Wirsbaiiriirr Tdybl.lt!
Verlag: Langgasse 27,
17,00® Avonneutru
1899
Samstag» den 23. Dezember.
Mo. 599.
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. uionatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Fahnen übers Meer und ins Feld gezogen, mit der offiziellen Begründung, baß derartige markante Hülfsziele, wie sie die' flatternden Feldzeichen zweifellos für das feindliche Feuer bieten, vermieden werden müssen. — Ferner hat General Sir RcdvcrS Buller einen Armeebefehl hcrausgegebcn, wonach die Degen oder Säbel der Offiziere der Fußtruppen einzusammeln und in die Felddcpots zu legen sind. Den Scharfschützen der Buren soll dadurch die Möglichkeit genommen werden, die englischen Offiziere, ivelche durch ihr Seitengewehr von den Mannschaften bereits auf große Entfernungen zu unterscheiden waren, so leicht wie bisher aufs Korn nehmen und wegschießen zu können. Statt des Degens führen die Herren Karabiner oder Büchse neben dem Revolver, und so wird das ritterliche Schwert durch das Schießpulver immer mehr verdrängt und dient schließlich nur noch al» Paradewaffc,_______
Ans Stadt und Land.
Wiesbaden, 23. Dezember.
— Grfchichtsiralendrr. 23. Dezember. 1870: Schlacht an der Hallue. 1865: * Herzog Albrecht von Württemberg. 1811: * Karl Richard Lepsins zu Naumburg, berühmter Aegqptiologe. 1806: Gefecht bei Czarnowo. 1597: * Martin Opitz zu Bunzlau, deutscher Dichter. 1588: König Heinrich von Frankreich läßt zu Blois Henri I. von Lothringen ermorden. 918: f Konrad I., Kaiser von Deutschland.
— An uitfrre Hausfrauen. Der Vorstand der Bäcker- Innung erläßt im Anzeigentheil des „Wiesbadener Tagblatt" eine Bekanntmachung, worin er Bezug nimmt auf die den Arbeitern bewilligten Freinächte und bemerkt, daß am dritten Feiertag keine frischen Backwaaren zum Austrag gelangen können. Die Bäckermeister bitten dafür um gütige Rücksichtnahme.
— Wrihnirch1s-Kin-rrkon?ert zum Besten hiesiger Christ- bcjcheerungen. Wer Gelegenheit genommen hatte, dem Weihnachts- Kindcrkonzert bcizuwohnen, welches verflossenen Mittwoch von den Schülern und Schülerinnen des Beethoven-Konservatorin ms im Saale des Kath. Vereinshauses in der Dotzheimerstraße aufgeführt wurde, der wird am Schluß des Konzertes den Saal mit dem Gefühl hoher Befriedigung verlassen haben. Die Einnahme dieses Konzertes war von Herrn Direktor Gerhard für die Christbcschecrungcn int RettungShans, Kinderhort und Kinder- Bewahranstalt bestimmt worden und dürfte wohl zur Erhöhung der Festesfreude daselbst beitragen. Nicht gering war aber auch die Festesfreude int Konzertfaaale, der dicht gefüllt war. Wie glänzten die Gesichter der lieben Kleinen bei der Ausführung ihrer Aufgaben und mit welcher Lust und Liebe waren auch die jungen Damen und Herren bei der Sache. Wie tvohlgelungen wurden alle Nummern des ab- wechselungsrcichen Programms durchgcsührt und welchen freudigen Widerhall fanden sie bei de» Hörern. Ein von der Schülerin Fräulein Z int ar aff lebendig gesprochener Prolog unserer beliebten Dichterin A. Wendel-Marburg eröffnete die Feier. Ein Jnstru- mentalstück mit lieblichen Wechnachtsgesängen der Kinder schloß sich daran. Eine kleine, wohl kaum 5-jährige Vorsängerin in der Schaar erregte mit ihrem Hellen Stimmchen große Freude. Herr Gerhard hatte die glückliche Idee, des Weiteren einige ferner jüngsten Schülerlein spielen zu lassen, und man muß gestehen, daß die Leistungen dieser sieben- bis zehnjährigen Kleinen einfach verblüffend wären und eher auf siebzehn Jahre der Spieler schließen ließen. Die Hörer konnten sich denn auch in dankendem Beifall kaum genug thun. Wir nennen hier anerkennend die Namen E. und F. Klee, Mariechcn Stark, die besonders innig spielte, Grcthcl Erckmann und Kili Bluhm. Fräulein Levy beschloß den Reigen der Klaviervorträge mit dem reizend gespielten „Dornröschen" von Bendel. Bei der folgenden melodramatischen Deklamation und dem von Herrn Maler Frankenbach wunderbar arrangirten lebenden Bild, das eine Fülle von Jugend und Schönheit glanzvoll vereinigte, blieb wohl Niemand ohne tiefe Ergriffenheit. Würdig schloß sich hieran, von reinen Stimmen gesungen, Mozarts unsterbliches „Ave verum coi-pus“, eine schöne, ausgeglichene Leistung des jungen Chors des Instituts. Haydn» Symphonie mit Kinderinstrmmenten, von einem kleinen Orchester tadellos unter der Leitung eines Schülers gespielt, erregte durch ihren humorvollen Inhalt allgemeine Heiterkeit. Die mit Sicherheit gebrachten Einsätze der von den Kleinen gespielten Instrumente, als Kukuk, Nachtigall, Wachtel, Nachteule re., wirkten inmitten der munteren Haydnschen Motive ungemein komisch. Ei» flott gespielter Marsch beschloß das Ganze. Vergessen wir auch nicht die Betheiligung der Lehrer der Anstalt au dem Gelingen des Abends. Fräulein E. Klocke sang mit großer Meisterschaft die herrlich schönen Weihnachtslieder von Cornelius und bereitete damrl Allen einen hohe» künstlerischen Genuß. Herr Direktor Gerhard begleitete am Flügel mit bekannter Feinheit und spendete außerdem eine reizende und charakteristische Komposition zu dem Melodram „Des fremden Kindes heil'ger Christ". In der Ausführung des kleinen Gesangssolis machte sich eine Sopraustimme von auffallender Schönheit geltend. In dem kleinen mitwirkenden Orchester bemerkten wir die übrigen Lehrkräfte des Instituts, sodaß dieser Abend ein schönes Zeugniß ablegte von begeistertem Zu- sannueuwirken der Lehrer und Schüler für einen edlen Zweck.
— Lehrer nud Lehrerin. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß bei der lleberfüllung in säst allen Berufsarten fortgesetzt ein empfindlicher Mangel an Lehrern herrscht. Volksschullehrer müssen wir sagen, denn akademisch gebildete Lehrer sind so massenhaft vorhanden, daß die wenigsten unter ihnen vor der Mitte der dreißiger Jahre Anstellung finden. In den westlichen Provinzen ist der erwähnte Mangel kaum, sehr stark dagegen im Osten fühlbar. Trotz der großen Anstrengungen, welche die Regierung in den letzten Jahren machte, um die Lehrerbildungs-Anstalten zu füllen, zeigt sich nur eine geringe Steigerung in der Frequenz derselben, und die numerische Zunahme von jüugen Lehrern ist keineswegs ausreichend, um den Ausfall zu decke», der durch die im nächsten Jahr begimiende einjährige Militärdienstzeit entstehen muß. Gegenwärtig schon greift die Regierung in Königsberg zu weiblicher Aushulfe. Sie-verhandelt mit den noch nicht angestellten Lehrerinnen, um sie zur Uebernahme von zweiten Lehrerstelle» aus dem Land zu veranlassen. Nur ganz ansnahmsweise erklären sich jevoch die Lehrerinnen bereit, von dem Angebot Gebrauch zu machen. Das ist nun freilich sehr begreiflich, zwingt aber die Regierungen zu einem Ausweg, welchen die männlichen Lelnpersoneu auf» Tiefste zu beklagen haben. Sie stellt voraussichtlich keine jungen Lehrer mehr in deu Städten an und erschwert älteren Lehrern die Versetzung in die Stadt, weil hier die Stellen gern von Lehrerinnen übernommen werden. Auch in Wiesbaden wird das weibliä-e Element.
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Der Krieg in Südafrika.
y<trie, 22. Dezember. Der gegenwärtig in Paris weilende Vertreter von Transvaal, Dr. Leyds, erklärte einem Mitarbeiter des .Matin", daß er von den jüngst gemeldeten VermitteInngs- verfuchen nichts wisse, schon deshalb, weil er ohne jede Verbindung mit feiner Regierung sei. Selbst wenn Ohm Krüger die guten Dienste irgend einer neutralen Macht in Anspruch nehmen wollte, so könnte er dies Mangels einer Verbindung mit seinem Vertreter in Europa nicht. Doch wir haben, schloß Leyds, allen Grund, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken. Wir lieben den Frieden mehr als den Ruhm; wlr kämpfen nur, nm einen endgültigen ehrenhaften Frieden zu erlangen. Ich bin überzeugt, daß inan in Pretoria, in welchem Augenblick des Kampfes es auch immer sei, bereit ist, einen Frieden anzunehmen oder nnzubieten, welcher unsere Unabhängigkeit verbürgt, aber Präsident Krüger ist gegenwärtig der materiellen Möglichkeit beraubt, seine Ansichten Denen mitzutheilen, die ein Interesse au der raschen Beendigung des Krieges leben.
-n. Alerandrien, 8. Dezember. Will man sich eine» Begriff ,avo» machen, in welcher Weise die öffentliche Meinung hier von den Vorgängen auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz in Anspruch genommen wird, so braucht mau zunächst nur an die Gleichgültigkeit zu denken, mit der die Nachricht vom Tode des Khalifeu und der endlichen Niederwerfung des Mahdismus aufgenommen wurde. Unter anderen Umständen hätte ein derartiges Ereigniß große Begeisterung Hervorgernfen, da es neue bedeutende GebietS- cheile dem egyptifchen Händel eröffnet. Daran dachte indessen Niemand, denn das Volk hat schließlich einsehen gelernt, daß es doch nur für Andere arbeitet. Auch bei den Triumphen seiner Soldaten denkt es nur daran, was sie dieselben kosten, denn da sie nichts davon haben, sind es für sie eben nur Verluste an Geld oder Menschen. Dagegen nimmt man mit lebhaftem Jnterefse an den Siegen der Buren Theil, die hier umsomehr verblüffen, als die Engländer den Egyptern immer allmächtig erschienen. Sie haben sich daran gewöhnt, diese als ihre unbesiegbaren Herren anzusehen und fühlen ganz genau, daß von dem schließlichen Ausgange des TranSvaal- krieaes auch ihr Schicksal mehr oder weniger betroffen wird. Vorläufig macht sich sein Einfluß in der bejammernswerrhen finanziellen Lage des Landes bemerkbar, denn der Geldmangel ist größer als je, weil die Kassen alle geleert sind. Eine andere Folge des Krieges ist die Verminderung des Bestandes der englischen Oeenpations- armee, die den Zeitungen Anlaß giebt, der Regierung den Vorschlag zu machen, eine entsprechende Verkürzung der im Budget für den Unterhalt dieser Truppe ausgesetzten Summe eintreten zu lassen. Die Bevölkerung hat sich eigentlich niemals mit dem Gedanken vertrant machen können, diese Kosten tragen zu müssen. Verschiedene Male schon suchte die gesetzgebende Körperschaft und die National- verfammlnng Widerstand zu leisten, ließen sich aber stets wieder gütlich zureden;heute jedoch erscheint es in höchstem Grade unrecht, daß man deu armen Fellachen zumuthet, den Unterhalt der englischen Soldaten zu zahlen, die gegen die Buren kämpfen oder schon gefangen sind und jetzt in Pretoria Fußball spielen. Aber das ausgesogene Volk wird nicht nur diese, sondern auch noch andere Kosten zu tragen haben, denn es gilt, das Defizit von 100,000 türk. Pfd., das der voraussichtliche Steuerertrag des nächsten Jahres infolge der Mißernte aufweisen wird, auf andere Weise auszugleichen. Es werden zu dem Zweck 5000 junge Leute mehr als nothwendig zur egyptische» Armee und zu den Arbeiten im Sudan einberufen, und diese müssen sich, ob sie wollen oder nicht, mit 400 Mark pro Kopf loskaufeu, auf welche höchst einfache Weise der Fehlbetrag von 2 Millionen Mark gedeckt ist. Das System des „obligatorischen Loskaufes" hat fich bereits feit 3 Jahren vorzüglich bewährt.
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„Das letzte Aufgebot." Die Engländer machen Miene, den Krieg fortzufetzen, obwohl man überall, in Europa sowohl wie in Amerika, der festen Ueberzeugung ist, daß man dem grausamen Spiel ein Ende machen müßte, da für England eine Aussicht auf Gewinn nicht mehr vorhanden ist. Schon hat das Londoner Kabinett einen neuen Oberbefehlshaber und einen nicht minder berühmten Stabschef ernannt, auch geht man damit um, große Echaaren von Mannschaften ans Freüvilligen und Miliz nach Südafrika zu schaffen. Dies Verfahren erinnert, so schreibt die „Tägliche Rundschau", an die Orgamsatiou der nationalen Ver- theidigung in Frankreich durch Gambetta nach der Schlacht von Sedan. Sambettä hat dadurch Frankreich einen ungeheueren Schaden zngefügt. Die Kriegsentschädigung an Deutschland wäre lange nicht so hoch erworben, wie sie schließlich war; die Belagerung von Paris und bei Feldzug im Norden wäre ausgebliebeu, ebenso die Kämpfe um Orleans, durch welche noch mehrere Provinzen stark verwüstet wurden. Tie Vertreibung einer starken französischen Armee in die Schweiz wäre ausgefallen; man hätte einen ansehnlichen Theil der französischen orgaursirten Armee erhalten und die Kommune in Paris würde nicht möglich gewesen sein. Nicht besser wird eS England ergehen, wenn es nach seinen ununterbrochenen Niederlagen noch den Kampf mit ähnlichen unausgebildeten Kräften fortsetzl,w:e Frankreich unter Gambetta. Englands Ansehen bat schon durch den bisherigen Gang des Krieges einen Stoß arger Art erlitten; allenthalben giebt unm diesem Gefühle scharfen Ausdruck. Besser kann es durch die Fortführung des Krieges nicht werden, und England fchwächt sich fdbft dadurch in einer Weise, daß die bedenklichsten Folgen daraus entstehen müssen. Schon jetzt stehen die zahlreichen Gegner Groß- bntanniens im Hinblick auf Südafrika mit Hoffnungen und Erwartungen da, die nichts Gutes versprechen. Vor Allem hat man in London wohl ganz aus dem Gesichte verloren, daß je länger der Krieg dauert, desto aussichtsloser die Erhaltung Südafrikas in englischem Besitz erscheint. Jetzt könnte man vielleicht ned) einen Modus finden, um wenigstens im südlichsten Theile die britische Herrschaft zu erhalten, später wird das nicht mehr möglich sein. Wie die englische Ueberhebung über die Buren maßlos war, so gilt auch ein Nachgeben noch für aiisgeschloffen. Hier finden fab dieselben Erscheinungen wie in Frankreich, wo ein im gemessener Rationalstolz das rechtzeitige Nachgeben verhinderte. Desto größer ist schiießlich der Sturz.
Die Kefanqenen der Kuren werden, der „Cape Times" Diolge, in Pretoria gut behandelt, ihre Stationen feien aber klein und die Preise der Nahrungsmittel hoch. Die Gefangenen werde» letzt von den Konserven genährt, welche die Buren in Dundee erbeuteten. Einige achtzig Buren und eine besondere Truppe deutscher Freiwilliger bewacht die Gefangenen. Sie befinden sich innerhalb der Rennbahn und schlafe« in den Schuppen daselbst. Präsident
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur ^4IljviyVll■^lllluljnlr ncichsterscheinenben Ausgabe wird keine Gewähr übernonimen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Paku lara'i heiße nicht, wie dieser Tage in der Korrespondenz aus Bombay gesagt wurde, ein niederträchtiger Krieg, sondern ein wirklicher Krieg. So fdjreibt uns ein Leser. Selbst wenn er, wie wir nicht zweifeln, Hamit Recht haben sollte, wird jeder anständige eingeborene indische Offizier diesen wirklichen Krieg der Engländer gegen die Buren auch für einen niederträchtigen, sogar mehr als ntederträchligen Krieg halten.
Das Knrengewehr. Der in Ladysmith mit eingeschlossene Korrespondent der „Times" berichtet unterm 1. November, daß damals ein Laib Brod 1 Shilling (1 Mk.) kostete. General White verfügte noch über 9000 Mann ' (davon 5000 Mann Infanterie), 36 Feldgeschütze und eine Mariueabtheilung mit zwei schweren Positionsgeschützen. Nahrungsmittel und kleine Munition würden unter gewöhnlichen Umständen drei Monate reichen, also bis in den Februar hinein. Mit Geschütz-Munition müßte dagegen sparsam nmgegangen werden. Die zu vertheidigeude Linie ist über 11 Meilen' (17 Kilometer) lang. Die englischen Geschütze reiche» nicht weiter als 4500 Meter, während die Bnren- geschütze, mit de» neuesten Teleskope» versehen, auf 7000 bis 8009 Meter schießen. Dann bemerkt der Korrespondent wörtlich: „Das Mansergewehr, mit welchem die Bure» bewaffnet sind, ist die bessere Waffe und hat eine größere Schußweite. Mit einem guten Doppelfernrobr und einem Mauser kann mau leidlid) gut auf 3000 Meter schießen. Steine britische Infanterie ist auf solche Entfernung eingeschossen. Unsere Leute wissen nichts von Gläsern, aber der Farmer-Soldat, unser Feind, würde nicht daran denken, ins Feld zu ziehen, wenn nicht einer von vier Mann ein gutes Vinocle besitzt." Bei dem Schießen auf 3000 Meter Entfernung kann es ftd) natürlich nur um größere Objekte handeln. Das Mansergewehr, das die Buren führen, ist, wie der „Hann. Cour." behauptet, mit einem kurze» Seitengewehr zum Aufpflanzen versehen (von anderer Seite wird bestritten, "daß die Buren Bajonette ober Seitengewehre haben), und wiegt ohne dasselbe mit leerem Magazin 4 Kilo. Das Kaliber beträgt 7 Millimeter und ist also etwas kleiner als dasjenige des deutschen Gewehres (7,9 Millimeter). Das Visir reicht bis aus 2000 Meter, dagegen die höchste Schußweite bis -3009 Meter. Das Patronen- niaqazin liegt im Mittelschaft und ist unsichtbar; die Patronen lagern im Zickzack. Das Geschoß enthält einen Hartbleikeru mit mckelplattirtem Stahlmautei. Das Pulver ist ranchschwaches Blättchenpulver. Die Schießresultate sind ganz ausgezeiämete, so betrügt der bestrichene Raum von der Mündung an gegen stehende Infanterie (1,7 Meter Höhe) 600 Meter, gegen Kavallerie (2,5 Meter Höhe) 700 Dieter. Diese ballistische Leistung übertrifft diejenige aller gegenwärtig im Gebrand; befindlichen Armeegewehre der Ärotz- inächte." Die Feuergeschwindigkeit stellt ftd) auf 25 gezielte Schüsse in der Minute, ungezielte Schüsse könne» 50 in der Minute abgegeben werden. Ei» hölzerner Handschutz, der von der Hülse bis zum Unterring reicht, läßt das Gewehr auch bei der Lauferhitzung int Gebrauch behalten.
Die reine Krrgluft des Ärieges preist die „Deutsche Zeitung" (Herausgeber Fr. Lange) im Gegensatz gegen „den Stickdunst des ewigen Friedens". Und zwar aus Anlaß — des herrlichen Raubzugs gegen Transvaal, der die Redaktion zu den Worten begeistert: „Selten war ein Zweikampf der Völker so geartet, wie dieser, daß er der Menschheit die Nolhlvendigkcit, ja die Schönheit des Krieges lehre» konnte!" . . . „Er stärkt den Glauben an den hohen Benis der Menschheit, und glücklich diese Menschheit, so lange sie »och solche Kriege erleben_bart 1" — Nur zwei Bilder aus dieser reinen Höhenluft, nach Schilderungeit von Gewährsmännern: „Wir sahen, als der Kampf vorüber war, »ach den Verwundeten, und ich kam zu einem alten, weißbärtigeit Buren. Er lag hinter einem Feldstück und stützte sich auf die Ellbogen. Zuerst war ich etwas vorsichtig mit dem alten Burschen. Einige der verwundeten Buren haben sich als Schlangen im Grase erwiesen. Man nähert sich ihnen in der besten Absicht, und plötzlid) kualle» sie los. Deshalb war ich auf der Hut, aber als ich mich näherte, sah ich, daß er unfähig war, sein Gewehr zu heben. Er bekam schwer Luft und es konnte nicht mehr lange mit ihm dauern. Als ich mich über ihn beugte, bat er mich, nach seinem Sohn, einem 13-jährigen Knaben, der an seiner Seite gesochien hatte, zu sehen. Ich that nach seinem Wunsch, und unter einem Hausen Verwundeter fand ich de» armen Bursche» tobt unb trug ihn zu seinem Vater. Du weißt ja, daß ich nicht weich bin. Aber als der alte Bur sein tobte« Kind sah, mußte ich und; abroenben. Er brückte ben Körper an sich und seufzte derart, daß meine Kehle wie zngefchnürt war. In dem Augenblick sah id) erst, wie schrecklich der Krieg ist. Als ich mich »mblickte, war der alte Bur tobt, aber er hielt die kalte Hand seines tobten Knabe» fest umschlosst» . . Und ferner: „Wenn ein Mann sich zum Schießen auf bie Knie niederläßt, und ihn trifft aus geringer Entfernung eine Kugel in die Kniescheibe deS anderen Beines,' bann koinntt es vor, daß die Kugel den ganzen Obersdienkelknochen der Länge nach ausspaltet, ihn in tausend kleine Splitter zerschlägt unb aus dem Becken herausfährt. Ein berartig Verwundeter, wenn er nicht das Glück hat, sofort zu sterben, stirbt in ca. 14 Tagen unter den größten Qualen, indem er bei lebendigem Leibe verfault. . . ." Ja, das „stärkt den Glauben an den hohen Beruf der Menschheit" zusehends.
HriegvpflLge. In voriger Woche hatte ich, so schreibt man der „Köln. Volksztg. aus London, Gelegenheit, einen der neuen Kriegspfliige in Thätigkeit zu sehen. Diese schon in den Blätter» als für bie Engländer gefährliche Spielerei bezeichnete Erfindung des Oberst Templer von der Jngenieur-Abtheilimg des Generalstabes dient znm Aufwerfen von Schützengräben, und der riesige Pflug, welcher durch eine Lokomobile in Thätigkeit gesetzt wirb, vollzieht diese Arbeit überraschend praktisch, aeeurat nitb schnell, indem er mit seinen zwei kolossalen stählerne» Pflugscharen eine vier Fuß hohe Brustwehr in Länge vou circa drei englischen Meilen pro «tunbe mühelos answirst; selbst schwieriger, steiniger Boben bietet nur geringe Hindernisse für dieses neueste, gegen feindliches Feuer durch schwere Stahlplatten geschützte Kriegsinstriiment, welches in Südafrika jetzt zum ersten Male in der Praxis erprobt werden soll! Die Pflugschar, bisher das Zeichen des Friedens, wird somit in die Dienste des männermorbenben Kriegsgottes gestellt, während da» Schwert unb die Standarte des Kriegers (wenigstens des eng- • tischen) in Zukunft zu friedlichem Schluumter daheimgelasse«
Krüger besucht die Gefangenen zweimal ober breimal in der Woche, > werden. Bekanntlich sind die britischen Regimenter ohne ihre nm nachzusehen, ob Alles in Ordnung ist. Man ist augenscheinlich "'-r-— ----- «»— ----- -.....-
sehr besorgt darüber, daß sie vielleicht entkommen könnten. Die Kanonen 'von einem der benachbarten Forts hat man heruntergebracht »nb auf die Rennbalm gerichtet, und ein Scheinwerfer beleuchtet und: Eintritt der Dunkelheit von einem benachbarten Hügel aus bie Rennbahn, währenb beim Eingänge zur Rennbahn eine Maximkanone aufgestellt ist.
