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•"ÜÜSgÄ 21 wöchentlich 12 klusgaben. ^ ,ÄffÄ»

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Dienstag, 5. März 1912.

Morgen ° klusgabe.

Nr. 108. ^ 60. Jahrgang.

Deutschland und England, l

Es gibt voreilige Beurteiler, denen die inneren Wirren Englands so wichtig erscheinen, das; sie daraus eine Schwächung des Reichs nach außen hin herleiten und erwarten möchten, England werde um so eher ge­neigt sein, sich mit uns zu verständigen. Diese Erwar­tung steht ungefähr auf derfelben Stufe der Einsichts­losigkeit, deren sich das Ausland häufig schuldig macht, indem es aus dem Wachstum der deutschen Sozial­demokratie folgert, unser Reich krache bereits vernehm­lich in feinen Fugen. Torheit hier und Torheit dort. In dem Augenblick, wo die Engländer vor eine Ent­scheidungsfrage der auswärtigen Politik gestellt wür­den, wäre der Kohlenstreik sogleich beendigt, und noch schwerere wirschaftliche wie innerpolitische Erschütterun­gen würden sofort vorbei sein, wenn es gelten sollte, nach außen hin fest zusammenzustehen. Wir sind denn auch überzeugt davon, daß in den leitenden Kreisen der deutschen Politik niemand auch nrir von weitem daran denkt, die englische Macht sei durch die gegenwärtigen inneren Wirren des Jnselreichs bedroht. Diese Sätze vorausgeschickt, möchten wir fragen, ob nicht vielleicht doch bei den maritimen Rüstungen im Unterbewußt- sein unserer Verantwortlichen Persönlichkeiten die Vor­stellung mitspricht, daß England es auf die Tauer immer schwerer aushalten werde, und daß die heftigen - Kämpfe in der inneren Politik diese Schwierigkeiten noch steigern könnten. Tie Antwort auf diese Frage wird natürlich nicht öffentlich gegeben werden, und dies kann auch selbstverständlich nicht geschehen. Jedenfalls jedoch wäre vor einer Auffassung zu warnen, die die Leistungsfähigkeit Englands nach jeder Richtung hin, vor allem m wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht, unterschätzen würde. Warum soll man die Tinge nicht ;mi der nüchternsten Deutlichkeit benennen, die allein in den Kern der zwischen uns und England schwebenden Probleme hineinzuführen vermag? Es ist denn doch 'bemerkenswert und erhebt die Würdigung dieses tt-rngenkomplexes über jeden Argwohn parteipolitischer Voreingenommenheit, daß auch konservative Stimmen bei uns sich vernehmlicher gegen das Wettrüsten mit -England erklären. Die „Kreuzzeitung" äußerte sich vor kurzem sehr bestimmt in -diesem Sinne, und jetzt schließt sich ihr ein so unbefangener Beurteiler wie der -Historiker Dr. Daniels tu den „Preußischen Jahr­büchern" mit erfreulicher Klarheit und/ Unumwunden - heit an. Der Verfasser schreibt u. a.: „Wenn wir jetzt plötzlich unsere Ausgaben für die Marine bedeutend in . »je Höhe setzten, würde nicht daraus folgen, als ein für uns ganz unfruchtbares Wettrüsten oder ein über­flüssiger und jedenfalls vorzeitiger Krieg. Tenn trotz­dem die innerpolitische Neuerungsstrcht bei den Briten m. einigermaßen unheimlicher Weise um sich greift und ft» den Fundamenten der Verfassung nagt, sind die Finanzen wesentlich besser als vor einem Dezennium oder Lustrum, und die -Steuerzahler würden zur Be­hauptung der Seeherrschaft, wenn auch bitter grollend, t:ef in die Lasche greifen. -Sowohl wegen des Geld-

Punktes als auch aus Gründen der Staatsraison würde ein Von Deutschland inszeniertes Wettrüsten manchem Engländer die Versuchung nahelegen, die gegenwärtige Superiorität seines Vaterlandes in Dreadnoughts, die nicht lange auf der Höhe von heute bleiben wird, zu einem Präventivkrieg benutzen zu wollen. Mit dem Auskommen solcher Tendenzen jenseits der Nordsee würde in Deutschland nur einigen Heißspornen gedient sein. Tie Politik Englands uns gegenüber ist ein Ge­misch aus bösem und gutem Willen . . . Daniels fährt fort: „Wenn wir Deutsche heute Seerüstungen

vornehmen, verschlechtern wir unsere diplomatische Lage und werfen das Geld ins Wasser. Tie Zeit für ein neues deutsches Flottengesetz großen Stils ist noch nicht reis. Schon Bismarck hat gesagt, der Staatsmann müsse verstehen, die Dinge an sich herankommen zu lassen. Nachdem unsere Admiralität, eine günstige Konjunktur entschlossen benutzend, Großes geschaffen hat, gilt es jetzt, Wasser und Kohlen einzunehmen. Tie Besonnenheit verlangt, daß der hochfliegende maritime Ehrgeiz zurzeit gezügelt wird, denn die Sterne stehen nicht immer günstig. Dringend brauchen wir unser Geld für das Landheer."

Tie Wehrvorlagen, die zwar merkwürdig lange aus sich warten lassen, die doch aber kommen werden, müssen zeigen, ob diese Mahnungen nicht vielleicht schon von den verantwortlichen Leitern unserer Politik berück­sichtigt worden sind, also überflüssig geworden sind. Die nervöse Besorgnis der Alldeutschen-, daß die Marine- sorderungen hinter dem Zurückbleiben dürften, was nicht bloß die ausschweifende Phantasie dieser Gruppe, son­dern auch der Marineminister gewünscht haben, ist viel­leicht so grundlos nicht. -Sollten sich die Mar-inesorde- rungen in bescheideneren als den anfänglich in Aus­sicht genommenen Grenzen halten, so könnte der Reichs­kanzler und könnten alle besonnenen Elemente bei uns den drohenden Entrüstungssturm der Alldeutschen mit Gelassenheit erwarten. Die Vernunft ist schließlich doch mächtiger als die Leidenschaft.

Deutsches Reich.

* Die deutsch-englischen Verständigungsbezichungeit. Professor Harnack wird mit verschiedenen Parlamen­tariern und Mitgliedern der deutschen Abteilung der Friedensliga der Geistlichen der am 14. und 15. Mai in London unter Vorsitz Lord Courtnevs tagenden deutsch-englischen Verständigungskonferenz beiwohnen.

* Zur Frage eines Generalstreiks der Ärzte schreibt

unS der Ärzteverband: „Ter Betriebskrankenkassen­

verband verbreitet in der Tagespreise die Behauptung, der Deutschs Ärztevereinsbund habe gemeinsam mit dem Leipziger Ärzteverband den Generalstreik gegen die Krankenkassen beschlossen. Diese Behaup­tung ist irrig, denn von einem Streik kann schon des­halb nicht die Rede sein, weil es für die Ärzte einen Vertragszwäng nicht gibt: im übrigen geht der Beschluß der genannten Organisation nur dahin, daß zur er-

' folgreichen Durchführung der ärztlichen Forderungen

ein gleichzeitiges, geschlossenes, gleichmäßiges und ein­heitliches Vorgehen aller ärztlichen Lokalorganisationen unerläßlich sei. Tie Ärzteschaft folgt dabei der Taktik der großen Krankenkassenorganisationen, die längst vor Bckannstverden obigen Beschlusses einheitliche Richt­linien zur Bekämpfung der ärztlichen Forderungen ver­einbart und damtt den Ärzten ihren Weg vorgezeichnet haben. Die Ärzte wünschen geordnete Beziehungen zu den Krankenkassen durch angemessenen Vertragsabschluß von -Organisation zu -Organisation, wird ihnen dieses verweigert, so werden sie nach wie vor die Er­krankten behandeln, sich aber Vorbehalten, ob und inwieweit solches auf vertraglicher Grundlage ge­schehen kann."

* Eine Vorstandsfitzung des Alldeutschen Verbandes

findet am -Sonntag, den 14. April d. I., vormittags 10 Uhr, in Hannover im Hansa-Haus statt. Die Tages­ordnung lautet: 1. Die Notwendigkeit tatkräftiger

Siedlungspolitik in unseren Kolonien. (Bericht­erstatter : Seminaroberlehrer Ob. F. Hänsch, Leipzig.)

2. Die fortschreitende Verwelschung des niederdeutschen Belgien in Gesittung und Politik. (Berichterstatter: Regierungsrat a. D. Kurt v. Strantz, Berlin.)

3. Mittelafrika deutsch. (Berichterstatter: Zeitungs-

besitzer und Hauptschriftleiter Dr. H. Pohl, Großlichter­felde.) 4. Sonstiges.

* Die neu zu errichtende Reichsanstalt für Privatange­stellte soll zunächst in Wilmersdorf in dem Hause Hohen- zollerndamm 20 untergebracht werden, wo das Direktorium die Orgamlsa-tion -der Anstalt du-rchführc'n wird. Für ihre spätere Unterbringung ist ein Neubau in Aussicht genoin- men. über die Besetzung der Hauptst-ellen im Direktorium sind irrige Mitteilungen in der Presse verbreitet worden. Als Mitglieder des Direktoriums sind- der Geheime Ober- regierungsrat D. Beckmann vom Reichsamt des Innern sowie Regisrungsrai' Sehmann vom Reichsversicherungs- amt in Aussicht genommen. Präsident wird, wie bereits berichtet, -der, jetzige Minisierialdirektor im Reichsamt des Innern, Caspar.

* Die Einheitsbestrebungen in der Stenographie. Der Zusammentritt eines Sachvrrstandigenausschuffes Mir Schaffung einer deutschen E-inheitslurzschrist, der bereits km vorigen Jahve in Aussicht genommen war, wird endlich am 11. und 12. März sialtfinden. An dieser Konferenz werden 23 Sachverständig,e tciln-ehmen. Der „Rhein.-Wesis. Ztg." zufolge besteht keine -große Aussicht aus eine Ver­einigung der bestehenden Systeme. Die Gründe dafür sind mannigfaltiger Art. Es scheint, daß keines der bekannteren Systeme hinter den anderen znrückgestellt werden möchte. Die Konferenz wird- währschoiitlich zu keinem Ziele führen. Die preußische Unterrichtsverwaltung trägt sich mit der Absicht, die Kurzschrift als wahlfreies Fach an den höheren Schulen eiuzuführeu.

* Aus Byzantinien. Man schreibt der „F.Z.": I« dem reizeird gelegenen Dorfe Nordenberg bei Rochenbnrg o>b der Tauber steht ein großes Gasthaus. An der dazu­gehörigen Scheune liest rnan in prächtiger goldener Schrift ans weißer Marmortafel: „In dieser Scheune waren bei dem Herbstmanöver 1898 drei Equipagen S. K. Hoh. des Prinzregenten untergebracht!"

(NaKNuü »erboten.)

tzimmelsrrschrinungrn im Mär; 1912.

Im FrühjahrsMonat März, der seinen Ranen von Dem Kriegsgott Mars trägt und im altrömischen Kalender dicht der erste Monat des Jahres gewesen ist, gelangt die Sonne in ihrer scheinbaren Jahresbahn in den Früh­lingspunkt. Dies geschieht mit ihrem Übertritt aus dem Kalenderzeichen der „Fische" in das des „Widders" »u Mitternacht vom 20. zum 21. März. Die Sonne kreuzt Dann den Äquator von Süden nach Norden, und ihre bis dahin negative Deklination wird positiv. Am 20./21. dÄürz sind daher auf der ganzen Erde Tag und Nacht gleich lang, es herrscht Äquinoktiu m, und auf der nördlichen Halbkugel beginnt das Frühjahr, aus der südlichen der Herbst. Am 1. März beträgt die Deklination der Sonne u«l) —7» 37' 30".7, am 20./21. März 0" und am 31. März -j- 4 » 6' 37".0. Ihre Mittagshöhe wächst aus diesem Gründe für den Parallel von 54° (NorÄde-utschlan'd) von 28° 22'.5 am 1. aus 40° 6'.5 am 31., für den Parallel von 51° (Mitteldeutschland) von 31° 22'.5 am 1. ans 43° 6'-5 am 31. und für den Parallel von 43° (Süddeutjschland und Österreich, etwa die Breite von Wien) von 34° 22'.5 Dm i. auf 46° 6'.5 am 31. März. Die Tag eslänge wächst aus diesem Grunde in No-rAdeu-ifchl-and von 10% - ön f 12% Stunden, in Mitteldeutschland von 10% auf 12 : /i Stunden und in Südd-eutschlanh, Österreich und der Schweiz von nahezu 11 aus 12%, Stunden.

Unser Mond wechselt seine Gestalt im März folgen- »ermaßen: Vollmond am 3-vormittags 11 Uhr 42 Mm.z

Letztes Viertel am 10., nachmittags 8 Uhr 56 Min., Neu­mond -am 18,, nachmittags 11 Uhr 9 Min., und Erstes Vier­tel am 26,, vormittags 4 Uhr 2 Mim Der Mond befindet sich aut 1. März, vormittags 10 Uhr, in Erd«ähe bei einem Abstand- von 56:9 Erdha-lbmessern ä 6378 Kilometer, am 13. März, vormittags 6 Uhr, in Erdferne bei einem Abstand von 63.6 Erdradien und am 28. März, nachmittags 10 Uhr, wieder in Erdnähe bei einer Entfernung von 57.7 Erdhälbmessern. Von den im März stattsind-enden drei Sternbedeckungen durch den Mond betreffen zwei hellere Sterne und- ereignen sich zu bequemer Beo- obachtungszeit am Abend. Zunächst bcrectt der noch fast volle Mond am 4. März den Fixstern 3.7. Größe Eta der „Jungfrau"; der Eintritt erfolgt Kr Berlin um 9 Uhr 16.4 Min., der Austritt um 10 Uhr 2.6 Min. nachmittags. Weiter bedeckt der in zunehmender Phase stehende Mond am 22. März den Fixstern 4.3. Größe Delta des „Widder"; der Eintritt geschieht, ebenfalls Kr Berlin-, um 10 Uhr 17.0 Min., der Austritt um 11 Uhr 4.6 Minuten nach­mittags- kurz darauf geht der Mond unter. Auße-rd-em finden noch zwei Annäherungen des Mondes an Helle Fixsterne statt, wobei es fast zur Bedeckung kommt; am 9. März, 10 Uhr abends, tritt der dem Letzten Viertel nahe Mond dicht an den Stern 1. Größe Antares im „Skorpion" heran, wird aber bei seinem Ausgang gegen 1 Uhr schon etwas nach Osten von dem Stern abgerückt sein, und am 25. März, 4 Uhr morgens, kommt das Erste Viertel dem Stern 2. Größe Beta im „Stier" sehr nahe, hat ihn aber bei dem schon vorher statGinde-nden Unter­gang noch- nicht erreicht.

Von d-en sieben Hauptplaneten sind im Marz nicht weniger denn sechs kürzere oder längere Zeit sichtbar, nur Venus hält sich verborgen. Wer kur — Entfernung- von

der Sonne im Perihel am 19. März 0.3075, im Aphel -am 2. Mai 0.4667 ErÄbahnr-ädien a 149.48 Millionen Kilo­meter — durchläuft -am 2. März, 3 Uhr nachmittags, seine obere SonuenkMj unltion, steht dann also hinter der Sonne; am 28. März, 2 Uhr vormittags, kommt er in seine größte östliche Ausweichung, 18° 51', von der Sonne, wird daher gegen Monatsende kurze Zeit n-ach Sonnenunt-ergaug im Westen sichtbar. Sein Erd-abstanld vermindert sich von 1.37 auf 0.81 Erdbahnhalbmesser, und sein scheinbarer Durchmesser vergrößert sich von 4".9 aus 8".3. — Venus — Entfernung von der Sonne im Per-ihel am 22. J-uK 0.7184, -im Aphel am 1. April 0.7283 Etd-bahnradien.— bleibt unsichtbar. Ihr Erdabstand wächst von 1.34 auf 1.49 Einheiten (Erdbahnrädien), ihr Scheibendurchmesser, der jetzt nur noch mit stärkeren Instrumenten zu beobachten ist, verringert sich deshalb von 12".6 auf 11.3. — Mars — Entfernung von der Sonne int Perihel am 1. Juli 1911 1.3316. im Aphel am 9. Juni 1912 1.6658 ErÄba-hnradien — befindet sich am 4. März, 6 Uhr nachmittags, in Quad-ra- turstellung zur Sonne. Er wandert aus dem Sternbild des „Stiers" in das der „Zwillinge" und steht bei Dunkel­werden hoch am südwestlichen HiMmel, wo man ihn als noch immer sehr hellen roten Stern leicht findet; sein Un­tergang erfolgt am Monatsschlnß gegen 2 Uhr. Da sich sein Erdabstand von 1.25 auf 1.55 Einheiten vergrößert, geht sein scheinbarer Durchmesser von 7".5 auf 6".0 zurück. Am 25. März, 9 Uhr vormittags, hat der Monld mit ihm Kon­junktion, man sieht infolge dessen das Erste Viertel -am vor­angehenden Abend noch westlich (rechts), am folgenden Abend schon östlich (links) vom Mars. — Jupiter — Entfernung) von der Sonne im Perihel 4.9518, im Aphel 5.4539 Einheiten — -gelangt am 5. März, 5 Uhr vormittags in Quadratur zur -Somts. Er weilt im Steritbiid des