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Wiesbadener Uli

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Mittwoch. 13. März I»I2.

Morgen - Ausgabe-

Ne, 122. - 60. Jahrgang.

Nachträgliches zur prasiöentenrvahl.

Die Konservativen können sich über den Ausfall der Präsidentenwahl im Reichstag noch immer nicht beruhi­gen. Ter zornige Eifer, mit dem ihre Blätter die vor­angegangenen vertraulichen Verhandlungen und die verschiedenen Möglichkeiten von anders gearteten Mehrheiten und Minderheiten besprachen, verstärkt die Auffassung, daß die Parteien des schwarzblauen Blocks, besonders, aber die Konservativen, mit ihren taktischen Winkelzügen auf eine Verwirrung hingearbeitet hatten, deren Ausbleiben ihnen nunmehr heftigen Gram be­reitet. Die Sache ist auch nach Erledigung der Präsi­dentenfrage wichtig genug, um gewissermaßen probe­weise, also nach den aus dem konservativen Lager ge­wachten Fingerzeigen, näher betrachtet zu werden. Was wäre geschehen, wenn der Zufall der Besetzung, der ge­rade eine Stimme Mehrheit für den Abgeordneten Kaempf ergab, durch einen entgegengesetzten Zufall einer Stimmenmehrheit für Herrn Spahn ersetzt wor­den wäre. Von den Konservativen und dem Zentrum fehlten sechs Mitglieder. Wären sie anwesend gewesen, !a hätte der schwarzblaue Block den Präsidenten gestellt. Was aber dann? Dieselbe Mehrheit wäre für Herrn Dietrich als ersten Vizepräsidenten schon nicht mehr zu­sammenzubringen gewesen. Tenn die Polen hätten für Dietrich nicht gestimmt, während fie für Spahn allerdings, vielmehr selbstverständlich gestimmt hatten. Die Entscheidung hätte also zwischen den Abgeordneten Paaschs und Scheidemann getroffen werden müssen. Run ist es gar nicht sicher, daß Paaschs für den Fall, daß Spahn Präsident wurde, die Mehrheit. gehabt hätte, und zwar ist dies darum ungewiß, weil innerhalb der nationalliberalen Fraktion selber keine Neigung be­stehen konnte, an einem Präsidium teilzunehmcn, das feinen bestimmenden Charakter doch von der Wahl eines Zentrumsmitgliedes zum Präsidenten empfangen hätte. Es war unter solchen Umständen keineswegs ausge- fchlossen, daß Scheidemann abermals erster Vizepräsi­dent wurde. Nun kann man aber nicht wissen und nicht sagen, ob ein solcher Ausgang dem schwarzblauen Block nicht gerade willkommen gewesen wäre. Denn die Lage wäre dann dieselbe wie beim ersten Wahlakt nach dem Zusammentritt des Reichstags gewesen, und buf der Rechten hätte man erneut behaupten können, ^aß dieser Reichsag außerstande sei, eine arbeitsfähige Mehrheit zu liefern. Tie Wahl Kaempfs zerstörte die Leheimen Berechnungen und Hoffnungen der Konser­vativen und des Zentrums: daher also die Enttäuschung Und der Unmut, womit von jener Seite immer wieder an dem Wahlergebnis genörgelt wird. Der schwarz­blaue Block verfing sich in seinen eigenen Schlingen; ^ wird das nicht wahr haben wollen, aber es ist so. Ter Beweis steckt in der Möglichkeit, mit der . man auf der Rechten und im Zentrum immerhin, wenn auch mehr theoretisch als praktisch, arbeiten konnte, nämlich, daß

doch erreichbar gewesen wäre, die Herren Svahn und

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fflattysrud verkoke».)

Hahn in Ruh'!

Von Hermann Löns.

Vier Wochen lang haben sich der Winter und der Früh- «ng geprügelt; jetzt scheint deni Winter die Sache über ge­worden zu sein. „Ein ander' Mal", sagt er, und dreht mit ber Faust, „da kriegst du es aber." Und damit macht er, baß er um die Ecke kommt. Der Frühling aber, die Hände m den Taschen, lacht hinter ihm drein.

Fa, ja, jetzt sind wir so weit. Schon darf die Amsel lagen: „Jetzt kann ich es aber!" und der Fink: „Und ich *)# recht!" Alles, was vorne einen Schnabel und hinten c inett Schwanz hat, singt, pfeift, flötet, trillert und piept Uach pxr Schwierigkeit, sogar die Krähe macht verzweifelte versuche, sich lyrisch zu benehmen, obgleich das sich beinahe fv anhört, als hätte sie zu viel Schlachtefestabsälle gegessen Und ihr sei nun elend geworden.

^ _ Nur den Jäger, den fingert es nicht; für ihn ist es mit Atel und Tanz Vorbei. Wenn er das Waldhorn blasen Printe, was er als moderner Jäger natürlich nicht' kann, dann würde er sich hinsiellen und folgendermaßen wie folgt Und also Trübsal blasen: „Jagdjahr tot, Jagd vorbei, ha »a lit!" So aber pfeift er bloß aus dem letzten Loche und ^aßt den Kops hängen, wie ein Huhn, das den Pieps hat, Einmal, weil er gestern Jagdsilvester gefeiert hat und in- wlgedessen das Gefühl hat, als schwömme ihm das Gc- N in Mostrichsauce, und dann überhaupt und so, denn am Wald und an der Heide, da hat er keine Freude mehr, der arme Jägersmann, der arme Jägersmann.

„Was hilft mich der Mops, wenn er nicht gerollt ist?" ivrach jener Studiosus cerevisiae, und der Jäger denkt:

Dietrich durchzubringen. WaS dann? Im schwarz- blauen Block mußte man sich doch sagen, daß in diesem Fall die Linke das Heft in der Hand gehabt batte, um eine Zusammensetzung des Präsidiums nach den Wün­schen der gegnerischen Parteien zu hintertreiben. Das Anerbieteir, den zweiten Vizepräsidenten zu stellen, hätten die Freisinnigen wie die Nationalliberalen selbst­verständlich akgelehnt. Dafür nun aber, daß den Geg­nern auch der zweiten Vizepräsidentenposten zu über­lassen gewesen wäre, hätte sich weder ein innerer wie ein äußerer Grund ausfindig machen lassen, vom Stcmd- pilnkt der Linken aus angesehen. Aller Wahrscheinlich­keit nach würden also die Herren Spahn und Dietrich einen dritten Kollegen in der Person des Herrn Scheidemann erhalten haben, und wenn es auch von einigem heiteren Interesse gewesen wäre, beobachten zu können, wie sich der schwarzblaue Block mit diesem Ausfall der Präsidentenwahl abgefunden hätte, so dürfen sich die Rechte wie das Zentrum doch gerade bei der Linken dafür bedanken, daß sie vor dieser Verlegen­heit bewahrt geblieben sind. Es gibt Ereignisse, die, aus das Äußerliche hin angesehen, in sich widerspruchsvoll erscheinen, während sie gerade der Logik der Verhält­nisse entsprechen, wenn man sich von der übertriebenen Achtung vor den Zahler: sreimacht. Man kann nur immer wieder sagen, daß das gegenwärtige Präsidium, so wenig es durch die Stärke der Fraktionen hüben und drüben erklärt wird, gleichwohl seine Rechtferti­gung darin findet, daß die scharfe Trennung rechts und links auf diese Weise zum sinnfälligen Ansdruck koinmt. Hätte etwa ein Präsidium Spahn-Dietrich (den dritten Platz muß man ja offen lassenj den Ver­hältnissen zwischen dem schwarzblauen Block und der Linken besser entsprochen? Ohne Unterstützung von links wäre auch ein solches Präsidium nicht durchzu­setzen gewesen, und gerade daß diese Unterstützung aus­blieb, daß also die Nationalliberalen nicht mittun woll­ten, bleibt das wichtigste, politisch entscheidende Moment in der ganzen Präsidentenfrage. Es war ein Kampf nicht so sehr der Fraktionsstärken als der Welt­anschauungen. Läge es anders, so würden die Par­teien des schwarzblauen Blocks die erlittene Niederlage so schwer, wie es jetzt geschieht, vielleicht gar nicht emp­finden und ihren Zorn jedenfalls nicht so deutlich zeigen.

politische Übersicht.

Die Ueberalterung des GffizierÄorps.

Von militärischer Seite wird uns geschrieben:

Die Überalterung unseres Offizierkorps bat zurzeit eine bedenkliche Höhe erreicht. Sie bildet geradezu eine Gefahr, nicht allein für die Schlagfertigkeit der Armee im Kriege, sondern teilweise auch für die Frie- densausbildung. Bedenkt inan, daß im Durchschnitt der Offizier mit 20 Jahren Leutnant geworden ist, so stellt sich das Alter unserer Offiziere bei der Infanterie und Feldartillerie — bei der Kavallerie, Fußartillerie

„Was nützt mir dte Natur und die umliegenden Birr- dörser, wenn ich nichts darin totschlagen kann?" Denn das ist ihni die Hauptsache bei der Jagd. Eine Träne der Weh­mut läuft ihm aus seinen schönen blauen Augen über die etwas verkaterte Backe in den ä la Zahnbürste gestutzten Schnurrbart, wenn er die schwarz und grün karierte Hälfte der Hinterfront seines Jagdscheines ansieht und die scheuß­liche Entdeckung macht, daß im Monat Märzen die Ente tabu ist. „Gemeinerer!" denkt er, „früher war es besser; die Welt wird immer übler." Ach ja! Früher konnte man im März wohl noch einen Stockerpel herunterholen, und war es zufällig eine Ente, so schadete das auch nichts, denn schließlich ist eine jährige Ente immer noch zarter als ein dreijähriger Erpel und aus die Schönheit allein kommt es auch nicht an.

So hat man jahrzehntelang gehandelt und unentwegt die Enten in der Reisezeit lotgeschossen, ohne zu bedenken, daß sich das mit der Zeit bitter rächen müsse. Die Ente galt eben, so lang sie noch nicht brütete, als ZngwÄd und man stellte ihr nach, so lange der Jagdschein sie freigab, und womöglich noch länger. Die Köchin fand dann nicht sehr selten in den Enten stark entwickelte Eier, aber sie hielt dem Herrn des Hauses keinen Vortrag darüber und dieser hielt ,cs für unter seiner Würde, sich nach derartigen diskreten Angelegenheiten zu erkundigen. Wenn er dann im Juli so gut wie gar keine Jungenten fand, dann schimpfte er Mord und Brand, daß es mit der Entenjagd von Jahr zu Jahr mäßiger würde, und erging sich in den respektlosigstcn Äußerungen gegen den Landrat, der die Jagd erst dann öffne, wenn die Mutterente das beflogene Schoos schon wer weiß wohin geführt habe. Daß er selber aber die Mutterentr samt dem ungelegten Gelege an einem SonniagmiUag tm Märzen sich zu Gemüte geführt hatte, aus diesen Gedanken kam der gute Wann natürlich nicht

und den Pionieren ist dasselbe etwas günstiger — irr den verschiedenen hier in Betracht kommenden Dienst­graden mit Ausnahme der Springer durchschnittlich folgendermaßen:

Tie Beförderung zum Hauptmaun erfolat im 36„ bis 37. Lebensjahre, zum Major im 48. bis 49. Lebens-- jahre und zum Bataillonskommandeur im 49. bis 60. Lebensjahre.

Von Offizieren, die fast 30 Jahre lang meist un­unterbrochen Frontdienst versehen haben, kann man! Spannkraft, Tatkraft und Entschlußfähigkeit trotz dein! Pflichtgefühl unseres Offizierkorps nicht mehr allge­mein in dem erforderlichen Grade erwarten. Ebenso muß unter diesen Verhältnissen die körperliche Leistungsfähigkeit und Dienstfreudigkeit naturgemäß Einbuße erleiden.

Das haben seinerzeit die Japaner erkannt, dereit Offizierkorps in dem Krieg in Qstasien bedeutend jünger wie das russische war. Auch heute noch werden die Japaner durchschnittlich mit 31 Jahren Hauptmaun,- mit 38 Jahren Major und mit 46 Jahren Oberst. Die Frische der japanischen Offiziere hat aber zu den E>ft folgen auf den Schlachtfeldern der Mandschurei un­zweifelhaft sehr viel beigetragen, zumal das russische' Offizierkorps vielfach überaltert war.

In Frankreich hat man es als unerträgliche Krisis bezeichnet, daß der Offizier erst nach fünfzehnjähriger Leutnantszeit zum Hauptmann befördert wurde. Durch­greifende Maßnahmen haben es angebahnt, daß dis Offiziere künftighin nach 12- bis 13jähriger Dienstzeit Hauptleute werden.

Bei uns hat man sich leider noch nicht zu Änderun­gen in dieser Beziehung entschließen können. Jedenfalls ist es aber die höchste Zeit, dafür zu sorgen, daß unserem Offizierskorps in allen Dienstgraden die erforderliche Frische erhalten bleibt, sonst bedeutet es einen höchst empfindlichen Schaden für die Güte unserer Wehrmacht.; Tiefe Überalterung betrifft nur das preußisch-württem- bergische Offizierkorps, während in Sachsen und, Bayern die Verhältnisse weit günstiger sind. In bei-' den Kontingenten erfolgt die Beförderung znm Haupt­mann zwei bis drei Jahre, zum Major drei bis viep Jahre und zum Oberst zirka fünf Jahre eher als in Preußen. Mit diesem Avencement würde den preuß'-' schen Offizieren sehr aufgeholfen werden. Was in deck beiden kleinen Staaten durchführbar ist, das wird sich doch auch wohl in Preußen ermöglichen lassen.

_ Bei der Infanterie fehlte es geraume Zeit an aus­reichendem Offiziersersatz. In den letzten Jahren, seid der Aufbesserung der Besoldung der Offiziers, sind jedoch die Meldungen so zahlreich: gewesen, daß bald von einem Mangel nicht mehr die Rede sein kann. Nach, der zu Anfang dieses Jahres erschienenen Deutschen Rangliste belief sich die Zahl der Fähnriche bei den 226 Infanterie-Regimentern der deutschen Armee auf 770, was völlig ausreichend erscheint. Tie Kadettenanstalten, die teilweise nicht voll waren, können fetzt die Ange- meldeten nicht alle aufnehmen, und die Kriegsschulen müssen mit überfüllten Hörsälen arbeiten, um die vor-

u-nd deshalb schoß er, sobald das Frühjahr wieder kam, ruhig und besonnen alles tot, was er am User beschlich oder beim Einfall belauerte.

Man geht nicht zu weit, wenn man sagt: „Von hundert Jägern haben fünfzig von einer pfleglichen Behandlung der Jagd keinen Schimmer von einem Schein von einem Dunst einer Ahnung." Es fehlt nicht an guten Jagdz-eitun- gen, es gibt hervorragende jagdliche Werke, wie die neueren Ausgaben von Dietrich aus dem Winckel, von Dietzel und, um ein ganz neues Buch zu nennen, die 'ausgezeichnete Jagdtierklmde des Zoologen Br. Ernst Schaff. Aber man gehe einmal hin und stöbere die Bücherschränke der Durch- schnittsjäger durch, und man wird sich wundern. Herr Tolstoi, Zola, Maxim Gorki, Ibsen und ähnliche moderne deutsche Klassiker, die Memoiren des Obergauners Manu- lescu, der Amethyst und andere Zeitschriften für Htzpev- sexnalität, die findet man wohl, .denn das gehört zur „BW», düng", aber sehr selten trifft man ein gutes Lehrbuch der edlen Jägerei an. Den meisten Jägern geht es so wie jener Protzensgattin, die da sagte: „Vor das Französscho halten wir unsere Tochter einen Moßjöh und vor das Engelländische eine Miß", und als man sie fragte: „Und Deutsch?" da sprach sie voller Würde: „Das lernen wir sei"

So ist es; dxr Dnrchschnittsjäger von heute lernt sich selber die Jagd, denn er ist Seil made man in allen Dingen. Einen Lchrprinzen braucht er nicht, denn er hat Pinkepinke, und wem das Schicksal Moneten gab, dem gab es auch den nötigen Sachverstand. Jäger wird man heute dadurch, daß man sich eine Jagd pachtet, einen Jagdschein löst, sich eine Schrotspritze, womöglich eine Browning, kauft und einen englischen Jagdanzug: Wickelgamaschen, karierte Joppe und Schlachtermütze, und dann kann der Spaß losgehen. Was da fleucht und kreucht, wird her- nntergedonnert, und stimmt die Beute ejnntal nicht zM