Einzelbild herunterladen
 

«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «O Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten.

«nzetgen-PrciSr

Die einspaltige Pctitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

*31 tttrtrtMtfür die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgab« bis 3 Uhr Nachmittags. L»"" «(*»»»<»>*]»>»« nächsterscheinendcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

Ko. 503

Freitag, den 87. Oktober.

1899

Fernsprecher Wo. 52.

Fernsprecher Wo. 52.

Morgen-Ausgabe

Gerichtssaal.

»nd Petersburger Mannschaften kerne schonende Ausnahme gemacht? uv. patentirte Kchniipsk gicbt es in Deutschland etwa «erade rn Paris bedurfte das soldatische Bewußtsein am meisten i tausend; bei Erfindung neuer Namen müssen alle möglichen , oer Stärkung, der ärmere Offizier aur meisten des Schutzes und I Ereignisse herhalteu und Niemand wird dabei verschont. Zu den

s

Aus Kunst «nd Leben.

;er:

(Nachdruck verboten.)

Der französische Offizier in Civrl.

Aür Wovember und Dezember auf das Wiesbadener Tagblatt" zu abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgasse 27, bei -en Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen in den Nachbar­orten und sämnitlichen deutschen Rrichsxostanstalten.

Bierstadt, 25. Oktober. Se. Maj. der Kaiser hat de» hiesigenKrieger- und Militär-Verein" einen Fahnenschmuck, be= stehend in einem Bande in den preußischen Farben und einem mit dem preußischen Wappen versehenen Nagel, verliehen. Die Hebergabe dieses Schmuckes findet am Sonntag, den 29. b. MtS., Nachmittags 27« Uhr, durch den Königlichen Landrath Herrn Graf v. Schliessen am Kriegerdenkmal statt. Nach der Uebergabe Zug durch die Ortsstraßen in den SaalZum Bären", daselbst Nach­feier (Eintritt frei). Freunde und Gönner des Vereins find ein­geladen.

* Wichtig« Erfindung auf optischem Erbiet. Unter den Blinden ist der Einäugige König! Das ist wohl für die Blinden Wahrheit; für den Einäugigen ist es ein schlechter Trost. Denn durch den Verlust eines Anges wird die menschliche Sehkraft nicht nur um die Hälfte verringert, auch die Fähigkeit, die erblickten Gegenstäude plastiich zu sehen, die durch btt Konvergenz unseres Augenpaares bedingt ist, geht dem Einäugigen verloren. Sollte nian da glauben, daß Angehörige vieler Berufszweige sich freiwillig des Gebrauchs des einen Auges begeben? Wir reden nicht von dem tapferen Leutnant, der seine Sehkraft durch ein eingeklemmte Monocle schwächt. Aber für alle Leute, die viel mit besoud".' kleinen Gegenständen zu thun haben, wie Uhrir.icher, Optiker, Graveure, Miniaturmaler, Zoologen, Anatomen, ist dies Unter­drücken der «chkraft des einen Auges auf Kosten les anderen eine absolute Nothwendigkeit. Ter Ztvang, sich einer Lupe zu bedienen, die bekanntlich nur die Betrachtung mit einem Auge gestattet, raubt ihnen den unendlichen Vorthcil des plastischen Sehens und schädigt

Adolf Venturi:Bernini". An Knnstbeilagen enthält das Heft: Von Max Klinger:Badendes Mädchen" (Lichtdruck); von Theodor Fontane:Wo Bismarck liegen soll." Facsimile der Original-Niederschrift; von Max Klinger: Drama. Plasttsche Skizze (Lichtdruck); von E. Th. Meyer-Basel: Häuser in Meersburg" (Origtnal-Radirung); von Max Kliw Amphitrite". Marmor (Lichtdruck); von Karl Seffner:Max Klinger." Hermcnbüfte (Lichtdruck); von Max Klinger: Sockel­figuren vomChristus im Olymp", Marmor (Netzätzung); von S. T. Wen bau-Landschaft" (Original-Radirmtg); von Käthe Ko l lw i tz:Begrüßung" (Original-Radirung): von I. G. V e l d- Heer:Op Macken" (Original-Holzschnitt). 'Außerdem eine An­zahl Abbildungen im Text, meist nach Klingerschen Plastiken, wie denn dieser Meister dem neuen Heft künstlerisch hauptsächlich sein Siegel aufdrückt, ein Umstand, der dem Werk nur zum Vorthcil gereicht.

M Persönlichkeit" ; von

Mier"; von Rudolf Schick: Tagebuch-Aufzeichnungen'über Arnold Jwin:Basler Erfahrungen 1868"; von Karl Schuch Hardt: Hildebrands Wahlurnen"; von Woldemar o. Seidlitz: Kas moderne Kunstgewerbe und die Ausstellungen"; von unserer P»arbeittrin A. Brunnemann:Georges Rodenbach"; von

standen, den seltenen Gast für zwei Abende zu gewinnen. Man wird also Gelegenheit haben, Samstag, den 28.,

und Montag, den 30. d. M.. eine der merkwürdigsten Erscheinungen nicht nur des gesummten Occultismus, sondern vielleicht der Welt zu sehen, weil er eben von allem Unerklärlichen das Unerklärlichste zu leisten scheint. Monsieur Ninoff ist als Mensch wie als Gedankenleser gleich außerordentlich. Halb französischen halb russischen Blutes, stammt er au« Brasilien und scheint in der That die typischen Eigenschaften des Nordländers und des Südländers in sich vereinigt' zu haben. Von letzterem allein hat er das glänzende schwarze Haar und das äußerst lebhafte Temperament, von ersterem die gedrungene Gestalt des Körpers. Seine hervorstechendste Eigenschaft' ist seine gewaltige Energie, mit der er Alles, selbst Paletots, Brieftaschen re., den Röntgenstrahlen gleich zu durchdringen scheint. Dabei bedarf er im Gegensatz selbst zu seine Rivalen, wie Cumberland, keinerlei Führung i'

I neuesten Schnäpsen lieferte der Prozeß derHarmlosen" den Stoff und so entstand einKayser", einKröcher" und einSchacht- meyer". Die Mischung der drei hat den NamenHarmloser" er­halten. In der Liste der patentirten Schnäpse findet man die wunderbarsten Wanten, wie z. B. Abraham, Accumulator, Aegir, Affenmarke, Alter Seebär, Arbeitsgeist, Athauas, Aufs Blatt, Ans der Ecke, Ballvater, Barmherziger Bruder, Blindschleiche, Blitz­ableiter, Stolz des Klosters, Domänenrath, Don Inan, Ohrfeige, Gemischte Ehe, Gerichtsvollzieher, Heilsarmee, Höllentrank, Jungferntröster, Jnliusthurm, Mumpitz, Nausen, Pi-pa-po, Potz Blitz, Rothkäppchen, Sausewind, X-Strahlen, Aum Dum und Zola.

Neuerung im telegraphischen Verkehr. Für den Telegraphenverkehr von Bedeutung ist eine vom Reichs-Telegraphen- aiitt jetzt erlassene nette Bestimmung, welche für die Zukunft eine wesentliche Verkürzung und Verbilligung der Telegramme zuläßt. Sie besagt: Wortabkürzungen sind zulässig, sofern sie auch außer­halb des Telegrammverkehrs gebräuchlich und allgemein verständlich sind, z. B.Griinthalerstr.",Gerichtsvollz.",Stellmachermstr." rc. Ebenso ist über die orthographische, unrichtige Auslassung desh" hinwegzusehen in Wörtern wteTheater",Draht" re. und in deren Zusammensetzungen.

Kleine Nöthen. In derHeilsarmee", Franken- straße 13, wird heute Abend 8'/, Uhr der Leiter derSüd-Division", Ensign Stankuweit aus Frankfurt a. M., eine Extra-Versammlung leiten, in welcher er über bas interessante Thema sprechen wird: Warum trägt die Heilsarmee Uniform?'' Diese Ver- fammlung ist zugleich Abschieds-Versammlung für Kapitänin Crozier; bei der großen Beliebtheit, deren sich Kapitänin Crozier erfreut, dürfte diese Versammlung sehr zahlreich besucht werden. Die Jury der do in 16. September bis 23. Oktober a. c. unter dem hohen Protektorat Ihrer Kaiser!, und Königl. Hoheit Frau Erzherzogin Marie Josepha ftattgefunbeiien Ausstellung der Gesellschaft vom Blauen Kreuze für bürgerliche Kochkunst in Wien erkannte der TheContinental Bodega-Company für ihre vorzüglichen spaitischen und portugiesischen Weine die höchste AuS- zeichttung: das Ehren-Diplom und Medaille mit Goldpalme, zu!

zn durchdringt seinen berühmtesten , ... . , oder Unterstützung.

Hastig athmend, in offenbar äußerster Anspannung aller Nerven, bewegt sich Mottsietir Ninoff mit verbundenen Augen sicher int Zuschauerraum und findet, mir von dem Willen des ihm auf 1 bis 2 Schritte folgenden Auftraggebers geleitet, Perfouen und Gegenstäitde mit verblüffender Sicherheit. Ein Augen­zeuge bestätigt, daß Herr Winoff in einer benachbarten Stadt mit verbundenen Augen ein Weizenkorn fand, das hinter einem Kleiderhaken auf der Gallerte des betreffenden Saales versteckt worden war. Demselben Herrn nahm er die Brieftasche ans der Tasche und bat ihn, an eines bet darin befindlichen zahlreichen Blätter zu denken. Herr Winoff fand es nicht nur lehr bald heraus, sondern verkündigte auch sofort mit lauter Stimme einen darauf geschriebenen Wanten. Es stimmte. Dies mir wenige Bei­spiele für die niaucherlei ans Wunderbare grenzenden, oft humoristisch gefärbten Experimente des Herrn Winoff." Seine un­gewöhnliche Lebhaftigkeit, die rasche Aufeinanderfolge und Ver­schiedenartigkeit feiner verblüffenden Produktionen ziehen Alles in seinen Bann; es ist unmöglich, kalt zu bleiben ober sich nicht zu unter­halten. Herr Winoff hat beim auch in allen von ihm bisher besuchten Städten, besonders in Paris, geradezu Sensation erregt. Die bedeutendsten Zeitungen widmeten ihm enthusiastische Artikel, der Figaro" stellt ihn weit über den auch hier wohlbekannten Cuinber- laiib. In den letzten Tagen noch hatte Monsieur Winoff die hohe Ehre, zum Czaren und den übrigen in Wolfsgarteu bei Darm­stadt versammelten Fürstlichkeiten befohlen zu werden. Es gelang ihm, fich die Allerhöchste Zufriedenheit zu erwerben, als deren sichtbares Zeichen ihm ein Schreiben des Hofmarschallamts und kostbare Geschenke überreicht wurden. Trotzdem das Gastspiel des illustren Künstlers selbstverständlich mit großen Kosten verbunden ist, sind die Preise der Plätze nicht erhöht worben; hingegen haben Vorverkauf- unb Zehnerbillets keine Gültigkeit. Vorausbestellungen, die sich sehr empfehlen dürften, werden an den gewöhnlichen Kassenstunben, außerdem Freitag, Samstag und Montag von 3 bis 5 Uhr entgegengenoinmen.

E- *Da» neueste fieft desPan" (Berlin, F. Fontane u. Co.), MLleicher Weise, wie die früheren, verschwenderisch ausgestattet, Mr sich auch iichaltlich ganz im Rahmen der bisherigen Lieferungen, M denen allen Richtungen m Litteratur und den bildenden Künsten, ttotteiegenb aber bestimmten Strömungen bet modernen Richtung JMiiunggetragen wurde. Der Umstand, daß neben weniger beachtens- ^verthen Talenten, die hier auf den Schild erhoben werden, immer Sartre Meister ersten Ranges in ihrem Schaffen zu Wort kommen, öMt uns jeder Wummer der vornehmen Vierteljahrsschrift mit Sgttereffe entgegensehen. Nachfolgend die Inhaltsangabe dieses Men Heftes des 5. Jahrgangs. Als Dichtungen finden wir da: Mu Theodor Fontane (f) die Gedichte: Veränderungen in der Mark:Die Mark und die Märker" (Anno 390 und 1890),An Deinem Fünfundsiebzigsten"; von Johannes Schlaf die meist Mas mystischen Gedichte:Der schwarze Ritter"Dich fröhlich Mrmerlachende"Die Vollendeten"Das dunkle Lied";

n Paul Ernst das l-aktige Trauerspiel:Wenn die Blätter Ollen"; von Wilhelm Schäfer die Gedichte:Im Rebel"Auf «r Brücke"Mein Tempel" -Ihr" -Im Ginstergold"; ®n Paula unb Richard Dehmel sehr ansprechende Kinder- M'chte:Der kleine Lazarus"Die ganze Welt"Das Mttge Pferd"Der «chatten"Die Schaukel'; von Karl «Ummer treffliche Uebersetzungen französischer Gedichte (nach ^«rlaine unb Rimbaud). Aussätze: Von Richard Dehmel:Kunst M Persönlichkeit"; von Georg Treu:Max Klinger als Bild-

d. VNksbadcn,26.Oktober. (Schwurgericht.) yeuicroirb gegen die des Raubs angeklagten Taglöhner Theodor Wirth unb Georg Ulrich von hier verhandelt. Der Gerichtshof wird gebildet aus Herren^Landgerichtsdireltor Grau als Vorsitzendem, sowie Landrichter Schliebcn und Assessor Hennebruch als Beisitzern. Die Königl. Staatsanwaltschaft ist durch Herrn Staatsanwalt Wachtel vertreten, den Angeklagten stehen die Herren Rechtsanwälte Dr. Alberti und Justizrath Dr. Bergas zur Seite. Protokoll­führer ist Herr Referendar Popper. Zur Aufklärung bet Sache sind drei Zeugen geladen. Der Angeklagte Wirth ist 1881 in Wiesbaden als Sohn eines Droschkenkutschers geboren. Er ist vielfach wegen Diebstahls, Bettelns, Sachbeschädigung, Unter? tolagung und Hehlerei vorbestraft. Er erklärt sich auf die ihm zn> Last gelegte Beschuldigung wie folgt: Mit dem beraubten Kellne Nikolaus Forst war ich früher gut befreundet; auch bin ich von bemselbei zu Diebstählen verleitet worben. Im Vorsommer bieses Jahres wart wir zusammen in Frankfurt; dort hat mir ber Forst 30 Mk. gestohlen. Im August dieses Jahres traf ich den Kellner hier in den'Anlagen an und am 28. August, an dem Tage, an welchem der Raub ftatt» fand, gingen ich unb der Mitangeklagte Ulrich miteinander auf den alten Friedhof am Schulberg, wo wir 'en Forst antrafen, bet Kinbern Chocolabe unb Geld schenkte. Mu Forst gingen wir dann zusammeil in eine Wirth schäft in die Adlerstraße. Spater begleiteten wir ihn noch einmal nach dem alten Todtenhof und endlich gingen wir zusammen durch Emserstraße unb SchiitzenstraßeUnter die Eichen", wo ein Fest stattgefunden hat. Dort sagte ick dem Forst, er solle mir jetzt mein Geld wiedergeben, das er mir gestohlen habe, unb als er sich weigerte, warfen wir ihn auf die Erde, unb während Ulrich den Kellner festhielt, nahm ich ihm das Portemonnaie aus der Tasche. Geschlagen Haden wir den Forst nicht. Das Geld etwa 4 Mk. theilten wir uns unb gingen auf bie Sonnenberger

durch bie so ungleiche Beanspruchung der Sebwerkzeuge ihre Sehkraft in hohem Maße. Diesen Männern wirb als eine wahre Erlösung bie Nachricht erscheinen, baß es dem bekannten Pariser Augenarzt vr. Emil Berger gelungen ist, eine Lupe für beide Augen zu tonftruiren, die bie Fehler des alten ^einäugigen" HülfsmittelS in sinnreichster Weise beseitigt unb bie Sehkraft beider Augen in gleich hohem Grade verstärkt, während sie bie Plastik der erblickten Gegenstände noch erhöbt. Der Benutzung bet alten Lupen für beide Augen steht hauptsächlich bet Umstand entgegen, daß dieselbe nur kurze Brennweiten von 5, 7Vi oder 10 cm haben und bie Blicklinien beider Augen nicht auf einen in so geringer Entfernung liegenden Gegenstand vereinigt werden können. Ein dinoculareS Sehen auf diese kurze Strecke ist physisch unmöglich, weil die inneren Augenwinkel die Augenaxen nicht soweit nach ber Mittel­linie zu drehen vermögen. Die binoculare Lupe bes Dr. Berger bringt das plastische Bild des Objekts in die normale Entfernung vom Auge (ca. 33 cm). Diese Erfindung stellt ohne Zweifel eine epochemachende Weiterung auf optischem Gebiet bar, durch bie ein fett mehr als zwei Jahrhunderten angestrebtes Problem in ge­schicktester Weise gelöst ist. Die Anwendung dieser Lupe in Form einer stereoskopischen Brille bedeutet für die Angehörigen ber oben­genannten Berufsarten eilten unschätzbaren Vortheil, denn bei ihr geht die Verstärkung der Sehkraft und des stereoskopischen Effekts Hand in Hand mit der Beseitigung der allen Augenärzten nur zu wohl bekannten Ermüdung und llcberanftmigung der Augenmuskeln.

* Uerschirdene *Hittl)rilungrn. Das 2. Millennium ihrer Gründung feiert tm nächsten Jahre die Stadt Jvnea in Italien. Bei dieser Gelegenheit soll u. A. eine große landwirth- schaftliche und eine didaktische Ausstellung veranstaltet werden.

Fritz v. Uhde wurde als Nachfolger Ludwig Dills, der nach Karlsruhe überarbeit, zum Präsidenten bet Münchener Seers flau gewählt.

yvyvipvii »VII v, UUV VUV 1,1 Ui IUI Jlt UtUtUltA

eine- beträchtliche Ersparnis; an Ausgaben für .Kleidung, ba ein i bürgerlicher Anzug (der natürlich elegant sein muß) doppelt so Viel kostet als eine Uniform, zumal am Billard oder Kartentisch, wo die weite ober britte Garnitur aufgetragen wird. Vollends in E den letzten Jahren haben die Söhne der Geburts- und Geldaristokratie s durch Gigerl-Gewohnheiten bie Ansprüche an den Civilanzug ins h unerschwingliche gesteigert und dadurch eine Scheidewand zwischen ° den reichen und armen Offizieren geschaffen. Von diesem Gesichts- eflus, den Herrn v. Gallifet in seinem Bericht art den Präsi- Landet ausdrücklich hervorhebt, ist die Maßregel eine volks- Uthiimliche, um nicht zu sagen eine demokratische.

Als Grund, warum der Erlaß nicht auch auf Paris aus- i Zsdehnt worden ist, geben die dem Kriegsminister nahestehenden Blätter an, es sei dies aus Schonung für die Mannschaften ge- V. weben, bie sonst hier, bei ber Menge bet zu grüßenden Offiziere, f beständig die Hand am Mützenschirm, Tschako ober Helm halten «Wen. Dieser Gtunb ist offenbar nicht stichhaltig, beim er träfe Ibei Lagergarnisonen tote ChLlons, Bourges, Versailles, Lille re. in Wch weit höherem Maße zu. Öffenbar ist bie Ausnahme von Paris auf jenen seltsamen Charakter ber Halbheit und Unsicherheit ( prückzuführen, welcher bisher die meisten Amtshandlungen des Ministers gekennzeichnet hat. Herr v. Gallifet weist in seinem Berichte mit vollem Recht auf die Beispiele des russischen und des deutschen Heeres hin, wo es ber Stolz des Offiziers >st, stets die Uniform zu tragen; warum hat man für bie Berliner

Unser Pariser w-STorrefponbent schreibt uns: Der auf An- Itrag beS Kriegsministers be Gallifet vom Präsidenten der Republik unterzeichnete Erlaß, welcher allen Offizieren und Milttärbeamten mit Offizietstang befiehlt, fortan auch außer Dienst nie anders als in Uniform zu erscheinen, und nur die Pariser Garnison von dieser Borschrift ausnimmt, hat mit Recht großes Aufsehen erregt, denn er bildet einen jähen Bruch mit einer fast siebzigjährigen, fest eingelebten Gewohnheit. Von der Jillirevolution, vomBiirgerkonigthum her batirt bicSitte des französischen Offiziers, nach beendigtem Tagesdienste in Tivil, wie wir aufDeutsch sagen, oberen bourgeois, wie es französisch heißt, auszugeheii. In der Einführung dieses Her­kommens lag politischer Zweck. Das neue Regime hatte nicht mit solchem militärischem Ruhme zu prangen, wie das napoleonische, noch wollte es, wie die Restauration, aus dem Heer eine Kaste zur Lertheidigung privilegirter Stände machen im Gegentheil sollte die Armee nur eine ständigeNationalgarde" sein unb mit ben .gutgesinnten" Bürgern fraternisircn, wie es in den heißen Julitagen 6on1830 geschehen war. Freilich wurde biefe Verbrüderung öfters durch Itmhenkampfe unterbrochen, aber die neue Mode war so bequem für die jüngeren wie für die älteren Offiziere, baß sie dieOrlemis- F Monarchie überlebte und nicht nur unter bem zweiten Kaiserreich, sondern auch unter ber Republik getreulich beibehalten wurde. In Paris wie in der Provinz, in großen wie in kleinen Garnisonen sah man bisher des Nachmittags in unb vor ben Cafes, die sich dieser besonderen Kundschaft erfreuen, gruppenweise Herren in £; schwarzem Gehrock und Cylinderhut, oder auch Jacket undChapeau melon , fitzen, deren mehr oder weniger martialisches Aussehen und Gespräch verrieth, daß sie dem OfstzierSstande angehörten. So gingen U fle auch in Gesellschaften, ins Theater, Konzert, in ben Klub ober m die Freimaurerlogen (denen viele Militärs angehören).

Damit soll'S nun ein Ende haben. Der Offizier soll überall in Uniform erscheinen, unb in ber That wimmelt es jetzt in ben vorerwähnten Kaffeehäusern von Tressen und Epauletten, auch in Paris, wo es gar nicht vorgeschrieben ist. Man kann daraus E schließen, daß die Maßregel von der Mehrheit Derer, denen sie gilt, willkommen geheißen wird, unb da? ist begreiflich, denn sie bedeutet

der äußeren Gleichstellung mit ben Günstlingen gewisser exklusiven Armeekreise. In dieser Hinsicht hat ber Erlaß eine Ergänzung nöthig. Daß er aber auch so schon eine tief eingreifenbe, auf die Besserung ber französischen Militärverhältnisse hinzielende Maß­regel barstellt, beweist bie Wuth, mit welcher die konservativen und nationalistischen" Organe ihn zum Gegenstand ihrer heftigen Kritik machen.

Aus Stadt und Zand.

Wiesbaden, 27. Oktober.

Grschichtofialender. 27. Oktober. 1870: Kapitulation von Metz. 1806: Einzug Napoleons in Berlin. 1760: * Feld­marschall Graf Neithardt v. Gneisenan zu Schilda (t21. Aug. 1831 zu Posen). 1752: * Nicrolo Paganini zu Genua, berühmter Biolin- virtuos (f 27. Mai 1840 zu Nizza). 1728: * James Cook zu Marton, englischer Weftunifeglcr (14. Februar 1779 auf Hawai erschlagen). 1485: j- Rudolf Agricola in Heidelberg, berühmter Humanist (* 1443 zu Baflo).

Königliche Kchanspiele. Am Samstag, ben 28. d. M., eröffnet die Königl. Preußische unb Kaiser!. Königl. Oesterreichische Kamuierfängerin Frau Lilli Lehmann ihr hiesiges Saison-Gast­spiel mit ihrem berühmtenFidelio".

Malhalla-Thcatrr. Bereits am Mittwoch brachte das Wiesbadener Tagblatt" eine Notiz, daß der berühmte Gedanken­leser Herr Winoff aus Paris hier eingetroffen sei, um einige feiner hochinteressanten Vorstellungen zu geben. Inzwischen hat die rührige Direktion des Walhalla -'Theaters es ver-