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Verlag: Langgasse 27.

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Abend-Ausgabe

Wirthschaft gerat!) eit fei.

Äeußerunge in Hamb)

Die Aenßerungen des Kaisers

ten des Vorredners.

-lotten-Vorlage, die von amtlichen Stellen betrieben

T ntrg seien mir ein Ausdruck der Sorge des Monarchen uitt fein Volk und fein Land. Es könne dem Kaiser

«r. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis; durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «O Pfg, vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

nehmen unserer Volkskraste zur Gründung und Befestigung eines nationalen Slaatsmesens bestand."

Die Spanne eines ganzen Menschenalters (1863—1894) umfaßt das Büchlein. Es setzt ein mit der Zeit, wo das Geschick der Deutschen sich zu erfüllen begann, es endet mit dem Tode des großen Dichters, als nach dem Heimgang unseres ruhmreichen alten Kaisers einer der Paladine nach dem anderen ihm ins Grab folgte und also das heroische Zeitalter unserer neueren völkischen Geschichte allgemach zur Rüste ging.

Die gemeinsame Sorge für niisere staatliche Zukunft hat daher in dem Jünglingsalter des Einen, im Mannesalter des Anderen sie zusammengeführt und einen Freundschasts- bund errichtet, der auch die Stürme der Spützcit siegreich überdauern sollte. Denn daß" die beiden Männer aus den mittleren Grenzmarken des östlichen Deutschlands trotz des gemeinsamen Grundzugs ihres Wesens fernerhin über politische Dinge nicht selten verschieden urtheilien, das hat sich erst gezeigt, nachdem das Ziel ihres gemeinsamen Kämpfens längst glorreich erreicht war.

Wer indessen den Briefwechsel liest, dem kommen solche Erwägungen kaum. Denn mögen auch die Briefe nach dem großen Kriege spärlicher fließen, in ihnen allen waltet gleichwohl der Ton alter Herzlichkeit, und in schöner Anerkennung freuen sich der Dichter und der Geschichtsschreiber, jeder der tüchtigen Wirksamkeit des anderen. Ist es früher der Verfasser von Soll und Haben, der den jüngeren Freund beräth, ausmuntert und nicht müde wird, ihm eine glänzende Mission zu prophezeien, so ist es nunmehr Treitschke, der dem alternden Dichter mit beredten Worten zu danken weiß „für die viele Freude, die er uns Allen so oft bereitet hat." Ueberhaupt aber ist es ein Hochgenuß, zu verfolgen, wie der Historiker, der von der peinlichsten Wahrheitsliebe beseelt war, in feiner

9'/- pCt., bewilligt 902/s pSt. der Marineforderungen an Neubauten. Bei 25 Schiffen wurde ein Jahr zuriickgeschoben, endgültige Ablehnung erfolgte nur bei 7 Schiffen. A'n Selb wurden gefordert 402 Millionen, bewilligt 370 Millionen. Das kann wohl nicht eine beharrliche Verweigerung der in den ersten 8 Jahren geforderten Flottenverstärkung bedeuten; ich muß also nnnebmen, daß, wenn kein Jrrthum vorlregt, nicht der Reichstag, sondern der hohe Bundesrath so vergeßlich gewesen ist. (Stürmische Heiterkeit links.) Was Graf Bülow gestern aus­gesprochen hat, hat an vielen Stellen Zustimmung gefunden, auch die meinige. Wenn er nationale, vaterländische Saiten angeschlagen hat, fand er lebhaften Widerhall aus dem Schooße des Hauses. Gewiß entstehen jeden Tag neue Reibungsflächen, das geben wir zu und fügen hinzu: unb noch mehr jeden Tag auf dem Gebiet der inneren Politik. (Lebhafte Zustimmung im Centrum und links-.) Niemand von uns will die wirthschaftliche und noch weniger die politische Deinüthigung und Ohnmacht des deutschen Volks jemals wieder erleben. Wir wollen die Deutschen nicht zu Knechten der Menschheit herabgewürdigt sehe», aber wir nehmen auch in Anspruch, wenn wir pflichtmäßig unseres Vertreter­amts des deutschen Volks walten, wenn wir die Forderungen der verbündeten Regierungen prüfen, daß man uns dann nicht mit allen möglichen Angriffen in der offiziösen Presse bemäkelt. Schließlich verwahrt Abgeordneter Lieber noch das Centrum gegen laut gewordene Verdächtigungen, politische Handelsgeschäfte zu treiben, und betont, daß auch das katholische Volk in Liebe und Treue am Vaterlande hänge. (Beifall.) — Reichskanzler Fürst Hohenlohe spricht sein lebhaftes Bedauern aus über die

Weise auch au den Schöpfungen des Aelteren, die in ihrer Ganzheit nicht zu seinen Lieblingsstücken gehörten, doch immer die Punkte za finden weiß, die er uneingeschränkt loben darf. Unter den poetischen Schöpfungen des Freundes hatten es Treitschke, -wie er wohl zu äußern pflegte, „Soll und Haben" und die „Journaiisteil" besonders angethan. Als er nun dem Dichter seinen Dank abstattet für die Ueber- scndung des ersten Bandes der „Verlorenen Handschrift", da hält er zwar mit dem allgemeinen Unheil zurück, aber aus vollem Herzen kommt der Schlußsatz (S. 24); „Nur Eines muß ich Ihnen schon jetzt sagen: die Ilse ist doch der schönste von allen Ihren Frauencharakteren."

Treitschke trug sich Zeit seines Lebens mildern Gedanken, Gustav Frcytag ein Denkmal zu setzen, wie er es mit anderen zeitgenössischen Dichtern errichtet, mit denen er nicht durch die Bande der Freundschaft verbunden war und die ihm in ihrer Eigenart nicht so nahe standen. Einen Ersatz hierfür bietet die von ihm verfaßte Adresse der philosophischen Fakultät der Berliner Fakultät zum 50-jährigen Doktor- jubiläum (Nr. 55) des Poeten. Schöner und wahrer und zugleich liebenswürdiger ist niemals über den großen Schrift­steller gcurtheilt worden, der mit dem Ruhme des Dichters den des denkenden Künstlers, des Historikers und des Publizisten verband.

Liegt in diesen bei aller persönlichen Zuneigung wohl­abgewogenen Worten Treitschkes sein endgültiges Urlheil vor über das Lebenswerk des älteren Freundes, so findet sich andererseits in dem Büchlein eine Ansprache Freylags an den jungen Historiker bei dessen Abschied von Leipzig wieder abgedruckt: „eine Inschrift gleichsam über dem Eingang zu dessen männlicher Laufbahn."

Stolz war Treitschke auch in späten Jahren noch auf dieses reiche Lob des gereiften Mannes, den er damals kaum erst sich zum Freunde errungen. Den „Zauber guter

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nicht verwehrt werden, fein Volk zur Einigkeit zu mahnen unb bobei seinen Wünsche» beu kräftigsten Ausdruck zu geben. (Beifall rechts; Abgeordneter Richter: Sehr schwach l) — Präsident Graf Ballestrem: Ich habe schon früher erklärt, daß Reden feiner Majestät, bie_ in authentischer Form, also z. B. im „Deutschen Reichs- und L-taatsanzeiger", verkündet werden, eine passende Berührung in den Aenßerungen der Reichstagsmitglieder nicht verwehrt werden kann. Ich würde der hohen Bedeutung, die der deutsche Kaiser >m politische» Leben entnimmt, glauben zu nahe zu treten, wenn ich den bedeutsamen Aenßerungen, die er thnt, nachdem sie in authentischer Form bekannt gegeben worden sind, eine so geringe Wichtigkeit beimesfen würde, daß ich sie hier nicht erwähnen ließe. Natürlich muß dies in passender Form geschehen, unb ich habe zu erkläre», daß der Herr Vorredner, Abg. Lieber, diese Form nach meiner Ansicht beobachtet hat. Das muß ich gegen­über dem Herrn Reichskanzler sagen. (Lebhaftes Bravo.) — Abg. Graf Limburg-Stirui» (kons.) weist zunächst auf die Gewohnheit seiner Partei hi», Worte des Kaisers nicht in die Debatte zu ziehe». (Lache» links.) Redner stimmt dann finanz­politisch im Wesentlichen den Aeußerungen des Centrums-Redners bei. Weiter kommt er ausführlich auf Samoa zu spreche», lieber das getroffene Abkommen ist er befriedigt, nur hofft er, daß keine geheime Verabredungen mit England bestehen (Bravo rechts) in Verbindung mit der Regelung der Samoa-Frage. Auch hege er einige Besorgnis), daß vielleicht ein geheimes Abkommen mit Amerika bestehe auf Kosten der deutschen Landwirthschait. Was die Flotten-Vorlage anlange, so brauche mau sich nicht zu schämen, wenn man jetzt über die Anforderungen von 1898 hinausgehe. In feinen weiteren Ausführungen verweist Redner darauf, wie und weshalb in Deutschland die Abneigung gegen England immer mehr zunehme. Unter der Firma Revision und Civilisation glaube England Alles nehmen zu können, was etwa noch offen fei. (Abg. Bebel ruft: Ganz wie bei uns.) Die deutsche Flotte fei tüchtig, wenn aber ihre Vergrößerung »oth- weiidig fei, dann würden feine Freunde derselben zustimmen. — Staatssekretär v. Bülow erwidert dem Vorredner, das Abkommen über Samoa enthalte keinerlei geheime Klausel, die Dentschland in irgend einer Weise binde, weder gegenüber Amerika noch England. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe wendet sich gegen den Abg. Grafen Limburg-Stirnm, der behauptet habe, er, der Reichskanzler, habe alle Machtbefugnisse der Regierung uns bet Hand gegeben.

wie z. B. auch bei Aufhebung des Verbindmigs-Verbotes. Demgegen­über erinnere er daran, daß es ein konservatives Blatt gewesen sei, bas geschrieben habe, ber Reichskanzler müsse znrücktretcn, wenn er bas Verbindungsverbot nicht aufhebe. In derartigen Erwartungen habe man sich freilich getäuscht. — Abgeordneter Bebel (Soe.) beleuchtet zunächst eingehelid die einzelnen Positionen des Etats, wobei er behauptet, daß Deutschland bereits fett Jahren aus ber früheren Uebcrschuß - Wirthschaft in eine Defieit- Wirthschaft geratheu sei. Die Überschüsse zerfließen dem Reichsschatzsekretär unter de» Fingern; trotz beS Ueberschusses soll wieder eine Anleihe von 76 Millionen aufgenommen werden. Wirthschaftet ein Privatmann in der Weise trotz hoher Einnahmen mit regelmäßigen neuen Schulden, würde man ihn ins Irrenhaus schicken, ober wenn er Kaufmann ist, ihn als leichtsinnigen Bankerottirer bestrafen. Aber bem Staat kann ja so was nicht passiren; schlimmsten Falls werben immer wieber bie Steuerzahler herangezogen. In den letzten 12 Jahre» habe» wir nur zwei schlechte Finanzjahre gehabt, die Schuldenlast ist aber von 750 auf 2300 Millionen gestiegen. (Hört! Hört! links.) Die Finanzgebahrung der letzten 12 Jahre, insbesondere der letzten 6 Jahre, hat gerade die Centrumspartet auf dem Gewissen, sie hat mit Scheffeln gemessen, wo früher die Nationalliberalen nur mit Metzen gemessen haben, unb auch in Bezug auf die neue Flottenvorlage ist ihr Bewilligungseiser, wie ich aus der Rede des Herrn Lieber schließe, weit größer als ihre Ablehnuugs-Entschloffenheit. Die Erwartung, daß der Reichstag wegen der Ablehnung nach Hause geschickt werden wirb, scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Weil bie Flotten- Vorlage burrf) das Centrum bewilligt Werden wird. In diesen 12 Jahren sind die Ausgaben für Heer, Marine und Reichsschnld in ganz kolossaler Weise procentual gestiegen, bie Be­völkerung ist um 14 pCt., bie Ausgabe für das yeer um 40, für die Flotte um 100, für die Reichsschuld um 160 pCt. gestiegen. Der Reichthum der Nation ist lange nicht in dem Verhältnis; ge­stiegen, um diese ungeheuere Ausgabensteigerung zu entschuldigen. Die Pensionslast steigert sich bei Militär und Marine in noch un­geheuerlicherem Maße, während ber Peusionsetat für die Civil- benmterf gefallen ist. (Hört, hört! links.) Das Sonderbarste ist, daß die Herren, namentlich von der Marine, nach ihrer Pensiomrmtg eine fieberhafte THeiligkeit in der Propaganba für die Flotten- verftärkung entwickeln; es scheint fast, als habe man auf diese Weise Slgitatorenmaterial schaffen wollen. (Große Heiterkeit links!) Alle Reden, von der höchsten Stelle bis zu de» Agttations- Bersammluiigen, seien darauf berechnet gewesen, bas Publikum für die Flotten-Vorlage zu bearbeiten. Was die Kolonieen anlange, so kostete» dieselbe» dem Reiche »ach dem vorliegenden Etat schon 30 Millionen, unb was brächten dieselben ein? Wenn ber Ab­

geordnete Lieber von mtverantwortlichen Rathgebern gesprochen habe, so ftimme er, Redner, dem nicht bei. Er glaube vielmehr, daß derjenige, den Herr Lieber als den Geschobenen hinstellt, in Wirklich­keit der schiebet sei. Wundem müsse er sich über die seiner Zeit vom Staatssekretär gegebenen Versprechungen. Es sei kaum zu glauben, daß jetzt derselbe Staatsmann mit neuen Flottenplänen komme. Auffallend sei es gewesen, daß gestern vier Bmtdesrathsmitglieder nacheinander zum Etat ausschließlich über die Flotten-Vorlage ge­sprochen Hadem — Präsident Graf B a Ilestrem bemerkt, daß den Vertretern ber verbündete» Regierungen jederzeit das Recht zustehe, das Wort zu ergreifen. — Abg. Bebel, sortfahrend, schildert die Agitation für die Fl " ---------*;

werde. Da zeigt sich (nach rechts gewendet) immer Ihre Ausbeutung der Arbeiter, die Sie immer treiben, wenn es sich um solche Agitationen handelt. Geben Sie doch de» Arbeitern Freiheit für ihre Bewegung, daß sie freiwillig die Regierung unterstützen. (Zuruf rechts: Sie arbeiten ja überhaupt nicht.) Präsident Graf Ballestrem erklärt: Ich nehme an, daß die vom Rebner gebrauchten Worte „Sie" und „Ihre" klein geschrieben werden sollen. (Heiterkeit.) Abg. Bebel fährt fort. Er betont, daß »ach der Flotteuvermehrung sicher wieder eine anbere Heeresvermehrung kommen werde. Deut Ab­geordneten Grafen Limburg-Stirum wolle er erwidern, daß er nicht wisse, wer frommer sei, die Königin Victoria oder Präsident Krüger. (Heiterkeit.) Weiter geht Redner auf die gestrige Rede des Grasen Bülow ein unb bemerkt: Wollen Sie noch immer Schiffe haben, dann tragen Sie (nach rechts) doch selber die Kosten. Das deutsche Volk

Deutscher Reichstag.

G Kciliu, 12. Dezember.

Am Bundesrathstisch: v. Podbielski, L. Bülow, v. Thielemann, Iras Posadowsky, v. Goßler und Tirpitz. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Berathung beS Telegraphen- und Wege­gesetzes. Nach ganz kurzer Debatte wird da» Gesetz in zweiter Lesung angenommen, und zwar in der Fassung der Kommissions- beschlüffe. Alsdann wirb die erste Lesung des Etats fortgesetzt. — Abg. Lieber (Gcntr.) führt aus: Gegenüber den gestrigen Er- - klärnngen der Bundesraths-Vertreter werde es unmöglich fein, bie - Berathung des Etats mit der Unbefangenheit vorzunehmen, wie - das sonst geschehen fei. Der Etat habe diesmal wenig ober gar - - nichts Aufregendes an sich. Dem Herrn Schatzsekretär müsse er >; sagen, daß er gestern etwas zu wenig hervorgehoben habe unb zwar daß wir uns wirthschastlich jetzt eigentlich aus der erste» Stufe, ber Treppe, bie abwärts geht, befiuben. Die Einnahmen unb lieberfdiiiffe seien schon in einer kleinen rückläufigen Bewegung unb bie Schätzungen seien überall reichlich groß bemessen. Der Etat werde von feinen, des Redners, Freunden sorgsam unb wohltvollenb geprüft werben, insbesondere der Kolonial-Etat und die Forderungen für die ostafrikauische Central­bahn. Der Herr Reichskanzler habe gestern mit Bezug aus die Streichung des Küstengeschwaders öffentlich erklärt, daß das nicht so zu verstehen fei, daß dieses Küstengeschwader nicht erst aus- gebraucht, sondern alsbald zum alten Eisen geworfen werde» soll. . Was die Verdoppelung ber Schlacht- und großen Auslandschiffe anlange, so könne er dieselben nicht als eine Ergänzung des Flotten- L aesetzes betrachten, sondern vielmehr als einen totalen Umsturz des Flottengefetzes. Redner wendet sich bann zu ber Frage der Ausbringung der Mittel. Die 800 bis 850 Millionen könnten allerdings binnen 14 Jahren durch Anleihen aufgebracht werden. Es frage sich aber, ob dies auch die einzige Anleihe in 14 Jahren fein werde. Bei dem Centrum bestehe übrigens heute noch keine Neigung, sich schon L jetzt über die Flottenpläne zu erklären. (Heiterkeit links.) Die ganze ■jjsÄugelegenbeit fei erst gestern auf den richtigen Boden gestellt - Worden. Es fei aber sicher, daß die gestrige Erklärung einen ganz , . anderen Eindruck auf das Land gemacht haben würbe, wenn nicht Wgewiffe Dinge OorauSgegangen wären. Redner beleuchtet weiter i sehr abfällig die ganze Methode der Veröffentlichung de» Flotten- Wtlaues durch offiziöse Blätter. Dadurch sei der Flottenvermehrung Eag-ein schlechter Dienst erwiesen worden. Was sei das überhaupt sWir eine Regierung, die sich feit Ende September in der „Norddeutschen jfc Allgemeinen Zeitung" vernehmen lasse? Habe man die bündige Er- gfe flärung des Staatssekretärs Tirpitz unb des Reichskanzlers Fürste» WHohenlohe, bie dieselben vor zwei Jahren abgegeben, ganz vergesse» ? MRedner verliest bann aus ber Rede des Kaisers in Hamburg die Ab- Mahnung von ödem Parteigezänk re. und erinnert weiter an die M Kaiserrede anderthalb Jahre früher bei Schluß der Session kurz Wnach Annahme des 1898er Flottengesetzes. Damals habe sich der ^■Saifer in höchstem Maße anerkennend ausgesprochen. Was also, UffM so müffe er fragen, fei in den 17 Monaten vorgefallen, das in dem r' Herze» des Kaisers solche Wandlungen habe herbeiführen können? Fl Nur unverantwortliche Rathgeber können das bewirkt haben. Ver­antwortliche Rathgeber seien es nicht, dafür lege er die Hand ins Feuer. (Heiterkeit.) Es gebe Leute, die die Laufbahn von den Kommunisten bis zu den Agrariern durchgemacht haben, die von der Höhe ihrer Parteilosigkeit herab ein Rechtzu haben glauben, die Parteien als überlebt zu bezeichnen und zu verdächtigen. (Große Bewegung.) Ich hoffe, der Beweis wird erbracht werden, daß der Kaiser ebenso falsch in Hamburg über die Gesinnung des Volkes belehrt war, als er richtig belehrt war, als er am 6. Mai 1898 in Berlin zu dem deutschen Reichstag sprach. Trotz des inständigsten Bittens sei dem Kaiser bie Flotte 8 Jahre lang verweigert worben. Ich bin feit vielen Jahren Referent der Budgetkommission, über den Marineetat, ich bin es auch für das Flottengesetz gewesen; ich stelle aus den b' Akten fest, was denn beharrlich verweigert worden ist. Seit 1889 b i s zum Flottengesetz sind endgültig abgelehnt worben

(Nachdruck verboten.)

Briefwechsel zweier Deutschen.

Als im vergangenen Jahre das litterarische und politische x Vccmächtniß des Fürsten Bismarck noch einmal den Erfolg | an seine Fahne zwang, der dem großen Führer der Deutschen I sein Lebtag treu geblieben war, durften auch nüchterne Beobachter mit Genugthuung feststellen, es müsse schon ein , nicht geringes Kapital politischer Bildung sich in unserem Volk aufgespeichert haben, da unsere Landsleute bis hinab zu den breitesten Schichten mit hingebendem Eifer bemüht l waren, sich den gewaltigen Inhalt der Gedanken und Erinnerungen zn eigen zu machen. Wie groß dieser Fort- schritt ist, zeigt recht deutlich eine Gabe, die diesmal so Manchen Weihnachtstisch zieren wird: Der Brieswechsel zwischen Gustav Freytag und Heinrich v. Treitschke.*)

Zwei Männer treten uns da entgegen, die so verschieden . sie auch nach Temperament und nach geistiger Veranlagung - sein mochten, in dem Einen sich gleich sind, darin nämlich, Df daß sie mit jeder Faser ihres Herzens deutsch waren und die Vollendung des Geschicks unserer Nation als den höchsten Zweck ihres eigenen Menschendaseins ansahen. In „selbst­bewußten Deutschthum" und in der zur willig ausgeübten Pflicht Mgemordenen Erkennlniß, daß es gelte, solche Gedanken, „sei es | in poetischer oder historischer Fassung, in ruhiger Erörterung B; ober bewegter Ansprache dem sittlichen und politischen Dasein - ihres Volkes zuzuführen", stehen diese beiden hochgerichteten Idealisten allen Zeitgenossen voran. Wie schon die folgenden r Zeilen erkennen lassen, war es ein dornenvoller Pfad, den sie gemeinsam wandelten. Darauf, daß sie ihn aller Hinder- . Nisse zum Trotz erklommen, beruht ihre breite und tiefe | Wirkung in einer Epoche, „deren wichtigste Aufgabe weit über alles geistige Eigenleben hinaus im rechten Zusammeu-

*) Leipzig, Hirzel. 1900.

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Fernsprecher N». 52.

1899.