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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfa. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

«3. Jahrgang»

Stint in zwei Ausgaben. - Bezugs preis: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die

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Verlag: Lailggasse 27.

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für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags, nächstcrscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

1899.

Donnerstag, den 9. Uovember.

Uo. 525.

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher N». 52.

Morgen-Ausgabe.

Ans Stadt und Zand.

Wiesbaden, 9. November.

GrschichtoKalender. 9. November. 1880: Bedeutendes Erdbeben in Agram. 1876: f Friedr. Ritschl zu Leipzig, hervorr. Philologe (* 6. April 1806 zu Großvargula, Thüringen). 1870: Besetzung von Montböliard. 1848: Erschießung Robert Blums in Wien (* 10. November 1807 zu Köln). 1848: Verlegung der preuß. Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg. 1841: * Albert Eduard, Prinz von Wales. 1822: Vernichtung des türk. Admiralschiffs in: Hasen von TencdoS durch den griechischen See­helden Kanaris. 1818: * Iwan Turgenjew zu Drei, beb. ritff. Novellist (t 3. September 1883 zu Bougival). 1799: Napoleon I. stürzt die Direktortal-Regierung, wird der Gebieter Frankreichs.

o. Russische Arden. Se. Majestät der Kaiser von Rußland hat anläßlich seiner letzten Anwesenheit in unserer Stadt dem Herrn Polizei-Kommissar Lepvert den Stanislausorden 3. Klasse, dem Wachtmeister Herrn Kahlert die goldene und den Schutzmännern Herren Kaufmann, Landgraf, Patzer und Rahn die kleine Mbcrne Medaille am Bande beS Stanislausordens verliehen.

Martinsmesse. Die Betheiligung, besonbers von Seiten der jungen Damenwelt, an der biesmaligen Veranstaltung zum Besten bes Damenheims Auaustc-Victoria-Stift, der Martinsmesse am Freitag, beit 10. November, in ben Sälen desTaunus-Hotel^, ist eine so rege, daß sowohl Handarbeiten und Malereien, als Obst and Blumen. Phantasteartikel, Japanwaaren, Pfefferkuchen und Wch viele andere Dinge zum Kaufe angeboten werden können. An vem reich ausgestatteten Büffet werden delikate Gänfeleberpasteten ' vie Hausfrauen entzücken und hoffentlich zum Ankauf verlocken; Thee und Kaffee mit Kuchen wird zum Bleiben einladen, und wem damit weniger gedient ist, dem sei verrathcn, daß auch für ein Glas echtes Bier, frisch vom Faß, von der Brauerei Kulmbach Sorge getragen ist. Da Alles zu

soliden Preisen angeboten wird, steht zu hoffen, daß der Besuch der Messe ein recht reger feilt werde. Kann doch jeder Besucher das angenehme Bewußtsein dabei haben, mit seiner M Spende nicht nur sich selbst eine frohe Stunde zu bereiten, sondern i einem wirklich guten und segensreichen Zweck die nöthigen Mittel : znznwcnden. Der Verkauf wird um 11 Uhr eröffnet und um 3 Uhr Nachmittags fortgesetzt werden, und findet nur morgen Freitag in den zu diesem Zweck freundlich zur Verfügung gestellten Sälen desTaunus-Hotel" statt.

Elektrische Beleuchtung der Hauptstraße» der Stadt. Von der Direktion bet städtischen ElektneitätSwerke geht joeben dem Magistrat ein Plan zu, der eine neue Verbesserung der Straßenbeleuchtung bezweckt. Nach diesem Plane sollen in den Hauptgeschäftsstraßen der Stadt, wie Wilhelm-, Taunus- und Burgstraße, Langgaffe, Webergafle tt. a., elektrische Bogenlampen an­gebracht werden, und zwar im Ganzen etwa 50 Stück. Im Interesse besonders der hiesigen Geschäftswelt ist es zu wünschen, daß dieser Plan recht bald zur Ausführung gelangt.

o. Orthographie - Blüthe. Neben dem Stil muß sehr häusig auch die Orthographie arg Noth leiden. Eine starke Probe hiervon liefert eine uns vorliegende Bestellung eines biederen Land- mannes in Rheinhessen bei einem Tapetenhändler. Sie ist so originell, daß sie hter wiedergegeben zu werden verdient. Sie lautet:Schicke sie mir die Tadele Nunter 7725 preist 22 fettig und 7 Meter Bort da zu den metter zu 3 fettig auf Post nachnam. Butte schicken fiese gleig. An Herrn N. N. in Nur schade, daß die Karte nicht so, tote sie ist, wiedergegeben werden kann. Das würde die erheiternde Wirkung zweifellos noch erhöhen.

o, Z« dem Unfall, der, wie erwähnt, am Samstag auf der Biebricherstraße einem OfsizierSburschen zustieb, wird uns noch mit- getheilt, daß den letzteren keine Schuld treffe und bet Unteroffizier ein Sergeant vom Nass. Feld-Artillerie-Neainient Nr. 27 sich alle Mühe gegeben habe, durch Winken den Maschinenfiihrer des betreffenden Dampfbahnzuges zum Halten zu veranlassen. Er läßt die Zeugen des Unfalls ersuchen, aus dem Dienstzimmer des ersten Bataillons des Regiments v. Gersdorff ihre Adressen niederzulegen. Der verletzte Soldat, der aus dem Wittgensteinschen stammt, hat eine Quetschung des rechten Oberschenkels davongetragen, ist aber wieder soweit hergestellt, daß er in den nächsten Tagen aus dem Lazareth entlassen werden wird.

o. Karambolage mit der Dampfstraßenbah». Am Montag Nachmittag, kurz nach 5'/- Uhr, karambolirte auf der Kreuzung Bahnhof-, Rhein- und Nikolasstraße die Lokomotive eines ankommenden DampfstraßcnbahnzugeS mit einem Lastwagen. Der letztere wurde gegen eine Straßenlaterne geschleudert, sodaß diese total in Trümmer ging. Der Wagen wurde am Hinterrad stark beschädigt.

Kleine Uolizen. In derHeilsarmee" (Franken- straße 13), deren hiesige Abtheilung jetzt von Kapitän Dähn und Leutnant Winkler geleitet wird, findet heute Abend eine große Straversammlung statt, in welcher Kapitän Dähn einen Vortrag :rDie sociale Arbeit bet Heilsarmee" (über bereit Fortschritte vor einigen Wochen bereits an dieser Stelle einige Angaben ge­macht wurden) halten wird.

-r. Niedernhausen, 5. November. Die hiesige Station wird in einigen Jahren zu den bedeutendsten und größten Verkehrs- Punkten unseres Bezirks gehören. Die eben hier in Atmriff ge­nommenen Bauten deuten darauf hin, daß die Züge Morgens von hier aus nach allen Richtungen gehen und Abends wieder'hier bleiben werben. Zu biefem Zweck wirb eine Maschinenhalle gebaut, die bis nächstes Frühjahr fertig sein wird und Raum für acht Lokomotiven bieten soll. In der Nähe dieser Halle wird eben eine neue und große Drehscheibe nach einem ganz neuen System erbaut, die von einem Mann ganz allein bewegt werden kann. Auch eine große Lastwaage wird in Bälde am hiesigen Bahnhof errichtet werden. Damit wird einem längst gefühlten Bedürsniß Rechnung getragen. In der Nähe der neuen Maschinenhalle hat die Eisen- bahn-Vertoaltung eben einen Acker von 84 Ruthen erworben, um darauf drei größere Häuser, welche als Beamtenwohnungen dienen sollen, zu erbauen. Endlich beabsichtigt die Eisenbahn-Verwaltung demnächst in der Nähe des Bahnhofs einen großen Wasserthurm zu erbauen. Zu dem vorhandenen Waffer wird noch das Wasser aus einer nett entdeckten Quelle, welche in der Königshofer Ge­markung, in der Nähe des .Wiesbadener Weges-, liegt, ge- Itomifien werden. Herr Förster Ilgen dahier und Herr

Ans Kunst nnd ßeben.

* CiirilienvereiusKonrert. Es wird uns geschrieben: Unseren Mittheilungen über die Solisten in der bevorstehenden Aufführung desJosua" durch den Cäcilienverein haben wir noch hinzuzufiigen, daß auch dadurch die Besetzung der Solopurtieen von besonderem Interesse fein wirb, als bie beiden mitwirtenben Damen dem hiesigen Publikum zum ersten Mal gegenübertreten werden. Die Altpartie des Otheniel wird von Fraulein Anna van Nievelt gesungen werden, ein besonders glücklicher Griff in der Besetzung dieser Partie, da bie Künstlerin im Besitz einer ber jetzt

?Fabrikbesitzer Franz Fehr aus Wiesbaden beabsichtigen, im nächsten jähre dahier Neubauten zu errichten. Seit dem 1. November nb bie kirchlichen Verhältnisse bes katholischen Kirchspiels Obere osbach so geordnet worden, daß Oberjosbach nndNiedernhausen, Bremthal und Niederjosbach und Eppstein und Vockenhausen durch je einen Geistlichen pastorirt werden. Die jeweiligen Gottesdienste in den genannten Orten sind abwechselnd Früh- und Spätdienste. Die kirchlichen Organe des Kirchspiels Niederseelbach Haden in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, mit Beginn des nächsten Jahres nicht nur das neue Gesangbuch einzusühren, sondern auch die Konfirmation am Sonntag nach Ostern vornehmen zu lassen.

* Mainz, 8. November. Wie dasMainzer Journal" meldet, wählte das Domkapitel heute zum Bisthumverweser den Domkapitular Professor Dr. 33 r u e cf.

* Ana der Umgebung. Herr Lehrer z. D. Karl Ebenau in Niederscheld ist im Alter von 55 Jahren gestorben. In Idstein ist an Stelle des verstorbenen Herrn Dekan Cuntz Herr Pfarrer Dörr zum Kgl. Kreisschulinspektor für die Schulinspektion Idstein I von Kgl. Regierung ernannt worden. Mit den Ver- messungsarbeiten an der Kleinbahn Butzbach-Usingen und Usingelt-Jdstein wird demnächst durch Ingenieure begonnen Werden.In Ho fhein: vollendet der in weiteren Kreisen bekannte Aich- und Spenglermeister Herr Georg Diener am 12. d. M. fein 80. Lebensjahr. Derselbe erfreut sich zur Zeit noch guter Gesund­heit. Dem Landtoirth Andreas Merz von Zeil sh ei m, der auf dem Markt in Hochheim ein Pferd für 200 Mark verkauft hatte, wurde das Geld aus der Tasche gestohlen. Die in Epp­stein in diesem Jahr angelegte Wasserleitung erweist sich, wie das Frkf. Volksbl." berichtet, als sehr mangelhaft. Man hält die mangelhafte Arbeit in der Anlage als eine Folge der Submissions- aibung. Das Kriegsministerium hat mit der Lieferung der

en für die Konservenfabrik in Mainz für die diesjährige Fabrikationsperiode die Firma Heister u. Simon betraut. Zu liefern sind etwa 3000 Ochsen. Auf der Station Kranichstein bei Darmstadt würbe ein Fuhrwerk aus Arheilgen von einem Schnellzug überfahren. Die beiden Pferde, die einen Werth von 3000 Mark repräscntiren, wurden vollständig zermalmt. Der Fuhr­mann blieb unverletzt. Bei Wörsdorf wurde ein Mann er­hängt gefunden, der zuerst versucht hatte, sich mit einem Messer den Hals zu durchschneiden. Ans feinen Papieren ergab sich, daß er ein 38-jähriger Kaufmann Namens Gustav Wolf ans Böschingen fei, daß er Einjähriger-Unteroffizier und früher als Reichsbank- beauiter thatig mar. In Nieder-Auroff versuchte der etwa 40-jährige Schmied Heinrich Paul seinem Leben ein Ende zu machen, indem er mit einem Rasirmesser sich Schnittwunde:! am Hals beibrachte. Die Wunden waren jedoch nicht lebensgefährlich, sodaß sein Leben erhalten bleiben wirb. Die That ist im Ver­folgungswahn geschehen. In Oberlahnstein blieb ein Bremser in einer Weiche hängen, sodaß ihm ein Vein vollständig vom Knie ab zerquetscht wurde. Eine Amputation war nötyig. Der Verunglückte stammt ans Frintrop. In Dörnberg haben die Vorarbeiten zu einer zweiten Wasser­leitung bereits begonnen. Man gedenkt eine Quelle jenseits der Lahn zu fassen und unter dem Lahnbett hindurch heraus nach Dörnberg zu leiten. Die Versetzung des Lehrers Schönberger aus Pohl auf die Hauptlehrerstelle in Langenderubach wurde auf feinen eigenen Antrag zurückgenommen und vertretungsweise ein Schulamtsbewerber aus Hohenstein mit Versetzung der Stelle betraut. Zum Bürgermeister von Aßmannshausen ist Stadt­sekretär Schmitz aus Goch auf 8 Jahre gewählt worden. In Srant furt wurde der TrambahnkutscherHemrich Fröhlich von einem jroeren Kohlenfuhrwerk überfahren und getödtet. An Stelle des Bürgermeisters Aumüller in Münster, der 24 Jahre amtirte und leidend ist, wurde Herr Landmann Job. Seifer zum Bürgermeister ge­wählt. In Limburg ereignete sich em schwerer Unglücksfall an den Ausschachtungsarbeiten zu dem Gegenreservoir der städtischen Wasser­leitung auf dem Greifenberg in der Nähe der sogenannten Fuß- fäIle. Als eine Anzahl Arbeiter in der Tiefe beschäftigt war, brach plötzlich eine Wand zusammen, wobei zwei Arbeiter verschüttet wurden, während es den anderen glücklicher Weise gelang, sich in Sicherheit zu bringen. Leider ergab sich, daß der eine der Ver­schütteten, der 22-jährige Arbeiter Andreas Marr aus Ennerich, auf der Stelle tobt wär, während der andere, Wilhelm Schuh ans Nauheim, arge Quetschungen, besonders am linken Bein, davon-- trug, sodaß seine Ueberfüljrung in das Spital nothwendig wurde. Der Verletzte befindet sich auf dem Wege der Besserung. Für Schi er stein sind bie «ur Einlegung einer Geleiswaage auf dem Bahnhof erforderlichen Mittel durch den nächstjährigen Etat angefordert, nach deren Bewilligung die Eiubauung der Waage alsbald erfolgen wird. Der am Sonntag um 2 Uhr 40 Minuten die Station Dfterfpai passirendeSchnellzug hatte zwischen Oster­spai und Braubach einen unfreiwilligen Aufeuhalt. An einem Personenwagen brannte eine Wagenachse. Rottenführer firmier be­merkte dies beim Herannahen des Zuges und gab demselben Haltesignal. Nachdem die Achte mit Wasser abgekühlt war, fuhr der Zug weiter. Aus Holzappel, 6. November, wird gemeldet: Die vier ver­mißten Italiener sind immer noch in der Erde. Von zwei nimmt man an, daß sie sofort tobt waren. Die beiden anderen könnten jetzt vielleicht noch am Leben fein. Es wirb jeboch noch einige Tage bauern, bis bie Aufräumungsarbeiten so weit gediehen sind, daß man dahin gelangen kann. Die vier Verunglückten hiuter- laffen 14 Kinder. Das Waffer hat in dem Bergwerk Verwüstungen angerichtet, welche gar nicht zu beschreiben sind. So würben z. "B. eiserne Grubenwageu gefunden, welche wie ein Papier­vogen zusainmengeklappt waren. Der Stollen, worin die Ver­mißten gearbeitet" haben, ist von dem Schachte her ganz mit Geröll und Schutt ausgefüllt, das Alles entfernt Werden muß. Hülfsgerichtsschreiber Pöpperling vorn Amtsgericht Alzey wnrde verhaftet nnd ins Untersiichungsgefängniß nach Mainz verbracht. Der Gerichtsschreiber Page befindet sich ebenfalls noch in Hast. Es handelt sich um Unterschlagungen von Stempelmarken. Im Amts­gericht Alzey sollen seit Jahren ganz merkwürdige Zustände ge­herrscht haben.

so seltenen wirklichen tiefen Altstimme ist, während die meisten fogenannten Altstimnien mit größerem Rechte bem Mezzosopran nach Umfang und Klangfarbe angeboren. Ein solcher falscher Alt kann freilich mit einer Händelschen Ältpartie, die einen ganz anderen Vollklang in der Tiefe verlangt, nicht viel anfangen. Fräulein van Nievelt hat feit etwa zwei Jahren hier ihren ständigen Wohn­sitz, ist aber unseres Wissens in einer größeren Aufführung hier noch nicht aufgetreten. Wenn Wir die Besetzung der Sopran­partie der Achsah zuletzt erwähnen, so geschieht es nur barunt, weil mau sich eine Ueberraschnng stets bis zum Schluß aufspart. Unb eine nicht geringe Ueberraschnng wirb es für unser Publikum fein, wenn es erfährt, daß diese Partie der jugendlichen Künstlerschaft von Fräulein Elisabeth Wilhelm) anbertraut ist, der Tochter unserer berühmten Sängerin und gefeierten Künstlerin Maria Wilhelm). Ueber sie Näheres mitzntheilen, ist unnöthig. Was Fran Wilhelm) ist, weiß in Wies­baden Jeder, der mit der Knust Fühlung hat, was Fräulein Wilhelm) ist, das höre lieber Jeber selber. Er wirb wohl nicht zu furchten brauchen, bei einer Tochter unb Schülerin Maria Wilhelmjs eine Enttäuschung zu erleben.

* Alterthnins-Mnsenm bet Sonnenberg. Zufolge einer privaten Einladung ber Besitzerin des Ausstellungsgebanbes an bie GesellschaftKünstler-Klause" besichtigtenso wird uns geschrieben eine Anzahl Mitglieder der Klause am 1. und 2. November die auf das Prachtvollste ausgestatteten Säle des großen Gebäudes. In dem zur ebenen Erde belegeneu Saale Nr. 1 sind bie Sehens­würdigkeiten alter holländischer Meister, verschiedener Art, aI8 Schüsseln, Teller, Vasen, Urnen, Ampeln und bis ins Unerdenk- lichste Gegenstände zur Schau gebracht. In ber Mitte des Raumes befinbet sich ein schönes aufgebautes Büffet mit reich geschnitzten florentinischen Seitenstützen auch sind Kopfseiten alter Weinfässer, in denen manch guter Tropfen früher gelagert haben mag, als Dekorirungsstücke an diesem Büffet angebracht: eine ganze Menge von Nippsachen und Tellern, Gläser und Artikel sind än diesem bis unter bie Decke reichenden Büffet angebracht und in guter Stellung ersichtlich. Diesem gegenüber sieht ein alter Kamin, wie dieselben m vorigen Jahrhunderten auf Burgen und Schlössern gebraucht wurden. Derselbe dient zur wirklichen Erwärmung des Raumes, ein Holzfeuer erzeugt die Beheizung. Ein echter Rafael von vielem Werth hat über bem Kamin leinen Platz erhalten, der bei Abend durch zwei Wandarine beleuchtet Wirb. Die werthvolle Brüstung zeigt ihren Ursprung aus dem 16.-17, Jahrhundert unb sind die Füllungen mit reichen Holzschnitzereien ansgefiillt. Zwei Thüren führen in den zweiten Raum, eine wirkliche Nachbildung alter Priinksäle; hier sind die kostbaren reichgeschmtzten Schränke, Truhen in Verbindung mit der Brüstung in griippenhafter Weife zur Ausstellung gebracht. Die großen Wandflachen sind zum Theil, mit Ausnahme der Fensterleibungen, mit mittleren großen Wappen in Holzrahmen bedeckt: diese originelle Sammlung zeigt neben den Plastischen Wappenschildern auch die Farben ber einzelnen Ritter­schaften bazn. In ber Mitte, an ber Wand zu, ist ebenfalls ein Kamin erbaut, ber in den oberen Theilen bie Aufbanung eines alten Seitenaltars zeigt. Vor diesem Kamin sind alte Stühle und Sessel zur Benutzung hingestellt, und ist es ein behagliche« Gefühl, beim loderndem Jramtnfeuer sich an diesen Plätzen zu erwärmen. Auch hier sind außer werthvollen Bildern alte Waffen, Teller in mannig­facher Art zu erblicken. Nicht unerwähnt seien noch bie alten Glas­bilder in den großen Fenstern, Stücke aus dem 11. Jahrhundert, biein geschickterWeise mit den alten Vntzenverglasungen zusammengesetzt find. Diese Zusammenverbiiibiing ber einzelnen Stücke war eine über­aus schwierige Arbeit und zeigt von großer Geduld und Ausdauer. Die oberen Säle sollen ebenfalls zu Ausstellungszwecken dienen nnd werden auch hier alte Kunstgegenstände in großer Anzahl als sehr sehenswerth zur Ausstellung gebracht werden. Alle die vielen Einzelheiten nnd Sehenswürbigkeiten anfziisiihren. Würde zu weit führen, ich kann nur den Besuch auf das Allerwarmste empfehlen. Wie mitgetheilt, soll auch ein Zugang vom Promenadeweg ans geschaffen werden, es würde dies gewiß sehr zu empfehlen sein. Nach Durchgang und Betrachtung aller Sehenswürdigkeiten wurden bie Herren ber Klause auf eine ganz splendide Art bewirtbet und sprach ber Vorsitzende, Herr Maler Kögler, Nainens der Klause den verbindlichsten Dank ans. Zu erwähnen sei noch, daß das Gebäude im Aenßern der Architeltur der Gegend angepaßt ist und schon von Weitem den eigenartigen Charakter erkennen läßt. Das ganze Bauwesen würbe nach ben Planen bes Herrn Architekten A. Wolff ansgeführt, sowie unter Mitwirkung des Herrn Architekten P. Spelter bien Sehen und Ansehen sei hier die Devise.

Kleine Chronik.

Zwei im Alter von 13 und 11 Jahren stehende Töchter des Postbeamten Funcke in Mühlhansen i. Thür, waren auf bem drei Stockwerke hohen Zinkbache bes Hinterhauses mit Wäsche­aufhängen beschäftigt. Plötzlich stürzten Beide von dem Dache in den gepflasterten Hofranrn hinab. Das ältere Mädchen brach das Genick und war sofort tobt, bas jüngere erlitt so schwere Verletzungen am ganzen Körper, daß fein Zustanb hoffnungslos ist. Die Kinder sollen" bei ber Arbeit in Streit gerathen und dadurch soll das Unglück hervorgerufen sein. ,

Einem "Kampf zwischen Rehen und einem Fuchs wohnte ein Landmann ans Wittenbeck (Mecklenburg) bei. Auf seinem Weg von Wittenbeck nach Doberan vernahm er nahe dem Kellerswald das laute Klagen eines Kitzchen« (jungen Rehs). Er kam von seinem Wagen hinzu und sah nun, wie ein Fuchs da« jammernde Thier am Hinterlauf gefaßt hatte und es in den Wald zu zerren suchte. Der Landmanii eilte nun zum Wagen zurück, um die Peitsche zu holen und den Fuchs von seinem Opfer fort« zuhauen. Inzwischen aber stürzten mehrere Rehböcke herbei, die mit gesenktem Gehörn auf den Fuchs losgingen und ihn in ihrer Ueberniacht von seinem Raub abbrachten, fodaß er davoneilte. Da« verwundete Kitzchen hinkte darauf an der Seite feiner Befreier in den Wald zurück.

Für dre nächste Delegirten-Versannnlung der Penfions-Austalt der Bühnen-Genosseuschaft wurde folgender Antrag des Lokal­verbandes Dresden eingebracht:Die Mitglieder der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger zn verpflichten, dem Ersuchen nm eine Namensunterschrift nur dann Folge zn geben, wenn es in einem Genossenschafts-Briefumschläge zugestellt wird und somit eine Autographen-Stener zum Besten unserer Pensions-Anstalt nach dem Dresdener Vorbild für das gesummte Gebiet der Deutschen Bühnen-Genossenschaft einzuführen.

Die Bewohner des 30 Kilometer von Nizza in Wilder Berg­landschaft 800 Meter hoch gelegenen Wellers Jlonse befinden sich feit einigen Tagen in heftiger Aufregung. Ein großer Steinadler hat, nachdem er einige Tage zuvor an bemielben Orte ein junger