WksWm Sagblatt
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47. Jahrgang.
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1899.
Samstag, den 9. September.
I N-. 421.
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
Sitzung der Stadtverordneten
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i. 1870: EiB
Die Erweiterung der Heiz hlagt zu 12,000 Mk., soll
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Aus Stadt und §and.
Wiesbaden, 9. Septeinber.
— Geschichtvstalender. 9. September. 1891: t Jul« Grevy zu Mont-sous-Vaudrey, ehemaliger französischer PrästdeNs, 1870: Flucht der Kaiserin Eugenie aus Frankreich. 1_7. nähme der Festung Laon. 1826: * Friedrich I., Großherzog von Baden, zu Karlsruhe. 1813: Allianztraktat zu Teplitz zwischen Rußland, Oesterreich unb Preußen gegen Napoleon. 1753: ch BertraH de Labourdommye, französischer Seemann, der Eroberer von Madras. 1737: * Luigi Galvani zu Bologna, der Entdecker des GalvanismuA 1610: f Friedrich IV., Kurfürst von der Pfalz. 9: Sieg bÄ Deutschen unter Armin über die Römer.
fiihriingsbchörde bestimmt hat, hat derselbe zwei Beisitzer zum Schiedsgericht und für jeden derselben zwei Stellvertreter ernannt und zwar als Beisitzer die Herren Baurath Winter und Baumeister Willctt, als Stellvertreter die Herren Stadtbanmeister Genzmer- Ober-Jngenieur Frensch, Architekt Lang und Architekt Kaufmann Es erübrigt nun, einen Fonds zu gründen, ans welchem die ent* stehenden Ausgaben gedeckt werde» können. Nach dem Borbildk Kölns schlägt der Magistrat vor, dafür einen SammclfondS zck bilden, dem bis auf Weiteres jährlich der gleiche Betrag jti» zuweiscil ist, der 1899 in die Tiesbangenossenschaft dafür zu zahlen war, nämlich rund 7900 Mk. Der Finanzausschuß (Berichterstatter ♦ Dr. Dreyer) empfiehlt die Genehmigung dieses Antrags, waS di« Versammlung beschließt.
Die Erweiterung der Heizanlage des RatbhauseS, veranschlagt zu 12,000 Mk., soll um einige Verbesserungen ergänzt werden, sodaß sich die Kosten auf 14,870 Mk. erhöhen. Die Erweiterung der Anlage ist dadurch nöthig geworden, daß eine Reihe von Räumen im Dachgeschoß an die Heizung angcschlossen werden sollen. Auf das erste Ausschreiben ist die „Maschinenfabrik Wiesbaden" mit 13,210 Mk. Mindestfordernde geblieben. Die Nachforderung von 2870 Mk. wird auf Antrag des BanausschusseS (Berichterstatter: Herr Willett) bewilligt.
Die Abänderung des FluchtlinicnplanS für die Hochstätte wird auf Antrag des BanausschusseS (Berichterstatter: Herr Thon) genehmigt, desgleichen die Abänderung des Planes für das Terrain zwischen Frankfurter- und Bierstadterstraße (Berichterstatter: Herr Lang), dahin gehend, daß infolge Einspruchs von Anliegern die Vorgartenbreite in der Sophienstraße von 7 auf 5 und die der Solmssttaße von 10 auf 7 Meter herabgemiudert wird.
Das Bausdispensgesuch des Herrn Wild. Kraft, betreffenb Erbauung eines Wohnhauses nebst Oekonomiegebäuden an der oberen Dotzheimerstraße, wird unter den vom Magistrat festgesetzten Bedingungen genehmigt.
vom 8. September 1899.
Anwesend sind unter dem Vorsitz des Herrn Landesbank- |g direktors Reusch 27 Mitglieder des Kollegiums, Seitens des Magistrats die Herren Bürgermeister Heß, Beigeordneter Körner und Mangold, sowie Herr Sekretär Rübsamen als Protokollführer. '
lieber die Prüfung der Vorlage, betreffend die Erweiterung des städtischen Elektricitäts-Werkes, Seitens des Finanz- auSschnffes erstattet Herr Dr. Dreyer ein der Wichtigkeit der Sache entsprechendes, ausführliches Referat, dem wir Folgendes entnehmen: In dem Vertrag mit der „Süddeutschen Eisenbahn- Gesellschaft" hat sich diese verpflichtet, für alle jetzt und in Ankunft zu erbauenden Stadt- und Vorortlinien, für letztere, soweit sie in der Gemarkung Wiesbaden liegen, die Elektrieität ausschließlich ans dem städtrschen Elektricitättzwerk zu beziehen. Die Stadt hat dagegen die Verpflichtung übernommen, die für diese Strom« tkferupg benötigten maschinellen Einrichtungen mit Zubehör und die bei ähnlichen Anlagen iiblichen Reserven zu be- schaffen, damit während der Dauer des fahrplanmäßigen Betriebs der erfvrderltche Strom zur Verfügung gestellt werden kann. Nachdem sich auch die Pächterin des Elektricitätswerks, die „Elek- tricitätS-Aktien-Gesellschast Dorrn. W. Lahmeyer u. Co.", mit diesem Abkommen einverstanden erklärt hat, ist es nun Sache der Stadt, das ElektricitätSwerk so zu erweitern, daß bei Eröffnung der verschiedenen elekttischen Bahnen der Strombedarf derselben gedeckt werden kann und durch genügende Reserve-Maschinen ein ununterbrochener Betrieb gesichert ist. Die Herren Lahmeyer hätten dann den für solche Erweiterungen verausgabten Betrag genau so zu verzinsen, wie die Kosten der ursprünglichett Einrichtungen des Werks, und zwar die Kosten der weiteren maschinellen Einrichtungen sofort mit 8'/, pCt., während die Kosten der Gebäude-Erweiterung im ersten Jahre mit 61/«, im zweiten mit 7l/i und vom dritten ab ebenfalls mit 8'/- pCt. verzinst werden. Den voraussichtlichen Kraftbedarf für die zunächst zur Ausführung kommenden elektrischen Straßenbahnlinien hat die __Süddeutsche Eisenbahngesellschaft für Tage mit gewöhnlichem Bettieb im Durchschnitt auf 360 und im Maximum aus 600 Kilowatt, au Tagen mit verstärktem Betrieb aber im Durchschnitt , auf 600 und im Maximum auf 1000 Kilowatt geschätzt. Dabei W wurden die folgenden Linien in Berechnung gezogen: 1. die jetzige Dampfbahn, 2. die jetzige Pferdebahn, 3. die bestehende elektrische Bahn, 4. die sogen. Sedanplatzlinie, 5. die Linie Wiesbaden- Sonnenberg. 6. die Linie Wiesbaden - Schiersteinerweg, 7. eine Linie Wiesbaden-Erbenheim, 8. eine Linie WieSbaden-Dotzheim, 9. die geplante Linie Wiesbaden-Mainz, letztere etwa zur Hälfte für die Wiesbadener Stromlieferung. Die gesammtenKosteu der Erweiterungsanlagen sollteu920,000Mk. betragen. Davon entfallen 750,000 Mk. auf den maschinellen Theil und 170,000 Mk. auf Gebäude und Anderes. Da die Pläne und Kostenvoranschläge für die Erweiterung des f Gebäudes noch näher geprüft werden sollen, die Vergebung dieser - Arbeiten auch noch nicht so sehr drängt, wie die der Maschinen, beantragte die Elektricitäts-Deputation bei dem Magistrat einstweilen bloß die freihändige Vergebung der Maschiitesttieferiing an die Firma Lahmeyer auf Grund ihrer Offerte von 750,000 Mk. Der Magistrat hat daraufhin in feiner Sitzung vom 16. August mit Stimmenmehrheit (7 — 3) beschlossen: 1. Die Offerte der Firma Lahnteyer zunächst dem Herrn Ingenieur v. Miller zu München zur Prüfung und Begutachtung vorzulegen und für den Fall, daß dieser nichts gegen die Preisansätze zu erinnern ■ finde, die Elektricitätswerks-Deputation zu ermächtigen, die Bestellung der Maschinen alsbald aufzugeben, da anerkannt werden müsse, daß die Beschaffung derselben dringlich ist. Die Zweckmäßigkeit der freihändigen Vergebung erkannte der Magistrat im vorliegenden Fall nach Sage der Verhältnisse an. Der Finanzausschuß hat unter Assistenz des Herrn Regierungsbaumeisters Philippi, welcher in Vertretung seines verreisten Bruders als Sachverständiger fungirte, sowie des Herrn Direktors Muchall und des Herrn Stadtraths Bartling und schließlich unter aus- r jährlichen Erklärungen des technischen Leiters der Firma Lahmeyer, des Herrn Direktors Jordan, die ganze Sache einer eingehenden Prüfung und Erörterung unterzogen. Es drängten sich ihm dabei die folgenden Bedenken auf: 1. über die geplante gleichzeitige Herstellung von Dreh- unb Gleichstrom auf ein und derselben Maschine, da die Befürchtung nahe liegt, daß bei plötzlicher starker Inanspruchnahme für Kraft das Licht bedeutenden Schwankungen ausgesetzt fein würde, 2. über die Größe der Maschinen, welche mit einer Leistung von 800 Kilowatt für den gr Durchschnittsbedarf der nächsten Jahre von höchstens 500 Kilowatt zu groß erschienen, da sie bei ungenügender Belastung kaum vor- 7 theilhaft arbeiten dürsten, 3. über die sofortige Beschaffung eines Dynamos für Drehstrom auch auf der zweiten Tandem-Maschine, - welche voraussichtlich höchstens als Resewe für Gleichstrom zu dienen haben würden; die sofortige Anschaffung schien umso bedenklicher, als 6 noch keine Erfahrungen über gleichzeitige Erzeugung von Dreh- nnd Gleichstrom durch Maschinen von solcher Größe vorliegen, 4. über die Nothweudigkeit der Beschaffung eines zweiten Lauf- krahnens für 16,500 Mk., während wir bereits einen Laufkrahnen besitzen, der Stücke bis zu 20,000 kg Gewicht heben kann, 5. über die .Möglichkeit der Uebcrhitzung der bisherigen Rohrleitung, welche einen Theil der neuen Einrichtung bilden wird und deren Zusammenbruch eine totale Betriebsstörung herbeiführen würde, 6. über die i freihändige Vergebung einer so bedeutenden Leistung ohne Aus- schreiben einer Konkurrenz, 7. über die Zahlung von 10 pCt. Provision, welche die Finna Lahmeyer auf Alles von ihr nicht selbst Fabrizirte beansprucht, 8. darüver, daß keine ausdrückliche schriftliche Erklärung vorliegt, daß die Firma Lahmeyer die ganze Neuanlage als in allen Punkten unter den bestehenden Vertrag fallend k. betrachtet, daß sie die geplante Erweiterung in ihrem vollen Umfange schon jetzt für nöthig erachtet und n. A. das dafür aufgewendete Kapital sofort mit 81/« pCt. verzinsen wird. Das erste und wichtigste der Bedenken wurde dadurch gehoben, daß die Firma L Lahmeyer sich verpflichtete, bei Einstellung von Schwankungen im Licht auf ihre alleinige Kosten maschinelle Einrichtungen zu be- t- schaffen, durch welche solche Störungen beseitigt werden. Ebenso
garantrrte die Firma Lahmeyer, daß sowohl die alten wie die neuen Rohrleitungen auch für ben Überhitzten Dampf genügten, und dctz die Firma alle Folgen tragen wird, wenn dies nicht der Fall tit Ferner wurden die im letzten Punkt vermißten Erklärungen von der Firma Lahmeyer gegeben. Die Maschine
Die Geschwister Adelheid und Luise Hauth haben bekanntlich der Stadt 60,000 Mk. mit der Auflage vermacht, davon 43,000 Mk. an verschiedene Wohlthätigkeits-Nnstalten zu bezahlen. 2000 Mk. zur Unterhaltung von zwei Grabstellen zu reserviren und 15,000 Mk. zur Anlage eines Kinderspielplatzes tu einem stark bevölkerten Siadttheil zu verwenden und den Platz zur Erinnerung an ihren Vater „Christiansplatz" zu benennen. Der Magistrat bat beschlossen, das Legat anzunehmen und der Finanzausschuß (Berichterstatter: Herr Dr. ® reger) hat ebenfalls keine Bedenken dagegen. Er beantragt, dem Beschluß des Magisttats beizutreten, was die Versammlung beschließt.
Nachdem das Kgl. Handelsministerium die Stadwemeinde Wiesbaden vom 1. Januar 1900 ab für leistungsfähig erklärt hat, die Lasten der Unfallversicherung bei Bauten und deren Nebenbetrieben selbst zu übernehmen und ben Magistrat als Ans-
d. Gin Kurpfuscher vor Gericht. Daß die Dummen, dd hoffnungslos Kranken und die chronischen Leiden nicht alle wewett ist ein Glück für Manchen, dem es bei der Scheerung fthtef Schäfchens nicht so sehr darauf ankommt, welcher Art die Wolle ist und mit welchen Mitteln er fein Handwerk ausübt, als baraufc sich möglichst rasch und anstreugungslos zu bereichern. Ein Glück aber für die Menschheit ist es, daß es daun ober wann gelingt, Einen ober ben Anderen derartiger Glücksritter beim Äragut zu fassen und ihn zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit bet Oeffentlichkeit zu präsentiren. Freilich, bas Bedauernswerthe bnbd ist, daß diese Leute nicht gehindert werden können, anderswo ihr Lädchen aufzuthun und Goldstücke mit unsauberen angeln. Welche, die anbeißen, gicbt's denn auch wieder. — WK berdte. in-hat gestrigen Abend-Ausgabe kurz berichtet wurde, batte bas hiesige Schöffengericht in seiner gestrigen Sitzung über «new ziemlich krassen Fall bernrtiger Geldmacherei auf Kosten arm« Kranker zu urteilen. Der Direktor Fr. Jüngling, ber hier ein sogenanntes „Physikalisches Institut" errichtet hat unb seine Wimbe» kuren vollbringt, war des Betrugs zum Nachtheil des Wagners JakM Haubert aus Odenbach in der Pfalz angeklagt. Der Herr Direktor « vorbestraft, einmal in München wegen Fithrmm eines ihm nicht $5 kommenden Titels — er hatte aus dem Wörtchen Direktor einen Doktor gemacht — und einmal in Heidelberg wegen Kurpfuscher« und Gewerbesteuerübertretuug. Die Frau des besagten Mannetz aus der Pfalz litt im Jahre 1898 an einem Augenübel. Deck Augenlicht nahm immer mehr ab und das Weib kam in die Page» stechersche Augenheilaiistalt hier. Dort wurde sie mit Job nutz anderen Mitteln behandelt, ohne daß das bis zu einem Zehnt» der gewöhnlichen Sehkraft herabgesnnkene Sehvermögen sich wesenv» lich besserte ober verschlechterte. Endlich lautete die Diagnose dckk Aerzte des Instituts dahin: llnheildar wegen VorhaudenscmS eine# Tumor capitis auf den Sehnerven. Die Patientin wird bas Augenlicht vollständig verlieren. Dem Ehemann der Kranken wurde diese Diagnose mitgctheilt und ihm gesagt, er möge die Frau nack Hanse nehmen, denn eine weitere spezialärztliche Behandlung fR vollständig zwec'los. Zum Trost für die Kranke möge er sie jedoch bei beut Arzt seiner Hcimath weiter auf billige Weise behandelt» laffen. Herr Dr. Schütte gab dem Wagnermeister ein Schreibeck au den betreffenden Arzt mit. In ber Pagcnstecherschen Anstatt hatte die Patientin eine Frau kennen gelernt, bie an Lupus litt und angeblich, nachdem sie sich zu verschiedenen Malen ohne Erfolg hatte operiren lassen, von dem Direktor Jüngling geheilt wordeff fein wollte. So wurden bie Leute aus Odenbach zu dem genannten „Physiker" gewiesen. Der erklärte, nur durch einj Durchleuchtung der Kranken mit Röntgenstrahlen könne er die Heilbarkeit des Augenleidens feststellen. Er durchleuchtete zunächst die Patientin vorn Kopf bis zu dem Unterleib mit deck genannten Strahlen, und als er an den Leib tarn, tief er: „Habet, da ift'Sl“ Im letzten Wochenbett, sagte er weiter, hat sich die Frau etwas verletzt und verdorbenes Blut davon hat sich auf bit Sehnerven festgesetzt. Er verordnete der Patientin Litzbadet!, elektrische Behandlungen (Vibrations-Therapie), Durchleuchtungen mit X-Strahlen, auch gab er ihr homöopathische Mittel. Mit bett homöopathischen Mitteln erklärte er bie von ber Quacksalberei unb Zuschmiererei der Allopathen im Körper zurückgebliebenen Gifte austreiben zu wollen. Für die einmalige Durchleuchtung mit Röntgen-Strahlen, mit der er das Oeffneu und Schließen der Herzklappen, bie Bewegungen des Magens und sogar den Blut- zuflnß unb -Abfluß des Herzens beobachten wollte, ein Unter» nehmen, bas bis jetzt noch keinem Mediziner geglückt ist und wahr» scheinlich auch mit den X-Strahlen, wie sie jetzt sind, niemals glücken wirb, ließ er sich 35 Mk. bezahlen. Für die einmonatlichi Vermiethung eines elektrischen Apparates im Anschaffungswerth von 45 Mk. berechnete er 40 Mk., bann erhielt er für em Schwitzbad, dessen Dauer 20 Minuten währte, 22 Mk. 15 Pf., und ferner 50 Mk., 32 Mk., 25 Mk., 6 Mk. unb 15 Mk. Für jeden der ziemlich zahlreichen Briefe, die er ben Leuten schrieb, berechnete er erst 5 Mk. und später 2 Mk. Ferner verkaufte er ben WaguerSleuteu einen gebrauchten elektrischen Apparat für 120 Mk. Ihn selbst hatte derselbe etwa bie Hälfte gekostet. Alle» in Allem will er 240 Mk. bei dieser famosen Blindenheilung verdient haben; ber Ehemann bet inzwischen wirklich erblinbeten Frag giebt die an den Augeklcmtcn bezahlte Summe indessen mit über 400 Mk. an. Als ber Wagner schon einen bedeutenden Betrag i« seiner Vertrauensseligkeit in die Hände des Direktors gelegt hatte und sich erkundigte, ob denn auch wirklich die ihm äußerst beschwerlich fallenden Ausgaben angebracht seien, garantirte ber Angeklagtt für den Erfolg seiner Kur. Schließlich jedoch warf er selbst bie Flinte ins Korn; auf wiederholte Briefe des Betrogenen gab et wenigstens keine Antwort mehr. Mit den medizinischen Kenntnissen deS Herrn Direktors scheint es übrigens schlecht bestellt zu sein, denn er versteigt sich zu ber Behauptung, baß ber Tumor capitis sich aus ber Zusammenziehung von Schleimhäuten gebilbet habe, währenb baSfelbe in Wirklichkeit ein Geschwür, eine Neubildung im Kopfe barstellt. Daß eine durch eine Verletzung im Unterleib entstandene Blutansammlung sich auf die Sehnerven setzt, wird er wohl selbst nicht geglaubt haben, denn ber krasseste Safe wird etfie solche Behauptung beladjen. Die Frcm, welche a« Ät-Miei«.
erachtet sie als nicht zu groß, da auch bie Anmeldungen für Licht und Kraft in ber Stadt stetig zunähmen und weiter zunehmen würden. Aus diesem Grund fei sie auch für die sofortige Beschaffung eines zweiten Dynamos für Wechselstrom auch auf der zweiten Rcscrvc-Maschine. Die von dem Ausschuß vorgeschlagene Einrichtung für eventuelle spätere Hinzufügung dieses Dynamos würde auch viel Geld kosten, sodaß jetzt höchstens 40,000 Mk. gespart würden und die Zinsen dieser Ersparniß würden später durch Schwierigkeiten und Betriebsstörungen reichlich auf- aewogeu werden. Der projektirte zweite Laufkrahnen wird als entbehrlich bezeichnet. Im Falle eine ober die andere Straßenbahnlinie vor Fertigstellung der Erweiterungsbauten in Betrieb genommen wird, ' stellt die Firma Lahmeyer ein dann nöthig werdendes Provisorium kostenlos zur Verfügung. Nur bie Baar- auSlageu für Montage und Fundamentirung sind zu vergüten. Für die zwei mit 210,000 Mk. veranschlagten 900.1200 IIl>-Tandem- Dampf-Maschinen hak die Firma Lahmeyer eine engere Konkurrenz zwischen drei sehr leistungsfähigen Fabriken (der Görlitzer Maschinenfabrik, Gebrüder Sulzer in Winterthur und ben vereinigten Augsburger Maschinenfabriken) eiutreten lassen unb ben letzteren, welche auch bie im jetzigen Werk befindlichen Maschiiien geliefert habe», den Zuschlag in Aussicht gestellt. Ebenso sind für bie 57,000 Mk. kostenden 4 Wasserröhrenkeffel Offerten von drei leistungsfähigen Fabriken eiugcholt worden. Die Preise, auf welche 10 pCt. Provision gerechnet werden, seien die Nettopreise und genau die Beträge, welche Lahmeyer selbst für bie Maschinen zu zahlen hätte. Unter diesen Umständen und weil bie Elektrieitäts- werks-Deputation bie sofortige Bestellung ber Maschinen für sehr dringlich erklärt, glaubt der Fiiianzausschub bie Vergebung an bie Firma Lahmeyer ohne AuSschreiben weiterer Konkurrenzeii befürworten zu sollen. Die von Lahmeyer zugestanbenen lueitgeheuben Garantiert! schützen die Stabt selbst für ben Fall, baß bie Herren Lahmeyer sich in ber Hauptsache, bet gleichzeitigen Erzeugung von Dreh- uitb Gleichstrom durch ein und dieselbe Maschine, geirrt haben sollten. Unb was die Größe der Maschine anbelangt, so gab schließlich die Erwägung ben Ausschlag, baß bie Firma Lahmeyer bie Maschinenanlage mit 8*/z pCt. p. a. verzinst unb baß sie bieS nicht tljun unb nicht so energisch für bie vorgeschlagenen Maschinen eintreten würbe, wenn sie nicht überzeugt wäre, baß ber Strombebarf für bie ihr genau bekannten Zwecke vortheilhafter burch biefc Maschinen gebeckt werden könne. Die Begutachtung des Herrn v. Miller ist zwar eine sehr lakonftche, aber auch er hat nichts zu «r- tnnern gefunden. Der Finanzausschuß beantragt: bie Stabt« Verordneten-Bersmumluna wolle sich bamit einverstanden erklären, daß, nachdem die in bie|cm Bericht erwähnten Garantieen schriftlich von ber Firma Lahmeyer wiederholt worben sind, bie ElektricitätSweikS-Depntation ermächtigt werbe, bie Bestellung ber von ihr gebilligten Maschinen bis zu einem Höchstbetrage von 750,000 Mk. alsbald aufzugeben, lieber die Erweiterung des Maschinenhauses sieht die Versammlung weiteren Vorlagen des Magistrats entgegen, ebenso wie. über die Beschaffung der Geldmittel für die ganze Anlage. Schließlich glaubt bet Finanzausschuß fein Befrembeu darüber änSdrücken zu sollen, daß ber Magistrat ohne Roth bie Deputation zu einer Bestellung im Betrage von 750,000 Mk. ermächtigt hat, bevor bie Stadtverordneten- Versammlung diese Ausgabe genehmigt hatte. Herr Direktor Muchall habe kluger Weise die Bestellung noch nicht gemacht, als ihm die Bedenken des Ausschusses mitgetheilt worden seien. Hätte er es getban, so wäre möglicher Weise die Stadt in Verlust und Unannehmlichkeiten gerathen, denn es sei immerhin fraglich, ob die Firma Lahmeyer sich ganz so eiitgegeutommcnb gezeigt hätte, wenn die Stadt bereits gebunden gewesen wäre, und ohne bie weitgehenden Garantieen der Firma Lahmeyer hätte der Finanzausschuß bie Auuahine der Vorlage nicht empfehlen können. Der Antrag des Ausschusses wirb angenommen.
8n Verbindung mit dem Neubau der altkatholischen Kirche au chwalbacher« unb Platterstraßc steht bekanntlich die Herstellung einer Verbinbungsstraße zwischen beiben Straßen. Die Kosten bnfür sind auf 13,000 Mk. veranschlagt, wovon in das laufende Budget nur diejenigen für die Erdarbeiten mit 6000 Mk. eingestellt worden sind. Nachdem der Vorstand der altkatholischen Gemeinde erklärte, daß die Einweihung bet Kirche am Ostermontag n. I. ftattfinben solle unb gebeten hat, bie Straße bis dahin fertig zu stellen, hat sich ber Magistrat bannt einverstanden erklärt, die ganze Straße im laufenden Rechnungsjahr fertig zu stellen. Die Versammlung ist auf Antrag ihres Bauansschusses (Berichterstatter: Herr Thon) mit diesem Beschluß, soweit damit einverstanden, daß die 6000 Mk. aus dem Dispositionsfonds der Stadtverordneten- Versammlung entnommen werden.
