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«3. Jahrgang.
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U0. 353, Fernsprecher N». 52. DtkNstag, bCJI 1 Auguff. Fernsprecher No. 52. 1899.
suS an diesem Tage zu Petrus
— prtrt Kettenfeier (1. August). Die Apostelgeschichte berichtet uns: „König Herodes Agrippa ließ den Apostel Petrus ins Gefängniß legen. Er gedachte ,hn nach Ostern den Juden vorzustellcn. Die Gemeinde betete für ihn zu Gott. In der Nacht, da Herodes ihn vorstellen wollte, schlief Petrus zwischen 2 Kriegsknechten, gebunden mit 2 Ketten, und vor der Thür hüteten Wächter daS Gesängniü. Siehe, da kam ein Engel und weckte Petrum und die Ketten fielen ihm von den Händen. Der Engel sprach: .Gürte dich und thue deine Schuhe an l Wirs deinen Mantel um und »mir!" Petrus that, wie ihm geheißen ward. Sie gingen
) die erste und zweite Hut und kamen an die eiserne Thur, welche in die Stadt führte. Sie that sich von selbst auf. Petrus verbarg sich bei der Mutter Markus. Als es aber Tag ward, forderte HerodeS den Petrus; als er ihn nicht im Gesängmß fand, verhörte und strafte er die Wächter". Zum Gedächtniß der Befreiung des Apostels ist »Petri Kettenfeier" eingesetzt worden. — Der 1. August gilt al« Unglückstag, weil an ihm der Teufel vom Himmel gestürzt worden ist. Weil Jesus an diesem Tage zu Petrus gesagt haben soll: „Weide meine Schafe", deshalb wurden die Schafe an diesem Tage eingesegnet. Früher trieben die Pächter ihre Herden zur Kathedralkirche von Aork.
— Alte Kauernregeln für Monat August. Nordwind im August will sa'n, daß gut Wetter hält noch an. — Jst's hell am St. LaurentiuStag, viel Früchte man sich versprechen mag. — Gewitter am Bartholomä bringen bald Hagel und Schnee. — Morgens lauter Finkenschlag, kündet Regen für den Tag. — Der Thau ist für den August so noth, als Jedermann das täglich Brod. — Wenns im August stark thaut, so bleibt das Wetter traut. — Was im Herbst soll gerathen, das muß im August braten. — Sind St. Lorenz und Barthel schön, ist guter Herbst vorauszuseb'n. — Der Sichel vergiß nicht, Barnabas, er sorget gern fiir's längste Gras. — Jst's in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter fange weist. — Im August Wind aus Ost und Nord, jagt die Unbeständigkeit fort. — Äehlthau im August ist sehr ungesund, unreines Obst bring nicht in den Mund. — Wenn der Kuckuck lange nach Johanni schreit, so rufet er nur thcuere Zeit. — Schön Wetter zu Mariä Himmelfahrt verkündet Wein von bester Art. — Bringt Rosamunde Sturmeswind, so ist Sybille uns gelind. — Wenn großblumig wir viele Disteln erblicken, will Gott einen guten Herbst uns schicken.
— Dir Kunst-Auktion in den Kun st sälen war gestern stark besucht. Bereits ein großer Thcil der Blätter ist flott ab- Ben. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht, daß heute ttag von 'M2 Uhr ab ganz speziell die Originalwerke (Oel- gemälde) zum Ausgebot gelangen. Die Auktion wird voranssicht- Nch mindestens bis etnschliestl. Mittwoch dauern. Unter den Säufern waren bisher einige auswärtige Händler zu bemerken.
— Aufruf! Wir erhalten folgenden Ausruf: Am 26. Juli legte ttt Holzappel bei Diez eine Feuersbrunst 18 Wohnhäuser, 10 Scheunen und 8 Ställe in Asche. ES wurden fast ausnahmslos ernte Bergwerkerfamilien betroffen, denen zumeist Alle» verbrannt ist, da wegen dem schnellen Umsichgreifen der Flammen fast nichts gerettet werden konnte. Auch ist ein Menschenleben zu beklagen. Obwohl viele der Betroffenen versichert sind, so ist dennoch die Noth grenzenlos. 25 Familien sind obdachlos geworden (etliche mußten auf Nachbarorten untergebracht werden) und stehen am Rand der Verzweiflung. Der Fürst von Walbeck und Pyrmont hat bereits 1000 Mk. angewiesen; um weitere Gaben wird gebeten. Dieselben sind zu richten an Herrn Pfarrer Stahl in Holzappel. Auch ist Herr Lehrer Wittgen tn Wiesbaden, Bismarckring 35, der mehrere Jahre in Holzappel angestellt war, bereit, nähere Auskunft $u ertheilen, sowie Gaben anzunehmen und zu übermitteln.
— Verlust von ynittniitzskarteii. Hat ein Arbeitnehmer feine Onittungskarte verloren, so muß er sofort zur Ausgabestelle gehen und sich dieselbe erneuern laffen. Kosten sind mit dieser Erneuerung keineswegs verknüpft. Die in der verloren gegangenen Karte bereits befindlichen Marken können durch die Ausgabestelle in die erneuerte Karte handschriftlich übertragen werden, wenn der Lerficherte den Nachweis über die verwendeten Marken bringt. Zu diesem Zweck muß er sich, wie der „Praktische Wegweiser" Mretbt, von dem Arbeitgeber, welcher Marken in die abhanden gekommene Karte geklebt hat, eine Bescheinigung ertheilen lassen, die den Vermerk enthält, day so und so viel Marken der und der Lohu- klafse der und der Versicherungsanstalt eingeklebt worden sind.
— postalisches. Nach einer Verfügung des Staatssekretärs v. Podbielski werden am 1. Oktober Postanweisungen mit an- aehangter Postkarte zur Empfangsbestätigung eingeführt. Die neuen Formulare gelangen ungestempelt zur Ausgabe. Sie werden in Meirgen von mindestens 5 Stück zum Preise von 5 Pf. für je 3 Stück verkauft. Die Frankimng" der Postanweisung wie der Postkarte hat durch Aufkleben von Freimarken zu erfolgen. Auch die angehängte Postkarte muß vom Absender der Anweisung frantirt werden, sonst wird die ganze Anweisung nicht zur Beförderung an- jenommen. Die angebangte Karte wird dem Ädresiaten der Postanweisung zur Ausfertigung der Empfangsbestätigung überlassen, Mt Postkarte kann auch zu anderen Mitthetlungen benutzt werden. Für drahtliche Postanweisungen, sowie für Marink-Postanweisungeu vnnen die neuen Formulare nicht verwendet werden.
x. Vielseitige Verwendbarkeit des Schlussel». Von >en Vielen gegen Insektenstiche bekannten, meist aber unwirksamen Miyeln wird ein einfaches mechanisches Verfahren gegen Bienenstiche empfohlen, das feiner leichten Anwendbarkeit wegen, zumal
Ans Stadl und §and.
Wiesbaden, 1. August.
— Geschichtokalender. 1. August. 1822: Brasiliens Un= abbängigfeitSerHärung von Portugal. 1806: Auflösung des deutschen Reiches nach mehr als tausendjährigem Bestehen. 1798: Vernichtung der französischen Flotte durch Nelson bei Abukir. 1789: Suworows Sieg über die Türken bei Fokschani. 1759: Schlacht bei Minden. 1664: Schlacht bei St. Gotthard an der Raab, Sieg der Oesterreicher unter Montecueuli über die Türken. 1589: Ermordung Heinrichs III., Königs von Frankreich, im Lager zu St. Cloud. 1527: * Kaiser Maximilian II. in Wien. 1492: * Wolgang, Fürst von Anhalt, zu Köthen, eifriger Beförderer der Reformation (f zu Zerbst). 1291: Vereinigung der Schweizer Waldstätte zum Bunde, Gründung der Eidgenossenschaft. 1202: Schlacht bei Mirebeau, Johann ohne Land, König von England, siegt über die Franzosen.
Morgen-Ausgabe.
bei frischem Stich, wenn die Geschwulst noch nicht zu weit vorgeschritten, wohl Aussicht auf Erfolg hat. Man drücke die runde Oeffnung eines hohlen Schlüssels kräftig aus den Bienenstich, bis der Stachel, der stets in der kleinen Wunde zurückbleibt, an der Hautoberfläche erscheint und leicht entfernt werden kann. Dadurch soll Schmerz und Geschwulst in wenigen Minuten behoben fein. Hat man jedoch momentan keinen geeigneten Schlüssel zur Hand, so empfiehlt fich gegen Insektenstiche gewöhnliche angefeuchtete Waschseife, welche auf den Stich dick aufgeschmiert wird. (Sine Anschwellung tritt nicht ein und das Jucken hört bald auf. Ist der Stich besonders giftig, so wird der Ausstrich, nachdem der vorherige sich verloren hat, wiederholt. Außerdem ist Waschstife bequemer als eine Salmiakflasche mitznführen.
Vereins-Nachricht«».
Kurze sachliche Berichte werden bereitwilligst unter dieser Ueberschrift ausgenommen.
* Der Wiesbadener Lehrer-Verein" widmet feit einer Reihe von Jahren eine feiner Monatsversamnilungen ausschließlich der Unterhaltung und der Geselligkeit, um damit auch den Angehörigen der Vereinsmitglieder, insbesondere den Frauen, gerecht zu werden. Der diesjährige sogenannte Familien-Abend fand am verflossenen Samstag in dem „Unter den Eichen" bclegenen Restaurant des Herrn Seebold statt. Die sehr zahlreich erschienenen Samilien der VerelnSmitglieder und Gäste wurden Namens des vrstandes des Lehrer-Vereins von Herrn E. Kolb herzlich begrüßt, worauf der Abend durch einen Klaviervortrag — Lustspiel- Ouvertüre von Keler Böla — Seitens der Herren H. Müller und Röll eröffnet wurde. Nach dem Vortrage zweier Volkslieder durch den Sängerchor des Lehrer-Vereins nahm Herr C. A. Müller das Wort und entrollte an der Hand eigener Erfahrung und „alter Bekannter", der „Münchener Fliegenden Blätter", das Lebensbild des Lehrers „Friedel" von dessen Wiege bis zum Grabe. Herr Müller machte sich durch diesen wohlgelungenen, mit köstlichem Humor und Witz durchwobenen Vortrag um die Veranstaltung besonders verdient und erntete von feinen Zuhörern, die er in die heiterste Stimmung zu versetzen wußte, reichen Dank und Beifall. Zu dem weiteren schonen Verlauf des Abends trugen noch besonders die Herren Höfer een. und jun., Seel, Weil, Klein, sowie der „Sängerchor des Lehrerverein" bet, wofür allen schließlich durch Herrn Kolb der Dank des Vereins ausgesprochen wurde.
Stimm«« aus dcm Publikum.
(Für Veröffentlichungen unter dieser Überschrift übernimmt die Redaktion Icütetlei Verantwortung.)
* Die Eintrittspreise für das 24. Mittelrheinische Turnfest find im Großen und Ganzen als annehmbar zu bezeichiten, soweit sie erwachsene Personen betreffen. Aber, wie steht es mit den Kindern? Wie Einsender hört, soll ein Beschluß gefaßt sein, wonach Kinder, einerlei, welches Alter, den vollen Eintrittspreis an den einzelnen Tagen bezahlen sollen. Bis jetzt war unseres Wissens auf derartigen Festen für Kinder doch noch eine Grenze gezogen. Einsender will dem Finanzausschuß durchaus nicht zumütheit, daß er heirathsfähige Töchter noch als Kinder ansehen und frei passiren lassen soll. Aber ein anderes Beispiel: Soll ein Familienvater, der ein oder zwei Kinder im Alter bts zu 4 Jahren hat, feine Angehörigen, inbegriffen feine Frau, zu Haus lassen, nur aus dem Grunde, weil er eventuell gezwungen ist, für feine unmündigen Lieblinge den vollen Eintritt zu zahlen; oder wird den Eltern zugemuthet, daß sie ihre Kinder in den Wohnungen einschließen sollen? Auf allen Äerkehrsanstalten werden Kinder unter 4 Jahren vollständig frei, solche bis zu 10 Jahren zur Hälfte des Preises befördert. Weshalb hier nicht? Glaubt der verehrliche Finanzausschuß, daß die Wiesbadener Familienväter ihr Geld so leicht verdienen, daß sie nicht zu rechnen brauchten? G.
* An dem Verbindungsweg Emserstraße-Philippsberg, in welchem eben ein Kanal gelegt wird, befinden sich rechts und links zwei (Särtnerfjiittcn, welche von Menschen und Thieren (Ziegen) bewohnt sind. Die menschlichen und thierischen Exereniente haben keine Ableitungen, sondern werden in kurzen Zwischm- räumen auf sogenannte Misthaufen geworfen, welche, besonders bei der jetzigen Hitze, einen abscheulichen Geruch verbreiten. Freitag Abend 9'/- Uhr hatten die Bewohner des PhilippsbergS und der Knausstraße eine Probe davon. Der Mellschenkoth des Abortes der nächstgelegenen Hütte wurde entleert und auf den Düngerhaufen geworfen. Em pestilenzarliger Gestank verbreitete fick tn der Umgegend, drang trotz geschloffener Fenster in die Wohnräume und war ftunbenlang nicht herauSzubringen. Es ist unglaublich, daß so Etwas in einem bewohnten Stadtviertel erlaubt ist. Die Bewohner der Häuser gegenüber, die ohnehin durch den Rauch der Schornsteine belästigt sind, werden zunächst abwarten, ob die Besitzer dieser Hütten polizeilich angehalten werden, die Abortstoffe vorschriftsmäßig in den Hauptkanal abzuführen. Die Hausbesitzer und Miether dieses Stadttheils werden andernfalls nicht ruhen und rasten, bis sie die Beseittgung resp. Schließung dieser Stlukhütten auf gesetzlichem Wege erreicht haben.
* Bezugnehmend auf den Artikel in Nr. 351 in Ihrem geschätzten Blatte „über auffallende Entwerthnng re. theile Ihnen ergebenft mit, daß mir dieses Kuriosum bereits schon vor circa 6 Wochen passirt ist. — Sandte vor ungefähr obigen angegebener Zeit circa 5 Mk. in 20 Pfennigstücken an hiesiges Postamt, nach kurzer Zeit erhielt ich 3 Stück durchschnitten zurück vom Postamte Cassel, indem 60 Ps. zu ersetzen seien, resp. der hiesige Postverwalter dieses zu thun habe; um den hiesigen Herrn, welcher zu meiner Kundschaft gehört, nicht ganz di« Summe von 60 Ps. tragen zu lassen, theilte ich mit demselben die 60 Ps. Vor kurzer Zeit hatte ich eine Posteinzahlung zu machen, leider befand sich wieder ein 20 Pfennigstück darunter, dessen Rückseite durch die Länge des Gebrauchs ziemlich abgenutzt war. Dasselbe wurde meinem Knechte, welcher die Einzahlung machen sollte, unter der Motivirung des Herrn Verwalters zuruckgegeben, daß er nicht nochmals hereinfallen wolle. Leider kann ich Ihnen dieses Stück nicht einsenden, da ich einen armen Orgelspieler mit demselben beglückt habe.
Felsberg, Reg.-Bez. Cassel. C. G. Nächst
4- Kiedrich, 31. Juli. Gestern Mittag gegen 2 Uhr entstand in der chemischen Fabrik Kalle u. Co. hier ein Reiner Brand, der leicht größere Dimensionen annehmen konnte. In der Schreinerei- Abtheuung waren Holzvorräthe in Flammen aufgegangen und das Feuer war bereits auf die angrenzende Speisehalle der Arbeiter übergegangen. Die eigene Kallesche Fabrikseuerwehr, sowie einzelne Abtheilungen der Feuerwehr der Chemischen Werke norm. H. und G. Albert Aktien-Gesellschaft und die hiesige freiwillige Feuerwehr haben nach kurzer angestrengter Thätigkeit den Brand gelöscht und auf seinen Herd beschränkt. Ein« Abtheilung Soldaten der Unter« Szierschule hatte die Absperrung der an der Fabrik vorbeiführenden tinftrafje (Chaussee) vorgenommen. Der Verkehr war dadurch
etwa eine Stunde gehemmt und führte diese Maßregel zu kleine» Reibereien unb Streit mit den Passanten, die durchaus ihren Weg fortsetzen wollten.
O Franeustein, 30. Juli. Unser so friedlich zwischen den Bergen liegendes Dorschen hatte für heute tut vollständiges Fest« gewand angelegt: Bis in die entlegensten Enden war jedes Haus aufs Prächtigste mit Kränzen, Tannengrün und Fähnchen ge« schinückt; auf den Straßen riefen die tn zahlreichen Guirlaube» angebrachten Sinnsprüche den von auswärts Kommenden ein „herrliches Willkommen" entgegen, und Festesfreude leuchtete aus jedem Angesicht. Dies Alles geschah aus Anlaß der heute stattfindende» Fahnenweihe unseres Militär-Vereins. Bereits gestern Abend schon hatte die Festlichkeit mit einem in allen seinen Theile» wohlgelungenen Fackelzuge und sich anschließendem Festkomnier« begonnen. Auch die auswärtigen Vereine kamen im Laufe deS Mittags in recht stattlicher Zahl — ein großer Theil von ihn« auf Leiterwagen — an. Die Zahl derjenigen von auswärts, die an dem zwischen 2 und 3 Uhr sich durch die Ortsstraßen bewegenden Festzuge Theil nahmen, erreichte die recht stattliche Zahl von 32. Der Festplatz liegt etwa 5 Minuten außerhalb deS Ortes, in der Wies« nach Schierstein zu. Bald nach der Ankunft versammelten sich die Festgäste um die auf» geschlagene Bühne, um hier der Weihe und Enthüllung des neu« Banners beizuwohnen. Als erster Redner betrat die Bühne der Vorsitzende deS hiesigen Militärvereins, Herr Becker, um in marinen Worten die so zahlreich Erschienenen zu begrüßen. Nach ihm ergriff daS Wort der frühere Kommandeur des VezirkS- komiuandos Wiesbaden, Herr Oberstleutnant v. Detten, um sich in echt patriotischer, markiger und kerniger Weise über die Aufgabe unserer Kriegervereine zu verbreiten. Seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache schloß Redner mit einem Kaiserhoch. Di« sich nun anschließende Weihe wurde durch einen Seitens unfertig Mannergesangvereins mit Präcision vorgetragenen Chor vorbereitet. Die Weihe selbst wurde von dem Verbandsvorfitzend« des Kreises, Herrn Dr. med. Nolte-Wiesbaden, borgenommen. Derselbe verbreitete sich in meisterhafter Weise über di« Bedeutung der Fahne für den Soldaten und trmnljnte die Mitglieder des Vereins, der heute ein neues Banner bekomme, stets dasselbe hoch zu halten und ihm in alter Soldatentreue zu folgen. Mit dem Gelübde dies allezeit zu thun, nahm der Träger der neuen Fahne dieselbe entgegen. Als besondere» Schmuck wurde darauf noch an derselben eine von den Festjung- frnuen gestiftete prachtvolle Fahnenschleife befestigt. Die neue Fahne wurde in einer Fabrik fit Mainz augefertigt und ist vollkommen zur Befriedigung ausgefallen. Sie trägt bte Worte: Mit Gott für König und Vaterlandl — Ans dem Festplatze entwickelte sich bald ein recht buntes Leben. Leider rückte die Stunde, die die meisten auswärtigen Gäste an di« Heimkehr mahnte, nur z« frühe heran. Der heutige erste Festtag verlief in schönster Weife. Auch der Fest-Verein, sowie die Geschäftsleute hatten wohl alle Ursache, mit demselben zufrieden zu Jein. Hoffentlich wird dasselbe mit dem morgigen Tage einen würdigen Abschluß finden.
— Kloppkicheim. 31. Juli. Der hiesige Krieger- uno Militär-Verein feiert Sonntag, den 6. August d. I., sei» 25-jährigcS Stiftungsfest. Der vielen Feste wegen, die i» letzter Zeit allerwege in unserem Regierungsbezirk gefeiert werden, will der Verein von besonderen Einladungen der benachbart« Brudervereine absehen und die Feier lediglich auf den Ort selbst beschränken. Daß aber auswärtige Kameraden trotzdem sehr willkommen sind, versteht sich von selbst. Der Festplatz ist schon gelegen und befindet sich in unmittelbarer Nähe unseres Ortes. Herr HeinrichGoßmann, Gastwirth„ZurRose", hat die Festwirih schäft übernommen, und in seinem Hause findet Abends Ball statt.
-r- Niedernhausen, 30. Juli. Am vorigen Freitag Abend fand auf Veranlassung Frankfurter Kurgäste eine bengalisch« Beleuchtung der Pulvermühle und ihrer schönen Umgebung statt. Die ganze Veranstaltung nahm einen prächtigen Verlauf. — Zu den beliebtesten der vielen schönen Spaziergänge, die wir hier m der Gegend Haden, gehört auch der auf den nahen Kellerskopf. Man freut sich hier allgemein, daß die Arbeiten an dem AusflchtSthnrm des Kellerskopfes rüstigen Fortschritt nehmen. — Herr Kaufmann Müller zu Wiesbaden ist eben damit beschäftig^ ein Wohnhaus zwischen dem Eisenbahndamm und der Pulvermühs« zu bauen. — Die Heidelbeer-Ernte bringt in diesem Jahr« vielen armen Einwohiiexu der hiesigen Gegend reichen Verdienst, denn die Heidelbeeren sind dieses Jahr sehr theuer. Da dieselben aber auf dem großen Feldberg geholt werd« müssen, so ist der Verdienst ein recht mühsamer. — Air dem hiesigen Bahnhof ist man eben damit beschäftigt, die Drehscheibe und die Maschinenhalle auf die andere Seite deS Bahnhofs zu verlegen. Diese neue Einrichtung hat den Bortheil, daß bte Maschinen bann rangiren können, ohne baß ber Weg nach Königshofen burch Zulegen ber Barriere gesperrt wirb. — Zu be» Gemarkungen ber hiesigen Gegend, in denen das Schwarzwild bedeutenden Schaden verursacht hat, gehört auch die Gemarkung Niederseelbach. Königliches Landrathsamt in Langenschwalbach har deshalb an eine Anzahl Einwohner von Nieberseelbach, bie Soldat waren und mit Schußwaffen umgehen können, in dankenswerther Weise unentgeltliche Jagdscheine für die Monate August und September zur Vertilgung des Schwarzwildes ausgestellt.
-r- Heftrich, 28. Juli. Gestern wurde auf ber nahen Altenburg unser bicsiäljriger Jacobimarkt abgebalten. Am Vormittag war auf bemielben viel Vieh zum Verkauf aufgetrieb«, aber es fehlte an Käufern; so war der Handel im Allgemeine» flau. Für trächtige Rinder und Kühe von bester Qualität wurden immerhin hohe Preise erzielt. Vieles Vieh aber blieb unverkaufte Fett« Rinder werden in der hiesigen Gegend im Centner mit 60 dis 62 Mk. bezahlt, fette Ockfen mit 64—66M. und fette Schwein« mit 50—52 Mk. pro Centner. Der Krammarkt am Mittag war diesmal, besonders von ber Jugend aus der Umgegend, dm Bauschülern von Idstein und den Kurgästen aus Niedernhausen, sehr gut besucht. Die anwesenden Geschästskeute erzielten infolgedessen gute Einnahmen.
-r- Nom obere» Schwarzbach, 28. Juli. Die Kornernte hat in ber hiesigen Gezenb allgemein ihren Anfang genommen. Dieselbe liefert sowohl hinsichtlich be« Strohs wie der Sönter einen außerordentlich reichen Ertrag. Aus der nassauisch«» Ruthe werden diesmal vielfach zwei Garden gebunden. DaS <8 eine Ernte, wie wir sie in diesem Jahrhundert noch selten gehabt haben. Auch in diesem Jahr werden unsere Scheunen nicht gern» Raum haben, den reichen Erntesegen zu bergen. Neues Hm wird eben in der hiesigen Gegend pro Centner mit 2 Mk. 20 Ps. bezahl vorigjähriges Heu kostet pro Centner 3 Mk.
△ Mainz, 31. Juli. Rheinpegel: 1 m 47 em vormittags gegen 1 m 50 an am gestrigen vormittag.
