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Verlag: Langgasse 27

16,000 Abonnenten

1899

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Montag, den 28. August

Abend-Ausgabe.

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Dann sollen sich sammeln zum festlichen Mahl Draus die Erkenntniß auferblüht

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Du deutsches Volk und Du deutsches Land, Wann wirst Du zur Freiheit erkoren?

Und feiern wir heul' von der Alpe zum Strand Den Genius, den Du einst geboren,

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Gin stolzes Wort! Schließt es doch ein Den Inbegriff des Lebeus, Das Glück, den Zweifel und die Pein Des Wollens, des Irrens und Strebens,

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Gleich einem verheißenden Sterne: Daß dem, der stets sich strebend müht, Erlösung winkt in der Ferne. So hat er das Leben durchstürmt und durch­braust

Als ein Edelmensch, als ein ringender Faust.

Wer geht mit zur Seit' aus dem närrischen Tanz, Aus dem phrasengeklingel und Schreien, Um heut' einen goldenen korbeerkranz Dem ew'gen Verdienste zu weihen? Dem Großen gelte der huld'gende Gruß, Der stetig das Höchste erstritten Und, ähnlich den Göttern, mit leichtem Fuß von Höhen zu Höhen geschritten, Und der da ersehnt in geheillgter Stund' Ein freies Volk sich auf freiem Grund.

Wie feiern wir würdig den hohen Geist, Der so uns beschenkt und geleitet, Der uns die leuchtenden Pfade weist, Das Schauen der Seele uns weitet? £) stille, ob lästernd die Feinde des Lichts Auch wetzen die giftigen Zungen!

£> stille! denn wahrlich, es gäbe nichts, Was ihm nicht zum Ruhm schon gesungen. Wir wollen ihn feiern, o schlaget ein: Wir wollen Menschen, Menschen sein!

Und hat im wechselnden Daseinsdrang Den Schlüssel zum Ew'gen gefunden. Sein Lied, das wurde zum Siegesgesang, Mit dem er den Tod überwunden. Uns aber lud er zur Tafel ein, Zu viel sind ihm niminer der Gäste; Es lachen die Früchte, es funkelt fein Wein, Und so reihen sich Feste an Feste. Ein gastlicher Herrscher, so thront er dort, Olympisch sein Lächeln, erhaben sein Wort.

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«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezngs-PreiS: durch den Vertag 5e Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «ö Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

as Saeculum sinkt, schon sprengen heran vom neuen geharnischte Boten.

Sie zaudern, sie staunen, denn Mann kautjubelnde Festpatrioten. [bei Mann: Heul' dorten Iuchheissa, hier morgen Hurrah! Welch Heil ist dem Reiche geboren? Ein Denkntalswald steht ragend da von Herren mit Säbeln und Sporen. Und einig Alldeutschland in starrender Wehr! Was gäb's da zu hoffen, zu wünschen mehr?

Die Freien, die Freiheit erstreben, Doch die Unechte, die Anechte hinaus aus dem Saal, Diein Demuth ersterbend" nur leben. Für sie steht außen, der Auskunft giebt, Wie der Goethe gereimt und gelebt und geliebt,

Am hehren Erinnerungstage,

In festlichem Zuge durchs deutsche Land

Sein leuchtendes Banner tragen:

Den Stern, der da siegend das Dunkel durchbricht,

Vie Inschrift auf goldenem Grunde:

Für Schönheit und Wahrheit, für Freiheit und Licht!

So leuchte sie weit in die Runde.

Und des Banners Gefolge in geistiger Wehr: Uns selber zum Heil und -em Dichter zur Ehr'.

Die Goelhe-Felrr in Frankfurt a. M.

hd. Frankfurt a. M., 27. August.

L Die Redensart: »Wenn Frankfurt ausfährt, fährt es vier- gömiig, hat sich in den letzten Tagen und besonders heute zu eginn der offiziellen Feierlichkeiten zum 150. Geburtstage des £ großen Sohnes unserer Stadt, wiederum glänzend bewährt. Ein e klarer Himmel, eine überaus reich geschmückte Stadt, eine festlich |F gestimmte Bevölkerung, kurzum, alle Vorbedingungen für ein glänzendes Gelingen der seit Langem sorgsam vorbereiteten Feier t waren gegeben. Von Auswärts sind viele Tausende nach der e; Geburtsstadt des großen Meisters gepilgert, um zu sehen, wie man E in Frankfurt den Geistesheroen feiert, welcher vor 150 Jahren t hier das Licht der Welt erblickt hat. Seit den frühesten I: Morgenstunden durchwogt die Straßen eine ungeheure Menschen- £ menge, welche sich nicht satt sehen kann an den reichen L Ausschmückungen der Straßen und besonders des Goethe- M Platzes, auf welchem das Standbild des Gcburtstags- k lindes gewissermaßen die Gratulanten empfangen soll. Hier E ist aus städtischen Mitteln eine Ausschmückung zu Stande t glommen, wie Frankfurt eine solche seither noch nicht gesehen hat. k Um das Denkmal hat man einen griechischen Tempel errichtet, der k Platz selbst wird eingesäumt von Guirlanden tragenden Säulen. E Einen gewaltigen Eindruck wird dieses Arrangement am Abend k machen, denn Tempel sowohl wie auch Säulen und Guirlanden e sind übersät mit elektrischen Glühlampen. Außerdem ist der Rasen E des Goethe-Platzes mit anderen Jlluminationskörpern förmlich über- E schüttet. Die Staats- und städtischen Gebäude, die großen Hotels, | viele Geschäfts- und Prioathäuser haben ebenfalls reichen Schmuck ! angelegt, und zwar herrscht überall die elektrische Glühlampe in fc allen Farben vor. In vielen Fällen hat man die Büste Goethes, sowie die Namen Goetheschcr Gestalten in geschmackvoller Weise

^verwendet. Sogar am Hauptbahnhof prangt ein elektrischer Stern j

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sicherer, lebendiger und umfassender als vor fünfzig Jahren gilt an diesem Tage alle Feier Ihm, dem Herrlichen, dem Unvergleich­lichen, der im Alter von 25 Jahren, aus dieser herrlichen alten Reichsstadt heraus, die er nachher so wunderbar gezeichnet, mit einem Schlage eine erste Stelle in der Welt-Littcratur eroberte, der damit unser verkümmertes und mißachtetes Volk mit neuer Freude zum Leben und mit neuem Muth erfüllte. Und der dann über ein halbes Jahrhundert von dem stillen und für alle Zeit geweihten Weimar aus, getragen von der Verehrung und dem nie versagenden Verständniß seines fürstlichen Freundes, sein Volk mit immer neuen Schätzen der Dichtkunst und immer neuen Eröffnungen seines Menschheit und Welt zugleich umfassenden Genius beschenkt. Eine vaterländische, eine ächt naftonale Festfcier begehen wir daher allerdings, und stolz erhobenen Hauptes rufen wir laut hinaus unseren Dank, daß aus dieser Stadt, daß aus unserem Volk erstehen durfte der, den immer weitere Kreis« in aller Welt als einen König im Reich der Geister verehren. Allein diese Feier wäre eitel und fruchtlos, wenn unser Dank sich in äußerlichen

Dingen erschöpfte. Nein! Diese Fahnen und Kränze und heute Abend die Fackeln und Lichter, sie sollen es weit­hin künden, daß wir uns der Pflichten eines so kostbaren Besitzes toobt bewußt sind; daß es vor Allem gilt. Ihm täglich aufs Neue «ns innerlich anzueignen und Jeder nach seiner Kraft mit Goetheschem Geiste, und wenn auch sim zersetzenden Gewirr der Partei-Leidenschaft, ja im Kampfe um die Weltanschauung, wie tm schatzgräberischen Suche» nach schnellem Gewinn, zu cftüllen. Wer von allen Dichtern und Weltweisen könnte uns besser die Quellen weisen, aus denen wir den Muth des reinen Lebens trinken mögen. Wer könnte kräftiger unseren Willen mit Selbst-, zücht, unseren Geist mit Verständniß und Duldung für Anders­denkende, unsere Herzen mit Verehrung für das Unerforschlich« und die geheimnißvollen Gesetze langsamen Werdens, erfüllen als ett So rufe ich denn, indem ich eine erste Kranzspende zu feinest

inmitten der Jahreszahlen 1749 und 1899 in elektrischen Glühlampen. Vormittags von 10 Uhr ab versammelten sich die Vertreter von ungefähr 200 Vereinen, die meisten mit ihren Fahnen, auf dem Paulsplatz und zogen unter Vorantritt eines Musikcorps nach dem Goethehaus, wo sich die Vertreter der städtischen Körperschaften (Magistrat und Stadtverordnete), die Mitglieder der Handels­kammer, des Freien deutschen Hochstifts, die Abordnungen der Goethe-Gesellschaft, die Vertreter der deutschen Universitäten und die Mitglieder des Ausschusses an die Spitze begaben und den Zug nach dem festlich dekorirten Goethe-Platz geleiteten. Hier bildeten die Schüler und Schülerinnen der höheren Lehranstalten Spalier. Für die Vertreter der Presse, welche zum Theil von weit her hierher gereist waren, war gar nicht gesorgt, denn der für dieselben reservirte Platz war derart, daß sie weder etwas sehen noch hören konnten. Vor dem Denkmal hatten sich kurz vor Eintreffen des Zuges ein­gefunden: die Spitzen der staatlichen Behörden. Wir bemerkten unter Anderem den kommandirenden General des 18. Armee-Corps, Excellcnz v. Lindequist, General-Leutnant v. Chappuis und Polizei- Präsident v. Müffling. Als die Spitze der Zuges vor dem Denk­mal angelangt war, ergriff Herr Oberbürgermeister Adickes das Wort zu folgender Ansprache: .Dem größten Sohne dieser «tadt bei der 150. Wiederkehr seines Geburtstages zu huldigen, find wir hier versammelt, Vertreter der Behörden und aller Kreise der Bürgerschaft gemeinsam mit Vertretern von deutschen Hochschulen und den Vertretern der Goethe-Gesellschaften. Festliches Gewoge erfüllt die Straßen und theilnahmsvolle-Bewegung durchzittert die Bürgerschaft wie vor vierzig Jahren, als Schillers hundertjährige Geburtstagsfeier festlich begangen wurde, so weit die deutsche Zunge Hingt. Allein während damals mit der Dichterfeier sich sehnsuchtsvolle Klage für unseres Volkes entschwundene Ein­heft und Freiheft verband, als deren Sänger man ihn liebte, verknüpfen sich mit dieser Feier keine politischen Nebengedanken. Vom festen Boden des neuen deutschen Reiches aus und dämm

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| ttttrthtttr für die Abend.Ausgabe bis 11 Uhr Vormittag«, für die «argen.Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

r nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

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Und wie er so fleißig gewirkt in der Aunst, Der erste im Dichterorden, Und wie er durch hohe Fürstengunst Sogar zum Geheimrath geworden.

Hinweg heut' mit diesem Darum und Daran I Es dienet zum besseren Ruhme Dem Dichter, daß er den Preis gewann Im vollen Menschenthume,

In dem er gewandelt von früh bis zur Nacht: Ich hab' nur begehrt und hab' nur vollbracht I "

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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Psg., für answärtige Anzeige» 25 Psg. Reklamen die Pctitzeile für Wiesbaden 50 Psg-, für Auswärts 75 Psg.

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