Verlag: Langgaffe 27
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N». 403
Mittwoch, den 30. Anguss
1899
Fernsprecher N». 52.
Fernsprecher Wo. 52
Morflen ■Ausgabe
Kleine Chronik.
Das Schulzc-Delitzsch-Denkmal in Berlin ist jetzt mit geschmackvollen Gartenanlaaeii umgeben worden. Nördlich und südlich von dem Denkmal ist auf dem kleinen Platze je eine Rasen- anlage hcrgcstellt worden, auf der sich bereits grüne Sträucher aller Art und blühende Sommerblumen erheben.
Bei Schwieringhausen schlug ein Boot auf dem Dortmund» Ems-Kanal um. Das Boot hatte 6 Insassen, darunter 2Kinder Zwei Personen wurden gerettet, die übrigen ertranken.
Zsür öen Monat September
auf das
n „Wiesbadener Tagblatt"
| Zu aboiliiiren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgaffe 21, i bei den Ausgabestellen, den Zweig-Lxpeditionen in den Nachbarorten und sämmtlichen deutschen Reichspostanstalten.
<1- Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis; durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. eo Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusamnicn.
must aus den Verhandlungen auch das Ergebniß ziehen, daß es die Pflicht ihrer berufensten Vertreter ist, nicht nur die Bestrebungen auf eine gründliche wissenschaftliche Vorblldung des thicrärztlichen Standes auf das Energischste zu unterstützen, sondern auch dafür cinzutreten, daß die beamteten Thierärztc von Staatswegen so gestellt werden, daß sie vollkommen unabhängig gemacht werden von der Rücksicht auf die Einkünfte aus der Praxis und daß dieser Stand diejenige Unterstützung findet, deren er nothwendig bedarf, um in seinem Ansehen gehoben und in seiner Autorität befestigt zu werden.
Für die Gesetzgebung aller Länder hat der internationale thicrarztliche Kongreß in seinen Beschlüssen ein reichliches Material niedcrgelegt und für die Volksvertreter vom Standpunkt der Wissenschaft eine Menge von Beweisniitteln an die Hand gegeben. So wünschen wir denn, daß die Ergebnisse des Kongresses zum Schutz und Schirm der Viehbestände der Kulturvölker ausschlngcn und eine reichliche Förderung der thierärztlichen Wissenschaft rind des thicrärztlichen Standes in die Wege leiten mögen.
«nzei-en-PreiSt
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künstliche Blumen den natürlichen gleichwerthia erachtet werden, so finden wir das unverständlich. Auch mutz bei einer Preisvertheilung nicht vergessen werden, wie ungleich schwieriger cs ist, einen frischen, lebenden Blnincnschmuck anzubringen, wozu ja doch nur wenige Stunden bleiben, als einen künstlichen, den man schon viele Tage voraus fertig stellen kann. Was die Verwendung von Stoffen, Drapcriecn, künstlichen Vögeln rc. betrifft, so unterstützt dieselbe den Blumenschmuck oft sehr wirkungsvoll; doch mutz sie stets Nebensache bleibe«. Herrscht sie aber vor, wie wir am Sonntag bei einigen Gruppen zu beobachten Gelegenheit hatten, so werden vielleicht, besonders bei der Kürze der BeobachtungSzeit, größere Effekte erzielt; der natürliche Blumenschmuck mutz aber dann bei all seiner anmuthigen Pracht znrückstehen. Damit wird aber auch der Name Blumen- korso hinfällig und er würde, wie uns Jemand mehr im Ernste als im Scherze vorschlug, besser heißen: Stoff-und Papierblumcnkorso. Da nun die meisten und auch ersten Preise, soviel uns er» erinnerlich, auf Vereine und Gruppen mit vorzugsweise künstlichem Blumenschmuck fielen, so dürfte wohl die Frage erlaubt sein, nach welchen Gesichtspunkten die Herren Preisrichter denn die Preise für schönsten Blumenschmuck zuerkamst haben? Da nun in Zukunft hier in Wiesbaden geplant ist, öfters Korsos stattfinden zu lassen, so dürfte im Interesse sowohl der privaten als der Berufsgärtnerei der Wunsch am Platze sein: Der Blnmenkorso den Blumen. Dann ist der Korso auch, was er sein soll und in anderen Städten, wie Nizza und Baden-Baden, thatsächlich ist, im reichen Blumenschmuck ein farbenprächtiges Bild der jeweilig herrschenden Jahreszeit.
* Die kürzlich im .Tagblatt" erschienene .Stimme" wegen des anstößigen, rnrnenhaften Aeußeren mancher Häuser in einer der Hauptstraßen unserer Stadt, der Kirchgasse, hat theilweiscn Erfolg gehabt, und es freut uns, feststellen zu könneit, daß hier und da mit dem Verputz der betreffenden Gebäude bereits begonnen worden ist. Ob dies auf behördliche Intervention geschehen ist ober nicht, wollen wir nicht näher untersuchen, zur Ehre der be- theiligten Grundeigenthümcr aber annehmen, daß sie <ms freien Stücken ihrer Pflicht, durch Verwahrlosung ihrer Gebäude nicht länger mehr öffentliches Aergcrniß zu erregen, nachgekommen sind. Andererseits muß dagegen ebenso konstatirt werden, daß die oben erwähnte „Stimme" in der Hauptsache noch ihren Zweck bis jetzt oersehlr hat. Ehe wir dazu iiberaehen, in der das öffentliche Interesse ganz entschieden berührenden Angelegenheit an dieser oder anderer Stelle deutlicher zu werden, möge es bei der heutigen abermaligen Anregung zunächst sein Bewenden behalten. Vielleicht kommt gewissen Leuten inzwischen doch endlich noch das Bewußtsein, daß der Hausbesitzer nicht nur Rechte aus Kasse, sondern auch Pflichten hat, Pflichten gegen seine Micther und Pflichten gegen die Allgemeinheit!
Mehrere Hausbesitzer der Kirchgasse.
* So viel ich weiß, cxistirt eine neuere dankenSwerthe Polizei- Verordnung, nach welcher allen Fuhrleuten das. Peitschenknallen resp. Anbrrngcn einer Schmicke an die Peitsche verboten ist. Man kann sich stündlich in jeder Gegend der Stadt davon überzeugen, daß Niemand sich an dieses Polizeiverbot kehrt und hauptsächlich jugendliche Wagenführer ohne Nothwendigkeit — nur zum Vergnügen — flott mit der Peitsche knallen. Diesem Unfug soll die Polizei einfach dadurch steuern, daß schon das Anbringen einer sogenannten Schmicke an die Peitsche bestraft wird (ist strafbar bei Lastfuhrwerken. D. R.) und dem ganzen Unfug etwas energischer als seither zu Leib geht. Ich bringe bei dieser Gelegenheit zur Sprache, daß in Berlin auch den Droschkenkutschern — entgegen dem hiesigen Usus — das Peitschenknallen polizeilich untersagt ist, und bin der Meinung, daß es am zweckmäßigsten märe, das Schinickeverbot auch auf die Droschkenkutscher auszudehnen, da dieselben mit unnötbigem Peitschenknallen ebenfalls vielfachen Unfug treiben. Ein derartiges Verbot wäre für Wiesbaden als Kurort ganz besonders am Platz, nnd was in Berlin polizeilich untersagt ist, sollte hier nicht straffrei sein. Alter Kurgast. (Es ist erstauulich, mit welcher Ruhe sich innerhalb des Ricsenverkchrs in Berlin speziell auch das Droschkenfuhrwesen vollzieht. Von dem Knallen mit Peitschen, dem lauten „He hopp", welches die Kutscher anderwärts zum besseren Fortkommen glauben nöthig zu haben, hört man dort nichts. Ein Zischen oder halblautes „He" genügt ihnen, um das in den Weg kommende Publiknm auf das veraunahen ihrer Vehikel aufmerksam zu machen, und der Zweck Wird ebenfalls erreicht. Die Red.)
* Sehr geehrter Herr Redaklcur! Wir erlauben nns, Sie zir bitten, durch eine Notiz in Ihrer Zeitung auf die Aenderung folgender Zustände Hinweisen zu wollen. Jeden Abend gesellen sich auf der Straße zwei Männer zu anständigen Damen, von denen der eine nur einen Arm hat und der andere ein großer, blonder Mensch mit anscheinend schadhaftem Auge ist, und machen denselben gemeine Anträge. Werden sie zuruckgewiescn, dann drohen sie mit Schlagen und Sittenanzeige und schinipfen in gemeinster Weise. In der Hoffnung, daß Si«, geehrter Herr Redakteur, unsere Bitte erfüllen, sagen wir Ihnen für Ihre Güte im Voraus unseren Dank. Mehrere Frauen.
O llenborf, 28. August. Heute Nachmittag ereignete sich auf der von hier nach der Rheingaustraße führenden Straße ein bedanernsmerthcr Unglücks fall. Während des Gewitters wurden die Pferde einer Droschke scheu und rannten mit dem Gefährt einen hohen Abhang hinunter. Bei dem Unglück brach eine der Insassen einen Arm, die andere ein Bein; der dritte, sowie der Kutscher kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die Droschke war vollständig zertrümmert.
* Frankfurt a. M., 29. August. Dem Oberbürgermeister Ad icke s wurde vom Regierungspräsidenten Dr. Wentzel das folgende ihm aus der kaiserlrchen Kabinettskanzlei zugekommene Telegramm zur Veröffentlichung übermittelt :,©e. Mas. derKaiser haben tbreunb des Herrn Oberbürgermeisters Meldung von dem glänzenden Verlauf der dortigen Veranstaltungen zur Feier des 150. Geburtstags Wolfgang v. Goethe? huldvollst entgegen genommen und lassen bestens danken. Se. Majestät nehmen herzlichen Autheil an der Feier des bedeutungsvollen Jubeltages, der Frankfurt den größten Bürger und dem deutschen Vaterlande den unerreichten Dichterfürsten geschcickt hat. Ans allerhöchsten Befehl v. LucanuS."
Ans Stadt und Zand.
Wiesbaden, 30. August.
— Gefchichlsfialender. 30. August. 1896: f Fürst Lobanow, russischer.Minister. 1870: Schlacht bei Beaumont, das Corps Faillh vernichtet. 1813: Niederlage der Franzosen bei Kulm, Gefangennahme Vandammes. 1681: Erlaß der deutschen Reichskriegsverfassung, wie sie bi? zun, Ende des 18. Jahrhunderts bestand.
— Der U»»fnll des Grotzherzogs Adolph, lieber den dem Großherzog von Luxemburg zugestoßeuen Wagenunfall wird des Näheren ans Hohenburg mitäetheilt: Der Großherzog fuhr mit Gefolge in 2 Wagen nach dem sogenannten Fallerhos spazieren. Den ersten Wagen führte er selbst, neben ihm saß die Baronin Ritter, im Innern Fliigeladjutant Hauptmann van Dyk und eine Dame. Gras Metternich führte den zweiten Wagen, in welchem sich Baronin Hirkchberg, Baronin Apor und Baron Ritter befanden. Die Brücke über die Walchen ist vor einiger Zeit ausgebessert worden. Hier gerieth der Wagen des Grobherzogs, der glücklicher Werse Schritt fuhr, mit den Vorderrädern zwischen die versteifenden Balken, da diese nicht genau aufeinander passen; es gab einen Widerstand, von dem Ruck wurden die Vorderräder unter dem Wagen weggerissen und die Insassen zu Boden geschlendert. Dieselben sielen links zwischen Brückengeländer und Wagen. Die Pserde gingen durch und wurden erst in der Ortschaft Fall eingefangen. Den Grobherzog brachte man sofort ins nahe Zollhaus (bie Unfallstelle liegt dicht an der österreichischen Grenze). Der rasch herbeigeholte Arzt konstatirte, daß der hohe Herr nur äußerlich verletzt sei, und zwar durch Kontusion der linken Rücken- und Brustseite, sowie der linken Gesichtshälfte. (Der Unfall, den der Großherzog im Mai vorigen Jahres erlitten hatte, bestand in einem Bruch des linken Schenkelhalses. Nach obiger Mittheilung ist zum Glück die damalige Bruchstelle nicht in Mitleidenschaft gezogen.) Ein soeben vom Hos- marschall eingegangenes Telegramm besagt: Alles auf Weg Besserung, Nacht gut.
— Jüdisches Neujahrsfest. Für das am nächsten Montag Abend beginnende jüdische Neujahrsfest hat der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, um einer UeberfüUung der Synagoge am Michelsberg vorzubeugen, den Saal im ersten Stock der „Loge Plato", Friedrichstraße 27, gemiethct, woselbst ein zweiter Gottesdienst abgehalten wird. Wir machen auf die diesbezüglichen, in unserem Blatte veröffentlichten Bekanntmachungen nochmals aufmerksam mit dem Bemerken, daß zu beiden gottesdienstlichen Veranstaltungen nur solche Personen Sutritt erhalten, welche mit Einlaßkarten versehen sind; auch die chülcr und Schülerinnen, für welche Plätze in der Synagoge (Michelsberg) angewiesen werden, müssen ihre Oiitrittskarten vorzeigen. Die Kartenausgabe erfolgt täglich in den Vormittagsstunden auf dem Gemeindebüreau, Emserstraße 6.
— Derfchkuckren bei Kindern. Es ist ganz verkehrt, wenn man beim Verschlucken den Kindern auf den Rücken klopft, und ebenso zwecklos. Ein einfaches Mittel besteht, wie der .Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, darin, daß man die beiden Hände des Kindes faßt und die Arme gestreckt nach oben hält. Dadurch erweitert sich bie Brust, sodaß das Uebel augenblicklich verschwindet.
— Du dem MordnnfaU bei Hetzloch ist leider zu berichten, daß das Opfer desselben, der HeßlocherEinwohner Adolf Kilian, an den Folgen des meuchlerischen Ueberfalls gestern gestorben ist. Vis jetzt ist der Schurke, welcher das junge Leben auf dem Gewissen hat, noch nicht ermittelt.
d. Erhängt hat sich gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr in einem hiesigen Badhaus ein eben erst zugereister, im besten Mannesalter stehender Fremder. Was den Unglücklichen, deffen Namen bis jetzt nicht bekannt ist, bewogen hat, Hand an sich zu legen, weiß man nicht. Die Leiche wurde in die Leichenhalle auf dem alten Friedhof gebracht.
— Kleine Dotixen. Der Mechaniker Jakob Gottfried, dessen Namen in dem gestrigen Strafkammerbcricht genannt war, bittet uns, die unwesentliche Thaisache sestzustellen, daß der betreffende Fahrrad-Entleiher kein Bekannter von ihm sei.
Stimmen ans dem Publikum.
(3üt BcröffcnIIichuugen unter vieler Ueberschrisi ütcrmmmt die Sebattion keinerlei Brrantiocrtitng.)
* Der Radfahrer-Blumen ko rso bot am Sonntag in unseren Kurstraben cm farbenprächtiges Bild. Und doch wurde Einsender dieses in einem Punkte recht unangenehm enttäuscht. Man nennt Wiesbaden oft und mit Recht eine Stadt der Blumen; ein Vlumenkorso in der Blumenstadt dürfte daher wohl die Hoffnung erwecken, recht viele der lieblichen Kinder Floras bei demselben zu erblicken, umso mehr, da ja gerade für schönsten Blumenschmuck mannigfache Preise in Aussicht gestellt waren. Wir erblickten denn auch sowohl an den Rädern einzelner Vereine, wie auch ganz besonders in den Einzelgruppeu prachtvolle Blnmen-ArrangeinentS, doch mußten wir bie betrübenbe Erfahrung machen, daß in weit größerem Maße als natürliche Blumen künstliche Blumen und ganz besonders auch zum Theil recht schwere Stoffdrapcricen zur Verwendung gelangt Waren. Wenn Radfahrer aus weiterer Entfernung ihre Räder mit künstlichen Blumen schmucken, so finden wir das begreiflich und verzeihlich, denn natürliche Blumen haben nun einmal die unangenehme Eigenschaft, daß sie verwelken; wenn nun aber auch bei dem Schmuck der Einzelgruppeu, die ja doch, so viel wir wissen, bis auf eine Ausnahme ans hiesiger Stadt waren,
Rückblick auf dr» VII. internationalen thieriirrtttchen Kongreß.
l Einen Rückblick auf den VII. internationalen thicrärztlichen | Kongreß in Baden-Baden zu werfen, ist, so schreibt Fritz Bley in =' der »Tägl. Rnndsch.", ein im Ganzen erfreuliches Unternehmen; | denn der Verlauf des Kongresses in feiner streng wissenschaftlich WAchaltenen Art und Weise hat den allerbesten Eindruck hinterlassen.
Schon am ersten Tage, an dem die Sektionen für die Frage f der Regelung des internationalen Viehverkehrs und die Bekämpfung | der Maul- und Klauenseuche in Verhandlung traten, ergab sich ein | Bares Bild darüber, wie int Ganzen die Verhandlungen des Kongresses | Verlaufen würben. Die hervorragendsten Hochschullehrer aus den vcr- £ schiedenen Ländern, welche die Referate zu den einzelnen Verhanblungs- F tagen übernommen hatten, bekundeten übereinstimmend, daß die Thier- | Wände der einzelnen Länder, welche den größten Theil des Volks- U vermögens barstcllcn, des schärfsten Schutzes gegen die Einschleppung
Thierseuchen bedürfen; und die Ausführungen des Engländers k Tope in seinem Referat über den internationalen Viehverkehr MDffelten in dem Aussprüche, daß die allerrücksichtsloseste Ab- Qtarrung gegen verseuchtes ausländisches Vieh das einzigste Mittel WM nm bie Verbreitung der Thierseuchen wirksam zu bekämpfen. ■L An der Hand einer großen Anzahl von Beispielen wies gerade fr Tove nach, daß jede Art von Viehetnfuhr aus verseuchten Ländern, KÄb auch selbst die Schlachtung der Thicre an der Grenze, der Einschleppung der Seuchen Vorschub geleistet habe. England habe sich erst seuchenfrei machen körnten, als es im Eiuverständniß mit ; der gefamntten Bevölkerung eine vollständige Aussperrung aller - Vieheinfuhr eingcführt habe. Auf eine Bemerkung, daß diese rück- ? sichtslose Absperrung doch eine eigenthümliche Eigenschaft für das = freihändlerische England sei, erklärte Mr. Cope: wo es gelte, das - Nattonal-Vermögen zu schützen, sei England trotz seines Freihandels- r Prinzips jederzeit gewillt, die schärfsten Maßregeln zu ergreifen.
fielen denn auch in der Hauptverhandlung des ersten Tages MM Anträge des Ungarn Hulyra auf Zusammenbernfung einer W internationalen Kommission zum Zweck der Regelung des inter- I nationalen Viehverkehrs trotz lebhafter Unterstützung der Rumänen U mtd ähnlicher Erportitttercssen vertretender Mttglleder des Kon- W gresscs.
Auch die Beschlüsse des zweiten Tages über bie Bekämpfung F der Maul- und Klauenseuche stehen durchaus auf demjenigen W- Standpunkt den die besonnenen Kreise seit Jahren vertreten haben, und die Beschlüffe des Kongresses beweisen klar, daß die Vertreter der Landwirthschaft mit ihren Forderungen, den Schutz der ein- fe heimischen Viehbestände betreffend, nicht geleitet worden sind von F der versteckten Absicht auf Hebung der Viehpreise, sondern nur von | der nationalwirthschaftlichen Forderung, die Viehbestände des MEtschen Vaterlandes gegen jene Verluste zu schützen, welche ihnen f durch die Seucheneinschleppung zugefügt werden und die alljährlich MMsummen darstellen. Dies Wurde von dem einen der Reserenten W« drastischer Weise dadurch bekundet, daß er den Verlast in den L Viehbeständen Deutschlands im Jahre 1894 auf 150 Millionen Dtazifferte.
Bei der Fleischbeschau am dritten Verhandlungstag standen Mpmintliche Referenten auf dem Standpunkt, daß die Fleischbeschau DÄberall, auch bei der Hausschlachtung, durchzuführen sei, wenn auch MMchl verkannt wurde, daß es schwer halten würde, dort, wo die U Bevölkerung noch dünn und Thierärztc in geringer Anzahl vor- MHanden seien, diese Fleischbeschau durchzriführen. Wir sind dabei 1 ber Ansicht, und die wurde auch von vielen Seiten getheilt, daß bei I ber Regelung der Fleischbeschau in Deutschland zwar im Gesetz das W Prinzip der allgemeinen Fleischbeschau aufrecht zu erhalten fei, daß l s aber den einzelnen Landesregierungen überlassen werden müsse, ■e ben Ausführungsbestimmungen diejenigen Formen der Fleisch- MMchau festzuleaen, die dem einzelnen Landcstheile entsprechen und Utawchführbar erscheinen.
In Bezug auf die Bekämpfung der Tuberkulose des Rindviehs Kwnrdc eine Grenze gezogen zwischen den tuberkulösen Thieren, | welche bereits klinisch als solche erscheinen (Abmagerung und sonstige Meutlicke Merkmale, Wie z. B. in Eutertuberkulofe) und denjenigen ; Mieren, die solche äußerliche Merkmale nicht zeigen. Die Wiffen- ■teft hat festgestellt, daß z. B. beim Genuß der Milch von nicht Wünsch mit Tuberkulose behafteten Thieren eine heftige Änsteckungs- WOrhr für die Menschen wie auch für Thicre nicht vorhanden zu Epn scheine, dagegen scheint erwiesen, daß die Uebertragung der in Bezug auf den Genuß der Milch von klinisch kranken F Thieren erfolgt. Das Impfen mit Tuberkulin wurde von vielen Winten dringend empfohlen, andererseits wurde aber zugegeben, ff-«ß durch die Impfung eine absolute Sicherheit der Fest- fcgdlung der Tuberkulose bei den Thieren nicht bestehe,
i Sn dem Verkehr mit Milch wurde gefordert, daß bei den die in die Wirthschaft zurückfließende Milch Whon ans Gründen ber Maul- und Klauenseuchenverschleppung Mner starken Erhitzung auszusetzen sei, und daß dies auf dem Wege e-dcr Gesetzgebung obligatorisch geregelt werden müsse. Auch seien : pte Viehbestände, welcher einer Molkereigenossenschaft angegliedert ganz besonders unter scharfe thicrarztliche Kontrolle zu Mchmen, und es fei auf dem Wege ber Gesetzgebung bafür zu Morgen, daß bie klinisch tuberkulösen Thicre ans dem Viehbestände gtfeitigt werden müssen, und daß in diesem Falle bann Ent- Mädigung von Staatswegcn ben Viehbesitzern zu Theil wirb. Wir s£nb mit den Theilnehmern des Kongresses der Ansicht, daß hier die ^Mittel und Wege gezeigt find, auf denen mit Erfolg der Rindvieh- i wberkulose entgegengetreten werden kann und damit eine allmähliche Beseitigung derselben in die Wege zu leiten ist.
E - Der Gang ber Verhandlungen hat für die Landwirthschaft Mt nur ein vorzügliches wissenschaftliches Resultat ergeben, wie tae Thierseuchen zu bekämpfen find auf dem Wege der wiffen- Maftlichen Forschung und ber praktischen Vorbeugungsmaßregeln Wtterinär-volizeilicher Art, sondern die deutsche Landwirthschaft
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