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47. Jahrgang. No. 447.

^eite B. S4. September 18SS. Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: «anggaffe 27.

Zitherchor des Vereins verschiedene Chöre vortragen. Gäste können Nch aaschließen. Die gemeinschaftliche Abfahrt ist Nachmittaqs 2 Uhr 58 Min. mit der Hessischen LudwigSbahn.

♦ Der .Evangelische Arbeiter.Verein" feiert heute Sonntag. den 24. d. M. sein 2. Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Anfang Nachmittags 3 Uhr im Gemeindehaus, Steingasse 9. Abends i Uhr Ball in der Turnhalle HeKmnndstr.

* Der diesjährige Herbstausflng der Gesellschaft „Fr a te rn it a s" am Sonntag, den 1. Oktober er., nach Biebrich am Rhein, „Hotel Bellevue", statt.

(?) Flörsheim a. M., 22. September. Die Firma Lingstras u- Co., Rheinische Elektricitäts-Gesellschaft in Mainz, hat der Ge­meindebehörde das Anerbieten gemacht, hier eine elektrische Centrale zum Zweck der Abgabe von Kraft und Licht zu er­richten. Der Gememderath ist dem Projekt nicht abgeneigt und cs steht zu hoffen, daß auch die Gemeindevertretung demselben seine Zustimmung nicht versagt. An Stelle der primitiven Beleuchtung der Ortsstraßen mittels Petroleum würde dann die elektrische Be- leuchtting treten, die sich nicht wesentlich theurer stehen soll, als die Petrolkumbcieuchtung. — An den EinstellungStermineu 9., 11., 13. und 19. Oktober rücken 24 Rekruten von hier beim Militär ein.

* Wams, 22. September. Bei den zwischen der Bürger­meisterei und der Militärbehörde beschlossenen Abmachungen wegen der Uebernahmc der Militärgebäude durch die Stadt Mainz handelt es sich um folgende Objekte: Die ehemalige Militär- bäckerei auf der Mittemacht, die Flachsmarftkasernc, das ehemalige Augenhosvital, das sogenannte Kappenhans, das KriegSschlachtdans in der Reubrunnenstraße und die Schloßkascrne. Die Militär­behörde verzichtet auf das Recht, den Schloßplatz als Exereirplatz zu benutzen. Die Leistungen der Stadt bestehen in der Abtretung des in der Rheinallee gelegenen Bauquadrats Rr. 105, der Ueber- lassung eines 60,000 Quadratmeter umfassenden Terrains an dem Barbarossaring und der Erbauung einer Infanterie-Kaserne, die etwa 29, Millionen Mark kosten wird. — Die „Chemischen Werke", vormalö H. und E. Albert, Aktiengesellschaft, beabsichtigen, auch eine Salpetersäurefabrik zu errichten. Gegen diesen Plan Wurde bei dem Kreisamt Mainz Protest erhoben mit der Begründung, daß die Dünste der Fabrik den Anwohnern und der Vegetation Schaden bringen würden. In der heutigen Sitzung des Kreis- nusschusseS Mainz wurde der Protest als unbegründet verworfen.

* Aus der Umgebung. Mit der durch den Tod des Bürgermeisters Seelgen erledigten Bürgermeisterstelle von Sonnen­berg ist ein Gehalt von jährlich 2400 Mk. verbunden. Die Stelle ist penfionsberechligt und ebenso ist die Wittwen- und Waisen- versorgnng gesetzlich geregelt. — Herr Lehrer Gottfried Sommer in Alpenrod ist vom 16. Oktober d. I. ab nach Selters bei Weilburg versetzt worden. — In Schi er sie in hat der Aufseher Nicolay aus Eifersucht drei Männer gestochen. Einer derselben ist Ktoer verletzt. — In Cronberg ist Prinz Nikolaus von Griccheu- rd zum Besuch der Kaiserin Friedrich eingetroffen. — In Koblenz machte eine ganze Bande von Fahrraddieben seit einigen Wochen der Polizei viel zu schaffen. Endlich wurden die Diebe gefaßt. Die gestohlenen Räder sind bis auf zwei herbeigeschafft. — Der Kgl. Steuereinnehmer Herr Porrmann in R ü d c s h e i m wird äemäß seinem Antrag vom 1. Oktober d. I. in Ruhestand versetzt. — jerr Pfarrer A. Bender zu Sch ad eck begeht am 29. September fein 50-jährige« Amtsjnbiläum. — In Frankfurt ist eine Frau an den Folgen von in selbstmörderischer Absicht getrunkener Säure gestorben. Sie beging die That, mn nicht als Zeugin in einem Prozeß auftreten zu müssen. — Herr Bierbrauereibesitzer Göbel in Niedershausen kaufte für den Preis von 74,000 Mk. die Gastwirthschast „Zur Erholung" in Wetzlar. — In Bärstadt wurde der bisherige Rechner, Herr Gg. Karl Schneider, zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt. — Am 1. Oktober sind es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Joseph Schandry zu Ober- re ifenberg dorten seines Amtes waltet. — Der Herbst-Jmker- stlrsuS in Flacht wird von 22 Herren (17 Lehrern, 4Landwirthen und einem Förster) besucht. Außerdem betheiligen sich an dem­selben zwei Damen und ein Hauptlehrer a. D. aus Oldenburg als Hospitanten. — Zn Braubach wurde ein Schwindler, der sich Ritter, auch Rittershaus nennt, in einem Hotel verhaftet, nachdem er sich als angeblicher Vertreter der Firma Phil. Balke aus Berlin Geld und Sachen geborgt hatte. — In Bierstadt hat der «Krieger- und Militär-Verein" den Beschluß gefaßt, im Sommer 1900 Fahnenweihe zu feiern. Die neue Fahne ist bei der Vietorschen Kunst­anstalt in Wiesbaden bestellt. — Vor der Wetzlarer Strafkammer war der Bürgermeister G. aus Rodenberg (Westerwald) be­schuldigt, im Jahre 1898 einen Haufen Reiser und Scheitholz ohne Erlcmbniß des Oberförsters rechtswidrig aus dem Gemeindewald sich angeeignet zu haben, um sich einen Verniögeusvortheil zu ver­schaffen. Ferner war er angeklagt, 6 Anzeigen, die ihm von Seiten der Feldpolizei gemacht worden waren, unbeachtet gelassen und den Angezeigten keinerlei Strafen auferlegt zu haben, wie es heißt, um dir Denunzirten, die zum Theil seine Freunde waren, nicht mit sich zu verfeinden. Der Gerichtshof nahm in der Verhandlung am Dienstag an, daß der Angeklagte sich der Strafbarkeit seiner Hand­lungen nicht bewußt gewesen sei, und erkennt auf Freisprechung. Die Kosten fallen der Staatskaffe zur Last. — Das Krankenhaus in Cronberg wird am 29. September, Vormittags l/»12 Uhr, in Gegenwart I. Maj. der Kaiserin Friedrich eingeweiht.

Urrmischtes.

* Gin Schwindrlgenie. Ein falscher Militärarzt aus Wannsee, der dort längere Zeit als Dr. weck. Ernst Schröder in der Familie des Baumeisters Schulz verkehrte und mit dessen Gesell­schafterin, Fräulein Minna Thews, ein LiebeSverhältniß ankilüpste, stand am Donnerstag, ans der Haft vorgeführt, in der Person des 32-jährigen Arbeiters Wilhelm Holzhüter vor dem Potsdamer Gericht unter der Anklage des Heirathsschwindels, Beilegung des Doktortitels und unberechtigter fälschlicher Tragung einer mili­tärischen Uniform. Holzhüter, der Sohn eines Arbeiters aus Arnswalde, lernte in einem Cigarrengeschäft in der Perleberger- nraße, wo et seine Einkäufe machte, Fräulein Thews kennen. Sie sand Gefallen an dem sehr gewandt auftreteiiden Mann und lud ihn zum Besuch nach Wannsee in die Villa des Baumeisters Schulz rm, woselbst Holzhüter bald in der Familie ein- und ausging und als der erklärte Bräutigam des Fräulein Thews galt, der er nach und nach 500 Mk. abschwindelte. Die Heirath wußte er stets hinaus-uichreben, weil er erst als Militärarzt bei den Potsdamer Leib-Garde-Husaren dienen mußte. In dieser Uniform erschien er wiederholt und dupirte durch sein Auftteten sogar zwei Aerzte, die mit ihm kameradschaftlich verkehrten und ihn bei Patienten Mit­nahmen. Holzl)üter wurde zu 3 Monaten Gefängnis) und 1 Monat Hast verurtheilt.

* Unschuldig hingerichtet? Die Dortmunder „Tremonia" bringt eine Aufsehen erregende Meldung, daß eine Fran ihren Ehe­mann jetzt eines im Jahre 1890 verübten Mordes bezichtigt. Es handle sich um einen in Rauxel bei Castrop an einem Bergarbeiter verübten Raubmord, als dessen Thäter damals der Arbeiter Michalski Dom Schwurgericht zum Tode verurtheilt und hingerichtet wurde. Michalski habe fortgesetzt seine Unschuld bethenert, indessen waren die Indizienbeweise derart belastend, daß ein Schuldig aus-, gesprochen, das Urtheil vom Reichsgericht bestätigt und bie Be- gnatngung abgelehnt wurde. Kurz vor seiner Hinrichtung habe Michalski nochmals bethenert, daß er den Mord nicht begangen, und pieselben Versicherungen auch seinem Beichwater gegeben, der ihn absolvtrt habe. Die Tremonia" giebt obiges Gerücht wieder mit dem Bemerken, daß die Staatsanwaltschaft bereits in die Prüfung der Sache nngelreten sei.

* Synagoge. lieber das bereits kurz ge-

rnelbete furchtbare Unglück in der Synagoge zu Lencyca berichtet Hie „Lodzer Ztg. : Drrz nach 8 Uhr am vergangenen Mittwoch stieß ans Unvorfichttgkeik eine Israelitin, die sich auf der ersten Galerie der Synagoge befand, wo ein starkes Gedränge herrschte, da daselbst mehrere Hundert Frauen zum Gebet versammelt waren, tine kleine brennende Lampe um, wobei sich das in derselben eut-

haltene Petroleum ergoß und in Brand gerieth. In Anbetracht der Gefahr, die ganz unbedeutend war, begannen die übrigen auf der Galerie befindlichen Frauen zu schreien und bald ertönten die Rufe: „Feuer! Feuer I" im ganzen Gotteshause. Es herrschte sofort eine unbeschreibliche Verwirrung. Alles suchte so schnell wie möglich den Ausgang zii erreichen, um ins Freie zu gelangen. Die Frauen, auf deren Galerie das Unglück entstanden war, schrften und drängten gewaltsam dem Ausgange zu, obgleich jede Feuersgefahr aus­geschlossen war, da man inzwischen die Flamme erstickt hatte. Auf der Lreppe stürzten einige von der Galerie eilende Frauen und verbarnkadirten auf diese Weise mit ihren Körpern den Ausgang. Mit elementarer Gewalt stürzten die übrigen nach, und so kam es, daß die unten liegenden Frauen als Leichen ans der Synagoge getragen Werben mußten. 31 Frauen in den verschiedensten Alters­stufen sielen dieser Katastrophe zum Opfer. Gleichzeitig wurden in bem schrecklichen Gedränge fünf Kinder erdrückt, sodaß die Zahl der Opfer 36 beträgt. Außerdem haben 15 Personen mehr oder weniger schwere Verletzungen davongetragen. An dem Unglück trägt nur Vie Unbesoiinenheit Schuld, da eine Branbkatcistrophe völlig ausgeschlossen war. Am Ort der Katastrophe erschien sofort die alnnntrte freiwillige Feuerwehr, welche bie Leichen der erdrückten Frauen ans ber Synagoge herausholte. Gleichzeitig wurden die Schwelverwiinbeten auf den Wagen der Feuerwehr nach Hause geschafft.

* Humoristische«. Moderne Kitteratur. „Was steht Wittlich Alles in diesem 500 Seiten starken Buch?" — „Die Wege des Schnurrbarts."--Konservativ. „Ja, Herr

Bauchle, können Sie sich denn gar nicht für den Radsport er­wärmen?" — „I bleib’ beim Radisport." (Meggend. hum. Bl.)

Kleine Chronik.

Durch einen eigenartigen Ausstand sind die Bewohner Bremens in eine sehr unangenehme Lage versetzt worden. Seit enugen Tagen haben bie Arbeiter des Unternehmers Alfes, etwa 300 Mann, welche die Toniienabfuhr zu besorgen haben, die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen durchschnittlich einen Tagelohn von 3 iOtE. 50 Pf., wahrend sie bislang nur 3 Mk. für ihre gerade nicht sehr appetitliche Thätigkeit bezogen. Um die allgemeine Roth (!) etwas zu lindern, erläßt bie Polizeidirektion eine Bekanntmachung, tn der die dortigen Einwohner gebeten werden, die Benutzung der Tonnen möglichst einzuschränken (Das ist leicht gesagt. D. R.), so­daß sie für längere Zeit ausreichen; auch wird der Hausunrath so lange angesammelt werden inüffen, bis die Abfuhrwagen wieder erscheinen!

In einem Berliner Wochenblatte findet sich folgende An­zeige: „Ern Deutscher (Künstler) sucht bie Bekanntschaft einer jungen Dame tm Alter von 18 bis 20 Jahren, mittlerer Statur, mit einigem Vermögen, zwecks baldiger Heirath. Negerin bevorzugt." Es handelt sich dabei nicht etwa um einen Mann, der in den Tropen zu Hause ist, sondern um einen biederen West­falen, den es nach einer schwarzen Gattin gelüstet.

Frau Clementine Kettenny, die Gemahlin eines Berliner Bankiers, die feit einigen Tagen in Neapel verweilt, erging sich in den Aittagen am Meew, der sogenannten Villa del Pöpolo. Die Aiilageii waren von Spaziergängern ziemlich belebt. Hinter ber bentschen Dame kamen zwei anständig gekleidete Herren, die plötzlich, wie von ungefähr, Fran Kettermy in die Mitte nahmen. Einer der Herren wandte sich in höflichem Tone an die Dame und ersuchte sie, ja nicht zu schreien, da er sie andernfalls erdolchen müsse. Der zweite Herr entriß ber Dame ein Lebertäschchen, bas sie in der Hand trug, sowie ihre goldene Uhr und Kette. Im nächsten Augenblick hatten sich die beiden Gauner in die Büsche geschlagen und Frau Kettermy wird ihr Geldtäschchen und ihre Uhr schwerlich je Wiedersehen.

Die Danziger Strafkammer verurtbeiltc den Schutz­mann Paul Tucholski, ber im Januar einen städtischen Arbeiter mit blanker Klinge blutig geschlagen und widerrechtlich festgenouimen hatte, wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu neun Monaten Gefängniß. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre beantragt.

„Aus Salzwedel wird gemeldet: Selbstmord durch Erhängen verübte ein 13-jähriger Hütejunge aus sonderbarer Veranlassung. Der Junge hatte die ihm anoertraute Heerde Kühe, die zwischen Siedenlangenbeck und Kuhfelde graste, verlassen, als der Oebis- felber Zug in drei den Bahndamm überschreitende Kühe hiuein- fuhr. Die Thiere wurden von der Maschine zur Seite geschleudert und sämmtlich tödtlich verletzt. Der Zug hielt und ein Fahrgast, ein Schlächter, schlachtete bie Thiere ab. Der Hirtenknabe ftirchtete bie Strafe, schritt in ben benachbarten Tannenwald und erhängte sich an einer Schnur. Militär fand beim Biwakbeziehen die Leiche des jugendlichen Selbstmörders.

In Hinter riß sind drei bei der Holzarbeit beschäftigte Männer aus Schwaz und dem Nachbardorf Pomp vorige Woche beim Schnee stur m verunglückt. Einer von ihnen ist nun als Leiche in einer Lawine gefunden worden.

Die große Wollfabrik von Nicoter Kutten und Zonen in Ensched brannte völlig nieder. Hunderte von Arbeitern sind drodlos. Alles ist versichert.

Der „Alpenbote" berichtet ans Friesach folgenden merk­würdigen Fall: Die in einem Gasthof in Friesach zur Sommerfrische weilende Frau Maria Barbach aus Wien starb plötzlich an Herzschlag. Der katholische Propst ließ, ohne daß bie Angehörigen eine Ahnung davon hatten, die „Protestantin" in einem Winkel des Friedhofs eingraben. Damit nicht genug. Um sich zu „sichern", ließ besagter Propst im Todtenschein das Wort „evangelisch" durch „konfessionslos" ersetzen. Dieser von christlicher Duldsamkeit nicht erfüllte Propst heißt Franz Kornke und dürste durch fein Vorgehen ein Scherflein zur Los von Rom-Bewegung beigetragen haben!

Vor 36 Tagen verfiel in Marcillac (Dep. Aveyron) ein sechzehnjähriges Mädchen, bas sich für ben Lehrstaub ausbildet. Plötzlich in Starrsucht (Katalepsie). Da der mit völliger Be­wußtlosigkeit verbundene Schlaf nach Monatsfrist noch anhielt und die Familie der Kranken mittellos war, wurde diese nach dem Spital gebracht, wo alsbald zahlreiche Aerzte, u. A. auch der be­kannte Spezialist für Nervenkrankheiten von - ber medizinischen Fakultät in Montpellier, Prof. Grasser, sich z>ir Beobachtung des seltenen Falls einfanben. Fünf Tage nach ihrer Ankunft in Rodez erwachte die Kranke. Sie suhlte sich, abgesehen von einer gewissen nervösen Reizbarkeit, völlig wohl.

Grrichtssaal.

d. Wiesbaden, 23. September. (Strafkammer.) Bei bem Händler und Fuhrmann Wilhelm K. von Fachbach wohnte im Mai d. I. ber Taglöhner Remo mit Frau und Kinderchen. Der Taglöhner wohnte oben und der Fuhrmann unten. Einei Kleinig- keit wegen geriethen die beiden Familien in Helle Feindschaft und bald schiinpfte und drohte Remo, bald schimpfte der Fuhrmann. Am ersten Pfingsttag Nachts tarn R., der dem Fuhrmann nun eine Vierteljahrsmiethe schuldete, betrunken beim, so betrunken, daß jedenfalls das, was er damals im Geist des Alkohols gesprochen und gethan hat, nicht klar in seinem Hirn hasten blieb.' Er ging also heim und bekam im Haus einen blutenden Kopf. Wie das zu- gegangen ist, schildert er so und der Fuhrmann schildert cs anders, da die Schilderung bes Fuhrmanns die wahrscheinlichere ist, so sei darnach mitgethcilt, daß R. nach dem Nachhausekommen im Flur hernm- skaudalirte und endlich mit seinem Hausherrn, dem K., ber ibn zur Ruhe bringen wollte, ins Handgemenge kam. Dabei stürzte er bie Treppe hinab unb schlug mit bem Kopf gegen einen über bie Stiege hinlaufenden Balken auf. Es entstand eine große Wunde, bie er sich in Ems vernähen ließ. Das Schöffengericht von Niederlahnstein hatte den K. wegen hinter­listigen llederfalls unb wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurtheilt. Die Straf­kammer als Berufungsinstanz hob dieses Urtijcil gestern auf unb fprach den Mann frei.

L-tzte Nachrichten.

Wie«, 23. September. Der heute Vormittag 9 Uhr statt, gehabte Mmisterrath beschloß die Demission des Kabinetts Worauf Graf Thun dem Kaiser die Demission unterbreitete.

Maris, 23. September. Major Hartmann, ber Haupt- entlastuugszeuge im Prozeß Dreyfus in Rennes, ist zum Bei- georbneten des Direktors ber Waffenfabrik in Puteaux ernannt worden.

Konstantinopel, 23. September. Zwischen dem deutsche« Kaiser und dem Sultan fand ein herzlicher Depeschen^ wechsel statt, welcher dadurch veranlaßt wurde, daß der Kaiser. : einer während ber syrischen Reise erteilten Zusage entsprechend, ‘ für bas Regierungsgebäude unb bie Hauptkaserne in Beirut fei« ’ Bttb spendete. \

Kloemfontein, 22. September. (Reuter - Meldung.) I« ■ Volksraad des Oranje-Freistaats wurden die Berathungen ber gestrigen geheimen Sitzung heute mieber aufgenommen. Es ver- i lautet, baß bie geheime Tagung des Volksraads wahrscheinlich bis : MN Anfang ber nächsten Woche fortbauern wirb. Inzwischen be­finden sich bie Einwohner in einer gedrückten Stimmung unb bie , Mitthettungen in der nächsten öffentlichen Sitzung werden mit banger Sorge erwartet.

Pretoria, 22. September. Heute wurde ein Grünbuch i veröffentlicht, welches den Bericht Smuts' an die Regierung über die zwischen ihm und Greene gepflogenen Besprechungen enthält, - die zu dem bedinguugSweisen Vorschlag, bett, die Erlangung des ■ Wahlrechts nach 5 Jahren, führten. Smuts versichert, das Er- j gebitifj ber privaten Verhandlungen unb Vereinbarungen war, bcch 3 beibe Regierungen in nicht formeller Weise über das Anerbieten und 1 besten Annahme Entscheidung treffen sollten, bevor das Anerbieten 1 formell unterbreitet würde. SmutS bestreitet, daß der genaue Wort- ! laut des Anerbietens an Milner telegraphirt wurde und daß die 1 Reichsregierung an Greene ein Telegramm sandte, welches Greene als - Annahme des Anerbietens, auslegte. Smuts erklärt, hätte die Regierung von Transvaal gewußt, daß irgend eine Schwierigkeit hinsichtlich der Suzeräuitätssrage gemacht werden würde, so hätte 1 sie niemals weitere Vorschläge gemacht, sondern würde wahrschein- j Ilch bie Einladung, eine gemetnjame Kommission zur Berathiiug des Siebenjahrvorschlags zu bilden, sofort angenommen haben. - Smuts bestreitet ferner, daß er Greene versprach, den neuen Mit- i gliedern des Rands solle erlaubt sein, sich ber englischen Sprache zu bedienen; er habe nur bie Ansicht geäußert, bie Angelegenheit werde sich leicht von selbst regeln. Schließlich weist Smuts daraus hin,, daß dieser Gegeustand in dem Telegramm an Milner gar nicht erwähnt wurde.

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