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1899
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Morgen-Ausgabe
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wäre jedenfalls besser angebracht, wenn der Betreffende seine „durch« schlagenden" Kräfte in seiner Werkstatt nützlich verwenden wollte, als sre an seinen Familienangehörigen zarten Geschlechts zu prob:ren; außerdem, müßte der gute Mann nach den häufigen Ver« tuchen doch jdjon langst hcrausgefunden haben, daß er unter allen Umstanden Sieger bleibt. Die gesammte Nachbarschaft wäre ihm daher gewig dankbar, wenn er keine weiteren Beweise hierfür bringen roüroe. e>old)e offenkundige, sinnlose Familienkeilerei bringt den Urheber i J. Pc Angehörigen in schlechtes Renommee und die Erziehung der Kinder leidet unter solchen schlechten Beispielen gewaltig Noch. Man tollte doch seine Nachbarschaft durch derartiges Schreien und Brüllen als ob sich Jemand in Lebensgefahr befände, namentlich zur Schlafenszeit, nicht in schrecken und Erregung bringen. — ^'nes bewundern wir bei der ganzen Sache, die große Geduld der Hausbewohner, die sich Alles so ruhig gefallen lassen.
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♦ Wiesbaden, 15. August. Nach den unierm 9. d. Mt». heransgegebcncn Bcröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes zu Berlin über die Gesa mm t st er blich ke it in den 274 deutschen Städten und Orten mit 15,000 und mehr Einwohnern während des Monats Juni 1899 hat dieselbe — auf je 1000 Einwohner auf den Zeitraum eines Jahres berechnet — betragen: a) weniger als 15,0 in 41, b) zwischen 15,0 und 20,0 in 110, c) zwischen 20,1 und 25,0 in 94, d) zwischen 25,1 und 30,0 in 22, e) zwischen 30,1 und 35,0 in 5 Orten und f) mehr als 35,0 in 2 Orten. Die geringste Sterblichkeitsziffer hatte in dein gedachten Monat der Borort von Berlin Groß-Lichterfelde 8 7/. gegen die Stadt Grabow a. O. in der
rovinz Pommern mit 43,2 zu verzeichnen. In den Städten und rten der Provinz Hessen-Nassau mit 15000 und mehr Einwohnern sind folgende Sterblichkeitsziffern für den Berichtsmonat — gleichfalls wie oben auf je 1000 Einwohner auf den Zeitraum eines Jahres berechnet—ermittelt worden: In Marburg 11,9 (ohne Ortsfremde 4,9), Wiesbaden 12,4, Frankfurt a. M. 15,6 (ohne Ortsfremde 14,4), Cassel 17,1, Hanau 17,5 (ohne Ortsfremde 11,4), Oberhausen 21,4 und in Fulda 24,7 (ohne Ortsfremde 19,3). — Die Säuglingssterblichkeit war im Monat Juni 1899 eine beträchtliche, d. h. höher als ein Drittel der Lebendaeborenen in 15 Orten, dieselbe blieb unter einem Zehntel derselben tu 35 Orten. Als Todesursachen der während des gedachten Monats in hiesiger Stadt vorgekommenen 84 Sterbefälle — darunter 22 von Kindern int Alter bis_311 einem Jahre — sind angegeben: Masern und
Rötheln —, Scharlach —, Diphtherie und Croup —, Unterleibstyphus —, Kindbettfieber —, Lmigenschwilid sucht 12, akute Erkrankungen der Athmiuigsorgane 5, akute Darmkrankheiten 9, Brechdurchfall 6, darunter 5 von Kindern im Alter bis zu einem Jahre, alle übrigen Krankheiten 48 und gewaltsamer Tod 4. Im Ganzen scheint sich der Gesundheitszustand gegenüber dem Monat Mai dteses Jahres gebessert zu haben, während derjenige der Säuglinge im Besonderen anscheinend ziemlich unverändert geblieben ist. Die Zahl der in hiesiger Stadt während des Monats Juni 1899 vorgekommenen Geburten hat — ausschließlich der angemeldeten 4 Todtgeburten — 177 betragen; dieselbe hat mithin die der Sterbefälle (84) um 93 überstiegen.
* N-ut Lande, 13. August. Für Vertilgung der Eichelhäher, Elstern, Würger, Sperber, Krähen (Saat- und Nebelkrähen) und Eichhörnchen werden vom 15. d. Ä. ab bis auf Weiteres Prämien ans Kreis- und Gemeindeniitteln wiederum solchen Personen
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tragsabschlusses, wozu von der Regierung Forstmeister v. Nathnsiiis tn Homburg ermächtigt worden ist, und dann können die Vorarbeiten beginnen. Es ist also Aussicht vorhanden, daß derThurm noch im neunzehnten Jahrhundert fertig wird.
d. Messerstecherei. Am Montag Nachmittag geriethen einige Arbeiter in der Schiersteinerstraße in Streit. Dabei wurde der 49-jährige verheirathete Zimmermann Friedrich Wilhelm Wagner aus Dotzheim, der anscheinend sich wenig an dem Streit beteiligt hatte und auf einer Bank saß, von einem jungen Menschen in ben Rücken gestochen, sodaß das Messer tief zwischen den Schulterblättern eindrang und die Lunge durchbohrte. Der lebensgefährlich Verwundete wurde von Kollegen in das Paulinenstift gebracht- Augenblicklich ist für das Leben des Bedauernswerthen keine Gefahr vorhanden. Der Messerstecher wurde verhaftet.
— „Tagl>lat1"-Samml«ngen. Es gingen ferner bei uns ein: Für erholungsbedürftige arme Ktnder von H. B. 10 Mk., L. L. 2 Mk., Ungenannt 1 Mk., bei Fräulein Agathe Merttens von Frau G. Suture 5 Mk., Ungenannt 5 Mk., Dr. Lugenbühl 10Mr., R.R. 3 Mk.; für die Abgebrannten in Holzappel von H. B. 10 Mk.
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Kurze sachliche Belichte werden bereitwuligst unter dicler Ueberschrift ausgenommen.
* Der schon durch seine trüberen lehrreichen Vorträge bestens bekannte Herr Lehrer Merte« hält heute Abend 8V1 Uhr im „Kneipp-Verein" im unteren Saale des Gesellenhauses wieder einen Vortrag, und zwar über »Nervosität und deren Heilung". Gäste sind willkommen. Wir verfehlen nicht, hierauf aufmerksam "zu machen. ___________
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Wiesbaden, 16. August.
— Grschichtskalrndrr. 16. August. 1875: ch Karl Theodor, Herzog von Bayern, zu Tegernsee, Anführer der Bayern im Jahre 1866 (♦ in Mannheim). 1870: Schlacht bei Mars-la-Tour oder Vionville. 1648: Frieden zu Osnabrück. 1596: * Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz, zu Amberg. 1532: ch Johann der Beständige, Kurfürst von Sachsen, zu Schweinitz bet Wittenberg. 1358: t Albrecht II., der Weise, Erzherzog von Oesterreich.
d. 13,300 Personen wurden am Sonntag und 13,700 am Montag von der elektrischen Bahn befördert. Die Frequenz der Elektrischen an diesen Tagen wäre jedenfalls noch einmal so stark gewesen, wenn die unheimlich lang auf sich warten lassende Linie Rheinstraße und über den Ring fertig gestellt gewesen wäre.
uc. Gute Metterpropheten find zwar die Laubfrösche nicht, wohl aber zahlreiche Pflanzen. Da ist zunächst unser Klee. Der alte Landmann weiß genau, wenn Regen bevorsteht, denn dann sehen feine Kleefelder ganz verändert aus. Die Blättchen haben sich nämlich aufgerichtet, um — wie schlau — den niedertropfenden Regen auf den Boden fallen zu lassen. Die gewöhnliche und mittlere Sternmiere (Voaelkrant), Stellaria media, öffnet, wenn Regen fallen soll,, ihre kleinen weißen Blüthchen des Morgens nicht, wie gewöhnlich, um 9 Uhr, sondern behält sie geschlossen. Die gemeine Rtngelrose (Calendula officinalis), die sonst von 6 Uhr Morgens bis 4 Uhr Abends die Blüthen geöffnet hat, schließt sich um 1 Uhr Früh, wenn Regen kommt. Desgleichen thut Hibiscus trionum, dagegen öffnen sich die Blüthen der Pimpernelle weit. Die Labkrautarten düsten stärker, wenn Regenfall bevorsteht, so namentlich der liebliche Waldmeister (Asperula adorata unb Gali um verum). Aehnlich wie der Klee verhalt sich der in allen Wäldern verbreitete Sauerklee (Oxalis acetosella).
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(Für Veröffentlich»»««, unter bietet Ueberlchrist übernimmt die Sebatliou teüiertei Beranttuortuiifl.)
♦ Selbst im entlegensten südlichsten Theil unserer Stadt sollte am Montag R! argen der Weckruf für unsere wackeren Turnergäste nicht verstummen. Die letzten der flotten Burschen mögen wohl noch nicht zu lange im Bett gelegen haben, da ertönte die Löwen- ftimme eines bekannten Hauswirthes; aber--dann ging's los
--dumm, dumm!! und die ganze Familie, die in entsetzlichem Jammergeschrei mit des grimmigen Alten Gebrüll abwechselte, hatte ihr ,Fett". Wer da von der Nachbarschaft auf einige Häuser weite Entfernung nichts davon bemerkt hat, der ist seines gesunden Schlafes wegen wahrhaftig zu beneiden. Es
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(Nachdruck verboten.)
Dom Vostwesen.
ii.
Der gesummte Postversundl.
Wir haben in unserem vorigen Aufsatz bereits der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Entwickelung des Postwesens einen vortrefflichen Maßstab für die kulturelle Entwicklung des Landes bilde. Daran ist wohl kaum zu zweifeln, daß ein gebildetes Volk sich tm Schreiben von Briefen und Postkarten besonders hervor- thui und daß in diesem Punkt die handeltreibenden Nationen im Vordertreffen stehen. Das beifolgende Diagramm aus Webersiks früher erwähntem interessanten Buche bestätigt dieses augenfällig. Die Briten, das größte Krämervolk der Welt^ empfangen und versenden verhältnißmäßig am meisten Briefe, nämlich 47 pro Kopf im Jahre. An die zwei Milliarden kommen sie. Die stammverwandten Australier stehen ihnen nicht viel nach. Es kommen 45 pro Jahr auf jeden Bewohner des »jüngsten Kontinents". Demnächst erweisen sich die Schweizer als das schreibseligste Volk mit 427» Briefen für leben Eidgenossen, worauf Onkel Jonathan imt 37 folgt. Der Deutsche mit 26 Briefen steht erst au vierter Stelle tn Europa, da ihm außer dem Briten unb bem Schweizer auch noch ber Däne über ist; dafür aber thut er sich tm Schreiben von Postkarten hervor, des Dichters Wort bedenkend : Weil Kürze nun des Witzes Seele ist, faß ich mich kurz. Nur der Schweizer schreibt eine Postkarte mehr tm Jahr, während er, ber Deutsche, 97« Stück empfängt ober verfaßt, sodaß er, mit bem genannten südlichen Nachbarn zusammen, ben größten Rekorb aus biefem Gebiete hat. Allgemein bürste wohl die Meinung verbreitet sein, baß, zumal fett bem Massenverbrauch ber so schnell in Mode gekommenen Ansichtspostkarten, ber Postkartenversanbt ben ber Briefe erheblich Überschreite. Das ist jebock keineswegs ber Fall, denn auf 1395 Millionen Briefe kommen in Deutschland etwas über eine halbe Milliarde S(Harten, doch mag sich das Verhältnis; seit Aitfstellung dieser attsttk, welcher die Ergebnisse von 1896 zu Grunde liegen, zu Gunsten der Postkarten etwas verschoben haben. Auffällig ist, eine wie niedrige Stufe Portugal, das, wie wir im ersten Artikel sahen, so auffällig viele Postanstalten besitzt und in dieser Hinsicht au vierter Stelle unter den Ländern der Welt und noch um zwei Stufen über Deutschland steht, in Hinsicht auf feinen brieflichen Verkehr etnmmmt. Fünf Briefe und 17» Postkarten kommen ba nur jährlich auf den Durchschnittsportugiesen, während beispielsweise der Japaner fast viermal soviel Postkarten verbraucht als er; ber Sohn „bei Reiches bet aufgehenden Sonne" steht überhaupt a$6 Briefschreiber allen Asiaten voran unb beweist bannt, daß er an ber Spitze des asiatischen Fortschritts marschirt.
Sehen wir uns auf anderen Diagrammen des interessanten Buches die weiteren Kategorieen des Postversandts an, so finden wir, daß in Hinsicht auf Drucksachen und Waarenproben der rührige schweizer mit nicht weniger als 49 Stück im Jahre allen anderen vorausteht. Dann folgt der Yankee mit 38, der Deutsche mit 35, oer Däne mit 34, der Belgier mit 30, ber Niederländer unb Franzose mit 27, der Brite mit 21, der Skandinavier mit 18, der Italiener mit 8, ber Oesterreicher unb Ungar mit 77- unb noch eine Anzahl anberer, schließlich ber Russe mit 1'7. Da unter bie Drucksachen neben Prospekten, Preislisten re. natürlich in erster Lmie Bücher und Zeitungen fallen, so lassen auch biefe Zahlen wieder interessante Schlüsse zu.
Die weitaus meisten Postanweisungen unter allen Ländern der Welt kommen auf Deutschland (etwa 2 pro Jahr auf jeden Einwohner). und auf Großbritannien (im Verhällniß ebenso viel), die meisten Werthbriefe auf Rußland, d. h. in Hinsicht auf die Ge- sgmmtzabl. Im Deutschen Reich kommen etwa 2 Geldbriefe jährlich auf die Person. Die meisten Packete verschickt und empfängt der schweizer durch die Post (6.6), bann folgt Deutschland, das mit 166 Millionen Pasteten den größten Packetpostverkehr ber Welt hat unb barin ben bes nächstfolgenden Landes, den ber Vereinigten Staaten, fast um baS Doppelte übertrifft. In ber Gesammtzahl aller Briefpostsenbunaen stehen die Vereinigten Staaten mit 5800 Millionen obenan, bann folgt sogleich Deutschland mit 3857 Millionen, Großbritannien mit 3153 Millionen u. s. f. Das bevölkertste und größte Reich Europas, Rußland, steht erst au sechster Stelle. Das kleine Schweizerländchen steht gleich die drittnächste Stufe hinter ihm und kann deshalb auch in Hinsicht auf den Poswerkehr stolz von sich sagen: „Ich bin mit nichten bie kleinste
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Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS: durch den Verlag sw Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. wo Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
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Mittwoch, den 16. August.
. ~ Feldberg-Thurmbau wird nunmehr
rasch gesordert. Auf eine von dem Vorstand des „Frankfurter Taunusklub an die Regierung in Wiesbaden gerichtete Eingabe hat letztere sich damit elnverstanden erklärt, bem Klub eine Fläche von raub 1500 Quadratmeiern auf dem Feldberggipfel zur Er- bauung des monumentalen AnSsichtsthnrmS auf die Dauer von 18 wahren geaen Zahlung eines Jahrespachlgeldes von 5 Mk. zu verpachten. Nach den bestehenden aögemciücn Bestimmungen kann von ber Königlichen Regierung in Wiesbaden eine längere als achtzehnjährige Pachtbauer' nicht festgesetzt werden dazu wurde es der Einholung einer Ministeriäl-Entscheidiing bedürfen. Es wird aber nach Pachtablauf die Erneuerung des Vertrags unter nn Wesentlichen gleichen Bedingungen wohl keine Schwrerrgketten finden; die Pachtdauer von achtzehn Jahren hat eben nur eine formelle Bedeutung. Es bedarf nur noch des Ver-
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