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MMek-HsS« geöffnet von 8 Uhr morgen» bl» s Uhr abends

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Lazeige»-An»abme: Für die Abend-Au»gabe bis 12 Uhr mittag»; sür die Morgen-AuSgabe bi» S Uhr nachmittag».

„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends, außer Sonntag».

Zreitag, IS. März ISI2.

Morgen-Ausgabe.

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Nr. 126. ♦ 66. ZahrgKNZ.

bention des Thronfolgers gelungen ist, den ungarischen Nationalparteien den ersehnten 'Siegespreis streitig zu i machen. 1

Was jetzt werden soll, darüber ist man sich weder : in Zis- noch in Transleithanien klar. Eines steht ^ jedenfalls fest, daß mit dem Rücktritt Khuen-Heder- varys nichts erreicht wäre, weil die Grundlage für jede andere Lösung fehlt. Eine Zeitlang schien es, als ob der bisherige Finanzminister v. Lukacs, der Vertrauens­mann der Justhpartei, die Entwirrung des Knotens versuchen solle, aber dies könnte nur unter der Voraus­setzung geschehen, daß Lukacs das ursprüngliche Pro­gramm Khuen-Hedervarys, nämlich die von der Krone verlangte Durchführung des allgemeinen. ^ gleichen Wahlrechts zu verwirklichen versuchte, während doch im gegenwärtigen Parlament für eilte solche Maß­nahme, durch welche sich die Magyaren in ihrer natio­nalen Vorherrschaft bedroht fühlen, keine Mehrheit zu haben wäre. Aber auch sür irgend ein anderes Kabi­nett, ob es nun Weckerle redivivus oder der Präsident des Abgeordnetenhauses Navay wäre,» blieben doch die politischen Vorbedingungen und damit die Schwierig­keiten dieselben, und so wird denn jetzt mit dem Aus­weg aus der Krisis gerechnet, der kein Ausweg ist, näm­lich mit der Wiederbetranung des Grafest Khnen mit der Kabinettsbildung.

Das wäre freilich nur eine Verlegenheitslösung, die damit rechnet, daß Graf Khnen das ungarische Parla­ment zur Bewilligung, eines militärischen Provisoriums bewegen könnte, um unterdessen nach neuen Mitteln und Wegen sür einen Ausgleich zwischen den beiden Reichshälften zu suchen. Die Frage liegt nahe, durch welches Zugeständnis man die widerhaarigen Magyaren sür dies Provisorium gewinnen will, und es bat leider den Anschein, als ob der den Ungarn besonders ver­haßte Kriegsminister General v. Aussenbera. als dessen Nachfolger bereits der erste Sektionschef im Kriegs- ininisterium General v. Krobatin genannt wird, ans dem Altar des Vaterlandes geopfert werden soll. Da­für spricht schon die Hetze, die zurzeit fast von der ge­samter: ungarischer: Presse wie ans Kommando gegen den Kriegsminister gerichtet ivird, wobei mait eigent­lich auf eine höhere Stelle zielt; aber den Thronfolger kann man nun einmal nicht zur Demission zwingen. Das Bedauerliche und das Bedenkliche bei diesen Vor­gängen, durch welche die Schlagfertigkeit der öster­reichisch-ungarischen Armee ernstlich bedroht wird, aber ist, daß auch diese sehr wahrscheinliche Lösung wieder nur — es ist dies da? Krebsleiden der Donaumonarchie — ein Provisorium darstellen würde. Die ungarische Kabinettskrisis kann allenfalls durch den Paragraphen 11, der an der Donau lautet, „es wird fortgewurstelt". beigelegt werden; was aber bleibt, das ist die — Staatskrisis I

politische Übersicht.

Prinz Max von Lachsen und der Vatikan.

Wie bekannt, geriet Prinz Max von Sachsen, während er eine Dheologieprosessur an der Schweizer Universität Freiburg .bekleidete, mit idem Papst in einen Lehrkonslitt. Der Prinz veröffentlichte in einer italienischen Monats­schrift einen Artikel über die Vereinigung der römisch- katholischen und der griechisch-katholischen Kirche. Er for­derte unter scharfer Kritik der bisherigen Politik der römischen Kurie die Vereinigung im Sinne einer Ver­schmelzung von zwei gleichberechtigten, ebenbürtigen Schwesterkirchen, nicht aber im Sinne einer Unterwerfung der griechischen Kirche. In dom Artikel war weiter von Fälschungen die Rode, deren man sich in Rom bedient hatte, um den Anspruch der griechischen Kirche ans Gleichberech­tigung zurückzuweisen. Man weiß, daß Prinz Max diesen Artikel hat büßen müssen. Er wurde nach Rom zitiert und «rußte dort widerrufen. Soviel war bisher schon bekannt. Man war aber, scheint es, doch noch nicht über den- ganzen Umfang der Butze unterrichtet, die dem Prinzen Max sür seine „ketzerische" Anwandlung auferlegt worden ist. Der unter dem Decknamen „Spectator alter" arbeitende kirchen­politische Schriftsteller, der als gut unterrichtet gilt, erzählt in der Berliner Zeitschrift „Der Turm" folgendes:

Am 22. Dezember 1910 leistet der Prinz der knrralen Vorladung Folge, kommet nach Roni und wird alsbald in das Kloster des Dominikanerordens in der Straße San Vitale übergeführt. Der General des Ordens, P. Cormier, und die Konsultoren haben von der Kurie die Weisung er­halten, den Prinzen augenblicklich aufs strengste zu isolieren und jeden Besucher unuachsichtlich abzuweisen. In langen Exerzitien und gründlichen Gewiffensersorschnngen findet der Freiburger Professor Zeit und Anlatz, darüber nachzn- deniken, daß der Dominikanerorden, dessen Gastfreundschaft er genießt, seinen Lehrstuhl einem Häretiker anvertraut habe. Da der Prinz neun Jahre lang die Frage der Ber­einigung Roms mit den altern Kirchen des Morgenlandes studiert hat, so muß er bekennen, daß er seinen Aufsatz „inconsideratamente — UNbedachtsam, rücksichtslos und leichtfertig" abgefaßt habe, ohne einen richtigen Theologen als Mentor zugezogen zn haben. Erst nachdem die in alle 'Einzelheiten gehende Urkunde seines reuevollen Widerruss von 18 dogmatischen, philosophischen und historischen Jrr- tümern samt dem Gelöbnis seiner kindlichen Unter­werfung unterzeichnet war, ein Dokument, wodurch seine wissenschaftliche Existenz endgültig aNsgelöscht worden ist, erhielt der büßende Königssohn die Erlaubnis, sich im Vatikan zu des Papstes Füßen niederzulegost, um von seiner Gnade die Verzeihung zu erflehen. Diesem Vorgang tränenreicher Zerknirschung mußten der P. Hhacinth Maria Cormier und der GeneralanNäger P. Desqueyrone, dir Obersten des Ordens sür die Reinheit des Glaubens, als Zeugen beiwohnen. Des Büßers schriftlicher Widerruf wurde dem Archiv des Vatikans und dem des Dominikaner­generals einverleibt, um beim nächsten Rückfall des Prinzen

Oie ungarische Ztaat§krisi§.

Was sich zurzeit in Ungarn abspielt, ist weit mehr als eine Mimsterkrisis, mehr als eine Kabinettskrisis, denn ob der Ministerpräsident Khuen-Hedervary, der zu dem Auskunftsmittel der Demission als der Weis­heit letztem Schluß gegriffen hat, bleibt oder geht, ob das Kabinett in irgend einer Form rekonstruiert wird oder aber einer anderen Kombination auf Grund neuer Parteikonstellationen Platz macht, das ist im Grund 6ar nicht das Entscheidende bei dem gegenwärtigen Kon­flikt, der eine ernste Krisis im Staatsleben Zis- leithaniens und zugleich in dem Verhältnis der beiden Reichshälften der Donaumonarchie zueinander darstellt.

Nur so erklärt es sich auch, daß der Ministerpräsi­dent Khuen-Hedervary trotz der überraschenden Erfolge, die er in den zwei Jahren seiner Amtsführung erzielt hat, und trotzdem die offizielle Regierungspartei, die so­genannte nationale Arbeii spartet, 260 unter den 413 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses zählt, während die Regierungsmehrheit in Wahrheit noch viel größer sst, zum Schluß bei demselben toten Punkt angelangt ist wie alle seine Vorgänger. Dieser Punkt ist die sprichwörtlich gewordene magyarische Begehrlichkeit, die sich bisher immer noch stärker erwiesen hat denn alle Dernunstsgründe und die nüchterne Erwägung der Vorteile, welche die österreichisch-ungarische Realunion der zisleithanischen Reichshälfte gewährt. Dieser scharfe, anscheinend unüberbrückbare Gegensatz drohte Mm offenen Bruch zu führen, als das ungarische Par­lament die Einführung der magyarischen Kommando­sprache in den ungarischen Regimentern forderte und dadurch die Einheit des Heeres in Frage stellte. Als Kaiser Franz Joseph sich diesem Verlairgen widersetzte mit der Erklärung, „ich kann in dieser Frage nicht nach­geben, selbst wenn sch wollte", verweigerte das ungari­sche Parlament zwei Jahre lang die Rekrutenbewilli- gung, welche Teuionstration dadurch einigermaßen ins Wasser fiel, daß nach dem geltender: Wehrgesetz die ungarischen Regimenter ohne Rekrutierung durch die Einberufung der Ersatzreserve und des jüngsten Jahr­gangs der Beurlaubten vervollständigt werden könn­en. Eben deshalb galt der jetzige Vorstoß diesem Recht des Herrschers, und die Kossuthpartei erklärte, "aß sie die Wehrvorlagen nur dann bewilligen wolle, Menn die Klone auf das Recht der Einberufung der Er­satzreserven verzichte. Wie es möglich war. daß Graf Khuen-Hedervary dem ungarischen Parlament dies Zu­geständnis in Aussicht stellte, darüber ist auch setzt noch uicht Klarheit geschaffen. Bekannt ist jedenfalls, daß dor allem der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und der Kriegsminister General v. Anffenberg diesem für die Einheit der Armee verhängnisvollen Zugeständ­nis entgegentraten, und daß es vor allem der Jnter-

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(Nachdruck verbaten.)

Heimisches Naturleven.

Skizzen von Walther Schulte vom Brühl.

XXIV.

. Dies und das vom Igrl.

Harmlos und nützlich, das ist feine Devise, und wenn " ^singen könnte und ei« Leiblied hätte, so- wäre es das schöne Lied: „Stumpfsinn, Stumpfsinn, du mein Vergnü­gen!" Denn in der Tat, mit seiner Intelligenz ist es nicht Meit her; sein Gehirn ist nur schwach entwickelt, und wenn Mo« ihn ein „dummes Viech" nennt, so sagt man ihm fast Noch eine- Schmeichelei. Dafür aber ist sein Stammbaum Uralt, kaum, daß ihm die Beuteltiere, das Schnabeltier und einige wenige andere in dieser Hinsicht gleichkommen. Während sich die meisten Säuger vor Jahrhunderttausen­den, wenn nicht schon vor Jahrmillionen von ihm ahzweig- ten und sich eines höheren Aufschwungs befleißigten, ist ct in seinem hartnäckigenKonscrvativismus stehen geblieben, Zufrieden mit sich selber, nur einige Vettern seines an Arten nicht reichen Geschlechts überholend, wie zum Beispiel den Tenrek von der Insel Mauritius, der nur halb entwickelte Stacheln hat. Aber man kann dem braven Kerl sein Beharrungsvermögen nicht einmal so sehr übel uehmen, denn während die Tiere, die ihn überflügelten, dies weniger aus einem höheren Bedürfnis heraus taten, als vielmehr notgedrungen im grimmen Existenzkämpfe, Mar er bereits in Urzeiten, als er sich aus dem Amphibien- lustand glücklich gerettet, dermaßen ausgerüstet, daß er für seine bescheidenen Bedürfnisse und Ansprüche an das Leben A>erall znrechtSam und sich nicht anzu strengen brauchte. Insekten, Würmer und Schnecken zu fangen, einen Frosch aber eine Maus zu überlisten, dazu gehört nicht viel, und sein Tisch ist immer gedeckt. Sich der Feinde zu erwehren, ^azu genügt ihm sein Stachelklcid, das er vermittels eines besonderen Wuskelavvarats so über sich zusammenzicben

kann, daß er eine unangreifbare Stachelkugel bildet, an der die Weisheit seiner Feinde zu schänden wird. Nur der Uhu, der bei uns aber fast ausgerottet ist, wird ihm durch den energischen Griff seiner scharfen Fänge gefährlich, und Freund Reineke durch seine tückische List. Man will näm­lich wissen, daß der Fuchs nach Hundeart eines seiner Hin­terbeine über den armen Kerl erhebe und ihn mit einer Flüssigkeit benetze, die nichts weniger als ein Odeur ist» woraus sich dann der Igel in hollem Entsetzen öb solch schmählichen Attentats aufrolle und alsbald durch einen Bitz in den von Stacheln ungeschützten Kopf getötet und daraus ausgebalgt und verzehrt werde. Auch heißt es, ber Fuchs rolle die stachelige Kugel in ein nahes Gewässer und töte dann den unglücklichen Herrn Emraceus, wenn er sich ans Davonschwimmen mache. Fuchs und Uhu aber sind nicht imstande gewesen, den Igel anszürotten, zumal er ein verborgenes und nächtliches Leben führt und in seinem graubraunen Habit auch nur schwer zn entdecken ist, wenn er unter Tags in einer Hecke schläft oder in einer mit Moos und trockenem Laub ausgepolsterten Höhlung zwi­schen Wurzelwerk, oder unter einem hohlen User.

Der schlimmste Feind des Stachelritters ist natürlich wieder der Mensch, der an allem etwas Nutzbares für sich heraussindet. So wurde zu Römerzeiten ein schwunghafter Handel mit Jyelsellen getrieben, da man die Stachelhaut bei der Tuchsabrikation in gleicher Weise verwendete wie später die Kardendistel. Und dann galt ein fetter Igel von jeher als' ein leckerer Braten,, der bei den Mönchen auch als Fastenspeise in Ruf stand. Ich erinnere mich noch des Entsetzens, das mich erfaßte, als mir eines Tages in Weimar ein mit gelblichen Fettschichten behaftetes rund­liches Stück Fleisch als ein vorzüglicher Jgelbraten zum Kauf angeboten wurde. Ich kochte mir damals selber und erfand die raffiniertesten Gerichte, aber meine Haus­wirtin kam mit diesem Braten schneller bei mir hinaus, als sie hereingekommen' war. Daß die Zigeuner einen besonderen Gusto auf den Igel haben und den Getöteten in Lehm hüllen, im Feuer backen und dann die Kusel. in

der die Stacheln zurücköleiben. auseinanderbrechen, ist be­kannt. Wahrscheinlich machen sie es noch weiter so.

Der Aberglaube hat dem Igel früher auch manche Heil­wirkung zugeschrieben, und so spieltm einzelne Teile von ihm in der Mittelalterlichen Quacksalberei eine -große Rolle. Eines freilich ist wunderbar an ihm; fein Blut ist gegen gewisse Gifte immun, und diese Gistsestigjkeit, die aller, dings von einigen Gelehrten zu unrecht bezweifelt wird, ist eine Errungenschaft, aus die er stolz sein kann. Er, der überhaupt Geschmack an Schlangen und Blindschleichen hat, geht denn auch, wie öfter beobachtet wurde, der größten und bissigsten Kreuzotter kühn zu Leibe, obgleich sie ihn öfter in die Schnäuze oder in die kleinen Ohren beißt und ihm ihr Gift mttteilt. Der scheinbar so täppische „Sohlen­gänger" mit den kurzen, mit je fünf scharfen Krallen be­wehrten Beinchen und dem kaum erkennbarem Halse ent­faltet in diesem Kampfe eine große Behendigkeit, wird zU einem Wahren Parterre-Akrobaten, und es dauert nicht lange, so hat er das giftige Gewürm beim Kopse, den er zermalmt,, denn sein Mäulchen mit den V- und- IVsörnngen; spitzen, ineinandergreifenden Zähnen entwickelt eine be­trächtliche Muskelkraft. Und so kaut er das Tier, gang, Wie er es bei einem großen Regenwurm macht, nach und nach vergnügt hinunter, und es geniert ihn gar nicht, daß sich der Schlangenleib noch dreht und windet.

Lster hält man sich einen Igel zur Vertilgung der eklen Küchenschaben und „Russen". Auch als Mäusejäger steht er in Ansehen. Freilich besorgt er das Geschäft mit solchem Spektakel, vor allem mit lautem Herumtappen, daß er die Nachtruhe der Gastgeber empfindlich stört. . Ich habe gefunden, daß -er, im Hause gehalten, den Titel eines Schweinigels ehrlich verdient, obgleich er diese Bezeich­nung wegen seines über den Unterkiefer vorragenden. sehr beweglichen Rüste lchens erworben hat. Es soll -mch eine Abart geben, die eine stumpfere Schnauze besitzt und des­halb Hundsigel geheißen wird, doch- glaube ich nicht recht daran. Ich habe bei meiner ausgebreiteten Jgelbekamft- schajt, die sich von den MVen bis an das Gestade der Lord-

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