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7 Ausgaben

Wöchentlich

Unterhaltungsbeilage.

mit einer täglichen

PostlchttNonta: granlsurt a. M. Nr. 7405.

Drahtanschrist: Tagblatt Wiesbaden.

84. Jahrgang.

Freitag, 18. Dezember 1936.

Nr. 346.

Ein Problem unserer ivirtscliaftlichen Existenz.

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Merträglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittags Fernsprecher-Samtnel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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1 Lchellenberglche Hofbuchdruckerei,Tagblatt-Haus". MtMchLstszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

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blieben. Solange daher das koloniale R o h - stofsproblem für Deutschland nicht gelöst ist, wird Deutschland ein Unruheherd bleiben trotz aller seiner Friedensliebe, die es aus die Hoffnung nicht verzichten läßt, das koloniale Problem auf friedlichem Wege zu lösen und damit in die Reihe derHaves" einzutreten.

Ras Jmru hat sich ergeben.

Rom, 17. Dez. Bei der Besetzung und planmäßigen Säuberung von W e st a b e s s i n i e n ist nunmehr den drei in diesem Gebiet operierenden Abteilungen der ent­scheidende Schlag gegen den letzten noch im Kampfe liegenden abessinischen Würdenträger, den früheren Ras Jmru, gelungen. Nach italienischen Zeitungs-

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meldungen aus Addis Abeba kam es bereits am 12. d. M. im Kaffa-Eebiet zu einem ersten Zusammen­stoß mit den Banden, bei dem es, wie bereits gemeldet, dem früheren Ras Jmru und einem Teil seiner An­hänger gelang, nach Süden auszuweichen. Durch die von Marschall E r a z i a n i befohlenen Einkreisungs­manöver wurde ihm die Überschreitung des Flusses Godsched unmöglich gemacht.

Am letzten Dienstag kam es dann zu einem zweiten Zusammenstoß, bei dem der entscheidende Schlag gegen die modern ausgerüsteten Banden Jmrus geführt werden konnte. 800 Bewaffnete wurden zur Übergabe gezwungen, 1500 Gewehre und 5 Maschinen­gewehre den Italienern ausgeliefert. Kurze Zeit dar­auf st e l l t e sich auch Jmru und erklärte dem itlieni- schen Kommando, daß er sich mit seiner ganzen Gefolg­schaft ergebe. Damit ist der letzte systematische Wider­stand in Westabesiinien zerschlagen und die italienischen Abteilungen werden unmehr, wie es in der. italienischen Meldung heißt, innerhalb weniger Tage die äußerste Westgrenze von Aethiopien erreichen können.

Die italienische Öffentlichkeit, die Anfang dieser Woche durch eine kurze Ansprache Mussolinis im Senat bereits auf diese entscheidenden Operationen vorbereitet worden war, verzeichnet den neuesten Erfolg des Marschalls Graziani und seiner Abteilungen mit leb­hafter Genugtuung. Die Presse betont, daß Jmru zu den engsten Mitarbeitern des Negus gehörte und immer einer der hartnäckigsten Gegner Italiens war, obwohl er seinerzeit nach dem Zwischenfall von llal-llal dem Negus in der richtigen Erkenntnis, daß er Italien nicht gewachsen sei, zum Frieden geraten habe.

Italienischen Zeitungsmeldungen zufolge hat eine von Harrar nach Südwesten vorstoßende Abteilung nach mehrwöchigen Operationen Ciulul erreicht, wo die italienischen Truppen Hauptmann Cannonieri, der dort am 9. Juni in Gefangenschaft geraten war, wieder befreien konnten.

Tschanghfüliang aus Siansu geflohen?

Zwei seiner Divisionen zu den Regierungstruppen übergelaufen.

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Kriege nicht nötig, feine Kolonien mit besonderer Eile auf- zuschließen.

Dennoch ist es erstaunlich, was Deutschland vor dem Kriege aus seinen Kolonien ohne große Anstrengung gemacht hat. Man darf nicht vergehen, daß die deutschen Kolonien durchschnittlich nur rund 25 Jahre lang, nämlich seit Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre, in Deutschlands Besitz ge­wesen sind. Wenn Deutschland heute, wo die Welt keinen freien Handel mehr hat, wo Deutschland von Auslands­schulden erdrückt wird, wo Rohstoff- und Devisennot es be­drängen, seine Kolonien zurückerhielte, so würde es mit ganzanderer Intensität an die Entwickelung seiner Kolonien Herangehen, und einen großen Teil seiner Nahrungsmittel und Roh st off e, die ihm jetzt fehlen, würde es aus seinen Kolonien gewinnen können.

Ein wenig ist ja die Einsicht hinsichtlich der kolonialen Vedürfnisie Deutschlands gewachsen. Als ich!929vorder Pariser Expertenkonferenz (Horing-Konferenz) die koloniale Forderung Deutschlands als unerläßliches Element für das wirtschaftliche Bestehen Deutschlands bezeich­nete, wurde ich verlacht. Jetzt aber hat ein englischer Minister, Sir Samuel Hoare, im September vorigen Jahres in einer Rede vor dem Völkerbund sich für eine neue Verteilung des Zuganges zu den Rohstoffquellen der Welt eingesetzt. Was hinter dieser Formulierung an näheren Vor­schlägen und Absichten steht, ist bisher nicht bekannt ge­worden.

Ich möchte deshalb zwei Bedingungen hier nennen, die für die Lösung des deutschen Rohstoss­problems unerläßlich find. Erstens muß Deutschland seine Rohstoffe auf einem Territorium erzeugen können, das unter seiner eigenen Verwaltung steht, und zwei­tens muß in diesem kolonialen Territorium die deut­sche Währung umlaufen.

Wer koloniale Rohstoffe entwickeln will, der muß erheb­liche Investitionen machen. Die kolonialen Märkte sind keine Märkte, die auf den persönlichen Bedarf der eingeborenen Bevölkerung beruhen. Hemden und Hüte für die Neger und Schmucksachen für die Negerfrauen sind kein ausreichender Markt.

Koloniale Gebiete werden entwickelt durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen, durch Automobilverkehr, Radio,

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Verlustreiche Gefechte.

» Nanking, 17. Dez. (Ostastendienst des DRV.) Das 34. gtocnt, 6a5 Tschanghfüliang beordert hatte, den Vormarsch ^Nanking-Truppen, die aus dem Wege nach Sianfu sind, aus- Mllrn, wurde bei Tungkwan an der Mündung des Weiho kj6" Gelben Fluß nach heftigem Gefecht zurückgeschlagen, g* dem nördlichen Teil der Provinz Kansu hat Tschanghjü- W die 110., 120. und 112. Division zur Unterstützung herbei- Mlen. Der Anführer der 105. und 106. Division, die vom ST"! iu Hilfe kommen sollten, ist mit seinen Truppen auf Leite der R e g i er un gs so lda ten überge- * e n. Wie weiter bekannt wird, haben die Meuterer ön$Jiilianq5 auf der Strecke TungkwanSianfu die W^leise ausgerissen und zahlreiche Brücken vernichtet.

^^ie der Reutervertreter aus Taiyuanfu berichtet, soll ki.I -tchanghsüliangs Privatslugzeug von Siansu kommend ^"rossen sein. Wer die füns Personen an Bord waren, streng geheim gehalten. Es wird dahin gedeutet, daß dS^ghsüliang Siansu verlassen Hobe, was große Ausregung ^'«cht hat.

(7 Stärke der Nankingtruppen um Sinansu beträgt jetzt '-'t'-mcn mit über 200 Bomben- und Jagdflugzeugen.

Tschiangkaischek wohlauf.

Berlin, 17. Dez. Der australische Journalist D o n a l d, einer der vertrautesten Ratgeber des Marschalls Tschiang­kaischek hat, wie die chinesische Botschaft mitteilt, am Donners­tag von Sianfu aus der Zentralregierung in Nanking zum zweitenmal telegraphisch mitgereilt, daß Marschall Tschiang­kaischek sich in Sianfu wohlauf befindet. Außerdem teilte er mit, daß er sich mit dem Marschall in dessen jetziger Wohnung aufhält.

Soeben ist der erste Augenzeugenbericht über die Gefangen­nahme des Marschalls Tschiangkaischek in Huachinchih, einem Kurort in der Nähe der Provinzialhauptstadt Sianfu einge- trosien. Diesem Bericht zufolge, umstellten revoltierende Truppen Tschanghsüliangs das Auto Tschiangkaischeks, der sich gerade nach Sianfu zurückbegeben wollte. Obwohl die Leib­wache des Marschalls einen Schutzring um Tschiangkaischek bil­dete, mutzte sie sich fchließlich ergeben, nachdem viele der Sol­daten gefallen und verwundet waren. Nur dem zweiten Kom­mandeur der 13. Division, der sich in Begleitung des Mar­schalls befand, gelang es, nach Sicnyang zu entkommen. Er alarmierte sofort die dort stehende Nanking-Division, so baß drei Stunden später ein Angriff Tschanghsüliangs auf Sienyang erfolgreich abgeschlagen werden konnte.

t Dl Ml Mikkl Die We MiMiung.

Wer den Frieden will, darf eine grohe Nation nicht von den Naturschätzen der Erde absperren

Eine Plattform für sachliche Aussprache.

E Der Reichsbankpräsident und Reichswirtschasts- Minister Dr. Schacht hat der englischen Zeitschrift kForeign Asfairs" einen längeren Aufsatz über Deutschlands Kolonialproblem" zur Verfügung ge- t stellt, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: e Angesichts des Verfalls der internationalen Handels- Weziehungen find wichtige Länder dazu übergegangen, den toten zur Verfügung stehenden Wirtschaftsraum intensiver Mqunutzen. Es ist heute so viel davon die Rede, daß Meutfchland nach Autarkie strebt; aber mancher WM ganz, daß diese Autarkie längst von Ländern wie Wumkreich und Großbritannien verwirklicht wird, ganz zu Wveigen von Rußland und USA. Tine solche Autarkie MW sich leicht verwirklichen, ja sie ist gewissermaßen natürlich WHanden in Wirtschaftsgebieten, die über fast alle Rohstoffe Wkrpigen, vorausgesetzt, daß sie unter der gleichen Währung Bfn. Die Abwertung der englischen Valuta hätte England Mhnals den Erfolg bringen können, den sie ihm gebracht hat, m es nicht gelungen wäre, die Währung der britischen i&ttninions auf die gleiche Basis mit England zu bringen; Wst auch Frankreich hätte niemals fein Kolonialreich so sehr Wvnutzen können, wenn nicht die Währung der französischen ESolonien auf der Währung des Mutterlandes aufgebaut BeR. In welchem Umfang die Autarkie im großbritannischen W» französischen Weltreich Fortschritte gemacht hat, dafür Mochte ich einige Zahlen geben:

l Der Anteil der britischen Dominions, Kolonien und Pro- Wtorate an der Einfuhr Großbritanniens stieg in den letzten Btiif Jahren von rund 31 auf rund 42 v. H. und der Anteil M der Ausfuhr von rund 41 auf 49 v. H. Frankreichs Ein- Wr aus seinen Kolonien stieg in den letzten zehn Jahren W» rund 10 aus rund 26 v. H. Seine Ausfuhr dorthin von

14 auf 32 v. H. Die geographische Ausdehnung der MNeinigten Staaten von Amerika bietet ein Wirtschasts- UMet dar von gewaltigem Ausmaß und von größter Reich- Mütigkeit, so daß USA. viel weniger auf den Warenaustausch M der Außenwelt angewiesen ist als andere Staaten. In natürlichen Reichtum liegt es begründet, daß die 125 Mionen Menschen von USA. nur mit rund 10 v. H., die 45 ^Millionen Menschen von Großbritannien dagegen mit über Mv. H. am Welthandel beteiligt sind. Noch viel günstiger Wren die Verhältnisse natürlich für das noch weniger ent- aber fast alle Rohstoffe in sich bergende Rußland.

L_, Dicem großen nationalen Wirtschastsräumen gegenüber Itotit nun die Länder, die über beschränkte Meumverhältnisse aber gleichzeitig über t-r»< große Bevölkerung verfügen und die in- Wchessen bei der Knappheit ihrer Bodenschätze auf den t ««nationalen Warenaustausch viel stärker angewiesen sind.

DieHaves" und dieHavenots", so hat man ^'«uidings die verschiedenen Länder klassifiziert.

??pan und Italien sind aus der Reihe der unbe- - tatbigten Nationen, derHavenots", ausgefchieden und

!"die Reihe der gesättigten Nationen, .Haves" Lbergetreten. Bon den unbefrie- t *vtit Großmächten ist allein Deutschland übrig ge-

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Nun gibt es eine Reihe von Leuten, die der Meinung sind, daß man ja nur den internationalen Warenaustausch wieder herzustellen brauche, um Deutschlands Absatz zu ver­größern und ihm damit die Möglichkeit zum Ankauf von Rohstoffen wiederzugeben. Das sind die Leute, die immer von der Herabsetzung der Zollsätze und von der Freiheit des Handels reden. Es gibt niemanden, der diesen Leuten nicht zustimmte, aber es ist noch niemals gelungen, die Ideale dieser Leute in die Wirklichkeit umzusetzen. Der Grund hier­für ist ein sehr einfacher. Er liegt in der Entdeckung, daß die wirtschaftlichen Kräfte einer Nation eine außerordentliche a haben auch für die politische Stellung einer So gut wie die willkürliche Veränderung der Währungsgrund lagen ein politisches Instrument geworden ist, ebenso ist der Besitz von Rohstoffen heute ein politischer Faktor gewor­den. Man glaubt, durch die Zurückhaltung oder die Zutei­lung von Rohstoffen die politische Lage eines politischen Geg­ners oder Freundes entsprechend beeinflussen zu können.

Ein großes Volk, das sich solcher Gefahr ausgesetzt sieht, wird alle Kräfte anspannen, um rhr zu entgehen. Wer den Frieden will, kann niemals solche Mittel billigen, w.ie sie die AbsperrunggroßerNationenvonden Natur­schätzen der Erde dar st eilt.

Besonders lächerlich wirkt der Einwurf, den Deutschland so oft auf seine koloniale Forderung hören muß, daß Kolonien und insbesondere seine früheren Kolonien nichts wert seien und daß man ihm gar keinen Gefallen täte, wenn man ihm seine Kolonien zuruckgeben würde. Die Gegenfrage liegt aus der Hand: Wenn die Kolonien so schlecht sind, warum haltet Ihr sie fest? Auch der Hinweis auf die geringe Rolle, die die Kolonien in Deutschlands Vor­kriegsaußenhandel gespielt haben, ist irreführend.

Ich habe schon darauf verwiesen, daß vor dem Kriege in der Welt ein freier Handel größten Ausmaßes herrschte und daß Deutschland einen großen Besitz an Auslandsinvesti­tionen hatte. Infolgedessen hatte Deutschland es vor dem