Ameraen -Aunalrme *lbcn? • Ausgabe bis 11 Uhr Vorinittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
* """ * nachstcrschcincnden Ausgabe wird keine GewLtrr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 8 M 8
K-. 519.
Sonntag» den 5. Uovember.
Fernsprecher N». 52.
1899.
Fernsprecher No. 52.
Verlag: Langgasse 27.
1®,5OO Abonnenten.
Anzeigen-PreiSr
Dir einspaltige Prtitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pig. - Reclamen die Petitzrüc für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
«». Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs PreiS: durch den Verlag 6® Pfg. uionatlich, durch die Post 1 Ml. eö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Morgen-Ausgabe
Gruppe welche sich von jeher in einer bedenklichen Maßlosigkeit Heute doch muß er heraus, versprochen hat er's der Jugend der Politik gefiel, die Gemeinburgschaft der Deutschen durchbrochen Die das fallende Laub und die Glätte der Reifbahn nicht abi
Politische Ueberficht.
Sonder-Beilage zum IVicsbabener Tagblatt No. 5(8.
Dies zeigen tiefgebeugt im Namen der Hinterbliebenen an
Die Beerdigung findet Sonntag, 5. Nobember, Mittags 12 Uhr, vom Tranerhanse Adelheidstraße 8 t ans, statt.
t. Schellenberg sche Hof-Buchdruckerei.
er die
Albert von Schwedrr, Vberstleutnant a. D., Pauline Heinrich, geb. Schweden, Mathilde Schiveder.
Otto Von Schiveder, Major a. D., Kammer- Herr und Hofmaischall 5r. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Meiningen,
ist veränderlich |m neuen Sterne ent-
Am 2. November, Nachmittags gegen f2'/s Uhr, entschlief ganz plötzlich und sanft mein theurer Gatte, unser lieber, guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der
Helene von Schiveder, geb. Jung,
Carl von Schiveder, Oberleutnant im Jnf.= Regt. No. t»>6, kommandirt als Adjutant beim Bezirks-Kommando Limburg,
Bruno von Schiveder, Leutnant im 2. Nass. . Inf.-Regt. No. 88,
ei, die flehend um Hülfe er anäugt, )lj, uralte Kastanien und Herbstlaub, ich der Decke des tückischen Sünders, itter, die stürmenden Hufe der Rosse, eu dein offenen Waldraine zuhetzt.
durch böse Erfahrungen klug geworden. Mit »ebouern unb mit | Reibt vomFenster den Thau und seufzt besorgt um benSchnupfen, I
«ner gewissen sorge mutz es freilich erfüllen, daß die schönerer- , Den der Gewaltige leicht durch Nebel unb Rordwinb sieb zuzieht. I Fast nun hätte die Schaar der Verfolger mit Schläue getäuscbt er'
Die politische Erörterung stand bei uns in dieser Woche völlig im Zeichen der Flottenfrage. Damit könnte an sich allen Lheilen, sowohl den Freunden wie den Gegnern der Flottenforderungen, und auch den noch Unentschiedenen Genüge geschehen, denn je eifriger die Forderungen der Regierung und das Für und Wider erwogen werden, desto leichter werden sich die Stimmung und He Anschauungen über diese Forderungen und ihre Aussichten klären. Freilich ist nicht zu verkennen, daß diese Debatten fürs Erste zum nicht geringen Theil noch in der Luft schweben, da außer Ium Ort--.ve nr.r . ni . m ... .< x. .... -SK-—- -SL ■
und der Volkspartei den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Wir vertraneil aber darauf, daß die Deutschen Oesterreichs angesichts des geschlossenen Vorgehens der Tschechen nicht in ihren alten Erbfehler zurückfallen und sich zum Triumph der auf den Niedergang des Dentschthnms lauernden Gegner in inneren Kämpfen zerfleischen werden.
Daß der zähen Beharrlichkeit und der unerschütterlichen Ein- müthigkeit zum Schluß doch Erfolge winken, zeigt das Schicksal der Filipino s, welche mit unerschütterlicher Ausdauer den Kampf um ihre Freiheit gegen die Uebermacht der Vereinigten Staaten führen. Trotz aller Renommistereien der übermütmgen Baukees, welche den Krieg auf den Philippinen als einen kolonialen paziergang hingestellt und die Fabrikation von erlogenen Sieges-
(Nachdmck verboten.)
Aus der Reichshnuptstadt.
Berlin, 3. November.
" Wirklich ist es allerliebst auf der lieben Erdei Wenn dieses Wort unseres Altmeisters Goethe jemals zutraf, dann ist es jetzt der Fall, wo wir uns sieben Wochen vor Wiittersbeginn noch so 2 prächtiger, fast sommerlicher Herbsttage erfreuen dürfen. Und wenn •Hefe Freude für alle anderen Erdenbürger einfacher Natur ist, so ‘ - ist sie für den Berliner eine zwiefältige Freude. Denn für den Stzree-Athener ist der Genuß der Natur, das heißt des lieben - grünen Grunewaides, erst im Herbst ein voller und ganzer Genuß, während er im Sommer eine geteilte, aber deshalb nicht doppelte, vielmehr halbe Freude bedeutet. Im Sommer findet die - Massenüberschwennnung beSGrunewaldes statt, denn Alles, was in Berlin W., C., N., 8. unb 0. bas Verlangen hat, seine mit bem - Dunst ber Großstadt angefüllten Lungen durch ein Sauerstoff- und s. Ozonbad zu reinigen, strömt in Hellen Schauren in das Dorado E-; Berlins, in den Grünewald. Wir müssen es mit ansehen unb fe leiden, daß uns rechts unb links der schönste Sauerstoff vor dem sv Munde weggeathmet und der schönste Kiefernnabelduft vor ber Rase weggerochen wird. Wir stoßen rechts auf Kinder, links auf M /Kinder, wir, die wir dem Gedränge der Innenstadt entfliehen wollten, gerathen fast ans dem Regen in die Traufe. Was wir L in der Stadt verlassen, finden draußen wir in Massen; 's ist und V bleibt dieselbe Menge, hier Gedränge, dort Gedränge!
v Jetzt aber, wo die Natur ihr Abschiedssouper flieht, mit dem sie sich vor ihrem langen Winterschlaf ihren treuen Haus- unb Maturfreimden empfiehlt, jetzt, wo bie Blätter fallen und sich unter M. unseren Füßen in Staub verwandeln, jetzt fft die Zeit, wo der nach Licht und Luft verlangende Spree-Athener sich des Grunewaides, dieser Lunge Berlins, erfreuen kann, ohne auch dort einen Kampf um das .Dasein' auSzukämpfen, und ohne nach vollbrachtem
, Naturbummel mit einem mehr oder minder großen Defekt an [?■ Hühneraugen, Rippen und Eylinderhüten zu den heimischen Penaten zurückzukehren. Jetzt ist die Zeit ber Grunewaldläufer, - denen ber Dichter des spezifischen Berlinerthnms, Max Kretzer, in fc- feinen soeben der Druckerpresse entronnenen .Großstadtmenschen" - ein finniges Denkmal gesetzt bat, denn der Grunewaldläufer ist in der Thal ein ebenso spezifischer, wie origineller TyvuS ber Groß- L unb Weltstadt Berlin. Der richtige Grunewaldläufer, so charakterisirt : ihn Kretzer in treffender Weise, haßt die Menschen, die ihm über | den Weg laufen, denn er lehnt es ab, .feinen“ Grünewald mit ihm : ju theilen. Wenn der Pflastertteter der Friedrichstraße mit der Trage um sich wirst: .Was kostst Serfin ?“, so behauptet der
Grunewaldläufer allen Ernstes, der mächtige Spandauer Forst gehöre ihm allein, was er ungefähr mit dem Rechte eines Menschen tönt, der Jahre lang auf fremdem Grund und Boden vergnügt geduldet wurde und sich längst in die Rolle des eigentlichen glücklichen Besitzers hineingeträuntt hat.
Jetzt in der einsamen Herbstzeit fehlt es int Grünewald nicht an verborgenen und heimlichen und selbst geheimnißvollen Stätten^ die zum stillen, beschaulichen Nachdenken einlaben. Eine solche Stätte, bie selbst zur Sommerszeit ber Wanderlust vom Lärm des Tags und ber Wanderer pietätvoll verschont wirb, finden wir unweit des Wegs zwischen bem Bahnhof Grünewald, dein Ausgangspunkt der Grunewaldlänfer, und Schildhorn. Abseits vom Weg und weltverloren liegt hier eine gar traurig unb verlassen aussehenbe Stätte; es ist der Kirchhof'ber Sei dst- utörber. Schmucklose Gräber, zumeist verfallen, zwischen denen nur wenige zu finden find, welche vom liebenden Gedenken einer Freundesseele Zeugniß ablegen. Hier zeugen keine ehernen Tafeln von bem Erdenwailen ber jetzt zu Staub Vermodernden. Schmucklose Namen unb oft genug nur die Anfangsbuchstaben küitden aus unscheinbaren, halbverwitterten Steinen, daß hier ein Erdenwaller einen vergeblichen Kamps gegen das Schicksal gekämpft hat, dem er endlich unterlag, sei es, daß er die todbringende Pistole gegen sich richtete, sei es, daß er in den blauen Flutheu des romantischen Wannsees das ersehnte Ende suchte. Es ist der Kirchhof der Ünbeweinteu, denen nur selten eine liebende Hand Rosen der Erinnerung auf das Grab streut. Auch dies sind Grunewaldläufer, die hier ihren Lauf beendet haben. Ader noch ist der Dichter ntcht gefunden, der uns diese Stätte mit dein romantischen Schleier der Poesie umspinnen und uns, Wahrheit unb Dichtung sinniglich verwebend, berichten könnte, was die Blätter rauschen und flüstern, die im Spätherbst auf die Gräber der etnfnmen Tobten fallen.
Doch der Sohn ber Großstadt hat keine Zeit, auf solche ein» samen Waldesstimmen zu lauschen; sein Ohr ist an andere Klänge, an bas lärmenbe Getöse der Riesenstadt gewöhnt und seine Interessen sind so inannigfaltiger Art, daß ber grüne Wald da draußen für ihn höchstens dazu da ist, um dort „eine Stunde Luft zu schinden“. Der schrille Pfiff der Lokomotive und das dumpfe Rollen der Vorortbahn reißen uns aus unseren Trännten heraus und erinnern uns daran, daß es Zeit ist, uns heimwärts zur Stadt zu wenden, wo bereits das abendliche Leben und Treiben durch die Straßen fluthet. Wir schließen uns dem Zuge der Menge an und folgen als Heerdenmensch der Majorität. Die Majorität aber entscheidet sich für die neuen, neuesten und aller- neuksten Lokale. Der Berliner seiner Gunst, und er jauchzt jedem
Königliche Oberst 5. D.
Johann Adolph von Schwedrr
Ritter ßoßer Hrden.
gegen, ber am Himmel bes Bacchus oder Gambriuns auftaucht. Einige Wochen rennt bann Alles, was, wie ber Berliner sich aus- driickt, „nach was aussieht“, dem neuen Stern nach, und nach einigen Wochen schon ist ihnen der Stern—schnuppe! Das neueste Eretguiß auf dem Gebiet des Alkohols ist zur Zeit der Kaiser- Keller in der Friedrichstraße, wo Derjenige, welcher zum Bacchus ichivört, „tief unter der Erd“ dessen Gabe schlürfen tarnt. Ein neues Lokal in der Friedrichstraße, heißt das nicht Eulen nach Spree-Athen tragen? Ader bas Reich bes Durstes ist unbegrenzt und seine ReichShauptstadt ist unb bleibt bie Friedrichstraße, die nun einmal die Straße ber Lokale ist unb. bleibt. Wahrlich, hier muß man Lokalpatriot werben, inan mag wollen ober nicht.
Das Lokalkolorit ber Reichshauptstadt ändert M" überhaupt fortwährend. Die Sitte nimmt hier immer mehr Überhand, nach des Tages Müh' unb Arbeit in eine dem Bier ober bem Wein geweihte Stätte zu wanberu, um im Kreis ber Zecher, beim Klang ber “erber ben Tag zu beschließen. Es wäre ungerecht, hieraus zu schließen, baß ber Berliner ben Sinn für Häuslichkeit verloren habe ober zu verlieren im Begriff sei. Ader ber Dnrchschnitts- Berltner erfreut sich einer nicht weniger als luxuriösen Wohnung, bie Anzahl ber Gemächer ist gering, die Räumlichkeiten beschränkt, sodaß die Neigung begreiflich wird, aus ber heimischen Hütte ben Sprung in den prächtigen Bierpalast zu wagen. Aber nicht nur den Männern bereitet man hier aller Orten gastliche Stätten, auch den Frauen jedes Standes sucht man es zu ermöglichen, wenn sie des traulichen eigenen Heims entbehren, ein solches außerhalb zu finden. Schon im übrigen Jahre wurde in Berlin ein Frauenklub gegründet, der aber in Wahrheit ein Dante 11 klub war, da er seiner ganzen Anlage und den Geld- aiisprüchen nach aus die oberen Zehntausend berechnet war. Jetzt aber ist in der Schellingstraße ein neuer Frauenklub gegründet worden, der den Frauen bes Mittelstanbes eine gastliche' Stätte unb gesellige wissenschaftliche Anregung bieten will, ohne in bie Wogen ber mobernen Frauenbewegung hineinzutanchen. Aber auch sonst wird in Berlin die Devise verfolgt: .Komm' den Frauen zart entgegen! In ber Friedrichstraße ist dieser Tage ein neues Eaf« eröffnet toorben, bas sich von den anderen erheblich unterscheidet. Die größere — natürlich bessere Hälfte ist den Frauen eingeräumt, wahrend in ber kleineren auch bas rauchende Geschlecht der Männer zngelassen wird. Das neue Damencaf« ist auch ein Merkstein auf dem Wege des Emancipatisnskampfes der Frau. Der Grund- l^'.iDer Mann muß hinaus, die Frau muß ins HauS!“ findet hier keine Anerkennung mehr. Der Satz: .Die Frau gehört in» Haus! hat jetzt die Erweiterung erfahren: tns Eafshaus!
Dr. Paul Bertholtz.
Ein Ruck, bie bampfenden Pferbe igel, da jetzo die Hütte erreicht ist. zur Höhe, die weithin der Rundschau :tzt; und richtig, zu frühe nicht kam er: Thales gewahrt er das Feld, sich rüstend irr stürzt noch bie Schaar durcheinander, eunb und dort zu erweisen die Ehrfurcht, sich die Attila, hellblau und silbern, Lon des Waffenrocks; freundlich gemildert oarz des Reitkleids durch glührothen Kragen, anz strahlen die Uniformen und Augen, ne Eifrigen, Dank zu erwerben - Der Master sammelt die Jäger, Kuth und läßt dann befreien die Hunde. — uchs, ob irgendwo Rettung im Dickicht; s vor, durch Schnelligkeit sich zu salviren. n, der Forst deucht ihm bessere Schutzwehr e Meute, nicht achtend der Hecke n Rothrock auf schweißigerFährte; d ie Jäger ne Weile verschwindet die Suche, ch bald zeigt Geläute von Neuem, md flüchtig schnürt dort der Schlaue wch Rast nicht gönnt ihm die Meute. Dornbusch, zu sichern vor gierigen Fängen die liebliche Fähe entzückte, Partus mit ihm sollte theilen.
—......fallende Laub und die Glätte der Reifbahn nicht abschreckt,
Noßtummelnd mit Horrido und Hussa zu Ehren Huberti Anfzuhetzen den Fuchs, dessen Lunte zu greifen für Jeden, Jägerin, Jäger und Pferd, bie Ehre bes Tages bebeutet.
Zeit jetzt wirb es zum Aufbruch, um Mittag sammelt die Schaar sich; Horch! ertönt nicht von Fern Fanfarengelchntetter, bas Sebent, Dem's noch an Muth gebrach, die letzten Bedenken hinwegscheucht? Sieh', Frau Sonne verjagt auch die letzten Fetzen der Nebel, Und ste lächelt dem Treiben, das Seele und Leib jung und frisch hält. Schnell ergreift er den Pelz, knüpft fester das Halstuch, das sorglich Und auch zierlich zugleich die Hausfrau ihm knüpfte, und schreitet Aufgerichtet zum Wagen. Im Vorsitz hatte den Korb schon. Strotzend von feinem Gebäck und Kuchen und Wein für die Jäger, Gütig bedenkend den Durst und den Hunger,die Gattin uerftaut. —Jetzt ns Geschirr sich, schnaubend im Trabe, l, das den Namen des grausamen Königs trägt, da reizend sanft jenes und finster Linken murmelt ein Bächlein, erquickend r Erlen, während zur Rechten die Stangen lnchen die Böschung erklettern: sie weichen teiiibrud; der Faser den Nährboden weigert, bart im würzigen Herbstduft die Lunge, nm kann die Welt nur sein, die solch Wunder )öhle, wo Räubervor Jahren bem Wandrer !)’ und ben Beutel, kann nimmer ihn schrecken. Jels nur friedlichem Hüter zur Wohnstatt st, nicht drohend den Fremdling erleichtert.— !osse der vielerfahrene Lenker;
nke den Hochwald zurück. Mit Entzücken er und trinft bas Lichtgrüu der Matten; aum und gelblich, die helleren Farben bft durch der Stämme sanfteres Grau und nn; so schmückt sich ber Grund der Raden rti. —
