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1899
U-. 386.
Samstag, den 19. August.
Fernsprecher No. 52.
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Abendausgabe
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„ if die Dauer ganz utu Besoldung der Geistlichen und
Fisch scheint für Elektricitätsspannung sehr empfindlich zu sein und wird eben dadurch zum Wetterpropheten. Er wird schon vierundzwanzig Stunden vor Ausbruch eines Gewitters unruhig, erscheint dann öfter und länger als sonst an der Oberfläche und gießt dabei einen eigenthümlich pfeifenden Ton von sich. Die Landlente kennen diesen Ton und das Benehmen der Schmerle bei Acnderung der Witterung und halten sich vielfach diesen hübsch braun- und gelbgefärbten Fisch als Wetterprophet in einem Wasserbehälter, dessen Boden 5—6 cm hoch mit Kies belegt ist.
Die bekanntesten und besten Sänger aber sind die Meerfische. Der berühmteste ist der Knurrhahn, der zu der Gattung der Panzerwangen gehört. In der Gefangenschaft soll er wie eine Taube girren. Die Italiener nennen ihn den Meerkuckuck, thcils seiner Töne wegen, theils seiner flügelartigen Brustflossen halber. An den Küsten des mittelländischen Meeres versammeln sich bei heiterem Wetter oft ganze Schaaren von Meerkuckucks und stimmen ein weithin hörbares Konzert an. Verwandt mit dem Knurrhahn ist der Seehahn, der ein sonderbares Knarren hervorbringt, indem er die Gelenkflächen der Kiemendcckcl übereinander schiebt.' Er wird besonders in Sizilien für Geld den Fremden gezeigt, indem die Eingeborenen ihn veranlassen, das Maul aufzureißen, wobei er jedesmal das Knarren hören läßt. Im mittelländischen Meer ist ferner der Seeadler zu Hause, der zu den Umberfischen gehört. Zur Laichzeit erscheint er in großen Schaaren an den Flußmündungen der italienischen Küste und läßt, Kopf an Kopf stehend, seine Töne erschallen, die dem des Meerkuckucks ähnlich, aber weit stärker sind, sodaß sie häufig sich wie ein Brüllen anhören. Dieser Seeadler soll es gewesen sein, der die Ursache zur Sage der Sirenen hergab, wenigstens verlegten die Alten die Heimath der Sirenen dorthin, wo auch heute noch die Seeadler am häufigsten vorkommen und am deutlichsten ihren Gesang .erschallen lassen, der so laut manchmal erklingt,
(Nachdruck verboten.)
Singende Fische.
Von Dr. Heinz Lachner.
Die moderne Wissenschaft spricht in der Thai von Sängern des Wassers, von singenden Fischen. Dieses ist um so erstaunlicher, als noch vor hundert Jahren dieselbe Wissenschaft alle Fische für taub und stumm erklärte. Doch die moderne Forschung hat festgestellt, daß viele Fische Gehör besitzen und manche Töne von sich geben. Freilich bestehen die Töne mancher Fische nur aus einem Knurren oder Quieken; doch gießt es auch welche, deren Töne sich wie Orgelmusik und Trompetenklang anhören, sodaß man sie mit Recht „Sänger des Meeres" genannt hat. Die moderne Forschung hat auch ferner Schriften entdeckt, nach welchen den alten Römern schon 200 Jahre nach Christi Geburt singende Fische bekannt waren. Sie nennen den Trommelfisch und den Aper. Sie kannten bereits den Meereskuckuck, der einen ähnlichen Ruf ausstößt wie der Bogel, dessen Namen sie dem Fische gaben. Sie hatten überhaupt schon eine große Kenntniß von den tonerzeugenden, singenden Fischen. Das dem Studium feindliche Mittel- alter trägt die Schuld, daß diese römischen Schriften, wie auch so manche anderen, in Vergessenheit geriethen. So ist es auch erklärlich, daß selbst der große Sinne, der 1778 starb, in seinen Werken erklärte: „Alle Fische sind taub und stumm." Diese Behauptung bei einem so tiefen Denker und großen Forscher muß umso mehr befremden, als wir selbst in Deutschland Fische haben, die Töne von sich geben. Unsere Süßwafferfische: die Schmerle, Karpfen und Welse bringen Töne hervor, indem sie die Schwimmblase zusammenziehen und dadurch die in derselben vorhandene Luft nach dem Schlund hinaustreiben. Am weitesten hat es in dieser Hinsicht der als Wetterprophet bekannte und beliebte .Schlammbeißer, die Schlammschmerle, gebracht. Dieser
daß er die Fischer aus weiter Ferne anlockt, denn das Fleisch dieser Fische ist schmackhaft und sehr begehrt. Nicht minder bekannt als Sänger ist der Trommler, der zu der Familie der Lippfische gehört. Er wird bis zu 2 Vs Meter lang und ist sowohl im atlantischen wie auch im indischen Ocean zu Hause. Sein Gesang ist so stark, daß er noch aus einer Tiefe von fünfzig Meter an die Ohren der Menschen bringt. Besonders im Frühjahr zur Laichzeit ist sein Gesang stark und melodisch. Der ernste Forscher E. Praeger schildert ein Konzert von Trommlern, das er im April 1860 zu hören Gelegenheit hatte, wörtlich also: „Wir lagen auf dem Pontianak, dem größten Flusse an der Westküste Borneos, als wir zur Fluthzeit deutlich aus der Ferne Musik vernahmen, bald näher, bald ferner, bald höher, bald tiefer. Es klang aus der Tiefe rote Sirenengesang, bald wie volle Orgeltöne, bald wie leise Aeolsharfenklänge. Man vernahm es am deutlichsten, wenn man den Kopf ins Wasser tauchte. Wir unterschieden ganz bestimmt verschiedene, zusammenklingende Stimmen. Diese Musik wird, wie die Eingeborenen erzählten und spätere sorgsame Untersuchungen bestätigten, von den Fischen hervorgebracht. Ich hätte niemals geglaubt, daß Fische im Stande gewesen wären, solche Töne hervorzubringeu."
Die Trommler machen es wie die Nachtigallen, sie lassen am liebsten ihren Gesang in der Nacht ertönen, und zwar von Mitternacht bis 2 bis 3 Uhr Morgens. Heiteres Wetter und ruhige See macht die Fische sangeslustiger. Am besten hört man sie auf eisernen Schiffen, während sie auf Holzschiffen weniger gut zu vernehmen sind. Die Erzeugung der Töne erfolgt durch eine eigenartige Einrichtung in der Schwimmblase. Diese wird nämlich durch eine häutige Scheidewand in zwei Theile getheilt, von denen der eine Theil mit Muskeln umgeben ist, während der andere diese nicht besitzt. In dieser häutigen Scheidewand befindet sich ein kleines Loch, sodaß die Luft aus de»
*1. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Srnzeigen-Preist
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
gterlht, 18. August.
Im Abgeordnetenhaus herrschte am Freitag Stille vor dem Sturm. Nur bisweilen wehte auch in diese Stille ein Lüftlein vom Kanal herüber. Besonders im Anfang der Sitzung wirkte das Kanalfieber von gestern noch nach und machte die Absicht des Präsidenten, als ersten Punkt der Tagesordnung die Berathung der Staatsverträge Preußens mit den an dem Kanalbau betheiligten Bundesstaaten fortzusetzen, zu Wasser. Herr Bachem aus Köln hatte diese Berathung nicht gewünscht, weil sie ohne Annahme der Kanalvorlage in der Lüft schwebe. Dagegen schienet» die Konservativen versöhnlicher gestimmt zu sein und wieder positive Arbeit machen zu wollen. Merkwürdiger Weise war es der Extremsten einer, Dr. Dieterich Hahn, der von ihnen vorgeschickt wurde, um die Besprechung der Staatsverträge zu fordern, da sie eine Vervollständigung des Materials für die Kanalvorlage bildeten. Eine Auszahlung, bei der es recht lustig herging entschied zu Gunsten des Wunsches des Centrmns. — Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Kirchen- verfassung der evangelischen Kirchen im Konsistorial- bezirk Frankfurt a. M., die sich unter einer geradezu lärmenden Unruhe vollzieht. Abg. LotichiuS (nat.-lib.) hat gewisse Bedenken, ob es angängig sei, daßderKonsistorialpräsideut in Wiesbaden wohne, wenn er gleichzeitig in Frankfurt die Konsistorial- gefchäfte besorge. Jedenfalls bitte er, als Koiisistorialpräsidenten einen mit den nachbarlichen Verhältnissen vertrauten Mann anzustellei». — Abg. Funk (freif. VolkspO: Der Entwurf habe noch manche Mangel und Schwächen. Es frage sich z. Ä., ob vier Synoden für Frankfurt nicht zu viel seien und einen zu komplizirten Apparat darstellen. Es empfehle sich aber bei der Geschäftslage des Hauses nicht, sich ans eine tiefere Kritik des Gesetzes einzulässen und Ab-
3htttrthnta» für die Abend-Ausgabe bi« 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgab« bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Ausnahme später eingcrcichtcr Anzeigen,« ■jviHUitj«»- nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Denisches Keich.
* Hof- und Personat-Uachrichteu. Die Erbprinzessin zu Wied, Tochter des Königs von Württemberg, ist von einem Knaben entbunden worden.— Zum Gesundheitszustand deS Herrn v. Miquel bemerkt der „Hamiov. Cour." gegenüber den Nachrichten des ..Berl. Lok.-Anz.": .,Die Sache verhält sich, tote wir aus zuverlässigster Quelle wissen, etwas anders. Herr v. Miguel litt im Januar v. I. an Herzkrämpfen. Sein Arzt rieth ihm dringend, seinen Abschied zu nehmen, und seine Familie bat ihn flehentlich, diesem Rathe zu folgen. Herr v. Miquel that dies indeß nicht, weil er nicht an den Ernst seines Zustandes glaubte. Thaö sächlich hat sich fein Befinden seither erheblich gebessert." (Aber zum Abschiednehmcn scheint doch just das rechte Wetter. D. R.)
* Berlin, 19. August. Nach dem Verlauf der Donnerstag Abend stattgehabten Sitzung der Kommission des Abgeordneten- hailses für die Gemeindc-Wahlreform ist diese Vorlage als gescheitert zu betrachten.
* Nnndfcha» im Reiche. Die Abrechnung über das IX. deutsche Turnfest in Hamburg ist nun endlich erschienen. Darnach betrug das Defizit 57,910 Mk.; hiervon müssen jedoch 30,000 Mk. in Abzug gebracht werden, welche der hamburgische Staat für das Fest bewilligt hat, sodaß immer noch 27,910 Mk. zu Lasten der Garanten des Festes verbleiben würden. Der Finanzausschuß hofft aber, noch mehr retten zu können, sodaß man etwa 5 pCt. der Garantiesumme beanspruchen würde. Das Fest hat übrigens die größte Anzahl Turner aufzuweisen, welche je ein deutsches Turnfest besucht haben. Außer 210 Ehrengästen haben
Kanal-Vorlage gut unterrichtet ist, zugehende Mittheilima wieder: „In dem Verhalten der konservativen Partei zur Kanal-Vorlage erblickt der König eine persönliche Herausforderung und eine völlige Verschiebung des Grundverhältnisses zwischen der Krone und der konservativen Partei. Der König ist entschlossen, den hingeworfenen Fehde- Handschuh aufzunehmen und den Kampf rücksichtslos durchzufuhren. —Nach Informationen, welche die „National-Zeitung" für autoritativ hält, wird die Bestätigung der gestrigen Beschlüsse zweiter Lesung über die Kanal-Vorlage durch die bntte Lesung eine entscheidende Wendung sowohl in der inneren Politik, als in dem Verhältniß der Krone zu den Konservativen, wie sie in vielen Beziehungeii in Preußen feit Jahrzehnten traditionell waren, erhofft. Die Nationalliberalen werden für die dritte Lesung die Regierungsvorlage mit dem die Kompensationen für Schlesien enthaltenden Anträge Strachwitz als ihren Antrag von Neuem cinbringen. Man nimmt an, daß für den Dortmund-Rhein-Kanal sich eine Majorität znsammenfinden würde, aber vorläufig besteht sowohl unter den hannoverischen Nationalliberalen als auch unter den Freisinnigen die Neigung, auch die Theilstrecke Dortmund-Rhein zu verwerfen, sofern nicht der Mittelland-Kanal ebenfalls angenommen wird. Die nationalliberale Fraktion wird heute Abend über diese Frage bcrathen.
hd. Berlin, 19. August. Die „Berl. Ncuest. Nnchr." schreiben zur innerpolitischen Lage: An allerhöchster Stelle herrsche, zumal nach den Aenßerungen von extrem-agrarischer Seite, die Ansicht, daß die Konservativen die Kanal-Angelegenheit zu einer Machtfrage gestalten wollen und daß demgemäß das Verhalten der Regierung ihnen gegenüber eingerichtet werden muß. Nach uns aus politischen Kreisen zugegangenen Mittheilungen wäre allerdings mit der Eventualität zu rechnen, daß das gesammte preußische Staatsministerium im Fall der Ablehnung der Kanal-Vorlage feine Demission einreichen und seine Zusammensetzung wesentliche Veränderungen erfahren würde. Sicherlich könnte ein solcher Gedanke nicht ohne schwerwiegende Rückwirkung auf die gesammte innere Politik in Preußen und int Reich bleiben.
änderungsanträge zu stellen. Erfreulich fei es, daß durch den Entwurf die Konfessionen zusammenaefaßt werden. Wenn auch nemienÄ- werthe Differenzen zwischen Reformirten und Lutheranern bisher nicht hervorgetreten seien, so sei auch der kleinste Schritt zur Beseitigung konfessioneller Gegensätze zu begrüßen. Der wesentlichste Fortschritt liege darin, daß den Gemeinden bezw. der Synode daS Besteuerungsrecht verliehen werde. In dieser Beziehung seien die Zustände in Frankfurt derart, daß sie aus ......
haltbar feien. Eine ausreichende Besoldui „ ... _ . .......... die Möglichkeit, eine erforderliche Anzahl anzustellen, fei bei der Vermögenslage der lutherischen Gemeinde vollständig zweifelhaft geworden und bei Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes (teuere man direkt einem kirchlichen Nothstaude entgegen. Der Landtag habe ja neulich and; die israelitische Gemeinde mit dem Besteuerungs-Recht ausgestattet. Und die Stadtverwaltung von Frankfurt habe auch ihr Interesse an dem Zustandekommen des Gesetzes dadurch gezeigt, daß neuerdings auch die Stadtverordneten sich bereit erklärt hätten, die Kosten für das Konsistorium unter den neuen Verhältnissen zu übernehmen. Wie die Dmge liegen, könne man die unveränderte Annahme des Gesetzes nur befürworten. — Geheimrath Schwartzkopf erklärt die Bedenken von LotichiuS für grundlos. — Auf eine Anfrage des Abg. Funk, ob dem Magistrat auch unter den neuen Verhältnissen das Recht zustehen solle, ein Mitglied in das Konsistorium zu entsenden, erwidert Geheimrath Schwartzkopf, daß dem Magistrat ein Vertrag, der dieses Recht zusichere, bereits vorliege. Das Gesetz wird darauf auch in zweiter Lesung unverändert angenommen. — Der Gesetzentwurf betr. Dienststellung des Kreisarztes und Bildung von Gesundheitskommissionen wird in der vom Herrenhaus beschlossenen Fassung en bloc angenommen. — Der Gesetzentwurf betr. Bestrafung von Zuwiderhandlungen gegen Vorschriften über die Erhebung von Verkehrsabgaben wird an eine 14-gliederige Kommission verwiesen. — Der Gesetzentwurf über Schutzmaßregeln im Quell gebiet der Zuflüsse der Ober in Schlesien gelangt unverändert zur Annahme. — Ohne Erörterung wird auch m erster und zweiter Berathung die Gesetznovelle über die Landesbank in Wiesbaden erledigt. — Damit ist die Tagesordnung erschöpft. — Der Präsident setzt auf die Tagesordnung von morgen Samstag, 11 Uhr, die dritte Be- rathiing der Kanal-Vorlage und die zweite Berathung der Staats- Verträge. Zögernd stellt Der Präsident fest, daß sich hiergegen kein Widerspruch erhebt. (Große Bewegung.) — Schluß vor 3 Uhr.
311V Kanalfrage.
L. Berlin, 17. August.
K . Der Kaiser hat nach Berichten ans erster und unanfechtbarer Quelle die Nachricht von den gestrigen Beschlüssen des Abgeordnetenhauses mit Entrüstung ausgenommen und dieses Gefühl in einem Telegramm an das Staatsministerium lebhaft ausgedrückt. Diese Mittheilung ist auch mehreren Abendblättern zugegangen, die in verschiedenen, in der Sache jedoch übereinstimmenden Wendungen davon Kenntniß geben. Die von der „N. A. Z." veröffentlichte hochosfiziöse Ermahnung an die Konservativen kommt zweifellos zu spät. Die Konservativen könnten nicht mehr zurück, auch wenn sie wollten, aber wenigstens den Dortmund-Rhein-Kanal dürfte ein Theil von ihnen doch bewilligen, um dem Gegensatz zur Krone seine äußerste Schärfe zu nehme». Leicht möglich aber ist es, daß nunmehr gerade die Liberalen diese Theilstrecke ablehnen, damit reiner Tisch gemacht werde. Was bisher von Veränderungen im Staatsministerium verlautet, kann vorläufig auf sich beruhen bleiben. Eigentlich ist es selbstverständlich, daß die schwere innere Krise diesen oder jenen Minister wegfegen wird; aber die Krise muß erst gelöst fein.
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hd. Berlin, 18. August. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt offiziös: Die Ergebnisse der Abstimmung der «estrigen zweiten Lesung der Kanal-Vorlage find sehr betrübender lrt. Die konservative Partei, nicht minder der größte Theil der freikonservativen Partei stimmten nur mit wenigen Ausnahmen nicht bloß gegen den Mittelland-Kanal, sondern auch gegen die Verbindung des Dortmund-Ems-Kanals mit dem Rhein und brachten, da auch ein Theil der kanalfreundlichen Partei wegen provinzieller vermeintlicher Interessen gespalten war und das Lentrum aus taftifdjen Gründen bei der Hauptabstimmung sich derselben im Wesentlichen enthielt, die Vorlage in beiden Abstimmungen zu Fall, den Dortmund-Rhein-Kanal allerdings nur mit einer Mehrheit von zwei Stimmen. Wenn diese Haltung der konservativen Partei wider Erwarten in der morgigen dritten Lesung fortbauert, so liegt bie Befürchtung sehr nahe, daß bie bisherige Stellung ber konservativen Partei zur Staatsregierung unb selbst zur Krone infolge besten eine erhebliche Erschütterung erleiden würde. — Die Minister haben schon darauf hingewiesen, daß diese Frage nicht vereinzelt werden könnte unb baß die Partei alle Veranlassung habe, in ihrem eigenen Interesse bies im Zusammenhang mit ber gefammten politischen unb wirthschaftlichen Lage bes Laubes zu betrachten. Wir können baher nur bie bringenbe Hoffnung unb Mahnung anssprechen, daß bie konservative Partei noch int letzten Augenblick auch von biesem Standpunkt aus bie Frage betrachten und in der morgigen Abstimmung ihre bisherige schroffe Ablehnung modifizire. Die von den gegnerischen Parteien angeführten Gründe und Bedenken gegen das große nationale Unternehmen sind im Laufe der Berathuugen von allen Gesichtspunkten aus fo vollständig widerlegt worben, daß denselben eine Aenderung in ihrer Haltung um so leichter werben muß. — Bei ben Konservativen scheint Neigung zu einem gewissen Entgegenkommen zu herrschen. Wie bie „Berl. Reuest. Nachr." hören, wurde möglicher Weise von ihnen eine Stefolution an die Negierung eingebracht werden, mit der Aufforderung, ein anderes Kanalprojekt zur Verbindung des Rheins mit ber Ems vorznlegen. Näheres darüber wirb heute Abenb in ber Fraktionssitzung beschlossen. — Die „Berliner Neuesten Nachrichten" geben nachstehende, ihr von einer Stelle, welche über die Zntenstonen des Kaisers über die
