Uo. 473
Dienstag, den 10. Oktober
Fernsprecher No. 52.
1899
Fernsprecher N». 52.
I
sirks Wiesbaden statt.
ster unb' Beigeordneten
Verlag: Langgaffe 27.
16,50® Abonnenten
Ameiaen -Annakme sür die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen.Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zu» nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 3 °
* Au» der Umgrlnrna. In der Weisenaucr Cement- fabrik entstand am Samstag Morgen abermals ein Brand, der aber Dank dem raschen Eingreifen der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt wurde. — Am 15. Oktober findet im „Frankfurter Hof" in Hochheim eine Versammlung des 19. Bezirks der freiwilligen Feuerwehren des Regierungsbezirks Wiesbaden statt. Zu derselben sind auch die Bürgermeister und Beigeordneten der benachbarten Gemeinden Delkenheim, Nordcnstadt, Brccken- hcim. Wallau, Diedenbergen, Massenheim, Wicker und Weilbach, mit denen Herr Branddirektor Schcurer-Wicsbadcn wegen Gründung freiwilliger Feuerirchrcn verhandeln wird, einqeladcn worden. — I» Koblenz brach im Spielwaaren-Engrosiagcr von Demmer und Hartmann Grostfeuer aus. - Ans I obannisberg a. Rh. wird gemeldet, Fürst Metternich sei bestrebt, sein bekanntes Schloß- gut zu verpachten, vorerst jedoch mit wenig Erfolg. Die Verpachtung hat die Zustimmung des Kaisers von Oesterreich gefunden, dem nach herkömmlicher Weise ein Zehntel des Jahresertrags zufällt. — Die Lehrcrstclle zu Königstein ist dem Herrn Lehrer Martin Diehl von Lindcnholzhausen mit dem 1. November übertragen worden. Unter demselben Termin ist der seitherige Lehrer der ersten Knabcnklaffe, Herr Christian Fleith zu Königstein, als Hanptlchrcr ernannt an Stelle des durch Pcnsioniriing ausschcidcnden Herrn Hauptlehrers Mühl. — In Kreuznach hat die llntcrsnchung ergeben, daß die im Besitz des dort verhafteten Einbrechers Peter Senn gefundenen Schatze aus einem in Oberrad bei Frankfurt beim dortigen Pfarrer Zimuier verübten Eiubruchsdiebstahl herriihren. — An einem der letzten Nachmittage fanden Arbcitcr auf der Staatsstraße zwischen Bieber und Offenbach in der Geuiarknng Bürgel einen fremde» Radfahrer röchelnd und augenscheinlich mit dcni Tod ringend neben seinem Fahrrad auf der Erde liegen. Der Verunglückte, der als der etwa 42 Jahre alte, vcrhcirathcte Weißbindcrmcister Martin Paul aus Obcrlshauseii erkannt wurde, starb auf dem Transport nach seiner Hcimalhgcmcinde.—Ju S ta ffelwurdeein ca. tzovCcntner schwerer Dampskesscl, für die Porzellanfabrik bestimmt, ansgckadcn. — In Erdmannsdors i.R. ist Herr Dr. mod. Heinrich Voigt gestorben, der mehrere Jahre in Ems als praktischer Arzt wirkte. — In Biebrich ist das am letzten Mittwoch in der Adolfstraße ülm- fahrcne Kind seinen Verletzungen erlegen. — Innerhalb der letztG Jahre sind auf dem Westerwalde eine ganze Reihe neuer Schlll- hänscr erbaut worden; so in Ebernhahn, Wirges, Goldhause» Dahlen, Härtlingen, Brandscheid, Schönberg, Kackcnbcrg, Büdingen-, Erbach, Korb, Streithausen, Norken,Stein-Nenkirch. Die Gemeinde-
Anzcigen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeile für local« Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Mtyeigeu 25 Pfg. — Rrclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
-r- Uiedernhansr», 9. Oktober. Dem Jagdaufseher Fritz Home zu Königshofen wurde für erfolgreiche Vertilgung von Schwarzwild au» der Königl. Staatskasic eine Prämie von 45 Mk. ausbezahlt. — Der Versandt vonAepfeln aus der hiesigen Gegend nach Württemberg, Frankfurt und anderen Orten ist eben so bedeutend, daß auf den Stationen der Eisenbahnen zuweilen Wagenmangel herrscht. — Wie alljährlich um diese Zeit, so ist auch dieses Jahr der Güterverkehr auf der Bahnstrecke Limburg-Frankfurt wieder so bedeutend, daß die Güterzüge nicht nur meist mit zwei Mchchmcn bespannt sind, sondern auch Sonntags verkehren. — Wie verkehrt es ist, die Kartoffeln zu früh zu ernten und auch noch bei nasser Witterung, zeigt sich dieses Jahr wieder in der hiesigen Gegend. Die Kartoffeln in den Kellern fangen nämlich bereits an zu faulen, ein großer Schaden für unsere Landleute.
* grnieltfitrt, 8 Oktober. Dem Direktor der Kaiserlichen Orangerieen des Taitrischen Gartens, Herrn Friedrich Sießmayer, eurem geborenen Frankfurter, ist vom Kaiser von Rußland der Wladiimrorden verliehen worden, wobei er zugleich in die Matrikel des erblichen russischen Adels eingetragen worden ist. Friedrich Sießmayer wurde von der Großfürstin Helena Pawlowna nach Rußland gebracht und er ist dort seit 47 Jahren auf dem Gebiete der Horttkultur thatig. Von seinem Bruder stammen die gärtnerischen
Dahlen, Härtlingen, Brandscheid, Schönberg, Kackcubera, Büdingen, Erbach, Korb, Streithausen, Norken,Stein-Nenkirch. Die Gemeindest Kölbingen, Ellingen, Enspel, Notzcuhahn Haden beschlossen, im nächsten Jahre zu bauen, Niedere, enge Schulhäuschen sind nur» mehr selten geworden. — Die Kleinbahn Eltville-SchlangeyF bad hat mit dem 1. Oktober ihren lWintcrfahrplan eingeführt und dabei die Anzahl der Fahrten bedeutend verringert. Die Einnahmen in diesem Jahre haben anscheinend sich gegen früher nicht gehoben; sodaß auch in diesem Jahre an die Bahn bcoeutende Zuschüsse von Den Gemeinden Eltville, Schlangenbad, Nendorf uiid Rgnen- thal geleistet werden müssen.
4». Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg, monatlich, durch die Post 1 Mk. «O Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Anlagen des PalmeugartenS in Frankfurt a.M. Die von Friedrich Sießmayer angelegten Kaiserlichen Orangerieen im Taurischen Garte» (der nebst den, Palais von der Kaiserin Katharina II. 'hrem allmächtigen Günstling Potcmkin, Fürsten von Taurien, zum Geschenk gemacht wurde, der aber nach dem Tode des Favoriten wieder in den Besitz der Krone überging) haben an Umfang, Mannigfaltigkeit und Pracht nicht ihresgleichen in Europa Obgleich Herr Friedrich Sießmayer einige siebzig Jahre zählt, ist er doch noch rüstig und er verwaltet nach wie vor den Taurischen Garten.
Aul Kunst und Lebrn.
* Frankfurter Stadttheater. (Spielplan.) Opern- h a n S. Diciistag, den 10. Oktober: „Bajazzo". Hierauf: „Cavalleria rusticana“. Mittwoch,deu 11.: 1.Abonnements-Konzert unter Mitwirkung vonFrl.Adrienue Osborne. Donnerstag, den 12.:„Mignon^. Freitag, den 13.: „LumpaciVagabnndus". Samstag, den 14.: „Iris'. Sonntag, den 15., Nachmittags 3'/> Uhr: „Die Fledermaus". Abends 7 Uhr: „Hugenotten". Montag, den 16.: „Egmont". — Schauspielhaus: Dienstag, den 10. Oktober: „Iphigenie auf Lauris". Mittwoch, den 11.: „Madame Sans-Gene". Donnerstag, den 12.: „Die versunkene Glocke". Freitag, den 13.: „Madame Sans-Gene". Samstag, de» 14.: „Rarciß". Sonntag, den 18L Nachmittags 3b- Uhr: Madame Sans-Gene". Abends 7 Uhr, neu einstudirt: „Doktor Klaus". Montag, den 16., neu einstudirt: „Fortunios Lied". Hierauf: „Das Pensionat".
* llrbrr einen Besuch mit Hindernissen beim Präsidenten Krüger schreibt eine englische Dame aus dem Natal: Als ich vor einigen Monaten nach Pretoria kam, wurde ich von dem lebhaften Wunsch ergriffen, den Präsidenten Krüger zu sehen. Ich sprach also bei einer mir nahestehenden Dame aus der Verwandtschaft Krügers vor und bat sie, mich einzuführen. „Gewiß", sagte sie, und wir gingen zu dem bescheidenen kleinen Hänschen des Präsidenten. „Warten Sie draußen", sagte meine Begleiterin, „ich will Sie zuerst drinnen anmelden". Sie klopfte, und ein Enkel des Präsidenten erschien bei der Thür. „Frau Krüger kann heute Niemanden sehen", sagte er. „Unsinn" erwiderte meine Freundin, „mich kann sie immer sehen; ich will gleich hinein und schauen, was los ist." Nach wenigen Minuten kam sie zurück. „Frau Krüger", sagte sie lächelnd, „ist bei schlechter Laune. Sie ist gerade mit dein Abstauben des Speisezimmers beschäftigt, in dem um 1 Uhr eine Versammlung der Exekutive abgehaltcn werden soll." Ich stellte mir vor, wie es sein würde, wenn die französische Präsidentin die Prachtsäle in den Champs Elysecs abstauben wollte. „Ja", fuhr meine Freundin fort, „sie will keine Engländerin mehr zu Gesicht bekommen. Vor einigen Monaten hat sie nämlich ein paar englische Damen empfangen, von denen eine in ihrer Gegenwart bemerkte: „Was für eine alte Schachtel das ist!" Ihr englisch sprechender Enkel war unhöflich genug, seiner Großmutter die schmeichelhafte Bemerkung zu übersetzen. Der Präsident bekommt jetzt gerade sein Essen und dann schläft er eine Stunde — wir können ihn also nicht sehen." Wir gingen und ich dritckte mein Bedauern über das Fehlschlage» des Besuches aus. Aber einer der beiden vor dem Hause stehenden Posten mußte mich gehört haben. Denn er rannte uns nach und schrie: „Ich will ibn für Sie hcrauSbolen". Und wirklich erschien er gleich nachher mit einem Stuhl, der auf die Veranda gestellt toufbe, und dem Präsidenten. Ich wurde ihm vorgestellt. Der Präsident zeigte sich keineswegs von meinem Besuch erbaut, stieß rin paar Rauchwolken hervor und spie mir saft auf meine neuen Dch.nhe. Er sagte einfach „Guten Tag" und begab sich dann hastig z» seiner Erekutive. Ich bin nun von der verblüffenden EißfachW seiner Manieren vollkommen überzeugte
Aus Stadt und §aud.
Wiesbaden, 10. Oktober.
— Grfchichtokatender. 10. Oktober. 1884: f Ivan Becker, Gründer des Florentiner Quartetts. 1875: * Prinz Franz, dritter sohn des Priiizregenteu Luitpold von Bayern. 1870: Gefecht bei Artenay, Sieg des Generals von der Tann. 1867: f Julius Mosen zu Oldenburg hervorragender deutscher Dichter (* 8. Juli 1803 zu Maneney, Sachsen). 1858: t Karl Aarnhagen von Ense zu Berkin, deutscher Schriftsteller (* 21. Februar 1785 zu Düsseldorf). 1806: Gefecht bei Saalfeld zwischen Franzosen und Preußen, in dem Prinz Louis Ferdinand von Preußen den Heldentod fand. 1794: + Tadensz Koscinszko im Kampfe bei Maciejowiee, letzter Oberfeldherr der Polen (* 12. Februar 1746). 1678: Bombardement von Stralsund.
— V<rs»nal'Uachrichtr». Se. Königliche Hoheit Prinz War von Baden ist vorgestern nun Besuch Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Großfürstin Konstantin Jostphowua hier ein= 8<troffcn und hat im „Park-Hotel" Wohnung genommen.
— Kiirdiier-Keirr. Am 21. Januar 1900 begeht, wie schon erwähnt, die Evangelische Kirche Deutschlands den hundertjährigen Geburtstag des Diakonissenvaters Dr. Theodor Fliedner. Das Werk, welches derselbe begonnen hat, ist gesegnet worden. Das Senfkorn ist zum Baum geworden, der seine Aeste weithin über die «ander ausbreitet. Wir Nassauer haben ganz besonders Ursache, den 21. Januar 1900 festlich zu begehen, denn in bem nassauischen Pfarrhause zu Eppstein im Taunus ist der tljcurc Gottesmanu geboren unb erzogen. Sein Lebensmerk aber, die Sache der weib- liel)en Diakonie, hat gerade in dem letzten Jahrzehnt bei uns tiefe Wurzeln geschlagen unb die thätige Theilnahme in weiten Kreisen gefunden. Ans Einladung des Generaljuperintendeuten D. Maurer hier ist ein Comitö znsanunengetreten, um eine würdige Feier dieses Gedächtnißtages vvrznbereiten. Dasselbe beabsichtigt die Begründung einer Theodor Fliedner- Stiftung in erster Linie durch Errichtung einer Diakouiffenstation tn dem Geburtsorte Fliedners, in Eppstein i. T., beziehungsweise Anstellung einer Krankenschwester daselbst für Eppstein und Umgegend, welcher Vorschlag vou der Familie Fliedner in Kaiserswerth rreundlich begrüßt worden ist. Es wird gciviß an Freunden des deungegangenen GotteSmannes in der Nähe unb in ber Ferne nicht fehlen, welche zu seinem Gedächtniß fiir diesen Zweck eine Gabe varreichen. Falls die eingehenden Spenden mehr betragen, als für die Stiftung in Eppstein nothwendia ist, werden dieselben noch in anderer Weise zur Förderung des Diakonissenwerkes im Sinne Fliedners Verwendung finden. Das Amt des Schriftführers und des Kassirers in dieser Sache hat der Vorsitzende des Kirchenvorstandes zu Eppstein, Pfarrer Hain, übernommen. Derselbe nimmt Gaben für genannten Zweck entgegen. An dein Tage nach dem Geburtstag, Montag, den 22. Januar 1900, soll eine Gedächtnißfeier, Gottes- bienst mit Nachversammlniig, in Eppstein veranstaltet werden, wozu alle Freunde Fliedners eingeladen find. Bei dieser Versammlung joü auch Näheres über die Theodor Fliedner-Stiftung beratheii uob beschlossen werden, lieber diese Feier wird spätere Bekanntmachung erfolgen.
O; Im Klnmengarte» vor dem Kurhanse läßt die städtische Kurverwaltung gegenwärtig eine Verbesserung ausführen, ?iL,mJa?tttarcn Interesse sehr wünschenswert!) ist. Nachdem die baden Weiher daselbst, in denen bekanntlich leicht Schlammbildnngen Derfommen, schon vor einiger Zeit auf dem Boden betonirt wurden, »erben jetzt auch die aus Bruchsteinen hergestellten Seitenwände, htt das faulstge Wasser förmlich einsogen, mit dem glatten wasserdichten Bewurf versehen.
o. Bäch-rstr-ik. Im Laufe des Sonntags unb Montags Men noch 6 hiesige Meister tue Forderuugen der Gesellen de- »fihgt, sodaß dies jetzt im Ganzen 25 Geschäfte gethcul haben. *>n 244 Backereiarbeitern, die hier beschäftigt waren, arbeiten 60 «ter den neuen Bedingungen und 78 befinden sich im Ausstand Die klebrigen, also ungefähr die Halste, arbeiten unter den früheren Bedingungen weiter oder haben die Arbeit bereits wieder aufgenommen. Daher kommt es auch, daß die Konsumenten von dem Streik bisher nichts wahrgenoniineu haben, weder das Brod noch die Brödchen ausgeblieben sind. Die Meister haben sich mit den Gehülfen gegenseitig aiisgeholfen und anderesHüIfspersonal zugezogen. Unter diesen Umständen ist die Bewegung für die Aus- ftöndigeu wenig aussichtsreich, sie sind aber nichts beftoweniger ^schlossen, weiter zu »reiten, und hoffen auch auf Erfolg in ber ßeiniittg, daß das Provisorium bei den Meistern doch nicht isuge aufrecht erhalten werden könne. Daß so viele Ge- Men abtrünnig geworden sind, hat darin seinen Grund, daß die ssusstandlgen ohne Einhaltung der gesetzlichen vierzehntägiqen Kündigungsfrist die Arbeit niedergelegt haben, die Meister deshalb den Lohn zuruckbehielten und die Gehülfen, welche mittellos waren, M® Roth dre Arbeit wieber aufnahmen. Die Aiisstänbigen hielten Schern zur Besprechung ihrer Lage zwei Versammlungen ab, in Welchen mUgetheilt würbe, daß die übrige Arbeiterschaft Wiesbadens und auswärtige Kollegenverbindungen ihre pekuniäre Uiiterftübuna zu- «chigt hatten.
— W« „Deutsche Gesellschaft für Ethisch» Kultur" hült am 21. bis 23. d. Mts. hier ihren Gesellschaftstag ab. Anläßlich desselben findet am Samstag, den 21. Oktober, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher nicht weniger Wie 4 Redner sich hören lassen werben. Dieselben werben sprechen über „Politik" Seligwn", „Arbeit" rc. An diese Referate schließt sich eine Diskussion an.
„ ~ di« R«Kiamen am Rhein. In der Angelegenheit des Berbots von Reklameschildern am Rhein, dessen llebertretung — es tenbelte sich um Anbringung der bekannten Quäker-Oats-Riesen- tofel« — tme Anklage gegen den Agenten B. in Koblenz unb den Tapezirer W. mOberWesel und berenVerurtheilung vor bem Landgericht Koblenz zur Folge hatte, liegt nunmehr bas Urtljeil des Kammergerichts in Berlin auf die eingelegte Berufung vor Danach ist diese mit folgender Begründung verworfen: „Die Be- rufung stellt die Rechtsgültigkeit der Polizeiverordnung vom 27. Juli 1898, dre der Landrath des Kreises St. Goar in Uebereinftimmung mit dem Bezirksausschuß erlassen hat, deshalb in Abrede, weil es sich dabei um keinen der Gegenstände handelte, die nach dem Gesetz vom 11. März 1850 bem Polizeiverordnungsrecht unterliegen. Sie hebt insbesondere her- .iwr, daß die Verordnung lediglich Schönheitsrücksichten Mfolge und daß ihren Erlaß ein besonderes Interesse der Ge
meinde und deren Angehörigen nicht geboten habe. Die Rechts- gültigkeit der Polizeiverordnung ergiebt sich aber aus der Bestimmung des § 6 zu 1 des Gesetzes Dom 11. März 1850, wonach zu jenen Gegeiiständen außer den bestimmten Materien der Buchstaben a h jenes § „alles Andere" gehört, was int besonderen Interesse der Gemeiudeil und ihren Angehörigen polizeilich angeordnet werden muß. Anßerdeni ist die Vorschrift ohne Weiteres aus jenem § zu begründen, wonach bem Ortspolizei- verordnuilgsrechte bie „Ordnung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, Brucken, Ufern und Gewässern unterliegt". Es läßt sich nicht bezweifeln, wenn man unter der Ordimng des Verkehrs auf den Straßen rc. einen Zustand versteht, nach dem von dem die Straßen benutzenden Publikum thunlichst alle Störungen, welchen es hierbei ausgesetzt werden kann, ferngehalten werden, daß die Regelung des Reklcune- wesens, die unter Umständen bis zum völligen Verbot der Reklamc- schilder an Stellen, wo sie den Verkehr stören können, gehen kann, mit zu den Gegenständen gehört, auf die sich das Verordnungsrecht der örtlichen Polizeibehörde bezieht. Denn etne Störung des Publikums auf Straßen, Wegen und Plätzen kann nicht mir durch körperliche Hindernisse irgendwelcher Art herbeigesührt werben, sondern sie kann auch in »»ange n e h m e n ä st h e t i s ch e» Empfindungen bestehen, denen es sich während des Verkehrs auf den Straßen durch be- fonberc Vorrichtungen ausgesetzt sieht, bereit Anblick oder sonstige Wahrnehmung es bubet nicht vermeiden kann. Vorrichtungen dieser Art sind aber Reklameschilder, die in Gegenden von landschaftlicher Schönheit im Freien außerhalb der geschlossenen Ortschaften angebracht sind. Die Rechtsgültigkeit der Polizei- Verordnungen Dom 27. Juli 1898, zu deren Erlassung ber Vanbratl) formell zuständig war, unterliegt somit auch fachlich keinem Bedenken.
— Düsseldorf»» Industrie-, Gewerbe- und Kunst- »nsstellnng 1002. Im Anzeigentheil unseres Blattes fittben liniere Leser eine Aufforderung ber Ausstellungs-Leitung, bie An- ntclbuitgen zur Beschickung nach Möglichkeit zu befchleunigen. Die Auffordermig wendet sich insbesondere an die Aussteller großer Objekte, die ein Interesse daran haben, ihre Erzeugnisse gut plaeirt i» sehen, und verdient die ernste Beachtung aller Derjenigen, welche die Ausstellung zu beschicken willen? sind.
na. Die Diarrhöe ist die hauptsächlichste KrankheitSerscheinuttg tut Herbst. Sie besteht in Verdauungsstörung, meistens herbei- gefuhrfdurck) den Genuß nicht ganz gärreifer Früchte. Außerdem ftnb reife Früchte mehr ober ntmber als Heilmittel anzttsehen, bie umfo mehr wirken, je weniger man vorher au ihren Getiuß gewöhnt war unb je ausgeschwemmter bet Körper ist, da sie abführenb wirken. Deshalb verlangt ihr im gewissen Sinn plötzlich eiutretenber Gebrauch einigermaßen Berücksichtigung in Beziehung der übrigen gewohnten Diät. Früchte nüchtern und tu reichlichem Maß zu genießen, ist als Kur anzusehen, wie es ja die übrigens sehr zu empfehlende Trauben- kur giebt. Am allerwenigsten verträgt sich mit den Früchten der gewohnte Genuß kalter Getränke in Menge. Dazu gesellt sich iy, Herbst noch der Eintritt kiihler Nächte, bisher ungewohnt, die darum umso leichter Veranlassunst zu Erkältungen geben. Diarrhöe verlangt sofortige Berücksichtigung. Man wende warme Bekleidung, namentlich des Unterleibes und der Füße an. Weitere wirkende Mittel sind Thee von Pfefferminze oder von Orangen, auch von Kamillenblätterii, Likör auf Zucker getröpfelt, Suppe von Hafergrütze heiß genossen, lauwarme Mandelmilch ober Rothwein, mäßig genossen. Alle sie zielen auf Erwärmung des Magens hin. Allein die Naturheilniethode erreicht das rationeller und sicherer durch Abreibungen des Unterleibes und darauffolgende Warme Einwickelung por dem Schlafengehen. Wer diese Manier einmal angewendet, laßt die übrigen Mittel bei Seite.
_. ~ Al» die Schreibmaschine ihren Einzug hielt, glaubten Diejemgen, die gezwungen sind, umfangreiche Korrespondenzen und Aktenstücke zu lesen, einen Feind der Augen los zu werben, denn an Stelle des schlecht leserlichen Gekritzels und der verzerrten Schnörkel traten einfache Formen, bei denen Charakter, schlechte Schreibgewohnheiten ober augenblickliche Stimmung des Schreibenden keinen Einfluß haben. Aber auch in den Erzeugnissen der Schreibmaschinen lauert ber Feind schwacher Augen, unb zwar in Gestalt der so vielfach zur Anwendung kominenden matten Farben. Da, wo satte Farben verwendet werben, ist das Durchlesen ber Schriftstücke gegen früher eine Erholung, aber eine Qual für die Lesenben sind die matten Farben, die bei großen Schriftstücke» zur Verzweiflung fuhren können. Neben der Rücksicht aus die Augen de? Nachbars sollte man aber auch deshalb falte Farben venveiiden, weil bei Schriftstücken, die längere Zeit zu verwahren sind, iiatur- gemaß spater ohnehin eine Abblassung eintritt. Bei matten Farben kann demnach ein lange zu erhaltendes Schriftstück sehr leicht werthlos werden.
— Taoblatt-Kammluugen. Für die Ueberfchwemmten in Bayern wurden dem „Tagblatt"-Verlag ferner übergeben: von M. 10 9Jlt. A. O. 1 Mk., F. B. 6 Mk., C. F. 3 Mk., R. Z. 10 Mk., 2. H. Gemmer 5 Mk., C. E. 3 Mk. Herzlichen Dank. Zur Entgegennahme weiterer Gaben sind wir gern bereit.
— Srfitzwechset. Herr Rechtsanwalt v. Eck hat als Testamentsvollstrecker des Hauthschen Nachlasses das Grundstück WUHelmstraße 10 für 525,000 Mk. an die Herren Eduard und Christian Beckel, Besitzer de?„HotelMetropol", undGebr.Kahn Schlachthausstraße 23, verkauft.
