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1899
Donnerstag, den 24. Angust
Ko. 393.
Fernsprecher N». 52.
Fernsprecher Sie. 52.
Morgen-Ausgabe
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orts das Grob-Frankfurter Unternehmen vorbildlich wirken würde. Denn sind auch die Verhältnisse örtlich verschieden, das Bedürfniß, ans gemeinnützige Weise deren Entwicklung z» beeinflussen, besteht überall.
* Eine samoanische Jeanne d'Arc. Nach der Meinung der Samoaner kann Niemand anders die Truppen der Vaimaunga in den Kampf führen als die „Taupon" oder das Mädchen von Vaiala. Ohne ihre anfeuernde Gegenwart würden sich die Krieger kaum in Bewegung setzen, und jede Hoffnung auf den Sieg wiirde ausgeschlossen sein. Das Mädchen von Vaiala ist dasselbe, welches in dem Kriege von 1893 berühmt wurde, indem es die Anhänger des Königs Lauvepa zum Siege führte über den Rebellen Mataafa. Das Schlachtfeld war eine Meile im Westen von Avia, das Lager der Könrgstreuen befand sich eine halbe Stunde entfernt im Osten der Stadt. Bei Tagesanbruch brach das Heer auf und marschirte durch Apia. An seiner Spitze erblickte man die Jungfrau Suein, bekleidet mit einem Schurz ans getrocknetem Gras, über und über glänzend durch Einreibung mit CocoSnnßöl; auf dem Kopfe trug sic eine ungeheure Perücke und das Gesicht hatte sie mit Ruß gefärbt, um die Feinde durch ihren furchtbaren Anblick zu erschrecken. Indem sie so ihr mädchenhaftes Aussehen vollständig in das Gegeutheil verwandelt hatte, geleitete sie ihre Truppen auf dem Wege, der auf das Schlachtfeld führte. Eine alte Nebcrlieferung lebt unter dem Volke der Vaimaunga, daß der Sieg sich auf die Seite ihrer Streiter wenden wird, wenn das Mädchen, das sie anführt, mit seinen eigenen Händen das erste lebende Wesen tödtet, das seinen Weg kreuzt. Zwei Männer liefen schreiend und rufend voran, um Bahn zu machen. Ein verwegener Knabe rannte über den Weg. Dieser Knabe sollte sterben, wie cs die alte Gewohnheit erheischte. Dem Knaben gelang es, in einen Haufen aufgethürmtcr gefällter Baumstämme zu schlüpfen, wo er nicht angegriffen werden konnte. Während die Krieger begannen, die Hölzer auseinander zu reißen, um das Opfer herauszuholcn, überlegte Sucina rasch. Sie war in der Schule der Mission erzogen worden und gehörte zu den wenigen Samoaner», die cnglijch lesen und sprechen
«. Jahrgang.
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Eine Arbeiterpsiicht.
Wer die neuesten Berichte der Handelskammern durchblättert, der wird die angenehme Erfahrung machen, daß auf vielen Seiten ' von dem Verhalten der Arbeiter zu den Arbeitgebern nur Gutes gesagt wird. Wo Klagen geäußert werden, beziehen diese sich meistens auf das Betragen der jungen Arbeiter. Derartige Klagen kchrcn bekanntlich seit einer Reihe von Jahren regelmäßig wieder, ungewöhnlich und auffallend sind jedoch in den Handclskammcr- berichten die häufigen Äeußerungen über de» zunehniendcn Alkoholis- muS der Arbeiter, über Verschwendungssucht und geringen Spartrieb.
Thatsache ist, daß viele Arbeiter heute besser leben als vor mehreren Jahren, da sie einen höheren Lohn verdienen. Vielleicht b nehmen sie auch an den Freuden des Lebens mehr Anthcil. Man IU sich hüten, das falsch und lieblos auSzulegcn. Ein Arbeiter E ist noch kein Vergnügliug und Völler, wenn er nach mühevollen Tagen sich einige vergnügte Stunden macht. Eine höhere Lebens- ~ Haltung ist den meisten Arbeitern gern zu gönnen und auch, man sei nur ehrlich und vorurtheilslos, mehr Anthcil an dcn harm- losen Freuden des Daseins. Allerdings ist Maßhaltcn Pflicht. Wenn viele Arbeiter heute mehr Mittel haben, so handeln sie tböncht, wenn sic mit ihren sauer verdienten Tbalcrn nichts : Besseres anzusangen wissen, als diese dem Knctpwirth zu bringen. Jeder Arbeiter sollte von selbst wissen, daß er sich und seiner Familie eine bessere Verwendung des Verdicnteii schuldig ist. Verkennt der Arbeiter auch in dieser Beziehung sein eigenes Wohl, ifo quält er sich in der Hauptsache nur für den Schnaps-, Bler- tob Tanzwirth. Wer beobachtet, wie leichtfertig heule manche Arbeiter einen großen Theil ihres schwer verdienten Wochenlohns in den unersättlichen Schlund der ödesten und rüdesten Kneipen- zid Tanzlustbarkeitcn werfen der muß es bedauern, daß diese tute so wenig es verstehen, sich mit geringeren Kosten an Geld, Noral und Gesundheit edlere Vergnügungen zu verschaffen. Man Hhlt da doppelt, wie viel noch für Herbeiführung einer besseren Volksgeselliakeit, für Befreiung des Volkes vom Kneipenleben acthan werben muß. Nicht etwa nur in der Großstadt; in den Industrie-Dörfern liegen die Verhältnisse fast ebenso schlimm. So berichtet die Dresdener Handelskammer aus einem zwei Stunden von der sächsischen Residenz entfernten Jndnstriedorf: „Verhalten und Tüchtigkeit der Arbeiter waren befriedigend; jedoch wird durch die überhandnehmenden Tanz- und andere Vergnügungen der wirth- ^jchaftliche Sinn, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit erheblich bcein- "ttachtigt". Von anderer Seite wird darauf hingewiesen, daß die Trunksucht unter den Arbeitern stark ju genommen habe. In der - Fabrik eines der Berichterstatter hat die Trunksucht wiederholt grobe Ausschreitungen verursacht. Ans der in einigen sächsischen Kleinstädten und Dörfern ansässigen Holzwaaren-Erzeiignng wird mitgctheilt,das Verhaltender Arbeiter sei zwar gut, aber man müsse etneBeaufsichtigung I der Jüngeren Leute bei der Verwendung ihres Lohnes wünschen. Ein großer Theil desselben werde in Vergnügungen verschwendet. Man spare nicht, und wenn der junge Arbeiter eine eigene Haushaltung gründe, so besitze et nichts. Diese Leute fallen dann meistens den Abzahlungsbazaren in die Hände. Die Handelskammer in Köln beklagt ähnliche Verhältnisse. Sie wünscht, daß der Spürsinn in der Arbeiterbevölkerung mehr als bisher gefördert wird. Namentlich sollen die Arbeiter berücksichtigen, „daß nach aller Erfahrung ein Zurückgehen der gegenwärtigen geschäftlichen Gunst keineswegs ausgeschlossen ist". Man müsse wünschen, daß für Fälle der Noth den Arbeitern ein Spargroschen int Schranke " liege. Den Sparsinn der Arbeiter wird man sehr erheblich fördern, «"Wenn man für eine bessere Geselligkeit sorgt. Jede Bekämpfung f des Kneipenlebens und der z. B. in Sachsen geradezu außergewöhnlich zahlreichen Tanzlustbarkeiten ist eine Unterstützung der ^-Sparsamkeit.
Eine Verschlechterung der gegeittoärtigcn geschäftlichen Ver- x hältnisse ist nicht nur „nicht ausgeschlossen", sondern sic ist sicher. . Die Krise wird so getviß kommen, wie in der Nordsee Fluth und Ebbe. Der Arbeiter und feine Familie leiden unter jeder Ge- WÄäftSstockung aber am meisten; der Kapitalist fühlt die Krise viel- ' leicht im Geldbeutel, der Arbeiter fühlt sie jedoch im Magen. Auch der Arbeiter handelt daher klug, wenn er inmitten des geschäftlichen t Aufschwungs an diese Zeit denkt. Es ist umso mehr Pflicht des ^ Arbeiters, dafür zu sorgen, daß die Verschlechterung der Wirth- fchaftSlage ihn nicht unvorbereitet trifft, da auch für ihn die Kosten $ »er Lebenshaltung größer geworden sind. c.
Aus Kunst und Aden.
U * „Gruieinnuhigr Klättrr für Grotz-FranKfurt, Zelt- , fchrift für sociale HeimathSkunde", nennt sich ein Monatsblatt, das * fett Juli dieses Jahres von Dr. W. Kabelt heransgegcben wird, r Es ist ein überaus glücklicher Gedanke einiger jüngerer Social- ‘ Politiker, ein eigenes lokal gefärbtes Organ zu schaffen für die socialen k und wirthschaftlichen Interessen der breiten Bevölkerungsschichten r einer, man kann mit Recht sagen, wirthschaftlichen Provinz tat Herzen | Deutschlands, denn unter „Groß-Frankfurt" ist nicht mir dasStavt- ^gebieszii verstehen,sondern„Groß-Frankfurt reicht so weit, wie Arbeiter F mit Wochenkarten regelmäßig nach Frankfurt zur Arbeit kommen: F- Taunus, Vogelsberg, Spessart, Odenwald sind feine natürlichen k Grenzen"; cs greift nach drei Staaten hinüber, deren Gesetze und ALerwaltungSprinzipien wohl verschieden, deren Jntereffen m den I betreffenden Zipfeln aber im großen Ganzen gleichartig sind L und als deren geistiger und materieller Mittelpunkt die Groß- K stadt Frankfurt sich darstellt. Das Blatt hat sich zur Anf- Fgabe gemacht, daS fragliche Gebiet volkswirthschaftlich und soclal- fc politisch bis ins Einzelne zu durchforschen, um so eine sociale k »eimathskunde zu schaffen. Auf Gmndlage der gewonnenen U Erkenntniß und mit Hülfe der persönlichen Beziehungen zu gemcin- U nützig gesinnten Persönlichkeiten in dm verschiedenen Orten suchen E die Blatter alle dem Gemcinsinn entsprießenden Bestrebungen zu
Erdern; in erster Linie kommt da die Pflege desGeuossenschgftswescns Betracht. Die Atifmuntening zur Bekämpfung der Wohnungsnoth K und zur Schaffung von Konsumvereinen zieht sich wie ein rothcr B Faden durch viele der trefflich geschriebenen Aussätze und Mittheilungen. k So werden das Erbbaurechr, die gemeinnützigen Baugesellschaften E und Baugenossenschaften, die Rabattvereine als Vorstufe' der k. Konsumvereine behandelt. Schilderungen der in der Umwälzung k begriffenen ländlichen Verhältnisse bringen die Artikel „Fabrik und E Bauerndorf", „Das Dorf Neuenhain". Einschlägige Kapitel der k Rcchtskundc, wie z. B. „Die Vereine und das bürgerliche Gesctz- [ buch' finden sich auch vor. — ES wäre zu wünschen, daß andern-
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 24. Aiigust.
— Grschschlsliiilendki'. 24. Angust. 1870: Besetzung von Chalous- für-Warne durch die Deutschen. 1868: f Charlotte Birch-Pfeiffer zu Berlin, berühmte dramatische Schriftstellerin (* zu Stuttgart). 1866: Auflösung des Rumvfbundestags zu Augsburg. 1836: f Christoph Wilhelm v. Hufeland zu Berlin, einer der berühmtesten Aerztc Deutschlands (* zu Langensalza). 1831: t August Wilhelm Anton, Graf v. Gneisenau zu Posen, der große Stratege des deutschen Befreiungskrieges (* zu Schilda in Sachsen). 1796: Sieg Erzherzogs Karl über die Franzosen bei Amberg. 1759: f Ewald Christian v. Kleist zu Frankfurt a. O.. namhafter deutscher Dichter und Kriegsheld (* zu Zeblin bei Köslin). 1572: Bartholomäusnacht, Tod des Admirals Coligny. 1411:* Friedrich II., der Sanftmüthige, Kurfürst v. Sachsen. 1313: f Kaiser Heinrich VII. zu Buonconvcnto. 79: Ausbruch des Vesuvs, Zerstörung der Städte Herculanum und Pompeji.
— Schmitts Laboratorium. Die im vorgestrigen Abendblatt unter der Rubrik „Aus Kunst und Leben" gebrachte Nachricht, daß die Hofrath Schmittschc Bibliothek in den Besitz der Firma Gust. Fock in Leipzig über gegangen sei, ist dahin zu berichtigen, daß nur ein Theil dieser großen Bibliothek bei Gelegenheit der Uebernahme des Schmittschen Laboratoriums an obige Firma verkauft wurde, während der für den Betrieb und die Interessen des Unternehmens werthvollere und wichtigere Theil derselben dem Institut erhalten geblieben ist.
— Jubiläum. Der Schlosser Herr Philipp Henß, Vorsteher der Schlosserei des Eiscnwaarenhaiises L. D. Jung, Kirchgasse 47 hier, feiert am nächsten Sonntag den Tag, an dem er vor 25 Jahren in seine'dermalige Stellung eingetreten ist, in der er sich allezeit durch unermüdlichen Fleiß und strenge Pflichttreue ausgezeichnet hat, sodaß er bei seinem Prinzipal Werthschätzuug und bei der Kundschaft Beliebtheit in hohem Grade genießt.
— Inkasso durch Reifende. Der Reisende eines großen Berliner Hauses hatte tu München von drei Kunden größere Geldbeträge cinkafsirt und die ihm anoertrauten Summen auf einer luftigen Rheinfahrt verjubelt. Als die Knuden, die nur einen Monat Ziel hatten, gemahnt wurden, kam die Veruntreuung ans Licht. Nun forderte der Prinzipal zum zweiten Male von ihnen Zahlung, weil sic nicht befugt gewesen seien, an den Reisenden zu Uhlen. Es kam darüber zur Klage, und zwar, weil Berlin als Erfüllungsort festgesetzt war, vor dem Berliner Landgericht. Der verklagte Münchener Kunde wurde dem Klage-Antrage gemäß ver- urtheilt. Es wäre seine Pflicht gewesen, so besagt das Urthcil, zu prüfen, ob der Reisende Vollmacht zur Empfangnahme des Geldes hatte. Da er dies verabsäumt hat, so ist er durch die geleistete Zahlung nicht entlastet.
d. Allo Eifersucht. Ein junger Manu von hier wurde während dcs Turnfestes mit seinem Schatz uneins, weswegen, weiß man nicht. Er wandte sich einem anderen Mädchen zu und fpazirte mit diesem gegen Ende voriger Woche Abends hinauf zur Schießhallc. Als sich das Pärchen gegen 11 Uhr Abends auf dem Heimweg befand und in traulichem Geflüster unter den Platanen der Walkmühlstraße dahinschritt, trat plötzlich die verlassene Geliebte des jungen Menschen zwischen den Bäumen hervor und schleuderte ihrem ungetreuen Liebhaber eine Flasche Vitriol ins Gesicht. Das Fläschchen zerbrach; der Inhalt verbrannte dem Burschen die Kleider und brachte ihm außerdem einige, aber nicht sehr schwere Verletzungen im Gesicht bei. Dieser Tage ließ sich der Vitrlolübergossene im hiesigen Krankenhaus ein Attest ausstellen, das er bei der Strafverfolgung feiner ehemaligen Liebsten als Unterlage zu benutzen gedenkt.
Reporters Freud' und Leid.
Es kam ein „Reporter" zu einem Schiff, Er wollte bescheiden was fragen.
-Hinaus!" rief da Einer ihm zu und ergriff Beinahe ein Tau schon zum Schlagen.
Da sprach er bei einem anderen an Und ward gar höflichst gebeten, Zum Admiral als willkommener Mann Ins beste Zimmer zu treten.
Das ist des Reporters Freud' und Leid, Es wird ihm Verschicd'nes geboten: Mit feinen Herren verkehret er heut' Und morgen wieder mit Knoten.
können, sie war viel mit Weißen zusammen gewesen und die alte Sitte war ihr widerwärtig; dennoch galt sie gleich einem Gesetz, dem man gehorchen mußte. Sic vcrkündctc deshalb, daß der Knabe nicht das erste lebende Wesen wäre, welches ihr über den Weg gelaufen, sondern daß ein Hund ihr ganz nahe gclommen fei. Der Hund wurde sogleich ausfindig gemacht und Sucina schwang ihr langes Schlachtnieffer in einem Wirbel über ihrem Kopse. Wie ein Blitz ließ sie es bann nicderschießen und zerschnitt dcn Hund in Stücke, trat auf den Leichnam und nahm ihren Marsch wieder auf. Der zitternde Knabe floh jetzt, so schnell ihn feine Füßc^tragcn konnten. Die Truppen kehrten siegreich aus der Schlacht zurück. (Hannov. Cour.)
* verschiedene MittsirUungen. In Petersburg wird gegenwärtig ein Museum errichtet, das alle Stufen der Entwicklung des Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesens in Rußland veranschaulichen soll. Als Kuriosität wird eine Erfindung ausgestellt werden, die schon bei ihrer ersten praktischen Erprobung gänzlich Fiasko machte. Für die durch Sibirien fahrenden Landposten war nänilich seiner Zeit zum Schutz gegen Diebstahl ein Verschlußbeutel (Felleisen) erfunden worden, dessen Inneres aus Sacklcinewand bestand und mit einem Stahlpanzer, sowie mit starkem Ochsenleder überzogen war. Schon bei der ersten Ankunft in Wladiwostok stellte sich heraus, daß das so überaus gesicherte Post-Felleisen anstatt der erwarteten werthvollcn Post- Korrespoudeuz nur Pavierabfälle enthielt.
Die ältesten Bücher der königlichen Bibliothek iy Berlin sind zwei in deutscher Sprache verfaßte Werke. Das eine heißt: „Der Konlngc Buch", eine Chronik der Kaiser bis auf Friedrich II., mit einer gereimten Vorrede, aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, das zweite ist ein deutsches Gebetbuch in niederdeutschem Dialekt mit voranstchendcm Kalender der Heiligen ans dem 14. Jahrhundert. ..
Der verstorbeneVerlagsbuchhändler Eduard Hüffer in Munstc r vermachte für die Armen und für gemeinnützige Zwecke in Münster 160,000 Mk.
d. Verunglückt ist gestern Mittag im hiesigen städtischen Schlachthaus der bei Herrn Metzgermeister Kretzer, Albrechtstraße 4, beschäftigte Metzgergeselle Heppel. Dem Burschen geriet!) beim Aufwinden eines Schweines irgend ein Eisen des Gewindes an das' Kinn und brachte ihm eine ziemlich große Wunde bei, während cS ihm gleichzeitig eine Anzahl Zähne eindrückte. Der Verletzte wurde mittels Droschke ins städtische Krankenhaus gebracht, wo er verbunden wurde.
— Ein zeitgemässes Motto tragen die Fahrscheine der Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft in Braunschweig. Dasselbe lautet:
Vorwärts den Blick in allen Dingen, Vor Allem aber vorwärts springen, Ob langsam — ob im vollen Trab, Menschenkind, spring' vorwärts ab.
Vereins-Nachrichten.
Kurze sachliche Berichte Werben bereiiwilligst unter dieser Ueberfchrifl .;:;!ßeiiommeit
* Die Gesellschaft „Fidelio" unternimmt Sonntag, den 27. August, einen Faniilien-Ausflug (Fußtour) nach Jdstcin. Der ganze Weg (etwa 3 Stunden) führt fast ausschließlich durch Wald. Ist Eugenhahn findet Frühstück und in Idstein zwangloses Mittagessen statt. Der Abmarsch erfolgt Morgens 8 Uhr, Ecke Geisberg- und Taunnsstraße. Fahrgelegenheit 11 Uhr 55 Mia. und 2 Uhr 23 Min. Die Rückkehr erfolgt Abends mit der Bahn.
+ Kchierstein, 21. August. Am Samstag wurde hier ein an einer Dreschmaschine beschäftigter auswärtiger Arbeiter Derbaftef der verschiedene Sorten Frucht und Stroh bei Seite geschafft har. — Die seither von Herrn C. Langer unter der Firma Ä. VergeS Nachfolger betriebene Weinhandlung ist dem Vernehmen nach vois der Wittwe des Herrn L. an Herrn Kaufmann M. Stabenfteilt hier verkauft worden. — Je mehr das Obst in seiner Entwickelung fortschreitet, desto mehr zeigt es sich, daß die Obsternte doch nicht so sehr schlecht aussältt, als man anfangs dachte. An den Straßen und Wegen trägt fast jeder Baum — manche hängen sogar recht voll — während in den eigentlichen Obstanlagen die Früchte wieder dünn gesät sind. Unter den Aepfeln sind cs namentlich „Holländer", „graue Reinette" und brauner Madapfel, die eine gute Ernte versprechen. Schon jetzt sind die Apfelwein- Produzenten daran, Verkäufe abzuschließen und sich ihren Bedarf zu sichem. Die Preise sind eben schon recht beträchtliche, werden aber voraussichtlich noch bedeutend höhere werden.
* S-siloch, 22. August. Während der Nacht von Sonntag auf Montag zwischen 12 und 1 Uhr wurde auf den Landwlrth Adolph Kilian von hier, welcher Abends in Rambach seiner Geliebte» einen Besuch abgeftattet hatte und auf dem Nachhauseweg begriffen war, in dem Wiesenweg zwischen Rambach und hier ein Mord- Attentat verübt. Ein Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht weiter feftgefteUt werden konnte, und welcher sich bis dahin hinter einer Hecke verborgen gehalten hatte, sprang nämlich bei der Annäherung des Kilian plötzlich hervor und feuerte in rascher Aufeinanderfolge aus einem Gewehr 2 Schüsse auf ihn ab. Die aus gehacktem Blei bestehenden Ladungen drangen tu den Körper des jungen Mannes ein und brachten ihm schwere Verletzungen bei. Montag Morgen tu aller Frühe wurde der Arme nach Wiesbaden in das Hospital des „Verein vom Rothen Kreuz" gebracht, woselbst ein operativer Eingriff vorgenommen werden mußte. — Im Lauf des gestrigen Tags war das Gericht ans Wiesbaden hier anwesend zum Zweck einer Ortsbesichtiguna, sowie der Vernehmung von Zeugen. — Hat man auch bezüglich der Person des Tbäters feine Vermuthnngen, so liegen doch bis jetzt greifbare Verdachtsmomente noch nicht vor. Nichtsdestoweniger giebt man sich hier der Hofflinng hin, daß es bald gelinge» möge, den Attentäter zu eruiren und für Andere unschädlich zu machen. (Rh. K.).
* Aus der Umgebung. Bei der vorgestrigen Gefechtsübung auf dem Großen Sande bei Mainz wurde ein Artillerist de» 27. Regiments durch ein Holzgeschoß derart schwer am Kopse verletzt, daß er noch am Abend im Militärlazareth verstarb. — Ein furchtbares Unwetter hauste dieser Tage in der Gegend von Cassel. Bei Volkmarsen wurden zwei Personen vom Blitz gc- tödtet. Ferner schlug der Blitz in die Kirche zu Volkmarsen ein und zerstörte die Thurmuhr. In Waldkappel traf ein Blitz das Steinmetzsche Wohnhaus und verursachte nicht unerheblid)cn Schaden. Eine Kuh wurde gelobtet, der entstandene Brand wurde gelöscht. Das Unwetter verursachte auch großen Ernteschaden. — In Ems fuhr der Landwirth A. Z. den stellen Ehrlichsweg mit einem vollbeladeuen Wagen Gerste herab, als sich eine Garbe nach
