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Wiesbadener Tsgblatt
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Die Kuren.
lassen. Und da es auf dem
Selbständigkeit nicht erreiche, Leute dem Fache zuzufiihrcn.
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Lande keine Schulen giebt, so hält sich der Bure einen Hauslehrer, der vielleicht aus der Armee dcsertirt, vom Schiffe weggelanfen oder aus früheren besseren Verhältnissen so weit heruntcrgekonimen ist, um gern ein solches Amt anzunchmen. Außerordentlich stolz auf ihr reines weißes Blut, haben sich die Buren fast nie mit den . Farbigen vermischt, sodaß es in beiden Burenrepublikcn keinen Buren giebt, in dessen Adern auch nur ein Tropfen farbigen Blutes flösse. Trotz seiner großen Körperkraft und des vortrefflichen Klimas ist der Bure selten gesund, was wohl in der unverständigen Lebensweise und dem Fehlen jeder geistigen Anregung seinen Grund hat. Geistige Getränke genießt er dabei jedoch nur in sehr mäßigem Umfang, meist gar nicht. Die hauptsächlichsten Krankheiten, veranlaßt durch heftigen Temperaturwechsel und andere klimatische Einflüsse, sind Hals- und Lungenentzündungen, von denen die erstcrn unter der diphtheritischcn Form sich häufig epidemisch verbreiten und viele Kinder hinraffen. Auch die Frauen sterben meist früh, sodaß die Männer in der Regel zwei oder gar drei Frauen heirathen. Das Familienleben ist ein durchaus patriarchalisches, und die Ehen sind sehr kinderreich. Während die Buren in größerem oder geringerem Maße den günstigen Einfluß von frischem, europäischem Blut genießen, giebt es eine Klasse von Buren, die sich streng abgesondert halten und nur in der Familie heirathen. Das sind die geistig am tiefften stehenden Döppers, die streng an den alten Trachten, Sitten und Gebrauchen festhalten, sich dadurch äußerlich schon von der fortschreitenden Bevölkerung unterscheidend. Sie sind die am meisten Acclimatistrten, die vorzüglichsten Jäger und werden gerade dadurch dem Ackerbau entfremdet und zu einem umherziehenden Leben verleitet. Die Zahl der Buren in Südafrika läßt sich nicht genau angeben. In der Kapkolonie mögen 300,000 leben, in Natal 25,000, im Oranje-Freistaat 70,000, in Transvaal 150,000. Dazu kommen noch einige Hunderte bis Tausend in den benachbarten britischen Territorien, in Deutsch-Südwestafrika und in der portugiesischen Provinz MossamedeS, sodaß man die gesummte Burenbevölkerung auf 546,000 veranschlagen kann.
Wir entnehmen die vorstehenden intcreffanten Ausführungen dem 18. (Ergänzungs- und Register-) Band zur fünften Auflage ovn Meyers Konversations-Lexikon, welcher neben neuen Artikeln die während des Erscheinens sich ergebenden Neuerungen, Veränderungen und Berichtigungen nachträgt und durch Nachweis der- jaiigen Namen, Thatsachen und Materien, die nicht unter eigenen Stichwörtern behandelt werden konnten, das Werk um ca. 25,000 Arttkel bereichert. Jedem Besitzer des siebzehnbändigen Hauptwerks wird diese Fortführung, die in ihren größeren Beiträgen gleichzeitig die Bewegung der Gegenwart getreulich widerspiegelt, gewiß willkommen sein.
Leutnant im 1. Garde-Draaouer-Negiment Königin von Groß- sich mit einem britamlien und Irland, mit Fräulein Tilly v. Knorr statt. Herr v. Roon ist ein Enkel des früheren Kriegsministers v. Roon. — Herr Oberregierungsrath Bake ist gestern Vormittag von dem Herrn Regierungspräsidenten Dr. Wentzel bei der Kgl. Regierung Hierselbst in fein' neues Amt eingeführt worden.
o. Dir Frier der goldene« Hochzeit Sr. Excellenz des Herrn Generalleutnants v. Barby und Gemahlin fand ihren Höhepunkt in der kirchlichen Einsegnung des Jubelpaares, welche Nachmittags 3 Uhr durch Herrn Pfarrer Friedrich in der Ringkirche erfolgte. Die allgemeine Antheiluahme an dem seltenen Fest kam dabei recht deutlich zum Ausdruck, denn die Kirche war so dicht besetzt wie bei Festgottesdiensten. In den ersten reservirten Reihen hatten die direkt Geladenen in großer Festtoilette Platz genommen, während die nächsten Angehörigen das Jubelpaar am Eingang erwarteten. Die Kirche war auf der Altarseite durch den Küster, Herrn Lenhard, vermittelst Pflanzengruppen reich geschmückt. In die Lorbeerbäume waren in sinniger Weise goldene Myrthen gesteckt. Einen wirkungsvollen Abschluß fand die Pflanzendekoration durch die sechs Fahnen der hiesigen Krieger- und Militär-Vereine, denn zu beiden Seiten des Altars hatten drei Fahilendeputatiouen Aufstellung genommen. Außerdem wohnten der Feier die Vorstände des Krieger-Verbands des Regieruiigsbezirks Wiesbaden mit dem Ehrenvorsitzenden Se. Exc. Herrn Vice-Admiral Mensing und dem Vorsitzenden Herrn Oberleutnant Rechtsanwalt Bojanowski an der Spitze, und des Kreis-KriMewerbands Wiesbaden (Stadt), sowie größere Abordnungen der Vereine bei. Das Jubelpaar erschien pünktlich nm 3 Uhr, die Jubelbraut in schwarzem Sammetkleid mit dem Schleier und den goldenen Myrtheii im Haar, der Jubelbräutigam in voller Generalsuniform und dem Schmuck seiner zahlreichen Orden, das hellblaue Baud des Kronen- Ordens 1. Klasse über der Brust und das Eiserne Kreuz 1. Klasse an der linken Seite. Der glänzende Hochzeitszug, der sich unter mächtigen Orgelklängen durch die Kirche bewegte, wurde durch liebliche Enkelkinder des Jubelpaares eröffnet, dieses selbst folgte in erfreulicher Rüstigkeit, Kinder, Schwiegersöhne, Enkel und sonstige Anverwandte schlossen sich ihm an und nahmen vor dem Altar Ausstellung. Herr Pfarrer Friedrich hielt eine Ansprache, dem er das Bibelwort: 1. Buch Ruth, 1. Kap., 16. und 17. Vers: „Wo Du hingehst, will auch ich hingehen re." zu Grunde legte. Nachdem der Geistliche den Ehebund des Jubelpaares eingesegnet und ihm im Allerhöchsten Auftrag die goldene Ehejubiläums- Medaille überreicht hatte, schloß die ebenso glänzende als erhebende Feier durch Gebet und Gesang der ganzen Gemeinde. Der kirchlichen Feier schloß sich eine gesellige im Hotel „Metropole" unmittelbar an. Generalleutnant v. Barby ist am 13. September dieses Jahres 78 Jahre alt geworden. Er ist als der Sohn eines Generals zu Potsdam geboren und wurde nach Absolviruug der Kadetteiianstalt am 9. August 1840 Leutnant im 1. Garde- Regiment zu Fuß zu Potsdam. Als Hauptmann wurde er in das 3. Garde-Regiment versetzt, in dem er die beiden Feldzüge von 1864 und 1866 mitmachte und bis zum Oberstlentnant avan- eirte. Im Jahre 1868 wurde er Oberst und Kommaiideur des 13. Infanterie - Regiments und in 1869 in gleicher Eigenschaft zum Infanterie-Regiment Nr. 55 versetzt, das er auch in 1870 in so ehrenvoller Weise int Felde führte. Unter Beförderung zum Generalmajor wurde v. Barby in 1873 Kommandeur der 27. Infanterie-Brigade, 1876 Kommandant der Festung Rastatt und 1879 als solcher zum Generalleutnant befördert. Im Jahre 1883 wurde er in Genehmigung feines Abschiedsgesuchs zur Disposition gestellt und lebt seit der Zeit hier. Dem 55. Regiment, mit dem der alte Herr so eng verbunden ist, gehört gegenwärtig sein Sohn als Hauptmann au.
— Die Stadtverordneten sind auf Freitag, den 6. Oktober l. I., Nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Nathhauses zur Sitzung eingeladen. Tagesordnung: 1. Bericht der Straßenbahn- Kommission über den mit der Allgemeine» Elektricitäts-Gesellschaft zu Berlin abzuschließenden Vertrag wegen einer von derselben zu erbauenden elektrischen Kleinbahn von Nüdeshejm nach Wiesbaden. 2. Antrag des Magistrats auf Bewilligung von 25,000 Mk. zur Beschaffung und Aufstellung einer neuen Tiefbrunnenpumpe in der Schlachthansanlage. ' 3. Fluchtlinienplan für eine Verbindmigsstraße zwischen Lanz- und Kapellenstraße. 4. Abänderung des Fluchtlinienplaus der Schönen Aussicht. (Zu Nr. 3 und 4 Berichterstattung des Bauausschusses.) 5. Verkauf städtischer Grundflächen, die in das Gebiet* des neuen Bahnhofs fallen, an die Königliche Eisenbahu-Verwaltuttg. 6. Veräußerung städtischen Grundeigenthums, und zwar.: a) einer Feldwegfläche an der Seerobenstraße; b) einer solchen im Distrikt „Vor dem Hain- graben", sowie eines Feldgrundstücks ebendaselbst zwischen Augusta- unb Martinstraße. (Zu Nr. 5 und 6 Berichterstattung des Finanzausschusses.) 7. Ankauf eines Grundstücks an der Emserstraße. 8. Umwandlung der Dienststelle des Leihhaus-Kontrolleurs in eine Veamtenstelle der Gehaltsklasse A. IV. (Zu Nr. 8 Bericht des Organisations - Ausschusses.) 9. Neuwahl eines SchiedSmann- Stellvertretcrs für den 4. Bezirk. 10. Anträge des Magistrats, betreffend a) die Errichtung einer dritten etatsmäßigen Kanalbau- Aufseherstelle, sowie die feste Anstellung eines Kanalbau-Aufsehers': b) Regelung des Gehalts eines Bau-Assistenten; c) feste Anstellung eines technischen Beamten der Elektricitätswerks-Verwaltung.
— Lutherspiei. Wegen dem in Schierstein Sonntag, den 15. Oktober, stattfindenden Gaufest des evangelischen Kirchenchors findet die bereits angekündigte geistlicheÄuffübrung von Luther in der hiesigen Marktkirche Sonntag, den 8. Oktober, statt. Durch die Mitwirkung des evangelischen Kirchengesangvereins und der Sängerin Fräulein Brunet, sowie des Herrn' Organisten A. Wald dürfte ein an Abwechselung reicher Kunst- und geistlicher Genuß geboten sein, in dem Herr Recitator F. He mb'von hier einzelne Abtheilunaen des Lutherfcstspielcs in seiner vortrefflichen Vortragsweise zu Gehör bringen wird.
d. De« Droschkenkutschern schreibt das Droschken-Reqlement unter Anderem vor, an den Haltestellen sich nicht von ihren Chaisen zu entfernen, ohne genügenden Grund keine Fahrt zu verweigern und endlich sich der nöthigen Höflichkeü den Fahrgästen gegenüber zu befleißigen. Das Alles wird ein richtiger Droschkenkutscher nach Pflicht und Gewissen befolgen. Nun passtrte es einem hiesigen, auf der „Schönen Aussicht" wohnenden Herrn verschiedentlich, daß die Kutscher, wenn er nach seinem Haus gebracht werden wollte, bei der Nennung „Schöne Aussicht" ein wenig zögerten, wie er meint, weil ihnen die Fahrt nach dieser ziemlich entfernten Straße nicht sehr angenehm war. Und einmal glaubte der Herr begründete Ursache zu haben, einen Kutscher wegen Verstoße gegen das Reglement zur Anzeige zu bringen. Er wollte an der Haltestelle an der Hessischen Ludwigsbahn eine Chaise nehmen. Der Kutscher stand einige Schritte von seinem Fuhrwerk entfernt und unterhielt
Buren (holländisch Boeren, Einzahl Boer, englisch Boers), der Lame der alten holländischen Ansiedler in der Kapkolonie, in Ratal, dem Oranje-Freistaat, der Südafrikanischen Republik und in andern Theilen Südafrikas, die wohl zu unterscheiden sind von den in neuerer Zeit aus Holland eingewanderten Ansiedlern. Nachdem die Geueralstciaten der Republik der Vereinigten Niederlande der Holläudisch-Ostindischen Compagnie das Land am Kap der Guten Hoffnung verliehen hatte, landete am 6. April 1652 der von der Gesellschaft beauftragte Jan van Riebeck mit drei Schiffen und nahm von dem Land Besitz. Den ersten Ansiedlern folgten wiederholte Nachschübe, und 1685—1688 wanderten auch französische Hugenotten ein. deren Namen theils noch unverändert bestehen, Heils in holländische umgewandelt wurden. Aus diesen und einigen andern europäischen Elementen bildete sich das Volk der Buren, das heute dem niederländischen durch seine körperlichen Eigenschaften weit überlegen ist, viele seiner alten geistigen Eigcnthümlichkeiten aber noch treu bewahrt. Äon außerordentlich hohem Wuchs, großer Körperkraft, Ausdauer und Widerstandsfähiakeit zeichnen die Buren sich zugleich aus durch Gutmüthigkeit, Frömmigkeit, Gastfreundschaft und Beharrlichkeit. Dabei ist der Bure aber gegen Fremde mißtrauisch, eine Folge der häufigen Uebervortheilnng, die der ursprünglich arglos vertrauende Mann durch seine englischen Unterdrücker erfahren hat. Eine Folge seines langen UmhcrziehcnS mit Weib und Kind und der steten Bereit- fchaft, in der er sich gegen feindliche Menschen und Thiere halten mußte, ist die große Unsauberkeit der auf dem Lande wohnenden Buren, die selten die Kleider ablegen oder wechseln und vom Waffer zu Reinigungszwecken wenig Gebrauch machen. Das aus der holländischen Heimath auf den afrikanischen Boden herübergedrachte Phlegma hat durch den Einfluß der Lebensweise und des Klimas in Afrika sich zu einem Grade von Indolenz und Gleichgültigkeit gesteigert, der im Erfolg der Beständigkeit chinesischer Zustande durchaus gleich ist. Alle diese Nachkommen der frühem Einwanderer nennen sich mit Stolz „Afrikaner" und haben meist einen starken Haß gegen sämmtliche „Uitlanders", unter denen die wirklichen Holländer besonders schlecht angeschrieben sind. Auf ihren weit voneinander liegenden Farmen bleiben sie völlig unberührt von der sie umschließenden Kultur. Da der Bure von seinem Lehm- hause, das ohne eine Spur von Garten oder auch nur Schattenbäumen in der Ebene steht, nur eignes Land sehen will, so werden seine Geistesfähigkeiten durch den Verkehr mit feinen Mitmenschen wenig entwickelt. Ausgehend von angesehenen Familien Europas, die vielleicht zu den gebildetsten des Landes zählten, sind die Buren unter afrikanischem Himmel weit in der Geisteskultur zurück- B ritten und die Frauen sind gleichzeitig eine Stufe tiefer gern. Sie gehören zum Hauswesen, ohne jedoch auf die Leitung ilben einen bestimmenden Einfluß ausznübcii oder auch nur den Ehrgeiz zu haben, danach zu streben. Die Arbeiten in der Wirthschaft, die Aufsicht über die Heerden besorgen die farbigen Dienstboten, die „Schepsels" (Geschöpfe), ohne daß die Frau sich viel darum bekümmert. Aber trotz seines geringen Bildungsstandes liebt es der Bure, seinen Kindern eine, wenn auch noch so primi- ttve Schulbildung zu Theil werden zu ' " " ' '
Lande keine Schulen giebt, so hält sich der vielleicht aus der' Armee dcsertirt,
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 4. Oktober.
—tonal-Nachrichten. Se. Hoheit Prinz Aribert °on Anhalt-Dessau ist hier angekommen und im Hotel „Kaiierhof" abgcstiegen. — Ihre Hohen die regierende Fürstin 6mn^®t^aum°ur9:=2ibbc ist hier eingetroffen und hat im -Parkhotel Wohnung genommen. — Im Hotel „Metropole" ist PrinzesstnAdolfvon Schwarzburg-Rudolstadt abgestiegen. *■ Gestern Vormittag fand die Trauung des Herrn o. Roon,
o. Eine aufregende Kren« hat sich gestern Nachmittag auf der Kreuzung der Wilhelm- und Rheinstraße ereignet, indem sich daselbst eine Frauensperson vor einen Pferdebahnwagen warf, um sich Überfahren zu lassen. Sie wurde jedoch von Vorübergehenden von dem Geleise weggezogen und somit an ihrem Vorhaben verhindert. Die Lebensmüde, die etwa 30 Jahre alt ist, hielt einen Zettel in der Hand, worauf geschrieben stand, daß ein Kaufmann in der Wilhelmstraße (der Name war genannt) sie zu diesem Schritt getrieben hätte. Die Betreffende soll bisher bei diesem Kaufmann in Stellung gewesen sein. _________
* A«» der Umgebung. Der .Männergesang-Verein Frauen ft ein" feierte am letzten Sonntag fein 25-jähriges Fahnenjubiläum. Bei dieser Gelegenheit wurden von dem Vorsitzenden, Herrn Phil. Schneider, den beiden Mitgliedern Herren Wilhelm Lupp und Andreas Schneider für 25-jährige treue Mitgliedschaft Ehrendiplome Überreicht. — An Stelle des mit dem 1. Oktober er. ausscheidenden Oberlehrers Freise wählte das Kuratorium der Höheren Schule zu Ems den wissenschaftlichen Bülfslehrer Th. Wolff in Lauenburg a. E. — Brunnen-Inspektor lume nebst Gattin in Fachingen feierten am Freitag im Kreise ihrer Angehörigen das silberne Hochzeitsfest. — Die Frage der Verschmelzung der Gemeinde Sonnenberg mit der Gemeinde Wiesbaden dürfte in nächster Zeit zur Entscheidung gebracht werden, da die Neuwahl des Bürgermeisters eine vorläufig endgültige Lösung der Frage nöthig macht. — In Fran«
Ucber einen Wangel an Apotheken-Personal führt die „Marmaceutische Zeitung" Klage. Man hatte bisher, so schreibt das Berliner Fachblatt, wohl zuweilen gelesen, daß um vakante Bürgermeister- ober ähnliche Stellen sich einige 70 Bewerber gemeldet hatten, aber daß ein stellesuchender Apothekergehulfe 73 Stellenangebote erhält, das dürfte in irgend einem anderen gewerblichen Stande ohne Beispiel fein. Die Nachricht ist durchaus nicht unwahrscheinlich, an einem Tage, dem 20. September, waren nicht weniger als 254 offene Stellen in deutschen Apotheken ausgeschrieben. Das Fachblatt hält es für entschieden, daß das Droguistenwesen in letzter Zeit sehr viele Apotheker an sich gezogen hat, da die Zahl der approbirten Apotheker sich in den letzten Jahren gar nicht wesentlich Dcrmiubert hat, sie betrug im vorigen Jahre 653 gegen 683 im Jahre 1896. Äon der in Aussicht stehenden Erhöhung der Schul- und fachwissenschaftlichen An- sprüche an die Apotheker kann man eine weitere Steigerung des Personalmangels erwarten, und die „Pharmaceutische Zeitung" macht sich und die deutschen Apotheker bereits mit dem Gedanken vertraut, die Frauen für das Gewerbe mehr heranzuziehen oder obligatorische Altersversicherungen für Apothckergehülfen, die eine Selbständimeit nicht erreichen können, zu schaffen, nm mehr junge
............i Kollege». Auf den Annif des Herrn kam er herber und als dieser ihn darauf aufmerksam machte, daß er eigentlich auf feinem Bock zu fitzen habe, entgegnete der Kutscher: „Ich konime ja noch früh genug". Der Herr aber verstand: „Für Sie komme ich ja »och früh genug". Das Schöffengericht verurtheilte den Rosselenker zu einer Geldstrafe von6Mk. Die Strafkammer hob das Urtheil auf und sprach den Kutscher frei. Die Kosten, einschließlich derjenigen der Vertheidigmig, muß die Staatskasse fragen. Das Gericht ging dabei davon aus, daß nicht erwiese» sei, daß der Angeklagte die Worte: „FürSie komme ich ja noch früh genug 1", die in dieser Fassung zweifellos beleidigend wären, gebraucht habe. In den Worten aber: „Ich komme ja noch ftüh genug", könne in diesem Falle, zumal sie nach den Aussagen einiger Zeugen nicht von übermäßigen Gebärden begleitet worden seien, keine Unhöflichkeit gefunden werden. Dadurch aber, daß der Kutscher sechs Schritte von feinem Gefährt gestanden, habe derselbe weder die Aufsicht über dasselbe verloren, noch die Bereithaltung seiner Kutsche für Fahrgäste außer Acht gelassen. Der Angeklagte mußte also freigesprochen
werden.
— Dur Ausbildung von Turnlehrerinnen wird auch im Jahre 1900 ein etwa drei Monate währender Kursus in der Königlichen Turnlehrer-VildungSanstalt in Berlin abgehalten werden. Termin zur Eröffnung desselben ist auf Montag, den 2. April k. I., anberaumt worden. Meldungen der in einem Lehramt stehenden Bewerberinnen sind bei der vorgesetzten Dienstbehörde spätestens bis zum 15. Januar k. I., Meldungen anderer Bewerberinnen bei derjenigen Königlichen Regierung, in deren Bezirk die Betreffende wohnt, ebenfalls bis zum 15. Januar k. I. anzubringen.
® Frankirung von Ansichtspostkarten. Häufig kommt es vor, daß die Empfänger von Ansichtspostkarten Strafporto zahlen müssen, weil die Karten ungenügend franfirt sind. Die Ansichtspostkarte ist, wie schon der Name sagt, eine Postkarte und kostet 5 Pf. Will Jemand aus der Anstchtspoftkarte durchaus eine Drucksache machen, so darf er auf der Rückseite hinter den Vordruck: „Gruß aus 3t“ nur feinen Namen setzen. Die Bezeichnung „Postkarte" auf der Vorderseite ist außerdem zu durchstreichen und durch das Wort „Drucksache" zu ersetzen. Wer die Ansichtspostkarte als Drucksache für 3 Pf. versende» will, darf also auf der Rückseite außer seinem Namen nichts Geschriebenes anbringen. Der Glaube, daß man auf Ansichtspostkarten fünf Worte nieber« schreiben dürfe, wie es kürzlich in einer Notiz der „Papier-Zeitung" hieß, ist irrig. Diese Bestimmung bezieht sich nur auf gedruckte Visitenkarten.
— Mechselstetupelreichen. Ucber das Verfahren bei Erstattung verdorbener Wechselstempelzeichen erläßt der Reichskanzler folgende Bekanntmachung: „An Stelle der in der Bekanntmachung vorn 13. Dezember 1869, betreffend den Debit der VundeSstempel- marken und gestempelten Blanketts zur Entrichtung der Wechsel- stempelsteuer, sowie das Verfahren bei Erstattung verdorbener Stempelmarken und Blanketts (Bundesgesetzblatt S. 695), im vierten Absatz Ziffer 3 und im fünften Absatz enthaltenen Borschriften treten die folgenden: ... 8. der Erstattungsanspruch binnen 14 Tagen, nachdem der Schaden dem Berechtigten bekannt geworden ist, angemeldet wird. Die Anträge auf Erstattung find an die Postanstalten zu richten. Ueber die Anträge entscheidet, falls sie einem Postamt 1. ober 2. Klaffe unterbreitet sind, der Postamtsvorsteher. Die übrigen Postanstalten haben die Entscheidung im ReiclMostgebiete der Oberpostdirektion, in Bayern des Oberpostamts, in Württemberg der Generaldirektion der Posten und Telegraphen einzuholen. Die Erstattung erfolgt durch Umtausch der verdorbenen gegen andere Wechselstempelzeichen bei den für die Entscheidung zuständigen Behörden ober bei einer von diesen zu bestimmenden Verkaufsstelle für Wechselstempelzeichen."
Anzeigen Annahme
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags, nächsterscheinenden Ausgabe wird teilte Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
— Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen gut
Uo. 463.
Fernsprecher No. 52. Mittwoch, dkN 4 Oktober.
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