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1809
Freitag, i>e« 1 September.
Fernsprecher Ao. 52.
Ko. 408
Fernsprecher ’M». 52.
Abend-Ausgabe
schwebten in der Höhe von 7—8000 Meiern, Cumulo- Nimbns, die schwere Gewitterwolke, hing nur 1— 2000 Meter hoch über der Erde und Stratus, die niedrige Schichtwolke, nur 500—800 Meter. Im Allgemeinen schweben die Wolken im Sommer in größerer Höhe als im Winter, in heißen Himmelsstrichen gleichfalls höher als in kälteren. Sehr rasch wächst die Geschwindigkeit der Wolken mit ihrer zunehmenden Höhe. So betrug nach genauen Messungen die Geschwindigkeit 7—8 Meter in der Sekunde bei einer Höhe von 500 bis 1000 Metern, 20 Meter in der Sekunde bei der zehnfachen Höhe, also bei 5000 Meter, während sie bei einer Höhe von 9- bis 11,000 Metern 30 bis 40 Meter in der Sekunde betrug. Die Schnelligkeit der Wolken kann die des Sturms und des Orkans erreichen, also 50 Meter in der Sekunde und höher. Eine solche Geschwindigkeit der Wolken herrscht vor, wenn bei einem Gewitter ein heftiges Hagelwetter losbricht. Hagel ist wohl zn unterscheiden von Graupeln. Graupeln fallen meist nur im Winter und im Frühjahr, Hagel stürzt nur im Sommer beim Gewitter nieder. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Wenn Regentropfen bei ihrem Fallen zur Erde kältere Luftschichten passiren und dabei erstarren, so entstehen die kleinen Graupeln, es sind also einfach gefrorene Regentropfen. Der Hagel ist von zusammengesetzterer Form und beträchtlicherer Größe. Man hat schon Hagelkörner von mehr als 1 Kilogramm Gewicht aufgefunden.
Rach der neuesten Hagcltheorie von Marangoni rührt die große Abkühlung von der theilweisen Wiederverdampfung der gebildeten Tropfen her, und die Ursache dieser Wiederverdampfung ist in der großen Bewegung, in der großen Geschwindigkeit der Hagelwolken zu suchen. Da nun aber zur Verdampfung von 1 Kilogramm Wasser so viel Wärme verbraucht wird, wie um 71/* Kilo Wasser in Eis zu verwandeln, so ist die Bildung von beträchtlichen Eismasscn selbst in verhältnitzmäßigen niedrigen Luftschichten nicht so wunderbar.
Zur Erklärung des langen Verweilens der Hagelkörner in der Höhe hat man die Elektricität zn Hülfe genommen. Aus dem Umstand, daß oft durchsichtige Eisschichten und schneeige Schichten mit einander abwechseln, hat man den
Schluß gezogen, daß die Hagelkörner zwischen zwei entgegengesetzten elektrischen Wolken, einer Regen- und Schnccwolke, hin- und hergeworfcn werden. Daß in der That große elektrische Spannungen in den einzelnen Theilen der Hagelwolken vorhanden sind,' geht aus dem Umstand genügend hervor, daß bei Hagelwettern stets Flächenblitze, meist sogar in ununterbrochener Folge, beobachtet werden. Flächenblitze sind aber bekanntlich solche, die nicht von der Wolke zur Erde, sondern von Wolke zu Wolke oder innerhalb der Wolken zwischen einzelnen Theilen derselben überspringen.
Welche ungeheure EiSmassen ein Hagelwetter im Sommer bringen kann, das zeigte Wien am 7. Juni 1894. Im Mittelpunkt von Wien sielen 43,5 Millimeter Niederschlag, meist in Form von Hagelkörnern, das heißt ungefähr ein Ccntner auf den Quadratmeter. Wien glich nach diesem ftirchtbareir Unwetter thatsächlich einer bombardirten Stadt. In wenig Minuten waren über eine Million Fensterscheiben zertrümmert, Dächer waren zerstört und abgetragen, Bäume ihrer Zweige oder ihrer ganzen Krone beraubt worden. Das Unwetter ging Morgens nieder nnd noch Abends konnte man in den Straßen der heimgesuchten Kaiserstadt Eishaufen liegen seben, die Mannshöhe erreichten.
Doch auch Regenfälle können unendlichen Schaden anrichten, wenn sie die normale Menge überschreiten.
Nimmt man die jährliche Niederschlagsmenge gleich 100 an, so hat es Tage gegeben, die für einzelne Gegenden Wasscrmengcn brachten, welche andere Orte nicht in einem ganzen Jahr aufweisen.
So hatte Fiume am 30. September 1892 in 9 Stunden 208 Millimeter Regen, das heißt für die Stunde 24,5 Millimeter. Auch bei den letzten Wolkenbrüchen fielen an einzelnen Orten Regenmengen in 15 bis 20 Stunden bis zu 250 Millimeter. Im Mittel beträgt der Niederschlag für Deutschland 600 Millimeter auf das Jahr. Im Jahre 1893 fielen in Queensland vor der großen Ueberschwemmung vom 31. Januar bis 3. Februar auf einer Station 1903 Millimeter, in 12 Tagen 2670 Millimeter Regenmassen, alfo eine Menge, die selbst die feuchtesten Gegenden im Durchschnitt nicht in einem ganzen Jahr anfzuweisrn haben.
dies nicht der Fall, und die Hoffnung auf die Revanche ist in Frankreich niemals begraben worden und sie wird in absehbarer Zeit nicht begraben werden. Die französischen Beziehungen sind seit 1871 ein ständiges Auf und Nieder. Auf Konfliktszeiten, in denen ein Krieg fast als unvermeidlich erschien, folgten versöhnlichere Stimmungen, die wieder Mißstimmungen und Verstimmungen wichen. In letzter Zeit hat sich das Verhältniß zwischen Deutschland und Frankreich unverkennbar freundlicher gestaltet, aber wir stehen diesen Wandlungen skeptisch gegenüber, denn die Erfahrung hat uns gelehrt, daß Frankreich gegenüber weder Bcsorgniß noch Hoffnungen am Platz sind, sondern ruhiges Abwarten angebracht ist.
Eines freilich wissen luir mit Bestimmtheit, daß Frankreich sich zur Zeit nicht mit irgend welchen kriegerischen Plänen gegen Deutschland trägt lind daß es an solche Pläne noch auf lange Zeit hinaus nicht denken kann. Die Bürgschaft hierfür bieten uns die Zustände in Frankreich nnd in der französischen Armee. Der Verlauf des Dreyfus-Skandals hat gezeigt, daß in der französischen Armee nahezu anarchistische Zustände existiren, daß die Disziplin und die Achtung vor den Vorgesetzten schwer erschüttert ist und daß in der Spitze der Armee, in dem Gcneralstab, Lüge und Verleumdung, Betrug nnd Fälschung zu dem nothwendigstcii Rüstzeug gehören. Die unerhörte Meuterei französischer Offiziere im Sudan hat gezeigt, wohin die trostlosen Zustände in der französischen Armee noth- wendig führen müssen. Mit einer solchen Armee schlügt man keine Schlachten und gewinnt nian keine Kriege. Hier ist die Erklärung dafür, weshalb Frankreich in der Faschoda- Affaire vor England unrühmlich znrückwich und weshalb ein französischer Kricgsminister als Ritter voll Furcht und Tadel eine bange Nacht hindurch knieschlotternd davor beben konnte, daß Deutschland gegen Frankreich mobil mache.
Noch größeren Anlaß zur Besorgniß vor einem Kriege als die französische Armee hat die französische Republik, die zur Zeit mehr Werth ans den Schutz vor der Armee als durch die Armee legt. Die dritte Republik hat cs nach nahezu 30-jährigem Bestehen nicht mehr nöthig, in ihrem Interesse einen Krieg herauszubeschwören, denn sie Hütte dabei nur zu verlieren und nichts zu gewinnen. Bei einem verlorenen Kriege würde ihr das Schicksal von 1870 blühen, bei einem gewonnenen Kriege, der allerdings eine andere Armee voraussctzt, würde der siegreiche General an die Stelle des republikanischen Regimes treten. Deutschland erfreut sich seit 28 Jahren des ungestörten Friedens. Wir hoffen, daß dies noch auf lange Zeit hinaus der Fall sein wird, und wir sehen die Zustände in Frankreich, das zu seiner Regeneration langer Jahre ungestörten Friedens bedarf, als die sicherste Bürgschaft dafür an, daß dieser Friede von französischer Seite aus in absehbarer Zeit keine Gefährdung erfahren wird.
Zur Srdanfrler.
Morgen begehen wir festlich die letzte Scdanfcier in dem seinem Ende zuneigenden 19. Jahrhundert. Aber wenn auch in dem 20. Jahrhundert, an dessen Schwelle wir stehen, die äußere Feier des Sedanfestcs vielleicht allgemach nicht mehr so glänzend gestaltet werden sollte, wie das bisher L gehalten worden ist, so wird doch damit dieses Fest nicht an Bedeutsamkeit und die Erinnerung an jene Zeit, deren Andenken wir in dem Scdaufest feiern, nicht an Stärke verlieren. Bedeutet uns doch das Sedanfest weit mehr als die stolze Erinnerung an eine gewonnene Entscheidungsschlacht, | an die Gefangennahme einer Armee und eines mächtigen Monarchen, denn weil gewaltiger als die kriegerische ist für uns die politische, die nationale Bedeutung deS Sedantages geworden. Aus den blutigen Kämpfen um Sedan ist die deutsche Einheit emporgewachsen und im Fener der Feld- schlacht ist dort die Kaiserkrone geschmiedet worden. Wir feiern den Sedantag als den Tag unserer nationalen Wiedergeburt, wir erinnern uns an ihm der heißen, schweren Kümpfe, unter denen wir unsere Einheit und Freiheit erkämpft haben.
Ein Volk, das so schwere Kämpfe durchmachen mußte wie das deutsche, bis es in der Einigkeit seinen Halt und seine Kraft fand, wird nie in kriegerischer Eroberungssucht, fonbern stets nur in friedlich-wirthschaftlicher Entwicklung, in kulturellem Vorwärtsstrcbcn sein Heil und seinen Beruf suchen, wenn auch freilich ein solches Volk alle Zeit auf der fc- Wacht sein wird, zn bewahren, was sein ist, den Besitz zu hüten, der ihm heimtückisch entrissen wurde und den es in ehrlichem Kampf zurückgewonnen hat. Die Enthüllungen des Drcyfus-Prozesses und die Verhandlnngen zu Rennes i haben gezeigt, daß nicht nur ein großer Theil des französischen Volkes, sondern auch die Führer der Armee und ein Theil der an der Spitze der Regierung stehenden Männer b in dem Irrwahn befangen sind, daß Deutschland sich mit kriegerischen Absichten gegen Frankreich trage. Dieser Glaube, der uns als der Ausfluß eines bösen Gewissens erscheint, M findet seine Widerlegung in der Geschichte der letzten 28 Jahre. Der Krieg von 1870 war, diese Thatsache wird selbst in Frankreich kaum noch von irgend einer Seite in Abrede gestellt, ein Angriffskrieg, dessen Zweck die Gewinnung deS linken Nheinufers für Frankreich war. „Prenons le Kinn“, diese I Parole wurde in der französischen Kammer offen ausgegcben. fcä, Der frivole Angriff schlug fehl und das siegreiche deutsche Volk war maßvoll genug, sich mit der Zurückforderung eines deutschen W Gebietes zu begnügen, welches Deutschland in trüber Zeit verloren hatte und das im Grunde kerndeutsch geblieben war.
Mit der Entscheidung von 1871 war das Conto mit Frankreich für uns erledigt. Auf französischer Seite ist
(Nachdruck verboten.) Wolkenbeobachtnugen.
Von Dr. Jul. Goos.
Eine wiffenschafiliche, systematische Beobachtung der Wolken ist erst in der allerjüngsten Zeit angebahnt morden. Früher begnügte man sich mit der Schätzung der Bewölkung, das heißt, man gab an, wie viel Theile deS Himmelsgewölbes zu einer gewissen Zeit mit Wolken bedeckt waren. Es geschieht dieses meist nach einer zehntheiiigen Skala. Man ist sogar in den Stand gesetzt, durch einen selbst- anzeigenden Apparat für jede Stunde des Tages die Be- H wölkung anzugeben. Diese Beobachtungen haben den Nachweis erbracht, daß Bewölkung und Sonnenschein sich so ziemlich ergänzen. Scheint die Sonne beispielsweise während des 0,60 Theils einer gewiffen Zeit, so ist die Bewölkung fast genau 1—0,60 — 0,40, also 40 pCt. Auch der Sonnenschein kann seine Dauer selbst aufzeichnen, sogar auf eine höchst deutliche und charakteristische Weise, durch den Campbell- Stockes Sonnenschein-Automat, der aus einer Glaskugel besteht und als Brcnnglas wirkt. Rückt die Sonne am Himmel weiter, was sie ja ununterbrochen thut, so bewegt sich der Brennpunkt des genannten Apparates in umgekehrter Richtung über ein angebrachtes, geeignetes Stück Papier, in welches ein Strich eingebrannt wird, so lange die Sonne scheint. Treten dagegen Wolken vor die Sonne, so bleibt das Papier unversehrt. Da das Papier in bestimmte Grade eingekeilt ist, kann man den Prozentsatz zwischen Sonnen- schein und Bewölkung leicht und sicher feststellen.
Den Zug der Wolken, bereit Richtung unb Geschwindigkeit kann man leicht durch den „Wolkenspiegel", ber, in bestimmte Felder eingekeilt ist, beobachten und feststellen. Weit schwieriger ist die Bestimmung, wie hoch die Wolken sich über uns befinden. Diese Feststellung erfordert sehr genaue Instrumente und mindestens immer zwei Beobachter. Erst aus neuerer Zeit liegen von einem französischen Gc- fc lehrten genaue Höhe-Messungen vor. Nach diesen befanden sich: Cirrus- ober Feberwolken in einer Höhe von 9- bis 10,000 Metern, Cirro-Cumulus, die bekannten Schäfchen,
Drrüschrs lleirf).
Berlin, 31. August.
L. Der „Neichsauzeiger" hat gesprochen.
Die Ucberraschungen in der inneren Politik nehmen fein Ende. Der „Neichsanzeiger" sollte angeblich schon gestern, spätestens heute, die Namen der zu entlassenden _ Verwaltungsbeamten veröffentlichen. Die Nachricht, daß der Kaiser die betreffende Verfügung bereits Ende voriger Woche unterzeichnet habe, war von ernstesten politischen Stellen in durchaus glaubhafter Weise berichtet worden. Heute Abend noch theilen die „Neuesten Nachrichten" mit, die Oberpräsidenten hätten die Verordnungen Über die Entlassung einer Anzahl von Beamten schon erhalten. Gleichzeitig bringt die „Kreuzzeitung" einen erbitterten Artikel gegen die angedrohte Maßregelung, die nach der Versicherung des leitenden konservativen Blattes eine ungleich höhere Bedeutung als die ganze Kanal-Vorlage haben würde. Die „Kreuzzeiiung" giebt zu verstehen, daß solche Maßregelungen das Verhältniß der Rechten zur Regierung in der unheilvollsten Weise beeinflussen müßten, und jedenfalls wurde der Artikel in der Meinung geschrieben, daß die angedrohten DiSzipliuirungcn auch wirklich kommen werden. Alle Welt also erwartete einen Blitzstrahl, und nun kommt der „Reichs- auzciger" und — donnert nur. Das Regierungsblatt veröffentlicht einen vom Fürsten Hohenlohe unterzeichneten Erlaß des Staatsmiiristeriums an säuimtliche Oberpräsidenten (den wir bereits im Wesentlichen im Morgenblatt mittheilten. D. R.). Man wird den Erlaß mit derselben Verwuudcrnng lesen, mit der man die Schlußrede des Fürsten Hohenlohe im Ab- geordnelenhause — am letzten Dienstag — vernommen hat. Beide Kundgebungen gehören zu einander und ergänzcir sich so vortrefflich, daß es ungefähr dasselbe gewesen wäre, wenn der Reichskanzler und Ministerpräsident den jetzigen Erlaß als Rede vor dem Landtage gesprochen und jene Rede jetzt als Erlaß im „Neichsailzeiger" veröffentlicht hätte. Das glaubt Jeder gern, daß die Staatsrcgieruug ein lebhaftes Bedauern über die mit einem Theile der politischen Beamten gemachten Wahrnehmungen empfunden hat. Die Belehrung über die politischen Pflichten der höheren Beamten ist sodann nicht neu; sie ist in anderer Weise schon durch den berühmten Erlaß vorn 4. Januar 1882 gegeben worden, wonach die politischen Bcamteii verpflichtet sind, die Politik der Regierung zu vertreten. Aber der Unterschied, der gleichwohl zwischen jenem Vismarckschen Erlaß und dem heutigen sich austhut, spricht keineswegs zn Gunsten des heutigen. Die ins Einzelne gehende Ausmalung der
Verbindlichkeiten der Verwaltungsbeaniten macht nur
scheinbar den Eindruck größerer Energie und ist
in Wahrheit dazu geeignet, Bedenken auch dort
hervorzurufen, wo man im Allgemeineu der vom Fürsten Hohenlohe bekundeten Ansicht über die Stellung jener Beamten
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