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Mittwoch» 6. März 1912.
Morgen * Ausgabe.
Ht. 110. - 60. Jahrgang.
Die §rau in tzau§ und Beruf.
Auf der zurzeit in Berlin statifindenden eigenartigen Ausstellung „Tie Frau in Haus und Beruf" wie auf dem damit verbundenen Frauenkongreß, der am Samstag sein Ende erreichte, war, bezw. ist — das müssen sogar die überzeugtesten. Gegner der Frauenbewegung einräumen — eine Summe von Intelligenz, von Tatkraft, von zielbewußtem Streben vertreten, welche die meisten in Erstaunen versetzen, sedem aber Achtung abuötigen. Und daß dies der Fall ist, daß das Streben der Frau, sich nicht nur im Haus, sondern auch im Beruf eine Position zu schaffen, von Erfolg begleitet ist, geht ani deutlichsten aus der Wandlung hervor, die au oen maßgebenden Stellen in der Bemerkung der Frauenarbeit hervorgetreten ist. Es ist noch nicht allzu lange her, als der deutsche Kaiser das damals vielleicht zu allgemein aufgefaßte Wort aussprach „die Frau gehöre ins Haus": heute aber ist die deutsche Kaiserin die Protektorin der Ausstellung „Tie Frau m Haus und Beru s", und die Mitglieder des Frauenkongresses sind von der Gattin des verantwortlichen Leiters der deutschen Politik, von Frau v. Bethmann-Hollweg, empfangen worden. Man ersieht hieraus, wie zutreffend das Wort ist, welches der deutsche Kaiser in der Thronrede zur Eröffnung des Reichstags gesprochen hat: Tie Entwicklung steht nicht still!
Und die Frauenbewegung, die in der Ausstellung „Tie Frau in Haus und Beruf" und auf dem Deutschen Frauenkongreß einen wirksamen, sicherlich manche Zweifler und Skeptiker überzeugenden Ausdruck gesunden hat, ist in der Tat nur eine Entwicklung, eine Weiterentwicklung, nichts Umwälzendes und Um- stürzendes, mögen auch manche Ausschreitungen dieser Bewegung zuweilen einen solchen Eindruck erwecken. Gehen doch an 10 Millionen Frauei in Deutschland ihrem selbständigem Erwerb nach, ab r dieser Erwerbs- treis hat sich von Jahr zu Jahr e. weitert. Während die unverheiratete Frau noch vor mehreren Iährzehn- - m !>' der Hauptsache darauf beschränkt war. Dienstmädchen, . Näherin oder dergleichen, Krankenpflegerin, Erzieherin oder Schauspielerin zu werden, haben sich st)r heute schon nahezu alle Berufe erschlossen. Es ist eben in dem Überschuß der weiblichen Bevölkerung und s unseren, besonders in den besser gestellten Kreisen die Eheschließung erschwerenden wirtschaftlichen Verhältnissen begründet, wenn die Frau sich immer weitere Kreise des Erwerbslebens erobert. Daß man aber, da dieseEntwiäluttg nun einmal nicht stillsteht, dafürSorge trägt, daß den üesäbigterenMädchenTätigksiten undBe- rufe erschlossen werden, die ihrer Intelligenz entsprechen, das ist nicht nur eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit, sondern eine der wirtschaftlichen Ökonomie.
Ter Einwand, den man auch dieser Tage wieder in ven Auslassungen mancher um die Vorherrschaft ihres Geschlechtes besorgten Männer finden kann, daß die Frau als Rivalin des Mannes dessen Interessen schädige und den harten Kampf ums Dasein noch schwerer machen werde, entbehrt aller Logik, denn die-
(Näch>ruS verboten.)
Märyagd.
Für den Jäger ist es jetzt schlechte Zeit. Mit dem letzten Februar .ging auch die Jagd auf Rot- und Damhirsche zu ebenfalls die Entenjagd. Dm altdeutschen Namen Hornung führte der Februar, weil angeblich in diesem Monat der Edelhirsch seine „Hörner" abwürse. Darüber, daß man ihn dem gemeinen Ochsen gleichstellte, seine stolze Kopszierde als Hörner benamftte, ärgerte sich der Edle derart, daß er letzt das Geweih niemals mehr im Hornung abwirst, sondern im März und April, der Hoch- Mweihte zuerst, der „Schneider" später. Mit den ersten Februartagen stellte sich vielfach Frühlingswetter ein, der ersehnte Spurschnee, der sonst im Hornung dem rüstigen Jäger so manche Freude beschert, dem Wilde zu Nutz, dem Raubzeug zum Trutz, Rieb aus. So ist es nicht zu verwundern, wenn die schweren Fälle von „Schonzeitkr-ank- heit" immer häufiger austreten. Der vorzeitige Anfang des Frühlings schädigt auch die Gärtner sehr; sie Nagen, daß sie Kr die Vorräte an Schnitckauchtöpsen für die Schreibtische der Frühlingsdichter keine Abnehmer finden! Bei der letzten, zwar kurzen, aber um so intensiveren Frost- Periode hat auch das Wasserwild, dem der Zugang zu seinem Element durch den Frost verlegt wurde, naturgemäß sehr leiden müssen. Stark an Münchhausens Jagdgeschichten erinnern aber Zeitungsnachrichten, nach welchem in der Gegend von Danzig die Fischer nicht mehr aus den Fischfang hinausgefahren wären, sondern um die aus dem breiten Eisgürtel am Ostseestrande sestgefrorenen Enten und Gänse in Massen zu erschlagen. Auf dem Eise sitzende Erste» find bet der WnsterMtmiagd -cins alltägliche Er-
jenigen Frauen, die durch die Ungunst der Verhältnisse ihren Beruf nicht im Haus -gefunden haben, sind doch eben entweder gezwungen, ihren Beruf außer dein Hause zu suchen, oder aber sie fallen als Berufslose der Allgemeinheit zur Last. Es werden in diesem Fall vom natioualwivtschaftlichen Standpunkt Kräfte vergeudet, .während die Unterhaltskosten bestehen bleiben. Daß man solchen Frauen die Möglichkeit der Betätigung eröffnen daß man denen, die sich in Berufen minderen Anspruchs betätigen, das Aufsteigen zu einer ihrer Befähigung entsprechenden Laufbahn, daß man ihnen die Bildungsmittel zur Steigerung ihrer Befähigung ermöglicht, ist — wir wiederholen es — eine Frage der politischen Ökonomie und deshalb eine nationale Forderung.
Wir vertreten nach wie vor die Anschauung, daß seine Bestimmung das weibliche Geschlecht darauf hinweist, Hausfrau und Mutter zu werden und den schwersten aller Berufe zu erfüllen: Menschen zu erziehen! Aber es ist eben so unbestritten, daß man der Frau nicht zurufen kann, sie gehöre ins Haus und sie habe den Beruf als Gattin und Mutter auszuüben, ohne daß man ihr zugleich die Anweisung auf ein Haus und einen Gatten aushändigt. Weiter darf man heute nicht mehr übersehen, was uns die Statistik lehrt, daß 46,2 Prozent aller erwerbenden Frauen verheiratet sind, also ihren Beruf neben der Tätigkeit als Gattin bezw. Mutter ausüben. Auch sind wir überzeugt, daß diese Emanzipation der Frau nicht, wie manche fürchten, die Ehelosigkeit steigern, sondern sie eher vermindern wird, weil einmal die Mitarbeit der Frau manchen Mann erst m die Lage versetzt, eine Familie zu ernähren, und weil zweitens die auf eine Berufsausübung gerichtete praktischere Vorbildung der Frau sie nach unserer Überzeugung auch zu einer praktischeren Hausfrau machen wird.
Tie extremen Forderungen der Frauenemanzipation vermögen wir uns nicht zu eigen zu machen, wenn auch niemand Voraussagen kann, wie die Welt im 21. Jahrhundert austehen wird. Was sich will klären, das muß erst gären Wir lesen mit Unbehagen die Berichte von dem wilden Treiben der rasenden englischen Suffraget- tes, aber wir haken soeben vernommen, daß in einem norwegischen Städtchen eine Frau zur Polizistin ernannt worden ist. Hier die staatlich vrivileaierte Hüterin der Ordnung, dort die zum Grundsatz erhobene Unordnung. Zwischen diesen Extremen spielt sich die moderne Frauenbewegung ab, aber — wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet, es gibt zuletzt doch noch einen Wein!
politische Übersicht.
Herr Trimborn und der Wahlkreis Münster.
Als Reichstagskandidat für Münster-Coesfeld an Stelle des Freiherrn v. Hertling war von angesehenen westfälischen Zentrumsführern der Cölner Richtung Herr Trimborn vorgeschlagen worden. Der Zentrumspartei im 'Siegkreise hätte dann die Nachwahl erspart
schesnung. Hat aber jemals ein Jäger sie lebend festgefroren gesunden? Ich nicht!
Das neue Wildschongesetz hat die Mürzjagd stark beschnitten. MS zu seinem Inkrafttreten schoß man noch währeud des ganzen Frühlingsmonats Ente», „März- cnten", wie sie offiziell noch heute heißen. Brehm «««»t sie auch „Blumen:Uten"; woher der Name stammt, ist nicht recht begreiflich, über Las jetzige Verbot des Schießens von Märzenten, richtiger gesagt, von Enten im März, gingen und gehen die Ansichten auseinander. Man hat gegen die jetzt schon mit dem 1. März beginnende Schonzeit vorgebracht, der sorgsame Jäger schieße überhaupt während des Winters, sobald die Erpel das Hochzeitskleid tragen, die Geschlechter also mit -Sicherheit — auch für den Ungeübten — erkennbar seien, nur Erpel, und deren Abschuß könne nie schaden, weil sie in so großer Überzahl vorhanden wären, daß sie das Brutgeschäst störten. Den Gegenbeweis, daß von vielen Jägern wahllos — das Gesetz macht ja keinen Unterschied zwischen männlichen- und weiblichen Wildenten — geschossen wird, was vor die -Flinte kommt, liefern die Wildläden, wo rm Winter die Enten fast immer paarweise anshängen. In den russischen Ostseeprovinzcn dürfen noch während des ganzen Monats März, also nach unserem Kalender bis zum 12. April, „Enterichs" geschossen werden, während die „Entinnen" Schonzeit haben. Dieses Gesetz wird jedem Jäger wohl gefallen, schon wegen seines erziehlichen Einflusses; die Pente werden geUvungen, die Augen auszumachen, erst zu sehen, aus was sie schießen; sie lernen sich zu beherrschen und das Gewehr zu senken, auch vor Wild, welches sie leicht -er reichen könnten.; Ost findet man die Enten schon Anfang März f-c-st gepaart oder in der bekannten Ehe zu dritt mit dem Beierpel, dem Hausfreund. au dm Brut
werden können, indem Landgerichtsrat Becker das Mandat behalten hätte, auf das er zugunsten Trimborns verzichten wollte und bekanntlich inzwischen auch verzichtet hat. Trimborn hat aber vor dem Münsterschen Komitee nicht Gnade gefunden, vermutlich weil er ein zu ausgeprägter Vertreter der Cölner Richtung ist.
Kus der badischen Sozialdemokratie.
Aus Baden wird uns geschrieben: Der Großblock bei den Landtagswahlen und die Verständigung der Linken über die Reichstagsstichwahlen habe.', zu einem großen Krach in der Sozialdemokratie geführt. Nachdem der Radikale Geck, der bekanntlich trotz seinem Radikalismus mit einem angeblichen Besuch der Frau Großherzogm bei seiner Frau renommierte, bei der Reichstagswahl in seinem alten Wahlkreis Pforzheim unterlegen war, ließen sich allerdings angenehme häusliche Auseinandersetzungen in der sozialdemokratischen Partei voraussehen. Nunmehr hat die sozialdemokratische Wahlkreiskonferenz im Wahlkreise Offenburg-Kehl das Stichwahlabkommen mißbilligt und auf der Konferenz in Pforzheim wurde die Niederlage Gecks als Folge der Kolbschen Großblocktaktik hingestellt. Genosse Spengler erklärte, man müsse Kolb-s Taktik durchkreuzen, und wenn sich auch Gegensätze entwickelten wie in Stuttgart. Das eröffnet ja hübsche Aussichten. Vom Standpunkt der Liberalen - kann man zufrieden dam-t sein, wenn die Frage der Mitarbeit an einer nach links orientierten, liberalen und volkstümlichen Politik zu einer klaren Scheidung der Geister im sozialdemokratischen Lager Ghrt.
... . . .X
Deutsches Reich.
* Hof- und Personal-Nachrichtcn, Oberbürgermeister llr. Bender (Breslau) gab im Magistrat die Erklärung ab, daß er wegen zunehmenden Alters sein seit 1891 mnegehabtes Breslauer Amt niederlegen wolle. Die „Breslauer Zeitung" hofft, daß der Entschluß des erst 64sährigen Stadtoberhauptes rem unabänderlicher sein werde.
* Der Präsident des Kaiserlichen Patcntanttes, Wikll. Gch. Oberregicrungsrat Hanß. Hat sein Entlassnngs- gesiuch -einsereicht. Da Ministeri-aldir-ektc-r Caspar demnächst 'Mm Präsidenten der ReichÄvevsichernng-sanstailt ernannt wind-, so sirtd zurzeit drei Präsidentenstell-en sin Reichsamt des Innern frei, das Patentamt, -das Statistische Amt -und die ReichsversichcrnwgsanstM für die Ang-e- stelltenversichevung. Präsident Hanß ist seit November 1902 Präsident des Patentamts -gewesen. Er Hat viel mit den Gesetzentwürfen über das Patentrecht uNd die 'gewerblichen Eigentumsrechte zn tun 'gehabt; n. a. schrieb er einen vielbenutzten Kommentar über das Gesetz zur Bekämpfung des unlautereren Wettbewerbs.
* Der Etat des Reichstags. Dem Reichstag ist jetzt sein eigener Etat zngogangen, nämlich der Etat, ans dem die Kosten des Betriebes des Reichstags gedeckt werden. Er fordert 2143 213 >M. laufende und 21 060 M. einmalige Ausgäben; diese letzteren sind für Reparaturen am Gebäude bestimmt. Bon den Ausgaben, die der Reichstag erfordert, betragen die Anwüsenheitsgdlder der Abgeordneten 1020000 M. Znm Ankauf Kr die Bibliothek sind 38 060 M. ausg-cworsen. Der Reichstag hat auch Ein
orten, die von den Einsallstellcn der Ziigenten meist wesentlich abweichen. Hier die Alte abMschieHen um eines Bratens willen, der eventuell, trotz aller Künste der Küchensee, ein mehr wie zweifelhafter Genuß ist, wäre geradezu sündhaft, denn wie die Hansgeslügelzncht nach Frühbrütern verlangt, so liefern gerade diese so früh znm Brnt- geschäft schreitenden Paare die wertvollste Nachzucht, bei Aufgang der Entenjagd am 1. IM schon fertig entwickelte wirkliche Enten, keine Küken nach dem Geschmack der Chinesen.
Das männliche Geschlecht überwiegt bei den Wildenten wie beim Birkwild ungefähr um das Dreifache; kür den ab geschossenen Erpel und üblichen Beierpel würde sich Wohl immer schnell ein Ersatzmann finden. Aber in der Praxis würde — bei uns — die etwaige Freigabe des Abschusses nur von Erpeln noch im März nicht durchführbar sein ohne fortwährende Verstöße gegen das Gesetz, obwohl von einer versehentlichen Verwechslung der Geschlechter unmöglich die Rede fein kann; wer im März Erpel und Ente nicht unterscheiden kann, der ist als Jäger gemeingefährlich. Wie es in der Wircklichkeit zügelst, sieht man ja jeden Herbst wieder, wenn die Jagd aus Birk- nnd FasancnhähNe und -Hennen zu verschiedenen Zeiten aufgc.ht. Wozu wäre denn der geräumige Rucksack mit der verschwiegenen Tiefe der festverschnürten, gnmmigesütterten, schweißdichten Abteilung da?
Eine interessante, weil schwierige Jagdart für März und April ist die Birfch ans Wildtauben im Walde, die „Taubcnbalz" der bayerischen Jäger. Unter den Früh- lingsbot n. d-e ihm das Wiedcrerwachen der Natur melden, begrüßt der Jäger mit besonderer Freude W in der Heimat zurückkehrende Wildtaube, und wenn zum erstenmal wieder der tfefe Laut des „Heulens", mit dcui de» ‘W*»?
