Ns. 570,
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasse »7.
47. Jahrgang
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Die Einberufung des preußischen Landtags wird für die kommende Session früher erfolgen als im vorigen Jahre. Ein " " E“'— ", r" " ----- —-*■ M erfolgt, dein
definitiver Beschluß hierüber ist zwar noch nii. ,
.Lokal-Airzeiger" zufolge ist aber hierfür der 9. Januar in Aussicht
* Krrtin, 6. Dezember. Der Kaiser wurde, als er in der technischen Hochschule anlangte, vom Rektor derselben, Geheimrath Riedler, int Lichthofe begrüßt und ihm der Dank im Namen der drei Hochschulen für den Huldbeweis der Verleihung des Promotionsrechtes ausgesprochen. Der Kaiser erwiderte in einer längeren Ansprache, in welcher er hervorhob, daß es jetzt gelte dem neuen Titel, der eine Erhöhung des Jngenieurftandes bedeute,, reichen Inhalt zu geben und ihm Achtung und Respekt int In- und Auslande zu verleihen. Im Festsaale begrüßte der Erbgroßherzog von Oldenburg den Kaiser durch eine Ansprache, in welcher er bett tiefsten Dank für die Uebernahme des Protektorats der schiffsbau- technischen Gesellschaft durch den Kaiser Ausdruck gab und ein künstlerisch ausgeführtes Diplom überreichte. An diese Ansprache schlossen sich verschiedene fachmännische Vorträge. Um 11'/» Uhr verabschiedete sich der Kaiser.
Seite 2. 6. Dezember 1899,
Deutsches Keich.
Aus dem Reichstag.
Der Reichstag Hst die dritte Lesung der Gewerbe- Novelle in nicht so viel Stunden bewältigt, wie er für die zweite Lesung Tage gebraucht hatte. Beim gesetzlichen Rennnhr-LadLnschluß verbleibt cs. Das war selbstverständlich, aber da hier die wichtigste Neuerung liegt, die das Gesetz bringt, so kann man es besonders unterstreichen. An der Zustimmung des Bundesraths ist nach der Haltung des Grafen Posadowsky in der Debatte nicht zu zweifeln.
durch die Tausende von Zweigen unb Nestchen, die sich eben mit knospendem Grün bekleiden, hindurch in den graubraunen Ton des fernen Forstes. Das Wasser spiegelt Luft und Geäst, und durch das vorjährige Riedgras wächst schon hier und da ein frischgrüner Halm. Der ganze Zauber des Frühlings ist in Ton, Motiv und Zeichnung in dieses Gemälbe gebannt, welches wir zu den besten naturalistischen Arbeiten rechnen müssen, die wir seit langer Zeit im Kunstverein sahen. — Von den „Münchnern" in den „Wiesbadener Kunstsälen" haben wir uns die „Elite" für zuletzt aufgehoben: Zuerst sehen wir Len ba chs „Bismarck": charakteristisch einfach in den Linien, leicht getönt, spricht diese ffizzenhafte Arbeit bereits mehr zu uns, als manches bis ins Kleinste ausgeführte Portrait. Man sieht des Meisters ganze Genialität in dieser kleinen Arbeit, und was Viele nicht dürfen — er darf'S und von ihm wirkt'S auch! — Gabriel Max, der berühmte Maler des lkebersinnlichen, zeigt uns einen vom bleichen Mond beschienenen, zu dieser Lichtquelle aufichaneuden Mädchenkopf. Mystisch schauen die dunklen Augen aus dem bleichen Gesicht hervor, voller Verlangen nach jenen lichten Höhen, in betten es fein Erdenleid mehr giebt. Professor Fr. v. Defreggers .Mädchestkops" sieht wie eine alte Bekannte aus, und sicher sah mau ähnliche Gesichter schon in des Meisters bekannten Werken. Fein im Ton, in Behandlung und Farbe an die alten Niederländer erinnernd, wirkt Professor W. v. Dietzs „Rast" — eine Gruppe, in welcher ein Reiters- niami, sein Pferd am Zügel führend, eine dralle Magd begrüßt, mit thr tändelnd, während der Hund eifrig bett Scherzen ber beiden zusieht. C. Lindens chmit stihrt uns in ein „Banemwirthshaus", in welchem verschiedene trinkende, schwatzende Gruppen hu blauen Tabaksqualm sitzen. Speziell die gegen das Helle Licht des Fensters gesehene ist sehr "weich und plastisch. Vorzüglich ist desselben Malers „Mädchen mit Nelken". — Professor E Zimmermanns „Dorfklatsche" zeigt uns besagte Alte, ein paar alten — ausgezeichnet charakterisirten — Männern die „neuesten Neuigkeiten" erzählend, und die beiden Bildchen von C. Glücklich, „Maüdolinensptelerin" und „Bei der Toilette", sind sein durchgeführte kleine Salonstückchen. — Ebenso ist C. Stuhlmüllers „Sommer" ein Bildchen von diminutiösester Durchführung, trotzdem reizvoll und künstlerisch behandelt. — (Von den Landschafteit müssen wir Karl KüstnerS .Mondaufgang" Hervorheden, ein sehr stimumngsvolleS, breit gemaltes, klar getöntes Bild, während sein „Im lölyr Moor" recht wenig gut — gar nicht wie von demselben Maler — erscheint. — Eine sehr gute Landschaft ist Fr. Freunds „Schnee im Oktober", und Otto Gamperts .Torfmoor" zeigt weniger gute Br-
Aus Stadt nnd Zand.
. Wiesbaden, 6. Dezember.
— Königliche Schau spiele. Am Freitag, den 8. Dezember, gelangt int Abonnement 6, eingetretener Hindernisse wegen, statt „Der Wildschütz" „Der schwarze Domitio" zur Aufführung.
— Kurhaus. Wer Frau Teresa Carrenno, dieSolistiu des am Freitag im Kurhaus stattfindcnbeu VI. CykluS-KonzerteS, früher daselbst gehört, dem wird das alle Möglichkeiten menschlicher Justrumentaltechnik umfassende Spiel dieser Klavier-Heroin un- vergeffen fein. In ebensolchem vorzüglichen Andenken steht hier der Solist des Abends, Anton van Rooy, von seinem ersten und bis jetzt einzigen hiesigen Auftreten im Kurhaus vor 2 Jahren. Der außer- ordentlicheRuf.zuwelchem dieser Sänger damals in uuverhältnißmäßig
Schleppkähnen und Kanäle.
Für sogenannte Schleppbahnen an Stelle des Mittellandkanals begeistern sich immer von Neuem die „Kreuzzeitung" und andere konservative Blätter, um alsdann regelmäßig von den Eisenbahn-Fachblättern darüber belehrt zu werden, daß sie Verkehrtes und Unausführbares verlangen. Neuerdings hat sich diese Auseinandersetzung, die allmählich etwas Typisches bekommen hat. abermals zwischen der „Kreuzzeitung" und der „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahn- Verwaltungen" abgespielt. In die sachliche Seite der Frage einzutreten, liegt kein Anlaß vor. Wenn es auch im Allgemeinen nicht nöthig ist, den Fachmännern bloß darum, weil sie Fachmänner sind, ein besonderes Recht auf Entscheidung solcher Verkchrsfragen einzuräumcn, so kann ihnen in diesem Fall gern geglaubt werden, daß eine Schleppbahn nicht leisten kann, was ein Kanal leisten soll. Aber die Sache will auch garnicht bloß von rein sachlichen Ge- sichlspunkten ans betrachtet sein, sondern es kommt den Konservativen, die sich für Schleppbahnen förmlich erhitzen, selbstverständlich nur darauf au, den Kanalplänen neue Steine in den Weg zu legen. Es ist doch ganz klar, daß, • wenn die Schleppbahnen dieselbe Leistungsfähigkeit wie Kanäle hätten, die ostelbische Gegnerschaft gegen den Mittellandkanal sofort auch gegen die Schleppbahnen Platz greifen müßte. Daraus allein geht schon hervor, daß die Empfehlung nicht ernst gemeint fein kann, und sie ist es auch nicht. Schaden wird mit dem hartnäckig wiederholten Treiben weiter nicht angcrichtet werden; kein Mensch denkt daran, Schleppbahnen einzufnhren.
Buchstabenrecht.
Ern merkwürdiges Urtheil des Oberverwaltungsgerichts, das man nicht ohne Bedenken liest, wird von der „Deutschen Juristenzeitung" veröffentlicht. In einem Orte war die Quelle, die die Stadt mit Wasser versorgt, dadurch verunreinigt worden, daß ein Anwohner auf seinem Grundstück Dünger lagerte. Die Polizei verbot ihm die Benutzung seines Grundstücks zu diesem Zweck. Auf eingelegte Berufung hat jetzt das Oberverwaltungsgericht entschieden, daß der Eigenthümer in seinem seit Jahrzehnten geübten Rechte nicht zu beschränken sei. Werde die Güte des Wassers durch die Bodenbeschaffenheit der Umgebung beeinträchtigt, so liege den Grundstückbesitzern keine Verpflichtung ob. „Sie haben zwar ihre Grundstücke in polizeimäßigem Zustande zu erhalten, aber hiergegen verstoßen sie nicht durch die Fortdauer der üblichen Benutzung, auch wenn darunter die Benutzbarkeit der seit einiger Zeit zur Wasserversorgung bestimmten Quelle leidet (!).... Die der Gesundheit drohende Gefahr läßt sich durch ein Verbot der Wasserbenutzung abwenden." Wenn das nicht Formalismus ist, so wissen wir nicht, was überhaupt unter diesem Begriff verstanden werden soll.
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wir können aber feststellen, daß es des nmsikalisch Interessanten viel bietet; besonders wollte uns ber erste und letzte Satz zusaqen. Die beiden Künstler batten sich mit Liebe und Versiänbiuß in ihre Aufgabe hincingelebt, leider wurde die Violine stellenweise zu sehr durch den Flügel gebetfr. — Eni neuer Stern am Gesangshimmel, Fräulein Mary Münchhofs ans Omaha (im Staate Nebraska), bereitete den Zuhörern großes Entzücken. Eine liebliche Erscheinung, ein achter, nicht großer, aber weicher Sopran, mit höchster künstlerischer Ausbildung, das wäre etwa die äußere Signatur von Frl.Münchhoff; was wir aber viel höher schätzen, das ist das tiefeGemüth, welches a.us dem Vortrage ber beiden Schnbertschen Lieber sprach. Unvergleichlich schön fang bte Künstlerin „Du bist die Ruh" und den Schluß ber „Liebesbolschaft": „Flüst're ihr Träume der Liebe zn!" Wir wollen unerörtert lassen, wie weit die Sängerin ihren Kolleginnen Ettinger, Howe und Webekind in Bezug auf'Technik ebenbürtig ober überlegen ist, als Liederfängerin kommt ihr wohl keine ber drei genannten Künstlerinnen gleich. Daß Herr Prof. Mannstaebt bte Klavierbegleitung übernommen hatte, konnte den Genuß nur steigern; auch Herr Sanuuermufifer A Buchheim wetteiferte mit seiner obligaten Flöte in der Händelschen Arie mit der Sängerin nut künstlerischem Gelingen. Fräulein Münchhofs wurde natürlich außerordentlich gefeiert nnd war so liebenswürdig, ein Wiegenlied von Tanbert znzngeben unb diese Zugabe dem Publikum persönlich mitzucheilen. — Herr Pianist Reuß verabschiedete sich von feinen hiesigen Freunden unb Verehrern durch ben Vortrag einiger Brahmsscher und Lisztscher Kompositionen und bewährte sich wiederum als ber hochgeschätzte, feinfühlige nnd techtflsch gewandte Künstler. Unser Istimischer Aiottnvirtnose Herr König!. Konzertmeister Nowak hatte sich zu seinem solovortrag die Fantasia appasMonata von Vieuxtnnps gewählt. Seil! schöner, wenn auch gerade nicht großer Ton, kam besonders dem gesangreicheit Theile ber Phantasie zu Statten; ob aber bas Tempo im Saltarello nicht gar zn übertrieben war, müssen wir bem Ermessen des Künstlers aicheimgebeu; mit Begleitung eines Orchesters (roaS doch eigentlich dazu gehört) möchte es wohl schwerlich durchführbar fein. Auf den lebhaften Beifall unb Hervorruf spendete auch er eine Dankeszngabe. -g.
* An» den Knustansstetlmtgett. Im „Nassauischen' Knnstverein" hat unter verschiedenen Bildern M. iii eben au (Königsberg) ein größeres landschaftliches Gemälde „Wald" ausgestellt, welches ausgezeichnete NaNirbeobachtmig und vielen Sinn Tür Stimmungen zeigt: Der Wald im Vorfrühling, — eine sumpfige, von einem Waffergrabeit durchzogene, mit Erlengebüsch bestandene Niederung, inmitten von Buch,eit- unb Larchen-Wald. Man sieht
Afrikander-Bundes, welche unter Führung des Generalstaatsanwalt» Solomon nach London geht, soll über die Einstellung der Feindseligkeiten und die Unabhängigkeit des Freistaates verhandeln. Diese Botschaft wird, wie offiziell verlautet, von der britischen Regierung unter keinen Umständen empfangen werden.
hd. London, 5. Dezember. „Morning Post" meldet au» New-Iork, daß ein Eisenbahnzug, welcher 14 Waggons mit Proviant für Kapstadt mit sich führte, im Staate Illinois zerstört roerben ist. Wie angeblich verlautet, soll bas Unglück einer Entgleisung zuzuschreiben sein. Von anderer Seite wird behauptet, daß Burenfreunde die Urheber ber Katastrophe seien.
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General Cronje.
Cronje ist einer der bestgehaßten Führer der Burenmiliz, wenigsten» soweit die Gefühle ber Engländer in Betracht kommen. Man hat ihn 1881 kennen und hassen gelernt, unb er war es, der Jaineson die gerechte Züchtigung zu Theil werden ließ. Man nennt ihn in der englischen Presse stets mit Grimm. Er soll nicht ehrlich sein, er soll grausam sein, er soll nicht aufrichtig sagen, was er denkt und am liebsten überhaupt nicht sprechen. Der erste und der dritte Vorwurf decken sich wenigstens, soweit die militärische Seite eines Mannes in Betracht kommt, und ich muß gestehen, daß der Mann, der einem Feinde gegenüber mehr redet, als unbedingt nothwendig ist, in meinen Augen ein Narr ist. Was nun die Grausamkeit Cronjes anbelangt, so hat man dafür ans seinen Kämpfen gegen Eingeborene Beweise liefern wollen. Gegen derartige Beweise aus englischer Quelle muß man sehr argwöhnisch fein. Die Verschmitztheit und Gewandtheit Cronjes ist durch die Kämpfe, welche die englische Division auf ihrem Marsche nach Kimberley zn bestehen'hatte, durchaus beroiefen. Er ist, so schreibt die „Franks. Ztg.", ein Arrieregardenführer, wie ihn wohl kaum eine Armee wieder aufzuweisen haben wird. Nichts verräth die Stellung seiner kleinen Armee bei Beginn des Kampfes, als höchstens die vier Geschütze, die er besitzt und die so postirt sind, daß, wie bei Gras Pan, die gejammte englische Divisions-Artillerie, einschließlich der Marine-Artillerie, in dreistündigem Feuergefecht sie nicht zum Schweigen zu bringen vermag. Da muß die Infanterie vor und siehe da —dös Feuer verstummt. Was nun geschah, das citire ich ans dem letzten offiziellen englischen Bericht: „Wir Alle glaubten, daß der Angriff leucht sein würde und daß wir die feindliche Stellung mit minimalem Verlust nehmen würden. Nichts zeigte sich vom Feinde, als die Marinetruppen vorgingen. Es schien, als wenn sie unser Granaffener nicht hätten aushalten können und zurück- gegangen wären. Wir wurden raub und plötzlich aus diesem Glauben gerissen. Als die Mariniers 200 - 300 Meter von der feindlichen Stellung entfernt waren, wurden sie mit einem Fenerregen von allen Hohen ringsum begrüßt." Das Resultat dieses Feuerregens kostete den Engländern 20 v. H. der Mariniers, und als schließlich die Höhen genommen waren, war der Feind verschwunden. Das ist Cronjes Leistung. Er allein war im Stande, seiner Miliz beizubringen, baß sie ben Feind bis auf die Nähe herankommen lassen solle, ohne zu schießen. Er vermochte während dieser Zeit die Geschütze zurückzuschaffen, und der nieder- geschmetterte Feind erstürmte nachher unbesetzte Höhen und Lord Methuen meldete dann einen neuen, blutigen unb unbefriedigenden Sieg. Und diese Taktik, die Burentaktik könnte man sie nennen, sehen wir beim Modder River. Noch fehlen die Details über den heißen Kampf, beit Lorb Methuen dort zu bestehen hatte, aber die Größe der Verluste ist mehr als deutlich angebeutet durch die Meldung, daß eine der schwersten englischen Schlachten geschlagen worden sei, welche das Jahrhundert zu verzeichnen habe. Wieder waren in diesem Kampf vier Feldgeschütze ber Buren dem Feuer zweier feindlicher Batterieen und zwei schwere Geschütze ber Buren beut Feuer ber feindlichen Marine-Artillerie, deren Geschützstärke man uns leider verschweigt, ausgesetzt. Zehn Stunden tobt der Kampf; endlich räumt der Feind seine Stellung und man erwartet, daß er zwölf Meilen rückwärts wieder Widerstand leisten wird. Das ist ber dritte Sieg der Division Methuen. Wieder keine Gefangenen — wenigstens sind dieselben nicht offiziell gemeldet, wie er keine Geschütze des Feindes genommen — selbst die schweren Geschütze schienen fortgeschafft zu sein. Jetzt verstehe ich, warum man Cronje haßt. Er ist ber gebotene Guerillafeldherr. Er ist bet Miliz-General, wie er nicht besser gedacht werden kann. Ja er ist mehr als das, denn er versteht, was kaum ein Berufs-General verstehen würde, er versteht, das Geschoß der aufgeregten Untergebenen im Lauf zu bannen, bi» zu dem Moment, wo es bem Feinde ben größten Verlust zufügen muß — unb das im Zeitalter ber weittragenden Schnellfeuerwaffen.
Ans futnlt nnd geben-
* A-r V-ret« der Künstler und Kunstfreunde hatte zu feinem fünften Abend am Dienstag, den ü. Dezember, ein außerordentlich reichhaltiges Programm ausgestellt. Wenn wir uns an die Borttagsotbnung halten, so nannte die erste Nummer zwei Chöre a capella des unter Leitung des Herrn W. M ü h l f e l b stehenden Chor». Durch zahlreiche Erkrankungen der Mitglieder mußte diese Stummer leider ganz aussallen und das Konzert begann gleich mit der Sonate (A-dur) für Klavier unb Violine von Cesar Frank, gespielt von Herrn E. Reuß aus Dresden (Piano) und dem Kgl. Konzertmeister Herrn F. Nowak (Violine). Es fehlt uns ja an Raum, auf das Werk näher einzugehen.
genommen.
Die Uebernahme der Karolinen-, Marianen- und Palao-Jnseln ist deutscherseits vollzogen.
In Angelegenheit des Dr. Prenß erfährt die „National- Zeitung" zuverlässig, daß die juridische Fakultät der Berliner Universität ihr disciplinarisches Vorgehen aus eigenem Antrieb und ohne Vorkenntniß eines von dem Freiherrn v. Mirbach ergangenen Schreibens beschlossen und auch unabhängig von irgend einer äußeren Einwirkung zu Ende geführt hat. Die „National-Zeitung" bestätigt indeß, daß ein Schreiben an ben Rektor der Universität Seitens des Herrn v. Mirbach in ber fraglichen Angelegenheit in ber That ergangen ist.
Ausland.
* gereinigte Staaten. Dem Kongreß ging gestern die B o t s ch a f t M a e K i n l e y s zu. Sie beginnt mit ber Feststellung, baß bas Lanb sich eines außergewöhnlichen Gedeihens erfreue. Der auswärtige Handel zeigt eine große Zunahme. Die Botschaft erklärt, die Beziehungen zu Deutschland seien herzlichster Natur. Die neuesten Beweise dafür feien das direkte Kabel unb die Packetpost-Konvention. Die Botschaft regt die Bildung einer gemeinsamen Kommission deutscher unb amerikanischer Gelehrten und Kaufleute an, um alle gegenseitig ausgetauschten Nahrnngs- und Geintßmittel auf gesundlieitliche Zuträglichkeit zu untersuchen unb eine Gesetzesvdrlage für bie gesetzgebenden Körper beider Länder anszuarbeitcu, sodaß die handelspolitischen Differenzen endlich beseitigt würden. Bezüglich Chinas erklärt Me Kinley, Amerika werde wohlerworbene Rechte wahren. Rathsam sei, eine Kommission einzusetzen zum Studium des chinesischen Handels und der Industrie, sodaß der amerikanische Absatz gefördert werde. Die Währungsvorschläge zielen auf bedeutend erweiterte Befugnisse des Schatzsekretärs ab und betreffen die Bondsverkäufe und den Zinsfuß, ferner weitere Privilegien der Nationalbanken bezüglich der Notenemission unb Ab reißen ber endlosen Greenbackkette. Die Philippinen sollen ewig amerikanisch bleiben. Für bte Regierungsform enthält bie Botschaft noch keine Empfehlungen.
Ein Panzer solch fchwerfäll'ger Konstitution, Der paßt nicht in deutsche Gewässer.
Auf der leichtgeh'nden Segelyacht „Koalition", Da fährt sich's bequemer und besser.
Einem hochsteh'nden Volke, wie unserem, thun Nicht Knuten noch noth ober Peitschen, Unser Reich steht mit aller Welt friedlich — je nun Steh' es friedlich denn auch mit den Deutschen!
Wir haben ber Strafparagraphen genug, Jeder Tag bringt ’ne reizende Neuheit, Hat keine'berfelben mehr richtigen Zug, Dann probir' man's doch mal mit der Freiheit.
So viel von uns selber; vom Auslände soll Unb muß man heut' rücksichtsvoll schweigen. Schon zu sehr ist bas Herz vom Anbreasmarkt voll. Um für sonstwas In fresse zu zeigen.
Denn was scheert uns Herrn. Chamberlains Dauer-Sermon Und das siegreiche Siechthum ber Briten Zn ’ner Zeit, wo „die Ledkiichensrau unb ihr Sohn" Ihren Stand auf dem Markt schon erstritten.
Ob la France Amnestie oder keine gewährt. Ob in China geöffnet die Thür bleibt, Wenn uns hier nur kein Mensch unser AndreSchen stört. Das ja leider nur zwei Tage hier bleibt.
Darum frisch denn hinaus zum Confettigefecht,
-.sN ben Kampf, wo die Werfschlangen fliegen, Rur bte Börse nicht leer und bas Wetter nicht schlecht. Dann kann's schön werden. Recht viel Vergnügen!
Der Krieg in Südafrika.
hd. London, 5. Dezember. Der Korrespondent ber „Daily Mail" meldet ans Durban: Die Verbindung mit Ladysmith ist gesichert. Die letzten Meldungen aus der Stadt veranschlagen die Verluste bis jetzt auf 83 Tobte und Verwundete.
hd. London, ö. Dezember. Die „Kapstadter Times" melden aus Mafeking, General Cronje habe mit 100 Wagen nnd einer großen Trrippenzahl Mafeking verlassen unb die Belagerung sei praktisch aufgehoben, obwohl der Feind ein unregelmäßiges Granaten- und Gewehrfeuer aufrechterhatte. Andere Meldungen vom 22. November erwähnen keine Aufhebung der Belagerung. '
wb. London, 6. Dezember. „Daily Telegraph" meldet vom Modder River vom 30. November: Die Buren haben sechs Meilen nördlich des Flusses eine starke Stellung auf einem Bergrücken inne. Die Sauriers kamen heute mit ihnen in Berührung. — Ans Aldershot wird berichtet, daß die Bildung einer siebenten Division für Südafrika für wahrscheinlich gehalten wird.
hd. Vari», 6. Dezember. Die Engländer erlitten, wie hier verlautet, am Modderfluß in ben letzten Tagen eine empfindliche Niederlage. Das Gefecht soll sechs Stunden gedauert haben.
hd. London, 6. Dezember. Aus Pietermaritzburg wird gemeldet, eine englische Nekogiioscirungs-Patrouille habe zwischen Colensoe und Ladysmith die Lager der Bnren-Abtheilungen gesehen. Man erwartet in ben nächsten Tagen ein großes Gefecht bei Colensoe. Die Buren haben ihre Offensiv-Taktik äufgegebeu unb sind entschlossen, sich nunmehr nur noch defensiv zu verhalten. — Der „Tiines"-Korrespondent meldet aus Pietermaritzburg, daß daselbst elektrische Scheinwerfer zur Herstellung des optischen Telegraphen mit Ladysmith eingetroffen sind. Ferner sind mehrere schwere Geschütze angelangt, welche von einem Marine-Detachement ausgestellt werden. Eine Abtheitting Dragoner von 100 Mann hat gestern Pietermaritzburg verlassen. Der Bestimmungsort derselben ist nicht bekannt.
hd. Krüssel, 6. Dezember. Der „Soir" veröffentlicht einen interessanten Brief, ans dein hervorgeht, baß der Auf stand der Holländer im Norden ber Kap-Kolonie bereits eine vollendete Thatsciche ist. Die Negiermtg Transvaals besitzt die Gewißheit, daß mindestens 20,000 Holländer der Kap-Kolonie zum Burenheer eintreten werden. Bisher stießen bereits 10,000 waffenfähige Holländer zu den Buren.
hd. Loudon, 6. Dezember. Aus Pretoria kommen über Lonrenco Marques vom 2. Dezember offizielle Mittheilungen, daß am 29. November nach einem Bombardement der Forts die Engländer in Mafeking große Kreuzfahncn hißten, wahrscheinlich, um ihre Todtcn und Verwundeten zu holen, und daß am 1. Dezember das Bombardement von Ladysmith fortbauerte. Vor Kimberley ist Alles ruhig. Nach einem Telegramm aus Modder River ist Lord Methuens Wunde nur ein leichter Streifschuß am Bein und hindert ihn nicht am Gehen. Sein Abmarsch beginnt heute. Er führt Proviant für Kimberley mit sich. — Die Botschaft des
