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Verlag: Langgasse 27<

ZV,OOO Adonnentru

N-. S33.

Dienstag, den 14. November

1899

Fernsprecher 9?o. 52.

Fernsprecher Wo 52

Morgen-Ausgabe

er damit ntibeuten wollte,

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Beziehung eine Berechtigung, ihr kümmerliches Dasein weiter zu F Nisten, znaestanden werben. Man würbe, tote bei anderen Berufen,

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Ätttrtrtrtt f,ir bie Abend-AuSgade bis 11 Uhr Bormittag«, für die Morgen «Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eiugereichter Anzeigen zur

nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

«r. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 5» Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

E n*ft<n, zuaestanben werben. Man würbe, tote bei anderen Berufen, dos langsame Hinstechen dieses Erwerbszweiges nihig abwarten | ßnnen, würden nicht namentlich bei ihm sehr wichtige hygieinische - d«fiänbe in Frage kommen. Die Meiniiiaensche Regierung hat die W Erfahrung gemacht, daß noch zahlreiche Familien sich mit der ver- E botenen hauLindustriellen Herstellung jener Zündhölzer beschäftigen. | diesen Familien ist die siirchtbare PhoSphor-Nekrose ein regel- magiaer unheimlicher Gast, der selbst aus den vorschriftsmäßig ^gelegten Fabriken für Herstellung von Phosphor-Zündhölzern - nicht ganz verbannt werden kann. Aus diesem Grunde wird das

noch den Küchenban khentigen Valkonbau, mit dem Postbau noch nicht verbunden) und die Lauabauremise vom Thoren» der Kirchhof­gasse einwärts ans. Die Briefpost blieb im Adler bis 1869 und wurde dann in befi Schützenhos verlegt; bie Posthaltcrei und Ockonouiie ging 1876 ein. Seit 1875 verwaltete Herr Kaufmann Büdingen den Adler und übernahm ihn 1878 käuflich. Bereits im nächsten Jahre begann er mit den baulichen Umgestaltungen. In dem llnterstock des Hauptgebäudes wurden Läden eingerichtet, der 1870 bereits umgebaute Post bau, jetzt Neubau geheißen, der mit dem Balkonbau verbunden worden war, sowie dieser letztere selbst erfuhren Umwandlung und thcilweisen Aufbau; ebenso wurde an Stelle des Grünen Saales der neue Saal erbaut, der Zugang zum großeii Saale von rechts nach links verlegt und das Lesezimmer mit der Terrasse darüber angebaut. Die Quelle wurde neu gefaßt, mit dem Portal versehen, die alte Badehalle mit den Vadezellen, bie von der Quelle aus (rechts vom Saalbau) niebergelegt und die Zellen (2x8) unter den großen Saal verlegt, sodaß der Hof unterste Gartenterrasse wurde. Auch bie Küche kam aus dem Balkoudau in den Souterrain des neuen Saals. Ebenso wurden die Logirzimwer in den Gebäuden an der Kirchhofgaste eingerichtet und biesenlgen in der alten Kirche erneuert. Alles in Allem zählt nunmehr derStbler 120 Logirzimmer, bie mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet sind, sämmilich geräumig, luftig hell. Die Feuerung geschieht durchweg noch mit Holz; zur Erwärmung der Gänge dient Luft­heizung, auch wird die Thermalleitung den Heizzwecken dienstbar gemacht. Somit hat der Adler seinen Jahrhunderte alten Ruf als BabhauS ersten Ranges zu erhalten uub zu mehren gewußt. Es

Ans gftiM »nd §and.

Wiesbaden, 14. November.

DaS BadhanS zntn Adler.

. Das Badhaus zum Adler ist durch die Frage des Ankaufs Seitens der Stadt in den Vordergrund des Interesse gerückt, und es dürfte sich deshalb empfehlen, feiner Geschichte einige Aufmerk­samkeit zuznweiiden. Da« Adlerbesitzthmn uiufaßt zunächst das langgedehnte Gebäude Laugaaffe 82, dessen Unter stock fast durchweg Läden enthält. Durch den Tljoreingang betritt mau den großen Hosraum, vielmehr eine garteitähuliche Anlage mit Springbrunnen. Links hat man den langen sogenannten Posibaii, und im Winkel anschließend daran das wegen der vielen angebrachten Balkone Balkonbau genannte Gebäude vor sich. Hechts, in gerader Flucht hintereinander, bemerken wir den neuen Saalbau (den alten Grünen saal, s. u.) mit dem rechts angebauten Lesezimmer (darüber große Terrasse) und anstoßend den großen Speisesaal, unter welchem die Bäder liegen. Zwischen diesem Bau und dem Valkonbau link« öffnet sich der breite Zugang zu dem oberen ober Hinteren Befltz- thnme. Rechts vom Saalbau beginnt der Adlergarten in drei Terrasse». In der unteren befindet sich rechts, unmittelbar an der Grenze der Besitzung der drei Badhäuser zum Adler, zum goldenen Brunnen und zur goldenen Krone, aber noch auf dem Boden der ersteren die sogenannte Adlerquelle, mit einem Portale, das einen steinernen Adler trägt, geziert. Sie ähnelt der Kochbrunnenqttclle, sprudelt und dampft fast so stark wie diese. Die zweite Garten- terraffe erbreitert sich hinter dem Saal- und dem Balkonbau nach links hin und wird durch die Gebäude an der Kirckhofgasfe neben dem Hause Kirchhofgasse 9 auswärts begrenzt, bis zum dortigen Thore. Diese sind in ihren unteren Räumen zu Stallungen und Wirth- sckafts-, in den oberen zu Logirziinmem hergerichtet. Jenseits des Thores nach innen, in ihrer Fortsetzung mit den Gebäuden nn der Kirchhofgasse parallel, liegen langgestreckt wieder Remisen und Stallungen. Aus dieser zweiten Terrasse steht auch die frühere reformirte Kirche, jetzt als Gartenhaus mit Aussichlsthurm be­zeichnet, und auch zu Logirzwecken eingerichtet. (Das ehemalige refor­mirte Pfarrhaus, denselben Zwecken bicneitb, beschließt die Flucht der Gebäude an der Kirchhosgasse, innerhalb des Thores.) Die dritte Terrasse, hinter der alten Ktrche am Heideuberge aufwärts, erstreckt sich bis zur Mauer nm Hirschgraben (der alten Stadtmauer) und wird im obersten Theile vom Obst- und Küchengarten des Hauses eingenommen. Begrenzt wird der Garten nordöstlich von den Hintergebäuden der Häuser an der Webergaffe, südwestlich von denen der Häuser an der Adlersträße. Es gehören aber noch zu der Besitzung die Häuser Kirchliofgasse 9, 6, 8, 10, Adlersträße 1 und Webergasse 58, erstere zum Theil uiedergelegt. Das gesammte Besitzthum des Herrn Büdingen umsaßt 502 Ouadrat- rntljen, ohne die genannten sechs Häuser also das eigentliche alte Adlerbesitzthum 446 Quadratmeter. Als Preis des Ganzen sind 1.920,000 Mk. gefordert worden. Der Adler ist eines der ältesten Badhäuser der Stadt Wiesbaden. Wenn wir das nickt aus dem alten Merkerbuche wüßten, so fönntcu wir es ohne Weiteres aus dem Umstande entnehmen, daß der Adler eine bedeutende eigene Thermalquelle besitzt, die ergiebigste nach dem Kochbrunnen. Sie hat eine Temperatur von 64,60 Grad 6. und liefert in jeder Minute 147,50 Liter Wasser, womit, wie schon ermähnt, der Adler, der Goldene Brunnen, die Goldene Krone (und früher der Schwarze Bär aus dem Gebiete der heutigen Bäreustraße) versorgt werden. Die drei erstgenannten Badhäuser hatten ie V«, der Bar *,'» An- theil, bis 1890, beim Eingehen des Bären, Herr Biidingen diesen Antheil kaufte, also nunmehr/* der Quelle besitzt. Die vier großen Thermalquellen: Kochbninnen, Spiegelquelle (auf dem Gebiete des Badhanses zum Weißeit Roß), Adlerquelle und Schützenhofquelle, liegen in einer geraden Linie, die in ihrer Verlängerung auf den Faulbrunueu trifft. Sie ent­springen wahrscheinlich iit der Tiefe einem gemeinsamen Felseiilpalte und unmittelbar aus felsigem Untergründe, was der Reichthum ihrer Lieferung beweist. Denn diese vier Quellen geben in der Minute zusammen 768 Liter, während die sämmtlichen übrigen Thermalquellen des Sauerlandes tn derselben Zeit zu­sammen nur 573 Liter Wasser spenden. Die Temperatur nimmt von Norden nach Süden zu ab; die Kochbrunnenquelle zeigt 68,75, die Spiegelquelle 66,20, die Adlerquelle (s. o.) 64,60, die Schiitzen- hosquelle nur 49,20 Grad. Die Adlerquelle ist nach ihren Be- standtheilen und ihrer Wirkungsweise dem Kochbrunnen in jeder Beziehung nahezu gleichartig. Leidet erfahren wir im frühen Mittelalter so roentg über den Adler wie überhaupt über die Bad- Häuser Wiesbadens. Bis um die Mitte des fünfzehnten Jahr­hunderts nannte man die Badhäuser meist nach den Besitzern, z. B. des Kaisers Bad, das Bad des langen Hartumd, des Neuser, der Webschcnkelsen, des Gelen Hen u. s. w. Erst vom genannten Zeit­punkt ab begann sich die Sitte einzirbürgen, den Badhänsern,

völlige Verbot dieser durch dieSchweden" überflüssig gemachten gefährlichen Industrie verlangt. In der Schweiz, ivo ähnliche Verhältnisse in der Streichholziiidustrie herrschen tote bei uns, trat am 1. November d. I. auch ein Gesetz in Kraft, welches die Her­stellung der gewöhnlichen Phosphorhölzer gänzlich verbietet.

Eni ähnliches Vorgehen hätten auch manche andere Hatts- iudustrieen verdient. Schlimme gesundheitliche Zustände herrschen bekanntlich auch in der KoufektiouSuäherei, bei den Tabak-Hans- arbeitern re., Zustände, die geradezu nach Aenderuna schreie». Es ist in dieser Beziehung bemerkenSwerth, daß im Kreise Herford und Minden gegenwärtig von höheren Beamten des NeichsamtS des Innern über die Wohnungen und ArbeitSverhältniffe der hanS- industriellen Cigarrenmacher Nutersuchiingeu angestellt werden, hoffentlich finden die Ergebnisse derselben ihren Ausdruck auch in der Reichsgesetzgebung.

In Breslau beabsichtigen die städtischen Behörden, neben der staatlichen Alters- und Juvaliditätsversichernng eine Alters­versicherung für städtische Arbeiter in das Leben zu rufen, die ge­wissermaßen als Zuschußkasse wirken soll. In Holland will die Negierung in nächster Zeit den Kammern einen Gesetzentwurf für die Versicherung der Arbeiter gegen Unfälle und ein Wohnungs­gesetz vorlegen, in Frankreich hat der Kabinettsrath eine Vorlage genehmigt, die den Arbeitersyndikaten (Gewerkschaften) nicht nur die Rechte einer juristischen Person verleiht, onbern auch civil- rechtliche und strafrechtliche Bestinunntigen festsetzt, die den Gewerk- schaften eine ungehinderte Entwickelung und Wirksamkeit ermöglichen. Durch die kluge Vermittelung des Kabinetts Waldeck-Roussean in dein Streik von Le Creuzot hat sich die gegenwärtige Negierung ohnehin bei den Arbeitern viel Sympathie erworben. In Bem verlangte die Versammlung der schweizerischenGesellschaft für Schulgesundheitspflege" eine Reihe kräftiger Maßregeln zur Förderung der letzteren.

Anzeigen-Preiö t

Die einspaltige Petitzeile für totale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reelamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Es wird das vielleicht hier und da nicht ohne schmerzliche Berührung altgewohnter Verhältnisse geschehen können. Man wird I fick bann daran erinnern müssen, daß die allgemeine Wohlfahrt k" höher steht, als das Einzelinteresse, dessen wirkliche Berechtigung M durch die in der Gegenwart in manchen Kreisen zur Gewohnheit fe gewordene starke Betonung desselben noch keineswegs bewiesen wird. Wte wenig Berücksichtigung gewisse Einzelinteressen unter Umständen V verdienen, beweist gerade gegemvartig der Antrag der Meiningenschen stemennifl beim BnndeSratb, auf dem Verordnungsweg die Her- ßeuung von Phosphor-Zündhölzern gänzlich zu verbieten. Die Meiningenscke Regierung wird sich nicht leicht zu dieser Forderung «ttlchlofsen haben. Doch kann sie versickert sein, daß dieselbe, viel- >e<cht abgesehen von dem engsten Kreise der Interessenten, rückhalts- 8 !?!.e Zustimmung finden wird. Der Herstellung von Phosphor- Zündhölzern kann heute weder in wirihschaftlicher, noch in sozialer Vcziehnna eint Berecktiauna. ibr kümmerliches Dasein weiter m

Kociolpolitische Umschau.

Aus allen socialen Kämpfen der Gegenwart drängt sich dem öffentlichen Gewissen immer wieder die Frage zur Beantwortung auf: t die Arbeiterklasse ein gleichberechtigter Stand oder ist sie eS nicht? Nach den Grundanschaiiungeu unseres öffentlichen Rechts soll sie eS sein; die wirklichen Verhältnisse führen jedoch zu zcchl- [ reichen Einschränkungen, sodaß tbatsächlich die Gleichberechtigung der Stände nur theoretisch vorhanden ist. Die leidenschaftlichsten Regungen nnsereS politischen und socialen Lebens sind vielfach lediglich daraus gerichtet, das herrschende wirkliche Recht in lieber: einftimmung mit dem theoretischen Recht zu bringen. Denn wo der Arbeiter sich als Stand fühlt, da wird er auch von dem lebhaftesten Beftreben beherrscht, den anderen Ständen der Gesellschaft rechtlich nicht nur in der Theorie, sondern auch in allen Verhältnissen des täglichen Lebens wirklich gleichgestellt zu sein. Hieraus ist die andere die Gegenwart bewegende Frage cutftanben, ob diese Gleichberechtigung für unsere Kultnrentwicklung nothwendig und daher wünschenSwerth ist. Zu einer geraden und deutlichen Verneinung dieser Frage haben heute nnrWenige den Muth; trotzdem aber hallt dieQeffent- - lichkeit wieder von Klagen über Bestrebungen, die angeblich daraus gerichtet sein sollen, das wirkliche Recht der Arbeiterklasse, statt weiter auszubauen, zu beschränken. Es mag klug sein, allen diesen Kläger, mit einer gewissen Vorsicht gegenüber zu treten. Aber Beachtung verdienen sie unbedingt. Namentlich verdienen diese Klagen eine ernste und vorurtheilslose Prüfung, wenn sie derartig allgemein auftreten, wie das feit längerer Zeit bekanntlich in Bc- Setzung auf die sogenannteZuchthauS-Vorlage" der Fall ist. MSegen diese Vorlage wenden sich nicht nur die socialdemokratischen, i bie nationalsocialen und die ultramontanen Arbeiter, sondern sie findet leidenschaftliche Gegner auch im Bürgerthmn und in allen politischen Parteien. ES ist unrichtig, die bürgerlichen Gegner der - .Zuchthaus-Vorlage" als politische Freunde der Socialdemokratie zu bezeichnen. Der breite und entschiedene Widerspruch, den die von der ReichSregiermtg vorgesrhlagene eigenartige Form desSchutzes der Arbeitswilligen" auch im Bürgerthrtm

i gefunden hat, beweist nur, daß man auch in diesen

Kreisen gewissermaßen kulturelle Bedenken gegen die Absichtci, der ReichSregierung hat. Die Stellung des einen Thesis der Bh nationalliberalen Partei ist bekannt. Man will auch dort den : Arbeitswilligen das Recht aus Arbeit nicht verkümmern lassen, aber ß man sträubt sich, zum Schutze dieses Rechts gesetzliche Maßregeln t flut zu heißen, von denen mau befürchten muh, daß sie leicht zu einer starken Beeinträchtigung deS Vereinigungsrechts der Arbeiter M führen können. Einen derartigen Weg zu beschreiten, ist man um­soweniger geneigt, je stärker man von der lleberzeugnna durchdrungen ; ist, daß wichtige sociale Fragen der Gegenwart nicht ohne die freudige und sachliche Mitwirkung der Arbeiter gelöst werden können. Die Reichsregierung selbst scheint jetzt einlenken zu wollen. Sie Hai zu ver- » stehen gegeben, daß sie nicht auf jede Einzelheit der Vorlage bestehen wolle, sondern für eine Verständigung Entgegenkommen zeigen werde. Dieses Entgegenkommen wird ein sehr großes sein müssen, wenn fc. der Reichstag der Vorlage nicht in letzter Lesung das gleiche Schicksal wie früher bereiten soll. Jedenfalls wird die deutsche Volksvertretung einer gegenwärtig vom Reichsamt des Jimern aus­zuarbeitenden Vorlage über eine bessere reicksgesetzliche Regelung der Beschäftigung verheiratheter Frauen in Fabriken mit größerem Wohlwollen gegenüberstehen, als allen Maßregeln, die im Geiste be$Gesetzentwurfs zum Schutze der Arbeitswilligen" gehalten find. Zu einer besseren Regelung der Fabrikatbeit verheiratheter Frauen wird man namentlich durch die starke Zunahme dieser Beschäftigung tu den letzten Jahren gedrängt. Welche Richtung eine Neuordnung denelben einznschlagen hat, ist schon seit Jahren in den Er­örterungen desDeutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege" angedeutet, dessen Forderungen sich in dieser Beziehung im Wesentlichen decken mit der Stellung der letzten socialdeurokratifchen i Parteitags über die Fabrikarbeit der Ehefrau. Nicht erst in dieser ®eif?.tninh,nfl' sondern bereits seit langer Zeit wird von Social- politikern, Aerzteu Hyaieimkern, Geistlichen, Beamten aller Klassen und anderen Menschenfreunden ein weiterer Ausbau des Arbeiter- sck)ntzeS für bie Fabrikarbeit der Frauen verlangt. Der genannte Parteitag hat eine Erklärung aiigenomincn, in der die Frauenarbeit in allen Betrieben für die Nachtzeit verboten wird. Auch sollen Frauen bei solchen Beschäftigungen nicht verwendet werden, die dem weiblichen Organismus besonders schädlich sind. Der Samstag Nachmittag soll den Arbeiterinnen freigegeben werden, auch soll es verboten fein, Wöchnerinnen einen Monat vor und zwei Monate nach der Niederkunft zu beschäftigen. Außerdem wird für die I »«">£» der Achtstundentag, die Anstellung weiblicher Fabrik- mspektoren, die Vereinigungssreiheit und das aktive wie pafsive 1 Wahlrecht zu den Gewerbegerichten gefordert. Es soll hier nicht F untersucht werden, wie weit man schon heute diesen keineswegs s?^.!?cialdemokratiichen Forderungen entgegen kommen kann, aber thatsachllch wird sich jeder wirksame weitere Ausbau des Arbeiter- fchu^eS für Frauen in der Richtung dieser Forderungen bewegen

wie auch Gast- und hervorragenden Privathäusern Schilder zu gebe» und nach den darin befindlichen Zeichen das Haus zu nennen. Da tritt uns nun der Adler zuerst Anno 1505 entgegen, aber unter der Bezeichnung Vadhaus zur Kanne, ober, wie man damals schrieb, zur Kandten, zur Kante. Der Besitzer hatte ohne Zweifel eine Kanne als Schildzeichen gewählt. Ob .. .....

daß ihm auch Wirthsgerechtiqkeit-zuaestanden fei denn Bad- wirthschaft und Gastwirthfckast bedurften jede« besonderer Privi- legirung, mag unerörtert bleiben, zumal wir von einer solchen Verleihung erst später (s. n.) hören. Anno 1547, in dem bösen Brandjahre, da die ganze Stadt in Flammen aufging, war Hans zur Kandt einer der beiden Bürgermeister. Noch 1599 führte das Badhaus seinen alten Nennen. Aber kurz vor dem Beginn des großen Krieges, im Jahre 1617, wird es mit dem Namen rother Adler belegt; vielleicht mar die Bezeichnung Kanne dem Besitzer nicht mehr fein genug. Als zwanzig Jahre später, nach der zeit­weiligen Absetzung der nassauischen Grafen, Kurmaiiiz von der Herr­schaft Wiesbaden Besitz nahm, schenkte der Kurfürst-Erzbischof de» Adler, der fortab zum güldenen Adler hieß, feinem Oberkommissarius von Sturm, wie er ihm auch die Wirihsgerechtigkeit, die denr Bären entzogen worden war, verlieh. Vemerkt sei hier gleich, baß außer dem Adler mir noch (auch späterhin) die Rose unb der Schützeuhof Wirthsgerechtiakeit besaßen, alle anderen Badhäuser nicht. Der Frankfurter Arzt von Hörnick, der uns eine Be­schreibung des damaligen Wiesbaden (1637) hinterlassen hat, schildert un§ den Adler als Badhaus erstell Ranges, als ein frei­herrliches (d. h. von Abgaben befreites) Haus, das für Fremde be­quem eingerichtet fei und in dem gut gekocht und auch Wein ver­zapft werde. Siebe» Jahre später, 1644, wurde bekanntlich Wiesbaden durch bairische Raubschaaren verbrannt. Doch scheint der Adler bald verjüngt aiis seiner Asche entstanden zu sein, denn Hörnick meldet bereits in seine« Buches zweiter Auflage von 1662, daß der Adler zwei Bäder habe. Wir müssen »ns hier erinnern, daß die Bäder damals Bassin- oder Massen­bäder waren, in denen beide Geschlechter ohne Trennung badeten. Mit der Zeit wurde der Adler sogar hochfein; denn der nassemische Leibarzt Melchior sagt in feinem 1697 erschienenen Buche von ihm, das dem Rentmeister Schmidt gehörige Badhaus zum güldnen Adler habenicht allein unterschiedliche wohlgebaute und mit Marmelstein kostbar eingefaßte Bäder, sodaß sie wohl mit Fug uub Reckt fürstliche Bäder zu nennen seien, sondern es sei auch mit feinen und nach aller Bequemlichkeit wohl gebauten Zimmern also versehen, daß sowohl hohe fürstliche und gräfliche Standespersonen als auch andere ihre Vergnügung und Bequemlichkeit darinnen gehabt und noch haben könnten". Aus dem Jahre 1750 eri flirt im Stadtarchiv ein Jnventarium des Adlers, das Kunde davon giebt, daß der vorgenannte Schilderer, was die innere Einrichtung des Badhanses angeht, nicht zu viel gesagt bat. Einige Jahre später (1758) nimmt der Lokalhistoriker Kircheninspektor Schenck Gelegenheit, sich ebenfalls lobend über den Adler auszusprechen. Das Bad­haus wahrte also seinen Rus, ein solches ersten Ranges zu sein. Um 1770 kam es in Besitz der Familie Schlichter, in dem eS über ein Jahrhundert lang geblieben ist. Einen neuen Auf­schwung nahm es zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Peter Schlichter baute das Hauptgebäude des Adlers in seiner heutigen Gestalt ne», eröffnete neben der Badwirthschast eine Fuhrhalterei und erreichte die Verlegung der Thurn- und Taxisschen Fahr- und Briefpost in das Hans. Außerdem erbaute Peter Schlichter (der Urgroßvater des leider früh verstorbenen ersten Bürgermeisters zu Wiesbaden Christian Schlechter) den sogeitannten Grünen Saal des Adlers und später (lt06) den Blauen Saal (heutigen großen Speisesaal), in welchen vor Erbauung des Kurhauses die große Spielbank gehalten und Konzerte, Bälle und Theatervorstellungen gegeben wurden. Damals war der Adler der Mittelpunkt des KürlebenS. Es gehörte zu ihm eine zeitlaua das gegenüberliegende Gasthaus zum goldenen Wolf (Schelleubergsche Apotheke), wo seit 1806 der Buchhändler und Buchdrucker L. Schellenberg wohrrte, der dort auch ein Sefefabinett eingerichtet hatte. Der alte Adler hatte ein zweiseitiges Schild mit dem vergoldeten Doppel­adler, wahrscheinlich toegen der im Hanse destndlichen Reichs­post ; es ist jetzt auf der Hofseite über dem Thoreingang angebracht. Die Post befand sich in dem Flügelbau links, der heute »och Post- ban heißt, der Grüne Saal lag gegenüber. Im Jahre 1817 er­neuerten dieErben Schlichter" unter diesem Namen zeichneten fortan die Besitzer des Adlers, die Nachkommen Peter Schlichters den großen Blauen Saal (heutigen großen Speisesaal), der nun als Merkwürdigkeit Wiesbadens gleich hinter dem Kurfaale kam und in allen Reifebefchreibungen rühmlichst erwähnt wurde. In demselben Jahre vollzog sich die Union der Lutheraner und Reforinirten in Wiesbaden (Nassau) zu einer Gemeinde; infolge dessen wurde 1820 die (178791 erbaute) reformirte Kirche nebst denr Pfarrhause und dem großen Garten bis zum Hirschgraben zum Adler erworben. Ein Gebändeverzeickmß aus den zwanziger Jahren zählt als das Besitzthum des Adlers auf: ein drei­stöckiges Wohnhaus an der Lauggasse (200 Fuß lang), den Postbau, den Saalbau (die beiden Sale), das alle unb das neue Badhaus, eine einstöckige Remise, eine ebensolche Scheuer, zwei Ställe (an der Kirchhofsgasse), das ehemalige reformirte Pfarrhaus und die ehemalige reformirte Kieche. Die Erben Schlichter führten