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Vikstmdem Tagblsü
Verlag: Langgasse 27.
IM»,500 Kbouneulru
1899
Dienstag» den 7. Uovember.
Wo. 521
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher N». 52.
Morgen-Ausgabe
— Personal-Uactzrichtrn. Herrn Negierungsassessor Frei-
— V»»>on«" s>nn>r>nirrn. yerrn srcgirrungoanriior jyreis Herrn v. Salmuth, bisher bei der hiesigen Kgl. Negierung, ist bfe kommissarische Verwaltung des Landrathsamtes im Landkreise
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auswärtigen Herrn, der
13 Gasthaus .Kölnischer
Malberg verkaufte Herr Balzer an einen e dort eine Villa errichten will. Auch das Gasthaus
vikär Pfarrer Tonradi zuKlingelbach (ein geborener Wiesbadener) definitiv znm Pfarrer daselbst ernannt worden.— Die Kandidaten der Theologie Heinrich Ködding von Bielefeld, Eugen Schneider von Norken, Johannes Seitz von Holzhausen bei Gladenbach und Seinrich Vömel von Honiburg v. d. H. haben die erste theologische rüfung bestanden und wurden in das Seminar zu Herborn auf-
o. Kirchliches. Zn Gunsten des Diakonissen-Muttcrhauscs hierselbst wird eine Kirchensammlung innerhalb des Bezirks des König!, Konsistoriums dahier am 26. November er., dem Tage der Todtenseier, erhoben. — Die bereits erwähnte Kirchcukollektc zu Gunsten des Rettungshauses dahier ist nunmehr auch in den evan- gellschen Gemeinden des Dekanats Homburg erhoben und hat daselbst 62 Pik. 68 Pf. ergeben. —Herr Dekan Pfarrer Grünschlag zu Bergebcrsbach ist zum 1. Januar 1900 zum ersten Pfarrer in Weilburg ernannt. — Zum gleichen Zeitpunkt ist Herr Pfarr- vikarPfarrer Eonradi zuKlingelbach (ein geborener Wiesbadener)
Lkgnitz übertragen worden. — Herr Sanitätsrath Dr. Ricker hierselbst erhielt den Charakter als Geheimer Sanitätsrath. — Dem Herrn Königs. Kreisphysikns Dr. Beinhaucr zu Höchst Uttb Herrn Dr. Wilhelm S antlus zu Hochheim wurde der Charakter als Sanitätsrath verliehen. — Der Kaiser von Nutzland hat bem~ Großherzoglich Hessischen Hofgarten-Jngcnieur Herrn Dtzilipv SieSmayer, Theilhaber der Firma Gebe. Siesmayer in Frankfurt a. M.-Bockenheim, den Stanislaus-Orden 3. Klasse und dem Obergärtner genannter Firma in Homburg v. d. H., Herrn Burkart, eine silberne Medaille verliehen. — Herr Forstmeister a. D. Flindt dahier, welcher die Herzoglichen Waldungen bis zum I. Oktober d. Js. verwaltete, "hat bei seinem Ausscheiden von Er. Hoheit dem Grobherzog von Luxemburg den Offiziers-Orden der Luxemburgischen Harrskrone erhalten.
Aus gfitM und Kirnd.
Wiesbaden, 7. November.
— Gefchkchtskalrnder. 7. November. 1896: Gefecht «fischen Türken und den Ausständigen unter Lepeliotis. 1866: Gnzug Viktor Emanuels in Venedig. 1860: Einzug Viktor Emanuels in Neapel. 1818: * Emst Du Bois-Neymond zu Berlin, bedeutender Physiologe (ch 26. Dezember 1896 zu Berlin). 1810: * Fritz Neuler zu Stavenhagcn. (f 12. Juni 1874 zu Eisenach). 1806: Blücher kapitulirt zu Ratekau bei Lübeck. 1787: * Vuk Karadzic zu Trschitsch, Begründer der heutigen serbischen Schriftsprache (t 26. Januar 1864 zu Wien). 1750: * Friede. Leopold, Gras zu Stolberg, zu Bramstedt, bekannter Dichter und Schriftsteller (f 5. Dezember 1819 zu Sondermühlen bei Osnabrück).
— Hofnachricht. Se. Kaiser!. Hoheit Großfürst Michael Michaelow it sch ist mit Gemahlin hier angckommcn und hat im »Hotel Wilhelma" Wohnung genommen.
Unzeigen-Preiö»
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
47. Jahrgang.
Heilst in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. GO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Hof" ging für 42,000 Mk. aus dem Besitz des Herrn Lorenz Brummenbaum in die Hände des Herrn Karl Emmel über.
* Aus der Umgebung. In Frankfurt a. M. kündigten die Bauunternehmer letzten Samstag sämmtlicheu organisirteu Maurern, etwa 2000 an der Zahl, die Arbeit. — In Rüdes- I)eim erschoß sich der aus Heppenheim gebürtige 25 Jahre alte Schneidergeselle Kaufmann. —In Geisenheim brannte am2.Nov. zum ersten Male das elektrisäie Licht. — In Frankfurt«. M. wurde der Schleifer Franz Joses Muscial von seiner Frau sterbend in der Wiesenstraße aufgcfunden. Er hat sich anscheinend selbst mit einem Trauchirmesser einen tödtlichen Stich beigebracht und starb alsbald. Muscial befand sich in Zahlungsschwierigkeiten. — In Biebrich wurde auf dem dem Herrn DachdeckermeisterW. gehörigen Lagerplatze neben dem Garnison-Lazareth eingebrochen und aus dem dort befindlichen Schuppen eine recht ansehnliche Menge Blei gestohlen. — In Lanaenschwalbach ist das bekannte Cafs- Restanrant „Paulinenberg" von Herrn van de Poll an Fräulein Clara Girudt aus Berlin verkauft worden.—In Homburg vor der Höhe traf der konunandirende General des 18. Armeecorps, v. Lindequist, mit mehreren Jntendantur-Beaniten ein und besichtigte am Gluckensteinweg das Terrain, ans dem die neue Jnfanteriekaserne für das Bataillon erbaut werden soll. — In Bischofsheim kam beim Raiiairen ein Bremser zwischen die Puffer zweier Wagen, wurde erdrückt und blieb sofort tobt. — Einen seltenen Fund machte dieser Tage die Frau des Landwirths Lorenz Gräf in Leutershausen beim Graben eines Rübe irisches. In einer Tiefe von etwa einem halben Meter fand sie einen steinernen Krug, der mit 424 Münzen aus dem 14., 15., 16. und 17. Jahrhundert'gefüllt war. —In Höchst werden Donnerstag, den 9. d. M., Herr llnterrichtsminister Dr. Stadt, Oberpräsident Graf v. Zedlitz-Trützschler, sowie Regierungs-Präsident Dr. Wentzel erwartet. Am Vormittag werden die Farbwerke besucht werden, worauf der Herr Unterrichtsminister wieder abreist. Obcrpräfldent imd Regierungs-Präsident besichtigen am Nachmittag die katholische Kirche, Kirchschule, das alte Zollgebäude, das Schloß, die evangelische Kirche, Gymnasium, Töchterschule und Volksschule II. — In Waldnlichelbach ereignete sich ein schrecklicher UiigliickSfall in den» Steinbruch des Bauunternehmers der Eisenbahn. In dem Bruch ist eine Schmiede errichtet, wo der Schmied Schmittle täglich das nöthige Werkzeug schärst. Als Schmittle fleißig aii der Arber war, gab es eine Explosion. Er stand sofort in Flammen, und nur dem Umstand, daß sofort Hülfe zur Stelle war, hat er fein Leben zu danken. Er ist aber furchtoar zugerichtet. Als mau nach der Ursache des Unglücks forschte, stellte sich heraus, daß ein angebrochenes Pulversäßchen mit noch 12 Pfund Inhalt in die Schmiede gestellt worden.— In Homburg trug sich am Samstag ein Unglücksfall zu. Die Ehefrau des Müllers Jebsen von Flensburg, in der Mußbachstraße wohnhaft, sah ihr etwa 4-jähriges Kind auf das Schienengelelfe der elektrischen Bahn zugehen, als der Wagen IV der Straßenbahn die Strecke nach dem Bahnhof zu passirte. Die bestürzte Mutter eilte, die Gefahr, in der ihr Kind schwebte, erkennend, demselben nach, kam zu Fall und wurde, trotzdem der Führer des Wagens sofort bremste, von dem Schutzblech des Unterkastens am Kopf übel zugerichtet. Eine klaffende Wunde am Hinterkopf und Gesichtsverletzungen waren die äußeren Kennzeichen des Sturzes. Das Kind erlitt einige Beulen und Schrammen im Gesicht. Die Absätze der Pantoffeln der Fran wurden von den Rädern vollständig losgenssen. —1 Herr Schleusenwärter Zehner zu Ahler Schleuse ist zum Schleusenmeister in Niederlahnstein ernannt worden. — I» Braubach ertrank im Rhein ein 10-jährigeS Mädchen (Waisenkind), das mit anderen Kindern am Ufer spielte. Das ist in diesem Jahr schon der dritte Fall, daß in Braubach Menschen im Rhein ertrinken. — In Holzappel schwebten viele Bergleute in großer Lebensgefahr, indem eine starke Wassermenge bei einem Schachte durchbrach. Nur durch das schnelle und energische Eingreifen der Beamten gelang es, die Arbeiter, welche mitunter schon bis zum Leibe tut Wasser standen, zt retten. Vermißt werden 2 Italiener, welche auf der 11. Sohle arbeiteten. Die 13. bis 16. Sohle soll bereits unter Wasser stehen. Die Rettungsarbeiten für die beiden Italiener haben bereits begonnen, und mau hofft, dieselben auch noch zu retten. In Sossenheim wurden zwei Bubenstreiche tn der «onutag Stacht verübt. Auf dem Juxplatz wurde ein Wagen samust dem Jauchefaß in den Laisrainbach geworfen. Der Wagen wurde dadurch arg beschädigt. In derselben Nacht wurden einem Bewohner der Dippengasse die Fenster emgeschlagen. Es sind 20 Mk. Belohnung für Ermittelung der Thäter in Aussicht gestellt. — xlti Ai ünster i T. wurde der seitherige zur Gemeindevertretung gehörende Laubmann Johann Zelser einstimmig zum Bürgermeister gewählt. — Die am Bahnban nach Wald-Michelbach be,chaft,gteii Italiener wurden zur Impfung befohlen, erschienen aber nicht. Hieraus ging den Renitenten die Nachricht zu, daß sie Deutschland zu verlafien hätten, falls sie bei einem zweiten Impftermin wieder fehlen. Auf diese Drohung stellten sich die meisten der Jmpflanzctte, einige aber verschwanden doch aus Furcht vor der Impfung.
genommen.
— Uassa,rische Botanik. Der älteste bekannte Exkursious- botnniker Nassaus dürfte Jacob Theodor aus Bergzabern, daher genannt Tabernaemontanus, 1520—1590, sein. In seinem New Kräuterbuch, Frankfurt a. M. 1588, Folio, erwähnt er die Gegend des Westerwalds, von Limburg, Diez, den Einrich bei Lanaenschwalbach, Bleidenstadt und Adolsseck, das Bergschloß Königstein, wo man aus den Feldberg geht, als Standort seltener " Pflanzen, er kannte mithin diejenigen Theile Nassaus, welche heute nod) reich an Seltenheiten der Pflanzenwelt sind, wenn dieses auch früher in noch höherem Maße stattgehabt mag haben, denn es läßt . sich nicht leugnen, daß der vermehrte Ackerbau die interessanteren Unkräuter und der rationelle Waldbau die Waldpflanzen be- ; einträchtig!.
— Der preußische Ktandrobeamte und das bürgerliche Gesetzbuch. Unter obigem Titel ist soeben im Verlag von P. Plaum in Wiesbaden ein Buch erschienen, welches so recht geeignet erscheint, die Herren Standesbeamten mit den grundlegenden Aenderuiigen und neuen Vorschriften, soweit sie mit Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuches, also vom nächsten Jahr ab, Geltung erlangen, vertraut z» machen. Der Verfasser hat in dem Buch die gesammte Civilstandsgesetzgebung, unter Einfügung der Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuchs über die Eingehung der Ehe sorgfältig neubearbeitet und durch Anmerkungen erläutert. Besonders - sei noch erwähnt, daß in einem Anhang auch noch das Eheschließungs- , recht außerdeutscher Staaten in seinen wichtigsten Bestimmungen behandelt ist. Die Absicht, mit diesem Buch dem Standesbeamten einen zuverlässigen Rathgeber zur Hand zu geben, der über alle einschlägigen Punkte sichere Auskunft nicht, dürfte der Verfasser vollauf getroffen haben. Das Buch ist gut ausgestattet und in sollde Leinwanddecke gebunden. Der Ladenpreis beträgt 3 Mk. 75 Pf.
— Die tzchwarzen des Deutschen Kolonialhanfes in Kerlin. Sieben junge Schwarze aus den deutschen Kolonieen ff' haben zur Zeit im Deutschen Kolonialhanse ein zweites Heim ge- x fundcn. Es sind die Söhne angesehener, eingeborener Familien, | die zumeist durch die Gouverneure der einzelnen Schutzgebiete an den Chef des Deutschen Kolonialhauses, Herrn Hoflieferant Bruno Antelmann, zur Erziehung und beruflichen Ausbildung empfohlen wurden. Der Jüngste, aber zugleich der .Rangälteste' von Allen, ist der letzt etwa sechsjährige Ouaffi, welcher von seinem Vater, dem von oer Kolonial-Ausstellung 1896 her bekannten Togohäuptling Bruce, flnr Schluß derselben Herrn Antelmann als Pflegling übergeben wurde. Ihm reihen sich im Alter an: der nach Errichtung des '• Mesbadener Zweiggeschäftes dorthin übergesiedelte Folivi aus
«^.rtirtrt.. «titrtlt.it«. für die Abend-Airsgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Ptöglichkeit Lvrge getragen.
i Togo und die im August 1899 NUS Neu-Guinea herübergekonimenen • Knaben Tilili (ans Ralum in Ncu-Guinea), 7 Jahre alt, und Towaulöau (aus Barawou in Neu-Guinea), 12 Jahre alt, sodann folgen die älteren: Heinrich Boston (ans Monrovia in Liberia), 14 Jahre alt, Jonathan Tometi, 16 Jahre alt und Joseph Vyll, 24 Jahre alt (beide aus Togo). Die Erziehung, die eine sehr sorgfältige und gründliche ist und sich in engster Familienqemeinschaft des Houses Antelmann vollzieht, erblickt ihre Aufgabe darin, den jungen Landsleuten jene strenge Manneszucht und sittliche Fertigkeit zu eigen zu machen, die sie, für den Fall ihrer späteren Rückkehr in die Heimat!,, vor allen Versuchungen, die ihrer im Kreis der schwarzen Brüder warten, allein gefeit machen können. So vollzieht sich also auch im Deutschen Kolonialhaus, inmitten all der weltlichen Aufgaben, die der deutsche Kolouialgedauke demselben zur Lösung überwiesen hat, ein Stück Missionsarbeit.
— Schöne Zähne. Anschließend an diesen Artikel in der Morgen-Ausgabe vom Samstag theilt uns Herr Zahntechniker Paul Rehm, Langgasse 28, mit, daß er gern erbötig ist, seine Broschüre: „Nathgeber zur Pflege und Behandlung der gesunden und kranken Zähne" an Interessenten unentgeltlich abzugeben. Die Broschüre erörtert folgende Themata: 1. Anleitung zur Pflege und Behandlung der gesunden und kranken Zähne. 2. Entwicklung und Erhaltung der Milchzähne. 3. Die Ursachen der Zahnerkrankungen. 4. Die Zahnkaries und ihre Folgen. 5. Die Mittel, die Zähne gesund zu erhalten. 6. Zur Behandlung kranker Zähne. 7. Das Füllen oder Plonibireu der Zähne. 8. Der künstliche Zahnersatz. 9. Anleitung zum Tragen der künstlichen Zähne. 10. lieber die Zahnoperatloileu.
— Gin Word vor 80 Jahren. Der „Mainzer Anzeiger" berichtet au« Mainz: In unserer Nachbargemeinde Gonsenheim sind seit einigen Tagen die Gemiither oller Bewohner in arger Aufregung. Es scheint, daß hier vor circa 20 Jahren ein Mord begangen worden ist, der nunmehr aufgeklärt werden soll. Zur eben angegebenen Zeit verschwand spurlos ein hiesiger Einwohner. Kurz darauf stord dessen Fron, und inan erinnert sich heute noch lebhaft, wie diese Frau sich standhaft vor ihrem Tode wehrte, noch einmal ihren Schwiegersohn zn sehen oder z» sprechen. Dieser, der Wirth und Schmied Paulus, wanderte etwa ein Jahr nach dem Verschwinden seines Schwiegervaters nach Amerika ans. All die Zeit her hat Niemand mehr etwa« von dem Verschwundenen, noch von dessen in Amerika sich aufhaltenden Schwiegersöhne gehört oder gesehen. Nun soll auf einmal nach Verlauf von 20 Jahren wunderbarer Weise das Verschwinden des Schwiegervaters aufgeklärt und die Ursache der plötzlichen Auswandenmg des Schwiegersohns gefunden werden. Wie so oft im Leben hat auch hier der Zufall eine bedeutsame Rolle gespielt, und daß an der Sache etwas Wahres ist, beweist, daß die Staatsanwaltschaft schon in Gonsenheim war, Zeugen vernommen und Entschließungen getroffen hat. Der Zufall bediente sich des Küfers Beitz, der durch einige leicht hiugcworfeue Worte den Stein ins Nollen brachte. Eben dieser Bcitz hotte bei dem Wirth Bccker, der in der Nähe der Kirche wohnt, ein schweres Faßlager im Keller herzurichten. Dabei äußerte er: „Wenn es hier nut nicht so geht, wie es einst beim Wirth Paulus gegangen ist." Man fing ihn, was denn da passirt sei, und erhielt zur Antwort: „Vor mehr als zwanzig Jahren half ich auch im Keller des Paulus ein Fast- lager aufschlageu. Dabei ereignete es sich, daß der Kellerboden einsank. Paulus veranlaßte uns, in die entstandene Oeffnung so lange Steine zu werfen, bis wir eine feste Unterlage gewonnen hatten." Und hieran knüpfte Beitz die Vcrmiithung, der Paulus habe seinen Schwiegervater ermordet und im Keller vergraben. Diejenigen, die das zu hören bekamen, hatten keine Ruhe und zeigten es der Behörde an. Sofort wurde die Staatsanwaltschaft benachrichtigt und es fand sich auch alsbald ein Vertreter derselben ein. Wie man hört, haben die stattgehabten Zeugenverhöre dazu geführt, daß der vorerwähnte Keller des Panliis amtlich geschlossen wurde, und weiter noch, daß ein Auslieferungsantrag wegen des des Mordes verdächtigen Paulus an die Regierung der Vereinigten Staaten abgegangen fein soll.
— Uagtzlatt-Kammlnngen. FürdieSaiiitäts-Koloiine nach Transvaal gingen ferner ein: Von C.W. 10Mk., W. G. 10 Mk., H. v. F. 5 Mk., C. G. mit dem Motto: Weg niet de Engelfchen 10 Mk, Alldeutscher Verband (Ortsgruppe Wiesbaden) durch Herrn Dr. Fleischer (schon separat quittirt) 415 Mk., Frau v. B. 3 Mk., m. D. 1 Mk., E. v. K. 20 Mk., durch Herrn I. Chr. Glücklich von Frau Marie Schmidt 5 Mk., aus dem Burenwinkel im „Fallstasf" 20 Mk, K., aus einer Sparkasse, 7 Mk. Verbindlichen Dank. Weitere Gaben neljmen wir gern entgegen.
o. Unfall. Gestern gegen Mittag ist ein Fuhrumnn F. von hier infolge Trunkenheit in der Sounenbergerstraße von seinem Kohlenkarren gestürzt. Er zog sich dabei erhebliche Verletzungen am Kopfe zu und blieb blutüberströmt liegen. Ein Schutzmann nahm sich seiner an, brachte dos Gefährt zunächst noch Han,e und sorgte dann dafür, daß der Verunglückte im Krankenhause verbunden wurde.
— Kleine Uotitrn. Das Dekorationsfest des „Wiesbadener Rhein- und Taunus-Klub" findet am nächsten Donnerstag, den 9. d. M., im Klublokal „GambrinuS" statt. Das goldene Klub- Abzeichen erhalten diesmal sieben Mitglieder, von welchen eins zum 7., eins znm 5., eins znm 3., zwei zum 2. Mal alle Touren mit- machten, während zwei das goldene Abzeichen zuin 1. Mal erhalten.
— Ans dem Ländchen, 6. November. Die heurige Weinlese dürfte nun so ziemlich beendigt sein, nachdem Nordenstadt am verflossenen Montag, Igstadt am verflossenen Donnerstag herbsteten, Wallan und andere Orte ebenfalls ihre Trauben einbrachten. Das Ergebniß ist im großen Ganzen wenig und mittelmäßig, weshalb sich die Preise zwischen 11 und 16 Pfennig das Pfund je nach den Lagen bewegen. Rieslinge gaben den schlechtesten Ertrag und ganze Weinberge voll Trauben, die durch Frühherbstfröste gelitten, sind als werthlos hängen geblieben. Oesterreicher ergaben besseres Er- trägniß, aber auch diese sind dickhäutig und sauer. Das Mostgewicht bewegt sich nach Oechsle zwischen 55 und 75 Graden.
□ Gms, 5. November. Das ImmobiliengeschSft istiu diesem Herbste so rege, wie selten zuvor, was man dem guten Resultate der diesjährigen Saison vielleicht zuschreiben kann. Herr Architekt Max Balzer verkaufte sein Hotel „Metropole" mit Inventar und Theatersaal für 245,000 Mk. an Herrn G. Lang aus Frankfurt a. M. und an Herrn v. Staphorst-Villerius einen Bauplatz rechts von der Koblenzer Straße, woselbst das neue ElektricitätSwerk' angelegt werden soll, und seinen an der Bleich- straße belegeneu Bauhof für 50,000 Mk. an die barmherzigen . Schwestern, freilich unter dem Vorbehalt, daß diesen die tve- ; nehmiguug zur Errichtung eines katholischen Krankenhauses ertheilt । wird. Auch einen Bauplatz an der sogenannten Kirschenallee am
Aus Kunst und Kebe:u
h. Frankfurter Stadtthrater, 5. November. Otto Erich Hartleben nimmt als Schriftsteller einen Rang ein, der ihm die Aufführung seiner Bühuenwerke von vornherein gewährleistet, so ist denn auch die Komödie „Ein wahrhaft guter Mensch , die jüngst in München nicht gefiel, zu uns gekommen. Sie wird aber nicht lange bleiben. Und das mit Recht. Für die Erlebnisse eines so geschilderten „wahrhaft guten Menschen, der im Grunde genommen nichts Anderes ist als ein Dummkopf der durchsichtigsten Art, kann man kein Jutereffe haben; noch dazu, wenn auch die scenen durchweg so breit angelegt sind und wir anderen Personen von Lebenstrene auch nicht' auf der Bühne begegnen. Die Aufführung war durchweg gut; Fräulein Triesch, wie die Herren Bauer und Bolz gaben ihr Bestes; der Applaus galt allein den Darstellern. An die Adreffe des Dichters aber war das Zischen gerichtet, das gegen den wiederholten Auszug des Vorhangs protestirte. Herr Hartleben wird den Mißerfolg verschmerzen können. — Im Opernhaus wurde ein Tanzmärchen „Ve r gitz- ineinnicht" erfolgreich und würdig zum ersten Mal gegeben. Die Musik ist von Richard Goldberger, der selbst gekommen war, sein Werk bei den ersten Aufführungen yi birlgircn.
* Verkäufe von „Ingend ' Griginalen. Seit dem sehr animirten Verlaufe der diesjährigen Versteigerung von „Hugend - Originalen aus den Jahrgängen 1896 97 erhalt die Redaktion der „Jugend" täglich Nachfragen wegen Erwerbung auch iieuerschemender Originale. Der Verlag sieht sich deshalb nunmehr ,n der Er»
o. Ktadlverordnrteiimnhl. Die Stille, mit welcher sich die Wahl der dritten Abtheilung gestern abspielte, wurde nur kurz naL 12 llhr etwas unterbrochen, als die Arbeiter in ihrer freien Zeit zur Wahlurne kamen. Doch deren Zahl war auch nicht groß und dürfte den Erwartungen der focialdemokratischen Partei kaum entsprochen haben. Im Ganzen dürsten in dieser Stunde für sie etwa 40 Stimmen abgegeben worden sein. Beamte, die sonst den rothen Zettel nicht in die Hand nahmen, stiinmteu diesmal für denselben, wahrscheinlich nur, weil die Socialdemokraten auf dem Plane erschienen sind. Die erste Nachmittagsstnnde zwischen 4 und 5 Uhr verlief noch ruhiger wie der Vormittag. Während bis 1 Uhr, dem Eintritt der Mittagspause, für die freisinnigen Parteien 161 und für die Socialdemokraten 57 Stimmen abgegeben waren, beliefen sich diese Zahlen gegen 5 Uhr Nachmittags auf 182 bezw. 65 und 4 Stimmen waren zersplittert. Heute Dienstag wählen die Wahlberechtigten, deren Familiennamen mit den Buchstaben 0 bis K beginnen. Es sind dies im Ganzen 2739.
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