Wiksbckemr THlsü
<3. Jahrgang.
Ko. 366;
Dienstag, den 8. August.
1899
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher N» 52.
Abend-Ausgabe
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irljeit, nicht ein zu er»
Praxis erwacht; nicht aber soll ein Compendium des fertigen Wissens als bequemes Faulpolster eingepankt und nach Bedürfniß abgerollt werden. DaS ist der fundamentale Gegensatz zwischen dem, waS wir und was jene Wissenschaft nennen.
.f, von dem der
____________ .lutzen zieht. Weit Wissens geöffnet werden, historisch und
Deutsches Reich.
An der Errichtung von Majoraten findet selbst die agrarische .Deutsche Agrarkorrespondenz" Mancherlei auszusetzen. Eine Schattenseite der Befestigung des Grundbesitzes durch die Errichtung von Majoraten trete zuweilen dadurch in Erscheinung, daß beim Ilebergang des Besitzes auf eine andere Linie der Besitz mitunter an Jemanden fällt, der bereits Majoratsherr ist, während ein jüngerer Bruder leer ausgeht. Es sei klar, daß das volks- wirthschaftliche und socialpolitische Ziel der Besttzbefestigung in einem solchen Falle, also bei Uebergang deS Besitzes an ein schon in befestigtem Besitz befindliches Familienhaupt, nicht mehr erreicht wird. Es könnte eben nur durch Uebergang deS neuen Besttzrechts an einen nächste» noch nicht begüterten Erbfolger erreicht werden. Aber diese heutige Erb- praxis bewirkt nicht nur nichs Vortheilhaftes, sondern sie wirkt direkt—volkswirthschaftlich und socialpolitisch — schädlich. Die Auffassung einer volkswirthschaftlich und socialpolitisch günstigen Wirkung der Grundbesitzbefestigung ist ganz wesentlich an die Erfüllung der Bedingung geknüpft, daß
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WWiSM Einfluß auf den Gang der Bildung ausgeübt, fehlten ihm . 18. Jahrhundert gegen die wachsenden Feinde, Jansenisten und
«ncyklopädi'len, alle Vertheidigungskräfte; er bot ein Bild des «wletbs und es war unmöglich, daß der allgemeine MaraSmnS, t »te er in allen Ländern sichtbar war, fortbestehen konnte. Die
Anzeigen-PreiSt
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gewähren, da zu einer Uu.hu» u ' torischen Leistung der Gedankenstch
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durch die mit Vorliebe gepflegten Disputationen herangezogen wird; p man wird in der Polemik der Jesuiten und jesuitisch Geschulten i immer bemerken, daß der Mangel an Beweismaterial durch sformaleChicanen, durch Herumreit en auf Aeußerlich- £" leiten, angeblichen Nachweis von Denkver.stdßen zc.
ersetzt werden soll. Ein ehrlicher Kämpfer nimmt den Gegner E von der stärksten Seite, ignorirt kleine Mängel der Explikation, ja f verbessert selbst Fehler, die jener aus Versehen begangen, um dem M Kern seiner Ideen volle Aufmerksamkeit zuzuwenden — Dialektiker 6 jenes Schlags dagegen haben nicht die Wahrheit, nicht ein zu er»
zielendes Resultat im Auge, sondern einzig die Niederwerfung des Gegners durch alle Mittel, vorzüglich durch jene widerliche jt Advokatenrabulistik, die sich namentlich in einer religiösen Schrift Mund im Munde eines Theologen so eigenlhümlich ausnimmt. Von E Anfang an waren die Jesuiten jedem Fortschritt - der Wissenschaften entgegen; alle großen Geister I und schöpferischen Genien wurden von ihnen an» ak gefeindet; die Wissenschaft betrachteten sie als etwas Ab-
geschlossenes. Fertiges, das nur an die kommenden Generationen EL M überpflanzen, aber wesentlich nicht zu vermehren sei. t Äre schriftstellerische Thätigkeit erschöpfte sich daher in ewigen s Kommentaren ihrer leitenden Autoren, in philosophischen und Mcheologisch-dogmatischenLehrbüchern, die wohl bis heute sturmfluth- Ü cttig hervorwuchsen, aber im Grund immer derselbe Abklatsch von U Thomas, Suarez, Äellarmin, also völlig unnütz sind, da doch Jeder F iwber an der charakterhaltigen und urwüchsigen Quelle, als an dem r «üben und matten Bächlein seinen Durst löschen will. Es ist in E derThat geradezu erschreckend, wie der Geist vor ihnen znrückweicht £ und die Stagnation mit ihnen einkehrt, wo immer sie ihren Fuß Epficn. Wenn man von den wissenschaftlichen Leistlingen derJesutten
spricht, darf man nicht vergessen, welch immense Menge von Mit- . gliedern dieser Orden seit seiner Gründung zählt; dann wird man kennen, tote wenig von ihnen überhaupt geschrieben worden und j wie dürftig der Gehalt dieses Wenigen ist. Vergleicht man dagegen ff wie viele Männer aus dem kleinen Tübingen sowohl protestan- C «sicher» als katholischerseits hervorgingen, so wird man den (Segen» i mtz der Methode begreifen. Als der Orden aufgehoben wurde, : war er eigentlich schon in Agonie; in Frankreich, wo er noch Ende e des 17. Jahrhunderts Geister des Mittelschlags heroorgebracht und - io immerhin auch in der profanen, namentlich ästhetischen Litteratur
Aufhebung war eher ein Werk der Erbarmung als ein feindseliger Akt und verschaffte den Jesuiten noch einen glänzenden, durch den Lorbeer des Martyriums verherrlichten Abgang. Daß man den Orden toieber aufleben liefe, war ein verhängniß- voller Fehler und ein schwerer Nachtheil für die katholische Kirche. Er brachte das Wiederaufleben der Scholastik, gerade jetzt, wo GörreS, Stolberg, Schlegel die katholische gebildete Welt mit den aufblühenden Künsten und Wissenschaften in fruchtbringendste Verbindung gesetzt und die Glanzperiode der katholischen Wissenschaft vorbereiteten, deren Träger Männer waren wie Sailer, Thanner, Brenner, Drey, Walter, Sirscher, Katerkamp, Binterim, Windischmann, Baader, Günther, engier, L. Schmid, Möhler, Staudenmaier, Kuhn, Gfrörer, Huq, Haneberg, Hefele. Görres erkannte mit Scharfblick die Gefahr, die bei dem wohlbekannten ©heben des Ordens nach Weltherrschaft in Aussicht stand, und sprach warnend: „Während Rom durch ihre Wiederherstellung ihnen mit Fug und Recht die lang versagte Genugthuung gegeben hat, mögen die Völker wohl zu Rache gehen, was ihre Zeit und ihre Art Bedangt, damit nicht, während sie nach einem Bessern greifen wollen, ein Rückschritt geschehe, der jedesmal durch seine Folgen sich empfindlich rächt." (Rheinischer Merkur 1814 Nr. 133.) Wir am Ende des Jahrhunderts wissen jetzt, wo hin wir durch die Jesuiten gekommen sind; die Saat ist aufgegangen, die Frucht steht da, der Sieg des herrschsüchtigenOrdenS über dieKirche ist vollkommen. Man führt die großen Leistungen des neugegründeten Ordens an, was sind sie? Neue bahnbrechende Schöpfungen? Keine Spur. Ihre Philosophie, Moral und Dogmatik bewegen sich ganz genau in dem alten Geleise wie vor 300 Jahren; ja es ist diese Constanz und Perennität, die wir bewundern und als Beweis ihrer Tüchtigkeit nehmen sollen. Wo immer sie auf die neueren Erscheinungen der Litteratur kommen, reden sie mit jenem anmaßenden, verächtlichen Ton über Zerfahrenheit, „Haltlosigkeit der modernen Wissenschaft", „Krach von Wittenberg", sprechen von Genien wie Kaiit, Schelling, Herbart, Goethe, als wenn diese Leute tief unter ihnen ständen und ihren Ruhm nur erschlichen hätten, üben ein Censurmnt auch über katholische Gelehrte mit enlpörender Parteilichkeit und Gehässigkeit, während zugleich das elendeste Machwerk ihrer Färbung in den Himmel hinaufgelobt wird, und sind überhaupt von einem Hochmuth besessen, der an Größenwahn grenzt, wenn man die Winzigkeit ihrer Leistungen bedenkt, die jeder Originalität und Selbständigkeit, jeder Objektivität und formellen Schönheit entbehren. DasTra urigste aber ist, daß thatsächlich die katholische Welt von der angeblichen Vorzüglichkeit der Jesuiten nach allen Richtungen förmlich hypnotisirt ist, daß nichts so sehr das wüthende Gebell der ihr befreundeten Presse, und das sind mit wenig Ausnahmen alle „katholischen" Organe, herausfordert, als ein Zweifel an der Große der Gesellschaft Jesu. Die bedeutendsten Talente aus allen Ländern sind dem Orden zu- geführt worden, aber er hat sie durch seine Methode ertödtet, er hat Individualität, Selbständigkeit und umfassende Bildung gehindert, hat jedes Äbweichen vom ausgetretenen Weg, jeden Schritt nach vorwärts erbarmungslos geahndet, er hat in seinen Pfleglingen jenen zelus amarus, jene scientia inflans hervorgerufen, welche nur erbittert und wieder leidenschaftliche Abwehr erweckt, ohne das geringste Gute zu schaffen, ohne die wissenschaftliche Er- örterung im Mindesten zu fördern; er hat dadurch der Kirche ein Heer von Feinden geschaffen, das immer zahlreicher wird und immer mehr gegen die Kirche selbst sich wendet, je mehr e8 sieht, daß die Jesinten unter dem Mantel des offiziellen Kirchenthums Deckung finden. Welch eiserne Fessel der Verband des Ordens für den Geist ist, da« sieht man an dem Fortschritt, den viele Jesuiten nach dem Austritt aus dem Orden nahmen. Stattler, Pnssaglia, Reinhold mögen als Beispiele dienen. Auch Hettinger und Hergenröther sind erst in Deutschland und durch deutsche Bildung das geworden, wodurch sie Ruhm erlangt, selbst wenn man die formelle logische Schulung im Germanieum immerhin als werthvoll anerkennt. Aber das Formelle geht obendrein, wenn man mit den großen Geistesschöpfungen und Litteraturdenknialen vertraut wird. Wer die großen Meister kennen lernt, lernt auch denken, urtheilen und schließen; man braucht nicht an einem öden Stoff und an hohlen Nüssen die logische Kraft zu bilden, man thut dies weit ersprießlicher an werthvollem Geistesstoff, von dem der Geist zugleich realen Gewinn und bleibenden Nutzen zieht. Weit müssen die Thore des Wissens geöffnet werden, historisch uub philosophisch muß in die Tiefe der Zeiten und Ideen gegangen, die Verknüpfungen und Zusammenhänge müssen gezeigt, die Grundlagen erforscht werden, kritischer Blick und philologische Akribie muffen leben Schritt begleiten; so muß die Zeit des Studenten mit der principiellen Festigung und methodischen Schulung ausgenützt werden, damit der Trieb beS Weiterbauens in der Periode der
M« katholischer Geistlicher über die Jesuiten.
lieber die Jesuiten ist so viel BitlcrS von nichtkatholischer (Seite geschrieben worden und wird noch so viel geschrieben, daß <3 nicht mehr als recht und billig ist, auch einmal eine katholische Stimme, und eine fachmännische dazu, über sie zu Wort kommen zu lassen. In dem höchst beachtens- werthen Buche: „Der Reform-Katholicismus", 2. Theil, die praktischen Reformen (Zürich bei Cäsar Schmidt), W äußert sich der bayrische katholische Geistliche Dr. Josef j Müller wie folgt über den Orden der Gesellschaft Jesu und seine Leistungen:
der Grundherr auf seinem Besitz wohne und ihn — eS sei in eigener Regie, es sei durch Pächter — unter Aufwendung eigener geistiger Arbeit bewirthschafte und verwalte. Diese Vorbedingung ist aber ersichtlich nicht ober doch nur in sehr mäßigen Grenzen erfüllbar, wenn ein schon angesessener Grundherr durch Erbgang ein örtlich vielleicht weit entferntes zweitens Majorat erhält, dessen Besitz aber für einen noch unbegüterten Anverwandten eine Gelegenheit für volle Kraftentfaltung in der hier betonten wirthschaftlichen und socialen Richtung darbielen würde.
Zur Wassernoth in Deutsch-Südwest-Afrika.
Aus Südafrika kommt jetzt mitten in der Unruhe die Meldung von einem Plan wirthschaftiicher Natur, der auch Deutsch-Südwest-Afrika in mehrfacher Beziehung berührt. Die „Volksstem" enthält darüber folgende Mittheilungen: „Der Beschluß des freistaatlichen Volksraades, mit der Kap- kolonie ein Abkommen über die Eindämmung des Oranjeflusses zu treffen, ist ein höchst belangreicher Schritt, dessen weitere Folgen durch Südafrika mit größter Aufmerksamkeit beobachtet werden müssen. Nur sehr wenig Menschen begreifen schon, daß die Wasserfrage in allernächster Zeit die Hauptfrage für Südafrika werden wird. WaS aber speziell unsere Republik betrifft, so ist kein Zweifel daran, daß der ermittelte Vorrath von Grundwasser jährlich abnimmt und daß einmal der Tag kommen wird, an welchem Wassermangel eine drohende Gefahr für unser Land werden wird. Bereits jetzt werden von voraussehendeo Personen Maßregeln ergriffen, um die Wasserzufnhr zum Witwatersrand auch ferner zu sichern, und die Stunde wird schlagen, in welcher Derjenige, der Herr ist über das Wasser, zugleich Herr über das ganze Land werden wird." Da der Oranjefluß die Südgrenze Deutsch-Südwestafrikas bildet, so muß jede Regelung des Oberlaufes dieses Flusses einett Einfluß auf das deutsche Schutzgebiet ausüben, der auch Maßregeln auf deutschem Gebiete verlangt. Außerdem hat Deutsch-Südwestafrika unter derselben Gefahr des allmählichen Wassermangels zu leiden, wie die übrigen Staate» und Kolouieen Südafrikas. Verschiedene Fachgelehrte sind schon zu der Ueberzeugnng gekommen, daß Südafrika einer allgemeinen Austrocknung entgegengeht. Ein vollgil tiger Beweis ließ sich dafür noch nicht erbringen. Die neueren Beobachtungen scheinen aber eine Bestätigung dafür z» enthalten, auch mag daran erinnert werden, daß der ehemals so große Ngamisee in den letzten Jahren vollkommen ausgetrocknet ist. Wenn nun die südafrikanischen Staaten sich über die Regelung der ihnen gemeinsamen Flüffe verständigen und eine systematische Wassergesetzgebung einführen, so kann Deutsch-Südwest-Afrika nicht bei Seite bleiben. ES muß sich an den Vereinbarungen betheiligen und bei Zeiten Schritte thnn. .
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♦ Hof- und Personal-ltnchrichten. Nach einem Telegramm aus Wtlhelmshöhe trifft der Kaiser am Freitag, den 11. August, in Dortmund ein. — In Betreff der Englandreise oe8 Kaisers schreibt die „Post": Soweit unsere Kenntniß reicht, ist eS nicht unmöglich, vielleicht sogar nicht unwahrscheinlich, daß der Kaiser seinen britischen Verwandten einen Besuch abstattet. Wo jedoch die Zusammenkunft stattfindet und zu welchem Zeitpunkt, darüber bürste augenblicklich noch keine Entscheidung getroffen sein, sodaß alle diesbeziiglichen Mittheilungen mit Vorsicht aufzunehmen sind. — Der „Neuen Freien Presse" zufolge hat Prinz Max von Baden auf Anrathen des Professors Krafft-Ebing eine mehrwöchentliche Kur im Sanatorium Burkersdorf absolvirt, well die Aushebung der Verlobung mit der Großfürstin Helene auf sein Nervensystem unheilsam eingewirkt hatte. Da sich fein Zustand jetzt gebessert hat, ist der Prinz nach Salzburg abgereist.
* Herlin, 8. August. Finanzminister Dr. Miquel hat sich von Langenschwalbach nach Cassel begeben, da er für gestern Vormittag nach Wtlhelmshöhe zum Kars er zum Vortrag befohlen war. Die Meldung einer Korrespondenz, das Staatsministerrum habe beschlossen, dem Kaiser die Vertagung der Kanal-Vorlage vorzuschlagen, wird der „National-Zeitung" von zuständiger Seite als Unsinn bezeichnet. Am Samstag habe eine Sitzung des Staats» Ministeriums stattgefunden, bei welcher ausschließlich dringende Diseiplinarsachen auf der Tagesordnung standen.
* In der Frage der Reichstagodiäten frischt die „Deutsche Tageszeitung" ihre frühere Nachricht wieder auf, eS werde in Regierungskreisen ernstlich erwogen, ob es sich nicht empfehle, Tagegelder für die anwesenden Reichstagsabgeorbneteii, also sogenannte Präsenzgelber, einzuführen. Neuerdings will da» Blatt erfahren haben, daß die Frage zwar noch nicht aus dem Stadium der Erörterung herausgekommen sei, daß sie aber jedenfalls demnächst dieses Stadium verlassen werde.
* Der Streit «m den Doktortitrl. Der dem Kultus» Ministerium unterbreitete wahlberechtigte Wunsch der Technischen Hochschulen, den Doktortttel verleihen zu dürfen, hat die Universitäten veranlaßt, zu dieser nächtigen Frage Stellung zu nehmen, deren Entscheidung von der Entschließung des Kaisers abhängig ist. Von dem ursprünglichen Plane, in einer gemeinsamen Petition sich dagegen zu erklären, i|t man indessen wieder abgekommen. E» ist nur angeregt worden, baß sich 'jede Universität besonders zu bet Sache äußern soll. Seitens ber Berliner Universität ist bieft Stellungnahme inzwischen erfolgt, leiber in ablehnendem Sinne.
* Die Anzahl der Gefangene« in den preußischen Strafanstalten (und Gefängnissen) bezifferte sich 1895/96 auf 25.644 (37.762 im Vergleich zum Vorjahr) Männer und 4655 (8457) Weiber, 1896 97 auf 24,675 (33,471) Männer, 4633 (6904) Weibe« und 1897/98 auf 21,315 (37,167) Männer, 3636 (7298) Weiber. Der tägliche Durchschnittsbestand betrug: 1895,96 = 15,930 (6856) Männer, 2635 (7L0)Weiber, 1896 97 = 15,667(6822)Manner,2516 (674) Weiher, 18§7/^ ---14,358 (7313) Mayner,2312(696) Weiber. «N
Zunächst wurde der ausblühende Orden zum Misstonsdienst i gegen die Reformation verwandt, er wurde auf die gesährbetsten i und wichtigsten Posten gesandt und errang in ber That überall Siege. Dre zielbewußte Einheit gegenüber feer Zerfahrenheit im protestantischen Lager, ber Eindruck der Ehrwürdigkeit, des Opfer» ( ftnnS, ber religiösen Begeisterung, verbunden mit schlagfertiger t Dialektik und Rhetorik, gewannen viele Herzen der alten Kirche K" k und bewerkstelligten bei den treu gebliebenen jene ethische anblung und religiöse Reformation, welche der vielfach ge» i sunkene Welt- und bisherige Regularelerus nicht hatte zu Stande i bringen können. Auch die Bildungsanstalten, welche sie allmählich t- alleiubalben errichteten, erfreuten sich großer Anerkennung, selbst i von feindlicher Seite, und konnten anfangs mit den besten ber Zeit konkurrireu. Bald aber zeigten sich bie Mängel, die dem neuen Ordenssystem im Prinzip anhafteten. Es war schon auffallend und zeugte nicht gerade für Denmth und Interesse für Volks - Aufklärung, daß der Orden den Volksunterricht prinzipiell ablehnte. Nicht einmal seine eigenen Brüder sollten Unterricht erhalten: „Keiner von denen", heißt es in den Begulae communes, „die zu den häuslichen Diensten verwandt werben, soll lesen und schreiben lernen oder, wenn er es schon versteht, noch mehr dazu lernen; ohne die Erlaubniß des Generals darf ein solcher nicht unterrichtet n werden; denn ihm wirb es ausreichem in heiliger Einfalt unb Denmth Christo bem Herrn zu dienen/ Der Orden beschränkte sich also auf den Hähern Unterricht. Aber auch hier überpflanzte er wohl das Wissen, wie es der damaligen traditionellen Bildungsstufe entsprechend war, schlecht und recht, je nach den Lehrkräften, die ihm zu Gebote standen; er fügte aber nichts aus Eigenem hinzu; er gab keinen höheren Schwung. Indem man so viel als möglich an den Traditionen des Mittelalters, dem Inhalt und der Methode der Scholastik festhalten wollte, dieselben nur äußerlich mit den Ideen des damals siegreichen Sumanismus verquickte und an dem einmal geschaffenen Studien- an und Erziehungsgeist Jahrhunderte lang krampfhaft festhielt, verschloß sich der Orden schon den damals neue Bahnen brechenden kühnen Denkern der Renaissancezeit, lähmte vollends für die Folge- zeit jeden Fortschritt, ja durch die ertobtenbe GeisteSdressur sogar jeden Sinn für Fortschritt und Verbesserung. Die ratio studiorum legte allen Werth auf formale Schulung in Rhetorik und Dialektik mit Vernachlässigung der Realien, der Natur» und Geschichtswissenschaft. Das Medium ber lateinischen Sprache als ausschließliches Unterrichtsmittel führte zu jener Unbeholfenheit unb Stillosigkeit im Gebrauch der Muttersprache, wie sie das charakteristische Kennzeichen der Jesuiten- zöglinge ist, ein Mangel, ber durch die Geistesarmnth des Lernstoffes, durch die Fernhaltung von allen großen Litteratur- fchöpfungen (im Interesse der Reinerhaltung des Glaubens) noch ; vergrößert wird. Die spitzfindige Dialektik kann dafür Ersatz nicht wirklich großen wissenschaftlichen unb rhe- edankenstoff einer umfassenden Bildung fehlt, e und unredliche Sophistik aus, die
