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| Uo. 418. Abeud-Ansgabe.

Donnerstag, den 7. September.

mm

Tagblatt.

47. Jahrgang. 1899.

Die Ideale und Illusionen der Jugend zählen nicht. »

*1 Erst wenn die Erfahrung hinzukoninit und Zweig auf £

ML Zweig unbarmherzig knickt, daun seht aus das, was Euch £

«

noch übrig geblieben. Auf den Grund könnt Ihr getrost

*

i * * Häuser bauen und die Lustschlösser ohne Bedauern hinter Euch lassen. G. Luigi.

ü_____________

» »

(58. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Ire gute Tochter.

Roman von War Kretzer.

Er scheint sich bei diesem Wetter doch noch besinnen zu ^wollen, dachte Schöbel, der auf den Augenblick wartete, wo , Deichmann das Boot besteigen würde.

Plötzlich mußte er sich überrascht umdrehcn, denn die [ nächste Thür war mit Gewalt zugeschlagcn worden.

Es war Amalie, die in großer Erregung ins Zimmer F getreten war und heftig Alhem holte. Im Regenmantel, - den Hut etwas schief aufgesetzt, machte sie einen etwas wüsten Eindruck, als wenn sie in Eile einen unerquicklichen «Weg znrückgclcgt hätte. Au ihrem Halbschleier hingen die ersten Regentropfen, die ihr vereinzelt der Wind ins Gesicht getrieben hatte.

Gut, daß Sie da sind, lieber Paul. Ich wußte, daß h ich Sie hier vorfindcn würde," sagte sie sofort und streckte ihm die Haild entgegen.Seien Sie mir herzlich will­kommen .... Um so besser. Dann können Sie mich begleiten. Ich muß dieses Haus verlassen, sonst gehe ich vor Scham zu Grunde . . . Schnell meine Goldsachen und i Briefschaften! . . . Das Uebrige läuft nicht fort."

Während er sie verständnißlos anblickte ohne ein Wort : zu finden, nur erfüllt von einer dunklen Ahnung, ging sie ~ an einen Schrank, schloß die Behälter auf und nahm Der« g schiedene Etuis heraus, die sie in eilte Ledertasche packte. ' Dann trat sie an ihren Schreibtisch, langte ihre Mappe und _ verschiedene Schriftstücke hervor und fügte Beides dem 7 .Uebrige» hinzu. Alles Das geschah mit der wahnsinnigen Hast eines Menschen, dem jede Minute kostbar erscheint.

Geben Sie mir das Kind, bitte das Mädchen kann es schnell etwas einmummen. Der Wagen muß sogleich Vorfahren. Ich habe ihn genommen, weil es auf der Bahn vielleicht zu sehr auffalleu würde, wenn man mich allein mit dem Kinde sähe. Die Mädchen glauben, ich führe nach Johannisthal zu Gustav. Um so weniger wird es zu denken e geben, wenn mau Sie mit einsteigen sieht .... Kommen ^Sie, ich bitte Sie, zaudern Sie nicht lange. Ich sterbe Ubor Ausregung. Dann hätte ich doch wenigstens eine Be- fc gleituug unterwegs. Fragen Sie nicht erst, Sie werden M Alles erfahren."

Sie nahm das Kind aus seinem Arm. Als sie es in ^ »stummer Berztveiflung herzte und küßte, wobei es in ihren Augen zu schinimern begann, erriet!) er Alles. Und selbst | .von tiefem Schmerz bewegt, ohne daran zu denken, daß ihr f i Elend dazu beitragen könnte, die Gräber seiner Hoffnungen ' zu öffnen, erwiderte er einfach und schlicht:Verfügen Sie ganz über mich, Frau Amalie. Sie haben nur zu befehlen, damit ich gehorche."

Sie lächelte, weil sie die Auffassung seiner Treue kannte. | Als sie ihn aber, nachdem sie den Schleier bis zur Stirn

hervorgeschoben hatte, groß und voll anblickte, verstand er ihre stumme Sprache, die ihn mit süßem Weh erfüllte. -

Das Kind hatte lustig weiter geplappert; nun, als es sich so plötzlich trennen sollte, zeigte es Anwandlungen, die Mißvergnügte zu spielen.

Komm', mein Schäfchen, ich will Dich putzen, wir gehen zur Großmama. Onkel bleibt noch hier und kommt dann mit," schmeichelte Amalie.

Dann stürmte sie mit der Kleinen hinaus.

Zehn Minuten waren kaum vergangen, als sie zurück­kehrte, diesmal Wanda an der Hand haltend, da'diese, die erste Kraft in den Beinchen fühlend, nicht eher geruht halte, bis sie neben der Mama hermarschiren durfte.

Sieht sie nicht stolz aus?" fragte Amalie, die, im Augenblicke den Ernst ihres Schrittes vergessend, nur Augen für ihr Kind hatte und es mit stillem Entzücken betrachtete.

Und obl Wie eine kleine Prinzessin," erwiderte Schöbel lachend und katschte in die Hände, weil er wußte, daß Wanda das gern hatte und vor Freude jedes Mal ihre Zähucheu zeigte.Weuu ich nur solch einen Mantel und einen derartigen Hut hätte," scherzte er weiter, knixte nieder und streckte der Kleinen seine Hände entgegen, damit sie auf ihn zukäme.

Plötzlich erstarb sein Lächeln, denn ihm fiel etwas ein, was er bisher nicht erwähnt hatte. Mit einem Ruck erhob er sich und trat ans Fenster, gegen dessen Scheiben die. ersten großen Regentropfen knallten. Noch immer schwankte dieAmalie" auf dem stürmisch bewegten Wasser hin und her, Deichmann aber war nicht mehr zu sehen.

Wonach gucken Sie denn?" sagte Amalie leichthin. Das Wetter soll uns nicht hindern."

Wäre es nicht besser, Sie schickten noch einmal nach dem Wagen?" gab er zurück, gepeinigt von der Angst, es könnte plötzlich ein Dritter dazwischen kommen.

Sie errieft), was er meinte, verzog die Schultern und erwiderte daun, während sie sich zu dem Kinde niederbeugte, um das Hutband fester zu knüpfen:Sie denken an meinen Mann? Der sitzt irgendwo fest. Meiuetwegen mag er auch kommen. Um so glatter wird gleich die Rechnung."

Sie hatte die Worte kaum gesprochen, als Deichmann hereinirat. Sofort verschwand seine aufgeklärte Miene, als er Mutter und Kind zum Ausgehen gerüstet sah.

Du wirst doch nicht etwa einen Besuch machen bei diesem Wetter?" fragte er, nachdem er näher getreten war unt> die Mütze vom Kopfe genommen hatte.

Sie verlor teilten Augenblick ihre Ruhe. Ohne sich in ihrer Beschäftigung stören zu lassen, gab sie zurück:Ich habe dringend in Berlin zu thuu."

Bei Mama?"

Sie nickte nur. Geärgert durch ihr Schweigen fuhr er fort:Und Wanda soll mit bei dem Regen?"

Mama wünscht es. Sie möchte sie auch einmal in der Stadt bei sich sehen."

Davon weiß ich ja aber garnichts," fiel er kurz mit geröthetein Gesichte ein. Zwei Flaschen Wein im Leibe, be­rührte es ihn nuangenehm, Schöbel mit der Ruhe eines Felsblockes noch immer auf derselben Stelle stehen zu sehen. Zum ersten Male verließ ihn seine Ueberlegeuheit, mit der er auch in Gegenwart des Hausfreundes ähnliche kalte Zwiegespräche eittgegenzunehmen pflegte.

Sie hatte sich erhoben, spielte die Gleichgültige und er­

widerte mit durchaus liebenswürdigem Lächeln:Mein Gott, Du verschweigst mir ja auch so Manches! Weshalb sollte ich nicht einmal dasselbe thun?"

Er nagte an feiner Unterlippe, machte ein paar Schritte durchs. Zimmer, richtete einige Kosemorte an die Kleine und wandte sich dann wieder an Amalie:Gedenkst Du lange fort zu bleiben?"

Das kann ich Dir wirklich noch nicht sagen. Je nach­dem Mama mich zurückhält. Mach' Dir nur feine Sorgen, wenn wir die Nacht in Berlin zubringeu sollten. Wir sind ja immer gut aufgehoben bei Mama, das weißt Du doch."

Es klopfte. Das Hausmädchen trat herein und meldete, daß dieKutsche" vorgefahren sei.

Es ist gut, ich werde gleich kommen," sagte Amalie und sprach dann zu Wanda:So, mein Püppchen, nun kann die Reise losgehcu."

Hat Manta den Wagen geschickt?" fragte Deichmann, dem plötzlich Etwas zu dämmern begann, was ihn erzittern machte.

Nein, ich habe mir hier einen bestellt," gab sie, sich zur Ruhe zwingend, zurück. Ihr Herz hatte schneller zu klopfen begonnen, ihr Blut war in Wallung geralhen, und langsam regte sich nun die Neigung in ihr, ihm offen zu sagen, was sie vorhabe.

Ja, weshalb fährst Du denn nicht mit der Bahn?" fuhr er mit verhaltenem Aerger fort.

Weil ich nicht will!" kam es schneidend über ihre Lippen, während ein flammender Blick ihn traf.Ich habe Dich ja niemals gefragt, weshalb Du Deine Fahrten nach Friedrichshageu immer per Boot machtest."

Als er sie ansah, ahnte er Alles, wußte er, daß sie ihn verlassen wollte, um nicht mehr zu ihm zurückzukehren. Und im Augenblick war es nur der eine Gedanke, der ihn beschäftigte: daß durch diese Trennung ihm die goldenen Flügel für ewig beschnitten werden könnten und er dann einem gerupften Vogel gleichen würde, der fortan kümmerlich durchs Leben Hüpfen müßte.

Er wollte Schöbel aus deut Zimmer haben, und so sagte er, zu diesem gewendet, höflich aber bestimmt:Ich glaube, daß Sie meinen Schwager im Gesellschaftshause finden werden, wenn Sie ihn zu sprechen wünschen."

Er hatte gelogen, aber er hätte tausend Lügen über seine Lippen gebracht, um fünf Minuten des Alleinseins mit seiner Frau dafür zu erkaufen.

Schöbel, bereits peinlich berührt von dem Zusammen­prall der Beiden und nicht wissend, was er thun sollte, nickte zustimmend und wollte sich entfernen.

Sofort aber sagte Amalie mit einer Handbewegung: Bleiben Sie, Herr Paul. Gustav befindet sich in bet Fabrik. Ich biete Ihnen bis dort meinen Wagen an, wir müssen ja doch auf der Chaussee vorbei."

Sie hatte geklingelt und Wanda dem Mädchen über­geben, weil sie nicht wollte, daß des Kindes reine Seele zum ersten Male schlimme Eindrücke empfange.

Als die Thür sich geschlossen hatte, stellte sich Deich­mann vor Amalie hin, blickte sie fest an und fragte mit zuckenden Lippen:Was soll das Alles heißen?"

Ef heuchelte Ruhe, aber au seiner Blässe sah sie, was in ihm vorging.

(Forfletzung folgt.)

Vermischtes.

g * Das Laichen unserer Küstenheringr konnte von dem s .Ober-Fischmeister Hinkelmonn gelegentlich der Entdeckung des Herings-Laichplatzes im Nord-Ostsee-Kanal unter Kilometer 75 zwischen Sehestedt und Rendsburg aus unmittelbarer Nähe be- gfr.obachtet werden. Während die Beobachtung desLaichgeschästs auf dem offenen Oeean außerordentliche Schwierigkeiten bereitet und t8 bisher nicht gelungen ist, den Hering im Aquarium zum : Laichen zu bringen, gestalteten sich hier die Beobachtungs-Ber- i hältnisse äußerst günstig. Das Waffer der Kanalriune lag unter dem Schutze des hohen Ufers und wurde von der Aprilfouue er« ? wärmt. Die Lage des Laichplatzes wurde zudem durch das in der ; - Nähe herabstiirzende Süßwaffer des alten Eiderbettes begünstigt, das £" dem Kanalwasser den für das Laichen erwünschten brakischen - Charakter verlieh. Das klare Waffer über dunklem Steingrunde gestattete ungetrübten Durchblick. So konnte der Ober-Fischer- MLieister nun beobachten, wie die leicht zu erkennenden Weibchen dicht V an den Pflanzen entlang fuhren und den Laich absetzten, und wie ss die Männchen über sie hinweg pfeilschnell kreuz und quer dahin- -> schossen. Am Abend und am Morgen war die beste Zeit des E; Laichens. Eine genaue Untersuchung des Verhältnisses der Milchner fe. und Rogener zu einander ergab, daß auf 100 Heringe dnrch- V schnitt!ich 46 Männchen kamen, mithin beide Geschlechter in an- B Nähernd gleicher Anzahl vertreten waren.

<Z) Ueber dl« Leldenthat eines weiblichen Arztes ' - «ntee Indianern erhalten dieAllgemeinen Wissenschaftlichen jH Berichte" eine interessante Mittheilung aus New-Bork. Unter den k Moqui-Jndianern im Staate Arizona herrschen feit einiger Zeit y die Pocken mit so bedrohlicher Heftigkeit, daß die Vernichtung des M ganzen Stammes befürchtet wird. Die Krankheit fall sich unter E den armen Rothhänten so festgesetzt haben und so schlimm auf- E> treten, daß jeder Grad von Pessimismus gerechtfertigt erscheint. p~<9hin hat sich eine junge Aerztin, Miß Dr. Mary Mac Kee, mit ihrer H ganzen Kemilniß und Energie der Bekämpfung der Epidemie unter L den Indianern gewidmet, nur unterstützt von einem Landwirth, der fr »on der Regierung der Vereinigten Staaten zur Unterweisung teuer tfr Indianer im Ackerbau abgesandt wurde. Der weibliche Arzt hat 2 bereits alle der Heilkunde zur Verfügmig stehenden Verfahren f angewandt, um eine weitere Verbreitung der Pocken unter den Indianern zu verhindern, sie hat dieGesuuden geimpft, die Hütten l ausgeräuchert, die Gegenstände von Kranken und Verstorbenen W-verbrannt und damit keine leichte Aufgabe erfüllt. Die Indianer s- hängen an dem Glauben, daß die Krankheit von einem bösen fr Geiste ausgehe und nur durch Gesang und andere Ceremonien be- t kämpft werden könne. Miß Mac Kee hielt sich nicht lange mit den U Ver uchen, die Indianer von diesem Glauben zu bekehren, auf, g. sondern ließ mit Erlaubniß des Regierungsbeamten den ganzen i? Stamm versammeln, um an jedem Einzelnen die Impfung vor- ß- zunehmen. Die Indianer widersetzten sich auch nicht, hielten das 8 Ganze vielmehr für einen Scherz. Das Äusräucher» ihrer Hütten M dagegen nahmen sie schon mit Mißvergnügen entgegen, und die Uu- fr zufriedenheit erreichte ihren Höhepunkt, als die fremde Fran Kleider, F Betten und HauSgeräthe dei an Blattern Verstorbene» in die

etwas selbständig zu erziehen, ihm 20 Mark daß Mucki jeden Groschen in das eigens

. 00,40 . 00,20 . 00,40 . 00,20 . 00,50 . 00,25 . 00,75 . 00,10 . 00,50

Flammen warf. Die Hinterbliebenen sahen sich um das erhoffte Erbe gebracht und erhoben gegen einen so eigenmächtigen, für sie un­verständlichen Eingriff heftigen Widerspruch. Dennoch ließ sich die furchtlose Dame nicht beirren und brachte eS wirklich dahin, daß in 2 von den 7 Moqui-Dörfern alle Hütten einer gründlichen Reinigung und Räucherung unterworfen und alle Bewohner geimpft wurden. Die anderen Dörfer hatten nun von diesem Vorgang gehört, und als Miß Mac Kee mit ihrem Begleiter in dem dritten Dorf ihr nütz­liches Werk beginnen wollte, wurde ihr von dem Häuptling bedeutet, daß sie nicht eingelassen werden würde. Er sagte, seine Leute wären bereit, jede Meinem einzunehmen, die ihnen Miß Mac Kee ver­schreiben würde, aber sie ließen weder ihr Hausgeräth verbrennen, noch ihren Frauen und Kindern den Arm verkratzen. Alle Erklärungen über die wohlthätige Wirkung dieser Maß­nahmen blieben nutzlos, auch die Warnung, daß ohne sie der ganze Stamm untergehen müßte, traf auf taube Ohren. Aber die Aerztin war nicht gesonnen, ihr erfolgreich be­gonnenes Werk im Stich zu lasten und, entschlossen, die Indianer auch gegen ihren Willen zu retten, veranlaßte sie, durch den Agenten der Regierung telegraphisch Truppen aus Washington zu requiriren, um einen Druck auf die Indianer auszuüben. Der Sekretär des Kriegsamls gab den Befehl, sofort von Fort Wiuaate aus eine Compagnie zum Schutze von Miß Doctor zu senden, damit sie ihren Auorduungen Gehör zu verschaffen vermöchte. Die Regierung hat ihre Zustimmnna geäußert, daß Miß Mac Kee jeden Möqui-Jndianer impfen dürfe, auch wenn sie mit einer noch größeren Truppenmacht zur Unterstützung komme» müßte. Eine Zwangsimpfmig in so vollkommenster Bedeutung des Wortes ist vielleicht noch niemals dagewesen, und die Jmpfgegner mögen den armen Indianern, die gegen ihren Willen gerettet werden sollen, mit möglichster Energie zu Hülfe eilen.

W Eine Miniatur-Kriegsflotte wird gegenwärtig in den Vereinigten Staaten hergestellt. Je mehr die Kosten für den Bau der großen modernen Kriegsschiffe gewachsen sind, desto dringender ist die Forderung geworden, die Bauart erst an Modellen auf ihren Werth zu prüfen. Das Marine-Ministerium der Vereinigten Staaten hat nun ein besonderes Versuchsbassin anlegen lassen, um die Modelle der zu erbauenden Kriegsschiffe darauf einer Unter­suchung zu unterwerfen, ob etwa in der Form des Schiffsrumpfes ein Fehler sei. Das hat man nun wohl auch schon in anderen Ländern gemacht, aber die Amerikaner haben das Verfahren wesentlich vervollkommnet. So hat das Arsenal in Washington jetzt von einer großen Firma aus Baltimore eine Maschine bezogen, die es ermöglicht, aus einem Holzblock ein Schiffsmodell in voll­kommener Uebereinstimmung mit einem gegebenen Vorbild ails- zuschneiden. Es wird zunächst aus dünnem Holz in der gewünschten Form ein kleines Modell oder ein Schiffsskelett konstruier, das an sich einer direkten Prüfung noch nicht unterworfen werden kann. Daun schneidet man mit jener Maschine genau nach dem Muster ein massives Modell, das nun ins Wasser gebracht und gewissen Schwimm- und Fahrt-Proben unterzogen wird. Eine Einrichtung, die nn die bekannte Methode des Pantographen er­innert, gießt die Möglichkeit, das massive Modell in jedem beliebigen Größcuverhältuiß zu dem ursprünglichen herzustellen, es wird durch

scharfe Messer direkt aus einem großen Holzblock herausgeschnitten Das Bassin, das für die Versuche im Arsenal von Washington angelegt worden ist, ist 168 Meter lang und 18 Meter breit, att seinem Rande wird es von einer kleinen Eisenbahn umzogen, auf der ein Wagen läuft. Dieser Wagen kann durch Elektricität mit verschiedenen Geschwindigkeiten bis zu der rasenden Schnelligkeit von 609 Meier in der Minute bewegt werden, an ihn werden die kleinen Modelle, die im Wasser liegen, befestigt. Durch eine ein­fache Berechnung kann nun der Widerstand ermittelt werden, den die verschiedenen Schiffstypen ihrer Fortbewegung im Wasser ent- gegenscheu und der Ingenieur wird dadurch in die Lage versetzt, Mängel in der gewählten Form des Schiffes zu beseitigen.

* Don der Heilsarmee. In der Agriculture Hall ttt London, wo gegenwärtig die Ausstellung der Heilsarmee statt­findet, kann mau in der Fremden - Abtheilung auch hinge Salutiftinneu aus Lappland sehen, und ein Redakteur derDaily News" fragte eine von ihnen, welchen Eindnick London auf sie mache da nahm sie eine ernste Miene an, schüttelte ihren mit dem üblichenHalleluja-Hute" bedeckten Kopf und sprach: London? Was soll ich lagen? Alles, was ich hier sehe, ist neu für mich. Mau sieht so viel Menschen auf den Straßen, man begreift nicht, daß sie einander nicht über den Haufen rennen und zermalmen. Mir ist immer zu Muth, als ob sich ein schreckliches Unglück ereignen müßte. Und bann wie sündhaft ist London! An jeder Straßenecke ein Wein­baus! Und diese Betrunkenen, die zu Boden fallen wie die Mücken! Besonders bin ich erstaunt, daß es den Franeii erlaubt ist, Weinhäuser zu besuchen und zu trinfen, zu trinken! Früher hatte ich England immer rühmen hören, es fei ein gutes Land- ich wußte, daß England die Heimath der Heilsarmee ist. Und jetzt, wenn ich die Frauen in den Wirthshäusern trinken sehe, muß ich auSrufcn:Sann Gott im Himmel ein solches Land segnen? Das arme Mädchen aus dem Lande der Lappen erklärte schließlich, es freue sich, bald wieder in seine Heimath zurückzukehren.

* Das kluge Lottchen. Mucki soll die erste Bahureise machen, und zwar von Riffenheim, dem elterlichen Gute, nach Kallen zum Onkel Andreas, der die beiden Kinder seines einzigen Bruder» sehr liebt. Mucki soll mit dem Bummelzug fahren, verläßt um 10 Uhr Morgens Riffenheim und erreicht Nachmittags um 6 das Cntelgut, das er und Lotte Kallen nennen. Der Vater hat, um den 12-jährigen Jungen etwas selbständig zu erziehen, ihm 20 Mark gegeben und bestimmt, daß Mucki jeden Groschen in das eigens dazu angeschaffte kleine AuSgabenhest cintrageu solle. Als Onkel Andreas das Ausgabenheft zu lesen bekam, stand darin:

11,50

Bittet.......

Gepäckträger . . . . 1 Glas Bier . . . .

1 Limonade . .

1 Stück Kuchen . . .

1 Mal Gi'.rkensalat 1 Tasse Kaffee . . . , Rührei mit Schinken , Saure Gurke . . , Speien......