr die Heeres- nnd FlottenverstärVung Rt decken. Auf weitere Steuervorfchläge hat sich dte DliNisterkorrfereirz unter -dem Vorsitz des ReLchÄanzlers Vicht einigen können, nnd das will sagen: Herr v. Beth- vlann-HoWweg hat darauf verzichtet, den von Herrn Äermuth proKamierten Grundsatz: Keine AusgaL-e vhne entsprechende Deckung, wirKich dnrchzn- Wihren. Wenn die gestern veröffeutlichte offiziöse Dar­stellung das Gegenteil hehauptet, so ist das ein ungewöhn- »ich dreister Versuch der Irreführung. Die Wahrheit ist, daß die dort gepriesenen bewährten Grund­sätze der Reichssinanzgeharung tatsächlich aufgegeben werden. Somit wird nichts übrighleiben, als daß der Be- trag der erhöhten Heeres- und Flottenkosten, fcer durch die Aufhebung der BranntweiMebesgabe nicht gedeckt werden kann, mm doch aus den laufenden Einnahmen oder

Berliner Theater- und Knnstdriefe.

Von Felix Poppenbcrg.

Gustav Wieds „Tanzmäuse" wurden von dem iangmütigen Berliner Publikum geduldig hingenommen. Es ist .das Leerste und Ärmlichste, was dieser einst so ver- ^Nfelte Satiriker zurechtgefchkudert. Er glaubt, daß das gerade noch gut genu!g sür un>s ist. Dank der witzigen Inszenierung Bornawskys und dem drastischen Spiel von Äka Grnning wurde nach deren Szenen lebhaft geklatscht. Sofort war — in Bereitschaft.fein ist alles — auch Wied schon Mit feinem allervergnügtesten FrÄhstücksgesicht da, nNd er winkte gönnerhaft-necklsch der Grüning zu, daß sie auch kommen dürfe. Dieser unfreiwillige Spaß >war sein bester.

Das Stück besteht aus vierzehn Bildern^ die in ganz kockerem Zusammenhang lebensironifche Ausschnitte geben wollen. Der Einfall dabei ist dünn und die Typen abge­lagert. Die mannstolle alte Kokette, die sich den jungen Dichter kauft; der Kultusminister aus steischstohen Ab­wegen; das Weibchen, das sich faule de mieux von seinem geschiedenen Mann hernMkriegen läßt; !das alles wirkt vecht dürftig, und schlimm sind die ernsten Zuraten mit dein verhungernden uikd zum Schluß wahnsinnig werdenden langen Philosophen, der nicht gerade allzu tiefsinnig das staruffelltreiben der Menschen im Bild der Tanzmänse und ihrer Drehkrankheit steht.

Die liebevolle Regie sorgte, daß diese ulkigen Tierchen leibhaftig in einem Glaskasten kribbelnd und krabbelnd vertreten waren.

Und dann chatte sie das kluge Dessin, der Ausführung Einen -gewissen Kinostil zu geben. Vor jedem Bild erschien werst ditz HÄannte Mwarzo Gardine mit der mottohaften

Wohl gar ans Anleihen wird entnommen werden müssen, und die verheißungsvoll begonnene Schulden­tilgung, für deren weitere Sicherung Herr WermuH so tapfer und überzeugend gekämpft hatte, ist nunmehr ernst- Uch bedroht. Nun ist die Mschasfung der Branntwein- ltebesgabe allerdings von jeher eine liberale Forderung gewesen, und insosem können die liberalen Parteien mit der vortzefchlageuen Steuerreform/-zufrieden fein, aber die Umstände, unter denen sie gewährt wird, haben einen bitteren Beigefchmack. Die Preisgabe der Erbanfallstener ist das weitaus größere und folgenreichere Er­eignis, sie bedeutet die Kapitulation des Kanzlers vor den Parteien der Rechten, sie bedeutet somit freilich auch eine nützliche Klärung, insofern von jetzt ab die Par­teien der bürgerlichen Linken- jedes Zweifels daran ent­hoben sind, in welcher Richtung der verantwortliche Staatsmann seine Politik fortan zu treiben beabsichtigt. Das Schicksal des Herrn Wermuth erinnert deuMch, aber auch in der ehrenvollsten Weise, an das Schicksal, das Herrn v. Lindequist aus seinem Amt ins Privat­leben^ trieb. Untier etwas anderen Umständen hatte sich ja Herr Dernburg verabschiedet, 'aber der Verbrauch von drei Staatssekretären in kurzen zwei Jahren der jetzigen Kanzlerschaft ist jedenfalls ganz an- fthnlich. Herr v. LiNdequist ging, weil er die Verantwor­tung Kr' die GrenzregMeruNg in Westasrila Nichr tragen wollte; Herr Wermuth geht, weil ihm seine Steuer­pläne aus der Hand geschlagen werden. Beide Männer faßten ihre Entschlüsse schnell und ohne Schwanken, bckde bekamen ihren Wfchicd mit nicht zu übertr-efsender Prompt­heit binnen wenigen Stunden.

4 -

Roch eine offiziöse Verlautbarung.

wb. Berlin, 17. März. Der „B. L.-A." schreibt: In mehreren Blättern begegnen wir der Ansicht, daß die Be­seitigung der LiehesgaHe An MchMnis zu den neu auf- zubringenden Mitteln nur einen verschwindenden Betrag darstellen würde. Dadurch wird als durch neue Stenern- aufMbriingen eine viel zu hohe Summe, in ein­zelnen Mättenr sogar der Betrag von 170 bis 180 Millao- nen Mark genannt. M'r möchten daran erinnern, daß auch bisher nicht daran gedacht worden ist, die Neufordernugen völlig durch Nene Steuern zu decken. Der durch neu anszutreib-ende Mittel M deckende Betrag reicht auch nach den frÄheven Berechnungen nicht annähernd an die genannte Ziffer heran. Die durch Erweiterung der Erb­schaftssteuer auMbringende Summe würde sich nach Maß­stab der Pläne von 1903 auf etwa 50 Mll-ionen belaufen haberr. Mus der Beseitigung der Mebesgabe würden bis 40 Millionen zu erwarten sein. -Der Unterschied ist a-lso keineswegs erheblich. Mfgabie der Mmisterbesprechung war es. darüber schlüssig zu werden, -welcher Teil der neuen Ansgaben durch Erschvießung nsuer Einnahmequellen zu decken fein würde. Die H ö h e dieser Summe ist unter völliger Wahrung der bisherigen Grundsätze der Reichs- finanzver-waltung festgesteW worden.

Wermuths Nachfolger.

Der Nachfolger W-ermuths im Re-ichsschatzamt, der bis­herige Unterstaatssekretär Kühn, ist in ausgesp-rochenerem Maße, als das Wermuth bei seiner Ernennung war, Fach­mann. Er ist bereits seit 1892 im Reichsschatzamt tätig

nnd hat sich auch vorher fast ausschWeßlich mit finanztech- -wischen und- stenertechnischen Fragen beschäftigt. Er steht seit 1874 im Staatsdienste. Bald damuf erhielt er seine Anstellung als Kveisrichter in Köslin, kam aber noch im Oktober Aess'eMn Jahres bei der Jnstizorganisativn als- Amts-richter nach Margigrabolva. IM folgenden Fahre wurde er in gleicher Eigenschaft nach lRÄgenwalde versetzt, schiled aber 1883 aus dem Justi-zdienst aus nnd trat in die Verwaltung der indirekten Stenern über. Er wurde RegiernNgsassessor und Jnstitiar bei der Provinzialsteuer- -direkti-on und rückte 1886 pt OberzoMnKektor und Regie­rungsrat in Thom ans. Drei Jahre später wurde er Regierungsrat bei der Provinzialstenerdirektion in Mrlin und kam, Wie lAefagt-, 1892 als VortralgeNder Rat und Ge- hcimer RsglierunssrAt in das Reichsschatzamt. 18S6 wurde er znm Geheimen Oberregiernngsrat ernannt nnd im Mai 1905 zum DirÄtor im ReichsschaHamt. Bei den Beratungen über die Reichsfinantzreform hat er mehrfach die Regiernng im Reichstag sowohl Wie in den Ausschüssen vertreten; bei der Ver-aibschiieidung der ReichsKnanzrefovm erhielt er die Brillanten zum Roten Mlierovden 2. Klasse. Bei dom Rücktritt des UnterstaatHekretärs Twele wurde er dessen Nachfolger.

Berlin, 17. März. Wie die „Post" eMhrt, hat Staats­sekretär Wermuth bereits am Donnerstagabend an dem Festessen beim Reichskanzler nicht mehr teilge­nommen, obwohl er anfänglich die Einladung angenommen hatte.

Der Kaiser und Frhr. v. Hertling.

Der „Köln. VoMsztg." wird aus Berlin telegraphiert: Der bayerische MinifierpräsildeNt, Frhr. v. HerMng, der be­kanntlich zur WiUisterbssiprechung über die WehrvoÄage und ihre Deckung in Berlin anwesend ist, war fiir Sonntag vom Kaiser Mr Frühstückstafel geladen.

Bassermann über die Lage.

wb. Leipzig, 17. März. Heute fand hier unter Aus» schliuß der OffenMchSeit und der Presse eine Sitzung des LandeSansschusfes der nationaWberalen LaNdesvcreine str das Königreich Sachsen statt. Dabei führte der Reichs- taigsabgeordnete Bafsermann u. a. ans: Bei der

zweiten Prästdentenwahl sind die Verhandlungen über den Vorschlag BassermaNns, einen Abgeordneten der Reichs- Partei zum zweiten Bizeprästdenteu zu wählm, an dem Widerstand der Rechten gescheitert. Es sei ein cigenrüm- liches Geschick des Herrn Reichskanzlers, daß er P e rsön- l i 'ch k e i t en v e r s ch l e i s e. Wermuths Abgang sei aber das Schlimmste gewesen. Hertling kam und Wermuth ging. Aber die Erbanfallstener fei nur scheintot und werde eines Dagies wieder erwachdn. SK den Vortrag schloß sich eine lebh-aste Diskussion.

Der Lohukampf der Bergarbeiter.

Gedrückte Stimmung im Ruhrrevier.

wb. Bochum, 18. März. Die gestern aus dem Schützen, Hof abgehaltene offenMche Versammlung des Dreibun­des ließ durch schwächeren Besuch gegenüber der am 14. März abgehaltenen Versamnilung ein Abflauen des Streiks im Bochumer Bezirk erkennen. Es hatten sich vorgestem nur 2000 Personen eingeKnden. Die Stimmung

Kapitelinschrift. Dann waren die Dekorationen sehr ge­lungen bi'lderbogenmaßig. Alle Requisiten waren gemalt.

Durch diese Nuancen wurde geschickt der Maßstab des Stückes bestimmt und ihm der günstige Boden bereitet. Dazu kam die brillante Darstellung, so daß der Abend noch gerettet wurde. _____________

Konzert.

Auch das zwölfte und letzte Zykluskonzert am Samstag im K u r h a u s e stand unter dem Zeichen „Ausverkauft!". Richard Wagner und ein berühmter Tenorist und unser neuer Städtischer Musikdirektor —: was Wunder, daß das Publikum in Hellen Scharen herbei- geströmt war. Der Tenor war zwar hernach, Lei Lichte besehen, nicht der Tenor, den mau gesucht hatte, aber doch ein Tenor,— wie man ihn nicht alle Tage findet. Unter den drei Magneten gebührt Richard Wagner naturgemäß der Vorrang: ihm war das Programm ausschließlich ge­weiht. Aus der ersten Schafsensperiode des Meisters ge­langten von Orchester-Werken die Ouvertüren zu „Rienzi" und" zum „Füegend-en Holländer" zu Gehör: jene in ihrem zwar theatralisch ausgebauschten, aber auch revolutionär aufreizendsn Charakter, — diese, in ihrer wilden Romantik, schon als dramatisches Tongemälde fesselnd-; zumal wenn die Ausführung — wie bei u-nscrew, diesmal übrigens be­deutend verstärkten Kurorchester — von soviel Kraft und Reffe getragen ist; besonders rühmenswert erschien, daß sich in beiden OuveMren die Blechbläser — dort die „Freiheits"-Trompeten, hier die „Seesturm"- Posaunen^ — nicht gar zu übermäßig hervordrängten: es wurden präch­tige Crescendos und kwchende Fortissimos erzielt ohne leeren brutalen Lärnu Aus der späterm Wagner-Penode waren FkaLmeute aus der .Götterdämmerumg" gewählt.

Lebensvoll und anschaulich erschien „Siegfrieds Rhein- sahrt": das kunstreiche motivische Gewebe trat überall klar zutage; sehr schön hervorgehobm ward^ in den. Klangen jauchzenden Übermuts (bei der Ankunft Siogstieds an Gunters Hof) das ahnungsvoll hineindrohende Fluch- Motiv. über die Eignung dieser „Rheinf-ahrt" zum Kon­zertstück läßt sich streiten: es endet — aber es schließt nicht, sondern geht'ziemlich wirkungslos ans. NachhaltigM Ein­druck hinterließ -die „Trauermusik auf Siegfrieds Tod", darin gleichsam das ganze Wälsung-en-Drama noch einmal Leben und Gestalt in Tönen gewinnt. Hier entfaltete das Kurorchefter bei aller scharfen Hervorkehrung der Details eine düstere Klangpracht im ganzen Ausdruck, die von zwingender Wirkung blieb.

Der in letzter Stunde — als Ersatz für den Wiener Miller — gefundene Tenorist war Herr Ejuar Forch- Hammer: kein Hellschmc-tternder Ritter vom hohen 6, der das große Publikum verblüfft, aber doch ein hochE- mögender Sänger. Seine Heldenstimme, wenn sie auch leicht ein wenig umflort klingt, entwickelt viel Wärme, Schönheit und Gleichheit. Tie Sprachbehandlung ist vor­trefflich, und der Vortrag wird durch temperamentvolles Empfinden ebenso sehr wie durch Geschmack und Bildung bestimmt. So erfreute im „Meistersmger"-Li.ed dw einfach herzliche Gefühlsäußerung; in der Grals-Erzählnng au^ „Lohengrin" die zu glänzen-dem Höhepunkt geführten, wohlvorbereiteten Steigerungen; im Liebeslied aus der Walküre" der schöne lyrische Auffchwung; m dem Schmiedelied aus „Siegfried" und den: Todesgesang ans Götterdämmernng" die starke dramatische Bewegung des Ausdrucks An Beffall ko-mi-te es daher dem Sänger, der ja nun bald ganz der Unserige wird, nicht fehlen.

Noch ein Wort über- den Städtischen Mufikdtrekt«. Herrn Karl Schuricht. Sein Eingreifen in die mnscka--