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Wiesbadener T ach Litt

Anzeigen-Prcisr

1899

Mittwoch, den 9. August

Fernsprecher N». 52.

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durch die deutsch-feindliche Politik und die SBcgünftigung der slnvischen Aspirationen, durch welche sich die Politik der österreichischen Negierung seit einigen Jahren sehr zu ihrem Nachtheil auLzeichnet. Wenn hierdurch die Dreibundpolitik in Oesterreich zum schweren Nachthcil der habsburgische» Monarchie untergraben wird, so ist es andererseits ebenso natürlich, daß die Drangsalirung der Deutschen in Oester- reich auch in Deutschland das Interesse am Dreibund schwächt. Die verantwortlichen Männer in Oesterreich hätten alle Ursache, auch diese Wirkung ihrer Politik nicht zu übersehen.

Rom europäischen Konzert.

Der Staatssekretär v. Bülow hat einmal im Reichstag das treffende Wort gesprochen, daß von den Bündnissen dasselbe gelte, wie von den Frauen, daß nämlich diejenigen die besten seien, von denen man am wenigsten spräche. Wenden wir dies Wort auf die europäischen Bündnisse an, so müssen wir feststcllen, daß in jüngster Zeit sowohl vom Dreibund als auch vom Zweibund bedenklich viel gesprochen worden ist, noch mehr aber vom Zweibund als vom Dreibund.

Bon dem Augenblick an, wo der Czar die Anregung zur Friedenskonferenz gegeben hatte, sind in Frankreich die Kommentare über das russisch-französische Bündniß nicht verstummt, und diese Kommentare lauteten nichts weniger als günstig. Die große Mehrheit der französischen Nation hat niemals ein Hehl daraus gemacht, daß sie den Zwci- bund nicht etwa erstrebt habe, um den Frieden Europas zu sichern, sondern vielmehr, um den französischen Rcvnnche- gedankcn zu fördern. In dieser Hinsicht hat der Zweibund den Franzosen jedenfalls das nicht gehalten, was er ihnen zu versprechen schien, und es hätte nicht einmal mehr der vom Czaren angeregten Friedenskonferenz bedurft, um den Franzosen die Hoffnung, einstmals zusammen mit den Kosackenregimenlern nach Elsaß-Lothringen marschiren zu können, als eine eitle erscheinen zu lassen. Wenn aber, wie in Frankreich offiziell behauptet wird, der Bortheil des Zweibunds für Frankreich darin liegen soll, daß dieses gegen einen Angriff von Seiten Deutschlands gesichert werde, so ist dem entgegen zu halten, daß kein vernünftiger. Franzose ernsthaft eine solche Aggressivpolitik von Seiten

Deutschlands für möglich hält.

Aber man hat in Frankreich noch andere Gründe, die Bilanz des Zweibundes als eine ungünstige anzuschen. Der Bund hat die erhoffte Verstärkung der Machtstellung Frank­el' reichS nicht herbeigeführt, und er hat es nicht zu verhindern vermocht, daß Frankreich in dem Faschoda-Strcit mit Eng­land den Kürzeren zog und eine nicht zu verhüllende Schlappe erlitt. Günstiger als die Bilanz Frankreichs ist die Rußlands, welches einen Thcil der Erfolge, die es in den letzten Jahren in den ostasiatischen und orientalischen Fragen errungen hat, der Unterstützung Frankreichs ver­dankt, und welches mit Hülfe des umfassenden Kredites, den es in Frankreich gefunden hat, seine Finanzen überraschend schnell geordnet und gekräftigthat. Trotz alledemwird anch inRuß- land keine reine Freude über das Bündniß mit der französischen Republik zur Schau getragenen, denn die ununterbrochenen Wirren, welche Frankreich seit dein Beginn der Dreyfus- Asfaire erschüttert haben, haben die Bündnißfähigkcit Frank­reichs erheblich hcrabgedrückt. Man wird cs somit begreiflich finden, daß die französische Negierung gerade jetzt ein dringendes Vedürfuiß empfunden hat, den Minister des Aeußern, Herrn Delcassö, nach.Petersbnrg zu entsenden, um dort mancherlei Mißstimmungen, die in Rußland durch die Enthüllungen des Dreyfus-Skandals erweckt worden sind, zu zerstreuen. Ein Vergleich zwischen dem Empfang, den |r einst Herr Faure in Rußland gefunden hat, als die Bündniß- Sonne noch im Zenith stand, und dem bescheideneren | Empfang, der jetzt Herrn Delcassö zu Theil wurde, zeigt, daß das russisch-französische Bündniß, mag auch seine Festigkeit noch nicht erschüttert fei», jedenfalls von keiner Seite mehr durch irgend welche Begeisterung gestützt wird.

Eine objektive Betrachtung der politischen Konstellation H in Europa zeigt uns allerdings, daß sich die europäischen Mächte überhaupt nicht mehr so schroff als noch vor Jahres- k. frist in Verbündete und Gegner sondern. Nicht nur hat H* die Spannung zwischen Rußland und Oesterreich, da die orientalische Frage an aktueller Schärfe verloren hat, nach­gelassen, sondern auch zwischen Deutschland und Frankreich hat ein friedlicheres Verhältniß Platz gegriffen, wenn auch E selbstverständlich die Phantastereien von einer deutsch- französischen Freundschaft nicht ernst zu nehmen sind, da die französische Nation ihreEndziele" nur aus Opportunitäts- gründen zurückgestcllt, keineswegs aber endgültig aufgegeben hat. Ziehen wir endlich in Rechnung, daß auch zwischen Frankreich und Italien Alles in Allem friedlichere Stimmungen Platz gegriffen haben, so erhellt daraus, daß die frühere Ausschließlichkeit des Zweibundes wie des Dreibundes nicht mehr besteht.

Trotzdem heißt es, den bleibenden Werth dieser Stimmungen und Verstimmungen überschätzen, wenn aus | ihnen der Schluß gezogen wird, daß sowohl der Zwcibund wie der Dreibund im Begriff fei,- anderen Gruppirungen oer Mächte zu weichen. Es heißt dies mindestens den That- sachen weit voraus eilen, wenn auch selbstverständlich kein Bündniß für die Ewigkeit geschloffen wird. Das Parallelogramm der Kräfte, welches durch Dreibund und Zweibund in Europa.geschaffen worden ist, hat sich bisher bewährt und es dürfte noch" weiter seine guten Dienste leisten. Eine ernste Gefahr droht dieser Konstellation allein

«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag &o Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. tiO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgabe» zusammen.

Glückwunsch erhalten anläßlich seines UebertrittS auch aus dem Kreise seiner früheren StandeSgenossen. Joh. Petran, der auS dem Salzburgischeu stammt, stellte evangelische Toleranz und katholische Intoleranz wirkungsvoll ehumber gegenüber. Als Dritter sprach Jos. Jaworski aus Galizien, der siebzehn Jahre lang dem Jesuiten-Orden angehört hat und mit Vorliebe als Missionär" ausgesandt wurde.

* Unndschan im Reiche. Die Feier der Eröffnung des Dortmnnd-Ems-Kanals beginnt am Freitag Morgen 9 Uhr. Auch die Minister». Miquel und Thielen sind zu der Feier erngekaden und kehren von Dortmund alsbald nach Berlin zurück. In der Nähe des zur Parochie von Pfarrer Lic. Bräunlich gehörigen OrteS Nock au fand Sonntag, den 30. Juli, ein Waldfest des Gustav- Adolf-Verein s statt, bei dem drei Oesterreicher Ansprachen hielten, die bis vor Kurzem noch katholische Priester waren. M. Bayer, bis Pfingsten dieses Jahres katholischer Priester in EibeSwald (Steiermark) und in Graz zur evangelischen Kirche übergetreten, sprach ans eigener Anschauung und Erfahrung über dieLos von Rom"-Bewegung in Oesterreich und deren Be- urtheilung in klerikalen Kreisen, wobei er erzählte, daß er manchen

* Kerli», 9. August. Gegen den sogenannten Stnmm- Paragraphen im Urheberrecht, der die Veröffentlichung von Briefen verhindern will, haben sich, wie dieNational-Zeitnng" erfährt, die Sachverständigen der Presse mit einer Ausnahme sämmtlich erklärt.

* Dir Korrektur prs Reichotags-Ztenogrnmm». Den M. R. N." zufolge verlautet, Büreau-Direktor Knack habe den Präsidenten Grafen Ballestrem wegen der bekannt--» Stenogramm­änderung um Verzeihung gebeten. Der Präsident habe sich damit zufrieden erklärt. Die Soeialdemokraten, besonders Singer, wollten aber die Angelegenheit in der ersten Sitzung des Gesammt- vorftandes nach Zusammentritt des Reichstags zur Sprache bringen, unter Betonung der bedeutenden Kosten, die für stenographische ichte erforderlich sind, lediglich um eine authentische Urkunde den Wortlaut der Parlamentsverhandlungen zu haben.

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Auzeigeu-25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Deutsches Kelch.

Der Kaiser in Dortmund.

1. Berlin, 8. August.

Mit gerechtfertigter Spannung wird dem Freitag entgegcu- gesehen, wo der Kaiser in Dortmund, umgeben vom Reichskanzler und den Ministern v. Miquel und Thielen, die feierliche Er­öffnung des Dortinund-Ems-Kanals vollziehen wird. Nach seiner Gewohnheit dürfte der Kaiser auch diesmal eine Rede halten, und da sie dem großartigen neuen Verkehrsmittel zu gelten haben würde, so könnte man in der That alsbald in der zuverlässigsten Weise erfahren, ob es wahr ist, was die Gegner des Mittellandkanals über eine veränderte Veurtheilung dieser Vorlage behaupten. Es ist freilich schon dagewesen, daß der Kaiser bei einer festlichen Gelegenheit mit schweigsamer Freundlichkeit die offiziellen Reden mit angehört hat, ohne seinerseits das Wort zu nehmen. Beispielsweise ist dies bei der Eröffnung der Berliner Gewerbe-Ausstellung geschehen, aber ein Schweigen des Kaisers in Dortmund würde schließlich ebenso beredt sein, wenn nicht beredter noch, als es eine Rede sein könnte. Jedenfalls hängt viel davon ab, was am Freitag in Dortmund geschehen wird, und zwar vor Allein darum, weil e8 hohe Zeit ist, daß den eifrig verbreiteten Stimmungs- machereien der Kanal-Gegner der Boden entzogen wird, auf dem heute infolge der eigenthnmlicheu Zurückhaltung der Regierung die seltsamsten Gerüchte gedeihen können.

1. Die Erhebung des Botschafters Grafen Münster in den Fürstenstand

wird in Paris zweifellos noch größeres Aussehen als überall sonst machen. Man wird in Paris vielleicht finden, daß dies Ercigniß. den vielberufencn. Redereien des Generals Mercier über Münsters Eingeständniß der Spionage des Drcyfus allzudicht auf den Fersen folgt, als daß nicht ein sehr enger Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen gesucht werden müßte. Auch wenn man sich hier zunächst solcherDeutuug enthält, so ist es klar, daß die unserem Botschafter in Paris erwiesene Ehrung der Ausdruck besonderer Anerkennung seiner Thätigkcit ist, und dies will sagen, daß er sich auch in allen Stadien der Drehfussache in einer Weise bewährt haben muß, die jede Inkorrektheit nach der Art der von Mercier behaupteten ganz selbstverständlich ausschließt. Für den Entschluß des Kaisers, den Grafen Münster in den Fürsten­stand zu erheben, mag sodann auch die geschickte Vertretung der deutschen Interessen auf der Haager Konferenz mit- gespcochen haben. Ohne Zusammenhang hiermit möchten wir, da einmal der Name Münster genannt wird, daran erinnern, daß Fürst Bismarck in seinenGedanken und Erinnerungen" für diesen Diplomaten auffallend wenig Freundlichkeiten, dagegen umsomehr Unfreundliches'übrig hat.

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Kof- u:>d Rerfonal-Nachrichten. Aus London wird derVossischen Zeitung" telegravhirt: Obwohl der Kaiser der Einladung, die Königin von England zu besuchen, folgen wird, ist der Tag der Abreise noch nicht festgesetzt worden. Die Ankunft des Kaisers in England hängt davon ab, ob er die Königin vor ihrer Abreise nach Balmoral oder nach ihrer Rückkehr von dort besuchen wird. In letzterem Fall wurde der Kaiser erst nach der Mitte des November in Windsor eintreffen.

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«% ttitrtltttt» für die Abend.Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

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Verlag: Langgasse 27k

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Der Dreyfus-Vrezeß.

hd. Rennes, 8. August. Zum gestrigen erstenVerhandlungS- tag wird noch gemeldet, daß Dreyfus nach Schluß der Sitzung eine Stunde derRuhe pflegte, daun arbeitete er und später empfing er ben Besuch seiner Frau. Ein großer Theil der Zeugen hat sich in die nahen Seebäder Saint Malo und Dinard begeben. Heute wurden in mehreren Hotels Conventikel abaehalteii, an denen sich u. A. Mereier, Boisdeffre, Cavaignac und Gonse betheiligten. Die Nevisionisten beriethen mit Trarieux. ES scheint, daß man versuchen will, durch Ueberraschungen zn wirken. In der Mittagspause verließ Dreysus hochaufgerichtet wie gestern das Lyceums-Gebäude. Die Menge schien sympathischer gestimmt zu sein. Bisher soll die Durchsicht der Geheimakten nichts Nennens« werthes ergeben haben.

Renne», 8. August. Die Sitzung des Kriegsgerichts dauerte von 7/7 bis gegen 12 Uhr. General Chanoine erklärte den ge­heimen Dofsier.' Die Oeffentlichkeit war so streng ausgeschlossen, daß selbst die Sekretäre der beiden Vertheidiger und der DreyfuS eskortirende Gendarnierie-Hauptmann der Verhandlung nicht bei­wohnten. Von 11 Uhr an sammelte sich eine beträchtliche Menschen­menge gegc;.uver dem Haupteingang des Lyceums. Als die Mitglieder des Kriegsgerichts erschienen, wurden sie von den Zuschauern durch Hut- abnehmeu begrüßt. Daun ertheilte der Gendarmerie-Oberst einige Be­fehle. Plötzlich erschien eineSchwadron berittenerGeudarmerie, hinter ihr eine Compagnie Infanterie. Die Soldaten trieben die Zn- fchauer weit zurück, wogegen die Menge durch einiges Geschrei protestirte. Dann erschien Dreyfus hinter einer lebendigen Mauer von Gendarmen und Infanteristen. Voran gingen Gendarmen, dann kam Dreyfus zwischen zwei riesigen Gendarmen, zwischen denen er klein erschien; Gendarmen schlossen den Zug. Dreyfus ging raschen sicheren Ganges; ohne aufzublicken, durchschritt er die Straße und verschwand bald in der kleinen Thür des dem Lyceum gegenüber liegenden Militär-Gefängnisses. Die Menge, die ihn nicht sehen konnte, wurde doch etwas unruhig, als er borberkam. Ganz hinten hörte man einige Pfiffe und vereinzelte Rufe:Es lebe die Armeei" (Frankf. Ztg.")

hd. pari», 8. August. Aus bester Quelle verlautet, daß die Enthüllungen, welche durch das Bekaimtwerden des geheimen Dossiers "tn Aussicht stehen, einen allgemeinen Ausbruch des Abscheus und der Schande Hervorrufen wurden. Denn anstatt, daß man glauben könnte, in dem Dossier befänden sich wichtige Staats- geheimnisse, hat man nur den Inhalt schmutziger Briefe, welche von der Polizei dem getäuschten französischen Geueralstab über­mittelt worden sind, zu erwarten. Die Tochter des Grafen Münster fall besonders in diesen Briefen erwähnt sein, und zwar in einer Weise, die überall einen allgemeinen Abscheu Hervorrufen wird. In Paris hat die gestrige Verhandlung den Eindruck gemacht, daß der Prozeß ehrlich und gründlich geführt wird. Eine große Er­regung ist hier nicht wahrnehmbar, aber sie ist fraglos vorhanden und kann bei jedem Anlaß losbrechen. Dreyfus wurde heute Früh kurz nach ti Uhr in derselben Weise wie am gestrigen Tage vom Wilitärgesängniß nach dem Gymnasium gebracht. Um 61/« Uhr hatten sich die Mitglieder des Kriegsgerichts und die Vertheidiger Dreyfus' eingefunden.

hd. Ueuneo, 9. August. Die Vorsichtsmaßregeln waren gestern verschärft. Gendarmerie bewachte das Lyceum von allen Seiten. Die Straße, auf welche die Fenster des Verhandlungs­saales gehen, war auf der LyccumSseite abgesperrt. Die Straßen­bahn, welche durch dieselbe fährt, mußte einen anderen Weg nehme». Heute spricht noch Chauoine, morgen wird Paleologue Namens des Auswärtigen Amts das diplomatische Dossier erklären. Die hier weilenden Generale Mercier, Boisdeffre und Gonse bleiben höbet, daß Esterhazy dem Generalstab keinerlei Nachrichten übermittelt habe. Ganz unglaubwürdig sei es, daß Sandherr von Esterhazy das Bordereau schreiben ließ. Wäre das thatsächlich der Fall, so hätte Esterhazy nicht die bloße Thatsache berichtet, sondern kontrolllr- bnre Details dieser Diktirscene hinzugefügt. Diese Ansicht wird übrigens auch von Demange und Labori getheilt. Wie verlautet, ist das Studium des geheimen Dossier für Dreyfus günstig aus­gefallen, da dasselbe mir Sachen enthalten soll, die sich in reinem Falle auf einen Verrath DreyfuS' beziehen. Es ist beschlossen worden, eine ganze Reihe neuer Zeugen zu verhören. Dieselben haben bereits Vorladungen erhalten. Der frühere KriegSmlNister Cavaignac erklärte einem Redakteur desGaulois": Seit meiner Ankunft in RenneS bin ich überzeugt, daß Dreyfus neuerdings für fchulbig erklärt werden wird. Was meine Aussage betrifft, so wird sie so fein, wie sie sein soll. Was die Aussage des Generals Mercier betrifft, so wird dieselbe von der größten Wichtigkeit und auf die Dauer des Prozesses von großem Einfluß fein.

Heber den Aufenthalt von Dreyfus auf der Tenfela- Ansel veröffentlicht der PariserMatin" ben amtlichen Bericht der Kolonialverwaltung: Der Bericht bestätigt alle Vorwurfe und Anklagen, bie gegen ben Minister Lebon nnb den Gouverneur Demel erhoben wurden. Man legte Dreyfus in Fesseln, man versperrte ihm bie Aussicht auf bas Meer, man entzog ihm Wein und Kon- ferven ohne Grund, man versagte ihm das Werkzeug zum Schreinern, bas er zur Zerstreuung begehrte, und verweigerte ihm selbst Arzneien. DaS Alles ist letzt amtlich bestätigt. Deniel ließ Dreyfus einmal an seine Frau eine Depesche schicken, welche bie Bestätigung des Empfangs eines Briefes unb guter Gesund­heit enthielt. Infolge all dieser Chikanen litt Dreyfus wieder­holt an Nervenkrisen unb zweimal fiel er ohnmächtig nieder, wobei er sich schwer verletzte. Der Bericht bestätigt, daß am 6. Juni 1897 von der Verwaltung ein Scheinversuch zur Entführung unternommen wurde, wobei Dreyfus beinahe von; Wächter erschossen wurde. Deniel behauptete, dieser Versuch sei nöthig gewesen, um bie Zuverlässigkeit des Personals auf bie Probe zu stellen. Dreyfus verhielt sich auf her Insel stets unterwürfig unb gehorsam; er befeuerte ununterbrochen seine Unschuld. Ein­mal sagte er:Wenn Schuldige existiren, bann sind sie im Knegs- ministerinm, bas mich als Opfer ausersehen hat, um bie Beruhten Gemeinheiten zu verbergen." Nach bei Einleitung deS Revisions­verfahrens würben die Briese Dreyfus' so erschütternd, daß Deniel dem unteren Wachpersonal bie Lektüre derselben verbot; er be­fürchtete, sie könnten milder gegen ben Gefangenen.werden.